KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Die Vermessung der Ethnizität

Die internationale Konferenz Measuring Ethnicity
© KWI, Foto: Linda Supik
Die amtliche und wissenschaftliche Vermessung von Ethnizität – was macht sie sichtbar? Was zählt im Zeitalter von Migration, Hybridisierung von Kultur, angesichts alter und neuer Formen von Rassismus und Diskriminierung? Und für wie viele Generationen gilt eigentlich der sogenannte Migrationshintergrund? Diesen Fragen widmete sich das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 8. und 9. Oktober mit der internationalen Konferenz „Measuring Ethnicity and Migration – Classification and Statistical Representation in Academic Research and Administration“.
Rund 90 Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen aus dem In- und Ausland sowie AkteurInnen aus Zivilgesellschaft und Politik kamen im Gartensaal des KWI zusammen. Sie diskutierten Fragen der statistischen Sichtbarkeit gesellschaftlicher Vielfalt ebenso wie Gesellschaftsformationen, die sich durch Migration, Pluralisierung und Hybridisierung dynamisch verändern. Dabei ließ sich eine große Diversität innerhalb der Repräsentationen von Vielfalt erkennen. Inter- und transnationale sowie historische Vergleiche von amtlichen Erfassungspraxen und Klassifikationen zeigten variierende gesellschaftliche Leitvorstellungen zwischen nationaler Homogenität und Pluralismus auf. Die Keynote von Mihai Surdu (CEU Budapest) widmete sich in diesem Zusammenhang der Minderheitencommunity der Roma. Weitere Untersuchungsschwerpunkte waren Kanada, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, sowie die muslimische Minderheitencommunity. Die Keynote der empirischen Sozialforscherin Claudia Diehl (Universität Konstanz) sowie weitere Vorträge machten deutlich, dass das vor zehn Jahren etablierte Konzept der „Personen mit Migrationshintergrund“ bereits an seine Grenzen stößt. Der sensiblen Frage nach der Erhebung von Diskriminierungs- oder Gleichheitsdaten („Equality data“) über unterschiedliche, von rassistischer Diskriminierung betroffenen Gruppen, widmete sich darüber hinaus eine Podiumsdiskussion.
Organisiert wurde die Tagung von Linda Supik (KWI), Norbert Cyrus (DGS-Sektion MueM) und Anja Weiß (UDE).


Dr. Andreas Hieronymus stellte dieses Video des ENAR, European Network against Racism, in seinem Vortrag auf der Konferenz vor:

Miriam Wienhold, 14. Nov 2017 15:01