KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Dienstag, 20. November 18:00 Uhr - 20:00 Uhr
In der Reihe "Kleine Gefühle" - Maren Haffke (Ruhr-Universität Bochum)
Vortrag: "Boring Angel. Langeweile und Ambient"
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestraße 31, 45128 Essen
Veranstalter: Die offene Gesellschaft

Thema des Vortrags:
Das musikalische Genre Vaporwave schafft eine Klangwelt, die scheinbar so leicht wie Dampf um uns herumfließt. In ihr scheint sich jede Schwere des Lebens in quasi gasförmige Leichtigkeit aufzulösen. Vaporwave scheint der ideale Soundtrack für die Ära des Postdigitalen zu sein, seine Warenförmigkeit und Technik haben jedoch eine Geschichte, die schon ein paar Jahrzehnte älter ist und aus der Zeit stammt, als der Musikindustrie die Phase der Digitalisierung noch bevorstand.
"Boring work made less boring by boring music” verspricht in den 1970er Jahren ein internes Motto des US-amerikanischen Unternehmens Muzak, das 80 Jahre lang unter diesem Namen Hotelfoyers, Supermärkte und U-Boote, Busse, Aufzüge und Schlachtanlagen, unzählige Wohnzimmer und das Weiße Haus mit Hintergrundmusik versorgt. Backgroundmusic als „Mood Management“ entwickelt dabei ein Vokabular des Atmosphärischen, der Temperierung und der akustischen Einrichtung, das Anschlussstellen zu Theorien musikalischer Ambiente als Milieus und Umwelten aufweist, die parallel in den musikalischen Avantgarden entworfen werden. Wie der Vortrag zeigt, verweist die Mediengeschichte musikalischer Hintergründe dabei auf Verhandlungen, die den Status von Langeweile, Passivität und Leere in den „Low-Affect-Lifestyles" der Moderne selbst betreffen. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Art von Gefühlen in langweiligen (Klang-)Umgebungen überhaupt möglich sind. Ist die große Langeweile letztlich ein kleines Gefühl, und wer empfindet sie als solches?

Referentin:
Maren Haffke, Postdoktorandin im Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ an der Ruhr-Universität Bochum

Über die Reihe "Kleine Gefühle":
Auf der Palette derjenigen Gefühle, die zuletzt viel Presse und (auch wissenschaftliche) Aufmerksamkeit erhalten haben, scheinen komplementäre und stark leuchtende Emotionen vorzuherrschen. Allein starke Leidenschaften scheinen politische Debatten zu befördern, die mehr denn je als Privatangelegenheit verhandelt werden: Hass tritt aller Orten auf und hat als vitalisierende Kraft Debatten belebt und Taten herausgefordert, die uns in Bann schlagen; Liebe wird als Gegenmittel angerufen, vermisst oder als Utopie denunziert. Mitgefühl wird eingefordert, Trauer zelebriert, Überlegenheit genossen, Ohnmacht verteufelt.
Was ist daneben mit den kleinen Gefühlen, die in weder in ihrer Niedertracht noch in ihrer Grandiosität für Furore sorgen können? Wie steht es um den Mißmut, der sich beispielsweise angesichts der gerade beschriebenen Lage auf ganz alltägliche Art und Weise bahn brechen kann, wie können wir die ganz normale Boshaftigkeit beschreiben, welche Erzählungen gibt es über die alltägliche Eifersucht, welche Bilder produziert die durchschnittliche Missgunst und wie klingt die nur leise vorhandene Unzufriedenheit?
In einer Vorlesungsreihe möchten wir uns mit den sogenannten „kleinen Gefühlen“ beschäftigen, zu denen wir nicht nur jene rechnen, die niedriger dosiert sind als ihre umwerfenden Gegenstücke auf der Liebe-Hass-und-Edelmut Seite, sondern auch solche, die als niedere Empfindungen das weniger beliebte Gefühl des Hochnotpeinlichen auslösen. Zusammengefasst: wir interessieren uns in dieser Reihe für alles, was „die Weisheit, die von oben kommt“ untergräbt, „die irdische, weltliche, teuflische Weisheit“ (Jak. 3, 15) in Form jener Gefühle, über die keiner gern spricht, außer bei uns.

Kontakt und Organisation:
Hanna Engelmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin am KWI

Leitung:
Julika Griem , Jan Wilm , Hanna Engelmeier

Pressekontakt:
Miriam Wienhold & Helena Rose
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0201 - 72 04-152
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