KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projektbereiche

Projekt Dokumente - Erinnerungen - Geschichtsschreibung. Der zweite Theresienstadtfilm, seine Dokumentation und seine Rekonstruktion aus der Perspektive der Überlebenden

Leitung und Koordination: Prof. em. Dr. Hans-Georg Soeffner
Kooperationspartner: Dr. Ehrhardt Cremers (Technische Universität Dresden), Prof. Dr. Michael R. Müller (Technische Universität Chemnitz), Prof. Dr. Jürgen Raab (Universität Koblenz-Landau), Prof. Dr. Ofer Ashkenazi (Koebner-Minerva Center for German History, Hebrew University of Jerusalem), Prof. Dr. Moshe Zimmermann (Koebner-Minerva Center for German History, Hebrew University of Jerusalem), Prof. Dr. Benjamin Pollock (Franz Rosenzweig Minerva Research Center, Hebrew University of Jerusalem)
MitarbeiterInnen: Lara Pellner (KWI), Marija Stanisavljevic (Universität Koblenz-Landau), Greta Wergen (KWI)

Förderer: Volkswagenstiftung
Laufzeit: 15.11.2017-14.11.2019

By Bedřich Fritta, via Wikimedia Commons

Gegenstand des Vorhabens ist der lediglich in Fragmenten erhaltene NS-Propagandafilm zum Konzentrationslager Theresienstadt. Der 1944 gedrehte Film stellt ein Dokument der Verfolgung und Ermordung europäischer Juden während des zweiten Weltkrieges sowie der gesellschaftlichen Realisierung des Holocaust innerhalb der damaligen institutionellen, machtpolitischen und weltanschaulichen Strukturen dar.
Die Bedeutung und Funktion dieses Films, der ein Konzentrationslager als soziales Idyll und „Mustersiedlung“ inszeniert, ist historisch bislang nur in Einzelaspekten geklärt: Propagandistisch scheint er an die jüdische Bevölkerung im Reichsgebiet (und damit an potenzielle Opfer selbst) adressiert gewesen zu sein, ebenso an das Internationale Rote Kreuz sowie weitere staatliche und nichtstaatliche europäische Akteure.
Möglich ist zudem, dass er für Schulungszwecke der SS produziert wurde. Mit diesem Vorhaben sollen die vorliegenden Filmfragmente historisch, soziologisch und medienwissenschaftlich ausgewertet und für künftige Forschungen gesichert werden. Hierzu sollen im Rahmen von Filminterpretationen die Fragmente zusammengeführt, in ihrer Abfolge rekonstruiert und unter Berücksichtigung von Bildsprache und Filmästhetik analysiert und mit anderen historischen Filmdokumenten verglichen werden. Darüber hinaus sollen mittels qualitativer Interviews etwa zwanzig Überlebende des Konzentrationslagers gebeten werden, die Fragmente des Films auf Grundlage eigener Erinnerungen zu kommentieren. Die Gespräche sollen audiovisuell aufgezeichnet und in eine filmische Gesamtdarstellung eingearbeitet werden, die historische Filmsequenzen und Interviewpassagen kontrastierend zusammenstellt.
Insgesamt möchte das Projekt zur Rekonstruktion der Geschichte des Konzentrationslagers Theresienstadt, zur Soziologie der medialen Darstellung und gesellschaftlichen Realisierung des Völkermords sowie zur Sicherung weiteren historischen Datenmaterials beitragen.