KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Publikationen 2001


Sämtliche Monographien, Sammelbände und Aufsätze des KWI aus dem Jahr 2001 finden Sie in diesem Dokument:

pdf iconInstitutsbibliographie des KWI 2001

Die Tücke des Subjekts

Die Tücke des SubjektsSlavoj Žižek
Ein Gespenst geht um in der akademischen Welt. Es ist das Gespenst des cartesianischen Subjekts. Kognitivisten und Psychoanalytiker, Dekonstruktivisten und Anhänger des New Age, Heideggerianer und Habermasianer, Feministinnen und Postmarxisten, Ökologen und Enthusiasten des Cyber-Space - alle haben sie das Ziel, dem westlichen Denken dieses Gespenst auszutreiben. Gemeinsames Objekt der Ablehnung ist jener mysteriöse Hauptangeklagte, der vermeintlich für alle Plagen der Menschheit verantwortlich ist, von der ökologischen Bedrohung bis zur politischen Unterdrückung.

Das Ziel dieses Buches ist es hingegen, das philosophisch und politisch subversive Erbe des cartesianischen Cogito vom Standpunkt der psychoanalytischen Theorie Lacans aus freizulegen und zu verteidigen. Dazu wird der Dialog mit drei zentralen Thesen zur Subjektivität wiederaufgenommen: erstens mit Heideggers Gedanken des nihilistischen Potentials der modernen Subjektivität, zweitens mit der gegenwärtigen politischen Philosophie und drittens mit dem feministisch-dekonstruktivistischen Konzept der wechselnden Subjektpositionen/Identifizierungen. Das Buch versucht, den Raum für radikales politisches Handeln unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus zu öffnen.

Die Tücke des Subjekts
547 Seiten
ISBN: 3518583042
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2001
32,80 €

Das soziale Gedächtnis

Das soziale GedächtnisHarald Welzer (Herausgeber)
Internationale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den unterschiedlichsten Disziplinen widmen sich der Topographie des Gedächtnisses. Am Beispiel sozialer Erinnerungspraktiken wird die Frage nach dem Spannungsfeld von Geschichte und Erinnerung ins Zentrum gerückt. Die Untersuchung beiläufiger und absichtsloser Praktiken der Bildung von Vergangenheit in der kommunikativen Praxis des Alltags liefert erste theoretische und empirische Bausteine für eine Theorie des sozialen Gedächtnisses. Wie vollzieht sich das Erinnern und wie werden Erinnerungen weitergegeben? Welche Rolle kommt dabei den symbolischen und sozialen Praktiken des Alltags zu, wie wird im Familiengespräch Vergangenheit gebildet und wie verändert sich die Wahrnehmung und Geschichtsschreibung des Holocaust mit wachsendem Abstand?

Die Beiträge dieses Buches konzentrieren sich auf die nicht-intentionalen Formen und Praktiken der Weitergabe von Geschichte. In Ergänzung zum kulturellen und kommunikativen Gedächtnis wird hier als bindendes Element der Begriff des sozialen Gedächtnisses geprägt. Die vier Medien des sozialen Gedächtnisses - Kommunikation, Aufzeichnungen, Bilder und Räume - transportieren Geschichte en passant und bilden im sozialen Gebrauch Vergangenheit. Affekt, Gedächtnis und Erinnerungsbilder treten in ein wirkendes Verhältnis miteinander. Gleichzeitig ist Erinnerung immer schon kulturell präformiert und steht unter dem Einfluss medialer Erzeugnisse.

Das soziale Gedächtnis.
Geschichte, Erinnerung, Tradierung.
300 Seiten
ISBN: 3930908662
Hamburger Ed., Hamburg 2001
25,00 €

