Internationales WBGU-Symposium in Berlin: „Towards Low-Carbon Prosperity”

© Nibaldo Muñoz, Berlin
Welche Schritte unternehmen Staaten weltweit, um ihre Energieversorgung unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen und die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern? Von welchen Erfahrungen lässt sich gegenseitig lernen? Und welche internationalen Partnerschaften sind bei der Transformation der Energiesysteme möglich? Diese Fragen diskutierten hochkarätige Experten aus China, Dänemark, Indien, Japan, Großbritannien, Mexiko, den USA und Deutschland auf Einladung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
WBGU im Rahmen des internationalen Symposiums
„Towards Low-Carbon Prosperity: National Strategies and International Partnerships“ am 9. Mai in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Symposium mit ihrer
Rede eröffnet hat, betonte, dass „das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, nicht aus den Augen“ verloren werden dürfe. Daher bat sie die in Berlin versammelten Wissenschaftler, darunter Mario J. Molina, der 1995 für seine Forschungen zur Zerstörung der Ozonschicht den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte, „hartnäckig“ zu bleiben und den „Politikern manchmal auch auf den Wecker“ zu fallen: „Wenn Sie gute Argumente haben, dann werden wir darauf hören und werden uns ihnen nicht entziehen können. […] Werben Sie dafür, dass die gesellschaftliche Gemeinschaft derer, die sagen: wir müssen etwas grundlegend ändern, größer wird.“
Lord Nicholas Stern von der London School of Economics and Political Science (LSE), der im sogenannten Stern Report im Jahr 2006 die ökonomischen Folgen des Klimawandels taxiert und damit weltweit Aufmerksamkeit gefunden hatte, empfahl, über Investitionen in den Klimaschutz die Wachstumsschwäche zahlreicher europäischer Staaten zu bekämpfen: „The low-carbon sector is the only credible growth story over the next few decades. It offers the prospect of intense creativity and innovation which can deliver an attractive and prosperous future not just for Europe, but the world as a whole.”
Das KWI erforscht in seinem Schwerpunkt
KlimaKultur die kulturellen und gesellschaftlichen Aspekte des Klimawandels und des Klimaschutzes. KWI-Direktor
Claus Leggewie ist seit 2008 Mitglied im WBGU.
Interkultur in Theorie und Praxis

© KWI/Kerstin Schneider
Unter der Leitung der KWI-Fellows
Hans-Georg Soeffner und
Thea Boldt veranstaltete der Arbeitskreis Interkultur am 24. und 25. April die Tagung
„Interkultur in Theorie und Praxis“. Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten die Frage, wie soziale Austauschprozesse in pluralistischen multikulturellen Gesellschaften analytisch erfasst und theoretisch neu konzeptualisiert werden können. Die Tagung zielte darauf ab, den Begriff der „Interkultur“ anhand empirischer Fallstudien aus verschiedenen Bereichen der sozialen Wirklichkeit (internationale Fluglinien, afrikanische Megastädte oder islamische Zuwanderung nach Deutschland) theoretisch und praktisch auszuloten, damit er zu einem zentralen Element einer Theorie kultureller Wechselwirkungen in multikulturellen Gesellschaften werden kann. Dabei wurde „Interkultur“ als kulturelle Verschränkung verstanden, die jenseits des Kulturvergleiches untersucht wird und die sozialen Subjekte nicht als Träger räumlich gebundener Kulturmerkmale wahrnimmt, sondern ihre pluralistischen Lebens-, Handlungs- und Sichtweisen berücksichtigt: Lebensformen, die sowohl der Erfahrungsaufschichtung im Kontext der globalen Mobilität als auch dem Austausch von Wissensbeständen im elektronischen Zeitalter Rechnung tragen. In den Vorträgen und anschließenden Diskussionen konnte der Begriff „Interkultur“ in seinen politischen und gesellschaftlichen wie auch in seinen handlungspraktischen Kontexten weiter präzisiert und empirisch verortet werden. Eine Publikation der Ergebnisse der Tagung am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen beim Springer VS-Verlag ist in Planung. Unter dem Titel "
Integration ist mehr als Anpassung" hat der Deutschlandfunk einen ausführlichen Bericht zur Tagung gesendet.