KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

11. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU): „Innovation – Exnovation. Neu und Alt in der Nachhaltigkeitsdebatte"

NGU-Tagung: „Innovation – Exnovation. Neu und Alt in der Nachhaltigkeitsdebatte“
© Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung, Universität Stuttgart
Auf der 11. Jahrestagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie vom 5. bis 7. November an der Universität Stuttgart ging es um das Thema „Innovation – Exnovation. Neu und Alt in der Nachhaltigkeitsdebatte.“ 35 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler diskutierten, inwiefern sich der umweltsoziologische Diskurs über Innovationen zur Transformation in Richtung Nachhaltigkeit auch dessen Gegenpart, der sogenannten Exnovation, widmet. Während die „Einführung von Neuem“ sowohl in der Innovations- als auch in der Umweltsoziologie im aktuellen Nachhaltigkeitsdiskurs zentral verankert ist, wird eine „Ausführung des Alten“ von der Debatte nahezu vollständig vernachlässigt. Ziel der interdisziplinären Tagung war daher, theoretische Grundlagen zu skizzieren, die dem stark vertretenen Innovationsbegriff in der umweltsoziologischen Nachhaltigkeitsdebatte zur Seite gestellt werden könnten – ganz gleich ob relational und/ oder kontrastierend.

Cordula Kropp, Soziologin und Innovationsforscherin an der Münchner Hochschule für Angewandte Wissenschaften, betonte in ihrer Keynote, dass im Sinne eines sozialwissenschaftlichen Verständnisses transformativen Wandels neben Neuerungsprozessen auch soziale Ausführungsprozesse realisiert werden müssten. Das bleibt bisher allerdings eine nahezu „revolutionäre Forderung“ an die Gesellschaft. Zentrales Ergebnis der Tagung war unter anderem, dass ein Innovationsbegriff, der auf einen einseitigen Technikfokus setzt, die Eingriffstiefe des notwendigen gesellschaftlichen Wandels verkennt. Bisher ist noch unklar, in welchem konkreten (Kausal-)Verhältnis der Innovations- und Exnovationsbegriff zueinander stehen. Hier setzten die Tagungsbeiträge kreativ an und konzipierten Exnovationsprozesse auf verschiedenen Gesellschaftsebenen in ganz unterschiedlicher Relation zum ‚Innovationsparadigma‘. Die Tagung bestätigte erneut den enormen Forschungsbedarf, der mit einer empirisch angebundenen Transformationsdebatte einhergeht.

Die Tagung wurde von Annika Arnold, Marco Sonnberger (Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung, Universität Stuttgart), Luise Tremel, Gerolf Hanke und Martin David (Norbert Elias Center for Transformation Research & Design, Europa Universität Flensburg) organisiert und von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart e.V. und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) unterstützt.




Miriam Wienhold, 14. Nov 2017 15:01