Verfremdung der Moderne

Verfremdung der Moderne1Bernhard Waldenfels
"Es könnte sein, daß das, was wir Neuzeit oder Moderne nennen, von Anfang an auf einem unhaltbaren Kompromiß hinauslief. Vielleicht hat man versucht, den neuen Wein einer mächtig erwachenden Subjektivität und einer von Kontingenz gezeichneten Vernunft in die alten Schläuche einer allumfassenden Welt-, Lebens- und Geschichtsordnung zu leiten. Dies wäre eine vergebliches Unterfangen. Das so genannte Projekt der Moderne muß scheitern, solange es darauf abzielt, mit dem Eigenen zu beginnen und beim Ganzen zu enden; auch der bloße Durchgang durch das Fremde ändert daran wenig. Es entstehen Zwittergestalten wie die einer europäischen Vernunft, die ihr Idiom als Weltsprache ausgibt. Idiome bleiben Idiome, mögen sie noch so weitläufig und aufnahmebereit auftreten. Man könnte versuchen, das 'Projekt' zu retten, indem man die Ansprüche herunterschraubt und sie den gegebenen Ressourcen oder schlicht der conditio humana anpaßt. Doch eine Rettung, die erkauft wäre mit dem Rückzug auf formale Geltungsansprüche und korrekte Prozeduren, krankt daran, daß sie die jederzeit nötige Motiv- und Erfindungskraft vermissen läßt und den Widerstreit, der auf der Ebene von Institutionen, Traditionen und Kulturen auftritt, geltungstheoretisch unterschätzt. Eine Vernunft, die durch nichts in Frage gestellt wird als durch formale Geltungskonflikte, droht letzten Endes in einer Normalvernunft zu versanden."

Verfremdung der Moderne
Phänomenologische Grenzgänge.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 10
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
168 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-459-5

Der kandierte Apfel

Der kandierte Apfel2,4 Millionen Türken leben in Deutschland. Die Autorin stellt Bilder, Einstellungen, Vorurteile, Stereotypen, Projektionen, Phantasien und Mythen über Deutsche und Deutschland von Menschen aus der Türkei vor. Die Befragten lebten teils lange in Deutschland, teils waren sie hier nur zu Besuch. Manche kennen Deutschland jedoch auch nur vom Hörensagen.
Hanne Straube forschte in den 90er Jahren über mehrere Monate in einem Landkreis in Zentralanatolien, der eine der höchsten Emigrationsraten der Türkei aufweist und deshalb als exemplarisches Beispiel gelten kann. Ihre Untersuchung arbeitet anhand von Interviews, der Lokalpresse, Briefen und Gedichten "pull"- und "push"-Faktoren der Arbeitsmigration heraus. Die Bilder von Deutschland bleiben über die Jahre hinweg erstaunlich stereotyp und unterscheiden sich nicht wesentlich von denen, die zu Beginn der Arbeitsmigration vorhanden waren.

Deutsche sind kalt, geizig, egoistisch, aber auch pünktlich und fleißig. Sie kennen keine Gastfreundschaft. Überall herrscht Ordnung, die Straßen sind asphaltiert, die Bürgersteige sauber. Das Arbeitsleben ist hart, alles ist fremdbestimmt, die Menschen sind wie Roboter.

Und auch für Deutsche sehr fremd wirkende Mythen werden verbreitet: Deutsche Männer sind nicht eifersüchtig, weil sie Schweinefleisch essen. Da Schweine nicht eifersüchtig sind, überträgt sich durch den Genuss ihres Fleisches diese Eigenschaft. Solche "Merkwürdigkeiten" weisen darauf hin, wie eingeschränkt der Blick auf das Andere oft sein kann.

Türkische Deutschlandbilder.
336 Seiten
ISBN: 3496027142
Reimer Verlag, Berlin 2001;
26,- €

Wissen und Wirtschaften

Wissen und WirtschaftenNico Stehr
Was sind die gesellschaftlichen Grundlagen der modernen Wirtschaft? Die Beantwortung dieser Frage erfolgt in Wissen und Wirtschaften nicht aus einer etablierten ökonomischen, sondern aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive.

Ausgehend von der Theorie der Wissensgesellschaft, in der Wissen der konstitutive Mechanismus der Gesellschaft ist, wird die Beschaffenheit der wissensbasierten Ökonomie analysiert. Das Vordringen des wissenschaftlich-technischen Wissens in die wesentlichen Lebens- und Handlungsbereiche der modernen Gesellschaft ist Anlass dafür, unsere Gesellschaft unter der Perspektive ihrer Wissensstruktur zu betrachten und nicht, wie bisher, als in erster Linie von den sozialen Merkmalen Arbeit und Eigentum (Kapital) geprägt zu verstehen.

