Was heißt und zu welchem Ende betreibt man Weltumweltgeschichte?

© KWI
Umweltgeschichte ist eine relativ junge „Interdisziplin“ zwischen Geschichte und Naturwissenschaften. Viele der Umwelthistoriker der ersten Generation waren politisch in der Umweltbewegung der 1960er und 1970er Jahre beheimatet. Sie gingen von einem klaren Gegensatz zwischen Natur und Kultur aus und betonten die zerstörerische Macht des naturbeherrschenden Menschen mit seinen kapitalistischen Wirtschaftsformen. Für diese Generation war klar, dass sie Umweltgeschichte aus umweltschützerischen Motiven betrieb. Das hat sich geändert. Die Frage, weshalb Wissenschaftler heute Umweltgeschichte betreiben, stand im Mittelpunkt des Vortrags von Christof Mauch, Professor für Nordamerikanische Kultur-, Sozial-, und Politikgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Direktor des Rachel Carson Center, am 2. März im KWI. Für die heutige Generation von Umwelthistorikern ist der Gegensatz zwischen Natur und Kultur nicht mehr so feststehend, die Verstrickung beider Seiten ist in den Fokus gerückt. Die „unberührte“ und daher in einem bestimmten Zustand zu bewahrende Natur als Ideal gibt es nicht mehr – auch darum nicht, weil die Natur heute nicht mehr als statisches Gleichgewichtssystem beschrieben wird. Mit den begrifflichen wurden auch die politischen Fronten aufgeweicht. Letztlich lautete die Antwort des Referenten auf die Ausgangsfrage, dass Naturverhältnisse überall und auf vielfältige Weise in die Menschengeschichte verwickelt sind. Trägt man dieser Tatsache Rechnung, dann verändern sich viele der gewohnten historischen Narrative. Der Vortrag fand auf Einladung des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am KWI statt.
Ausschreibung: Prometheus 2010. Wo kommen unsere Energien her?
Wer an der Sommerakademie "Prometheus 2010" teilnimmt, soll genauso etwas über den Prometheus-Mythos erfahren wie über aktuelle Tendenzen der Energie- und Klimaforschung. Am Ende sollen die TeilnehmerInnen mehr darüber wissen, woher unsere Energien - das heißt unter anderem Wünsche, Motivationen, Techniken, Industrien, Ressourcen und Inspirationen - kommen, wie sie aktuell beschrieben und gedacht werden und wo ihre Zukünfte liegen. Die ausgewählten TeilnehmerInnen werden vom 30. August bis zum 8. September 2010 auf der Zeche Zollverein in fünf Meisterklassen die Themen Arbeitsenergien, elektrische Städte, gebannte Leistung, poetische Energien und psychische Energien diskutieren. Ergänzend gibt es ein Begleitprogramm mit Gästen aus der Literatur-, Musik- und Theaterpraxis, mit Filmreihen, einer übergreifenden Klasse „Energetische Stimmen“ sowie einer „Energietour Ruhr“.
Die interdisziplinäre Sommerakademie für PostdoktorandInnen und DoktorandInnen wird vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und der Universität Duisburg-Essen veranstaltet, gefördert durch die RWE-Stiftung. Das ChorWerk Ruhr und die Buchhandlung Proust sind Veranstaltungspartner. Bei Interesse ist eine Bewerbung bis zum 22. März 2010 per E-Mail (peter.risthaus@rub.de) bei Peter Risthaus, Ruhr-Universität Bochum, möglich. Die Bewerbungsbedingungen finden sich in der ausführlichen Ausschreibung.
Neuerscheinung: Dokumentation der ersten Spiekerooger Klimagespräche

Über dreißig namhafte Vertreter der Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaften haben mit Experten und Medienvertretern unter dem Titel „Klimawandel erfordert Kulturwandel“ anlässlich der ersten Spiekerooger Klimagespräche im Oktober 2009 über den gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimawandel diskutiert. Die Ergebnisse dieses neuen Gesprächsformats sind jetzt als Publikation im Verlag dbv Deutscher Buchverlag erschienen. Zur Dokumentation beigetragen haben unter anderem Claudia Kemfert (HU Berlin), Udo Kuckartz (Universität Marburg), Peter Leusch (Deutschlandfunk), Reinhard Loske (Umwelt- und Bausenator des Landes Bremen), Franz Mauelshagen (KWI), Uwe Schneidewind (Universität Oldenburg) und Elisabeth von Thadden (Die ZEIT). Die drei wissenschaftlichen Leiter der Klimagespräche, Reinhard Pfriem (Herausgeber), Universität Oldenburg, Ludger Heidbrink, KWI und Wolfgang Sachs, Wuppertal- Institut für Klima, Umwelt und Energie zählen ebenfalls zu den Autoren.
Die zweiten Spiekerooger Klimagespräche finden vom 4. bis 6. November 2010 statt. Die Frage lautet dann „Wie viel Glück ist möglich?“, zu der die WissenschaftlerInnen in der besonderen Atmosphäre der Insel Thesen formulieren werden.
Europa im Zeichen der Globalisierung

© EU-Kommission – Vertretung Bonn
Die Rolle der Europäischen Union auf weltpolitischer Ebene, die damit verbundenen Herausforderungen an Global Governance, das gegenwärtig drängende Problem der Steuerungsfähigkeit globaler Finanzmärkte bis hin zu den Folgen globaler Migrationsbewegungen für die Integration der europäischen Gesellschaften - über diese Themen diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Kolloquium "Europa im Zeichen der Globalisierung" am 10. und 11. Februar 2010 in der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn. Eingeladen hatte die Veranstaltungsinitiative "Europäische Horizonte", ein Zusammenschluss des KWI, der Stadt Aachen, des Instituts für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen, der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn sowie der Regio Aachen e.V..
Ziel der Initiative ist es, kulturelle und gesellschaftliche Begleiterscheinungen des europäischen Einigungsprozesses zu thematisieren und einen öffentlichen Raum für wissenschaftliche Debatten zu schaffen. Mit der Vortragsreihe "Glaubensfrage - Religion und Politik im Konflikt", die im Mai 2010 im Umfeld der Karlspreisverleihung an der RWTH-Aachen stattfinden wird, setzen die Europäischen Horizonte ihre Veranstaltungen fort.
Zehn Jahre Stockholm-Deklaration

© Forum för levande historia - The Living History Forum, Stockholm
Auf Einladung des schwedischen Außenministers Carl Bildt diskutierte Jens Kroh, Research Fellow am KWI, in Stockholm die Folgen der „Holocaust-Deklaration“. Mehr als 40 Staaten hatten die Erklärung am 28. Januar 2000, einen Tag nach dem 55. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, in der schwedischen Hauptstadt verabschiedet. Im Gespräch mit dem UN-Sonderberater zur Prävention von Genoziden, Francis Deng, und dem Historiker Timothy Snyder machte Jens Kroh die Einflüsse auf die europäische und globale Erinnerungskultur, einem der vier KWI-Forschungsschwerpunkte, deutlich. Im Vordergrund seines Diskussionsbeitrages stand die ambivalente Erfolgsgeschichte der Deklaration, die den Auftakt für eine Reihe geschichtspolitischer Initiativen zur Erinnerung von Massenverbrechen in Europa bildete. Als problematisch bewertete Jens Kroh, dass die in den vergangenen Jahren von Europäischem Parlament und Europarat verabschiedeten Erklärungen und Resolutionen zu Holocaust, Stalinismus, Totalitarismus und zum Genozid an den Armeniern das Bemühen der Politik eint, die Erinnerung an die Vergangenheit zu normieren und deren Inhalte dauerhaft festzulegen.
Im Rahmen des von der Hans-Böckler-Stiftung und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) eingerichteten Promotionskollegs "Herausforderung der Demokratie durch Klimawandel" sind ab dem 1. Januar 2011 vier Promotionsstipendien für eine Laufzeit von maximal drei Jahren zu vergeben. Hintergrund des Promotionskolleg ist die Frage: Wie umweltfreundlich ist Demokratie, wie demokratiefreundlich ist der Klimawandel? Das Promotionskolleg schließt an die theoretische und empirische Demokratieforschung an und nimmt ein in diesem Rahmen bisher wenig bearbeitetes Feld, die Legitimität und Performanz nationaler und supranationaler Klimapolitik, in den Blick. Bewerbungsschluss ist der 15. März 2010. Weitere Details entnehmen Sie bitte der ausführlichen Ausschreibung.
Kulturelles Erbe im digitalen Zeitalter

© DHI Paris
Nutzerinteressen, Autorenrechte, Verlagsinteressen und Forderungen nach Open Access – wie lassen sich diese im digitalen Zeitalter vereinbaren? Am Beispiel von Archiven und Museen, Bibliotheken und Verlagen, aber auch im konkreten Blick auf die großen laufenden Digitalisierungsprojekte im Bereich der Geisteswissenschaften, wurden diese und andere aktuelle Fragen zum Aufstieg der neuen Medien auf der deutsch-französischen Tagung „Geisteswissenschaften und kulturelles Erbe im digitalen Zeitalter“ am 1.-2. Februar 2010 behandelt. Auf der vom Deutschen Historischen Institut Paris und vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) ausgerichteten Tagung wurde kontrovers diskutiert, wie die enorme Marktmacht und Monopolstellung Googles sowie anderer großer 'Player' in diesem Bereich einzuschätzen ist und wie sich ihr gegenüber öffentliche oder wissenschaftliche Interessen wahren lassen. Weitgehende Einigkeit herrschte dagegen in der Überzeugung, dass sich im Kontext der social media langfristig völlig neue Formen der Wissenschaftskommunikation etablieren werden und dass sich unser Verständnis von Wissenschaft und ihrer kulturellen Bedeutung in einer Welt digitalisierter Medien insgesamt stark verändern wird. Mit besonderem Blick auf die Rolle Europas wurde die Dringlichkeit einer transnationalen Zusammenarbeit und einer gesamteuropäischen Forschungspolitik unterstrichen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die europäischen Wissensgesellschaften in einer globalisierten digitalen Wissenschaftskommunikation auch in Zukunft international behaupten können. Die von DHI und KWI mit dieser Veranstaltung begonnene Debatte wird fortgesetzt.
„Stadt:Mensch:Heimat. Die Zukunft unserer Städte“

© Landesinitiative StadtBauKultur NRW
Die Städte und Gemeinden in NRW stehen vor großen Herausforderungen: Neben dem wirtschaftlichen Strukturwandel sind auch neue Aufgaben wie die demografischen und sozialen Veränderungen, der globale Klimawandel und die Überschuldung der öffentlichen Haushalte zu meistern. Um die Fragen zur Zukunft unserer Städte zu diskutieren und Handlungsansätze für die Stadtentwicklung zu formulieren, hat das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen am 25. Januar zum ersten großen Städtebaukongress seit neun Jahren zum Thema „Stadt:Mensch:Heimat“ ins Bundeshaus in Bonn eingeladen. Im Dialogforum „Stadt:Machen“ nannte KWI-Direktor Claus Leggewie vor den rund 700 Teilnehmern als große Aufgabe der Gegenwart das Ressourcen sparende und der Nachhaltigkeit verpflichtete Planen und Bauen. Er erinnerte daran, dass die ökologische „Schadensbilanz“ eines Großstädters relativ gering ist – im Vergleich zu der von Vorstadtbewohnern. Der Klimawandel bedeute auch einen Wandel der urbanen Kultur. Dies zeige sich in innovativen Projekten und kollektiv getragenen Modellen einer nachhaltigen Großstadt wie „Low Carbon Cities“ oder „Smart Cities“. Dieser Wandel müsse sich auch in einer neuen Planungskultur zeigen, bei der „die verantwortliche Beteiligung einer problembewussten Bürgergesellschaft nicht länger als Hemmschuh und Zeitvergeudung“ angesehen werde. Leggewie verortete zudem die Zukunft in den großen Städten.
Bericht im WDR 3 Kulturmagazin Mosaik (26.01.2010)
Improvisationstheater: Schüler verstehen. Improvisationen über Interkultur

© KWI; Fotograf: Marek Eggemann
Für SchülerInnen des Ruhrgebiets ist kulturelle Vielfalt ein fester Bestandteil ihrer Lebenswelten und macht sie zu Experten für den Umgang mit Interkulturalität. Ihre vielfältigen Erfahrungen demonstrierten SchülerInnen der Frida-Levy-Gesamtschule (Essen), der Ludgerus-Hauptschule (Duisburg) und des Ricarda-Huch-Gymnasiums (Gelsenkirchen) am 6. Februar in einem Improvisationstheaterspiel in der voll besetzten Aula der Frida-Levy-Gesamtschule. Das Theaterspiel eröffnete ihnen spielerische Möglichkeiten, ihre Kulturalität im Umgang miteinander zu erfahren und neue Handlungsvarianten auszuprobieren. Die Veranstaltung war Teil eines Projekts der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 "SCHÜLER VERSTEHEN. Improvisationen über Interkultur" am KWI, unter der Leitung von Ronald Kurt und Alfred Hirsch.
In einer Folgeveranstaltung am 7. Februar reflektierten die SchülerInnen gemeinsam mit Pädagogen, Künstlern und Wissenschaftlern die Chancen, die Improvisation als Methode in Wissenschaft, Kunst und Alltag bietet. Es herrschte Übereinstimmung, dass das Ungeplante, Ergebnisoffene, Experimentelle, aber auch die Beziehungsaufnahme zueinander, die Improvisationen zu einem wertvollen Handlungsrepertoire und Wissensressourcen machen.
KWI on Tour: DoktorandInnen der Klimakultur machen weltweit Feldforschung

Sie sind nach China, Ghana und Chile, in die Schweiz und die USA und auch nach Ostdeutschland ausgeschwärmt. Drei Monate haben die DoktorandInnen des Ende 2008 eingerichteten Forschungsschwerpunkts Klimakultur am KWI jeweils in einem Land verbracht. Dort führten sie zahlreiche Einzel- und Gruppeninterviews für qualitative Studien in den Themenbereichen „Katastrophenerinnerung“ und „Shifting Baselines“.
Ein wichtiger Bestandteil des Aufenthalts war auch die Vernetzung mit internationalen ForscherInnen vor Ort: So arbeitete beispielsweise Eleonora Rohland mit Wissenschaftlern der Louisiana State University zusammen und hielt dort einen Vortrag über „Transforming Hazards into Risks: Reinsurance and Fire Disasters in 19th Century Europe“. Darin bezog sie sich auf den Ökonom Nicholas Stern, der mit Blick auf die vom IPCC prophezeite Zunahme von Extremereignissen auf die wichtige Rolle der Versicherungsindustrie hingewiesen hat. Rohland stellte an einem Beispiel aus der Firmengeschichte des Schweizer Rückversicherers Swiss Re einen solchen Fall der Neu-Evaluation und des pricings von Risiko dar.
Neuerscheinung: Buddhist Approaches to Human Rights. Dissonances and Resonances

Die Autoren Carmen Meinert und Hans-Bernd Zöllner im Gespräch über ihr neues Buch über das Verhältnis von Buddhismus und Menschenrechten, erschienen im transcript Verlag:
Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch? Besonders die einzelnen Fallstudien aus buddhistisch-gesprägten Ländern und Gesellschaften ermöglichen eine neue Wahrnehmung der dortigen gesellschaftlichen Verhältnisse und ermutigen den Leser, über "multiple Grundlagen von Menschenrechtsordnungen" neu nachzudenken.
Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu? Für den wissenschaftlichen Diskurs ist die Multiperspektivität der Darstellungen bei gleichzeitiger Vermeidung von Beliebigkeit wegweisend. Zugleich wird etwa die Debatte um die "asiatischen Werte" dadurch auf eine fundierte Basis gestellt, dass einige der Debatten um diese Werte in einigen asiatischen Ländern analysiert werden. Der Band ergänzt Publikationen zu eher theoretischen Überlegungen zum Verhältnis von Buddhismus und Menschenrechten, indem u.a. Beispiele der Umsetzung von Menschenrechten durch progressive Buddhisten gegeben werden.
Ihr Buch in einem Satz: Es regt dazu an, eine der zentralen Fragen unserer Welt kritisch zu überdenken und bestärkt dadurch das Engagement für die Rechte und Pflichten der Menschen.
Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2010
Der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen vergibt zum zweiten Mal den Dissertationspreis Kulturwissenschaften für hervorragende Dissertationen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit dem Preis will der Förderverein des KWI die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs unterstützten und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften fördern. So sind Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der drei UAMR-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen aufgerufen, ihre in den Jahren 2008 oder 2009 eingereichte Dissertation einzusenden. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2010. Weitere Details entnehmen Sie bitte der ausführlichen Ausschreibung.
Perspektiven der Konsumentenverantwortung. Wie viel Moral braucht der Konsum?

© KWI
Der Klimagipfel in Kopenhagen kann als gescheitert betrachtet werden. Und die zertifizierte Bio-Baumwolle der Öko-Kollektionen von H&M und C&A, so war es diese Woche zu lesen, ist teilweise genetisch verändert. Was sollen einzelne Konsumenten da angesichts der ökologischen und sozialen Probleme, mit denen die Weltgesellschaft konfrontiert ist, bewirken können? Imke Schmidt legte in ihrem Vortrag am 26. Januar dar, dass der einzelne Verbraucher über die bewusste Wahl von Produkten, umweltschonendes Verhalten oder die Beteiligung an organisierten Protesten durchaus Einfluss auf die Umstände seines Konsums hat. Er verfüge somit neben den Unternehmen und dem Staat über eine sozial-ökologische Mitverantwortung. Um diese umzusetzen, bedürfe es jedoch geeigneter Rahmenbedingungen: So benötigten Konsumenten Handlungsalternativen, übersichtliche Informationen und ein Preissystem, das die realen Kosten von Produkten widerspiegelt. Entscheidend für einen erfolgreichen nachhaltigen Umbau der Wirtschaft sei daher eine gemeinsame Strategie der Akteure, die auf Transparenz, Vertrauen und mehr Qualität statt Quantität aufbaue. Schmidt stellt in dem Vortrag Ergebnisse des Projekts „Konsumentenverantwortung“ vor.
EffizienzCluster LogistikRuhr gewinnt Spitzencluster-Wettbewerb des BMBF

© Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik
Der EffizienzCluster LogistikRuhr, zu dessen Forschungspartnern das KWI zählt, gehört zu den fünf Gewinnern des Spitzencluster-Wettbewerbs der Bundesregierung. Bei der Pressekonferenz des 124 Unternehmen und 18 Forschungs- und Bildungseinrichtungen umfassenden EffizienzClusters in Dortmund am 27. Januar sagte KWI-Direktor Claus Leggewie: „Es ist keine Überraschung, dass die Kulturwissenschaften an einem Logistik-Verbundprojekt von Anfang an mitwirken. Das Beispiel der komplizierten Suche nach Lösungen im Bereich der Klimaproblematik zeigt deutlich, dass auch bei einem gesellschaftlich bedeutenden Thema wie der Logistik der Beitrag der Geistes- und Sozialwissenschaften unverzichtbar ist“. Er freue sich, dass das KWI an diesem zukunftsträchtigen Projekt mitarbeiten und sein Wissen aus den Forschungsarbeiten im Bereich der Unternehmensverantwortung und der KlimaKultur einbringen könne, so Leggewie. Mit der erfolgreichen Bewerbung hat sich das Konsortium mit dem Untertitel „Logistik 2.0: Individuell bewegen“ für die kommenden fünf Jahre Fördermittel in Höhe von rund 40 Millionen Euro gesichert. Ziel ist es, die wirtschaftlichen Herausforderungen von morgen im Sinne individueller Warenversorgung, Mobilität und Produktion mit 75% der Ressourcen von heute ökologisch und sozial verträglich zu meistern.
Navid Kermani übernimmt Frankfurter Stiftungsgastdozentur für Poetik

© Villa Massimo
Navid Kermani ist Dozent der Frankfurter Stiftungsgastdozentur für Poetik im Sommersemester 2010. Seinen fünfteiligen Vorlesungszyklus „Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe“ wird der Schriftsteller, habilitierte Orientalist und Senior Fellow des KWI im Zeitraum von Mai bis Juni abhalten. Kermani ist einer breiteren Öffentlichkeit durch die brillante wissenschaftliche Prosa seiner 1999 veröffentlichten Dissertation „Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran“ bekannt geworden, für die er den Ernst-Bloch-Preis erhielt. Seinen über akademische Fragestellungen und journalistische Reportagen hinausweisenden literarischen Anspruch untermauerte er mit Publikationen wie dem 2002 erschienenen „Buch der von Neil Young Getöteten“. Seit 2007 ist Kermani Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
Die Frankfurter Poetik-Vorlesungen wurden 1959 vom S. Fischer Verlag in Form einer Stiftungsgastdozentur eingerichtet. Seit 1963 werden sie vom Suhrkamp Verlag, später von der Peter Suhrkamp Stiftung, sowie der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität getragen. Die Stiftungsprofessur hatten unter anderem Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Günter Grass und Christa Wolf inne.
Gastfellow des KWI ist Mitglied im People's Tribunal on Sri Lanka

Vom 14. bis 16. Januar hat das in der Nachfolge des Russel Tribunals stehende „People's Tribunal on Sri Lanka“ in Dublin getagt. Es wurde nach Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka im April 2009 zur Untersuchung von Kriegsverbrechen eingerichtet. Mitglied des Tribunals ist der seit Dezember 2009 als „Scholar in Residence“ des Goethe-Instituts am KWI arbeitende, argentinische Soziologe Prof. Daniel Feierstein. Das Tribunal hat nun seinen ersten Bericht vorgelegt: Beruhend auf Berichten von Nichtregierungsorganisationen, Zeugen, Opfern, Menschenrechtsanwälten und Journalisten kann es laut Bericht als gesichert gelten, dass Kriegsverbrechen bzw. Verbrechen gegen die Menschheit durch die Armee und Regierung Sri Lankas begangen wurden und zum Teil auch noch begangen werden. Beispiele sind die Bombardierung ziviler Ziele wie Krankenhäuser, Schulen und so genannter, von der Regierung zum Schutze von Zivilisten, eingerichteter Sicherheitszonen wie auch Folter, Vergewaltigungen, Deportationen, Erschießungen von Tamilen und Unterstützern der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in „Internment Camps“.
Warum wir nicht tun, was wir wissen

In vielen Umweltfragen wie auch in der Klimapolitik herrscht Einigkeit über die Probleme und über eine Vielzahl möglicher Lösungen. Dennoch fällt es der Weltgesellschaft schwer, eine politische Einigung zu erzielen, wie die Verhandlungen von Kopenhagen im Dezember 2009 zuletzt gezeigt haben. Warum der Weg „vom Wissen zum Handeln“ so schwer ist, gehört inzwischen zu den viel diskutierten Fragen. Der Historiker Gregory Bankoff beschrieb am 19. Januar in seinem Vortrag eine Vielzahl technologischer und ökonomischer Prozesse, die von der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts ausgehend, zu Pfadabhängigkeiten (path-dependence) geführt haben, aus denen zu einem späteren Zeitpunkt schwer auszubrechen war und ist. Entscheidungen - wie etwa die Nutzung von Benzin als Treibstoff für Kraftfahrzeuge -, die unter bestimmten Umständen vorteilhaft erschienen, haben durch die Verbindung mit einer voll entwickelten Infrastruktur eine enorme Schwerkraft entwickelt. Bei vielen Technologien und Wirtschaftsweisen scheinen die Industriegesellschaften von heute deshalb durch ihre selbstgeschaffenen Abhängigkeiten geradezu eingeschlossen („locked-in“). Bankoff schloss mit Überlegungen über die Chancen zum Ausbruch aus diesem Dilemma.
Interview mit Gregory Bankoff (WDR 3 Resonanzen, 20.01.2010)
Prosoziales Verhalten in interdisziplinärer Perspektive

Die Frage, warum Menschen einander helfen, stand im Zentrum eines Kolloquiums im Rahmen der Universitätsallianz Metropole Ruhr am 14. und 15. Januar. Gemeinsam eingeladen hatten der Lehrstuhl für Sozialtheorie und Sozialpsychologie der Ruhr-Universität Bochum und das Forschungsprojekt „Referenzrahmen des Helfens“ am KWI. Das Projekt untersucht, unter welchen Umständen sich Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus zur Hilfe für Juden entschlossen. Da die Forschung sich bislang einseitig auf die psychologischen Aspekte der „Helferpersönlichkeit“ konzentrierte, war es das Ziel des Workshops, verstärkt die sozialen und situativen Bedingungen prosozialen Verhaltens in den Blick zu nehmen. Der interdisziplinär angelegte Workshop umfasste Beiträge aus der Spieltheorie, Evolutionsbiologie, Handlungstheorie und der Sozialstatistik. Praktiker aus Polizei und Flüchtlingshilfe schilderten überdies eindrucksvoll ihre Erfahrungen in Unfallsituationen und in der Asylberatung. Ihre Berichte bildeten Ausgangspunkt und Perspektive des Workshops.
Neuerscheinungen über Kultur als Entwicklungsfaktor
Inwieweit ist der Kreativsektor und die Kultur zentraler Faktor für die Stadtentwicklung? Wann und wie entstehen kulturelle Innovationen? Welche ökonomischen und politischen Wirkungen kann Kultur entfalten? Diese Fragen werden in dem von Gudrun Quenzel, Beauftragte des Projekts „Das kulturelle Potential von Städten und Regionen“ am KWI, beim transcript Verlag herausgegebenen neuen Buch „Entwicklungsfaktor Kultur. Studien zum kulturellen und ökonomischen Potential der europäischen Stadt“ untersucht. Zum gleichen Thema ist im Januar 2010 zudem die KWI-Intervention „Entwicklungsfaktor Kultur“ erschienen, verfasst von Gudrun Quenzel, Annina Lottermann, Leiterin der Geschäftsstelle „Kontaktbüro Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010“ am KWI, und Gertraud Koch, Inhaberin des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft und Wissensanthropologie an der Zeppelin University. Weitere Informationen zu beiden Publikationen finden Sie hier.
Metropole im Wandel: Die europäische Metropole Ruhr zwischen Industrialisierung und postkarbonem Zeitalter

© KWI
„Wir fragen nicht, was die Kulturhauptstadt für uns tun kann, sondern was wir für die Kulturhauptstadt tun können“, erklärte KWI-Direktor Claus Leggewie die Motivation für die Tagung „Metropole im Wandel“ zur Vergangenheit und Zukunft des Ruhrgebiets, die das KWI am 11. Januar und 12. Januar 2010 auf der Zeche Zollverein veranstaltet hat. Unmittelbar im Anschluss an die offizielle Eröffnungsfeier der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 schlugen Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur einen Bogen vom historisch einzigartigen Ruhrrevier zum notwendigen Paradigmenwechsel einer kohlenstoffarmen Metropole, die eine Innovationsallianz aus Unternehmen, Politik und Bürgergesellschaft erfordert. Das KWI ist bereit, im Rahmen der UAMR an der Gestaltung der vom Initiativkreis Ruhr geplanten „Innovation City“ an Ruhr und Emscher – die zum Abschluss der Tagung vorgestellt wurde – mitzuwirken und deren kulturelle Grundlagen wissenschaftlich auszuloten.
Wissen schafft Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

© Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS)
Beim großen Fest zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas 2010 am 9. Januar hat die Wissenschaft zu einem eigenen Programm geladen, das mehrere Hundert Menschen verfolgt haben. Den Auftakt machten VertreterInnen der Global Young Faculty, die unter der Moderation des KWI-Direktors Claus Leggewie über Zukunftsfragen aus den Themenfeldern Klima, Technologie, Wirtschaft, Gesundheit, Kultur und Gesellschaft sowie die Verantwortung von Wissenschaft sprachen. Es folgten Filme über die „Transformation von Kultur. Die Off-Off-Kulturszene im Ruhrgebiet“. Dieses Projekt des Instituts für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum setzt sich mit verschiedenen kulturellen Identitäten und Aktivitäten, wie dem HipHop oder dem Rap, von Akteuren im Ruhrgebiet auseinander, die medial keine bis wenig Beachtung finden. Umgeben waren die Programmpunkte von den Präsentationstischen des Wissenschaftsforums Ruhr zum Thema der alternden Gesellschaft. Ziel ist es hier, in der Metropole Ruhr die demografischen Wandlungsprozesse zu antizipieren und neue Lösungen, innovative Techniken und wegweisende Denkmodelle zur Bewältigung des Wandels zu entwickeln.
Neuerscheinung: Indien und Europa. Ein kultur- und musiksoziologischer Verstehensversuch

Die Musik Indiens ist Europa fremd geblieben – leider. Dabei ermöglicht die indische Musik Vergleiche, die uns nicht nur die fremde, sondern auch die eigene Kultur neu verstehen lassen. Die Musik als Medium des Vergleichs verwendend, rekonstruiert Ronald Kurt in seinem Buch die kulturellen Grundlagen der sozialen Verhältnisse, in denen Inder und Europäer Klängen Sinn verleihen. Der Fokus liegt dabei auf der nordindischen und europäischen Kunstmusik, der typisch indischen Beziehungsform »Guru-Shishya Parampara« und dem interkulturellen Lehren und Lernen klassischer indischer Musik. Dem Buch ist eine DVD mit drei Dokumentarfilmen beigefügt, die den Text ergänzen: »Be a Medium. Teaching and Learning Indian Classical Music«, »Indische Musik – Europäische Musik. Ein interkulturelles Lehr- und Lernprojekt« und »Raga Jog«.
Das Buch ist im transcript Verlag erschienen.
Der Autor leitet das DFG-geförderte Projekt "Interkulturelles Verstehen in Schulen des Ruhrgebiets" am KWI und leitete bis 2007 das DFG-Projekt „Indien und Europa. Ein musiksoziologischer Kulturvergleich“ am KWI.
Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

pixelio.de © Lars Paege
Wenn am 9. und 10. Januar 2010 beim Kulturfest "Glück Auf 2010!" die Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 gefeiert wird, sind das KWI und weitere wissenschaftliche Einrichtungen der Metropole Ruhr mit einem eigenen Programm im Oktogon auf der Zeche Zollverein dabei: VertreterInnen der Global Young Faculty diskutieren über Zukunftsfragen aus den Themenfeldern Klima, Technologie, Wirtschaft, Gesundheit, Kultur und Gesellschaft. Gezeigt werden außerdem filmische Forschungsimpressionen wie auch Informationen zur alternden Gesellschaft.
Unmittelbar nach der Eröffnung befasst sich das KWI auf der Tagung „Metropole im Wandel: Die europäische Metropole Ruhr zwischen Industrialisierung und postkarbonem Zeitalter“ am 11. und 12. Januar mit der Frage, welche Strukturmerkmale eines spezifisch europäischen Stadttypus das Ruhrgebiet in der Epoche von Kohle und Stahl entwickelt hat. Zugleich widmet sich die Tagung einer zentralen zukünftigen Herausforderung, die das Ruhrgebiet erwartet: Wie kann der Übergang von einer karbon geprägten Vergangenheit in eine Zukunft gestaltet werden, die mit Blick auf die erwartbaren Folgen des Klimawandels "kohlenstoffarm" sein muss?
Termine des KWI im Kulturhauptstadtjahr: www.kulturwissenschaften.de/kulturhauptstadt2010
Veranstaltungskalender für alle Wissenschaftstermine in Bezug auf RUHR.2010: www.wissenschaft2010.de
Kollektive Gewalt – ein interdisziplinärer Dialog
Das äußerst facettenreiche Thema kollektive Gewalt lässt sich nur interdisziplinär erfassen. Eingeführt durch die Keynote "The Concept of Genocidal Social Practices“ des argentinischen Soziologen Daniel Feierstein - derzeit „Scholar in Residence“ des Goethe-Instituts am KWI – diskutierten daher am 16. Dezember WissenschaftlerInnen aus den verschiedenen Geistes- und Sozialwissenschaften unter anderem über die Massengewalt während der jugoslawischen Zerfallskriege in den 1990er Jahren, gewalthaltige tantrisch-buddhistische Rituale und über die Analyse biographischer Erzählungen jüdischer NS-Ghetto-Bewohner.
Das Kolloquium „Kollektive Gewalt“ ist Bestandteil einer langfristigen Kooperation zwischen dem KWI und zweier Einrichtungen der Ruhr-Universität Bochum, des Lehrstuhls für Sozialtheorie und Sozialpsychologie und des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung.
Die Zukunft der Pop-Musik: Forsetzung von „KWI mit Gästen 2009“ mit Diedrich Diederichsen

© KWI, v.l.n.r. Diedrich Diederichsen, Bernd Sommer, Florian Cramer
Am 15. Dezember war Florian Cramer, Kunstwissenschaftler und Germanist vom Piet Zwart Institute der Willem de Kooning
Academy in Rotterdam, zu Gast und sprach mit Diedrich Diederichsen über Pop-Musik als Verknüpfungskultur. Im Mittelpunkt der diesjährigen Vortrags- und Diskussionsreihe "KWI mit Gästen" steht die Zukunft der Pop-Musik „zwischen Straße, Galerie und Hobbykeller“. Zum Abschluss am 16. Dezember diskutiert Diedrich Diederichsen mit Brigitte Weingart, Germanistin und Kulturwissenschaftlerin aus Bonn, über Starschnitte und Soundfetische in der Heldenbar des Schauspiel Essen.
Erfolgreicher Abschluss: Humanismus in der Epoche der Globalisierung

Welche Entwicklung nimmt der Humanismus in einer zunehmend globalisierten Welt? Vier Jahre lang haben WissenschaftlerInnen am KWI unter der Leitung des Historikers Jörn Rüsen Themen wie Identität und Kultur, Gerechtigkeit, Bildung und Integration sowie Humanität und Humanismus im Kulturvergleich erforscht. Das Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ kooperierte bei Tagungen und Forschungsaufenthalten mit Partner-Institutionen in Südafrika, China, Indien, Mexiko und im Nahen Osten. Regional arbeitete das Projekt eng mit ForscherInnen der Universitätsallianz Metropole Ruhr und in Witten/Herdecke zusammen, insbesondere auch im Graduiertenkolleg „Interkulturelle Kommunikation – Interkulturelle Kompetenz“. Die Stiftung Mercator hat das Projekt seit 2006 gefördert.
Seine Forschungsergebnisse präsentiert das Humanismusprojekt in der internationalen Schriftenreihe „Der Mensch im Netz der Kulturen – Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ des Transcript-Verlags. Fünf Bände sind bereits erschienen, mehr als neun weitere Bände in Arbeit. Mit der Landeszentrale für politische Bildung in NRW wurde ein für die historisch-politische Bildung bestimmter Band veröffentlicht: "Interkultureller Humanismus. Menschlichkeit in der Vielfalt der Kulturen“. Zudem liegt der erste Band der "Reden über den Humanismus" vor; einer an die breite Öffentlichkeit gerichteten Vortragsreihe mit Klaus Harpprecht, Friedrich Wilhelm Graf und Rüdiger Safranski.
Drei Fragen an den ersten „Scholar in Residence“ des Goethe-Instituts am KWI

Daniel Feierstein ist Professor an der Universität Buenos Aires und Direktor des Zentrums für Genozidstudien der Universität Nacional de Tres de Febrero. Gemeinsam mit Dr. Christian Gudehus, Geschäftsführer des Center for Memory Resarch am KWI, bildet er das erste Tandem des neuen Residenzprogramms „Scholars in Residence“, das das Goethe-Institut in Kooperation mit dem KWI initiiert hat. Die Kooperation startet zunächst als Pilotprojekt zu den Themen Erinnerungskultur, Klimawandel und Kultur sowie Migration. Ziel ist es, internationale Gastaufenthalte zwischen NachwuchswissenschaftlerInnen aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zu unterstützen und bilaterale Projekte oder langfristige Kooperationen anzustoßen.
What would you like to learn in or about Germany?
Feierstein: “I would like to learn more about the transgenerational transmission of the trauma of Nazism in the second and third generation in Europe: The ways in which the memorial sites, the educational system, academia, the political world and civil society deal with the questions of responsibility, justice, trauma, ethical consequences and so on. I am also particularly interested in the work of the CMR concerning the different approaches on the subjects of memory, representations, processes of identities construction and the impressive work that the CMR at the KWI is doing on such subjects.”
What do you bring to Germany?
F.: “I guess I am bringing a new and provocative framework to analyze the genocidal processes: It is the concept of "genocidal social practice", which intends to comprehend genocide as a technology of power of the modernity, very common and functional during the 20th and 21st centuries to reorganize social relationships in different societies. Then I will bring my knowledge and analysis of the violence in Latin America – my research focus being Argentina, Chile and Uruguay – as well as of the development of justice in such post-genocidal societies, the subjects of responsibility, ethics and consequences of the trauma and transgenerational transmission.”
What is the connection between Argentina and Germany?
F.: “They are connected in many ways, but I am particularly interested to analyse further how post-genocidal trauma affected these two societies. What are the similarities and important differences not only between both genocidal processes but between the ways in which those processes continue to concern the life, death and present of our societies? I am looking forward to discussing theses questions in Germany.”
Unternehmen und Konsumenten auf dem Weg zu nachhaltigen Kooperationen?

© KWI
Wie lässt sich die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Konsumenten verbessern, damit sie nachhaltiger wird? Diese Frage stand im Zentrum einer Tagung des Center for Responsibility Research (CRR) am KWI. In seinem Eröffnungsvortrag am 8. Dezember sagte der Kasseler Wirtschafts- und Unternehmensethiker Michael S. Aßländer, dass Konsumenten die wichtigste „Verantwortungsinstanz“ seien, vor der Unternehmen sich für ihre Geschäftspraktiken zu rechtfertigen hätten. So wurde auf der Tagung insbesondere darüber diskutiert, wie Verbraucher ihre ökologischen und sozialen Ansprüche gegenüber Unternehmen durchsetzen können und welche Mittel hierfür zur Verfügung stehen. Die Vorschläge dazu: Bessere Produktinformationen, überprüfbare Nachhaltigkeitsstandards, mehr Transparenz in der Unternehmenskommunikation. Vor allem aber müssten sich Verbraucher besser organisieren und ihre Rolle als „Konsumbürger“ wahrnehmen, um politisch wirksamen Einfluss auf Unternehmen nehmen zu können.
Lesart Spezial: Im Schatten der Shoah - Israel, Deutschland und der Nahostkonflikt

Alfred Grosser, Claus Leggewie, Hanno Loewy
Dürfen deutsche Politiker die Politik Israels kritisieren? Alfred Grosser, Politologe und Publizist, und Hanno Loewy, Direktor des jüdischen Museums in Hohenems, sind sich einig, dass sich Deutschland trotz und gerade wegen seiner Verantwortung für den Holocaust zur Wahrung der Grundrechte in Israel äußern muss. Über die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel diskutierten die beiden Gäste unter anderem am 9. Dezember im Essener Grillo-Theater. Im Mittelpunkt standen Alfred Grossers Buch „Von Auschwitz nach Jerusalem. Über Deutschland und Israel“ (Rowohlt Verlag, 2009) und das Buch des israelischen Autors und ehemaligen Politikers Avraham Burg „Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss“ (Campus Verlag, 2009). KWI-Direktor Claus Leggewie moderierte das Gespräch.
In der Reihe „Lesart Spezial“, veranstaltet vom KWI, Deutschlandradio Kultur, Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen, präsentieren und diskutieren renommierte Autoren und Kritiker vor Publikum aktuelle Sachbuch-Neuerscheinungen. Die Diskussion über „Im Schatten der Shoah – Israel, Deutschland und der Nahostkonflikt“ wird am Sonntag, 13. Dezember 2009, von 12.30 Uhr bis 13.00 Uhr im Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt. Medienpartner der Reihe ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).
Kopenhagen ist jeden Tag
Weder die Industrie- noch die Entwicklungsländer können das Klimaproblem alleine lösen, schreiben KWI-Direktor Claus Leggewie und DIE-Direktor Dirk Messner im wissenschaftlichen Internetmagazin „eurozine“. Einen Durchbruch in der internationalen Klimapolitik beim UN-Gipfel in Kopenhagen vom 7. bis 18. Dezember 2009 halten die beiden Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) für möglich. Dafür muss die Europäische Union jedoch in Kopenhagen eine Reihe anspruchsvoller Reduktionsziele vorlegen - ohne sie vom Willen anderer Länder abhängig zu machen, es ihr gleichzutun.
Die Zukunft der Pop-Musik: Diedrich Diederichsen bei „KWI mit Gästen 2009“

© KWI, v.l.n.r. Christoph Jacke, Diedrich Diederichsen, Claus Leggewie
Wie steht es um die Zukunft der Pop-Musik „zwischen Straße, Galerie und Hobbykeller“? Diese Frage diskutiert der bekannte Theoretiker und Kritiker der populären Kultur Diedrich Diederichsen mit Gästen bei der diesjährigen Vortrags- und Diskussionsreihe "KWI mit Gästen". Am 2. Dezember hat Diederichsen im Essener Grillo-Theater vor rund 100 Personen einen einführenden Vortrag zum Thema „Allein mit der Gesellschaft: Von Pop-Musik zu Pop-Kultur“ gehalten. Tags darauf begann er mit seinem ersten Gast, dem Paderborner Pop-Musikwissenschaftler Christoph Jacke, die Diskussion über die künstlerische, ökonomische und gesellschaftliche Lage der Pop-Musik. Weitere Gäste sind am 15. Dezember der Kunstgeschichtler und Germanist aus Rotterdam, Florian Cramer, und am 16. Dezember Brigitte Weingart, Germanistin und Kulturwissenschaftlerin aus Bonn. Moderator der vier Abende umfassenden Reihe ist KWI-Direktor Claus Leggewie. Bei "KWI mit Gästen" steht jeweils ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema der Kulturwissenschaften im Zentrum, Kooperationspartner ist das Schauspiel Essen.
Wissenschaftliche Einrichtungen präsentieren ihr Programm für die Kulturhauptstadt 2010

© KWI
v.l.n.r. O. Scheytt, A. Lottermann, K.-P. Busse, N. Jegelka, N. Dohms, J. Howaldt, C. Leggewie
Es ist das erste Mal in der Geschichte der europäischen Kulturhauptstädte, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende systematisch und in einer solchen thematischen Breite an einem Kulturhauptstadtjahr beteiligen. Deshalb verzichten die wissenschaftlichen Einrichtungen der Metropole Ruhr für die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 auf ein gemeinsames Motto und haben beim Pressegespräch am 1. Dezember in Essen die Vielschichtigkeit des Programms hervorgehoben. Die Vorstellung des Programms stellt zudem nur einen Auftakt dar: Jede Wissenschaftlerin, jeder Wissenschaftler, jede Studentin und jeder Student hat die Möglichkeit, sich mit seinen Ideen vor und während des Jahres 2010 an der Kulturhauptstadt zu beteiligen.
Anlässlich der Programmpräsentation in der Essener Philharmonie stellten Prof. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, Annina Lottermann, Leiterin des Kontaktbüros Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010, Prof. Klaus-Peter Busse, als Vertreter der Universitätsallianz Metropole Ruhr, Norbert Dohms, Sprecher der Fachhochschulen, Prof. Jürgen Howaldt, Vorsitzender des Wissenschaftsforums Ruhr e.V., Prof. Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und moderierend Dr. Norbert Jegelka, Geschäftsführer des KWI, Beispiele der Aktivitäten der Wissenschaftseinrichtungen vor. Ein Überblick über alle Veranstaltungen ist im Internet (www.wissenschaft2010.de) zu finden. Das KWI beteiligt sich u.a. mit der internationalen Tagung „Metropole im Wandel. Die europäische Metropole Ruhr zwischen Industrialisierung und postkarbonem Zeitalter“ am 11. und 12. Januar 2010 und, gemeinsam mit Partnern, mit dem Nachwuchsförderprogramm „Global Young Faculty“.
Um alle Projekte der Wissenschaft zu koordinieren, wurde – als gemeinsame Initiative der RUHR.2010 GmbH und des KWI – eigens eine zentrale Schnittstelle ins Leben gerufen, die die Wissenschaft, die Kulturhauptstadt und die Öffentlichkeit miteinander vernetzt: das Kontaktbüro Wissenschaft - Kulturhauptstadt 2010.
24. Forum Globale Fragen: Klimagerechtigkeit – neue Perspektiven für die internationale Umweltpolitik?

© KWI
Wie kann eine gerechte Verteilung der Lasten und Pflichten bei der Transformation hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft aussehen? Sind die vorhandenen Instrumente und Strukturen des globalen Regierens ausreichend, um eine Erderwärmung um mehr als 2ºC über dem vorindustriellen Niveau zu verhindern und so das Ziel der internationalen Klimapolitik zu erreichen? Welche Rolle spielen Wirtschaft und Zivilgesellschaft in diesem Zusammenhang? Diese Fragen diskutierten zwei Wochen vor Beginn des Weltklimagipfels in Kopenhagen (7.-18. Dezember 2009) Vertreter aus Diplomatie, Politik, Wissenschaft und Bürgergesellschaft im Rahmen des 24. Forums Globale Fragen des Auswärtigen Amtes in Berlin. KWI-Direktor und WBGU-Mitglied Claus Leggewie machte deutlich, dass es nicht ausreiche, wenn sich die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen auf ambitionierte Klimaziele einigen; ohne die aktive Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger lasse sich der Übergang zu einer klimafreundlichen Lebens- und Wirtschaftsweise nicht bewerkstelligen. Das Forum Globale Fragen wurde 1999 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufen und führt staatliche und nichtstaatliche Akteure der internationalen Politik zu einem Meinungsaustausch über zentrale globale Herausforderungen zusammen.
Corporate Governance – auch ein Thema für Hochschulen?

© KWI
Hochschulen sind nur bedingt mit Unternehmen vergleichbar: Hochschulen haben beispielsweise mit ihrem Auftrag für Forschung und Lehre zwei Funktionen, die sehr unterschiedlich organisiert und nur lose miteinander gekoppelt sind – im Gegensatz zu Unternehmen, in denen die Forschung dem Primat der Wirtschaft untergeordnet ist. So forderte der Rektor der Universität Luzern, Rudolf Stichweh, der die Tagung „Corporate Governance – (k)ein Thema für Hochschulen?“ mit seinem Vortrag eröffnete, für die Steuerung von Hochschulen ein besonderes Verhältnis von Selbst- und Fremdkontrolle. Managementmodelle aus der Wirtschaft könnten zwar für die Verbesserung interner Entscheidungsabläufe und eine effizientere Verwaltung von Mitteln sorgen, helfen aber nur begrenzt bei der Reform von Studium, Lehre und Forschung. So lautete denn auch ein wesentliches Ergebnis der Tagung: Hochschulen lassen sich nicht wie Unternehmen durch Aufsichtsräte oder Verhaltenskodizes beaufsichtigen und kontrollieren. Vielmehr müssen HochschulmanagerInnen, WissenschaftlerInnen und Studierende durch eine gemeinsame Verantwortungskultur zum Erfolg und zur Wirksamkeit von Lehre und Forschung beitragen.
Die Frage, wie Hochschulen sich so steuern lassen, dass sie nicht nur wirkungsvoll arbeiten, sondern auch ihrer Verantwortung für die Studierenden und für gesellschaftliche Aufgaben nachkommen, diskutierten rund achtzig VertreterInnen aus Wissenschaft, Hochschulmanagement und Ministerien am 16. und 17. November in Essen. Die Tagung wurde vom KWI gemeinsam mit der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen und dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) organisiert.
Von „Physiologie“ bis „Religiöses Epos“: Band 10 der Enzyklopädie der Neuzeit ist erschienen

Das Schreiben und Herausgeben der Enzyklopädie der Neuzeit ist eine Herkulesaufgabe: Seit Mai 2005 arbeiten etwa 100 HerausgeberInnen und 1400 AutorInnen, angeleitet vom geschäftsführenden Herausgeber Friedrich Jaeger, an dem auf 16 Bände angelegten zukünftigen Referenzwerk der deutschen historischen Neuzeitforschung. Als ein Referenzwerk – auch mit internationaler Ausstrahlung – kann sie zweifelsohne gelten: Die Enzyklopädie umfasst die europäische Geschichte und ihre globalen Kontexte zwischen 1450 und 1850 und damit die Epoche der Frühen Neuzeit und des Zeitalters der bürgerlichen Revolutionen. Sie endet mit dem Beginn der Moderne, die sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat.
Die Enzyklopädie ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und des Verlags J.B. Metzler. Die einzelnen Bände der Enzyklopädie der Neuzeit erscheinen im halbjährlichen Rhythmus, mit dem Erscheinen des Registerbandes wird das Publikationsprojekt im Jahre 2012 abgeschlossen sein. (www.enzyklopaedie-der-neuzeit.de)
Unser Vorstandsmitglied Hans-Georg Soeffner wird heute 70 Jahre alt: Das KWI gratuliert herzlich!
Hans-Georg Soeffner ist einer der Pioniere der interpretativen Sozialforschung und Begründer der Hermeneutischen Wissenssoziologie. Seit 2007 wirkt er am KWI nicht nur als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), sondern auch als Leiter mehrerer Forschungsprojekte und als Mitglied des Vorstands. Ronald Kurt, einstiger Schüler und heutiger Mitarbeiter, hat die folgende Laudatio verfasst, die erstmalig überraschende Aspekte aus Hans-Georg Soeffners Biographie offenbart:
We Can Work It Out* Hans-Georg Soeffner und die Beatles
Was bringt die Multikulturalität?

Welche Form des Zusammenlebens ist die geeignete für Gesellschaften, die über einen hohen Anteil an Einwanderer verfügen? Dieser Frage stellte sich der Mannheimer Soziologe Hartmut Esser in einem Vortrag am 9. November im sehr gut besuchten Veranstaltungssaal des KWI. Esser, einer der führenden Migrationsforscher Deutschlands, stellte klar, dass ‚Multikulturalität’, d.h. die Existenz vielfältiger Lebensstile und Milieus, zur Normalität moderner Gesellschaften zählt. Gleichzeitig ist für den Zugang zu allen gesellschaftlichen Positionen die Kenntnis der Sprache des Aufnahmelandes der entscheidende Schlüssel – wohingegen Mehrsprachigkeit, so Esser, hier keine Vorteile bietet. Entsprechend sprach sich der Referent für eine Bildungspolitik aus, die statt Bilingualität zu fördern auf die Sicherung gleicher Bildungschancen gerade für untere soziale Schichten sorgt, denen Migranten in besonders hohem Maße angehören.
Eingeladen hatte des Projekt ‚Interkulturelle Kontaktzonen’, das mit dieser Veranstaltung an eine Tagung anknüpfte, die im vergangenen Jahr unter dem Titel „Ethnizität – Migration – Wissen“ am KWI stattgefunden hatte.
Lesart Spezial: Cool bleiben - Wege aus der Klima-Krise

Der Titel des neuen Buches des Umweltrechtlers Felix Ekardt "Cool down- 50 Irrtümer über unsere Klima-Zukunft" (Herder-Verlag) klingt zunächst klimaskeptisch – aber das täuscht. Ekardt zeigte sich im Gespräch mit Niklas Höhne, Mitarbeiter des Energieberatungsunternehmens Ecofys, am 10. November im Essener Grillo-Theater als engagierter Verfechter eines Klimaschutzes, dessen Forderungen über die Vorschläge hinausgehen, die im Dezember in Kopenhagen auf der Tagesordnung stehen werden. Höhne - der das neue Buch des britischen Ökonomen Nicholas Stern „Der Global Deal – Wie wir dem Klimawandel begegnen und ein neues Zeitalter von Wachstum und Wohlstand schaffen“ (Verlag C.H. Beck) vorstellte – und Ekardt waren sich einig, dass die Eindämmung der globalen Klimaerwärmung ein weit radikaleres Umdenken erfordert, als es bislang öffentlich diskutiert wird.
In der Reihe „Lesart Spezial“, veranstaltet vom KWI, Deutschlandradio Kultur, Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen, präsentieren und diskutieren renommierte Autoren und Kritiker vor Publikum aktuelle Sachbuch-Neuerscheinungen. Die Diskussion über „Wege aus der Klima-Krise“ wird am Sonntag, 15. November 2009, von 12.30 Uhr bis 13.00 Uhr im Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt. Medienpartner der Reihe ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).
KWI on Tour in Zürich: Was wird aus Tibet?

Die neuesten Nachrichten aus China – die chinesische Regierung hat bestätigt, dass kürzlich zwei Tibeter wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen im vergangenen Jahr in Lhasa hingerichtet worden sind – machen das Nachdenken über Lösungen im sino-tibetischen Konflikt noch dringlicher. Der Frage „Was wird aus Tibet?“ stellten sich auf Einladung der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetischer Freundschaft die Sinologin und Tibetologin Carmen Meinert und Kelsang Gyaltsen, Gesandter S.H. des Dalai Lama für Europa, am 30. Oktober vor einem großen Publikum im Züricher Volkshaus. Moderiert vom Journalisten Henrik Rhyn zeigten sich die beiden Diskutanten trotz der Eskalation der Gewaltspirale optimistisch in Bezug auf die Möglichkeiten der Annäherung beider Gesellschaften.
In Tibet und im Exil lebende Tibeter verstehen sich ethnisch als Tibeter, fühlen sich jedoch national-staatlich dem Land zugehörig, in dem sie leben, sei es China oder die Schweiz. Innerhalb des chinesischen Territoriums streben Tibeter allerdings eine echte Autonomie an, so wie es die Verfassung der chinesischen Regierung vorsieht. Die chinesische Regierung tut sich aber (noch) schwer, die eigene Verfassung umzusetzen – vielleicht wegen des tief sitzenden Traumas des Zerfalls des Reiches. Seit vergangenem Jahr rufen nun erstmals chinesische Intellektuelle und Anwälte in China zu einem echten Dialog zwischen der chinesischen Regierung und der tibetischen Exilregierung auf. International genießen Tibeter durch den fünfzigjährigen, gewaltfreien Widerstand und das Ansehen des Dalai Lamas ein hohes Ansehen, doch mangelt es an konstruktivem Engagement aufgrund wirtschaftlicher Interessen an China. So hoffen die beiden Diskutanten auf eine tatkräftige Unterstützung des Frieden stiftenden sino-tibetischen Dialogs durch die internationale Gemeinschaft, um eine weitere Gewalteskalation und Militarisierung des Konflikts zu vermeiden. Schließlich stünde die Weltgemeinschaft vor weitaus größeren Aufgaben, die nur gemeinsam gelöst werden könnten.
100 NachwuchsforscherInnen der Metropole Ruhr stellen sich der Zukunft

© Stiftung Mercator, Foto: David Ausserhofer
Wie soll das zunehmend kostenintensive Gesundheitswesen in den alternden westlichen Gesellschaften finanziert und organisiert werden? Unter welchen Bedingungen haben Religionen eher friedensstiftende oder Konflikt verschärfende Wirkungen? Welche Auswirkungen hat eine mögliche Überschreitung der globalen Durchschnittstemperatur von zwei Grad Celsius? Diesen und anderen Fragen aus den Themenfeldern Gesundheit, Klima, Kultur und Gesellschaft, Technologie und Wirtschaft werden sich die 100 NachwuchswissenschaftlerInnen der Global Young Faculty im Jahr der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 widmen. Der offizielle Startschuss fiel am 3. November in der Philharmonie Essen. An diesem Tag haben die 40 Forscherinnen und 60 Forscher erstmals in den fünf Arbeitsgruppen getagt, ihre SprecherInnen benannt und erste Ideen für einen Forschungsplan entwickelt. Ziel ist es, Lösungsansätze für Schlüsselfragen der Zukunft zu entwickeln und bei der wissenschaftlichen Abschlussveranstaltung des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010, dem Zukunftskongress „Our Common Future“, vorzustellen.
Die Global Young Faculty ist eine Initiative der Stiftung Mercator, die vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen koordiniert wird. Sie ist ein Beitrag dieser beiden Institutionen, der Universitätsallianz Metropole Ruhr und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Die Global Young Faculty wird vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen zusätzlich unterstützt.
„Mensch und Zeit“: Rüdiger Safranski hält erste Rede über den Humanismus

© KWI
Die Zeit beherrscht heute sämtliche gesellschaftliche Lebensformen und individuelle Verhaltensweisen. Die technisierte Zeit hinterlässt tiefe Spuren in unserem Zeitverständnis und es scheint, als ließe sich der Zeitfluss beherrschen. Die neuen Speichermedien halten das Vergangene gegenwärtig und wiederholen das Einmalige. Die modernen Kommunikationsmedien ermöglichen zum ersten Mal die Erfahrung einer globalen Allgegenwart. In seiner ersten Rede über die „Humanistische Kritik der bewirtschafteten und technisierten Zeit“ erklärte der Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski am Montag im Essener Aalto Theater, dass dieses Zeitverständnis ein jüngeres Phänomen ist. Erst mit der industriellen Revolution und dem Auftauchen von Uhren in allen Bereichen des alltäglichen Lebens, legte sich eine ganze Gesellschaft auf eine verbindliche „Zeit“ fest. Diese Entwicklung bereichert unsere Vorstellungen von Zeit, sie kann aber auch den Zugang zu anderen Erfahrungen der Zeit verdecken. In seinen Reden am 3. und 5. November spricht Safranski darüber, wie diese Entwicklung einzuordnen ist und inwiefern die Tradition des Humanismus - beruhend auf der Idee von Freiheit und Individualität - dabei helfen kann, den Zugang zum schöpferischen Geheimnis der existentiellen Zeit wieder freizulegen.
Die Vortragsreihe „Reden über den Humanismus. Menschlichkeit in den Konflikten der Gegenwart“ wird vom Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ am KWI veranstaltet und durch die Stiftung Mercator gefördert.
Spiekerooger Klimagespräche: Neues Gesprächsforum für die gesellschaftlichen Aspekte des Klimawandels

Ein naturwissenschaftliches Klimawandelszenario jagt das andere. Über die Bedrohungen wissen wir inzwischen sehr gut Bescheid. Daran gemessen sind die Erkenntnisse der Wissenschaften, die sich mit dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimawandel - also mit Klimaschutz und Klimaanpassung - beschäftigen, noch begrenzt. Die ab diesem Donnerstag stattfindenden Spiekerooger Klimagespräche sollen daher den Wirtschafts-, Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften als Plattform dienen, Bedingungen und Möglichkeiten des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Klimawandel zu diskutieren.
Die dreitätige Veranstaltung umfasst ein Wissenschaftlerforum, eine öffentliche Podiumsdiskussion und einen Kreativ-Wettbewerb mit Preisverleihung sowie eine jährliche Dokumentationsbroschüre zur öffentlichen Nachbereitung, die auf dem Mitschnitt der nichtöffentlichen Veranstaltung basiert. Die von 2009 an jährlich Ende Oktober stattfindenden Klimagespräche wurden vom CENTOS Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und dem Galerie und Künstlerhaus Spiekeroog organisiert, in Kooperation mit dem KWI und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Ab dem zweiten Jahr ist angedacht, Themenschwerpunkte zu setzen wie beispielsweise: Wie kommt es zu plötzlichem Umkippen („Tipping Point“) in der öffentlichen Meinung bzw. kann es dazu kommen? Welche globalen Konflikte und Migrationsbewegungen ergeben sich aus dem Klimawandel?
Klimawandel und Medien

© KWI
Auf Einladung des Goethe-Instituts waren Mitglieder des KWI-Forschungsschwerpunkts Klimakultur zu Gast in Kanada und in den USA, um mit Wissenschaftlern, Journalisten und Amtsträgern über die kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels ins Gespräch zu kommen. Zum Abschluss des Projekts diskutiert KWI-Direktor Claus Leggwie mit dem Journalisten Rubén Aguilar und dem Schriftsteller Fedro Carlos Guillén über die Rolle der Medien: Tun die Medien genug, um die Bedeutung des Klimawandels zu kommunizieren? Worin besteht ihre gesellschaftliche Verantwortung? Um diese zentralen Fragen dreht sich die Diskussion im Goethe-Institut Mexiko, die Sie am 28. Oktober, um 19.00 Uhr (MEZ), hier live im Internet mitverfolgen und an der Sie per Chat teilnehmen können.
KWI-Klimaexperten zu Gesprächen beim Center for American Progress

© KWI
Mitglieder des KWI-Forschungsbereichs Klimakultur trafen vergangenen Freitag Klima- und Energieexperten des US-amerikanischen Think Tanks Center for American Progress (CAP) in Washington. Begleitet wurden die KWI-Wissenschaftler vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Desertec Foundation Dr. Gerhard Knies. KWI-Direktor und WBGU-Mitglied Claus Leggewie stellte das aktuelle Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) „Solving the Climate Dilemma. The Budget Approach“ vor und erörterte mit dem Leiter der CAP-Klimaabteilung Bracken Hendricks mögliche Konvergenzen der europäischen und amerikanischen Klimapolitik. Besonders interessiert zeigte sich CAP am Desertec-Projekt, das die Energieversorgung Europas durch Thermosolarkraftwerke in Nordafrika vorsieht. Mit den aktuellen Gesprächen in Washington ist ein Dialog fortgeführt worden, der auf der vom KWI in Essen veranstalteten Konferenz „The Great Transformation“, an der auch CAP-Direktor John Podesta teilnahm, im Juni dieses Jahres begonnen hatte. Es wurde vereinbart, den Austausch zwischen CAP und KWI zu Fragen des Klimawandels und des Klimaschutzes zukünftig fortzusetzen.
Transatlantisches Symposium zum Klimaschutz in Harvard

© KWI
Welche Anforderungen stellt ein wirksames internationales Klimaschutzabkommen an Politik, Märkte und Gesellschaft? Diese Frage diskutierten knapp zwei Monate vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen Experten beider Seiten des Atlantiks an der Harvard University. KWI-Direktor Claus Leggewie stellte den vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) entwickelten Budget-Ansatz zur Lösung des Klimadilemmas vor. Robert Stavins, Direktor des Harvard Projects on International Climate Agreements an der John F. Kennedy School for Government, beschrieb die Komplexität der politischen Entscheidungsfindungsprozesse in Fragen des Klimawandels in den USA. Die Veranstaltung wurde vom KWI in Kooperation mit dem Goethe Institut Boston und dem Minda de Gunzburg Center for European Studies an der Harvard University realisiert. Weitere Informationen zum Programm finden sie hier.
KWI on Tour in Montreal: The Ethics of Consumption

© KWI
Welche Verantwortung haben Verbraucher, Unternehmen und Regierungen im Zeitalter des Klimawandels? Welche Handlungsmöglichkeiten haben sie, um klimaverträgliche Lebensstile und Produktionsweisen und eine effektive Klimapolitik zu realisieren? Und was behindert die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungsprozesse? Mit diesen Fragen beschäftigten sich WissenschaftlerInnen des Center for Responsibility Research (CRR) am KWI, des Centre de Recherche en Éthique der Université de Montréal und der Université de Québec à Montréal sowie Akteure aus Praxis und Kunst am Goethe-Institut in Montréal bei einem dreitätigen Workshop. Die lebhaften Diskussionen machten deutlich, dass für einen nachhaltigen Konsum die individuelle Verantwortung der Verbraucher wie auch die Verantwortung von Wirtschaft und Politik gefragt sind. Zudem müssen kulturelle und systempolitische Unterschiede auf die internationale Agenda, wenn weltweit ein Konsens zur Bekämpfung des Klimawandels erreicht werden soll.
Der Workshop bildete den Auftakt zu einer Reihe von KWI-Veranstaltungen über sozio-kulturelle Paradigmen des Klimawandels in Boston, San Francisco und Mexico-Stadt, die in Kooperation mit dem Goethe-Institut ausgerichtet werden. Darüber hinaus wurde der Weblog „Climate Worlds“ eingerichtet, um die kulturellen Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels international zu diskutieren.
Das KWI auf der Buchmesse in Frankfurt

© KWI
Auf der Frankfurter Buchmesse war das KWI gleich mehrfach vertreten: Claus Leggewie und Harald Welzer stellten ihr neues Buch - aufgenommen in die Sachbuchbestenliste von Literaturen, Spiegel und Süddeutsche Zeitung – „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie” (S. Fischer Verlag) im Gespräch mit der Zeit-Redakteurin Elisabeth von Thadden vor. Der Verlag transcript präsentierte die ersten Werke der neuen internationalen Publikationsreihe des Humanismusprojekts am KWI „Der Mensch im Netz der Kulturen – Humanismus in der Epoche der Globalisierung“. Ein weiteres Publikationsprojekt, das federführend am KWI entsteht, stellte der Verlag J.B. Metzler an seinem Stand vor: Die auf sechzehn Bände angelegte „Enzyklopädie der Neuzeit“, die die vier Jahrhunderte von 1450 bis 1850 begrifflich und sachlich erschließt. Am Stand der Hamburger Edition war die mit dem Herbert-Steiner-Preis ausgezeichnete Studie von Elissa Mailänder Koslov über „Gewalt im Dienstalltag. Die SS-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek 1942-1944“ zu sehen.
SS-Aufseherin im Konzentrationslager: Eine ganz gewöhnliche Arbeit?

Was bewog 28 Frauen, sich ab 1939 für den KZ-Dienst zu bewerben? Es war weniger die politische Einstellung der Frauen Mitte Zwanzig, als die Aussicht auf ein gesichertes Einkommen und Selbständigkeit. Die Fabrikarbeiterinnen und Hausmädchen gewannen als Reichsangestellte an Status und entkamen ihren oft beengten beruflichen und familiären Verhältnissen. Die erste Reaktion im Konzentrations- und später im Vernichtungslager - in Ravensbrück und ab 1942 in Majdanek - war immer Schock. In nur wenigen Wochen lebten sich die Frauen jedoch ein und mauserten sich zu SS-Aufseherinnen. Der tägliche Wachdienst bot ihnen vielfältige Handlungsräume, über Menschen zu verfügen, die sie kreativ nutzten. Das Schlagen und Töten war nicht „von oben“ befohlen, es beruhte auf ihrer eigenen Ausgestaltung der Dienstordnung. Die subtilen Gruppen- und Geschlechterdynamiken vor Ort schufen den mikrosozialen Raum für die individuell angewandte körperliche Gewalt. Trotz Abhärtung und Professionalisierung brach das Grauen streckenweise in den Arbeitsalltag der SS-Aufseherinnen. Und doch erinnerten sich die Frauen in den Nachkriegsprozessen gerne an ihre Dienstzeit. Auch in einem Konzentrationslager konnte es für die SS „schön“ sein, wie eine ehemalige Aufseherin im Düsseldorfer Majdanek Prozess sagte.
Elissa Mailänder Koslov hat ihr in der Hamburger Edition erschienenes Buch "Gewalt im Dienstalltag - Die SS-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek 1942-1944" am 7. Oktober im Gespräch mit Harald Welzer in der Buchhandlung Proust in Essen vorgestellt. Dem Deutschlandfunk gab sie ein Interview dazu (8.10.2009).
Neuerscheinung: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie

In ihrem aktuellen Buch zeigen Politikwissenschaftler Claus Leggewie und Sozialpsychologe Harald Welzer, welche Auswirkungen voranschreitender Klimawandel, Ressourcenknappheit und Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende Kulturwandel für die westlichen Demokratien haben. Sie plädieren dafür, das auf Wachstum basierende westliche Erfolgsmodell zu überdenken, um die Demokratien des Westens zukunftsfähig zu machen. Beide Autoren leiten den Forschungsschwerpunkt KlimaKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Das Buch ist im S.Fischer Verlag erschienen. Um mit anderen „Change Agents“ – ein Begriff, den die Autoren für Akteure gesellschaftlichen Wandels verwenden – in Kontakt zu treten und die Buchpublikation zu begleiten, wurde ein Profil auf der Kurznachrichtenplattform Twitter eingerichtet. Rezensionen und Interviews zu dem Buch sind unter anderem im Deutschlandfunk (14.9. 2009) in Die Zeit (17.9.2009), in der Süddeutsche Zeitung (19.9.2009), in die tageszeitung (19.9.2009), im Deutschlandfunk (23.9.2009) und im BR-querblog (25.9.2009) erschienen. Der Buchtitel ist dem R.E.M.-Song "It's The End Of The World As We Know It" entliehen.
Kollaborative Ökonomie? Zur Evolution kooperativer Märkte

Stehen Phänomene wie Web 2.0 oder soziale Netzwerke für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Gesellschaft? Zu dieser Frage veranstaltete das Center for Responsibility Research am KWI unter der Leitung von Ludger Heidbrink und Patrick Linnebach eine interdisziplinäre Tagung mit TeilnehmerInnen aus Wissenschaft und Praxis. In seinem Eröffnungsvortrag wies der Mannheimer Soziologe Johannes Berger auf die Risiken vertrauensvoller Kooperationen hin und erinnerte an die Leistungen des marktwirtschaftlichen Konkurrenzprinzips. Die Tagung „Kollaborative Ökonomie?“ vom 29. bis 30. September bestätigte Bergers These, dass ökonomische Prozesse zwar in wachsendem Maß durch soziale Interaktionen zwischen Marktteilnehmern geprägt sind, dennoch aber nicht von einer „kollaborativen Marktwirtschaft“ die Rede sein kann. Das Ergebnis der Tagung lautet: Zusammenarbeit in Gestalt von Partnerschaften, Netzwerken und Allianzen wird wichtiger, ohne dass der Wettbewerb und die Erzeugung von Mehrwert an Bedeutung verlieren.
Navid Kermani wird Senior Fellow am KWI
© Villa Massimo, Rom
„Erst wenn die nahöstlichen Kulturen in einem Zusammenhang mit der eigenen Vergangenheit und Gegenwart studiert, wenn sie nicht länger als Exotikum begriffen werden, das positiv in seiner faszinierenden Kuriosität, negativ in seiner Bedrohlichkeit zu studieren ist, finden die Geisteswissenschaften zu einem angemessenen Verständnis auch der eigenen, europäischen Geschichte, Literatur und Kultur“, sagt Navid Kermani. Der Schriftsteller und Orientalist wird zum 1. Oktober 2009 Senior Fellow am KWI, gefördert durch die Stiftung Mercator. Zentraler Baustein seines zweijährigen Fellowships ist das wissenschaftliche Projekt „Orientalistik als Kulturwissenschaft“. In sechs Veranstaltungen wird Kermani zudem renommierte Schriftsteller nach Essen laden, sein neues Buch vorstellen und mit Experten über verschiedene kulturwissenschaftliche Themen sprechen. „Mit Navid Kermani gewinnt das KWI einen herausragenden Wissenschaftler, der unseren Forschungsschwerpunkt Interkultur bereichern wird“, sagt KWI-Direktor Claus Leggewie.
Verhandlungen zum Klimaschutz: WBGU übergibt Gutachten an Bundesregierung

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat in seinem neuen Sondergutachten einen Ansatz für die internationale Klimapolitik entwickelt, der die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 Grad ermöglicht. Das Gutachten „Kassensturz für den Weltklimavertrag“ wurde am 1. September an die Staatssekretäre Matthias Machnig (Bundesumweltministerium), Erich Stather (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Frieder Meyer-Krahmer (Bundesforschungsministerium) übergeben. Der WBGU empfiehlt in seinem Gutachten, eine maximal noch zu emittierende Gesamtmenge an Kohlendioxid festzulegen, die auf alle Menschen gleichmäßig verteilt wird. Daraus ergeben sich nationale Emissionsbudgets, aus denen sich Reduktionsverpflichtungen für einzelne Staaten ableiten lassen. Dieser "Budgetansatz" soll der internationalen Klimapolitik als Orientierungsrahmen dienen und dazu beitragen, dass die Verhandlungen auf dem Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen erfolgreich verlaufen. KWI-Direktor Claus Leggewie ist Mitglied des WBGU und war an der Erstellung des Gutachtens beteiligt.
Essener Studentin gewinnt Logowettbewerb der Global Young Faculty

Die Essener Designstudentin Janine Gollub hat mit ihrem Entwurf den von KWI und Stiftung Mercator gemeinsam ausgeschriebenen Logowettbewerb der Global Young Faculty gewonnen. Studenten der drei Universitäten, der Fachhochschule und der Kunsthochschule im Ruhrgebiet waren aufgefordert, einen unverwechselbaren visuellen Auftritt für die Global Young Faculty zu entwerfen. 17 Teilnehmer haben insgesamt 32 Entwürfe eingereicht.
Der ausgezeichnete Entwurf wird mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro prämiert. Platz zwei und drei belegen Henning Lindeke (400 Euro) und Andreas Parschin (200 Euro), beide studieren Kommunikationsdesign an der Folkwang Hochschule in Essen. Seinen ersten großen Auftritt hat das Logo Mitte August bei der Freischaltung der Website der Global Young Faculty.
Im neuen Kooperationsnetzwerk Global Young Faculty sollen rund 100 Nachwuchswissenschaftler aus den Wissenschaftseinrichtungen der Metropole Ruhr ein Jahr lang zusammenarbeiten und internationale Kooperationen eingehen. Die Global Young Faculty ist Teil des Programms der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.
Das KWI wünscht einen kreativen Sommer 2009!

© KWI
Mit dem 21-köpfigen Team "Geistesblitze" haben sich Mitglieder des Kulturwissenschaftlichen Instituts erstmals am jährlichen Essener Drachenboot-Rennen auf dem Baldeneysee beteiligt und so die Sommerpause eingeläutet. Unter dem Slogan "Culture matters!“ haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Bestzeit von 1:14,4 Minuten und damit den 1. Platz im B-Finale des Assenmacher Cups erpaddelt.
„Sommerpause“: Das bedeutet für das KWI veranstaltungsfreie Zeit, aber auch Zeit für die Ausarbeitung des Programms für Herbst und Winter 2009 und das Jahr der europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010, Zeit für die Profilierung unserer Forschungsschwerpunkte und für das Nachdenken über neue Themen und Initiativen. Das KWI-Team freut sich, Sie ab September wieder bei Veranstaltungen begrüßen zu dürfen! Das neue Veranstaltungsprogramm mit den Terminen des Halbjahres 2009/10 erscheint Anfang Oktober. Alle Termine finden Sie dann auch im Veranstaltungskalender. Gerne schicken wir Ihnen das Programm zu, bitte richten Sie bei Interesse eine kurze E-Mail mit Ihrer Anschrift an Ursula.Sanders@kwi-nrw.de.
"Augenblicke. Kulturblicke": Integrationsminister Laschet im Gespräch mit Navid Kermani

© Integrationsministerium NRW
Bei der Diskussionsveranstaltung "Augenblicke. Kulturblicke" im NRW-Forum in Düsseldorf am 24. Juni, dem Tag vor der letzten Islamkonferenz, hat KWI-Direktor Claus Leggewie die beiden Redner des Abends eingeführt: Navid Kermani, Islamwissenschaftler und Autor, beschrieb er als unabhängigen Denker und Kulturschaffenden, der aus der marginalen Ecke der "Interkultur" hinaus will. NRW-Integrationsminster Armin Laschet habe seinerseits als Unionspolitiker und Politikschaffender geholfen, die Blockadehaltung der Union in Sachen Einwanderung zu überwinden und betreibe eine effektive Integrationspolitik. Strittig blieb nach einer lebendigen Debatte über die jüngsten Entwicklungen im Iran, die Muslime im Westen und die Zukunft der Islamkonferenz die Frage der doppelten Staatsangehörigkeit.
Die Veranstaltungsreihe "Augenblicke. Kulturblicke" wird vom Integrationsministerium in Kooperation mit der Stiftung Mercator ausgerichtet. In der Reihe werden zentrale gesellschaftliche Themen mit Persönlichkeiten aus Kultur, Kunst und Literatur im Vier-Augen-Gespräch diskutiert.
Rückschau: 50 Jahre konfliktreiche Beziehungen zwischen China und Tibet

© KWI
Anlässlich des 50. Jahrestages der Besetzung Tibets durch die Volksrepublik China gab Carmen Meinert, Research Fellow am KWI und Koordinatorin des Humanismus-Projekts, einen historischen Überblick über den Umgang Chinas mit „dem Fremden“ und „dem Anderen“. Sie veranschaulichte, wie diese historischen Erfahrungen bis heute die politische Kultur Chinas prägen und das Verhalten der Volksrepublik im Tibetkonflikt beeinflussen. Die Sinologin und Tibetologin hielt den Vortrag im Rahmen einer vom Förderverein des KWI initiierten Vortragsreihe, die im Herbst 2009 fortgesetzt wird.
Förderverein des KWI verleiht erstmals den „Dissertationspreis Kulturwissenschaften“

© KWI
Wie nimmt ein Mensch sich selbst mental und körperlich wahr? Was sind die politischen Folgen der direkten und indirekten Erfahrung von Arbeitslosigkeit? Mit diesen Themen haben sich die beiden Träger des „Dissertationspreises Kulturwissenschaften“ 2009 in ihren prämierten Dissertationen befasst. Den ersten Preis erhielt bei der Preisverleihung im KWI am 23. Juni der Philosoph Dr. Gottfried Vosgerau der Ruhr-Universität Bochum. Politikwissenschaftler Thorsten Faas wurde für seine an der Universität Duisburg-Essen entstandene Dissertation mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Der erste und zweite Preis sind jeweils mit 3000 Euro und 1500 Euro dotiert.
Der Verein zur Förderung des KWI verleiht den „Dissertationspreis Kulturwissenschaften“ für herausragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit der Preisvergabe möchte der Förderverein die Nachwuchsförderung in den Kulturwissenschaften der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) unterstützten und die interuniversitäre Arbeit des KWI stärken. Die zweite Ausschreibung erfolgt Anfang 2010. Dann können sich Personen bewerben, deren Dissertation in den Jahren 2008 oder 2009 eingereicht worden ist.
"CLIMATE WORLDS": gemeinsames WEBLOG VON KWI UND GOETHE-INSTITUT

Innerhalb der Klimawissenschaften stellt der soziale und kulturelle Umgang mit den Folgen des Klimawandels bisweilen eine Leerstelle dar. Auch die Beiträge zur Klimafolgenforschung im Internet widmen sich überwiegend den naturwissenschaftlichen Szenarien globaler Umweltveränderungen. Das neue Weblog „Climate Worlds“ bietet deshalb eine genuin kulturwissenschaftliche Perspektive auf den Klimawandel und seine Folgen für Ökologie und soziale Lebenswelten. Das Weblog umfasst vier thematische Schwerpunkte: Global Climate Governance, Wahrnehmungskulturen von Klimafolgen, Nachhaltige Konsumentenverantwortung und Vom Wissen zum Handeln. Die vom Goethe-Institut Montréal in Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt KlimaKultur des KWI bereitgestellten Inhalte richten sich an Wissenschaftler und Interessierte, die sich an einem interdisziplinären und transnationalen Austausch beteiligen wollen.
Neben dem Weblog „Climate Worlds“ richten Goethe-Institut und KWI innerhalb des nächsten Jahres gemeinsam Vortragsreihen und Workshops in den Goethe-Instituten von Montréal, Boston, San Francisco und Mexico-Stadt aus, die sich den sozio-kulturellen Paradigmen des Klimawandels widmen.
„KWI und Schule“: Schülerprojekttag zu Klima, Kultur und Wissenschaft

Am 18. Juni haben rund 100 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Broich in Mülheim an der Ruhr einen Projekttag zum Thema „Klima, Kultur, Wissenschaft“ im KWI verbracht. Nach der Vorstellung des KWI und der drei Universitäten des Ruhrgebiets durch den KWI-Geschäftsführer, Norbert Jegelka, erhielten die SchülerInnen der 11. Jahrgangsstufe einen Einblick in die zahlreichen Facetten des Themenfeldes Klimawandel und Kultur: Ludger Heidbrink sprach über die Verantwortung des Konsumenten in Zeiten des Klimawandels, worauf eine lebhafte Diskussion über die Möglichkeiten eines klimaschonenden Konsums von Strom und Verkehrsmitteln entstand. Franz Mauelshagen erklärte die Arbeitsweise der Klimahistoriker und sprach über die Bedeutung der Klimageschichte für die zeitgenössische Klimaforschung.
Zuletzt bearbeiteten die SchülerInnen unter der Anleitung der DoktorandInnen des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur in Gruppen fünf Themen: Dimensionen des Klimawandels in Afrika und China, mediale Berichterstattung über den Klimawandel in den USA, Hurrikane und Katastrophenerinnerung in den USA und die Zusammenhänge zwischen Mobilität und Klima. Bei der abschließenden Plenumsdiskussion entstand der Plan, das Thema Klimawandel im Gymnasium Broich in einer AG zu verankern. Eine Fortsetzung des Projekttags „KWI und Schule“ ist geplant.
Internationale Klima-Konferenz leitet transdisziplinäre Kooperation im Bereich der KlimaKultur ein

Rund 400 Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus Europa und Nordamerika und internationale Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben vom 8. bis 10. Juni in Essen erstmals über die sozialen, politischen und kulturellen Dimensionen des Klimawandels diskutiert. Die Konferenz „The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change” zeigte, dass eine interdisziplinäre Bearbeitung der Problematik unter Einbeziehung der Kulturwissenschaften unerlässlich ist. Mit Blick auf den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 betonten die Diskutanten zudem die Wichtigkeit eines raschen und konzertierten politischen Handelns seitens der USA und der EU.
Die Konferenz wurde vom KWI und der Stiftung Mercator veranstaltet, gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Sie bildet den Auftakt für weitere wissenschaftliche Kooperationen zwischen KWI, PIK und dem Wuppertal Institut. Darüber hinaus hat die Konferenz die einschlägigen Aktivitäten an den drei Universitäten der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) zusammengeführt, diese Kooperation soll ebenfalls vertieft werden.
Unter den Konferenzteilnehmern waren Kulturwissenschaftler Thomas Homer-Dixon, Ozeanograph Stefan Rahmstorf, Sozialwissenschaftler Lord Anthony Giddens, Ökonom und Leitautor des 4. IPCC-Berichts Ottmar Edenhofer, der ehemalige UNEP Vorsitzende Klaus Töpfer sowie die Obama-Berater John Podesta und William Antholis. Der am KWI organisierte Forschungsschwerpunkt „KlimaKultur“ wird von Claus Leggewie und Harald Welzer geleitet und unter anderem von der Stiftung Mercator gefördert.
Präsentationen und Fotos stehen zeitnah auf der Homepage der Konferenz „The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change” zur Verfügung.
Klimawandel bedeutet Kulturwandel

Aus verschiedenen Perspektiven beleuchten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen mit internationalen Vertretern aus Politik und Wirtschaft die Tiefe und Reichweite des politisch-kulturellen Wandels der Weltgesellschaft, der als neue „Große Transformation“ bezeichnet werden kann. Unter den Rednern sind der Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie, der Kulturwissenschaftler Thomas Homer-Dixon, der ehemalige UNEP Vorsitzende Klaus Töpfer und der Physiker und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Hans Joachim Schellnhuber. Zum Abschluss der Konferenz diskutieren am 10. Juni Lord Anthony Giddens (ehemaliger Direktor der London School of Economics), William J. Antholis (The Brookings Institution), John Podesta (Center for American Progress), Thomas Kleine-Brockhoff (Senior Director for Policy Programs German, Marshall Fund), Claus Leggewie und Urban Ried (Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium) über die Zukunft der transatlantischen Klimabrücke und Perspektiven für die Zeit nach dem Klimagipfel in Kopenhagen.
Fotos und Manuskripte stehen zeitnah auf der Homepage der Konferenz „The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change” zur Verfügung.

© Center for American Progress
John Podesta, Vorsitzender des Center for American Progress und Berater von US Präsident Barack Obama, hat am 9. Juni die Einführung zum Runden Tisch „EU, USA and China – Transnational Climate Cooperation on the Road to Copenhagen” gehalten. In seiner Rede auf der Konferenz „The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change” in Essen sprach er über die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die weltweiten Treibhausgasemissionen zu reduzieren. John Podestas Rede finden Sie auf der Homepage des Centers for American Progress.
Fotos der Konferenz finden Sie auf der Tagungshomepage: www.greattransformation.eu. Die Konferenz dauert bis zum 10. Juni.

Bei der Konferenz „The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change” vom 8. bis 10. Juni diskutieren Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen mit internationalen Vertretern aus Politik und Wirtschaft erstmals über die sozialen, politischen und kulturellen Folgen des Klimawandels. Einen Überblick über die Spannweite der Problematik gab der renommierte Kulturwissenschaftler Thomas Homer-Dixon in seinem Vortrag “Klimawandel und die Erneuerung der Zivilisation“. Eröffnet wurde die Konferenz von den Vertretern der vier veranstaltenden Institutionen: KWI-Direktor Claus Leggewie, Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie.
Konferenzprogramm: „The Great Transformation – Climate Change as Cultural Change”
KWI-Interventionen Nr. 2: Made in Germany
Die zweite Ausgabe der KWI-Interventionen "Made in Germany - Deutsche Geisteswissenschaften im Prozess der Internationalisierung" geht zurück auf eine internationale Tagung, die das Kulturwissenschaftliche Institut im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Stiftungsinitiative "Pro Geisteswissenschaften" in der Essener Philharmonie ausgerichtet hat. Im Mittelpunkt des von Friedrich Jaeger und Claus Leggewie verfassten Policy Papers stehen die intellektuellen und methodischen Voraussetzungen, die die deutschen Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert zu einem international nachgefragten 'Exportgut' gemacht haben und die Herausforderungen, vor denen sie heute angesichts einer zunehmenden Internationalisierung der geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskurslandschaft stehen.
Neuerscheinung: Erinnerungskultur 2.0
Unter dem Titel "Erinnerungskultur 2.0. Kommemorative Kommunikation in digitalen Medien ist der sechste Band der Publikationsreihe "Interaktiva" des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität Gießen erschienen. Der Band versammelt Autoren aus Architektur, Geschichts-, Kommunikations-, Literatur- und Politikwissenschaft, um die aktuellen Veränderungen zu reflektieren, die sich durch neue, digitale Medien für Erinnerungskultur und Geschichtsvermittlung ergeben. Autor des Bandes ist u.a. Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts und Mitglied des ZMI.
Eine Geschichte über sich selbst erzählen können. Identität als Ressource in Zeiten des Klimawandels

© KWI
Am 18. und 19. Mai trafen sich Schriftsteller, Wissenschaftler, Filmemacher, Journalisten - darunter Boris Groys, Romuald Karmakar, Ingo Schulze, Elisabeth von Thadden und Wolfgang Ullrich - in der Heldenbar des Grillo-Theaters in Essen, um darüber zu sprechen, welche Geschichte eine Gesellschaft erzählen kann, um mit den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft umgehen zu können. Bei dem vom KWI und der Kulturstiftung des Bundes veranstalteten Symposium wurde deutlich, dass es nicht um moralische Erziehung und Wertevermittlung gehen kann, sondern um identitätshaltige Geschichten, die oft gar nicht als Erzählung bemerkt werden. Jede Infrastruktur einer Gesellschaft schreibt genauso an ihrer Geschichte wie Produkte etwas über ihren Konsumenten und seine Wünsche erzählen. Die Suche nach einer neuen Geschichte über sich selbst muss deshalb dort ansetzen, wo man sie gewöhnlich nicht beginnen würde: bei dem, worüber normalerweise nicht gesprochen wird, bei noch wenig bekannten Orten und Menschen, die Aufmerksamkeit verdienen. Die Veranstaltung, darüber waren sich die Beteiligten nach zwei Tagen intensiver Diskussionen und neuer Geschichten einig, soll fortgesetzt werden.
Parlamentarischer Abend des Wissenschaftsforums Ruhr in Berlin

© KWI
Auf der vom Wissenschaftsforum Ruhr veranstalteten Diskussion am 13. Mai in Berlin wiesen Claus Leggewie und Dietrich Grönemeyer auf die zukunfts-weisenden Forschungsfelder Medizin und Klimakultur hin und diskutierten darüber mit Bundes-tagsabgeordneten. Ziel der Veranstaltung war es, die Vielfalt und Kompetenzen der regionalen Wissenschafts- und Forschungs-landschaft sichtbar zu machen und die erfolgreiche Entwicklung des Ruhrgebiets zu einem wettbewerbsfähigen Wissenschaftsstandort darzustellen.
Töten oder retten? Individuelles Handeln im Kontext kollektiver Gewalt

© KWI
Wie verhalten sich Menschen in einem Kontext kollektiver Gewalt und welche Faktoren lassen sie zu Mördern, Helfern oder beidem zugleich werden? In seinem Vortrag am 12. Mai hat der Sozialpsychologe Christian Gudehus die Bedeutung von individuellen und kollektiven Erfahrungen von Kontrollverlust, Ohnmacht und Macht in den Mittelpunkt einer Analyse verschiedener Gewaltprozesse gestellt. Er betonte, dass Gewalt zwar in ihren Folgen außergewöhnlich, in ihrem Zustandekommen jedoch mit anderen Aspekten menschlichen Verhaltens strukturell eng verwandt sei. Moderiert wurde der Abend von Susanne Beer, Junior Fellow am KWI.
Die Veranstaltung ist Teil einer vom Förderverein des KWI initiierten Vortragsreihe. Der nächste Vortrag findet am 23. Juni 2009 statt.
Buchpräsentation: Experiencing Europe. 50 Years of European Construction

© KWI
Der Essener Historiker Wilfried Loth hat am 11. Mai den im Nomos Verlag erschienenen Band „Experiencing Europe. 50 Years of European Construction 1957-2007” im Gespräch mit der Essener Sozial- und Wirtschaftshistorikerin Ute Schneider im KWI vorgestellt. Gemeinsam mit einer europäischen Autorengruppe bietet Loth in „Experiencing Europe“ zum ersten Mal eine integrierte europäische Sicht auf den europäischen Integrationsprozess und macht deutlich, dass die Europäische Union weder eine Vorform von „Vereinigten Staaten von Europa“ ist, noch als Fortschreibung nationalstaatlicher Politikformen vom Verfall bedroht ist. Vielmehr ist das Entstehen neuer Formen europäischer Staatlichkeit und Identität zu beobachten.
Professor Loth ist Mitglied des KWI-Vorstands und leitet das Forschungs-Netzwerk EU-Geschichte.
Studentischer Wettbewerb: Logo für das Netzwerk Global Young Faculty gesucht
Das internationale Netzwerkprogramm Global Young Faculty sucht sein Erscheinungsbild: innovativ, interdisziplinär und international – das sind die zentralen Attribute des wissenschaftlichen Kooperationsprogramms, die das Logo visualisieren und nach außen tragen soll. Ab sofort können sich Studierende an Universitäten, Fachhochschulen und Kunsthochschulen des Ruhrgebiets als Einzelpersonen oder als Team am Wettbewerb beteiligen. Einsendeschluss ist der 22. Mai 2009, die besten drei Entwürfe werden mit einem Preisgeld prämiert. Die Global Young Faculty ist eine Initiative des KWI und der Stiftung Mercator und wird vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NRW unterstützt.
Neuerscheinung: Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung

© KWI
In dem neu erschienenen Buch plädieren die Frankfurter Religionswissenschaftlerin Bärbel Beinhauer-Köhler und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), für eine Versachlichung der aktuellen Debatte über den Moscheenbau in Deutschland und zeigen Lösungswege auf. In dem Buch geht es um die Geschichte von Moscheen in Deutschland, das Alltagsleben in Moscheen und Erfahrungen mit dem Moscheenbau. Eingeflossen sind auch Ergebnisse der Essener Tagung „Sakralbauten und Moscheekonflikte“ im Mai 2008. Das Buch "Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung" ist im Verlag C.H. Beck erschienen.
Phänomenologische Perspektiven der Interkulturalität

© KWI
Der Bochumer Philosoph Bernhard Waldenfels hielt am 28. April einen Vortrag über phänomenologische Perspektiven der Interkulturalität. Er betonte, dass Interkulturalität im Gegensatz zur Multikulturalität eine Zwischensphäre bedeute, in der Eigenes und Fremdes ineinandergreifen. Fremdheit sei kein neutrales Phänomen, sondern könne sich in Feindschaft verwandeln. Die im Rahmen der Globalisierung zunehmenden Kontakte mit der Vielgestaltigkeit des Fremden könnten hier eine besondere Dynamik entfalten.
Bernhard Waldenfels sprach im Rahmen der Vortragsreihe „Interkultur und Bildung“ des Projekts „Interkulturelles Verstehen in Schulen des Ruhrgebiets“ am KWI. Nächster Termin am 1. September mit dem Philosophen Werner Stegmaier: „Interkultur und Bildung: Der Geist der Bildung. Nietzsche und die Neuorientierung des europäischen Bildungsideals“.
Humanismus im Dialog: Humanismus im Islam – der Fall Murtada az-Zabidi

© KWI
Im vierten Vortrag der Diskussionsreihe "Humanismus im Dialog" hat der Bochumer Islamwissenschaftler Stefan Reichmuth am 27. April einen Wissenschaftler, Künstler und gläubigen Muslim aus der Blütezeit des Islam präsentiert. Am Beispiel Murtada az Zabidis zeigte er exemplarisch auf, wie sich in der Frühen Neuzeit rationales Denken, dichterisches Schaffen und religiöser Glaube wechselseitig inspirierten. Kommentiert wurde der Vortrag von Shadia Husseini, Doktorandin im Graduiertenkolleg des Projekts „Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ am KWI, das die Veranstaltungsreihe ausrichtet.
Der nächste Vortrag in der von der Stiftung Mercator geförderten Diskussionsreihe findet am 29. Juni statt, dann spricht Professor Renate Würsch von der Universität Basel über „Humanismus und Mystik – Inspirationen des Islam“.
Alter Traum in neuer Gestalt? Von der gedruckten zur digitalen Enzyklopädie

© KWI
Die Enzyklopädie der Neuzeit, ein Gemeinschaftsunternehmen des KWI und des Verlags J.B. Metzler ist mit dem Erscheinen des achten Bandes zur Hälfte fertiggestellt. Zu diesem Anlass stellte das KWI das Unternehmen der Öffentlichkeit vor. Gudrun Gersmann, die Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Paris, schlug in ihrem einleitenden Vortrag zunächst den historischen Bogen von den großen Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts bis zu Wikipedia und den digitalen Wissenschaftsmedien unserer Gegenwart. Im Anschluss diskutierte sie mit Claus Leggewie (KWI), Holger Simon (Universität zu Köln) und Manfred Thaller (Universität zu Köln) die Frage, welche kulturellen, institutionellen und politischen Folgen die Entwicklung von der gedruckten zur digitalen Wissenschaftskommunikation mit sich bringt und wie sich die Produktion und Kommunikation kulturellen Wissens in diesem Zusammenhang verändern werden. Ein wichtiges Thema des Abends bildete dabei auch der Zusammensturz des Historischen Archivs in Köln und die Konsequenzen, die daraus für die Sicherung und Speicherung unseres kulturellen Erbes zu ziehen sind.
PISA und die Statuspanik in der Mittelklasse

© KWI
Der renommierte Soziologe Heinz Bude hat am 21. April einen Vortrag über die von den PISA-Studien ausgelöste Statuspanik in der Mittelklasse gehalten. PISA ist ein Signalwort, das in der Mittelklasse unserer Gesellschaft für große Aufregungen sorgt. Bude zeigte die Schwierigkeiten bei der Erneuerung des Bildungssystems auf, die aus den verhärteten Bildungsprivilegien der Mittelklasse entstehen. Zugleich tragen diese aber auch die Hauptlast der Finanzierung des Wohlfahrtstaates, so Bude. Trotz dieser Hindernisse plädierte er für eine gerechtere Gestaltung des dreigliedrigen Schulsystems.
Der Vortrag bildete den Auftakt zur neuen Vortragsreihe „Interkultur und Bildung“ des Projekts „Interkulturelles Verstehen in Schulen des Ruhrgebiets“ am KWI. Nächster Termin am 28. April mit dem Philosophen Bernhard Waldenfels: „Fremderfahrung, Fremdbilder, Fremdworte. Phänomenologische Perspektiven der Interkulturalität“.
Claus Leggewie wird neues Hochschulratsmitglied der Universität Siegen

© Wilfried Dechau
Auf seiner Sitzung am 15. April hat der Senat der Universität Siegen Professor Dr. Claus Leggewie, Direktor des KWI, als neues externes Mitglied des Hochschulrates gewählt. Der Hochschulrat der Universität Siegen umfasst vier externe und vier interne Mitglieder. Zu den externen Mitgliedern gehören als Vorsitzender Dr. Georg Schütte, Generalsekretär der Humboldt-Stiftung, Prof. Dr. Katharina Krause, Vizepräsidentin der Universität Marburg und Dipl.-Ing. Axel E. Barten, Geschäftsführer Achenbach Buschhütten GmbH.
Bericht vom 15. April 2009 in Der Westen
KWI on Tour: Vertreter aus der ganzen Welt diskutieren in der Bibliotheca Alexandrina über den Humanismus

© KWI
Gemeinsam mit dem Goethe-Institut Ägypten veranstaltete das von der Stiftung Mercator geförderte KWI-Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ vom 6. bis zum 8. April 2009 das internationale Symposium “Humanism in Islam - An Intercultural Discourse" in der Bibliotheca Alexandrina. An der Veranstaltung nahmen ausgewiesene WissenschaftlerInnen aus Ägypten, Deutschland, Indien, Mexiko, den Niederlanden und Taiwan teil wie auch der Träger des alternativen Nobelpreises Ibrahim Abouleish, Gründer des SEKEM-Projekts in Ägypten, Heidrun Tempel, Beauftragte des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland für den Dialog der Kulturen und Mohamed Shehat El-Gundi, Generalsekretär des Supreme Council for Islamic Affairs.
Bericht über das Symposium in den Daily News Egypt vom 9. April 2009.
Program Conference Humanism in Islam
Nominierungsverfahren für die Global Young Faculty eröffnet

Ab sofort können die drei Universitäten der Universitätsallianz Metropole Ruhr und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Wissenschaftsregion Kandidaten für die Global Young Faculty vorschlagen. Die Global Young Faculty ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und der Stiftung Mercator. Das Projekt wird vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NRW unterstützt. Ziel der Global Young Faculty ist es, die Nachwuchswissenschaftlerinnen der Region fächerübergreifend zu vernetzen, ihre Antworten auf wichtige Zukunftsfragen zu präsentieren und ihnen die Gelegenheit zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit renommierten Wissenschaftlern und ihren internationalen Netzwerken zu bieten.
Die Nominierungsvorschläge der Wissenschaftseinrichtungen können bis zum 15. Juni 2009 beim KWI eingereicht werden. Das internationale Kooperationsnetzwerk Global Young Faculty ist der Beitrag der Universitätsallianz Metropole Ruhr und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010.
KWI on Tour: Humanism in Islam

Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) führt vom 6. – 8. April 2009 in Zusammenarbeit mit der Bibliotheca Alexandrina und dem Goethe-Institut Alexandria in Alexandria (Ägypten) die Tagung „Humanism in Islam – An Intercultural Interpretation“ durch. In besonderer Weise widmet sich die Veranstaltung dabei den Traditionen der Länder, die vom Islam stark geprägt worden sind und fragt nach den Interpretationen des westlichen Humanismus aus der Sicht des Mittleren Ostens. Die international zusammengesetzte Riege der Referentinnen und Referenten richtet auch den Blick auf den Humanismus in Asien und Lateinamerika. Die Keynote hält der Mufti von Ägypten, Ali Gomaa. Die Tagung wurde durch das Projekt „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ unter der Leitung von Prof. Dr. Jörn Rüsen vorbereitet. Die Finanzierung erfolgt zu erheblichen Teilen durch die Stiftung Mercator, die auch das Humanismus-Projekt am KWI fördert.
KWI-Interventionen: Neue Publikationsreihe des Instituts
Mit den vierteljährlich erscheinenden KWI-Interventionen beteiligt sich das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) aus wissenschaftlicher Sicht an der Debatte über aktuelle Fragen, unter anderem über kulturelle Aspekte des Klimawandels, kulturelle Vielfalt der Weltgesellschaft, kollektive Erinnerung oder soziale Verantwortung. Das KWI verfolgt damit einen diskursiven Ansatz bei der Suche nach Antworten und Lösungen für gesellschaftlich relevante Fragen. Unter dem Titel "Was kommt nach dem europäischen Sozialstaat?" ist die erste Ausgabe der KWI-Interventionen in deutscher und englischer Sprache erschienen, die Autoren sind Christoph Sachße, Adalbert Evers und Claus Leggewie. Nr. 2 der KWI-Interventionen erscheint im Sommer unter dem Titel: "Made in Germany. Deutsche Geisteswissenschaften im Prozess der Internationalisierung".
Lesart Spezial: Moscheen und Islam in Deutschland

Navid Kermani, Maike Albath, Claus Leggewie © KWI
Deutschland hat sich über Jahrzehnte zum Einwanderungsland entwickelt, mit der Frage des kulturellen und religiösen Miteinanders beschäftigt sich die Öffentlichkeit jedoch erst seit rund zehn Jahren. Über die Rolle des Islam in der deutschen Gesellschaft und über den häufig umstrittenen Bau von Moscheen sprachen am 24. März der Islamwissenschaftler Navid Kermani und der Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie vor 100 Gästen im Essener Grillo Theater. Im politischen Buchmagazin „Lesart Spezial“ stellten sie ihre neuen Bücher zum Thema vor: Navid Kermani „Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime“ (Beck Verlag, München) und Bärbel Beinhauer-Köhler und Claus Leggewie „Moscheen in Deutschland. Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung“ (Verlag beck’sche reihe, München).
„Lesart Spezial“ ist eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen . Medienpartner ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die Sendung wird am 29. März von 12.30 Uhr bis 13 Uhr im Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt. Die nächste Ausgabe von „Lesart Spezial“ findet am 19. Mai unter dem Titel „60 Jahre Gundgesetz“ statt.
Unbegreifliche Zeiten: Wunder im 20. Jahrhundert

© KWI
Mit einem Vortrag über die Theorie und Praxis des Wunders von der Antike bis ins 20. Jahrhundert hat die Konstanzer Mittelalterhistorikerin Gabriela Signori die Konferenz über Wunder im 20. Jahrhundert vom 18. bis 21. März in Essen eröffnet. Die Zuschreibung eines „Wunders“ stellt in der modernen Gesellschaft noch immer eine zentrale Form der Verarbeitung und Aneignung ungewöhnlicher Ereignisse und außeralltäglicher Erfahrungen dar. So beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der vom KWI mit dem Arbeitskreis Geschichte + Theorie veranstalteten Tagung, gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung, mit einer Reihe von Phänomenen: Vom „Wunder von Bern“ bis zum „Wirtschaftswunder“, von „Wunderwaffen“ bis zu „Wunderheilungen“, von „Wundern der Technik“ bis zum „Wonderbra“. Wissenschaftliche Leiter der Tagung sind Alexander Geppert (Harvard/FU Berlin) und Till Kössler (LMU München).
Können Demokratien den Klimawandel bewältigen?
In ihrem Beitrag zur neuesten Ausgabe der Zeitschrift Transit „Klimapolitik und Solidarität“ beleuchten der Politikwissenschaftler Claus Leggewie und der Sozialpsychologe Harald Welzer kritisch die unterschiedlichen Ansätze gegenwärtiger Klimapolitik. Sie zeigen, wie der durch den Klimawandel erzeugte lebensweltliche Veränderungsdruck zu einer Wiederbelebung bürgergesellschaftlicher Partizipation führen kann. Weitere Autoren des neuesten Transit-Bandes sind unter anderem Anthony Giddens, Dirk Messner und Lukas Meyer.
Neuerscheinung: Beitrag zur Europäischen Religionsgeschichte
Dariuš Zifonun, Research Fellow am KWI, hat zusammen mit Miranda Jakiša einen Beitrag zur europäischen Religionsgeschichte vorgelegt. Am Beispiel Bosniens und der Herzegowina untersuchen sie religiöse Vielfalt und religiöse Konflikte. Der Beitrag erscheint in dem jetzt vom UTB-Verlag publizierten Band Europäische Religionsgeschichte: Ein mehrfacher Pluralismus. Das neue Standardwerk zeigt, welche Rolle die Religion in der europäischen Kulturgeschichte spielt(e) und wie die gegenwärtige Situation der europäischen Religionen in ihrer Komplexität entstanden und zu beurteilen ist.
Neuerscheinung: Friedrich Wilhelm Graf: Missbrauchte Götter
Im Frühjahr 2008 hielt Friedrich Wilhelm Graf seine Vorlesungen über Religion und Humanismus im Rahmen des Humanismus-Projekts in Essen. Das daraus entstandene Buch ist nun erschienen. Der aktuell wohl bedeutendste evangelische Theologe Deutschlands geht in seinem Essay insbesondere christlichen Menschenbildern nach, fragt nach den Hintergründen des Streits um Götter- und Menschenbilder und legt die Tiefenschichten aktueller Debatten um die Menschenwürde frei. „Gerade in Sachen Religion und Gottesglaube“, so Graf in diesem Band, „gibt es keinen neutralen Ort des Sehens und Denkens“. Das Buch ist unter dem Titel „Missbrauchte Götter. Zum Menschenbilderstreit in der Moderne“ bei C.H.Beck erschienen.
Im Rahmen des Humanismus-Projekt liegt von Friedrich Wilhelm Graf bereits ein Workingpaper (Nr. 4: Was ist Humanismus?) vor, das als pdf-Datei abrufbar ist.
Der Förderverein des KWI schreibt den Dissertationspreis Kulturwissenschaften aus
Für hervorragende Dissertationen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften vergibt der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen in diesem Jahr erstmals den Dissertationspreis Kulturwissenschaften. Der Preis ist für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der drei UAMR-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen ausgeschrieben. Bewerbungsschluss ist der 15. April 2009. Der Förderverein des KWI unterstützt die interuniversitäre Arbeit des KWI und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften.
Dissertationspreis Kulturwissenschaften
Klimaverantwortung als Verteilungsproblem

© Dieter Birnbacher
Wer trägt die Verantwortung für die Minderung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen? Und können die Industrieländer zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihre gegenwärtigen Bewohner keine Schuld an den Klimasünden ihrer Vorfahren trifft und diese zudem weitgehend unwissentlich begangen wurden? Über diese Fragen sprach der Düsseldorfer Philosoph Dieter Birnbacher in einem Vortrag im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in einem Interview des Westdeutschen Rundfunks mit Professor Birnbacher.
Arbeitskreis Wissenschaft - Kulturhauptstadt 2010 trifft sich am KWI
Das Kontaktbüro Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010 und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) haben einen Arbeitskreis für Vertreterinnen und Vertretern von Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Metropole Ruhr ins Leben gerufen. Der Arbeitskreis „Wissenschaft - Kulturhauptstadt 2010“ möchte wissenschaftliche Aktivitäten rund um die RUHR.2010 GmbH und das Kulturhauptstadtjahr bündeln und koordinieren sowie weitere Initiativen aus dem Wissenschaftsbereich heraus entwickeln. Das Auftakttreffen des Arbeitskreises fand im November 2008 statt, seitdem trifft sich der Kreis regelmäßig am KWI, so auch am heutigen Freitag. Interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Metropole Ruhr steht der Arbeitskreis offen. Fragen beantwortet Ihnen Annina Lottermann, Kontaktbüro Wissenschaft - Kulturhauptstadt 2010, Tel. 0201 7204-252, annina.lottermann@kwi-nrw.de.
Humanismus-Projekt im Dialog mit Essener Schülern

Angelika Messner und Jörn Rüsen diskutieren mit Essener Schülerinnen und Schülern
Was versteht man in China unter „Humanismus“ und wie verhält sich dieses Verständnis zum Humanismus westlicher Prägung? Über diese Fragen sprach die Kieler Sinologin Angelika Messner auf Einladung des Humanismus-Projekts am Mittwoch vor rund 190 Schülerinnen und Schülern des Essener Burggymnasiums und der B.M.V.-Schule. Im Rahmen der Reihe „Humanismus im Dialog“ hatte Messner am Vorabend einen Vortrag im KWI gehalten, kommentiert von Caroline Glöckner, Mitglied des Graduiertenkollegs des Humanismus-Projekts. Es folgte eine kontroverse Diskussion über Fragen universeller Vorstellungen von Menschlichkeit unter der Moderation des Leiters des Humanismus-Projekts, Professor Jörn Rüsen. Als nächster Referent der Vortragsreihe spricht am 27. April der Bochumer Islamwissenschaftler Stefan Reichmuth über „Humanismus im Islam - der Fall Murtada az-Zabidi“.
Aleida Assmann mit Max-Planck-Forschungspreis 2009 ausgezeichnet

© Aleida Assmann bei den Krupp-Vorlesungen
Die Konstanzer Anglistin Aleida Assmann hat den mit 750.000 Euro dotierten Max-Planck-Forschungspreis 2009 erhalten, der in diesem Jahr für das Gebiet „Gedächtnisgeschichte“ ausgeschrieben war. Professorin Aleida Assmann war von 1992 bis 1993 Gastwissenschaftlerin am KWI, hielt hier im Winter 2006/2007 die Krupp-Vorlesungen und ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Center for Interdisciplinary Memory Research (CMR) wie auch des Kuratoriums der Stiftung für Kulturwissenschaften. Assmann hat der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung interdisziplinäre Perspektiven eröffnet und prägt mit ihren Arbeiten seit vielen Jahren die wissenschaftlichen und öffentlichen erinnerungskulturellen Debatten.
„Global Young Faculty“ fördert wissenschaftlichen Nachwuchs in der Metropole Ruhr

© Stiftung Mercator
„Wissenschaftliche Exzellenzen im Ruhrgebiet bündeln - wissenschaftliche Exzellenzen ins Ruhrgebiet holen“, so fasste KWI-Direktor Claus Leggewie das neue Förderprogramm „Global Young Faculty“ am 10. Februar 2009 anlässlich einer Pressekonferenz in Essen im Beisein von Bernhard Lorentz, Leitender Geschäftsführer der Stiftung Mercator, und Fritz Pleitgen, Geschäftsführer RUHR.2010, zusammen. Bis zu 120 NachwuchswissenschaftlerInnen aus den drei Hochschulen der Universitätsallianz Metropole Ruhr und den außeruniversitären Einrichtungen werden sich im Jahr 2010 in dem vom KWI und der Stiftung Mercator gemeinsam organisierten Projekt disziplinenübergreifend in internationalen Workshops, Tagungen oder Sommerakademien unter anderem mit der Frage beschäftigen: Mit welchen globalen Risiken und welcher Verantwortung ist die Wissenschaft in Zukunft konfrontiert? Ausgewählte Ergebnisse der „Global Young Faculty“ werden im November 2010 in der Abschlussveranstaltung der Kulturhauptstadt RUHR.2010 auf dem internationalen Kongress „Our Common Future“ vorgestellt. Übergeordnetes Ziel des neuen Formats ist eine Verstetigung der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung in der Metropole Ruhr über das Jahr 2010 hinaus.
Das Wissenschaftsportal Kulturhauptstadt 2010 geht an den Start
Wussten Sie, dass es bereits über 30 wissenschaftliche Abschlussarbeiten zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 gibt, bevor das Jahr der Kulturhauptstadt begonnen hat? Diese und weitere wissenschaftliche Forschungen, Vortragsreihen, Initiativen und Projekte in Bezug auf RUHR.2010 wie auch ein Veranstaltungskalender sind ab dem 30. Januar 2009 im Internet im Wissenschaftsportal Kulturhauptstadt 2010 (www.wissenschaft2010.de) zu finden.
Zuständig für das Webportal ist das Kontaktbüro Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010, das die RUHR.2010 GmbH gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut eingerichtet hat. Das Kontaktbüro koordiniert und dokumentiert die wissenschaftlichen Aktivitäten zur Kulturhauptstadt Europas in der Metropole Ruhr. Das Wissenschaftsportal wird vom KWI gesponsert. Es ist barrierefrei sowie in den Sprachen Deutsch und (zukünftig auch) Englisch zugänglich.
Bundesinnenminister Schäuble eröffnet die vom KWI mitveranstaltete Konferenz "Täterforschung im globalen Kontext"

bpb
"Eine Schlüsselfrage müssen wir immer wieder neu stellen: Warum handeln Täter so, wie sie handeln? Die Antworten darauf helfen, Formen extremer Gewalt besser zu verstehen und dagegen vorzugehen", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in seiner Rede zur Eröffnung der Konferenz "Täterforschung im globalen Kontext" am 27. Januar 2009 in Berlin. Die Wissenschaft habe inzwischen ein differenziertes Bild der Täter im Dritten Reich gewonnen. Dieses Wissen gelte es zur Vorbeugung von Extremismus und Gewalt durch politische Bildung in die gesellschaftliche Praxis aufzunehmen, so Schäuble.
Auf der von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem KWI und dem Holocaust Research Centre der Royal Holloway University of London veranstalteten Konferenz beschäftigen sich die Teilnehmenden mit der Täterforschung aus der Perspektive der Sozialpsychologie, Soziologie, Psychologie, Anthropologie und Geschichte. Ausgehend von den Ergebnissen der Holocaust-Täterforschung werden auch Täterprofile in anderen Genoziden diskutiert. Wie der Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis hin zur politischen Bildung in der Praxis gelingen kann, wird in Workshops erarbeitet.
Ist der Neoliberalismus am Ende? Die Krise und die Folgen für Geist und Wirtschaft - ein Streitgespräch

