KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Strategien für einen Wandel der Mobilitätskultur


Rikschafahrt
© Foto: Neue Arbeit der Diakonie Essen
Für eine neue Mobilitätskultur, mit der die ambitionierten Klimaschutzziele der Bundesregierung unterstützt werden können, bedarf es gerade in Essen kreativer Herangehensweisen. So hat eine vor zwei Jahren vom KWI durchgeführte Umfrage gezeigt, dass sich ca. 60 Prozent der Bevölkerung der „Grünen Hauptstadt Europas 2017“ ausschließlich mit dem Auto fortbewegen. Dabei gibt es natürlich auch hier wie andernorts Alternativen – so lässt sich das vom KWI im Rahmen der Klima-Initiative Essen erforschte Projekt „Radeln ohne Alter“ auch als eine Maßnahme zur Aufwertung des Verkehrsmittels Fahrrad betrachten. Da unser Mobilitätsverhalten stark von Gewohnheiten und Handlungsroutinen geprägt wird, erweist sich das Bemühen um eine weitergehende Popularisierung nachhaltiger Fortbewegungsmöglichkeiten als eine besondere Herausforderung. Für einen Wandel der Mobilitätskultur sind daher v.a. junge Erwachsene eine wichtige Zielgruppe. Aber auch die Bevölkerungsgruppe der Seniorinnen und Senioren wird, nicht zuletzt im Zuge des demografischen Wandels, zunehmend wichtiger: Das Projekt „Radeln ohne Alter“ adressiert daher Bewohnerinnen und Bewohner von Senioreneinrichtungen, die durch die von der Neuen Arbeit der Diakonie Essen angebotenen Fahrten mit E-Rikschas wieder, wie es offiziell heißt, „Wind in den Haaren“ erfahren können.
Erste Forschungsergebnisse zeigen positive Resonanz, sowohl durch die Zielgruppe als auch durch Passanten. Auf diesem Wege erfährt das Verkehrsmittel Fahrrad einen Zuspruch – gerade auch mit Blick auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer, wie der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen zum Start des Projekts hervorgehoben hat – der im Sinne einer neuen Mobilitätskultur wünschenswert erscheint.
Am 16. September 2016 wurde das Projekt offiziell gestartet. Einen aktuellen Radiobeitrag über das Projekt finden Sie z.B. beim WDR.
Miriam Wienhold, 29.09.16
 

Claus Leggewie im Gespräch über „Anti-Europäer“

Lesung mit Claus Leggewie und Marcel Siepmann
© KWI, Foto: Georg Lukas
In Krimis begegnen wir in Sachen Mordaufklärung stets und ständig der Frage „Hatte er Feinde?“. Die Antwort ist meist: „Nicht, dass ich wüsste.“ So geht es nach Ansicht Claus Leggewies auch uns Europäern. Doch: „Europa hat Feinde und dieses Buch benennt sie“, so die Mahnung des KWI-Direktors bei der Buchvorstellung „Anti-Europäer - Breivik, Dugin, al-Suri & Co.“ in der Buchhandlung Proust. Sein Buch sei allerdings keine „Panikmache“, sondern solle Anreiz bieten, Gegenstrategien zu entwickeln. Denn Europa, so seine tiefe Überzeugung, gilt es zu verteidigen. Im Gespräch mit dem Historiker Marcel Siepmann vertiefte Politikwissenschaftler Leggewie seine Ausführungen. Das Vergleichen von Extremisten wie Breivik, al-Suri und Dugin bedeute keine Gleichsetzung, zeige aber teils erstaunliche Gemeinsamkeiten auf. Die Auflösung von Grauzonen beispielsweise, kulturelle Abgrenzung, patriarchale Strukturen, Verschwörungstheorien und ein paranoider Stil sind dabei nur einige gemeinsame Nenner. Zur Sprache bringt Leggewie auch die Rolle und Macht von Internet und Medien, welche sich die Feinde Europas zu Nutze machen. Identitäre eignen sich Zeichen der Populärkultur an und verbreiten diese mit Hilfe des Internets. Dem kommt im neu erklärten „Cyberwar“ eine Doppelfunktion zu: Instrument der Desinformation zum einen und Instrument der Kriegsführung zum anderen. Dem Publikum war wichtig, im anschließenden Gespräch zu klären, ob die Bedrohung Europas von innen heraus nicht viel akuter sei. „Kritik an Europa und der Politik ist allgegenwärtig“, resümierte Claus Leggewie, hält darum einen „Themenwechsel“ für dringend notwendig. Die Fokussierung auf „Flüchtlingskrise“ und AfD führe seiner Meinung nach zur Vernachlässigung anderer Themen, die zur Lösung solcher Probleme beitragen können. Wählen gehen und Aufklärung nutzen, im Kampf gegen „Anti-Europäer“, das ist seine Devise. Ein Mittel, das zwar begrenzt ist, jedoch keine Ausrede bietet, es nicht zu tun.
Miriam Wienhold, 28.09.16
 
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