KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projekt Kulturen der Transparenz

Leitung: Prof. Dr. Stefan Berger (Ruhr-Universität Bochum)
Kooperationspartner: Universität Duisburg-Essen, Ruhr-Universität Bochum, Technische Universität Dortmund
Koordination: Dimitrij Owetschkin (KWI)

Förderer: Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) der Stiftung Mercator
Laufzeit: 03/2014 - 02/2015

Die Forderung nach mehr Transparenz, nach partizipatorischer Demokratie in Politik und Wirtschaft ist längst keine marginale Randerscheinung mehr, sondern bestimmt mittlerweile sämtliche Print- und online-Medien. Die Piraten-Partei, aber auch Vereinigungen wie Wikileaks oder die Occupy-Bewegung erfreuen sich großer Popularität. Soziale Netzwerke verwandeln ihre Mitglieder in „gläserne Bürger“ und selbst wissenschaftliche Tagungen, Besprechungen oder Publikationen werden zeitgleich auf Twitter mitverfolgt und in Blogs diskutiert.
Gleichzeitig werden mehr und mehr Stimmen gegen die mit Transparenz verbundene Ausweitung der sozialen Kontrolle laut. Gegner befürchten durch die zunehmende Transparenz im Alltag die Eingrenzung von Individualität und persönlicher Freiheit. Doch wie wichtig ist Transparenz in der heutigen Gesellschaft bzw. was ist das spezifisch Neue an ihr im Vergleich mit anderen historischen Erscheinungsformen? Und welche Dimensionen nimmt die genaue Durchleuchtung von Staat und Wirtschaft, von Politikern, Unternehmern und Privatpersonen an?

Genau mit diesen Fragen befasst sich das Projekt, das vor allem fünf leitende Fragestellungen und Themengesichtspunkte ins Zentrum rückt. Sie zielen

  • auf die Medien, Institutionen, sozialen Praktiken oder Räume, in denen sich Kulturen der Transparenz gegenwärtig formieren oder historisch formiert haben;
  • auf die Semantiken, Normen, Legitimationen und rechtlichen Arrangements, die jeweils kulturell leitend sind oder waren;
  • auf die Akteure, Dynamiken und Bewegungen, die die Regeln von Transparenz und Intransparenz definieren, verändern, infrage stellen oder dies historisch getan haben;
  • auf die interkulturellen Konfliktzonen und Kontroversen, die sich im Zeichen von Globalisierungsprozessen oder grenzüberschreitenden Migrationsbewegungen ergeben bzw. ergeben haben und in denen kulturell divergente oder gegensätzliche Vorstellungen von Transparenz im Mittelpunkt stehen oder standen;
  • schließlich auf die künstlerischen und literarischen Genres, religiösen Lehren oder wissenschaftlichen Diskurse, in denen Fragen des Sichtbaren und Unsichtbaren, des Sagbaren und Unsagbaren, des Gewissen und Ungewissen reflektiert wurden und werden.


Auftakt zum Projekt war ein ganztägiger Workshop, der am 2. Oktober 2012 im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) stattfand. Prof. Dr. Gudrun Gersmann, apl. Prof. Dr. Friedrich Jaeger und Prof. Dr. Claus Leggewie luden Interessenten zahlreicher Fachbereiche aus dem Umfeld der drei Ruhrgebietsuniversitäten ein, den Forschungsstand zum Thema aus dem Blickwinkel ihres jeweiligen Fachbereichs zu beleuchten und interdisziplinär zu diskutieren.