Ist der Neoliberalismus am Ende? Was bedeutet die gegenwärtige Krise für Wirtschaft und Gesellschaft? Der Politologe Claus Leggewie, Direktor des KWI, und der Ökonom Christoph M. Schmidt, Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, haben in einem Streitgespräch über die Ursachen der Finanzkrise und die Rolle der Wirtschaftswissenschaften diskutiert. Moderator der Essener Podiumsdiskussion am 12. Januar 2009 war Ulrich Reitz, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Einen Bericht in der WAZ vom 13.1.2009 finden Sie hier.
„Klima-Initiative Essen“ und KWI erfolgreich in der ersten Stufe des Wettbewerbs „Energieeffiziente Stadt“ des BMBF

Essener Winterbeleuchtung 2008 erstmals mit LED-Technik
Das Konzept der Stadt Essen und ihrer Kooperationspartner, darunter das KWI, gehört zu den 15 Entwürfen, die in die engere Auswahl im Wettbewerb „Energieeffiziente Stadt“ des Bildungsministeriums (BMBF) aufgenommen wurden. Insgesamt haben 72 Initiativgruppen Ideenskizzen eingereicht. Die Gewinner der ersten Runde haben jetzt Gelegenheit, ihre Ideen zu detaillierten Umsetzungsplänen weiterzuentwickeln. Der Wettbewerb fördert die Suche nach Strategien, Technologien und Dienstleistungen, mit denen sich am meisten Energie sparen lässt und soll dazu beitragen, die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Die Partner des Essener Klimaschutzbündnisses: Stadt Essen, KWI, Universität Duisburg-Essen, Essener Verkehrs AG, Stadtwerke Essen AG, Allbau AG und Transportation Research and Consulting GmbH.
Trotz geschärften Bewusstseins haben Verbraucher ihre grundlegenden Konsumgewohnheiten kaum verändert

© Peter Stumpf
Unter dem Titel „Grenzen der Konsumentenverantwortung. Wie moralisch ist der Verbraucher?“ hat das Center for Responsibility Research am KWI unter der Leitung von Ludger Heidbrink und Imke Schmidt ein Expertengespräch mit Vertretern aus Wissenschaft, Publizistik und Wirtschaft veranstaltet. Diskutiert wurde die Diskrepanz zwischen der Einsicht in nachhaltigen Konsum und dem tatsächlichen Kaufverhalten von Vebrauchern. Als Ursachen hierfür wurden vor allem der Mangel an relevanten Informationen und fehlende Handlungsspielräume ausgemacht. Fazit: Nicht allein der Konsument sollte für mehr Nachhaltigkeit verantwortlich gemacht werden, sondern ebenso Politik und Unternehmen.
KWI-Direktor Professor Claus Leggewie wird Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU)

© Stiftung Mercator
Professor Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), ist auf Vorschlag von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) berufen worden. Dem WBGU gehören neun führende Experten aus den Natur- und Sozialwissenschaften, der Ökonomie und dem Umweltrecht an. Sie sollen die Bundesregierung insbesondere in den Bereichen Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit beraten.
Der Politikwissenschaftler Professor Dr. Claus Leggewie ist seit August 2007 Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, Forschungskolleg der Universitätsallianz Metropole Ruhr. Dort leitet er den Forschungsschwerpunkt „KlimaKultur“, der von der Stiftung Mercator gefördert wird. Der Schwerpunkt untersucht die sozialen Folgen und die kulturellen Voraussetzungen der Anpassung moderner Gesellschaften an die Auswirkungen des Klimawandels.
Essener Tagung "Europabilder: Innen- und Außenansichten"

© Mykola Riabchuk, Claus Leggewie und Michail Ryklin (Foto: Georg Lukas)
Gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit, der Veranstaltungsinitiative Europäische Horizonte und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Universität Gießen veranstaltet das KWI am 4. und 5. Dezember 2008 eine Tagung über die Innen- und Außenansichten Europas in Essen. Am Abend des 4. Dezember hielt der Essayist und Herausgeber der literarischen Monatszeitung „Krytyka“ in Kiew, Mykola Riabchuk, einen öffentlichen Vortrag über die Ukraine am kulturellen und geopolitischen Scheideweg zwischen Europa und Eurasien. An diesem konkreten Beispiel bündeln sich Innen- und Außenansichten Europas. Es folgte eine Podiumsdiskussion aus ukrainischer, russischer und europäischer Sicht mit Michail Ryklin, Philosoph und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Moskau, und dem Direktor des KWI, Claus Leggewie.
Kinder im Fokus der Kulturwissenschaften: Barbara Sichtermann bei „KWI mit Gästen 2008“

Unter dem Titel „Kinder, Kinder – keine Ausreden!“ veranstaltet das KWI die Vortrags- und Diskussionsreihe "KWI mit Gästen" gemeinsam mit dem Schauspiel Essen zum zweiten Mal. Die bekannte Publizistin Barbara Sichtermann diskutiert mit Gästen über den Status und die Chancen von Kindern in unserer Gesellschaft. In ihrem Eröffnungsvortrag am
2. Dezember 2008 nahm Sichtermann den öffentlichen Diskurs über Kinder unter die Lupe, der fast ausschließlich von Bedenken geprägt sei: Kinder behindern die Karriere, sie sind teuer, es mangelt an Infrastruktur und Betreuungsmöglichkeiten und so weiter. Sichtermann sprach sich gegen diese „Ausreden“ und für eine stärkere Wertschätzung von Kindern aus. Sie warnte davor, Kinder nur als „Nebenziel“ auf dem Weg zum demographischen Erhalt der Gesellschaft, zur Sicherung des Arbeitsmarktes oder zum Erhalt der Renten anzusehen.
Zu Gast sind am 3.12. der Entwicklungspädiater Professor Remo H. Largo (Zürich), am 16.12. die Soziologin Professor Doris Bühler-Niederberger (Wuppertal) und am 17.12. Ekin Deligöz, Vorstandsmitglied der UNICEF Deutschland und Mitglied der Kinderkommission des Deutschen Bundestags. Moderator ist Professor Claus Leggewie, Direktor des KWI.
Von Abendland bis Zyklizität: Enzyklopädie der Neuzeit zur Hälfte fertiggestellt
Seit Mai 2005 sind acht Bände der Enzyklopädie der Neuzeit erschienen, der jüngste reicht von „Manufaktur“ bis „Naturgeschichte“. In dem Gemeinschaftsunternehmen des KWI und des Stuttgarter Verlags J.B.Metzler wird in über 5.000 alphabetisch geordneten Artikeln die europäische Geschichte der Neuzeit in ihrer zunehmenden globalen Verflechtung erschlossen. Alle wesentlichen Entwicklungen in Politik und Recht, Wirtschaft und Gesellschaft, Naturwissenschaften und Kultur, Religion und Künsten, Umwelt und Technik werden berücksichtigt. Geschäftsführender Herausgeber ist Friedrich Jaeger, Senior Fellow am KWI. Rezensionen zu dem Gesamtwerk finden sie hier.
KWI on Tour: Internationales Symposium „Buddhismus und Menschenrechte“ in Hamburg

Zusammen mit dem Zentrum für Buddhismuskunde am Asien-Afrika-Institut hat das KWI-Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ am 21. und 22. November ein internationales Symposium über „Buddhismus und Menschenrechte“ an der Universität Hamburg veranstaltet.
Im Zuge der jüngsten Demonstrationen birmanischer und tibetischer Mönche und Nonnen wurde das Thema auch in westlichen Medien stark diskutiert. Die lebhaften Beiträge der TeilnehmerInnen aus der Wissenschaft, den buddhistischen Traditionen und dem Menschenrechtsbereich konzentrierten sich jedoch überraschenderweise mehr auf China, als auf Tibet. Es wurde deutlich, dass die Definition von Menschenrechten auch in Tibet und Birma hauptsächlich von China abhängt, aufgrund seiner derzeitigen Machtstellung im asiatischen Raum. Die Tatsache, dass China selbst auf eine mehr als 1500-jährige Geschichte des Buddhismus zurückblickt und sich seit dem 20. Jahrhundert auch chinesisch-buddhistische Geistliche für einen anderen Diskurs über das Verhältnis von Religion und Menschenrechten einsetzen, gibt Anlass zur Hoffnung.
Erstes Team des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur ist komplett

© KWI
Im November 2008 hat das erste Team des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur seine Arbeit aufgenommen. Zum Team gehören Professor Dr. Harald Welzer (Projektleiter), Dr. Franz Mauelshagen (Projektkoordinator) sowie die Doktorandinnen Gitte Cullmann, Annett Entzian, Eleonora Rohland und Karin Schürmann. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fragen der kulturellen Erinnerung an Katastrophen in unterschiedlichen Gesellschaften wie auch mit dem Phänomen der "shifting baselines", der unbewussten Anpassung an Umweltveränderungen. Weitere Informationen zu dem von der Stiftung Mercator geförderten Forschungsschwerpunkt erhalten Sie hier.
Vortragsreihe „Humanismus im Dialog“ erfolgreich gestartet

© KWI
Am zweiten Abend der insgesamt sechs Termine umfassenden Vortragsreihe „Humanismus im Dialog“ hat der Leiter des Humanismus-Projekts, Professor Jörn Rüsen, in einem Vortrag die Zukunftschancen des europäischen Humanismus ausgelotet. Nach einem begleitenden Kommentar eines Mitglieds des Graduiertenkollegs am Humanismus-Projekt, André Araújo, entwickelte sich eine lebendige Diskussion darüber, wie man dem trotz der Globalisierung fortbestehenden Ethnozentrismus wissenschaftlich und gesellschaftlich begegnen könne.
Thema der nächsten Veranstaltung wird am 16. Februar 2009 der „Chinesische Humanismus zwischen Ost und West“ sein.
Nordrhein-westfälische Landesregierung und KWI erarbeiten 2009 eine Initiative zur Stärkung der Erinnerungskultur in NRW
© Alte Synagoge Essen
70 Jahre nach der Reichspogromnacht hat Jürgen Rüttgers in einer Rede vor dem Düsseldorfer Landtag an die „beispiellosen Verbrechen an den Juden Europas im Namen Deutschlands“ erinnert. Rüttgers bezeichnete den 9. November 1938 als „Signal für den Weg nach Auschwitz“. Kein Deutscher habe sich nach diesem Tag noch darauf berufen können, dass er nichts habe wissen können. Die Pogromnacht sei nicht der Anfang der Verfolgung gewesen, aber ein Wendepunkt, mit dem „der Weg in die Barbarei endgültig beschritten“ wurde.
Der Ministerpräsident forderte „eine Erinnerungskultur, die die jungen Menschen erreicht und zu prägen vermag“, um auch nach dem Tod der Zeitzeugen eine lebendige und politisch wirksame Erinnerung zu erhalten. Zusammen mit dem KWI in Essen werde die Landesregierung deshalb im kommenden Jahr eine Initiative erarbeiten, um die Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen zu stärken und dabei neue Wege zu beschreiten.
Elissa Mailänder Koslov erhält den Herbert-Steiner-Preis 2008
© DÖW, Wien
Für Ihre Arbeit über „Gewalt im Dienstalltag: Die SS-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek (1942-1944)“ hat Elissa Mailänder Koslov, Research Fellow am KWI, in Wien den Herbert-Steiner-Preis 2008 erhalten. Der Preis erinnert an den gleichnamigen Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) und der International Conference of Labour and Social History (ITH). Das Preisgeld für die fünf Preisträgerinnen und Preisträger beträgt insgesamt 10.000 Euro und soll in erster Linie die Überarbeitung der Manuskripte für die Veröffentlichung ermöglichen.
Abschluss der Reihe „200 Jahre kommunale Selbstverwaltung – Quo Vadis?“

© Stadt Essen
Das Spektrum der Themen in der von der Stadt Essen, dem KWI und der Ruhr-Universität Bochum veranstalteten Vortragsreihe reichte vom Klimawandel über Bürgerschaftliches Engagement bis hin zur Frage nach der Rolle kommunaler Wohnungswirtschaft im Stadtentwicklungsprozess. In der siebten und letzten Veranstaltung stellte Wolfgang Kaschuba (Humboldt-Universität Berlin) heraus, wie dramatisch Verkehr und Mobilität in den letzten beiden Jahrhunderten die Lebenswelten der Menschen und Städte verändert haben. Alle Vorträge werden in einer Dokumentation veröffentlicht, die unter anderem über das Büro Stadtentwicklung der Stadt Essen zu beziehen sein wird (Kontakt: Caren Heidemann, Büro Stadtentwicklung, caren.heidemann@stadtentwicklung.essen.de).
Neugegründetes Center for Responsibility Research (CRR) mit einer Feier im KWI eröffnet

Der Direktor des CRR, Ludger Heidbrink, wies am Donnerstag darauf hin, dass durch die jüngste Finanzkrise Fragen nach Verantwortung, Vertrauen und Moral in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Der Münsteraner Philosoph Kurt Bayertz machte in seinem Eröffnungsvortrag deutlich, dass Verantwortung nicht nur auf persönliche Aufrichtigkeit angewiesen sei, sondern auch durch staatliche Rahmenregeln abgesichert werden müsse. Die lebhafte Diskussion zeigte, dass das CRR mit seiner Forschung zu den Grundlagen der Verantwortungsgesellschaft auf dem richtigen Weg ist.
Neuerscheinung: Learning from Animals? Examining the Nature of Human Uniqueness
Es ist eine höchst umstrittene Frage: Können vergleichende Wissenschaften etwas über die Ursprünge und den Charakter spezifisch menschlicher Fähigkeiten aussagen? Der vorliegende Band geht davon aus, dass sich die einzigartigen Fähigkeiten des Menschen nur durch den Vergleich mit den Fähigkeiten anderer Tierarten erfassen lassen. Er präsentiert den gegenwärtigen Stand empirischer Forschung aus Linguistik, Philosophie, Primatologie und Psychologie.
Herausgeberinnen des von Psychology Press veröffentlichten Bandes sind Louise Röska-Hardy und Eva M. Neumann-Held.
Das KWI gratuliert Paul Krugman zum Wirtschafts-Nobelpreis

„Paul Krugmans Arbeiten über Handelsstrukturen und die wachsende soziale Spaltung der USA sind, auch für die Kulturwissenschaften, von großer Bedeutung“, freut sich Claus Leggewie, Direktor des KWI, über die Auszeichnung Krugmans mit dem Wirtschafts-Nobelpreis. Im Mai hatten Leggewie und Ulrich Reitz (Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung), mit dem Professor aus Princeton über dessen neues Buch „Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten“ in der Essener Philharmonie diskutiert.
Neuerscheinung: Mittendrin im Abseits. Ethnische Gruppenbeziehungen im lokalen Kontext
Ethnische Minderheiten erfahren ihren Platz in der modernen Gesellschaft nicht selten nach einem Modus, der der fußballerischen Situation, „mittendrin im Abseits zu sein“, nicht unähnlich ist: Sie sind randständig und ziehen zugleich die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. So beschäftigt sich der Band mit Zuschreibungsmustern und Bewertungskämpfen zwischen ethnischen Gruppen und fragt nach deren Auswirkungen auf die Integrationsstrategien und Partizipationschancen der beteiligten Akteure. Neben grundlegenden theoretischen Überlegungen präsentieren die Beiträge empirische Ergebnisse aus zwei ethnographisch angelegten Untersuchungen über deutsch-türkische Gruppenbeziehungen im Fußballsport und in sozialräumlichen Nachbarschaften urbaner Stadtgebiete.
Erschienen im VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Beitragsautoren: Sighard Neckel, Hans-Georg Soeffner, Ferdinand Sutterlüty, Ina Walter, Darius Zifonun und Andreas Göttlich.
Claus Leggewie über die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Integration von Zuwanderern

© Stadt Essen
In seinem
Eröffnungsvortrag zum internationalen Kongress „Vielfalt verbindet. Die Künste und der Interkulturelle Dialog in europäischen Städten: Erfahrungen, Konzepte, Perspektiven“ unterstreicht KWI-Direktor Claus Leggewie die Notwendigkeit von Kunst und Kultur für die gesellschaftliche Einbindung von Zuwanderinnen und Zuwanderern und übt Kritik an der „falschen Opposition“ von Interkultur und Hochkultur.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses „Vielfalt verbindet“ sprachen sich in den
Dortmunder Empfehlungen dafür aus, Kunst und Kultur für den Interkulturellen Dialog in den Städten zu nutzen und verstärken. Der Kongress wurde vom 3. bis 5. September 2008 vom Kulturbüro der Stadt Dortmund und der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit deutschen und europäischen Partnern veranstaltet.
Neuerscheinung: Zwei Grad. Das Wetter, der Mensch und sein Klima
Begleitend zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum (11.07.2008-19.04.2009) ist dieser interdisziplinäre Band mit Daten, Fakten und Wissenswertem über das aktuelle Thema des Klimawandels im Wallstein Verlag erschienen. Am 8. und 9. September hat das KWI das Symposium „Schnee von gestern?“ im Deutschen Hygiene-Museum mitveranstaltet.
Im aktuellen Band verbinden sich verschiedene disziplinäre Perspektiven von der Physik über die Philosophie bis hin zu den Medienwissenschaften und fragen: Was verrät die Geschichte der meteorologischen Vorhersagen über die Zukunft der Prognosen? Was verbindet Wetter, Klima und Militär? Wie mündet eine Bildgeschichte der Flut in heutige Katastrophenfilme? Woher stammt der Traum vom Wettermachen? Glaubt die internationale Politik an ihre Strategien gegen den Klimawandel?
Jörn Rüsen erhält Verdienstorden des Landes NRW

© Staatskanzlei NRW
Der Vorstand und das Kollegium des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen (KWI) gratulieren Professor Jörn Rüsen zur Auszeichnung mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Orden wurde dem langjährigen Präsidenten des KWI durch den Ministerpräsidenten, Dr. Jürgen Rüttgers, am 20. August 2008 in Düsseldorf verliehen.
Der Ministerpräsident würdigte in seiner Rede Jörn Rüsens Engagement zur Förderung von Wissenschaft und Kultur in seiner Heimat, dem Ruhrgebiet. „Es ist eben so, dass er nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herz für die Region forscht und arbeitet, in der er lebt“, sagte Rüttgers. So sei er auch energisch für die erfolgreiche Bewerbung des Ruhrgebiets für den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2010 eingetreten.
Jörn Rüsen wurde 1938 in Duisburg geboren. Nach dem Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Pädagogik in Köln und der Promotion mit einer Arbeit zur Geschichtstheorie lehrte er in Braunschweig, Berlin und Bielefeld. Ab 1994 hatte er die Funktion des Geschäftsführenden Direktors des Zentrums für interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld inne. 1997 trat Rüsen eine Professur für Allgemeine Geschichte und Geschichtskultur an der Universität Witten-Herdecke an. Im gleichen Jahr übernahm er das Amt des Präsidenten am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen, das er bis 2007 innehatte. In Rüsens Amtszeit wechselte das KWI vom Wissenschaftszentrum NRW in die gemeinsame Trägerschaft der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen. Gegenwärtig leitet Jörn Rüsen am KWI das Projekt „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung – Ein interkultureller Dialog über Kultur, Menschheit und Werte“.
Das KWI wünscht einen schönen Sommer 2008!

