Auftaktveranstaltung des Virtuellen Instituts „Transformation – Energiewende NRW“

v.l. Manfred Fischedick, Hans J. Lietzmann, Karin Schürmann, Görge Deerberg, Jürgen Schultze, Martin Faulstich
© KWI, Foto: Steven Engler

In Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH führte das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 22.Juni die Auftaktveranstaltung des Virtuellen Instituts „Transformation – Energiewende NRW“ in Düsseldorf durch. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, durch die Katja Pietzner und Daniel Vallentin vom Wuppertal Institut leiteten, standen die sozioökonomischen und kulturellen Problemstellungen, denen sich das Virtuelle Institut widmet. In ihrem Impulsvortrag griffen Manfred Fischedick (Wuppertal Institut) und Steven Engler (KWI) eben diese Implikationen auf und zeigten, in welche wissenschaftliche und strukturelle Richtung sich das Virtuelle Institut entwickeln kann. Der Impulsvortrag diente zudem als Input für die anschließende Diskussionsrunde. Im Verlauf der Veranstaltung gab Martin Faulstich (Sachverständigenrat für Umweltfragen) einen Überblick über Forschungsaktivitäten sowie zukünftige Anforderungen der Forschungsförderung im Bereich der Energiewende auf Bundesebene. Dabei ging er gezielt auf die Themen des Virtuellen Instituts ein. Sein Vortrag mündete in eine Podiumsdiskussion. Hans J. Lietzmann (Bergische Universität Wuppertal), Karin Schürmann (Forschungszentrum Jülich), Görge Deerberg (Fraunhofer Umsicht), Jürgen Schultze (Sozialforschungstelle Dortmund) und Martin Faulstich debattierten NRW‐spezifische Anforderungen an zukünftige Forschungsaktivitäten zur Energiewende sowie Synergieeffekte auf Bundesebene.

Miriam Wienhold, 02.07.15

Zukunftswerkstatt: „Nachhaltigkeit für Bochum“

Zukunftswerkstatt: „Nachhaltigkeit für Bochum“
© KWI, Foto: Sarah Olschewski

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Bochum führte das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 20. Juni 2015 die Zukunftswerkstatt „Nachhaltigkeit für Bochum“ in der Sternwarte Bochum als Teil des Seminars „Partizipation und Governance“ durch. Die Teilnehmer setzten sich aus einem diversen Kreis an Akteuren der Nachhaltigkeitsbewegung in der Stadt Bochum, Vertretern des lokalen Agenda Beirates, der Stadtverwaltung sowie Studierenden der Hochschule Bochum zusammen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Steven Engler und Petra Schweizer-Ries unter der Schirmherrschaft der Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz.
Bei der Zukunftswerkstatt wurde ein konstruktiv-kritischer Blick auf die vergangenen 15 Jahre der „Lokalen Agenda“ in Bochum geworfen. Man sammelte Ideen, wie es weitergehen kann und wie gemeinsam geplant werden kann, was als nächstes zu tun ist. Zum Abschluss der Veranstaltung haben sich bereits weitere Gruppen innerhalb der Teilnehmer gefunden, die sich in Kürze Themen wie der Klimafrage, der Digitalisierung und der Vernetzung widmen wollen.

Helena Rose, 29.06.15

Tagung: „Coming to Terms with the Armenian Genocide: 100 Years On”

Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Tagung
© KWI, Foto: Georg Lukas

Im Frühjahr 1915 begann die Deportation und Ermordung von Hunderttausenden von Armeniern im Osmanischen Reich. Während die offizielle türkische Geschichtsschreibung bis heute die Ereignisse von 1915 nicht als Völkermord anerkannt hat, bezeichnen Armenier sie als Mets Yeghern (großes Verbrechen) oder Aghet (Katastrophe), während die internationale fachwissenschaftliche Diskussion von „Genozid" spricht. Der Aufarbeitung und den politischen und kulturellen Folgen des armenischen Völkermords widmete sich die überaus lebhafte internationale Tagung „Coming to Terms with the Armenian Genocide: 100 Years on”, die vom 18.-19. Juni unter der wissenschaftlichen Leitung von Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunkts InterKultur am Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), und Kader Konuk, Direktorin des Instituts für Turkistik der Universität Duisburg-Essen, am KWI stattfand. Sozial- und Kulturwissenschaftler/innen aus den USA, der Türkei, Israel, Großbritannien und Deutschland debattierten – mit großer Sachkenntnis und gelegentlich ebenso großer Leidenschaft – den transeuropäischen Zusammenhang des Völkermordes während des Ersten Weltkriegs, die Komplizenschaft einiger deutscher Militärs, die „große deutsche Genozid-Debatte“ (Stefan Ihrig) in den frühen zwanziger Jahren, schließlich die Rolle der armenischen Diaspora und die Spiegelung der Ereignisse in der Literatur bis heute. Die wissenschaftliche Diskussion wurde ergänzt durch Perspektiven von Künstler/innen und Schriftsteller/innen, mit denen gemeinsam Kernfragen der Anerkennung, des Vergebens und der Erinnerungskultur erörtert wurden. Eine Fortsetzung und Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Professor Konuk und dem KWI ist geplant.

Helena Rose, 25.06.15

Das Lachen der Täter – Diskussion mit Klaus Theweleit

Klaus Theweleit
© KWI, Foto: Georg Lukas

Warum lachen bestimmte Täter bei ihren inszenierten Gräueltaten? Diese Frage beschäftigt den Kultur-theoretiker Klaus Theweleit.
Am 11. Juni stellte er sein Psychogramm „Das Lachen der Täter: Breivik u.a.“ (Residenz Verlag, St. Pölten 2015) im Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI). Vor ausverkauftem Saal debattierte er mit Journalistin Christiane Hoffmans und KWI Senior Fellow Volker Heins über die Lust von Nazis, Islamisten und anderen Massenmördern am Morden. Erschreckend klar beschrieb Theweleit Situationen, die Menschen zu Tötungsmaschinen machen. Vom Norweger Anders Breivik über den Islamischen Staat bis hin zum Nationalsozialistischen Untergrund spannte er den Bogen in seinen Beschreibungen lachender Täter. Den heterogenen Situationen ist eine regelrechte „Tötungslust“ gemein. „Alle sind zum Lachen fähig“, hielt Theweleit fest und wies auf die anthropologische Sicht hin, dass Lachen ursprünglich aus einer gestoppten Beißbewegung hervorgehe. Bereits in seinen renommierten „Männerphantasien“ (Roter Stern, Basel 1977) hatte sich Theweleit mit dem innerlich fragmentierten, gewalttätigen Körper beschäftigt. In seinem aktuellen Werk greift er auf einige dieser Thesen zurück. Volker Heins wies in seinem Kommentar auf das Paradox hin, dass ein bestimmter Typ von Grausamkeit nur vor einer immer weniger grausamen Gesellschaft funktionieren und seine terroristische Wirkung entfalten kann. Christiane Hoffmans stellte hartnäckige Fragen nach den Bedingungen des moralischen Fortschritts in der von Theweleit geschilderten dunklen Welt. Das Thema löste eine intensive Diskussion zwischen Publikum und Podiumsgästen aus.

