KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Oxford-Philosoph spricht über ethischen Fleischkonsum

Vortrag \
© KWI, Foto: Kassandra Beckmann
Darf der Mensch Tiere töten, um sie zu essen? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Jeff McMahan vergangenen Mittwoch in seinem Vortrag "Could Our Eating Animals Be Good For Them?" im Bibliothekssaal der Universität Duisburg-Essen. McMahan ist White’s Professor an der Universität Oxford für Moralphilosophie und unter anderem bekannt für sein Bücher „The Ethics of Killing: Problems at the Margins of Life“ (2003) und "Killing in War" (2009).
In seinem Vortrag stellte McMahan die Position des humanen Omnivorismus dar – das heißt er wog Argumente für und gegen die humane Haltung und Tötung von Nutztieren ab. Der Mensch neige dazu sich immer nur um die Vermeidung von Leid der Nutztiere zu kümmern, aber vernachlässige die viel gewichtigere Komponente – ihr Glück. Fleisch zu essen müsse erlaubt sein, aber nur wenn das Tier ein glückliches Leben verbringen durfte. Er begründet dies mit einem philosophischen Kniff, den er das Benefit-Argument nennt. Nutztiere verdanken dem Menschen ihre Existenz und profitieren von einem Leben, auch wenn es in biologischer Hinsicht verkürzt ist. Aus utilitaristischer Sicht gelte also: besser ein gutes, kurzes Leben als gar keines. Dieses Ideal sei für das Nutztier aber eher auf dem Biobauernhof als in der ethisch bedenklichen Massentierhaltung realisierbar.
Der Vortrag war Teil der Sommerakademie „The Badness of Suffering and Death for Animals and Persons“, die drei Tage lang am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) stattfand. Organisiert wurde sie von Marcel van Ackeren (Universität Münster) und Oliver Hallich (Universität Duisburg-Essen).
Kassandra Beckmann, 19.07.16
 

Tagung des DFG-Schwerpunktprogramms Mediatisierte Welten

Mediatisierungsforschung im Gartensaal des KWI
© KWI, Foto: Till Hartwig
Braucht die Mediatisierungsforschung den Kommunikativen Konstruktivismus? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich ein zweitägiger Workshop, der im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms „Mediatisierte Welten“ im Gartensaal des KWI stattfand. An der interdisziplinären Veranstaltung nahmen u.a. Soziologen, Kommunikations- und Medienwissenschaftler teil, um sich mit dem noch jungen theoretischen Forschungsprogramm des Kommunikativen Konstruktivismus auseinanderzusetzen. Dessen zentrale Begriffe und Konzepte standen während den lebhaften Diskussionen ebenso im Vordergrund wie seine Abgrenzung zum Sozialkonstruktivismus und seine theoretische wie empirische Anschlussfähigkeit. Beispielsweise beschäftigten sich Michaela Pfadenhauer und Heiko Kirschner in ihrem Vortrag mit dem Objektivationsbegriff, Gerhard Vowe behandelte die Reflexivität des Kommunikativen Konstruktivismus und Jo Reichertz stellte die Bedeutung der Prozesshaftigkeit bei der Untersuchung von Diskursen heraus. Was die theoretischen Prämissen des Kommunikativen Konstruktivismus für die empirische Umsetzung bedeutet, illustrierten Matthias Meitzler und Caroline Plewnia anhand eines laufenden Forschungsprojektes am KWI. Wie die verschiedenen Blickwinkel der Teilnehmer erkennen ließen, kann nicht nur die Mediatisierungsforschung vom Kommunikativen Konstruktivismus profitieren, sondern auch vice versa. Die einzelnen Beiträge werden in einem Tagungsband publiziert.
Dennis Arnold, 12.07.16
 
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