KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

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marcel.siepmann@kwi-nrw.de

ESSENER THESEN

Dudeneintrag/ © KWI, Foto: Susanne Pahl
Die Essener Thesen adressieren praxisnah den wünschenswerten Umgang mit Zitation und Plagiarismus zum Wohl gegenwärtiger und zukünftiger Promovierender. Sie wollen zur öffentlichen Diskussion darüber anregen, welche Lehren aus den (tatsächlichen und vermeintlichen) Plagiatsaufdeckungen der vergangenen Jahre zu ziehen sind. Die Essener Thesen legen ein Wissenschaftsverständnis an, das Wissensproduktion als kollektive Arbeit und kollektives Gut ansieht. Promovierende arbeiten hierbei eigenverantwortlich und stehen zugleich wie alle WissenschaftlerInnen „auf den Schultern von Riesen“. Formuliert und diskutiert wurden die Essener Thesen von Promovierenden des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) in Zusammenwirken mit auswärtigen Gästen im Rahmen eines Workshops am 12. März 2014.

Über eine kurze Mail an marcel.siepmann@kwi-nrw.de haben Sie die Möglichkeit, die Essener Thesen zu unterzeichnen. Die Namen der Personen, die die Essener Thesen unterstützen, sind unten aufgelistet.

  • 1. Plagiate sind schlimm. Sie schädigen die Plagiierten und das Wissenschaftssystem. Plagiate bedienen sich substantiell fremder wissenschaftlicher oder künstlerischer Erkenntnisse, Daten oder Schlussfolgerungen, ohne die AutorInnenschaft oder den Gesamteinfluss in angemessener Weise durch Zitation oder Würdigung auszuweisen.
  • 2. Problemstellung und Originalität bestimmen den Wert einer Promotion. Pflege und Akkuratesse von Zitaten dienen diesem Zweck. Die Qualifizierung zu eigenständigem Forschen soll durch begleitende Betreuung verstärkt und gefördert werden. Eine originelle Fragestellung entzieht dem Willen zum Plagiat die Basis.
  • 3. Der Anreiz, eine Promotion anzufertigen, sollte aus wissenschaftlichem Interesse erfolgen. Promotionen ohne wissenschaftliches Interesse erhöhen erfahrungsgemäß die Plagiatswahrscheinlichkeit.
  • 4. Es bedarf einer Vereinheitlichung von Plagiatsvorschriften, differenziert nach (inter)disziplinären wissenschaftlichen Standards. Die abermalige Begutachtung einer Dissertation sollte unter Berücksichtigung einer fachhistorischen Perspektive erfolgen.
  • 5. Es ist an der Zeit, dass die zivilgesellschaftlichen Arbeitsgruppen zu Plagiaten entlastet werden und die Überprüfung von Promotionen wieder dort ihren Platz findet, wo sie hingehört: in die Wissenschaft. Die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Plagiatsverdachte an den Universitäten sollte geprüft werden.
  • 6. Ein Plagiatsverdacht ist vertraulich den jeweiligen Fakultäten und nicht zuerst der Öffentlichkeit mitzuteilen. Beschuldigte und Plagiierte sind davon umgehend in Kenntnis zu setzen. Das Ombudswesen soll einen geschützten Raum für den Plagiatsverdacht bieten. Einen möglichen Rufmord gilt es zu vermeiden.
  • 7. Quantitative Verfahren durch Plagiatssoftware sind kein geeignetes Mittel der Kontrolle von Dissertationen. Eine qualitative Überprüfung und Bewertung ist unumgänglich.
  • 8. Dissertationen müssen gelesen werden.

Gunnar Fitzner, KWI
Frederic Hanusch, KWI
Marcel Siepmann, KWI
Edgar Voss, KWI
Volker Heins, KWI
Halyna Leontiy, KWI
Johanna Hadam, Ruhr-Universität Bochum (RUB)
Georg Lammich, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Christoph Bieber, Universität Duisburg-Essen
Mario Lohrengel, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Tobias Wolf, FU Berlin
Lea Schmitt, KWI
Phil C. Langer, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Holger Schwetter, Universität Kassel
Julie Mewes, Humboldt-Universität zu Berlin
Karl-Heinz Bittner, Universität Osnabrück
Sophia Schönborn, KWI
Eberhard Podzuweit, Promovend an der FU-Berlin
Johanna Buderath, 20. Okt 2017 12:59