Thyssen Stiftung fördert „Globale Momente“

Die amerikanische Organisation Near East Relief und armenische Flüchtlinge in den 1920er Jahren / © YMCA-Archives
© YMCA-Archives
Alexandra Przyrembel, Leiterin des Projektbereichs „Globale Wissenskulturen“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), ist von der Fritz Thyssen Stiftung mit einem Reisestipendium für ihr Forschungsprojekt „Globale Momente und die Krise humanitärer Hilfe: Weltöffentlichkeit, die Massaker an den Armeniern und der ‚Westen‘ (1895-1930)“ ausgezeichnet worden. In den Jahren 1915 und 1916 – also vor nunmehr hundert Jahren – erfolgte die systematische Ermordung der Armenier durch die Regierung des Osmanischen Reichs. Über diese humanitäre Katastrophe, als deren Folge eine Million Menschen ihr Leben verloren, waren die Regierungen des Westens jenseits und diesseits des Atlantiks bestens informiert. Wer aber hatte Teil an diesem Wissen? Und: Aus welchen Gründen führte dieses Wissen über die neuen Formen der Gewalt zu keiner Intervention durch die ‚zivilisierten‘ Nationen? Przyrembel untersucht in Kooperation mit dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research diese und andere Fragen. Das Forschungsprojekt „Globale Momente“ konzentriert sich auf die diplomatischen, humanitären und öffentlichen Reaktionen der Massaker an den Armeniern in Westeuropa und den Vereinigten Staaten.
Helena Rose, 24.11.14
 

CineScience: Krieg und Film: „Bilder prägen - die Konstruktion des Krieges in Film und Foto“

v.l.n.r. Stefanie Pannier, Jeldrik Pannier, Mathis Danelzik
© KWI, Foto: Armin Flender
Wie prägen Kriegsfotografien unser Bild vom Krieg und welche Bilder vom Krieg prägen Kriegsfotografen? Dem komplexen Wechselverhältnis der Produktion und Rezeption von Bildern sowie den vorgelagerten Sinnbildungen bei Fotografen und Rezipienten gingen die Medienpädagogen Stefanie und Jeldrik Pannier gemeinsam mit Mathis Danelzik, Junior Fellow am Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI), in der CineScience-Veranstaltung „Bilder prägen - die Konstruktion des Krieges in Film und Foto“ am 11.November im Filmstudio Glückauf nach. Am Beispiel der Arbeit des amerikanischen Kriegsfotografen Joshua Fisher im Irakkrieg konnten sie zeigen, dass der Akt der Bildproduktion ein hochgradig selektiver Prozess ist und im Wesentlichen unbewusst bzw. präreflexiv erfolgt. Die Handlungsentscheidungen und -praktiken sind Ausdruck internalisierter Schemata, die Produktion unterliegt damit einem individuellen Dispositionssystem aus Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata. So zeigten sich auf verblüffende Weise nahezu identische Bilder aus dem Film „Der schmale Grat“ und Aufnahmen des Fotografen Joshua Fisher. Diese Beispiele illustrierten, dass inner-psychische Abläufe und visuelle Vorprägungen einen erheblichen Einfluss auf die visuelle Korrespondenz haben.
Die Veranstaltung war die letzte in der diesjährigen CineScience-Reihe zum Thema „Krieg und Film“, die vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts gefördert wurde. Kooperations-partner waren in diesem Jahr das Museum Folkwang und der Kunstring Folkwang. Die Reihe CineScience wird 2015 mit dem Thema „Sex und Film“ fortgesetzt.
Helena Rose, 20.11.14
 
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