KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen
event
 
Dienstag, 26. April 18:00 Uhr
Autoren: Harald Welzer, Sönke Neitzel; Referenten: Herfried Münkler, Jörg Baberowski; Moderation: Hans-Georg Soeffner
Buchpräsentation "Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben"
Ort: Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Goethestraße 31
Veranstalter: Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH

„Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl“ – so und ähnlich klingen sie: Die Gespräche deutscher Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg. In von Briten und Amerikanern eigens eingerichteten Lagern wurden sie zwischen 1940 und 1945 heimlich abgehört. Sie sprachen über militärische Geheimnisse, über ihre Sicht auf die Gegner, auf die eigene Führung und auf die Judenvernichtung. Harald Welzer und Sönke Neitzel haben in den vergangenen Jahren im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) die rund 150.000 Seiten Abhörprotokolle ausgewertet. Die Ergebnisse erscheinen nun unter dem Titel „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ im S. Fischer Verlag.

Am 26. April diskutieren die Autoren im KWI mit Jörg Baberowski und Herfried Münkler von der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Veranstaltung eröffnet Hans-Georg Soeffner, Vorstandsmitglied am KWI. Angela Kühnen, Gerda-Henkel-Stiftung, und Frank Suder, Fritz-Thyssen-Stiftung, sprechen anschließend über Strategien der Förderung interdisziplinärer Forschung.

„Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ zeigt die Kriegswahrnehmung von Soldaten in historischer Echtzeit und vermittelt eine faszinierende und erschreckende Innenansicht des Zweiten Weltkriegs durch jene Soldaten, die große Teile Europas verwüsteten. Das Buch legt erstmals eine überzeugende Mentalitätsgeschichte des Krieges vor. Das Forschungsprojekt „Referenzrahmen des Krieges“, in dessen Rahmen diese Publikation entstand, wird gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung und die Fritz Thyssen Stiftung.

Pressestimmen:

  • „Vieles darin ist unfassbar und kaum erträglich - und doch: Ein sehr wichtiges Buch.“ heute journal (ZDF), 6.4.2011
  • „Wer immer noch meint, es sei möglich, moralisch unversehrt durch einen Krieg zu marschieren, der lese dieses Buch.“ heute journal (ZDF), 6.4.2011
  • „Ein Sensationsfund, der eine Innenansicht des Zweiten Weltkriegs ermöglicht und den Blick auf diesen verändern wird.“ Der Spiegel, 4.4.2011
  • „Was schon für aktuelle Militäroperationen wie den Afghanistan-Einsatz kaum machbar erscheint, ist bei einem weit zurückliegenden Ereignis wie dem Zweiten Weltkrieg schier ein Ding der Unmöglichkeit - und doch ist zwei deutschen Wissenschaftlern jetzt genau solch eine Dokumentation der Kriegswahrnehmung in historischer Live-Aufnahme gelungen. […] Herausgekommen ist jetzt ein Buch mit dem schlichten Titel ›Soldaten‹, das geeignet ist, den Blick auf den Krieg zu verändern.“ Der Spiegel, 4.4.2011
  • „Riesen-Wirbel um ein Buch über geheime Abhör-Protokolle“, BILD, 5.4.2011
  • „Deutschland steht möglicherweise eine neue Debatte über Verbrechen der Wehrmacht ins Haus. Ein Buch berichtet über heimlich abgehörte Gespräche deutscher Kriegsgefangener.“ WAZ, 6.4.2011
  • „Doch den beiden hochseriösen Forschern geht es nicht vor allem um schockierende Details. Sie wollen verstehen, wie Töten, Plündern und Vergewaltigen vollkommen alltäglich werden kann - und was diese Erfahrung mit Menschen anrichtet. Mit Sicherheit gehört ihr Werk zu den spannendsten Neuerscheinungen des Frühjahrs.“ Berliner Morgenpost, 6.4.2011


Die Autoren:
Prof. Dr. Harald Welzer, geb. 1958, ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und lehrt Sozialpsychologie unter anderem an der Universität Sankt Gallen. In den S. Fischer Verlagen sind erschienen: „Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis“ (mit S. Moller und K. Tschuggnall); „Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“, „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird.“ Seine Bücher sind in 15 Sprachen übersetzt worden.
Prof. Dr. Sönke Neitzel, geb. 1968, lehrt Neuere und Neueste Geschichte in Mainz und Saarbrücken; Gastdozent und Lehrstuhlvertretungen an der University of Glasgow, Karlsruhe und Bern, 2010 Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Bekanntgeworden ist Neitzel mit „Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942–1945“.

Die Referenten:
Prof. Dr. Jörg Baberowski lehrt seit 2002 Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte des Stalinismus und der Gewalt sowie die Theorie der Geschichte. Er war Direktor des Instituts für Geschichtswissenschaften sowie Prodekan und Dekan der Philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität.
Prof. Dr. Herfried Münkler lehrt die Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Münkler beteiligt sich an zahlreichen Forschungsprojekten, ist Herausgeber der Reihe „Politische Ideen“ beim Akademie-Verlag und seit 2009 Mitglied im Sonderforschungsbereich 644 „Transformationen der Antike“. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören u. a. Politische Theorie und Ideengeschichte und Politische Kulturforschung.

Begrüßung:
Prof. em. Dr. Hans-Georg Soeffner ist seit 2007 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Senior Fellow und Vorstandsmitglied am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, Mitherausgeber der Soziologischen Revue.