Wissen und Wirtschaften.
Die gesellschaftlichen Grundlagen der modernen Ökonomie.
449 Seiten
ISBN: 3518291076
Suhrkamp, Ffm. 2001
13,50 €

Zerbrechende Zeit

Zerbrechende ZeitJörn Rüsen
Das Buch erörtert die Grundfrage des historischen Denkens nach dem Sinn der Geschichte. Die Wissenschaft kann diesen Sinn nicht hinreichend verbürgen, sondern setzt ihn voraus. Die Sinnfrage betrifft die Geschichtskultur im Ganzen. Ihre Voraussetzungen, Leistungen, Möglichkeiten und Grenzen werden daher kritisch in den Blick genommen.

Es geht um elementare und fundamentale Aspekte des Geschichtsbewusstseins, um historisches Erzählen und um Grundfragen einer Ästhetik des Historischen. Vor allem aber - und damit betritt das Buch das Niemandsland der Geschichtstheorie - geht es um die historischen Sinnlosigkeitserfahrungen des 20. Jahrhunderts und ihre geistige Verarbeitung in geschichtlichen Deutungen. Die Erfahrung des Holocaust steht im Zentrum von Überlegungen zu den Grenzen der historischen Erkenntnis, zum Verhältnis von Geschichte, Identität und Trauma.

Ein eigenes Kapitel ist der deutschen Identität im Blick auf den Nationalsozialismus gewidmet. So kann ein neuer Zugang zum Sinn der Geschichte erschlossen werden. Geschichte als Sinnproblem - Krise, Trauma, Identität - Auschwitz: die Symbolik der Authentizität - Die Historisierung des Nationalsozialismus - Goldhagens Irrtümer - Holocaust-Erinnerung und deutsche Identität.

Zerbrechende Zeit.
Über den Sinn der Geschichte.
357 Seiten gebunden
ISBN: 3412130001
Böhlau, Köln 2001
28,00 €

Geschichtsbewußtsein

GeschichtsbewußtseinJörn Rüsen (Herausgeber)
Die in diesem Band vereinigten Beiträge stellen einen interdisziplinären Zusammenhang her, der eine komplexe Perspektive auf das Thema "Geschichtsbewußtsein" eröffnet. Es geht hier um das Ensemble mentaler Operationen, die das Geschichtsbewußtsein als zentrales Phänomen menschlicher Subjektivität ausmachen.

Im Mittelpunkt stehen seine kulturellen Funktionen zur Orientierung der menschlichen Lebenspraxis. Psychologische, linguistische und geschichtliche Analysen verbinden sich mit theoretischen Entwürfen, die die Leistung der Zeitdeutung und Identitätsbildung umfassend explizieren. Die theoretischen Analysen des Bewußtseins von Geschichte stehen jedoch nicht allein, sondern werden auf konkrete Phänomene und auf systematisch angelegte empirische Untersuchungen bezogen.

Geschichtsbewußtsein.
Psychologische Grundlagen, Entwicklungskonzepte, empirische Befunde.
406 Seiten
ISBN: 3412155993
Böhlau, Köln 2001
46,00 €

Wortzauber

WortzauberKlaus E. Müller
Nach alter Anschauung besitzen Worte und Sprache eine "magische" Suggestivkraft, die in den gängigen Studien zur Kommunikation bislang nur geringe Aufmerksamkeit fand, obwohl sie nach wie vor, wenn auch mehr unbewußt als bewußt, genutzt wird, ja in bestimmten Bereichen der Interkommunikation von hochaktueller Bedeutung ist.
Wie einstmals die Götter vieler Völker die Welt einzig durch Wortgewalt ins Leben "riefen", lassen Märchen, Literatur, Dichtung, Werbung und Propaganda kraft ihrer "kreativen" Texte immerhin noch Luftschlösser, Phantasie- und Wunschwelten entstehen. Keine Begrüßungs-, Höflichkeits- oder Beileidsformel, kein Gespräch, keine Ansprache, die nicht Gebrauch von der Wirkkraft des Wortes machen, um ihr Gegenüber oder Publikum zu überzeugen, zumindest zu "beeindrucken". Je nach Situation verwendet man eine lockere und ungebundene, beziehungsweise disziplinierte, "gebundene" bis streng formalisierte Sprache. Auch Wortenthaltung - Schweigen - besitzt für die Kommunikation seine ganz bestimmte, oft ausschlaggebende Bedeutung. Das Prinzip setzt sich fort in der Verwendung von Geheim-, Kult- und Sondersprachen.

