KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Montag, 07. Dezember 19:00 Uhr - 21:30 Uhr
Käte Hamburger Lecture mit Wolf Lepenies
Das Scheitern der Mittelmeerunion. Vorgeschichte und Folgen
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestr. 31, 45128 Essen
Veranstalter: edition Körber-Stiftung

"Wann werden wir in Frankreich endlich begreifen, dass unser 'Mitteleuropa' das 'Mittelmeer' ist?", fragte der französische Ökonom Alain Minc nach der deutschen Wiedervereinigung. Mit der Ausweitung der Europäischen Union nach Mittel- und Osteuropa wuchs der Einfluss des wiedervereinigten Deutschlands. Neben der wirtschaftlichen übernahm Berlin auch die politische Führungsrolle auf dem Kontinent. Auf Initiative von Präsident Nicolas Sarkozy versuchte Frankreich, den Machtzuwachs Deutschlands durch die Gründung einer Mittelmeerunion unter französischer Führung zu kompensieren. Der Plan scheiterte am Veto der deutschen Kanzlerin.

Zur Vorgeschichte dieses Plans gehört der 1945 formulierte Vorschlag Alexandre Kojèves, den Rang Frankreichs gegenüber Deutschland durch die Gründung eines “Lateinischen Reichs” zu behaupten. Charles de Gaulle folgte diesem Vorschlag nicht, entschlossen, das Vereinte Europa mit und nicht gegen Deutschland zu bauen. Eine Politik im Zeichen der “Latinität” verfolgte dagegen François Mitterand – als Vorsitzender der Sozialistischen Partei, die der deutschen Sozialdemokratie einen “Sozialismus des Südens” entgegenstellte.

In seinem Vortrag am 7. Dezember konzentriert sich Wolf Lepenies auf Versuche zur Gründung einer “lateinischen Front” gegen Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die “lange” Vorgeschichte soll im Vortrag nur angedeutet werden.

Wolf Lepenies, geb.1941 in Deuthen, promovierte 1967 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Fach Soziologie und erhielt 1971 an der Freien Universität Berlin eine Professur im gleichen Fach. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt am Institute for Advanced Study in Princeton, N.J., wurde er 1984 an das Wissenschaftskolleg zu Berlin berufen, das er von 1986 bis 2001 als Rektor leitete. Er ist Ehrendoktor der Pariser Sorbonne, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Fritz Thyssen Stiftung (Köln) und Mitglied im Aufsichtsrat der Axel Springer AG. 2006 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Im Frühjahr 2016 erscheint sein neues Buch „Die Macht am Mittelmeer. Französische Träume von einem anderen Europa."

Moderation: Claus Leggewie, KWI-Direktor und Co-Direktor am Käte Hamburger Kolleg Duisburg (KHK)

Teilnahme nach Anmeldung bis zum 3. Dezember 2015 per E-Mail an events@gcr21.uni-due.de

Inhaltlicher Kontakt: Manuel Borutta, Ruhr-Universität Bochum, manuel.borutta@rub.de

Eine Veranstaltung des Käte Hamburger Kollegs (KHK) in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI).