Vortrag: „God hates Fags“: Homophobie, religiöse Rechte und Popkultur in den USA"

Volker Heins, Peter Rehberg
© KWI, Foto: Georg Lukas
Als Ursprungsland der Lesben- und Schwulenbewegung haben die USA nicht nur Modelle der ‚gay identity‘ und ‚gay community‘ hervorgebracht, sondern sind auch auf dem Weg, die Gleichstellung Homosexueller auf bürgerrechtlicher Ebene zu verankern. Beispielsweise ist im Großteil der US-Bundesstaaten die gleichgeschlechtliche Ehe inzwischen rechtlich anerkannt. Dennoch sind Schwule und Lesben in den USA bis heute Diskriminierungen ausgesetzt.
Peter Rehberg, Professor für Germanistik an der University of Texas, untersuchte in seinem Vortrag am 15. Dezember im Kulturwissenschaft-lichen Institut Essen (KWI) dieses Spannungsverhältnis. Er stellte die These auf, dass Bürgerrechtsbewegungen allein keinen Indikator für die Akzeptanz von Homosexualität bilden. Rehberg erklärte, dass der religiöse rechte Flügel „eine machtvolle Stimme der amerikanischen Gegenwartskultur“ sei, mit der sich eine konservative Normvorstellung von Sexualität manifestiert habe. Diese richte sich gegen die pornografisierte Popkultur und die Allgegenwärtigkeit von Sexualität, aber auch gegen Homosexualität. Mit der Homoehe, so Rehberg, werde Homosexualität verbürgerlicht und ‚normalisiert‘, der eigentliche Kern der Homophobie, die Angst vor einer anderen Sexualität, aber nicht überwunden, da diese unsichtbar gemacht werde. Rehberg illustrierte seine Thesen am Beispiel der US-amerikanischen TV-Serie „True Blood“, in der die Kontroverse um die Rechte sexueller Minderheiten subversiv verhandelt wird.
Die Veranstaltungsreihe „Homophobie im globalen Kontext“, die von Volker Heins (KWI) und Andreas Langenohl (Universität Gießen) konzipiert wurde, wird im nächsten Jahr mit zwei weiteren Terminen fortgesetzt. Am 26. Januar wird es um „Homophobie in Russland und der Ukraine" gehen, am 3. Februar richtet sich der Blick auf „Homophobie und Dschihadismus“.
Susanne Pahl, 18.12.14
 

NACHDENKEN ÜBER DIE KRISE DES JOURNALISMUS – VORTRAG UND WORKSHOP MIT JEFFREY ALEXANDER (YALE UNIVERSITY)

Jeffrey Alexander
© Käte Hamburger Kolleg, Foto: Georg Lukas
Der Journalismus steckt in der Krise. Qualitätszeitungen kämpfen um ihre Existenz, das Vertrauen des Publikums in die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung sinkt und das große Geld scheint die Medien der freien Meinungsbildung zunehmend zu unterwandern. Mit dieser Ausgangslage beschäftigte sich der Soziologe Jeffrey Alexander (Yale University, USA) im Rahmen der Käte Hamburger Lecture „The Crisis of Journalismus Reconsidered“ am 8. Dezember in Duisburg.
Alexander gab zu, dass wir in einer „Phase großer Unruhe für Journalisten“ leben, konnte aber auch zeigen, dass sich viele Prognosen der Vergangenheit als falsch erwiesen haben. Der utopische Glaube an das Internet und eine „rettende Technokultur“, in der alle Menschen zu Journalisten werden und damit das „Handwerk“ des Journalismus überflüssig werde, sei ebenso unbegründet wie die (vor allem in Europa) grassierende Angst vor dem Zugriff des Marktes auf die Medien. Zum Beispiel sei die Enthüllung von Geheimdienstpraktiken der Massenüberwachung durch Wikileaks erst durch die Kooperation mit Journalisten glaubwürdig und zu einem globalen Thema geworden. Gegen den Zynismus spricht die Hartnäckigkeit, mit der auch heute eine junge Generation von Journalisten und Reportern weltweit die „Ethik“ und das „Handwerk“ dieses urdemokratischen Berufs verteidigen. Seine Thesen erläuterte Alexander kürzlich auch in einem Interview in der der Frankfurter Rundschau.
Die Diskussion wurde am Tag darauf in einem Workshop mit Professorinnen und Professoren der Universität Duisburg-Essen und der Technischen Universität Dortmund sowie mit Journalisten und Studierenden fortgesetzt. Beide Veranstaltungen fanden auf Initiative von Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunkts InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), statt.
Verena Schreiber, 15.12.14
 
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