Den Gründen dafür, den verschiedenen Formen und ihren Bezügen untereinander, der - früher sehr bewußten - Verwendung von Wort und Sprache durch die Mittel der Modulation, Metaphorik, Reimung, kunstvollen Rhetorik und vor allem der Formalisierung in Zaubersprüchen, Sprachetikette, Ritual, Poesie und Satire geht der Ethnologe Klaus E. Müller hier erstmals systematisch nach. Weitere Schwerpunkte der Untersuchung bilden das soziale Gewicht von Gesagtem (sein Wahrheitsanspruch) je nach dem Status des Sprechers, die Bedeutung des "nur" Gedachten (des "Gedankenzaubers") und das Verhältnis von Schrift zu Sprache.

Wortzauber.
Eine Ethnologie der Eloquenz.
159 Seiten Tasche
ISBN: 3874763803
Lembeck Verlag, Frankfurt/M. 2001;
12,00 €

Das europäische Projekt zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Das europäische Projekt zu Beginn des 21 JahrhundertsWilfried Loth (Herausgeber)
Vertiefung und Erweiterung charakterisieren die Europäische Union zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Der vorliegende Band bietet Analysen von Motiven und Initiativen europäischer Einigungspolitik, die zu der gegenwärtigen Situation geführt haben und zeigt Entwicklungsperspektiven wesentlicher Politikbereiche der Union auf.
Vertiefung und Erweiterung erscheinen als ein dialektischer Prozess, der das Gemeinschaftsbewusstsein der Europäer verstärkt.

Aus dem Inhalt:
Wichard Woyke, Agenda der Europäischen Union zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Motive und Initiativen
Guido Thiemeyer, Die Ursachen des "Demokratiedefizits" der Europäischen Union aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive.
Achim Trunk, Eine europäische Identität zu Beginn der 50er Jahre? Die Debatten in den europäischen Versammlungen 1949 bis 1954.
Wolfram Kaiser, Institutionelle Ordnung und strategische Interessen: Die Christdemokraten und "Europa" nach 1945.
Axel Schildt, Europa als visionäre Idee und gesellschaftliche Realität. Der westdeutsche Europadiskurs in den 50er Jahren.
Ralf Magagnoli, Strukturelemente der italienischen Europapolitik 1950 bis 1955.
Monika Dickhaus, Der lange Weg zum Euro: 1947 bis 1999.

Aufgaben und Perspektiven
Peter Bender, Globalisierung demokratisieren - Positionen des Europäischen Parlaments zu grundlegenden Fragen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen.
Sabine Voglrieder, Europäische Identität und Europäische Union: Das Selbst- und Europaverständnis der EU im Kontext der Vertiefungs-/Erweiterungsdebatte.
Hans Georg Fischer, Die verstärkte Zusammenarbeit nach dem Amsterdamer Vertrag - Option für eine differenzierte Integration in der Europäischen Union.
Wolfgang Kowalsky, Konzeptualisierungsversuch der sozialpolitischen Europäisierung. Zur Kritik des vorherrschenden Europessimismus und notorischen Geschichtspessimismus.
Johannes Varwick, Probleme der Sicherheitsarchitektur Eruopas.
Werner Müller, Zwei postkommunistische Parteien und Europa. Die PDS und die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens zur Europäischen Integration.
Jürgen Reuter, Werden Athen und Ankara ihren historischen Konflikt beilegen? Griechisch-türkische Beziehungen im Lichte der türkischen EU-Beitrittskandidatur.
Michael Gehler, Der Präventivschlag als Fehlschlag: Motive, Intentionen und Konsequenzen der EU 14-Sanktionsmaßnahmen gegen Österreich im Jahre 2000.
Wilfried Loth, Nach Nizza. Die Aufgaben der Europapolitik nach den Ergebnissen des Europäischen Rates in Nizza.

