KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projektbereiche

Projekt Kultur der Achtsamkeit. Zum Phänomen der Kulturverschränkung am Beispiel der Verbreitung des Buddhismus im Westen

Leitung: Dr. Thea D. Boldt

Förderer: Rektorat der Universität Duisburg-Essen
Laufzeit: September 2012 - Juni 2013

Der Buddhismus hat sich in den letzten drei bis vier Dekaden im Westen von einer fremden asiatischen Religion zu einem trendigen (post)modernen Lebensstil entwickelt. Im Zuge seiner Verbreitung im Westen unterlag die 2500 Jahre alte Lehre des Buddha Shakyamuni einer Wandlung von einer durch monastische Institutionen in eine durch Laien getragene Bewegung, welche an eine breite Palette von Diskursen Anschluss findet, vom europäischen Humanismus bis zu Nachhaltigkeit und Ökologie. Der Westliche Buddhismus erscheint als eine durch Diversität, Pluralität und Heterogenität geprägte Strömung. Diese speist sich sowohl aus der Weiterentwicklung der bereits in Asien vorhandenen Traditionen als auch aus der Entstehung von neuen Buddhistischen Schulen sowie einigen zwar den buddhistischen Grundlagen entstammenden, aber doch ausdrücklich säkular ausgerichteten Methoden.

Die Meditation im Westen boomt. Mittlerweile gibt es eine Reihe an interdisziplinären Ansätzen für die Anwendung von Meditation, die von neurowissenschaftlichen und psychotherapeutischen Untersuchengen begleitet werden. Diese zeigen, dass das Gehirn durch die Übung des Geistes weitgehend beeinflusst werden kann und belegen vielversprechende Auswirkungen von Meditationsübungen im Allgemeinen und Achtsamkeitsübungen im Speziellen. Aufgrund der Steigerung der kognitiven Fähigkeiten, Minderung von Müdigkeit und Angstzuständen, Optimierung der Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration, findet die Achtsamkeitspraxis nicht nur bei der Stressbewältigung, Schmerztherapie sowie Behandlung chronischer Krankheiten, sondern auch in der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik Anwendung – beispielsweise in der Arbeit mit Jugendlichen oder Strafgefangenen.

Gleichzeitig sind die Auswirkungen der Meditation auf die soziale und kulturelle Alltagspraxis bis dato kaum untersucht. Die empirische Pilotstudie „Kultur der Achtsamkeit“ hat das Ziel, die Forschungslücken im Bereich der Verbreitung des Buddhismus im Westen aus der Perspektive der Kultursoziologie zu identifizieren und weitere Untersuchungen vorzuschlagen. Die Hauptthese lautet dabei, dass die Meditationspraxis spezielle soziale Kompetenzen entwickeln lässt, z.B. die Kompetenz der Achtsamkeit oder die Kompetenz des Mitgefühls, welche in unserer Gesellschaft zunehmend gefragt sein werden. Ob im Zuge dessen aus einer flexiblen Gesellschaft eine achtsame Gesellschaft wird, muss an dieser Stelle aufgrund der Datenlage vorerst offen bleiben.


Aktuelle Updates auf dem Projekt-Blog "Mindful Culture"

Das Projekt wurde mit der folgenden Publikation abgeschlossen:

  • Boldt, Thea D. (in Vorbereitung) (2013): Auf dem Weg in eine achtsame Gesellschaft. Zum Phänomen der Kulturverschränkung am Beispiel der Verbreitung des Buddhismus im Westen. In: Soeffner, Hans-Georg / Boldt, Thea D. (Hg.): Fragiler Pluralismus. Heidelberg: Springer Verlag.