KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Jo Reichertz, Prof. em. Dr.

Leiter des DFG-Forschungsprojekts „Kommunikation und Demenz“


Jo Reichertz
© KWI, Foto: Kurbanov
Studierte Soziologie und Kommunikationswissenschaft an den Universitäten Essen und Hagen

Bis 2015 Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen (UDE)

Seit 2015 Leiter des Forschungsbereichs „KommunikationsKultur“ am KWI

„Zuhören ist viel schwieriger, als gemeinhin angenommen wird.“
(Sogyal Rinpoche - tibetischer Meditationsmeister )

Was mich seit Jahren beruflich umtreibt, ist die Frage danach, weshalb manche Menschen mit ihren Worten etwas erreichen und andere nicht. Wie kommt es, dass einige Kommunikationsmacht erlangen und – was noch sehr viel interessanter ist: wann und weshalb verlieren Menschen Kommunikationsmacht? Das sind die Fragen, denen ich seit vielen Jahren nachgehe und zu denen ich in unterschiedlichen Feldern geforscht habe.

Bedingt durch eine Demenzdiagnose im privaten Umfeld musste ich den dadurch eingetretenen Verlust von Kommunikationsmacht bei dem geschätzten Menschen und bei mir am eigenen Leib erleben – aber auch den Aufbau neuer Formen kommunikativer Handlungsabstimmung: so z.B. Gefühle verstehen und zeigen, Berühren und Berührungen zulassen, Verständigung über Handeln und nicht über Erklärungen.

Da die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einen entsprechenden Forschungsantrag bewilligt hat, möchte ich in den nächsten drei Jahren (und vielleicht länger) versuchen, die oben genannten Fragen zu beantworten. Um das zu können, werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts einige Familien, die einen Angehörigen mit der Diagnose „Demenz“ pflegen, über eine längere Zeit hinweg in ihrem Alltag begleiten.

Im Einzelnen möchten wir untersuchen, wie Angehörige und Menschen, die mit der Diagnose Demenz versehen worden sind, im täglichen Miteinander handeln, wie sie miteinander kommunizieren und ob sich die Formen der kommunikativen Abstimmung im Laufe der Jahre wandeln, welche Herausforderungen sich damit für alle stellen und wie man damit umgehen kann.
Helena Rose, 17. Dez 2018 14:48