Das europäische Projekt zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Grundlagen für Europa Band 8
392 Seiten
ISBN: 3810029084,
Leske & Budrich Verlag, Leverkusen 2001;
24,90 €

Trauer und Geschichte

Trauer und GeschichteBurkhard Liebsch, Jörn Rüsen (Herausgeber)
Weit verbreitet ist die Meinung, Trauer entzünde sich nur am persönlichen Verlust, den man vor allem durch den Tod Nahestehender erleidet. Massenhafter, anonymer Tod dagegen überfordere die Fassungskraft des Einzelnen. Lässt sich eine solche Auffassung heute, im Horizont der geschichtlichen Erfahrung des 20. Jahrhunderts, das unerhörte Destruktionspotentiale freigesetzt hat, noch aufrecht erhalten? Werden nur die "eigenen" Toten und das betrauert, was man an ihnen verloren hat, während die Anderen und Fremden einer anonymen allgemeinen Sterblichkeit überlassen bleiben? Oder trauern wir auch um die "unbekannten Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft", wie es in den Gedenkreden regelmäßig heißt? Schließt unsere Trauer Unbekannte, selbst Feinde mit ein, mit denen uns keine geschichtliche oder ethnische Zugehörigkeit verbindet? Mit diesen Fragen befasst sich das Buch "Trauer und Geschichte", das zwischen psychologischen, historischen, politischen und geschichtsphilosophischen Positionen zu vermitteln sucht.

Trauer und Geschichte.
416 Seiten Taschenbuch
ISBN: 3412131008,
Böhlau Verlag, Köln 2001;
41,00 €

Indexikalität und sprachlicher Weltbezug

Indexikalität und sprachlicher WeltbezugMatthias Kettner, Helmut Pape (Herausgeber)
Warum verstehen wir, dass der Satz "In diesem Augenblick beginnt der Rest meines Lebens" sich auf eine bestimmte Zeit bezieht und zwar immer wieder auf eine andere, je nach dem, wann wir diesen Satz sprechen oder lesen? Eine Antwort lautet: Es sind die "indexikalischen" Komponenten dieses Satzes, die bei jeder Verwendung des Satzes die Zeit unserer Erfahrung mit der Zeit des Lesens, Sprechens oder Denkens des Satzes und so mit der intersubjektiven Zeit verknüpfen.

Mit "Indexikalität" ist diese Anwesenheit der Welt in der Sprache und des Bezugs auf Teile der Welt - Personen, Objekte, Ereignisse - im Sprechen gemeint. In den Beiträgen dieses Bandes werden erstmals im deutschen Sprachraum wichtige Ansätze der analytischen Philosophie - u.a. von Chisholm, Castañeda, Perry, Millikan - mit anderen historischen und systematischen Zugängen zur Indexikalität - z.B. aus der Handlungstheorie und der Sprachpragmatik - verknüpft.

Indexikalität und sprachlicher Weltbezug.
284 Seiten broschiert
ISBN: 3897851490
Mentis Verlag, Paderborn 2001
42,00 €

Werte und Wertewandel in westlichen Gesellschaften

Werte und Wertewandel in westlichen GesellschaftenNorbert Jegelka, Georg W. Oesterdiekhoff (Herausgeber)
Soziale Strukturen und Systeme, soziale Transformationen und sozialer Wandel galten als von Werten und Wertänderungen getragen und konstituiert. Der vorliegende Band stellt wesentliche Vertreter der deutschen Wertwandelforschung vor. Sie analysieren unterschiedliche gesellschaftliche Themen und Bereiche im Fokus der Wertwandelforschung, um so die diagnostische Fähigkeit dieses Paradigmas neu zu beleuchten und zu dokumentieren.

Aus dem Inhalt:
Karl-Heinz Hillmann, Zur Wertewandelforschung: Einführung, Übersicht und Ausblick.
Georg W. Oesterdiekhoff, Soziale Strukturen, sozialer Wandel und Wertewandel. Das Theoriemodell von Ronald Inglehart in der Diskussion seiner Grundlagen.
Friedrich Fürstenberg, Die "europäische Wertegemeinschaft" aus kultursoziologischer Sicht.
Heiner Meulemann, Überdauernde Differenzen - fortwirkende Sozialisation?
Thomas Müller-Schneider, Wertewandel, Erlebnisorientierung und Lebensstile. Eine gesellschaftsgeschichtliche und modernisierungstheoretische Interpretation.
Thomas Gensicke, Zur Frage der Erosion eines stabilen Wertefundaments in Religion und Familie.
Roland Eckert, Freund und Feind - Eine Renaissance partikularistischer Werte?
Edgar Piel, Werteorientierung älterer Menschen - Neuere Entwicklungen.
Hermann Lübbe, Werteverfall oder Wertewandel? Soziale und politische Aspekte.
Georg W. Oesterdiekhoff, Epilog: Theorie des Wertewandels als Theorie der Kulturgeschichte?

