KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

"1968 - Politik und Popkultur" - Vortragsabend in der Kreuzeskirche Essen


Detlef Siegfried sprach über den Zusammenhang zwischen Popkultur und Politik 1968.
© KWI
Die popkulturellen Strömungen der 60er Jahre standen im Fokus eines Abends in der Kreuzeskirche Essen, an dem zwei Historiker aus unterschiedlichen Blickwinkeln referierten. Während Detlef Siegfried der Frage nachging, wie von den Akteuren des Jahres 1968 ein Zusammenhang zwischen Popkultur und Politik hergestellt wurde, untersuchte Bodo Mrozek, wie sich der für die Zeit typische Sound musikgeschichtlich charakterisieren lässt und inwiefern er die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der Zeit spiegelt.
Politische Haltungen im traditionellen Sinne waren mit der Beatmusik der 60er Jahre eher nicht verbunden, ihre affektiven Aspekte verliehen ihr dennoch revolutionäres Potential, wie Siegfried herausstellte. Gerade in seiner Deutungsoffenheit war beispielsweise der Beat ein Medium gegen den Sinnzwang, mit dem man sich von der älteren Generation abgrenzen wollte. In linken Zirkeln galt die aufstrebende Popmusik im Sinne Adornos und Horkheimers als Teil der allgegenwärtigen Kulturindustrie. Erst in den späten 60ern wurden die Texte politischer und viele Musiker begannen selber zu schreiben und ihre Musik zu produzieren. Bodo Mrozek betonte zu Beginn seines Vortrags, dass das Fernsehen unser Bild von ’68 stark geprägt habe. Man denkt zwar an junge Männer auf Demos und politischen Pop, kaum jemand hat aber vor Augen, dass einer der Nr.1 Hits des Jahres 1968 in Deutschland Heintjes „Heidschi Bumbeidschi“ war. Anhand von Klangbeispielen ging Mrozek in seinem Vortrag im Folgenden den Sounds der Zeit auf den Grund und analysierte verschiedene Gitarren-Schemata, Soundeffekte und Eigenarten beispielsweise der psychedelischen Rockmusik, in denen sich die Auflösung klarer gesellschaftlicher Strukturen und der Protest gegen den Vietnamkrieg spiegelt, wie bei der von Jimi Hendrix‘ zum „Lärminferno“ gesteigerten legendären Interpretation der US-Hymne.
Die Veranstaltung fand am 19.11.2018 statt und war eine Kooperation des Forums Kreuzeskirche Essen, dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und der Initiative Europäische Horizonte.
Helena Rose, 17.12.18
 

"Convenience. Konsumwelt als kleines Gefühl" - Vortrag von Heinz Drügh


Was hat Ekel mit Bequemlichkeit zu tun?
© KWI, Foto: Huber, eventfotograf.in
Der Literaturwissenschaftler Heinz Drügh (Goethe-Universität F.a.M.) lieferte in der KWI-Reihe "Kleine Gefühle" eine spannende Perspektive auf Bequemlichkeit, im Englischen 'convenience', in Überflussgesellschaften. In seinem Vortrag setzte der Wissenschaftler die Bequemlichkeit in Zusammenhang mit Gefühlen wie Ekel und Überdruss und machte sich zur Aufgabe, eine spezifisch ästhetische Komponente der 'convenience' herauszuarbeiten. Der Journalist Benjamin Trilling besuchte die Veranstaltung für das Kulturmagazin "trailer Ruhr" und berichtet dort über "Die Krux mit dem Schoko-Kirsch-Brownie-Tee".

Im Januar 2019 findet die letzte Veranstaltung der Reihe statt. Am 15. Januar referiert der Germanist Rupert Gaderer (Ruhr-Universität Bochum) in seinem Vortrag über "Missmut, Agitation und Social Media".
Johanna Buderath, 13.12.18
 
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