KWI - Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Nachwuchsförderung am KWI

Kiew: Eines der Nachwuchsnetzwerke befasst sich mit der politischen Transformation der Ukraine
Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften ist eine zentrale Aufgabe des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Das Institut will jungen Wissenschaftlern die Chance geben, sich inhaltlich und methodisch zu profilieren, Kontakte zu knüpfen und Verantwortung in Projekten zu übernehmen. Dafür wurden seit Herbst 2015 vier Nachwuchsnetzwerke zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen ins Leben gerufen. Das erste Netzwerk „Protest und translokale Praktiken“ unter der Leitung von Sandrine Gukelberger (RUB) beschäftigt sich mit sozialen Bewegungen wie Occupy-Wallstreet oder der Yasmin Revolution und untersucht die Vielfalt sowie die orts- und länderübergreifende Verflechtung dieser Protestkulturen. Dabei geht es z.B. um Organisationsformen, Ressourcen, Identitätskonstruktionen und das „framing“ von Missständen.
Das Netzwerk „In-Between. Interdisziplinarität und Theaterwissenschaften“ wird von Hanna Höfer-Lück , Seta Guetsoyan, Mortiz Hannemann und Meike Hinnenberg geleitet. Es beobachtet die Zusammenarbeit verschiedener Einzeldisziplinen im universitären Arbeiten und fragt nach den Herausforderungen und Potenzialen dieses Ansatzes, besonders im Hinblick auf das relativ junge Fach der Theaterwissenschaft. Oksana Huss und Olena Petrenko zielen mit ihrem Netzwerk „Ukraine-postsowjetische Gesellschaft im Wandel“ darauf ab, Transformationsprozesse im postsowjetischen Raum am Beispiel der Ukraine zu untersuchen. Wie verläuft der komplexe Wandel einer Gesellschaft und welche Auswirkungen ergeben sich daraus? Mit dem „Gewaltraum Mittelmeer“ befasst sich das vierte Netzwerk unter der Leitung von Christine Isabell Schröder . Das Mittelmeer wird durch Ereignisse wie die Flüchtlingsbewegungen immer wieder als besonders krisenhafte Region wahrgenommen, Bilder und Debatten lassen es zum Gegenteil des „Sehnsuchtsraumes“ werden, den es lange dargestellt hat. Das Netzwerk soll durch Aufarbeitung und Kontextualisierung eine zusammenhängende Perspektive schaffen, um Ereignisse zu verorten und zu beleuchten. Die Netzwerke stehen auch miteinander in Kontakt und richten regelmäßig Veranstaltungen aus. Am kommenden Wochenende findet beispielsweise ein Workshop zur Transformation der Ukraine statt.
Miriam Wienhold, 10.02.16
 

Neue Schriftenreihe des KWI zur Methodenforschung

Handbuch Historische Netzwerkforschung
Der erste Band der Schriftenreihe des KWI „Schriften des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) zur Methodenforschung“ ist nun erschienen. Das „Handbuch Historische Netzwerkforschung. Grundlagen und Anwendungen“, herausgegeben von Marten Düring (ehemals KWI), Ulrich Eumann, Martin Stark und Linda von Keyserlingk ist zu Beginn des Monats im LIT Verlag erschienen.
Der Band bündelt erstmalig Wissen über die Besonderheiten in der Erhebung und Analyse historischer sozialer Netzwerke. Seit der Antike beschreibt der Netzwerkbegriff die Komplexität sozialer und materieller Beziehungen. Angesiedelt zwischen sozialwissenschaftlicher Netzwerkanalyse und historischer Methodik, zwischen software-gestützter Datenvisualisierung und Quellenkritik, hat sich in den letzten Jahren die Historische Netzwerkforschung entwickelt. Die Autorinnen und Autoren vermitteln einen praxisnahen Überblick über die Potenziale und Herausforderungen sowie die wissenschaftshistorische Verortung einer Historischen Netzwerkforschung.
Weitere Ausgaben der KWI-Schriftenreihe sollen folgen.
Miriam Wienhold, 05.02.16
 
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