„DER GRÖSSTE KÜNSTLER IST DIE WIRKLICHKEIT SELBST“ - JOCHEN GERZ AM KWI

Jochen Gerz
© KWI, Foto: Georg Lukas
Am 25. September war der Konzeptkünstler Jochen Gerz am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI), um mit Claus Leggewie und dem Publikum über sein aktuelles Bochumer Projekt „Platz des europäischen Versprechens“ zu diskutieren. Gerz, der von Volker Heins in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Global Cooperation Research Centre eingeladen worden war, ist in Deutschland vor allem durch Aufsehen erregende Installationen im öffentlichen Raum bekannt. Dazu gehören etwa das zusammen mit Esther Shalev konzipierte Mahnmal gegen den Faschismus in Hamburg, das Mahnmal gegen Rassismus in Saarbrücken oder der Platz der Grundrechte in Karlsruhe.
Nach dem Vortrag vor einem ganz stillen und aufmerksamen Publikum aus Essen und der weiteren Region entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Dabei drehten sich mehrere Fragen um die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum. Wie geht der Künstler damit um, dass seine Werke nicht „sicher“ im Museum aufgehoben, sondern eben in der Öffentlichkeit und damit dem Wechselspiel der Tagespolitik ausgesetzt sind? Gerz machte klar, dass er diesen Aspekt sehr ernst nimmt. In Graz beispielsweise ist gegen Widerstand aus der Bevölkerung von der FPÖ beschlossen worden, die NS-Mahntafeln seines Projekts „63 Jahre danach“ abzumontieren. Gleichwohl sieht der Künstler keine Alternative im Rückzug der Kunst aus der Öffentlichkeit. „Das wäre ja noch schöner, wenn die Kunst nur noch herumdümpeln würde,“ sagte er lachend. Andere Fragen kehrten zu den Erfahrungen mit dem Platz des Europäischen Versprechens in Bochum zurück. Dabei wurde die Faszination spürbar, die von der Vorstellung ausgeht, tausende Namen Lebender festzuhalten. Denn automatisch drängt sich bei dem Gedanken an die „in Stein gemeißelten“ Namen die Projektion in die Zukunft auf: Sie werden auch dann noch dort stehen, wenn diejenigen, die Europa hier ihr geheimes Versprechen gegeben haben, nicht mehr leben. Was wird dann aus Europa geworden sein?
Verena Schreiber, 02.10.14
 

KWI on Tour: WissensNacht Ruhr – Abenteuer Klima

WissenschaftsNacht Ruhr
Bei der ersten WissensNacht Ruhr am 2. Oktober verwandelt sich das Ruhrgebiet in ein lebendiges Labor. Zwischen 16 und 24 Uhr wird sich an fünf zentral gelegenen Portalorten in den Innenstädten von Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen alles um den Themenschwerpunkt „Klima“ drehen. Zahlreiche Einrichtungen laden interessierte Besucher und Besucherinnen ein, die Wissenschaftslandschaft Ruhr zu erkunden.
Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) präsentiert sich im Essener Haus der Technik mit zwei Programmpunkten. Ab 19 Uhr lädt die Grafik-Werkstatt „Mosaik Energiewende: Ideen für meinen Stadtteil“ dazu ein, das abstrakte Projekt Energiewende mit Leben zu füllen. Aus den Ideen und Vorstellungen der Besucher und Besucherinnen soll mit der Unterstützung eines Künstlers ein Mosaik-Bild zur Stadt der Zukunft entstehen. Um 19:30 Uhr zeigt das KWI im Rahmen des Programmpunkts „CineScience meets WissensNacht Ruhr: Zukunftsvision – Energie und Stadt“ Filmausschnitte und lädt das Publikum ein, über urbane Energienutzung und klimaschonende Innovationen nachzudenken und zu diskutieren.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Verena Schreiber, 25.09.14
 
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