KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Internationaler Workshop: The Future of Religious Pluralism in Europe

TeilnehmerInnen des internationalen Workshops „The Future of Religious Pluralism in Europe”
© KWI, Fotograf: Björn Liedgens

Konflikte um Moscheebauten, Kopftücher, Blasphemie, das Schächten von Tieren oder die rituelle Beschneidung von Jungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder sowohl Muslime als auch Juden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt und zahlreichen Angriffen ausgesetzt. Wie reagieren unsere Gesellschaften auf die Heraus-forderungen wachsender kultureller Vielfalt? Wie verhalten sich verschiedene Minderheiten zueinander? Wie steht es um die Zukunft des religiösen und ethnischen Pluralismus in Europa? Diese und andere Fragen wurden unter reger Beteiligung der TeilnehmerInnen auf dem prominent besetzten, englischsprachigen Workshop „The Future of Religious Pluralism in Europe“ diskutiert, den das KWI in Zusammen-arbeit mit dem Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa (EZIRE) am 17. und 18. Mai 2013 veranstaltete.

Volker Heins, Leiter des KWI-Forschungsbereichs InterKultur wies in seiner Einführung auf die Wiederkehr „religiöser“ Konflikte in Europa hin, die durch eine altbekannte Feindseligkeit der Mehrheitsgesellschaft vor allem gegen Juden und Muslimen angeheizt würden. Bekim Agai (Bonn und Frankfurt) und Gerdien Jonker (Erlangen) diskutierten die vergessene und verdrängte Rolle von Muslimen einschließlich muslimischer Konvertiten in der europäischen Kulturgeschichte. Frank Peter (Bern), Brian Klug (Oxford) und Yasemin Shooman (Akademie des Jüdischen Museums Berlin) stellten unterschiedliche Konzepte vor, wie die Feindschaft gegenüber Muslimen und Juden aufgefasst werden kann und welche Beziehungen zwischen diesen beiden Formen eines gruppenbezogenen Affekts bestehen. Tariq Modood (Bristol), Riva Kastoryano (Paris) und Yolande Jansen (Amsterdam) rundeten den ersten Tag ab, indem sie Begriffe wie „Assimilation“ und „Säkularismus“ in ihrem Verhältnis zum Multikulturalismus diskutierten.

Die Beiträge am Samstag widmeten sich vor allem unterschiedlichen Aspekten der neueren jüdischen Erfahrung in Deutschland und Europa. So schilderte Michal Bodemann (Toronto) das Phänomen des „virtual Judaism“ und das neue judeophile Milieu in Berlin, während das Papier von Esra Özyürek (San Diego) kontroverse Feldstudien zur Holocaust-erziehung für Muslime präsentierte. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten intensiv diskutierte Beiträge von Cilly Kugelmann (Jüdisches Museum Berlin) und Sergey Lagodinsky (Heinrich Böll Stiftung) zu Perspektiven jüdisch-muslimischer Kooperation und zur Zukunft der multikulturellen Demokratie in Europa.

Johanna Buderath, 20. Okt 2017 12:59