Der Literarische Salon im Frühjahr 2015

Der Literarische Salon 2014
Die Termine für den Literarischen Salon im Frühjahr 2015 stehen fest: Am 14. Januar begrüßen der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), den Berliner Autor Michael Kleeberg in der Buchhandlung Proust in Essen. Seinen Roman „Vaterjahre“ (DVA, München 2014) über das bewusste Verspießern des Jedermanns Karlmann ‚Charly‘ Renn hielten nicht wenige Kritiker für das Buch des Jahres 2014. Wie ein isländischer Vulkan physisch die Welt anhält, aber die herrschende Stille zur metaphysischen Raserei werden lässt, beschreibt der Roman „Panischer Frühling“ (Suhrkamp, Berlin 2014) von Gertrud Leutenegger, der für den Buchpreis 2014 auf der Shortlist stand. Die Schweizer Autorin ist am 11. März zu Gast im Literarischen Salon. Auf sie folgt am 6. Mai mit Szczepan Twardoch ein Star der europäischen Gegenwartsliteratur. Dem Polen gelang 2012 der Durchbruch mit seinem Roman „Morphin“ (Rowohlt, Berlin 2014).
Der Literarische Salon findet auf Initiative des KWI statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Nähere Informationen können Sie dem aktuellen Flyer zur Reihe entnehmen.
Helena Rose, 22.12.14
 

Vortrag: „God hates Fags“: Homophobie, religiöse Rechte und Popkultur in den USA"

Volker Heins, Peter Rehberg
© KWI, Foto: Georg Lukas
Als Ursprungsland der Lesben- und Schwulenbewegung haben die USA nicht nur Modelle der ‚gay identity‘ und ‚gay community‘ hervorgebracht, sondern sind auch auf dem Weg, die Gleichstellung Homosexueller auf bürgerrechtlicher Ebene zu verankern. Beispielsweise ist im Großteil der US-Bundesstaaten die gleichgeschlechtliche Ehe inzwischen rechtlich anerkannt. Dennoch sind Schwule und Lesben in den USA bis heute Diskriminierungen ausgesetzt.
Peter Rehberg, Professor für Germanistik an der University of Texas, untersuchte in seinem Vortrag am 15. Dezember im Kulturwissenschaft-lichen Institut Essen (KWI) dieses Spannungsverhältnis. Er stellte die These auf, dass Bürgerrechtsbewegungen allein keinen Indikator für die Akzeptanz von Homosexualität bilden. Rehberg erklärte, dass der religiöse rechte Flügel „eine machtvolle Stimme der amerikanischen Gegenwartskultur“ sei, mit der sich eine konservative Normvorstellung von Sexualität manifestiert habe. Diese richte sich gegen die pornografisierte Popkultur und die Allgegenwärtigkeit von Sexualität, aber auch gegen Homosexualität. Mit der Homoehe, so Rehberg, werde Homosexualität verbürgerlicht und ‚normalisiert‘, der eigentliche Kern der Homophobie, die Angst vor einer anderen Sexualität, aber nicht überwunden, da diese unsichtbar gemacht werde. Rehberg illustrierte seine Thesen am Beispiel der US-amerikanischen TV-Serie „True Blood“, in der die Kontroverse um die Rechte sexueller Minderheiten subversiv verhandelt wird.
Die Veranstaltungsreihe „Homophobie im globalen Kontext“, die von Volker Heins (KWI) und Andreas Langenohl (Universität Gießen) konzipiert wurde, wird im nächsten Jahr mit zwei weiteren Terminen fortgesetzt. Am 26. Januar wird es um „Homophobie in Russland und der Ukraine" gehen, am 3. Februar richtet sich der Blick auf „Homophobie und Dschihadismus“.
Susanne Pahl, 18.12.14
 
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