Werte und Wertewandel in westlichen Gesellschaften.
Resultate und Perspektiven der Sozialwissenschaften.
207 Seiten Taschenbuch
ISBN: 3810030120
Leske & Budrich Verlag, Leverkusen 2001
15,50 €

Amerikanischer Liberalismus und zivile Gesellschaft

Amerikanischer Liberalismus und zivile GesellschaftFriedrich Jaeger
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich die amerikanische Gesellschaft in einem Prozess stürmischer Modernisierung, der maßgeblich durch Tendenzen der Urbanisierung, Professionalisierung und Bürokratisierung geprägt war. Die Entstehung einer regulativen Sozialpolitik traf mit dem Aufstieg der Frauenbewegung, der New Immigration und den sich verschärfenden Auseinadersetzungen um die nationale Identität Amerikas zusammen. Diese Entwicklungen schufen die Voraussetzungen für ein Reformklima, in dem die USA den entscheidenden Schritt in die Moderne vollzogen.

Amerikanischer Liberalismus und zivile Gesellschaft.
Perspektiven sozialer Reform zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
468 Seiten Taschenbuch
ISBN: 3525356846
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001
64,00 €

Geschichte der Pflanzenseele

Geschichte der PflanzenseeleHans Werner Ingensiep
Die Vorstellung von der Beseeltheit der Pflanzen findet sich in den Entwürfen abendländischer Denker und Forscher von der Antike bis zur Gegenwart. Menschen und Tieren wurde zwar stets ein höherstufiges Leben zugesprochen als den Pflanzen. Die Pflanze galt aber seit Aristoteles als Prototyp für das Verständnis des Lebens schlechthin. Im Zuge der Neuzeit gewann eine mechanistische Sichtweise der Natur die Oberhand. Viele faszinierende Überlegungen zum Seelen- und Empfindungsleben wie auch zur Subjektivität der Pflanzen sind dabei in Vergessenheit geraten.

Zum ersten Mal wird von Hans Werner Ingensiep der Versuch unternommen, die Geschichte der Idee einer Pflanzenseele fachübergreifend und umfassend darzustellen - in der Naturphilosophie, Anthropologie und Ethik, in der Biologie, Theologie und Parapsychologie. Der Autor spannt so einen weiten Bogen, über Aristoteles, Thomas von Aquin, Leibnitz, Linné, Fechner und Darwin bis hin zur modernen Bioethik Peter Singers.

Geschichte der Pflanzenseele.
Philosophische und biologische Entwürfe von der Antike bis zur Gegenwart.
703 Seiten
ISBN: 3520836017
Kröner Verlag, Stuttgart 2001
39,90 €

Südafrika. Der Weg von der Apartheid zur Demokratie

Südafrika Der Weg von der Apartheid zur DemokratieNeville Alexander
Neville Alexander, ein enger Weggefährte Nelson Mandelas, schildert den Weg seines Landes von der Überwindung der Apartheid bis zur immer noch fragilen Situation der Gegenwart. Er informiert dabei nicht nur aus unmittelbarer Anschauung über den schwierigen Prozeß der Demokratisierung, sondern fragt immer wieder auch nach der Bedeutung dieses Wandels für den Westen und die Weltpolitik. Stichwörter wie Rassismus, Nationalismus und Sozialismus, Vergangenheitsbewältigung und Postmoderne werden in seiner scharfsinnigen Analyse gerade auch für einen Vergleich mit der deutschen Geschichte herangezogen. Neville Alexanders Essay ist ein Lehrstück kritischer Geschichtsschreibung.