Miriam Wienhold, 22.06.15

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Navid Kermani

Navid Kermani
© Villa Massimo, Rom

Der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015. Dies teilte der Stiftungsrat in Frankfurt mit. Kermani sei „eine der wichtigsten Stimmen in unserer Gesellschaft, die sich mehr denn je den Erfahrungswelten von Menschen unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft stellen muss, um ein friedliches, an den Menschenrechten orientiertes Zusammenleben zu ermöglichen.“ Zuletzt äußerte sich der Essayist vor allem kritisch über die deutsche Flüchtlingspolitik. Zwischen 2009 und 2011 war Kermani Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Hier vollendete er unter anderem sein Buch „Dein Name“ (Hanser Verlag, München 2011). Schwerpunkt seiner von der Stiftung Mercator geförderten Fellowship war das wissenschaftliche Projekt „Orientalistik als Kulturwissenschaft“. Auch nach seiner Zeit als KWI-Fellow blieb Kermani dem Institut eng verbunden. Gemeinsam mit Claus Leggewie führt er seit 2011 den erfolgreichen „Literarischen Salon“ in Essen und Köln durch („Schriftsteller zu Gast bei Navid Kermani und Claus Leggewie“). Die Veranstaltungsreihe erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist mit rund 25.000 Euro dotiert und gilt als eine der bedeutendsten Würdigungen bundesweit. Für sein wissenschaftliches wie literarisches Werk ist Kermani bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Immer wieder beschäftigt sich der renommierte Autor in seinen Sachbüchern mit dem Koran und islamischer Mystik. Zuletzt erschien sein Roman „Große Liebe“ (Hanser Verlag, München 2014).

Miriam Wienhold, 18.06.15

Gustav Heinemann: Ein Essener Bundespräsident

v. l. Claus Leggewie, Jürgen Schmude, Peter Heinemann, Thomas Flemming
© KWI, Foto: Birthe Dobertin

„Was ein Rücktritt doch alles bewirken kann“, darüber sinnierte Thomas Flemming, Historiker und Autor des Buches „Gustav W. Heinemann. Ein deutscher Citoyen. Biographie über den ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann“ (Klartext Verlag, Essen 2013) am 9. Juni im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Für viele Politiker bedeutet ein Rücktritt das Ende ihres Wirkens. Für Gustav Heinemann bewirkte er das Gegenteil. Sein Ausscheiden als CDU-Innenminister im Kabinett Adenauer befeuerte seine Popularität und politische Karriere. Aus Protest gegen die deutsche Wiederbewaffnung legte Heinemann sein Amt nieder, die Remilitarisierung sah er als Gefahr für eine Wiedervereinigung. Wo Adenauer eine „Politik der Stärke“ gegenüber der Sowjetunion pflegte, war er für den Dialog. Ein liberaler Geist, der für seine Überzeugung auch unbequeme Entscheidungen nicht scheute. Anfang der 1960er erfolgte der Wechsel zur SPD. Äußerlich ein starker Bruch, doch „lieber die Partei wechseln, als seine Überzeugung“, so Heinemanns Devise. Thomas Flemming zeichnete am KWI ein facettenreiches Bild des Politikers und diskutierte gemeinsam mit Heinemanns Sohn Peter Heinemann und seinem Weggefährten Jürgen Schmude über Leben und Wirken des Ausnahmepolitikers. Vor allem die Liberalisierung des Rechts, die sich bis heute auswirkt, ist dem ehemaligen Justizminister zuzuschreiben. Als „Bürgerpräsident“ geht der erste sozialdemokratische Bundespräsident schließlich in die Geschichte ein. Er repräsentierte eine gesellschaftliche Modernisierung, engagierte sich für die Aussöhnung mit europäischen Nachbarstaaten und wollte den Deutschen ihr „obrigkeitsstaatliches Denken ausreden“. Mit dem Diskussionsabend würdigte das KWI diesen bedeutenden Politiker und Essener Bürger. „Wir wollen Gustav Heinemann in Essen und darüber hinaus wieder bekannter machen“, so Claus Leggewie, Gastgeber und Moderator der Diskussion.

Miriam Wienhold, 16.06.15

Netzwerktreffen Orte des Fortschritts

v.l. Björn Ahaus, Steven Engler, Armin Flender, Michael Groschek, Svenja Schulze
© MIWF, Foto: Rainer Hotz

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek besuchten anlässlich des Netzwerktreffens „Orte des Fortschritts“ am 1. Juni 2015 in Düsseldorf auch den Stand des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Hierbei erläuterten Armin Flender, Steven Engler und Björn Ahaus Themen und Arbeitsweisen des Instituts, das als kulturwissenschaftliches Forschungskolleg der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen fungiert. Mit besonderem Interesse informierten sich die Ministerin und der Minister über die KWI-Schwerpunktprojekte in den Bereichen PartizipationsKultur und Transformation/Energiewende. Das KWI war 2012 im Rahmen der Initiative „Fortschritt NRW“ von Frau Ministerin Svenja Schulze als „Ort des Fortschritts“ ausgezeichnet worden.

