KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projekt Tiere als Objekte in den Museen des Ruhrgebiets. Zur Repräsentation von Tieren und Mensch-Tier-Beziehungen von der Vormoderne bis zur Gegenwart

Ein Verbundprojekt des Ruhr Museums Essen, der Universität zu Köln und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen

Leitung: Prof. Dr. Gudrun Gersmann, Prof. Heinrich Theodor Grütter, Prof. Dr. Friedrich Jaeger
Koordination: M.A. Britta Weber

Partner: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, LVR Industriemuseum Textilfabrik Cromford, LVR Industriemuseum Oberhausen, LWL Industriemuseum - Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Museum Folkwang, Museum für Naturkunde Dortmund

Laufzeit: 12/2016 - 12/2021

Das Ruhr Museum in Essen, der Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität zu Köln und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen verfolgen derzeit gemeinsam ein Ausstellungsprojekt mit begleitenden Veranstaltungen und Publikationen zur Geschichte von Mensch-Tier-Beziehungen im Ruhrgebiet von der Vormoderne bis zur Gegenwart. Mit diesem Thema greift das Projekt einen bislang weitgehend unerforschten Teil der Geschichte des Ruhrgebiets auf, der eine Fülle von Quellen und Forschungsperspektiven eröffnet. Es soll Erkenntnisse über den Stellenwert von Tieren in den sich wandelnden Lebenswelten einer Region liefern, die sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts von einer zunächst agrarisch geprägten Landschaft zu einer modernen Industrieregion entwickelt hat und seit dem Niedergang der Montan- und Schwerindustrie ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vor den Herausforderungen eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Strukturwandels steht. Dabei stehen die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren im Fokus des Projektes.

Themenschwerpunkte sind erstens die Praktiken der Tiernutzung, also etwa die Bedeutung von Tieren in Transport und Verkehr, in Landwirtschaft und Bergbau, in Ernährung und Konsum, im Krieg sowie in urbanen Milieus. Zweitens geht es auch um die Formen tiervermittelter Interaktion und Vergemeinschaftung, die sich in der Gesellschaft des Ruhrgebiets zwischen Menschen und Tieren entwickelt haben. Dies betrifft z.B. das tierbezogene Vereinswesen, das sich um Sporttiere wie Brieftauben, um Pferde- und Hunderennen sowie um das verzweigte Ausstellungs- und Messewesen der Kleintierzuchtverbände herum entwickelt hat. Tiere fungierten dabei als wichtige Medien der Interkulturalität und der sozialen Integration in der Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets. Einen dritten Themenschwerpunkt bildet die emotionale Bedeutung von Tieren, womit die Geschichte der Haus- und Gefährtentiere, der Tierliebe und des Tierschutzes, aber auch die lebensweltliche Rolle von Kuscheltieren und Tieren als Spielfiguren für Kinder in den Blick kommt. Nicht zuletzt soll dabei auch die emotionale Bedeutung der sich in den vergangenen Jahrzehnten im Ruhrgebiet ausbreitenden Tierfriedhöfe untersucht werden. Den vierten Schwerpunkt bildet die Geschichte der Repräsentation und Ästhetisierung von Tieren, wie sie in Kunst, Literatur, Photographie, Film, Wissenschaft, Denkmalskultur und elektronischen Medien wie YouTube stattfindet. Auch die Geschichte der Tierausstellungen des Ruhrgebiets, die öffentliche Inszenierung von Tieren in Zoos, aber auch der Luxuskonsum von Tieren in Form von Pelzen oder Delikatessen sollen hier thematisch aufgegriffen werden. Fünftens schließlich widmet sich das Projekt auch der Geschichte der Wildtiere in einer urbanisierten und industrialisierten Region. Dabei geht es um solche Aspekte wie das Aussterben und die Wiederkehr von Wildtieren, um die Geschichte der Jagd, um die Rolle von Industriebrachen und Wohnquartieren bei der Wiederansiedlung von Arten sowie schließlich um die sich wandelnde kulturelle Wahrnehmung von Wildtieren im Ruhrgebiet als Naturlandschaft.

Das Verbundprojekt umfasst erstens die Realisierung einer vom Essener Ruhr Museum und in Kooperation mit weiteren Museen des Ruhrgebiets organisierten Ausstellung. Diese soll im Frühjahr 2019 im Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein, dem Weltkulturerbe des Ruhrgebiets, eröffnet und bis Anfang 2020 gezeigt werden. Anschließend folgen weitere Stationen in den Industriemuseen in Rheinland und Westfalen. Einen zweiten Schwerpunkt bildet ein wissenschaftliches Begleitprogramm, zu dem die Tagung „Brauchen die Kulturwissenschaften einen Animal Turn? – Theoretische Grundlagen und konzeptionelle Probleme der Human-Animal-Studies“ im März 2018 den Auftakt bildet. Weitere Tagungen werden in den kommenden Jahren den einzelnen Themenschwerpunkten der geplanten Museumsausstellung gewidmet sein.

Publikationen zum Thema:
pdf iconKWI-Working Paper "Mensch und Tiere - Ein Forschungsbericht" von Friedrich Jaeger

Kommende Veranstaltungen:


Vergangene Veranstaltungen:

  • Auftaktworkshop am 08.12.2016