KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Projektbereiche

Projekt Arbeitskreis Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung

Ein gemeinsamer Arbeitskreis des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL) und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI)

Ansprechpartner am KWI: Dr. Roman Léandre Schmidt
Ansprechpartner am ZfL: PD Dr. Patrick Eiden-Offe, Moritz Neuffer

Beginn: 03/2017

Über den Arbeitskreis:
In den letzten Jahren lässt sich eine neue Konjunktur von Zeitschriftenforschung beobachten, die auch methodisch neue Wege geht. Intellektuellen- und ideengeschichtliche, medien- und wissensgeschichtliche Perspektiven geraten dabei in einen produktiven Dialog. Der Arbeitskreis „Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung“ möchte dem geteilten Interesse am Gegenstand „Zeitschrift“ ein Forum bieten, in dem sich Forschende aus verschiedenen Fachgebieten über Fragestellungen und Analysekategorien austauschen und verständigen. Die „Zeitschrift“ verstehen wir dabei als einen Gattungsbegriff, mit dem die Elemente der Periodizität, der Programmatik und des „intellektuellen Gesellungszusammenhangs“ (sociabilité intellectuelle) angesprochen werden. Als Zentral- und Klammerbegriff kann er Kultur- und Theoriezeitschriften ebenso umfassen wie graue Literatur, wissenschaftliche Zeitschriften und digitale Publikationsorte.

Wir wollen die Zeitschrift als ein spezifisches Medium begreifen, das seinen eigenen kulturellen, politischen und epistemischen Horizont ausbildet. Anstatt die in der Zeitschrift verhandelten Objektfelder – Gegenstände, Themen, Debatten – immer schon vorauszusetzen, wollen wir primär danach fragen, wie das Medium seine Objektfelder hervor- und zur Darstellung bringt. Dies berührt zum einen die Frage der Zirkulation und des Transfers von Wissen zwischen verschiedenen intellektuellen und ästhetischen Feldern. Zum anderen müssen im Medium der Zeitschrift die Rollen jeweils neu bestimmt werden: Wer schreibt, wer sind und was wollen die ZeitschriftenmacherInnen? Wer sind die AdressatInnen? Und wie konstituiert sich die Relation der beiden Pole? In Abgrenzung von einer nationalhistorischen „Zeitschriftenkunde“ und von rein kommunikations-, bibliotheks- oder buchwissenschaftlichen Ansätzen wollen wir Zeitschriften als zentrale Arenen der intellectual history untersuchen – als „Begegnungsstätten“ (François Dosse) und „conceptual laboratories“ (François Cusset), Orte der Herstellung von Konsens und Dissens, der programmatischen Strenge oder des Eklektizismus.

Aktuell liegt der epochale Schwerpunkt der im Arbeitskreis versammelten Projekte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Theoriegeschichte) sowie in der Zeit um 1800 (Journalliteratur) und im Vormärz (Frühsozialismus). Denkbare Erweiterungen wären Studien zum frühen 20. Jahrhundert (Wissenschaftskrise, politische und künstlerische Avantgarden) oder zur bürgerlichen Publizistik des späteren 19. Jahrhunderts.

Arbeitsweise:
Der Arbeitskreis versteht sich als Nachwuchsforschergruppe für DoktorandInnen, Postdocs, Wissenschaftliche MitarbeiterInnen und JuniorprofessorInnen. ProfessorInnen werden als Gäste eingeladen.

Die derzeit (3/2017) etwa zwanzig Mitglieder kommen einmal jährlich zu einer Arbeitstagung zusammen.

Die konstituierende Sitzung des Arbeitskreises fand am 10. Juli 2017 am ZfL in Berlin statt. Das Jahrestreffen 2018 wird vom KWI am 4. Juni 2018 ausgerichtet.

Kontakt:
Dr. Roman Léandre Schmidt (KWI)
PD Dr. Patrick Eiden-Offe, Moritz Neuffer (ZfL)