Miriam Wienhold, 11.06.15

Vortrag: „Ideology Beyond Belief: Social Practices and the Objects of Critique“

Sally Haslanger
© Jon Sachs / MIT SHASS Communications

Wenn eine Ideologie als Netz aus Überzeugungen interpretiert wird, dann liegt es nahe, Ideologiekritik als argumentative Praxis zu begreifen. Das bessere Argument überwindet problematische Überzeugungssysteme. Ausgehend von der Beobachtung, dass sich diese Interpretation von Ideologiekritik mindestens zwei massiven Schwierigkeiten ausgesetzt sieht, hat Sally Haslanger in ihrem Vortrag „Ideology Beyond Belief: Social Practices and the Objects of Critique“ am 28. Mai im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) eine Alternative vorgestellt. Die erste Schwierigkeit resultiert aus der Tatsache, dass oft eine geteilte normative Basis fehlt um Personen argumentativ erfolgreich von der Falschheit ihrer Einstellungen zu überzeugen. Das zweite Problem besteht darin, dass Ideologien Tatsachen schaffen, die ihrerseits wieder zur Rechtfertigung der Ideologie herangezogen werden können. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, setzt Haslanger bei der These an, dass Überzeugungen und normative Orientierungen von individuellen Erfahrungen bestimmt werden, und dass diese Erfahrungen wiederum von etablierten sozialen Praktiken abhängen. Erfolgreiche Ideologiekritik besteht dann unter anderem darin, neue Praktiken zu entwickeln, um so die Voraussetzung für eine Änderung des Raums an möglichen Erfahrungen zu schaffen. So wird eine neue Perspektive eröffnet, nicht auf begrifflicher sondern auf praktischer Ebene, und normative Orientierungen können revidiert werden.
Die Veranstaltung wurde vom KWI-Arbeitskreis „Angewandte analytische Philosophie“ in Kooperation mit dem Institut für Philosophie der Universität Duisburg-Essen ausgerichtet.

Helena Rose, 10.06.15

Ian Buruma: „'45. Die Welt am Wendepunkt“

Ian Buruma
© KWI, Foto: Georg Lukas

Am 7. Mai 2015 hielt der englisch-niederländische Autor und Publizist Ian Buruma im Rahmen des Symposiums „On Liberty Today“ zum 25-jährigen Bestehen des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) einen Vortrag zum Thema seines jüngst erschienenen Buches „'45. Die Welt am Wendepunkt“ (Carl Hanser Verlag, München 2015).
Obwohl das Ende des Zweiten Weltkriegs inzwischen als Befreiuung gefeiert wird, wies Buruma darauf hin, dass die wiedergewonnene Freiheit als solche relativ war, weil sie sich größtenteils auf den Westen beschränkte, während die Kolonialstaaten ihren Kampf um Freiheit erst begannen. In Deutschland setzte zudem schon bald ein ‚freiwilliges Vergessen‘ ein, das unter Adenauer die Entnazifizierung rasch beendete und früheren Eliten (ähnlich wie in Japan) die Rückkehr in das politische System und Deutschland die Zugehörigkeit zu den westlichen Alliierten ermöglichte.
Gleichzeitig brachte das Jahr 1945 einen Idealismus hervor, der geprägt war vom Wunsch nach Veränderung und Abwahl der alten Eliten und eine Stärkung der Linken zur Folge hatte. So wurde beispielsweise Winston Churchill im Sommer 1945 als Vertreter der Vorkriegsgesellschaft zu Gunsten der Labour Partei abgewählt. Der „Konsens von 1945“, der auch die europäische Einigung vorantrieb, war, so Buruma, der Glaube an einen Internationalismus und eine Weltregierung, die zukünftige nationalstaatliche Alleingänge verhindern sollte.
Buruma konstatiert, dass dieser Konsens inzwischen stark unter Druck geraten sei. Als Beispiele und Wendepunkte nennt er die Regierungen Thatcher und Reagan, das Ende des Ostblocks und den damit verbundenen Wegfall eines Gegenmodells zum Kommunismus in Russland sowie den Prestigeverlust der Linken, eine verstärkte Hinwendung zu Individualismus, Neoliberalismus sowie das Erstarken populistischer (linker wie rechter) Bewegungen. Auch die Europäische Union leidet darunter, dass der Nachkriegskonsens nicht mehr vorherrschend ist und die EU zunehmend als ein von oben gesteuertes technokratisches Projekt gesehen wird.
Um neue Impulse für ein vereintes Europa zu gewinnen, schlug Buruma in der anschließenden Diskussion vor, sich wieder vermehrt auf die gemeinsamen Interessen und Ideale zu besinnen. Ein gemeinsames Sicherheitsbedürfnis, der Wunsch nach weniger Abhängigkeit von den USA und in Folge eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik könnten Ansatzpunkte sein.

Helena Rose, 03.06.15

KWI on Tour: „Die Nachkriegszeit im Ruhrgebiet – Vom Wiederaufbau bis zum Wirtschaftswunder“

Die weitgehend unzerstörte Synagoge, Essen 1945
© Willy van Heekern / Fotoarchiv Ruhr Museum

Wie wurden die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs im Ruhrgebiet bewältigt und auf welche Weise wurde in der sogenannten ‚Stunde Null‘ der ökonomische, politische, kirchliche und soziokulturelle Wiederaufbau der Region in Angriff genommen? Welche Weichen-stellungen erfolgten darüber hinaus in dieser Zeit für den Durchbruch des Wirtschaftswunders zu Beginn der 50er Jahre, welche Grundlagen wurden dafür gelegt und wer waren in diesem Prozess die wichtigsten Akteure? Diesen und weiteren Fragen war die Podiumsdiskussion „Die Nachkriegszeit im Ruhrgebiet – Vom Wiederaufbau bis zum Wirtschaftswunder“ am 11. Mai in der Essener Kreuzeskirche gewidmet. Moderiert von Friedrich Jaeger erörterten die Historiker Stefan Berger, Ulrich Borsdorf, Stefan Goch, Heinrich Theodor Grütter und Ulrich Herbert in pointierten Statements zentrale Aspekte der Ruhrgebietsgeschichte in der Nachkriegszeit. Sie verglichen die Geschichte des Ruhrgebiets mit der Entwicklung anderer europäischer Industrieregionen der Nachkriegszeit und diskutierten die Frage, ob andere Entwicklungspfade als der letztlich realisierte denkbar gewesen wären. Schließlich wurde auch die Rolle des Ruhrgebiets der Nachkriegszeit in der gegenwärtigen – öffentlichen und wissenschaftlichen – Erinnerungskultur der Bundesrepublik thematisiert.
Mit dieser Veranstaltung haben das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) und das Forum Kreuzeskirche ihre Veranstaltungsreihe fortgesetzt, mit der sie an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren erinnerten.

