KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Die neue Plattformökonomie - Abschlusstagung des Projekts FinShare


Das Tagungsteam zum Abschluss des FinShare-Projekts
© KWI, Fotos: Georg Lukas
In jüngster Zeit erfreuen sich digitale Plattformen, die das Teilen von Sach- und Dienstleistungen – getreu dem Motto „Nutzen statt Besitzen“ – ermöglichen, immer größerer Beliebtheit. Besonders die plattformvermittelte Vermietung privater Unterkünfte (Airbnb), aber auch verschiedene Varianten des Carsharing sind mittlerweile vielen Personen zumindest bekannt. Neben diesen Plattformen der „Ökonomie des Teilens“ (Sharing Economy) existieren auch Online-Plattformen, mit deren Hilfe man sich – gemeinsam mit vielen anderen, also im Sinne eines Schwarms – finanziell an einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Projekte beteiligen kann. Versuchsweise lassen sich diese Crowdfunding-Plattformen daher auch dem Bereich der „Ökonomie der Beteiligung“ (Share Economy) zuordnen. Das vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) geförderte Vorhaben „Bürgerbeteiligung in der Share Economy am Beispiel der Finanzmärkte“ (FinShare) hat sich zum Ziel gesetzt, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden digitalen Teilbereiche zu untersuchen, um den Chancen und Risiken der Digitalisierung und Plattformisierung der Wirtschaft verbraucherpolitisch adäquat begegnen zu können.
Dieses Ziel verfolgte auch die interdisziplinäre Abschlusstagung des FinShare-Projekts mit dem Titel „Ökonomie der Beteiligung und des Teilens, die am 14. Juli im Gartensaal des KWI unter Leitung von Patrick Linnebach stattfand. Acht Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Forschungsbereichen kamen zusammen, um sich in drei Sessions in Form von Referaten und Korreferaten über die „Ökonomie der Beteiligung“ und die „Ökonomie des Teilens“ sowie mögliche Regulierungsansätze auszutauschen. Dieser Austausch wurde durch ein interessiertes und aktives Publikum bereichert, sodass sich die Tagung in vielerlei Hinsicht als erkenntnisreich erwies – nicht zuletzt dahin gehend, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der „Plattformökonomie“ erst begonnen hat und weiterer Forschungsbedarf besteht, wenn man davon ausgeht, dass begriffliche Klarheit Grundvoraussetzung einer adäquaten verbraucherpolitischen Auseinandersetzung ist. Die zentralen Ergebnisse des FinShare-Projekts werden in Kürze auch hier nachzulesen sein.
Miriam Wienhold, 20.07.17
 

Open Casket: Rassismus in der Kunst

Das Bild Open Casket von der Künstlerin Diana Schutz
© Diana Schutz
Die Auseinandersetzungen in den Social Media, Feuilletons und Fachzeitschriften um und mit Dana Schutz’ Bild „Open Casket“, das ab dem 17. März 2017 im Rahmen der Whitney Biennale ausgestellt war, zeigen auf, wie notwendig eine Diskussion von Rassismus und rassistischen Strukturen im Kontext aktueller Kunst(-produktion) ist. Die Künstlerin geriet in die Kritik, da sie als Weiße ein Bild des ermordeten Afroamerikaners Emmett Till malte, der 1955 von weißen Rassisten ermordet wurde. Am 20. Mai 2017 fand der Workshop „Masken und Medien – Darstellungsrassismus und Entstellung“ als Veranstaltung des Nachwuchs-Netzwerks „In-Between. Interdisciplinarity and Theatre Studies“ unter der Leitung von Hanna Höfer-Lück am KWI statt, um diesem Diskussionsbedarf zu begegnen. Eröffnet wurde der Workshop mit einem Vortrag der Theaterwissenschaftlerin Evelyn Annuß. Annuß setzte mit „Open Casket“ und dem Fall des von white supremacists 1955 ermordeten 14 –jährigen Jungen Emmett Till ein, dessen malträtierter Körper auf obigem Bild von Schutz zu sehen ist. Bezugspunkt für Schutz’ Arbeit ist eine von der Mutter des Opfers selbst aufgenommene Fotografie des entstellten Jungenkörpers im Sarg. Mit Fokus auf ihrer aktuellen Forschungsarbeit zum Spiel im Blackface, seiner Historie und gegenwärtigen Inszenierungen, eröffnete Annuß die gemeinsame Diskussion im Workshop um Darstellungsrassismus in Kunst und Kunstbetrieb. Das auf Lektüren von Texten u.a. Achille Mbembes und Friedrich Balkes beruhende angeregte Arbeitsgespräch der von Universität und Kunsthochschule kommenden TeilnehmerInnen soll an anderer Stelle fortgesetzt werden. Die gewählte Form des Workshops erwies sich als produktiv, Ziel war es neben einer inhaltlichen Auseinandersetzung neue Synergien herzustellen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit anzubahnen.
Miriam Wienhold, 14.07.17
 
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