KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

20. Mai 2016, Tagung: "Kapitalismus. Probleme und Alternativen"

Kapitalismus begegnet uns überall. Zeit, darüber nachzudenken.
© KWI, Foto: Julia Günther
Seit dem Ausbruch der Finanzkrise haben nicht nur eine Reihe von Volkswirtschaften krisenhafte Entwicklungen durchgemacht, der Kapitalismus selbst ist nach Meinung vieler Zeitgenossen in einer Legitimationskrise. Aus diesem Grund versammelte die Konferenz "Kapitalismus. Probleme und Alternativen" ReferentInnen aus verschiedenen Disziplinen, um klarer zu sehen, was Kapitalismus ist, wie er aus moralischer Sicht bewertet werden und welche Alternativen man in Erwägung ziehen sollte. Im gut gefüllten Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) wurde einen Tag lang angeregt diskutiert. Andreas Niederberger (UDE) bezog sich in seinem Einführungsvortrag vor allem auf die Frage nach dem Wesen des Kapitalismus. Er rief den ZuhörerInnen in Erinnerung, dass Kapitalismus nicht nur als Wirtschaftsordnung, sondern auch als Herrschafts- oder Gesellschaftsordnung verstanden werden kann. Dieser Hinweis war nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich die übrigen Vorträge des Tages auf den Kapitalismus als Wirtschaftsordnung konzentrierten. So gab der renommierte Bremer Politikwissenschaftler Frank Nullmeier einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Ansätze für Kritik am Kapitalismus, präsentierte aber auch Forschungsergebnisse über die Wahrnehmung des Kapitalismus in den Medien vor und nach Beginn der Finanzkrise. Ute Schmiel (UDE) argumentierte für die Relevanz der Kapitalismuskritik in ihrer Disziplin, der Betriebswirtschaftslehre. Sie kritisierte vor allem die vermeintlich legitime Beschränkung der BWL auf die Eigeninteressen von Unternehmen, eine Kritik, die in leicht veränderter Form auch von Karsten Witt (UDE) in seinem Vortrag über aggressive Steuergestaltung, fortgeführt wurde. Christian Neuhäuser (TU Dortmund) präsentierte den berühmten liberalen Denker John Stuart Mill als einen wichtigen Befürworter des Marktsozialismus, einer zu Unrecht vergessenen Alternative zum Kapitalismus. Mit dem Vortrag von Philipp Schink (Goethe Universität Frankfurt) in dem auf den bedeutsamen, wenn auch prekären Zusammenhang von Kapitalismus und Freiheit verwiesen wurde, endete ein ebenso produktiver wie anregender Tag, der eines klar werden ließ: das Thema Kapitalismus wird sowohl die Philosophie als auch die Sozialwissenschaften auf absehbare Zeit intensiv beschäftigen.



  • Publikation


Miriam Wienhold, 14. Nov 2017 15:01