Helena Rose, 27.05.15

Autor Szczepan Twardoch zu Gast in Essen

Szczepan Twardoch
© KWI, Foto: Georg Lukas

Szczepan Twardoch ist einer der Stars der europäischen Gegenwartsliteratur. Am 6. Mai war der polnische Autor zu Gast im Literarischen Salon in der Essener Buchhandlung Proust und sprach mit den beiden Gastgebern Claus Leggewie und Navid Kermani über seinen Roman „Morphin“ (Rowohlt, Berlin 2014). 2012 gelang Twardoch mit diesem Buch der Durchbruch: „Morphin“ wurde in Polen ein Bestseller und u.a. mit dem renommierten Polityka-Passport-Preis ausgezeichnet. In „Morphin" beschreibt der 1979 in Żernica geborene Autor ebenso bitterböse wie moralisch das rauschhafte Leben des Warschauer Kommandanten Konstanty Willemann zu Zeiten der deutschen Besatzung. Twardoch erzählt eine mitreißende Heldengeschichte und erschafft gleichzeitig ein Panorama des beginnenden Zweiten Weltkriegs.
Der Literarische Salon in Essen findet auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen.

Helena Rose, 18.05.15

Eberhard Lämmert

Eberhard Lämmert (1989)
© Freie Universität Berlin / Inge Kundel-Saro

Der langjährige Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), der Literatur-wissenschaftler Eberhard Lämmert, ist am 3. Mai 2015 im Alter von 90 Jahren verstorben. Eberhard Lämmert wirkte kenntnisreich und vermittelnd in Wissenschaft, Kultur und Politik. Er verstand sich ebenso auf subtile wissenschaftliche Analysen wie auf die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Positionen in akademischen und institutionellen Diskursen. 1955 legte er seine Dissertation „Bauformen des Erzählens“ vor, sie stellt bis heute einen bedeutenden Grundlagentext der Erzählforschung dar. Von 1961 bis 1970 war Lämmert Professor für Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin. Auf dem Deutschen Germanistentag 1966 in München sprach er über „Germanistik – eine deutsche Wissenschaft“, hier plädierte er für den Wandel, die Öffnung und die Internationalisierung des Faches. 1970 auf eine Professur für Allgemeine Literaturwissenschaft nach Heidelberg gewechselt, kehrte er 1976 nach Berlin zurück, wo er zum Präsidenten der Freien Universität gewählt wurde. Nach 1983 blieb er dort bis zu seiner Emeritierung als Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Von 1988 bis 2002 war Lämmert außerdem Präsident der Deutschen Schiller-gesellschaft und des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Dem KWI Essen war Eberhard Lämmert seit der Institutseröffnung bis in die Gegenwart mit Rat und Tat in ausgesprochener Freundschaft verbunden, von 1989 bis 2006 fungierte er als Vorsitzender des Institutsbeirats. Die Impulse und Erfahrungen von Eberhard Lämmert waren für den Aufbau und die erfolgreiche Konsolidierung des KWI von ganz besonderer Bedeutung. Beharrlich und engagiert hat er sich stets für die interdisziplinäre Ausrichtung der Institutsforschung und ihre Freiräume eingesetzt.

Helena Rose, 13.05.15

25 Jahre Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Statue of Liberty Paris

In der Umbruchzeit 1989/90 als Teil des Wissenschaftszentrums NRW gegründet und eröffnet, wird das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) in diesen Tagen 25 Jahre alt. Zu diesem Anlass findet am 7. und 8. Mai unter dem Motto „On Liberty Today“ ein intensives Rundgespräch zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KWI und geladenen Podiumsgästen statt.
Auf den Weg gebracht in der Phase des „Mauerfalls“ (und des Vordringens digitaler Medien), begleitete das KWI einen ungeahnten Aufschwung der freiheitlichen Demokratie, die zum globalen Standardmodell zu werden schien. Und in der Tat leben 2015 so viele Menschen wie noch nie in der Geschichte in Freiheit. Sie können sich frei bewegen, Meinungen und Gedanken global austauschen, oftmals als (ethnische, religiöse, sexuelle) Minderheiten ohne Diskriminierung leben. Die Bedrohungen der Freiheit sind andererseits unübersehbar: soziale Ungleichheit und globale Ungerechtigkeit schließen Milliarden vom Genuss der Freiheiten aus, digitale Netzwerke haben ein ungeahntes Maß an politischer Überwachung und sozialer Kontrolle mit sich gebracht, das wirtschaftliche Wachstum hat die Menschheit an planetarische Grenzen stoßen lassen, Biotechnologien stellen Fragen von Leben und Tod neu, gewalttätige Gruppierungen mit einem dezidiert antiliberalen Weltbild erfahren Zulauf.
Alle diese Fragen gehören seit 25 Jahren zum Forschungsprogramm eines an aktuellen Herausforderungen orientierten und an praktischen Lösungen interessierten Forschungskollegs. Sie sollen in einem zweitägigen Panel diskutiert werden und Grundlagen für die weitere erfolgreiche Arbeit des Instituts legen.

Helena Rose, 07.05.15

KWI on Tour: Vortrag und Konzert: „All Streit will sich in Einklang finden“

Essener Kreuzeskirche, © Tuxyso / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0
Essener Kreuzeskirche, © Tuxyso / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0

Nachdem im vergangenen Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht worden ist, jährt sich in diesem Jahr zum 70. Mal das Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Essener Forum Kreuzeskirche machte im Rahmen einer Veranstaltung am
26. April den Versuch, zwischen diesen beiden Jahrestagen eine Brücke zu schlagen – wissenschaftlich und musikalisch. Der Historiker Jörg Echternkamp setzte sich im Rahmen seines Vortrags mit der Frage aus-einander, ob die Epoche zwischen 1914 und 1945 ein zweiter Dreißigjähriger Krieg war. Das Für und Wider dieser in der Geschichtswissenschaft kontrovers diskutierten These eines „Zweiten Dreißigjährigen Krieges“ zwischen 1914 und 1945 legte Echternkamp im Rahmen seines Vortrags souverän abwägend dar. Er gelangte zu dem Schluss, dass nicht zuletzt die Einzigartigkeit des Holocaust einer wissenschaftlichen Analogie- und Kontinuitätsbildung zwischen den beiden Weltkriegen, wie sie mit der Rede von einem Zweiten Dreißigjährigen Krieg nahegelegt werde, Grenzen setze. Eingerahmt wurde der Vortrag von zwei Konzerteinlagen unter der Leitung von Stefanie Westerteicher. Aufgeführt wurden Werke von Don Carlo Gesualdo (1566-1613), Heinrich Schütz (1585-1672), Rudolf Mauersberger (1889-1971) und Hugo Distler (1908-1942), also bewusst von Musikern aus der Zeit der ‚beiden‘ Dreißigjährigen Kriege.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) statt. Am 11. Mai findet mit der Podiumsdiskussion „Die Nachkriegszeit im Ruhrgebiet - Vom Wiederaufbau bis zum Wirtschaftswunder“ eine weitere gemeinsame Veranstaltung des KWI und des Forums Kreuzeskirche in der Essener Kreuzeskirche statt.

Helena Rose, 29.04.15

Tagung: What does Philosophy Owe to its History? The Relation of Historical and Systematic Perspectives

Philosophie
© KWI, Foto: Susanne Pahl

Welche Rolle spielt die Geschichte der Philosophie für unseren heutigen Umgang mit philosophischen Fragen? Diese Frage steht im Zentrum der internationalen Tagung "What does Philosophy Owe to its History? The Relation of Historical and Systematic Perspectives", die vom 23. bis 25. April unter der Leitung von Marcel van Ackeren am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) stattfindet. In der Forschungspraxis zeigen sich unterschiedliche Reaktionen auf die Frage nach dem Verhältnis von historischer und aktueller Perspektive in der Philosophie: Einige Philosophen konzentrieren sich auf den historischen Kontext ohne aktuelle Debatten zu berücksichtigen. Andere diskutieren aktuelle Debatten ohne sich auf die Philosophiegeschichte zu beziehen. Eine dritte Gruppe, zu der eine steigende Anzahl von Philosophen zählt, versucht, die historische Perspektive mit einer aktuellen oder systematischen Perspektive zu verbinden. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Tagung gehen diesem Spannungsverhältnis, das insbesondere seit dem Aufkommen der analytischen Philosophie kontrovers diskutiert wird, in Vorträgen und Diskussionen nach.

Susanne Pahl, 23.04.15

KWI on Tour: Vortrag: Energiewende und Klimaschutz als europäisches Projekt

v.l. Claude Turmes, Claus Leggewie, Frederic Hanusch
© Bündnis 90/Die Grünen

Die Debatte um eine europäische Energieunion geht über die Frage der Versorgung mit Brennstoffen hinaus. Sie muss Ankerpunkt sein für eine Klima- und Bürgerunion, die das Projekt Europa mit einem neuen Integrationsschub voranbringt. Diese These stand im Mittelpunkt der Vorträge von Claus Leggewie und Frederic Hanusch bei einem Fachgespräch der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 20. März in Berlin. Unter dem Titel „Denken Sie groß!" waren Vertreter des Europäischen Parlaments wie Claude Turmes, Wirtschaftsverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen eingeladen, über den EU-Kommissionsvorschlag zur Schaffung einer Energieunion zu beraten. Die Wissenschaftler des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) verwiesen auf den Vorschlag einer „European Community for Energy Transition", welcher in einem Expertenworkshop am KWI entstand und im Policy Paper „Building Europe’s (Energy) Future. A Manifesto for an European Community for Energy Transition nachgelesen werden kann.

Helena Rose, 20.04.15

Neu im KWI-Kollegium: Kommunikationswissenschaftler Jo Reichertz

Jo Reichertz

Von1993 bis Anfang 2015 war
Jo Reichertz Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Im April wechselt er in das wissenschaftliche Kollegium des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Er leitet hier die Forschungsprojekte „Emotion. Eskalation. Gewalt“ und „Die Mediatisierung der deutschen Forensik: Aktivierte Zuschauer und private Unternehmer als Akteure auf dem forensischen Markt“, die beide von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden. Reichertz hat in der Vergangenheit zahlreiche Gastprofessuren im In- und Ausland sowie Herausgeberschaften für soziologische Schriftenreihen übernommen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Wissensschaftssoziologie, Urbanität und Sicherheit, Kommunikation und scientific community, Kommunikationsmacht, Work Place Studies, Polizeiarbeit, Qualitative Forschung, Hermeneutik und Nachhaltigkeitskommunikation (Entertainment Education). Mit dem Eintritt von Jo Reichertz ins KWI-Kollegium erweitert sich das Forschungsprofil des KWI um kommunikations- und medienwissenschaftliche Themen.

Helena Rose, 15.04.15

Vortrag: „Klima, Raum und Zeit im Wandel“

Klima, Raum und Zeit im Wandel. Eine ethnographische Untersuchung von Adaptationen und Konflikten auf der westfriesischen Insel Ameland

Weltweit ist der Umgang mit dem Klimawandel unterschiedlich. Die Niederlande reagieren mit veränderten Raumstrukturen auf klimatische Veränderungen. Dieser klimapolitische Ansatz stellt einen normativen Wandel dar, weil er vorsieht, Naturdynamiken von Wind und Wasser nicht länger abzuwehren, sondern räumlich zu integrieren – wo dies möglich ist. An politischen Programmen zu Anpassungsmöglichkeiten an die Folgen des Klimawandels besteht kein Mangel, Forschungsbedarf gibt es jedoch zu deren Umsetzung sowie zu grundlagentheoretischen Fragen. Mit diesen Aspekten setzte sich Lea Schmitt, Koordinatorin des Projekts „Rahmenprogramm zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen des Ruhrgebiets“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), im Rahmen ihrer Dissertation auseinander, die Anfang diesen Jahres unter dem Titel „Klima, Raum und Zeit im Wandel. Eine ethnographische Untersuchung von Adaptationen und Konflikten auf der westfriesischen Insel Ameland“ im oekom-Verlag erschienen ist. Am 24. März präsentierte sie im KWI die Ergebnisse ihrer Studie, in der sie die Widerstände der lokalen Bevölkerung gegenüber räumlichen Transformationen am Beispiel der westfriesischen Insel Ameland untersucht. Schmitt zeigte, dass durch die Rekonstruktion alltäglicher Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster unterschiedlicher Akteure durchdringend erklärt werden kann, weshalb es zwischen ihnen zu Kooperations-schwierigkeiten kommt. Die Kulturwissenschaftlerin erläuterte zudem, welche Bedeutung diese Befunde für die interpretative Politikforschung und die inter- und transdisziplinäre Transformationsforschung haben.
Der Vortrag fand auf Initiative des Vereins zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt. Der Förderverein verfolgt die Ziele, Forschung zu interdisziplinären und gesellschaftlich relevanten Fragen zu fördern, kulturwissenschaftliche Themen für ein öffentliches Publikum zugänglich zu machen und wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen.

