Buchvorstellung: „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie“ mit Autor Claus Leggewie

v.l. Oliver Scheytt, Claus Leggewie, Michael Kleeberg
© KWI, Foto: Georg Lukas
In Claus Leggewies Autobiografie „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie“ (C. Bertelsmann, München 2015) spiegelt sich der Lebenslauf vieler seiner Altersgenossen: kosmopolitisch, ökologisch engagiert, querdenkend haben sie Deutschland entscheidend mitgeprägt. Am 17. März stellte der Direktor des Kulturwissen-schaftlichen Instituts (KWI) sein Buch im KWI vor und diskutierte mit Oliver Scheytt, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Essen und Michael Kleeberg, freier Schriftsteller und Übersetzer. Neben Episoden aus seiner Kindheit in Köln Sülz – so traf ihn als junger Fußballfan ein Schuss von Helmut Rahn am Kopf – erzählte Leggewie nicht ohne Selbstironie von einem kurzen Ausflug als Schüler in die Politik, seinem Weg in die Wissenschaft, ersten Forschungsaufträgen in Frankreich und Algerien sowie frühen Lehraufträgen in Göttingen, bei denen er sich altersmäßig kaum von den Studenten in seinen Seminaren unterschied. Der Autor las Passagen aus seinem Buch und stellte sich auch Fragen nach dem Älterwerden, beruflichen Perspektiven und der Zukunft der Industrieregion Ruhrgebiet.
Claus Leggewie, geboren 1950, lehrt Politikwissenschaft und leitet seit 2007 das KWI. Er beschäftigt sich wissenschaftlich und publizistisch mit dem Nachleben der Geschichte in der kollektiven Erinnerung, mit den Grundlagen kooperativen Verhaltens in multikulturellen Gesellschaften und mit den Chancen der Demokratie in aktuellen Herausforderungen wie dem Klimawandel.
Die Buchvorstellung fand in Kooperation mit der Essener Buchhandlung Proust statt.
Helena Rose, 26.03.15
 

Autorin Gertrud Leutenegger zu Gast im Literarischen Salon

Gertrud Leutenegger
© KWI, Foto: Georg Lukas
Als 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und eine gewaltige Aschewolke den Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa zum Stillstand brachte, gab es in Metropolen wie London plötzlich eine ungewohnte Ruhe. Die Schweizer Autorin Gertrud Leutenegger nimmt dieses Ereignis in ihrem Roman „Panischer Frühling“ (Suhrkamp, Berlin 2014) zum Anlass, davon zu erzählen, was ein solcher Störfall in uns auslösen kann und wie Menschen sich auf einmal nahe kommen.
Am 11. März sprach Leutenegger im Literarischen Salon in der Essener Buchhandlung Proust mit den beiden Gastgebern Navid Kermani und Claus Leggewie über ihr Buch. Leutenegger lässt in der seltsamen, geradezu metaphysischen Stille, nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen dem Namenlosen „Ich“ der Geschichte und dem Engländer Jonathan entstehen, sondern erschafft auch ein Mosaik von Bildern und Erinnerungen, „einen riesigen Chor“, wie sie es selbst beschreibt. Ihr Roman ist keine lineare Geschichte, laut Kermani hat er keinen Reportagecharakter, präsentiert keinerlei Nachrichten und dennoch zeige sich in der assoziativen Schreibweise Leuteneggers eine hingebungsvolle Beobachtung, die den Dingen und Menschen ganz nahe kommt. In dieser Art des Erzählens bleibt alles im Fluss, „kein Satz ist mir wichtiger als ein anderer“, sagt Leutenegger. Dennoch seien ihre Bücher überhaupt nicht unpolitisch, dies werde von Kritikern im Literaturbetrieb bisher nur nicht wahrgenommen, so die Autorin.
Der Literarische Salon in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 6. Mai statt, zu Gast ist der polnische Autor Szczepan Twardoch.
Susanne Pahl, 23.03.15
 
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