KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Dienstag, 19. April 18:30 Uhr
Matthias Meitzler auf Einladung des KWI-Fördervereins
Vortrag: Spuren des Lebens im Zeichen des Todes: Eine soziologische Betrachtung der letzten Dinge
Ort: Gartensaal, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Goethestraße 31, 45128 Essen
Veranstalter: Die offene Gesellschaft

Der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) lädt zum Vortrag von Matthias Meitzler zum Thema „Spuren des Lebens im Zeichen des Todes: Eine soziologische Betrachtung der letzten Dinge“ ein.

Der Tod stellt nur auf den ersten Blick ein rein biologisches Faktum dar. Bei genauerer Betrachtung lassen sich zahlreiche kulturelle Feinheiten rund um das Lebensende erkennen. Die etablierten Umgangsformen einer Gesellschaft mit Sterben, Tod und Trauer beeinflussen u.a. die Gestaltung von Bestattungsritualen und Grabeinrichtungen. Sinnbilder und Abschiedsgesten sind insbesondere auf dem Friedhof immerzu Inszenierungen sozialer Verhältnisse – doch mehr denn je stehen heute Verweise auf die einstige Lebenswelt der Toten im Vordergrund.

Statt kollektiver Überbauten und religiöser Jenseitsaussichten dominiert auf dem zeitgenössischen Friedhof immer häufiger der Rückblick auf das individuelle Leben. Gräber werden bunter und sind mit Fotos, Gebrauchsgegenständen, privaten Lebensweisheiten, Songtexten, Hobbydarstellungen, Verweisen auf die Populärkultur ausgestattet. Individuelle Formen, persönliche Inschriften, Fotos der Verstorbenen auf Grabsteinen, Erinnerungsobjekte und der Bedeutungswandel religiöser Bezüge geben spannungsreich Auskunft darüber, wie in der gegenwärtigen Gesellschaft mit der Unumgänglichkeit des Abschiedsnehmens umgegangen wird. Mithilfe von sozialwissenschaftlicher Feldforschung auf bislang über 900 Friedhöfen im deutschsprachigen Raum lässt sich aufzeigen, dass dahinter ein sozialer Wandlungsprozess steht.

Seit mehreren Jahren forscht Matthias Meitzler (gemeinsam mit Thorsten Benkel, Uni Passau) zum Thema »Gesellschaft und Sterblichkeit« und hat in diesem Zusammenhang mit kultursoziologischer Orientierung u.a. Hospize, Obduktionen, Organspende, Totenfürsorge und insbesondere Friedhofsräume untersucht. Nähere Informationen finden sich dazu unter www.friedhofssoziologie.de. Ihre Erkenntnisse sind auch in Buchform erhältlich, am 8. April erscheint ihre zweite Veröffentlichung zu kuriosen Grabsteinen im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Meitzlers Dissertation befasst sich mit dem Zusammenhang von Tod und Individualisierung. Sein Vortrag stellt einige zentrale Ergebnisse aus diesen Forschungskontexten vor und wird mit zahlreichen Bildern unterstützt.

Referent:
Matthias Meitzler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und arbeitet dort im Forschungsprojekt »Die Mediatisierung der deutschen Forensik«“.

Veranstalter:
Eine Veranstaltung des Fördervereins des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI)

Inhaltlicher Kontakt:
Armin Flender, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), armin.flender@kwi-nrw.de

Ansprechpartner Förderverein:
Thomas Geer (Vorsitzender), c/o KWI, Goethestraße 31, 45128 Essen

Buch:
Game over. Neue ungewöhnliche Grabsteine
"Game Over. Neue ungewöhnliche Grabsteine" von Matthias Meitzler und Thorsten Benkel, KiWi, 2016.