Südafrika. Der Weg von der Apartheid zur Demokratie.
Krupp-Vorlesungen zu Politik und Geschichte
C.H. Beck Verlag, München 2001
221 Seiten. Gebunden. 19,90 €
ISBN 3-406-48254-6

Verfremdung der Moderne

Verfremdung der Moderne1Bernhard Waldenfels
"Es könnte sein, daß das, was wir Neuzeit oder Moderne nennen, von Anfang an auf einem unhaltbaren Kompromiß hinauslief. Vielleicht hat man versucht, den neuen Wein einer mächtig erwachenden Subjektivität und einer von Kontingenz gezeichneten Vernunft in die alten Schläuche einer allumfassenden Welt-, Lebens- und Geschichtsordnung zu leiten. Dies wäre eine vergebliches Unterfangen. Das so genannte Projekt der Moderne muß scheitern, solange es darauf abzielt, mit dem Eigenen zu beginnen und beim Ganzen zu enden; auch der bloße Durchgang durch das Fremde ändert daran wenig. Es entstehen Zwittergestalten wie die einer europäischen Vernunft, die ihr Idiom als Weltsprache ausgibt. Idiome bleiben Idiome, mögen sie noch so weitläufig und aufnahmebereit auftreten. Man könnte versuchen, das 'Projekt' zu retten, indem man die Ansprüche herunterschraubt und sie den gegebenen Ressourcen oder schlicht der conditio humana anpaßt. Doch eine Rettung, die erkauft wäre mit dem Rückzug auf formale Geltungsansprüche und korrekte Prozeduren, krankt daran, daß sie die jederzeit nötige Motiv- und Erfindungskraft vermissen läßt und den Widerstreit, der auf der Ebene von Institutionen, Traditionen und Kulturen auftritt, geltungstheoretisch unterschätzt. Eine Vernunft, die durch nichts in Frage gestellt wird als durch formale Geltungskonflikte, droht letzten Endes in einer Normalvernunft zu versanden."

Verfremdung der Moderne
Phänomenologische Grenzgänge.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 10
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
168 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-459-5

Historisches Denken am Ende des 20. Jahrhunderts

Historisches Denken am Ende des 20. JahrhundertsHans-Ulrich Wehler
„Nichts gibt es gegen eine wohlbegründete Kritik an den Schattenseiten der westlichen Entwicklung einzuwenden: an den Exzessen des gegenwärtigen 'Turbokapitalismus' (E. Luttwak) etwa, an der Förderung des anhaltenden Wettrüstens, an der Ausbeutung des Südens durch den Norden. Doch gegenüber jenem kläglichen Defätismus, der die Leistungen des eigenen Kulturkreises nicht mehr wahrnimmt, gilt es eine scharf markierte Grenze zu ziehen. Verfassungsstaat und Parlamentarismus, Liberalismus und Demokratie, Industrialisierung und Sozialstaat, moderne Wissenschaft und Erfindung des neuzeitlichen Staates - immer handelt es sich um Errungenschaften einzig und allein des Westens. Das sich während dieser Vorgänge auch die Büchse der Pandora gefüllt hat, ist unstrittig. Doch warum kann man diese Leistungen, die der interkulturelle Vergleich unablässig unterstreicht, nicht berücksichtigen, wenn man zur Kritik an der westlichen politischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen Modernisierung ansetzt?"

Historisches Denken am Ende des 20. Jahrhunderts
1945 - 2000.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 11
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
112 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-430-7

Die Geburt des Islam

Die Geburt des IslamLudwig Ammann
„Der Erfolg von Offenbarungen ist ein Skandal. Wie ist es möglich, daß ein Prophet mit einer Botschaft Glauben findet, die den herrschenden Überzeugungen und Verhältnissen den Kampf ansagt? Wie kommt ein Gemeinwesen dazu, sich auf Ansinnen eines Einzelnen zu bekehren und zu verwandeln? Als Muhammad b.'Abdallah, der 'Gepriesene, Sohn des Gottessklaven', um 613 vor seinen Stamm trat, um ihn als Gesandter Gottes auf den rechten Weg zu führen, stieß er auf nahezu einhellige Ablehnung. [...] Einzig die fernen Medinenser sind bereit, den Unruhestifter und Spalter von Gemeinschaften bei sich aufzunehmen, und zwar ausgerechnet als Ruhe- und Eintrachtstifter, wie zumindest ein Zweig der Überlieferung behauptet. Drei Fragen sind zu beantworten: Was war in Medina anders? Was hat Gott überhaupt durch Muhammad offenbart? Und wie waren die arabischen Stammesgesellschaften beschaffen, die für seine Offenbarung zunächst keine Verwendung hatten?"

Die Geburt des Islam
Historische Innovation durch Offenbarung.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 12
Wallstein Verlag, Göttingen 2001
112 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-460-9
Miriam Wienhold, 17. Okt 2018 14:21