KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Freitag, 15. Juli
Teilnehmer: Thomas Spitzley, Ralf Stoecker, Corinna Mieth, Christiane Woopen u.a.
Was tun, wenn alles falsch ist? Moralische Dilemmata in der Ethik
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Goethestraße 31
Veranstalter: Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH

In der angelsächsischen Moralphilosophie gab es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts eine folgenreiche Debatte über die Frage, ob es das „Aus“ für die Moralphilosophie bedeuten würde, wenn es unauflösbare moralische Dilemmata gebe. Am 15. Juli findet im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen der Workshop „Was tun, wenn alles falsch ist?“ statt. Es wird diskutiert, welche Konsequenzen sich aus dem Problem moralischer Dilemmata für die zeitgenössische Ethik ergeben – eine Frage, die direkte praktische Folgen für den Umgang mit sozialen, politischen und ökonomischen Handlungskonflikten hat, wie sie für pluralistische Gesellschaften typisch sind.

Angestoßen wurde die moralphilosophische Debatte von David Ross in seiner „Foundations of Ethics“ von 1939. Donald Davidson hat das Problem später in seinem Essay „How is Weakness of the Will Possible“ (1970) mit der Äußerung auf den Punkt gebracht, dass wir „unsere gesamte bisherige Auffassung vom Wesen der praktischen Vernunft aufgeben“ müssten, wenn wir „nicht die Position vertreten können, dass es bei moralischen Prinzipien zu keinen Anwendungskonflikten kommen“ könne, weil sich wohl kaum an die „Wahrheit“ eines Moralsystems glauben lasse, in dem es zu ethischen „Widersprüchen“ komme. Der Workshop „Was tun, wenn alles falsch ist? Moralische Dilemmata in der Ethik“ soll zeigen, dass moralische Dilemmata nicht nur ein theoretisches Problem, sondern eine eminent praktische Herausforderung für moderne Gesellschaften darstellen, in der sich immer schwieriger konsensfähige Lösungen für den Umgang mit komplexen Handlungs- und Zielkonflikten finden lassen.

Zu diesem Zweck wird zum einen der Frage nachgegangen, worin ein moralisches Dilemma besteht und was es für das Selbstverständnis der Moralphilosophie bedeutet, wenn sich moralische Dilemmata nicht mit vernünftigen Argumenten beseitigen lassen. Zum anderen geht es um den Umgang mit moralischen Dilemmata in der Alltagspraxis und die Rolle, die dabei die Moralphilosophie spielt: Muss die Moralphilosophie ihren Anspruch als einheitliche Wissenschaft aufgeben, wenn sie in einzelne Teildisziplinen der Angewandten Ethik, zum Bespiel in die Medizinethik oder Unternehmensethik zerfällt? Wäre es eine Kapitulationserklärung, wenn von der Moralphilosophie nur eine Beratungsdisziplin übrig bleibt, die keine wirklichen Lösungsvorschläge anbieten kann? Der Workshop ist eine gemeinsame Veranstaltung des KWI und der Universität Potsdam.

Leitung: Prof. Dr. Ludger Heidbrink (KWI) und PD Dr. Marie-Luise Raters (Universität Potsdam).

ReferentInnen:
Prof. Dr. Thomas Spitzley (Universität Duisburg-Essen), Dr. Robin Celikates (University of Amsterdam), Prof. Dr. Thomas Zoglauer (Technische Universität Cottbus), Prof. Dr. Christiane Woopen (Universität Köln), Prof. Dr. Ralf Stoecker (Universität Potsdam), Prof. Dr. Corinna Mieth (Ruhr Universität Bochum), Dr. Martina Herrmann (TU Dortmund).

Um Anmeldung wird gebeten bis zum 8. Juli bei ursula.sanders@kwi-nrw.de.

Das Programm zum Workshop finden Sie pdf iconhier.
Den ausführlichen Tagungsbericht finden Sie pdf iconhier.