KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Publikationen 1999


Die fünfte Dimension

Die fünfte DimensionKlaus E. Müller
„Aber wie wäre Ihnen, wenn Sie wüßten, was einmal war, wo Sie gerade verweilen? Vielleicht, daß drüben am Waldrand, nahe dem Anstand, vorzeiten ein Mann, halbnackt, mit gefiedertem Kopfschmuck, aus dem Hinterhalt über einen arglos Rastenden herfiel, ihn niederriß und mit schartigem Messer den Kopf abschnitt, um ihn im Triumph als Trophäe heimzuführen, dort von den Seinen mit schrillen Freudenschreien begrüßt. [...] Lange danach blühte vielleicht dort ein mächtiges Kloster, in dem Äbte von weitreichendem Einfluß regierten, Friedensverträge geschlossen und Könige gekürt wurden, das eine bedeutende Bibliothek und berühmte Gelehrte besaß, aber irgendwann später, während eines verheerenden Krieges, überfallen, ausgeplündert, gebrandschatzt und bis auf die Fundamente vernichtet wurde, die heute, unsichtbar, samt den Gebeinen der erschlagenen Brüder, unter dem weich im Winde sich wiegenden Halmen, Rispen und Blumenkelchen des Wiesengrunds zwischen den Wäldern ruhn.

Die Vergangenheit lebt nur fort im Gedächtnis von Menschen, die eine Gruppe mit altangestammtem Lebensraum bilden, der Schauplatz des Geschehenen war tief durchzogen ist von den Wurzeln der Erinnerung an die Ergebnisse von einst. Sie erwacht und lebt immer wieder auf, wenn sich Ähnliches in der Gegenwart zuträgt und die Gelegenheit bietet, erzählend an das Gewesene anzuknüpfen und die Bögen sichtbar werden zu lassen, die alle über die Zeiten hinweg vielfältig umspannen und zu einer geschlossenen Einheit verbinden."

Die fünfte Dimension
Soziale Raumzeit und Geschichtsverständnis in primordialen Kulturen.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 3
Wallstein Verlag, Göttingen 1999
160 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-348-3

Verstehen, Kritik, Anerkennung

Verstehen, Kritik, AnerkennungJürgen Straub
„Sozial- und Kulturwissenschaften, die Einsichten in fremde Lebensformen erlangen möchten, sehen sich mit vielfältigen Schwierigkeiten konfrontiert. Wer die Praxis anderer beschreiben und schließlich verstehen will, what human beings makes tick, muß zunächst einmal auf unausweichliche methodische Fragen Antwort geben. Wie nähert man sich den Erfahrungen und Erwartungen, den Orientierungen und Handlungen anderer, ohne der stets lauernden Gefahr zu unterliegen, fremde Praktiken und Lebensformen schon allein deswegen zu verkennen, weil sie allzu sehr durch die eigene Brille wahrgenommen und mit unangemessenen Mitteln erkundet werden? Fragwürdige "Vorstrukturen des Verstehens", eingeschliffene Vokabulare und inadäquate Instrumente verbauen unversehens den Weg, den jede empirische Forschung gehen muß, wenn sie tatsächliche Erfahrungen anderer in Erfahrung und auf den Begriff bringen möchte".

Verstehen, Kritik, Anerkennung
Das Eigene und das Fremde in der Erkenntnisbildung interpretativer Wissenschaften.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 4
Wallstein Verlag, Göttingen 1999
96 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-366-1

Moralische Spielräume

Moralische SpielräumeBurkhard Liebsch
„Im Zeichen eines vielerorts festzustellenden Wiederauflebens genealogischer Mythen und unter Berufung auf eine vermeintliche 'reine', mit nichts Fremden vermischte ursprüngliche Ethnizität zieht man nicht nur politische und rechtliche Grenzen, sondern auch Grenzen der moralischen Zugehörigkeit oder Verwandtschaft immer häufiger so wie militärische Demarkationslinien, hinter denen ein moralisches Niemandsland zu liegen scheint, aus dem heraus uns 'Andere' womöglich nur noch als 'Fremde' begegnen können, deren Fremdheit einer unbegrenzten politischen Verfeindung als propagandistischer Vorwand dienen kann. Wie die in unserer Gegenwart wieder ausgebrochenen 'ethnischen' Konflikte zeigen, gehen diese exzessiven Prozesse der Verfeindung nicht selten so weit, daß jegliche moralische Verbundenheit mit Anderen in Abrede gestellt wird. Wir stehen vor einer verwüsteten Topographie, die gewiss nach politischen Lösungen verlangt."

Moralische Spielräume
Menschheit und Anderheit, Zugehörigkeit und Identität.
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 5
Wallstein Verlag, Göttingen 1999
128 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-383-1

Wittgenstein und Adorno

Wittgenstein und AdornoRolf Wiggershaus
„Daß sowohl Wittgenstein wie Adorno sich Goethe nahe fühlten, hängt nicht nur mit bildungsbürgerlichen Traditionen zusammen, sondern hat vor allem einen sachlichen Grund. Goethe steht für einen Anspruch auf Erkennen, der sich mit dem Unmittelbaren nicht zufrieden gibt, im Unterschied zu den Wissenschaften aber die Befreiung des Weltbildes von dem, was auf unsere Sinnesorgane und unsere Erfahrungen Bezug hat, nicht mitvollzieht. Genau darauf zielt es, wenn Wittgenstein meint, eine Schwierigkeit in der Philosophie sei, zur richtigen Zeit sowohl intelligent als auch unintelligent genug zu sein, und Adorno Philosophie als eine höchst merkwürdige Konfiguration von Naivität und Unnaivität kennzeichnet."

Wittgenstein und Adorno.
Zwei Spielarten modernen Philosophierens
Essener Kulturwissenschaftliche Vorträge, Band 9
Wallstein Verlag, Göttingen 1999
128 Seiten. Kartoniert. 14,– €
ISBN 3-89244-429-3
Dennis Arnold, 19. Sep 2018 10:23