KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Neu: Wissenssoziologische Medienwirkungsforschung. Zur Mediatisierung des forensischen Feldes

Neuerscheinung Wissenssoziologische Medienwirkungsforschung
Die fortschreitende Mediatisierung unserer Gesellschaft, der immer differenziertere Gebrauch von verschiedensten Medien im Alltag, betrifft unterschiedliche gesellschaftliche Handlungsbereiche. So auch die Forensik, die technischen, (natur-)wissenschaftlichen und medizinischen Methoden der Verbrechensaufklärung. Diese werden in den letzten Jahren in unterschiedlichen TV-Formaten zunehmend repräsentiert, was insgesamt zu einer Veränderung des forensischen Feldes und der dort bestehenden Wissensordnungen geführt hat. Die DFG-geförderte Studie "Die Mediatisierung der deutschen Forensik: Aktivierte Zuschauer und private Unternehmer als Akteure auf dem forensischen Markt" befasste sich eingehend mit der Bedeutung der von den Medien aktivierten Zuschauer und der auf dem forensischen Markt agierenden privaten Unternehmen. So untersuchte das Forscherteam um den Kommunikationswissenschaftler Jo Reichertz, inwieweit Medien ihre Zuschauer durch Angebote wie Facebook, Social TV, Youtube oder Twitter einbinden – und hierdurch deren kommunikative Aneignungspraxen qualitativ verändern. Zum Abschluss des Projekts erschien Anfang November 2017 das Buch "Wissenssoziologische Medienwirkungsforschung. Zur Mediatisierung des forensischen Feldes" im Beltz Verlag. Das Buch untersucht, ob und wie die Ausstrahlung des CSI-Formats und die damit verbundene Mediatisierung der deutschen Forensik das soziale Feld der Rechtsmedizin und Kriminaltechnik geändert hat.
Miriam Wienhold, 06.12.17
 

"Aus der Krise einen Aufschwung machen" - Gesine Schwan zu Gast


Gesine Schwan sieht in Zuwanderung eine Chance für kleine Gemeinden, denen Bevölkerungsschwund droht
© KWI, Foto: S. Kurbanov, eventfotograf.in
Es ist ein trauriger Zufall - erst vergangene Woche war das Engagement des Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein (CDU) Thema eines Diskussionsabends mit der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan (SPD). Nun wurde bekannt, dass der Bürgermeister am gestrigen Montagabend von einem Betrunkenen mit einem Messer attackiert und schwer verwundet wurde. Dabei soll der Angreifer Hollsteins Flüchtlingspolitik kritisiert haben. Altena nimmt mehr Flüchtlinge auf als nach Verteilschlüssel notwendig. So will man dem drohenden Bevölkerungsschwund in der Gemeinde entgegen wirken. Für Gesine Schwan ist genau dies ein Ansatz, aus der vermeintlichen Flüchtlingskrise eine Chance für die EU zu machen. Sie präsentierte ihre Vision für eine europäische Lösung der Flüchtlingsintegration vergangene Woche am KWI auf Einladung des KWI-Fellows Roman Léandre Schmidt und beantwortete ausführlich die zahlreichen Nachfragen des engagierten Publikums. "Krisen sind Möglichkeiten eines internationalen Neuanfangs", so die Politikwissenschaftlerin. Sie machte direkt zu Beginn klar: "Vermitteln interessiert mich intellektuell wie menschlich am meisten", und in der Flüchtlingsfrage wolle sie zu einem geeinten Handeln der EU anregen. Ihr Vorschlag: Einen europäischen Fonds einzurichten, der es europäischen Städten und Kommunen ermögliche, Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei sollten die Gemeinden nicht nur das notwendige Geld für die Integrationsarbeit erhalten, sondern gleichzeitig noch einmal dieselbe Summe für eine zukunftsorientierte Entwicklung ihrer Gemeinde. Der Anreiz müsse banal finanziell sein, so die engagierte Vermittlerin. Eine dezentrale Ansiedlung von Flüchtlingen in der EU biete zahlreiche Vorteile: Schwan verspricht den Gemeinde damit einen Entwicklungsschub auf partizipativer Basis, zugleich könne man die Identifikation mit der EU revitalisieren und eine dezentrale Intensivierung der europäischen Identität schaffen. Denn: "Wenn wir nicht mehr Identifikation und Partizipation schaffen, wird Europa zerbröseln", so die Einschätzung Gesine Schwans. Politische Hürden erachtet sie dabei als überwindbar. "Ganz viel ist eine Frage der Gewohnheit", lautete ihre Prognose. Wenn der politische Wille da sei, würden sich Lösungen finden. Doch auch mit Widerständen seitens der Bevölkerung muss man rechnen, wie der Angriff auf den Altenaer Bürgermeister zeigt.
Miriam Wienhold, 28.11.17
 
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