Helena Rose, 30.03.15

Buchvorstellung: „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie“ mit Autor Claus Leggewie

v.l. Oliver Scheytt, Claus Leggewie, Michael Kleeberg
© KWI, Foto: Georg Lukas

In Claus Leggewies Autobiografie „Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie“ (C. Bertelsmann, München 2015) spiegelt sich der Lebenslauf vieler seiner Altersgenossen: kosmopolitisch, ökologisch engagiert, querdenkend haben sie Deutschland entscheidend mitgeprägt. Am 17. März stellte der Direktor des Kulturwissen-schaftlichen Instituts (KWI) sein Buch im KWI vor und diskutierte mit Oliver Scheytt, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Essen und Michael Kleeberg, freier Schriftsteller und Übersetzer. Neben Episoden aus seiner Kindheit in Köln Sülz – so traf ihn als junger Fußballfan ein Schuss von Helmut Rahn am Kopf – erzählte Leggewie nicht ohne Selbstironie von einem kurzen Ausflug als Schüler in die Politik, seinem Weg in die Wissenschaft, ersten Forschungsaufträgen in Frankreich und Algerien sowie frühen Lehraufträgen in Göttingen, bei denen er sich altersmäßig kaum von den Studenten in seinen Seminaren unterschied. Der Autor las Passagen aus seinem Buch und stellte sich auch Fragen nach dem Älterwerden, beruflichen Perspektiven und der Zukunft der Industrieregion Ruhrgebiet.
Claus Leggewie, geboren 1950, lehrt Politikwissenschaft und leitet seit 2007 das KWI. Er beschäftigt sich wissenschaftlich und publizistisch mit dem Nachleben der Geschichte in der kollektiven Erinnerung, mit den Grundlagen kooperativen Verhaltens in multikulturellen Gesellschaften und mit den Chancen der Demokratie in aktuellen Herausforderungen wie dem Klimawandel.
Die Buchvorstellung fand in Kooperation mit der Essener Buchhandlung Proust statt.

Helena Rose, 26.03.15

Autorin Gertrud Leutenegger zu Gast im Literarischen Salon

Gertrud Leutenegger
© KWI, Foto: Georg Lukas

Als 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und eine gewaltige Aschewolke den Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa zum Stillstand brachte, gab es in Metropolen wie London plötzlich eine ungewohnte Ruhe. Die Schweizer Autorin Gertrud Leutenegger nimmt dieses Ereignis in ihrem Roman „Panischer Frühling“ (Suhrkamp, Berlin 2014) zum Anlass, davon zu erzählen, was ein solcher Störfall in uns auslösen kann und wie Menschen sich auf einmal nahe kommen.
Am 11. März sprach Leutenegger im Literarischen Salon in der Essener Buchhandlung Proust mit den beiden Gastgebern Navid Kermani und Claus Leggewie über ihr Buch. Leutenegger lässt in der seltsamen, geradezu metaphysischen Stille, nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen dem Namenlosen „Ich“ der Geschichte und dem Engländer Jonathan entstehen, sondern erschafft auch ein Mosaik von Bildern und Erinnerungen, „einen riesigen Chor“, wie sie es selbst beschreibt. Ihr Roman ist keine lineare Geschichte, laut Kermani hat er keinen Reportagecharakter, präsentiert keinerlei Nachrichten und dennoch zeige sich in der assoziativen Schreibweise Leuteneggers eine hingebungsvolle Beobachtung, die den Dingen und Menschen ganz nahe kommt. In dieser Art des Erzählens bleibt alles im Fluss, „kein Satz ist mir wichtiger als ein anderer“, sagt Leutenegger. Dennoch seien ihre Bücher überhaupt nicht unpolitisch, dies werde von Kritikern im Literaturbetrieb bisher nur nicht wahrgenommen, so die Autorin.
Der Literarische Salon in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 6. Mai statt, zu Gast ist der polnische Autor Szczepan Twardoch.

Susanne Pahl, 23.03.15

Szenische Lesung: „Es gibt nicht genug Kartoffeln, es gibt nur Hunger“

Anette Daugardt
© KWI, Foto: Peter Wieler

Rezepte für Suppen aus Tulpenzwiebeln, Tagebucheinträge und Gesetzestexte – bei der szenischen Lesung im Grillo-Theater Essen am 10. März wurden ausgewählte Originaldokumente aus den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten Europas erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die von Schauspielerin Anette Daugardt gelesenen Fundstücke berichten eindrücklich vom Alltag der Menschen unter deutscher Besatzung, der vielfach von Mangel, steigenden Preisen, Schwarzmarkt und Hunger geprägt war. Unter der Moderation von Peter Haslinger diskutierten anschließend die Historikerin Tatjana Tönsmeyer, die Moskauer Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Irina Sherbakova sowie der in Paris forschende Historiker Stefan Martens gemeinsam mit dem Publikum. „Aus deutscher Perspektive ist es erschütternd, wie wenig bisher über das Leben der Menschen in den besetzten Gebieten bekannt ist“, sagte Tönsmeyer. Wie die Bevölkerung mit der Mangelsituation unter Besatzung umging, sei noch kaum erforscht. „In Russland war die Beschäftigung mit der Zeit der Besatzung jahrelang ein Tabu“, so Sherbakova. Die Aufarbeitung fand vor allem in literarischen Werken statt. Dabei zeigten die Dokumente aus den verschiedenen Ländern, wie unterschiedlich die Menschen die Besatzung erlebten. Martens betonte, wie wichtig daher eine länderübergreifende Perspektive bei der Erforschung sei.
Die in Kooperation mit dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung veranstaltete Lesung bildete den Auftakt zur Tagung "Societies Under Occupation in World War II: Supply, Shortage, Hunger", die vom 12. bis 14. März am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) stattfand.

