KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

TAGUNG: Das Vorrücken des Staats in die Fläche im langen 19. Jahrhundert


Die Entstehung des modernen Staates ist in Europa im späten 18. und 19. Jahrhundert eng mit der Ausweitung der zentralen Staatsgewalt auf die lokale Ebene des Staatsgebietes verknüpft. Diese erfolgte nicht zuletzt durch den Aufbau von Bürokratien und durch die Ausweitung der Staatstätigkeit. Dabei stießen lokale Amtsträger als zunehmend professionell ausgebildete Beauftragte der Staatsgewalt auf traditionelle Eliten, die nicht selten noch kurz zuvor Herrschaftsträger aus eigenem Recht gewesen waren. Wollten erstere staatliche Normen vor Ort zur Geltung bringen, waren sie darauf angewiesen, sich erfolgreich innerhalb der lokalen Machtbeziehungen zu verorten.

Die Tagung „Das Vorrücken des Staats in die Fläche im langen 19. Jahrhundert", die am 21. und 22. Februar 2013 in Marburg stattfand, untersuchte diese Prozesse des Staatsausbaus als Aushandlungsprozess zwischen Agenten der Zentralgewalt und jenen der lokalen Gesellschaften, speziell der ökonomisch Mächtigen sowie sozial Einflussreichen unter ihnen, in europäisch-typologisierender Perspektive. Die Vergleichsbeispiele stammen aus England, Frankreich, Spanien, verschiedenen deutschen Territorien, der Habsburgermonarchie, Russland sowie dem Osmanischen Reich.

Die Tagung stand unter der Leitung von Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Europa am Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI), und PD Dr. Jörg Ganzenmüller, Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das KWI veranstaltete die Tagung zusammen mit dem Verband der Osteuropahistorikerinnen und –historiker und dem Herder-Institut für historische Ostmittel-europaforschung.

Miriam Wienhold, 14. Nov 2017 15:01