KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projektbereich Europa

1993-2000
Forschung zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft Europas hat am KWI eine lange Tradition. Bereits wenige Jahre nach der Gründung des Instituts, richtete der Historiker und ehemalige KWI-Direktor Wilfried Loth im Oktober 1993 die „Studiengruppe Europa“ ein, die bis ins Jahr 2000 bestand. Ein wichtiges Ziel der vor allem auf die Frage der „Europäischen Integration“ fokussierten Forschung war immer, die am Europadiskurs beteiligten Disziplinen untereinander ins Gespräch zu bringen und die Auseinandersetzung mit interessierten Öffentlichkeiten außerhalb der Wissenschaft zu suchen. 1998 formulierte Wilfried Loth in einem Jahresbericht seiner Studiengruppe:

Die spezifische Funktion der Studiengruppe „Europa“ besteht darin, Historiker, Philosophen und andere Kulturwissenschaftler einerseits und die seit längerem mit der Europa-Thematik befaßten Politikwissenschaftler, Juristen, Ökonomen andererseits miteinander in einen Dialog zu bringen, der den notwendigen Paradigmenwechsel von nationalstaatlichen zu gesamteuropäischen Bezugsgrößen befördert und zugleich zur Antwort auf die drängende Frage nach der Zukunft der europäischen Zivilisation in einer umfassenderen Europäischen Union beiträgt.

Der heutige Forschungsbereich versteht sich in der Kontinuität dieser von der ersten Studiengruppe formulierten Absichten und steht damit für eine kulturwissenschaftlich orientierte Europaforschung, die auch einen Beitrag zur Zeitdiagnose leisten möchte. Eine solche Ausrichtung verlangt Flexibilität und Reaktivität hinsichtlich der thematischen und methodologischen Akzentuierungen in einem Forschungsfeld, dessen Gegenstandsbereich und Rahmenbedingungen sich in den letzten Jahrzehnten und Jahren stetig verändert haben: "In den 1950er und 1960er Jahren wollten wir Europa – jetzt haben wir’s. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied", gab Wilfried Loth dem KWI zum 20. Jubiläum in diesem Sinne mit auf den Weg.

2012-2016
Als die Wuppertaler Historikerin Tatjana Tönsmeyer den Forschungsbereich im Jahr 2012 neu konzipierte, verlieh sie ihm eine stärkere Fundierung in der Erfahrungsgeschichte: „Wir teilen die Überzeugung, dass es einen kulturellen und erfahrungsgeschichtlich geprägten Raum ‚Europa’ gibt“, schrieb sie in ihrem ersten Jahresbericht 2012/13. Schwerpunkt der Forschung war eine an Sinnstiftungen und Alltagspraktiken interessierte, „integrierte Geschichte Europas“, die die Spaltung in Kerneuropa und Peripherie, West und Ost auch in der Europaforschung überwindet. Themen waren unter anderem die Alltags- und Besatzungsgeschichte während des Zweiten Weltkriegs sowie die Wege europäischer Gesellschaften in die Moderne.

HEUTE
Seit dem Weggang von Tatjana Tönsmeyer im Herbst 2016 erarbeitet und betreut der Historiker Roman Léandre Schmidt ein interdisziplinäres Veranstaltungs- und Forschungsprogramm für den Europa-Bereich des KWI. Ausgangspunkt war die weit verbreitete Wahrnehmung eines in die Defensive geratenen und in seiner Substanz bedrohten europäischen Projekts. Als unmittelbare Reaktion gründete sich das Netzwerk „Praxis Europa“, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Praktikerinnen und Praktikern aus verschiedenen Sektoren der Gesellschaft zusammentreffen, um eine Lern- und Handlungsgemeinschaft für Europa zu bilden. (Weitere Informationen unter www.praxiseuropa.net/Essen2017.)

Weitere Forschungsprojekte des Europa-Bereichs sind gegenwärtig in Planung.

Für Auskünfte zum Forschungsbereich Europa wenden Sie sich bitte an: Dr. Roman Léandre Schmidt, romanleandre.schmidt@kwi-nrw.de