Helena Rose, 19.03.15

Vortrag: „Fluide Identität – Wie kann ich mich entwickeln und dennoch derselbe bleiben?“

“Identity”, © Adaiyaalam via Wikimedia Commons
“Identity”, © Adaiyaalam via Wikimedia Commons

Im Laufe unseres Lebens verändern wir uns oft wesentlich und bleiben doch immer dieselbe Person. Diesem Spannungs-verhältnis von Stabilität und Wandel, von Entwicklung und Identität ging Werner Greve, Professor für Psychologie an der Universität Hildesheim, in seinem Vortrag „Fluide Identität – Wie kann ich mich entwickeln und dennoch derselbe bleiben?“ am 5. März im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) nach. Greve erklärte, dass das ‚Selbst‘ keine entscheidende und agierende Instanz sei. Vielmehr handele es sich um ein Konstrukt, das ein dynamisches Netzwerk von personenbezogenen Inhalten umfasst. Die Inhalte des Selbst bilden danach eine vielschichtige, vernetzte Wissensstruktur, die aus selbstbezogenen Informationen, Überzeugungen und Bewertungen besteht und sich im Laufe des Lebens ändert. Darüber hinaus gebe es Prozesse des Selbst, die es einer Person erlauben, ihr Selbstbild zu entwickeln, sich gegen Veränderungen zu wehren oder sich ihnen anzupassen. Diese seien in der Regel dem Bewusstsein nicht zugänglich, regulieren laut Greve aber maßgeblich den Umgang mit selbstbildinkonsistenten Informationen, sodass eine subjektiv erlebte Kontinuität und Kohärenz im Lebensverlauf aufrechterhalten wird. Greve zufolge ist das Selbst nichts anderes als die Historie und die Evolution der Strukturen und Prozesse des selbstbezogenen Inhaltssystems, das sich im permanenten Umbau befindet, wie ein Fluss. Wie der Rhein sich in seiner Komposition und in seinem Verlauf ständig verändert und dennoch derselbe Fluss bleibt, so ist das Selbst als ein dynamisches Wechselspiel zwischen Stabilität und Anpassung zu verstehen.
Die Veranstaltung fand im Rahmen des Workshops „Die (Entwicklungs-) Psychologie des Selbst: Neue Perspektiven?“ statt und wurde vom KWI-Arbeitskreis „Wissenschaft, Selbst und Kultur: Neue Perspektiven und Konzepte“ initiiert.

Helena Rose, 16.03.15

Neuerscheinung: Corporate Social Responsibility in der Logistikbranche

Corporate Social Responsibility in der Logistikbranche

Im Zentrum des Leitbegriffs der Corporate Social Responsibility (CSR) steht die Frage nach einem nachhaltigen und verantwortungsbewussten Unternehmenshandeln. Vor dem Hintergrund rasant zunehmender globaler Warenströme und damit verbundener ökologischer und sozialer Auswirkungen kommt gerade dem Logistikbereich besondere Beachtung zu.
Speziell zugeschnitten auf die Logistikbranche, analysiert der Band „Corporate Social Responsibility in der Logistikbranche“ (Erich Schmidt Verlag, Berlin 2014) die Schwierigkeiten und Chancen im Spannungsfeld von CSR und Nachhaltigkeit. Zentrale Themen sind die Bedeutung und Herausforderungen von Corporate Social Responsibility für die Logistikbranche, das branchenspezifische CSR-Management von der Konzeption bis zur praktischen Umsetzung sowie die betriebliche Praxis. Auch verwandte Themen wie Unternehmenskultur, Wertemanagement oder Unternehmenskommunikation werden im Band systematisch in den Kontext von CSR und Nachhaltigkeit eingebettet.
Das Buch ist im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts „Integriertes Corporate Social Responsibility-Management in Logistiknetzwerken“ (CoReLo) am Kulturwissenschaftschaftlichen Institut Essen (KWI) entstanden und wird von den ehemaligen KWI-Fellows Ludger Heidbrink, Nora Meyer, Johannes Reidel und Imke Schmidt herausgegeben.

Helena Rose, 12.03.15

Neues Projekt: Fortschrittskolleg NRW: Future Water

Future Water

Der Mensch nutzt die Ressource Wasser immer intensiver - dadurch sind Flüsse, Seen, Grundwasser und Meere erheblichen Veränderungen und Gefährdungen ausgesetzt. Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist deshalb eine zentrale Herausforderung unserer Zeit. Im Rahmen des „Fortschrittskollegs NRW: Future Water“ werden Fragestellungen rund um das Thema nachhaltige urbane Wasserkreisläufe aus ingenieurs-wissenschaftlicher, chemischer, ökonomischer, ökologischer, medizinischer, philosophischer und gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive betrachtet.
Innerhalb dieses Projekts befasst sich das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) mit dem Teilbereich Wasser und Governance. Johannes Euler promoviert am KWI zu der Frage, inwieweit die soziale Praxis des Commoning zur Lösung regionaler und globaler Wasserkonflikte beitragen kann. In der Praxis des Commoning betreiben und verantworten Menschen gemeinsam und in gegenseitigem Einverständnis die Produktion, Nutzung und Erhaltung von Ressourcen. Beispiele hierfür können u.a. in Unternehmungen wie Wikipedia, Freie Software, urbane Gärten und Community-supported Agriculture, in FabLabs und Repariercafés vorgefunden werden.
„Future Water“ wird im Rahmen der Forschungsstrategie „Fortschritt NRW“ vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Das Kolleg konstituiert sich aus insgesamt zwölf Promovierenden der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum, der Hochschule Ruhr-West, der EBZ Business School, der IUTA e.V. und des KWI, die in einem inter- und transdisziplinären Forschungsumfeld betreut werden.

