KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projekt Handbuch der Moderneforschung. Interdisziplinäre und internationale Perspektiven

Leitung: Apl. Prof. Dr. Friedrich Jaeger (KWI), Prof Dr. Wolfgang Knöbl (Georg-August-Universität Göttingen), Prof Dr. Ute Schneider (Universität Duisburg-Essen)

Laufzeit: 2014 - 2016

erscheint im Verlag J.B. Metzler, Stuttgart

In den Kultur- und Sozialwissenschaften wird gegenwärtig intensiv um den Begriff der Moderne gestritten. Auf der einen Seite zeigt sich anhand einschlägiger Forschungsströmungen und Buchpublikationen in unterschiedlichen Disziplinen, dass er sich fächerübergreifend zu einem Leitkonzept der gegenwärtigen Kulturwissenschaften entwickelt hat. Auf der anderen Seite unterliegt der Begriff der Moderne seit Jahren einer tiefgreifenden Kritik, wobei die postmoderne Dekonstruktion der 80er und 90er Jahre inzwischen weitgehend durch die Kritik globalgeschichtlicher bzw. postkolonialer Theorieansätze am ‚Eurozentrismus‘ bisheriger Moderne-Konzeptionen beerbt worden ist.
Angesichts dieses aktuellen Forschungsumfeldes soll mit dem geplanten Handbuch eine neue Forschungsperspektive eröffnet werden, indem es das Thema wissenschaftsgeschichtlich und an Disziplinen orientiert angeht. Gefragt wird also nicht: "Was ist die Moderne?", sondern im Mittelpunkt steht die Frage, wie zentrale Disziplinen im universitären Fächerkanon "die Moderne" bislang aufgegriffen haben bzw. gegenwärtig zum Thema machen. Angestrebt werden dabei disziplinäre Bestandsaufnahmen im Sinne detaillierter Forschungsüberblicke, die dem Ziel dienen, den 'state of the art' der Moderne-Debatte in einem breiten Spektrum kultur- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen sichtbar werden zu lassen. Ein solcher disziplinenübergreifender Blick auf die Moderne-Debatte steht bislang aus und verspricht interessantere und ertragreichere Einsichten als jene letztlich als essentialistisch zu bezeichnenden Definitions- und Periodisierungsversuche der Moderne als Epoche. Dies ist deshalb der Fall, weil schon ein oberflächlicher Blick auf einzelne Disziplinen genügt, um zu erkennen, mit welchen unterschiedlichen Argumenten und Begriffen dort jeweils über die Moderne gesprochen wird oder wie sehr beispielsweise auch Argumentationsmuster aus benachbarten Fächern die Modernediskussion im jeweils eigenen Fach prägen.