Mit einer Wanderung um den Essener Baldeneysee haben Mitglieder des Kulturwissenschaftlichen Instituts die Sommerpause eingeläutet. Sommerpause heißt für das Institut: Keine Veranstaltungen, dafür Ausarbeiten des Programms für Herbst und Winter, Profilierung der Forschungsschwerpunkte und Nachdenken über neue Themen und Initiativen.
Das KWI freut sich, Sie ab September wieder bei Veranstaltungen begrüßen zu dürfen! Hinweisen möchten wir Sie schon jetzt auf das in Kooperation mit dem Deutschen Hygiene-Museum in Dresden veranstaltete Symposium „Schnee von Gestern?“ am 8. und 9. September in Dresden. Das neue Veranstaltungsprogramm mit den öffentlichen Terminen des Halbjahres 2008/2009 erscheint Anfang Oktober. Alle Termine finden Sie dann auch auf der Internetseite des KWI. Gerne schicken wir Ihnen das Programm auch zu, bitte richten Sie bei Interesse eine kurze E-Mail mit Ihrer Anschrift an: magdalena.schaeffer@kwi-nrw.de.
Neu auf der KWI-Homepage: 101 Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften und 101 Fragen zur Kultur

© KWI
In einer neu eingerichteten Rubrik bietet das KWI Studierenden, Lehrenden wie auch interessierten Laien kompaktes Wissen über 101 Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften. In regelmäßiger Abfolge stellen hier KWI-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in knapper Form Werke vor, die nach Ihrer Auffassung die Kulturwissenschaften maßgeblich beeinflusst haben. Die Auswahl der Werke zeigt die Vielfalt der Methoden, Sichtweisen und Ansätze am KWI.
In einer zweiten Rubrik wird zur Diskussion über Fragen zur Kultur, zu den Kulturwissenschaften und zur Politik eingeladen. In den 101 Fragen zur Kultur können Sie Ihre Meinung zu einer oder mehreren Fragen schreiben oder auch selbst eine Frage zur Diskussion stellen.
Stellenausschreibungen für den Forschungsschwerpunkt KlimaKultur

© Karin Sander, Berlin
Das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) richtet einen Forschungsschwerpunkt zur KlimaKultur ein, der sich mit den Bedingungen und Folgen des Klimawandels aus kulturwissenschaftlicher Perspektive auseinandersetzt. Dafür sucht das KWI die wissenschaftliche Koordinatorin oder den wissenschaftlichen Koordinator, promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Doktorandinnen und Doktoranden. KlimaKultur wird von der Stiftung Mercator, Essen gefördert.
Stellenanzeige KlimaKultur
Norbert Lammert zu Gast in der Reihe Lesart Spezial

© Peter Kolling, Buchhandlung Proust
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat am 10. Juni in der vom Deutschlandradio Kultur, dem Kulturwissenschaftlichen Institut und der Buchhandlung Proust veranstalteten Reihe Lesart Spezial sein neues Buch "Zwischenrufe - Politische Reden über Geschichte und Kultur, Demokratie und Religion" (Berlin University Press 2008) vorgestellt. Der Historiker Eberhard Straub sprach über das neue Buch von Jutta Limbach "Hat Deutsch eine Zukunft? Unsere Sprache in der globalisierten Welt" (Beck Verlag 2008). Die Diskussion wird am 15. Juni um 12.30 Uhr im Deutschlandradio Kultur gesendet.
KWI und RWI laden zur Essener Tour „Klimawandel“ ein

© Sabine Weiler, RWI
Das KWI und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (RWI) haben am 4. Juni 2008 eine Tour durch Essen zum Thema „Klimawandel“ veranstaltet. Stationen waren der Deutsche Wetterdienst und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Der Klimawandel wurde aus meteorologischer, wirtschaftlicher wie auch aus sozialer und kultureller Sicht beleuchtet. „Der Klimawandel stellt unsere Gesellschaft vor neue Fragen der Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, das Feld nicht allein den Naturwissenschaftlern zu überlassen“, sagte der Sozialpsychologe Professor Harald Welzer, Projektleiter im KWI-Forschungsschwerpunkt KlimaKultur. Auf Einladung des Wissenschaftsforums Ruhr haben beim Wissenschafts- und Forschungstag „Wissenschaft Ruhr on Tour – Fokus Mensch“ rund 250 Personen Forschungsinstitute an sechs Standorten der Metropole Ruhr besucht.
Neuerscheinung: Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird
In dem neu erschienenen Buch "Klimakriege" beschreibt Harald Welzer die Linien der Gewalt im 21. Jahrhundert: Konflikte um Ressourcen, Kriege gegen eigene Bevölkerungen, Wellen von Klimaflüchtlingen und Terrorismus. Er macht klar, dass der Klimawandel die Gesellschaften vor ganz neue Fragen von Sicherheit, Verantwortung und Gerechtigkeit stellt. Und es wird beunruhigend deutlich, was die Dimension der Aufgabe ist und wie wenig zu ihrer Bewältigung geschieht.
Interviews mit Harald Welzer über sein Buch "Klimakriege" in der tageszeitung und in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Besprechung in der Financial Times Deutschland, der Neuen Zürcher Zeitung, der Süddeutschen Zeitung, der Welt am Sonntag, im Deutschlandradio Kultur, in der ZEIT, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Welt, im Tagesspiegel im Deutschlandfunk und im Hessischen Rundfunk.
Berichte im MDR Fernsehen und im hr Fernsehen.
Radiobeitrag von Harald Welzer im Deutschlandfunk (Audio); Gespräch im Deutschlandfunk.
Platz 2 der Sachbuchliste buchhandel.de im Juni 2008.
KWI startet neuen Forschungsschwerpunkt KlimaKultur

© Georg Lukas
Welche sozialen Gefahren, aber auch Chancen bergen die durch den Klimawandel verursachten Veränderungen? Und wie werden Katastrophenerfahrungen von Individuen und Gesellschaften verarbeitet? Diesen und anderen Fragen geht der von der Stiftung Mercator geförderte neue Forschungsschwerpunkt KlimaKultur am KWI nach. Die Neueinrichtung des Schwerpunkts haben Claus Leggewie, KWI-Direktor, und Bernhard Lorentz, Leitender Geschäftsführer der Stiftung Mercator, am 27. Mai 2008 in Essen verkündet.
Paul Krugman spricht über die Zeit „nach Bush“

Vor rund 250 Zuhörern hat der Ökonom Paul Krugman am 20. Mai 2008 in der Essener Philharmonie sein neues Buch „Nach Bush. Das Ende der Neokonservativen und die Stunde der Demokraten“ vorgestellt. Über die wachsende soziale Spaltung der USA und die Ära nach Bush diskutierte der Professor der Universität Princeton mit dem Publikum und den Gastgebern Claus Leggewie, Direktor des KWI, und Ulrich Reitz, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ).
Neuerscheinung: Philosophie der Epochenschwelle. Augustin zwischen Antike und Mittelalter
Peter Seele untersucht in dem im Verlag Walter de Gruyter erschienenen Band Augustin als Repräsentant des Übergangs von der Antike zum Mittelalter.
Essener Schülerinnen und Schüler stellen Fragen an Friedrich Wilhelm Graf

Mit rund 300 Schülerinnen und Schülern des Burggymnasiums in Essen hat der Theologe Friedrich Wilhelm Graf über die Frage diskutiert, wie Menschen unterschiedlicher kultureller und ethnischer Herkunft wie auch verschiedener Religionen in einer globalisierten Welt friedlich miteinander leben können. Grafs Schulbesuch am 06.05.2008 fand im Rahmen der Vorlesungsreihe „Reden über den Humanismus. Menschlichkeit in den Konflikten der Gegenwart“ des von der Stiftung Mercator geförderten KWI-Projekts „Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ statt.
Experten diskutieren über „Sakralbauten und Moscheekonflikte"

© Wilfried Dechau, Stuttgart
Der Neubau einer Moschee wird häufig von Protesten und Konflikten begleitet. Am 5. und 6. Mai haben sich diesem Thema Architekten, Juristen, Stadtplaner, Kulturwissenschaftler und Entscheidungsträger bei einer Tagung des KWI und frei04-publizistik gewidmet. Erstmals in dieser Zusammensetzung thematisierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Formgebung von Sakralbauten und gingen der Frage nach, ob und wie die Auseinandersetzung über die äußere Gestalt religiöser Bauten zur Entspannung kultureller Anerkennungskonflikte beitragen kann. Eine Ausstellung über Moscheebauten und -projekte begleitete die interdisziplinäre Tagung.
Bericht in der WAZ, im Kölner Stadtanzeiger, in der NZZ und in der FAZ.
Friedrich Wilhelm Graf hält erste Rede über Religion und Humanismus
In der Vorlesungsreihe „Reden über den Humanismus. Menschlichkeit in den Konflikten der Gegenwart“ hat der renommierte Theologe Friedrich Wilhelm Graf am 28. April 2008 seine erste Rede gehalten. In der jährlichen Vortragsreihe präsentiert das von der Stiftung Mercator geförderte KWI-Projekt „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ der Öffentlichkeit zentrale Aspekte seiner Arbeit. Weitere Termine: 5. und 6. Mai 2008, 19 Uhr, Aalto-Theater Essen.
Tagung über Globalisierung kultureller Konflikte
Auf der internationalen KWI-Tagung „Multiple Universalisms“ diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom 24. bis 26. April 2008 über Wege aus der Globalisierung kultureller Konflikte. Teilnehmer der von der VolkswagenStiftung, der Stiftung Mercator und der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Veranstaltung in Essen waren unter anderem Hans-Georg Soeffner, Hongguang Luo, Nur Yalman, Jörn Rüsen, Huang Ping und Fritz-Heiner Mutschler.
KlimaKultur im Ruhrgebiet
In der Reihe "200 Jahre kommunale Selbstverwaltung" sprach Claus Leggewie am 22. April 2008 in der Philharmonie Essen über den Klimawandel als kommunale Herausforderung im Ruhrgebiet; Bericht in der WAZ vom 23.04.2008.
In seinem Vortrag erläuterte er notwendige politische Reformen, verwies auf neue Konzepte der Stadt- und Raumplanung und entwickelte wissenschaftliche Perspektiven im Umgang mit den kulturellen und sozialen Folgen des Klimawandels.
Das KWI richtet derzeit einen von der Stiftung Mercator geförderten Forschungsschwerpunkt KlimaKultur ein.
Benjamin Barber im KWI
Der renommierte Politologe und Politikberater Benjamin Barber hat am 16.04.2008 im KWI sein neues Buch "Consumed. Wie der Markt Kinder verführt, Erwachsene infantilisiert und die Demokratie untergräbt" vorgestellt. Darüber hinaus diskutierte der einstige Berater Bill Clintons mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Gästen des KWI über die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA.
Neuerscheinung: Europa im Spiegel der Kulturwissenschaften
Europa ist in den letzten Jahren zu einem Leitthema der Kultur- und Sozialwissenschaften geworden, was zu einer deutlich wahrnehmbaren 'Europäisierung' ihrer leitenden Fragestellungen, Inhalte und Forschungskonzepte geführt hat. Der von Friedrich Jaeger und Hans Joas herausgegebene Band bietet eine aktuelle Orientierung über den gegenwärtigen Stand der sozial- und kulturwissenschaftlichen Europaforschung.
Verlagshinweis
Buchpräsentation: Verantwortung als marktwirtschaftliches Prinzip
Am 31. März 2008, 19.00 Uhr diskutieren die Herausgeber Ludger Heidbrink und Alfred Hirsch (Kulturwissenschaftliches Institut, Essen) mit Alexandra Hildebrandt (Arcandor AG, Essen) und Kurt Röttgers (FernUniversität Hagen) im Kulturwissenschaftlichen Institut; die Veranstaltung wird von Andrej Klahn (K.West, Essen) moderiert.

Jan-Philipp Reemtsma zu Gast in Essen
In der Reihe Lesart Spezial diskutierte am 11. März Jan-Philipp Reemtsma mit Harald Welzer und Claus Leggewie über sein neues Buch Vertrauen und Gewalt in der Buchhandlung Proust. Die Diskussion wurde am 23. März, 12.30 Uhr im Deutschlandradio gesendet.
Vom Nutzen und Nachteil des Unternehmertums
Das Kolloquium "Vom Nutzen und Nachteil des Unternehmertums“ findet vom 18.-19. März unter der Leitung von Ludger Heidbrink und Peter Seele am KWI statt.
Das Kolloquium setzt sich mit den Erfolgen und Leistungen, aber auch den Krisen und Fehlentwicklungen des Unternehmertums in der Moderne auseinander. Im Vordergrund stehen die kulturellen Grundlagen sowie die ökonomischen und sozialen Perspektiven unternehmerischen Denkens und Handelns. Das Ziel der Veranstaltung besteht darin, ein facettenreiches und differenziertes Bild zu entwickeln, das der wachsenden Bedeutung des Unternehmertums am Beginn des 21. Jahrhunderts gerecht wird.
Tagungsprogramm Unternehmertum
Kolloquium
Geschäftsstelle „Kontaktbüro Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010“ eingerichtet
Seit Januar 2008 besteht am Kulturwissenschaftlichen Institut die Geschäftsstelle „Kontaktbüro Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010“. Das Kontaktbüro ist eine gemeinsame Initiative des KWI und der RUHR.2010 GmbH. Das Büro wird von Annina Lottermann geleitet.
Weitere Informationen
Zahl des Tages: 70,1%
Mit 70,1% der abgegebenen Stimmen, einem Sieg nach Plan hat der Kremlfavorit Dimitri Medwedjew die russische Präsidentenwahl für sich entschieden. Doch nicht nur die Wahlbeteiligung wurde tatkräftig durch heiße Piroggen in den Wahllokalen gefördert, ganze Belegschaften von Unternehmen (wie in Nowosibirsk) oder wissenschaftliche Kollegien an Universitäten wurden massiv unter Druck gesetzt, für den Kreml-Kandidaten Medwedjew zu stimmen. Die russische Wahlbeobachtergruppe Golos (Stimme) berichtete heute von zahlreichen weiteren Unregelmäßigkeiten – die OSZE hatte ohnehin wegen Behinderungen auf die Wahlbeobachtung verzichtet.
Also alles nur Manipulation am Wahltag? Keinesfalls! Denn faktisch ist die Zustimmung im Land für Putin wie für den von ihm ernannten Nachfolger enorm. Putin hat dafür gesorgt, dass die relativ demokratischen 90er Jahre bei den Menschen den Eindruck absoluter Unordnung hinterlassen haben und sich die autoritäre Führung Putins als Zeit des Wohlstandes in den Köpfen der Menschen eingebrannt hat. Die künftige Zustimmung für Medwedjew wird wesentlich von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Kritik am politischen Kurs wird sich weniger an mangelnder Pressefreiheit oder Demokratie entzünden als an der Inflation.
200 Jahre kommunale Selbstverwaltung

Am 26. Februar fand in der Philharmonie Essen die Auftaktveranstaltung 200 Jahre kommunale Selbstverwaltung - Quo Vadis? statt. Prof. Dr. Klaus Tenfelde (Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum) rekonstruierte in seinem Festvortrag die Geschichte der deutschen Kommunalverfassung im 19. und 20. Jahrhundert. Er wies gleichzeitig auf die aktuellen Herausforderungen der Städte angesichts der Folgen des Strukturwandels, der demographischen Entwicklung sowie der Migrationsbewegungen hin.
Die von der Stadt Essen, dem Kulturwissenschaftlichen Institut und der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam veranstaltete Reihe wird am 11. März 2008 fortgesetzt mit Prof. Dr. Jörg Bogumil vom Lehrstuhl Vergleichende Stadt- und Regionalpolitik (Ruhr-Universität Bochum) und der Frage „Kommunale Selbstverwaltung am Ende?“.
Weitere Termine: 22.04./Klimawandel, 24.06./Umwelt, Ver- und Entsorgung, 26.08./Bürgerschaftliches Engagement, 23.09./Wohnen, 28.10./Verkehr.
200 Jahre kommunale Selbstverwaltung
Neuerscheinung: Verantwortung als marktwirtschaftliches Prinzip
Im Campus Verlag ist der neue Sammelband "Verantwortung als marktwirtschaftliches Prinzip. Zum Verhältnis von Moral und Ökonomie" erschienen. Die Autoren des Bandes gehen den Widersprüchen
zwischen Markt und Moral nach. Sie prognostizieren das Ende der sozialen Marktwirtschaft und entwerfen Perspektiven für eine globale Marktwirtschaft, die durch die Verbindung von ökonomischer Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung geprägt ist.
Verantwortung als marktwirtschaftliches Prinzip
Open Access
Einen weiteren Durchbruch für den freien und offenen Zugang zur laufenden Forschung durch kostenlose elektronische Publikation ermöglichte die Faculty of Arts and Sciences (FAS) der Harvard University. Harvard gibt damit ein wichtiges Signal an die weltweite wissenschaftliche Gemeinschaft, dass jenseits der immer exklusiver werdenden Zeitschriftenpublikation die Möglichkeit besteht, Forschungsergebnisse online publik zu machen. Das "institututional repository" wird von der Fakultät betrieben. Viele wichtige Forschungseinrichtungen sind seit 2002 der Budapest Open Access Initiative beigetreten.
"Made in Germany"
Auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts und des Goethe-Instituts diskutierten am 12. und 13. Februar 2008 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Vertreter von Wissenschaftsorganisationen und Journalisten in der Philharmonie Essen über die Bedeutung der deutschen Geisteswissenschaften in der Vergangenheit und deren Zukunftsperspektiven vor dem Hintergrund der rasanten methodischen und thematischen Vernetzung und der Internationalisierung der Wissenschaftssysteme.
Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 16./17. Februar 2008.
Symposium zur Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung des KWI und der Sparkasse Essen diskutierten am 7. Februar 2008 unter der Leitung von Jörn Rüsen (KWI) Hartwig Fischer (Museum Folkwang), Torsten Oltmanns (Roland Berger Strategy Consultants GmbH), Ulrich Reitz (WAZ), Willi Sahlmann (Sparkasse Essen), Oliver Scheytt (Ruhr.2010) und Katharina Schwalm-Schäfer (Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW) über die kulturellen Potenziale der Metropole Ruhr. Als neuen Slogan für die Kulturhauptstadt favorisierte Oliver Scheytt an diesem Abend "Bleibt alles anders".
Aschermittwoch am KWI: Relaunch unserer Webseite
Liebe BesucherInnen des KWI,
Sie befinden sich auf der neuen Homepage des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, die nun anders aussieht und mehr Inhalte bietet. Wir hoffen, Sie finden sich gut zurecht, und sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen. Hergestellt wurde diese Seite durch unseren Partner Netzlaboranten.
Neu - www.kulturwissenschaften.de
Wir sind nicht nur www.kwi-nrw.de, sondern auch www.kulturwissenschaften.de Unter dieser Adresse begrüßen wir alle Besucher, die sich für neue Entwicklungen in den Kulturwissenschaften interessieren und zeigen, was das KWI auf diesem Gebiet geleistet hat und noch leisten möchte.