CineScience: Krieg und Film: „Bilder prägen - die Konstruktion des Krieges in Film und Foto“

v.l.n.r. Stefanie Pannier, Jeldrik Pannier, Mathis Danelzik
© KWI, Foto: Armin Flender
Wie prägen Kriegsfotografien unser Bild vom Krieg und welche Bilder vom Krieg prägen Kriegsfotografen? Dem komplexen Wechselverhältnis der Produktion und Rezeption von Bildern sowie den vorgelagerten Sinnbildungen bei Fotografen und Rezipienten gingen die Medienpädagogen Stefanie und Jeldrik Pannier gemeinsam mit Mathis Danelzik, Junior Fellow am Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI), in der CineScience-Veranstaltung „Bilder prägen - die Konstruktion des Krieges in Film und Foto“ am 11.November im Filmstudio Glückauf nach. Am Beispiel der Arbeit des amerikanischen Kriegsfotografen Joshua Fisher im Irakkrieg konnten sie zeigen, dass der Akt der Bildproduktion ein hochgradig selektiver Prozess ist und im Wesentlichen unbewusst bzw. präreflexiv erfolgt. Die Handlungsentscheidungen und -praktiken sind Ausdruck internalisierter Schemata, die Produktion unterliegt damit einem individuellen Dispositionssystem aus Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata. So zeigten sich auf verblüffende Weise nahezu identische Bilder aus dem Film „Der schmale Grat“ und Aufnahmen des Fotografen Joshua Fisher. Diese Beispiele illustrierten, dass inner-psychische Abläufe und visuelle Vorprägungen einen erheblichen Einfluss auf die visuelle Korrespondenz haben.
Die Veranstaltung war die letzte in der diesjährigen CineScience-Reihe zum Thema „Krieg und Film“, die vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts gefördert wurde. Kooperations-partner waren in diesem Jahr das Museum Folkwang und der Kunstring Folkwang. Die Reihe CineScience wird 2015 mit dem Thema „Sex und Film“ fortgesetzt.
Helena Rose, 20.11.14
 

KLAUS THEWELEIT ERÖFFNET VORTRAGSREIHE ZUM THEMA HOMOPHOBIE

Klaus Theweleit
© KWI, Foto: Georg Lukas
Am 10. November war im überfüllten Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) der Faschismus- und Männlichkeitsforscher Klaus Theweleit zu Gast, um den ersten Vortrag der Reihe „Homophobie im globalen Kontext“ zu halten sowie mit KWI-Direktor Claus Leggewie und dem Publikum zu diskutieren. Der prominente Autor der „Männerphantasien“ (1977/78) sprach auf Einladung von Volker Heins (KWI) und Andreas Langenohl (Uni Gießen), die die Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Global Cooperation Research Centre verantworten.
Wie schon in seinem selbst gewählten Vortragstitel „Homophobie – keine Ahnung, was das ist“ anklingt, hält Theweleit den Begriff der ‚Homophobie‘ für unangemessen, um die Diskriminierung von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten zu beschreiben. Er spricht für einige Gesellschaften von einem regelrechten „Verfolgungsbedarf“, der zur Stabilisierung männerdominierter Strukturen dienen soll. Homo- und Transsexuelle seien dabei beliebige und austauschbare Opferkategorien, obwohl sie in Wirklichkeit niemandem Angst machten. Für die westlichen Länder vertritt Theweleit die optimistische These eines fortschreitenden Zerfalls der patriarchalen Familienstruktur und der Freisetzung der libidinösen Energien. Diesen Fortschritt illustrierte Theweleit mit Beispielen aus der Welt des Fußballs und des Eishockeys. Weniger rosig sehe die Lage in Russland und anderen Teilen der Welt aus, in denen Feindseligkeit gegen Homosexuelle zu einem Erkennungszeichen für die Zugehörigkeit zur Nation und die Überlegenheit dieser Nation gegenüber dem ‚verweichlichten‘ Westen geworden sei.
Theweleits provokative Thesen führten zu einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum, die in den nächsten Monaten fortgesetzt wird. Am 24. November wird die Ethnologin Rita Schäfer zum Thema „Homophobie in Uganda und Südafrika“ sprechen, am 15. Dezember berichtet Peter Rehberg (Austin, Texas) über homophobe Haltungen in den USA. Theweleit versprach, spätestens zum Erscheinen seines angekündigten Buches „Das Lachen der Täter: Breivik u.a.“ wieder ans KWI zu kommen.
Helena Rose, 17.11.14
 
ALLE ARTIKEL >>