KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Mittwoch, 14. März - Donnerstag, 15. März
Gudrun Gersmann (Universität zu Köln), Heinrich Theodor Grütter (Ruhr Museum Essen), Friedrich Jaeger (KWI)
Tagung: Brauchen die Kulturwissenschaften einen Animal Turn? Theoretische Grundlagen und konzeptionelle Probleme der Human-Animal-Studies
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Goethestraße 31, 45128 Essen
Veranstalter: Die offene Gesellschaft

Die Tagung versteht sich als eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme der theoretischen und konzeptionellen Probleme, die sich derzeit in den kulturwissenschaftlichen Debatten zu den Human-Animal-Studies stellen.

Zum einen geht es um die Frage, ob und inwieweit sich die anthropozentrisch geprägte Denkstruktur der Kulturwissenschaften um Perspektiven erweitern lässt, die – im Sinne einer Kulturwissenschaft des Lebendigen – der Bedeutung von Tieren stärker gerecht wird. Die Tagung widmet sich den damit verbundenen ontologischen, epistemologischen, handlungstheoretischen und methodologischen Herausforderungen.

Darüber hinaus werden die tierrechtlichen, tierphilosophischen und religionsphilosophischen Aspekte des Verhältnisses zwischen Menschen und Tieren erörtert. Dabei steht im Zentrum, ob und inwieweit sich analog zu unseren Vorstellungen von Menschenrechten und Menschenwürde Konzepte von Tierrechten und Tierwürde entwickeln und begründen lassen, die Tieren einen moralischen Status einräumen und damit das Mensch-Tier-Verhältnis auf eine neue kulturelle Grundlage stellen.
Schließlich werden auch wichtige kulturhistorische bzw. evolutionsgeschichtliche Aspekte des Mensch-Tier-Verhältnisses beleuchtet sowie Etappen aus der Vorgeschichte der heutigen Human-Animal Studies erörtert.

Vorläufiges Tagungsprogramm

Zum wissenschaftlichen und institutionellen Kontext der Tagung:
Bei der hier vorgestellten Tagung handelt es sich um die Auftaktveranstaltung zu dem Kooperationsprojekt „Mensch-Tier-Beziehungen im Ruhrgebiet von der Vormoderne bis zur Gegenwart“, das gemeinsam vom Ruhr Museum in Essen (Heinrich Theodor Grütter), der Frühneuzeitgeschichte an der Universität zu Köln (Gudrun Gersmann) sowie dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (Friedrich Jaeger) initiiert worden ist. Mit seiner Themenstellung möchte das Projekt einen bislang weitgehend unerforschten Teil der Geschichte des Ruhrgebiets aufarbeiten. Das Verbundprojekt setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Es umfasst erstens die Realisierung einer vom Essener Ruhr Museum in Kooperation mit weiteren Museen des Ruhrgebiets organisierten Ausstellung zum Rahmenthema des Projekts, die im Frühjahr 2019 im Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein, dem Weltkulturerbe des Ruhrgebiets, eröffnet wird. Die zweite Komponente besteht in der Entwicklung eines die Ausstellung wissenschaftlich flankierenden Forschungsprojekts mit Nachwuchswissenschaftlern an der Universität zu Köln. Den dritten Schwerpunkt bildet ein wissenschaftliches Tagungsprogramm am KWI Essen, zu dem die hier skizzierte Tagung den Auftakt bildet und das in weiteren Tagungen sukzessive auf die konkreten Themenschwerpunkte der geplanten Museumsausstellung hin zugespitzt werden soll. Zu deren voraussichtlichen Schwerpunkten gehören vor allem die folgenden:

  • Praktiken der Tiernutzung (Tiere in Transport und Verkehr, in Landwirtschaft und Bergbau, in Ernährung und Konsum, im Krieg, in urbanen Milieus, Tiere als Schlachtvieh etc.);
  • Formen tiervermittelter Interaktion und Vergemeinschaftung (tierbezogenes Vereinswesen, Sporttiere wie Brieftauben sowie Pferde- und Hunderennen, Ausstellungs- und Messewesen der Kleintierzuchtverbände, Tiere als Medien der Interkulturalität und der sozialen Integration in der Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets);
  • Tiere und Emotionen (Haus- und Gefährtentiere, Tierliebe und Tierschutz, Kuscheltiere und Tiere als Spielfiguren für Kinder, Tierfriedhöfe);
  • Repräsentation und Ästhetisierung von Tieren (in Kunst, Literatur, Photographie, Film, Wissenschaft, Denkmalskultur und elektronischen Medien wie YouTube; Tierausstellungen des Ruhrgebiets, öffentliche Inszenierung von Tieren in Zoos, Luxuskonsum wie Pelze);
  • Wildtiere in einer urbanisierten und industrialisierten Region (das Aussterben und die Wiederkehr von Wildtieren, Geschichte der Jagd, die Rolle von Industriebrachen und Wohnquartieren, Tiere im Naturraum Ruhrgebiet und ihre kulturelle Wahrnehmung).


Anmeldung:
Teilnahme nur nach Anmeldung bis zum 5. März 2018 unter Maria.Klauwer@kwi-nrw.de.

Inhaltlicher Kontakt:
Friedrich Jaeger, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am KWI
Britta Weber, Projektkoordinatorin (KWI)

Pressekontakt:
Miriam Wienhold, 0201 - 72 04 152, miriam.wienhold@kwi-nrw.de
Helena Rose, 0201 - 72 04 152, helena.rose@kwi-nrw.de

Veranstalter:
Eine Veranstaltung des Verbundprojekts „Mensch-Tier-Beziehungen im Ruhrgebiet von der Vormoderne bis zur Gegenwart“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), dem Ruhr Museum Essen und der Universität zu Köln