Helena Rose, 09.03.15

Szenische Lesung: Leben und Überleben im besetzten Europa

Flyer zur Szenischen Lesung

„Es gibt nicht genug Kartoffeln, es gibt nur Hunger“ schrieb ein unbekannter tschechischer Autor in zittriger Handschrift auf den Rand eines Zeitungsausschnittes. Wo immer die deutsche Wehrmacht einrückte, bestimmten bald Mangel und Hunger den Alltag der Menschen unter Besatzung.
Die Lesung von Originaldokumenten aus den Jahren 1939-1945 am
10. März im Café Central des Essener Grillo-Theaters zeichnet ein Bild dieses Lebens und Überlebens unter deutscher Besatzung: Knappe Lebensmittel, Mangelernährung, Diskriminierung durch Lebensmittel-zuteilungen und Hungertod, aber auch Überlebensstrategien prägten den Besatzungsalltag Europas. Die von der Schauspielerin Anette Daugardt gelesenen Fundstücke diskutiert gemeinsam mit dem Publikum eine Expertenrunde aus Tatjana Tönsmeyer (KWI), Irina Sherbakova (MEMORIAL Moskau) und Stefan Martens (Deutsches Historisches Institut Paris) unter der Moderation von Peter Haslinger (Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung).Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungsflyer.

Helena Rose, 05.03.15

Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2015

Förderverein des KWI
© Förderverein KWI

Auch in diesem Jahr vergeben der Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und die Stiftung für Kulturwissenschaften den „Dissertationspreis Kulturwissenschaften". Ausgezeichnet werden hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit dem Preis wollen Förderverein und Stiftung die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs unterstützen und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften fördern. Bewerben können sich Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der drei UA Ruhr-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen, deren Promotionsverfahren in den Jahren 2013, 2015 oder bis Ende April 2015 abgeschlossen wurde. Bewerbungsschluss ist der 9. Mai 2015. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier.

Helena Rose, 02.03.15

Policy Paper: "BUILDING EUROPE’S (ENERGY) FUTURE"

Building Europe's (Energy) Future

Seit 2011 besteht am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) das von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierte Graduiertenkolleg „Herausforderung der Demokratie durch Klimawandel", in dem unter der Leitung von KWI-Direktor Claus Leggewie die Legitimität und Performanz nationaler und supranationaler Klimapolitik erforscht wird. Anhand von Beispielen aus China, Kanada oder der Europäischen Union stellten die Doktorandinnen und Doktoranden in einem Gesellschaftsvergleich Fragen nach den Auswirkungen unterschiedlicher Demokratietypen auf politische Entscheidungsfindungen im Bereich Klima und Nachhaltigkeit.
Neben den Promotionsarbeiten entstand als finales Statement des Kollegs nun ein in englischer Sprache verfasstes Policy Paper, das im Experten-Workshop „Renewable Energies in Europe and Beyond – Effective, Democratic and Fair?” von Wissenschaftlern, Ökonomen und Politkern am KWI diskutiert und beraten wurde. Zu den Experten zählen unter anderen der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer, der Europaparlamentarier Claude Turmes, Patrizia Nanz (KWI), Stephan Singer (Global Energy Policy WWF), Karen Smith Stegen (Jacobs University, Bremen), Hermann E. Ott (Wuppertal Institut) und Claus Leggewie (KWI). In einem partizipativen Veranstaltungsmodus konnten sie Kritik und Änderungsvorschläge am Paper einbringen.
Die vollwertigen Mitglieder des Graduiertenkollegs sind Maximilian Müngersdorff, Frederic Hanusch, Miriam Schad und Edgar Voss sowie als ehemals assoziierte Mitglieder Sophia Schönborn und Lea Schmitt. Koordiniert wurde das Kolleg zuletzt von Marcel Siepmann als auch von Bernd Sommer, Eleonora Rohland und Anne Kroh.

Helena Rose, 26.02.15

KWI-Klassikerworkshop: John Rawls

© FotoHiero / pixelio.de
© FotoHiero / pixelio.de

John Rawls' „Theorie der Gerechtigkeit" zählt zu den Klassikern der politischen Philosophie. Die Grundidee seines Werks ist, dass sich freie Menschen in einem ursprünglichen Zustand der Gleichheit auf für alle verbindliche Gerechtigkeitsprinzipien einigen sollen. Dazu beruft sich Rawls auf den Schleier des Nichtwissens, der die eigene soziale Stellung verbirgt. Das erste Prinzip sichert allen dieselben Grundfreiheiten. Das zweite Prinzip stellt Ungleichheiten in Einkommen und Vermögen unter Rechtfertigungszwang: diese sind nur dann legitim, wenn sie sich zum Wohle der Schlechtestgestellten auswirken.
Im Rahmen des KWI-Klassikerworkshops „John Rawls“ am 9. und 10. Februar im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) diskutierten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit den Referenten Henning Hahn (Universität Kassel) und Andreas Niederberger (Universität Duisburg-Essen) sowie der Leiterin Corinna Mieth (Ruhr-Universität Bochum) die Weiterentwicklung von Rawls Theorie zu einem „Recht der Völker". Im Zentrum stand die Frage, ob man die Theorie der Gerechtigkeit auf globale Verhältnisse übertragen kann und welche Rolle kulturelle Differenzen hierbei spielen.
Die KWI-Klassikerworkshops widmen sich Klassikern des Denkens unterschiedlicher Epochen und Kontexte. Sie ermöglichen es fortgeschrittenen Masterstudierenden, Promovierenden und Promovierten aus dem Bereich der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, klassische Positionen des Denkens, exemplarische Texte, wesentliche Grundthesen und wirkungsmächtige Problemstellungen konzentriert und vertieft kennen zu lernen und zu diskutieren. Auch relevante Hintergründe und Entstehungsbedingungen klassischer Positionen werden analysiert, Folgen, Wirkungen und aktuelle Bedeutung interdisziplinär in den Blick genommen.

[|profil.vschreiber], 23.02.15

Workshop: Weltkriege edieren. Geschichtspolitik, Dokumentationspraxis, rechtlich-ethische Standards

Monika Wienfort, Wolfgang Lukas, Tatjana Tönsmeyer, Peter Haslinger
© KWI, Foto: Susanne Pahl

Der Erste und der Zweite Weltkrieg gehören nach wie vor zu den Ereignissen jüngerer Zeitgeschichte, die sowohl von der historischen Fachwissenschaft als auch der breiten Öffentlichkeit vermehrte Aufmerksamkeit erfahren. Wissenschaftliche Editionen spielen bei der Erforschung der Geschichte der beiden Weltkriege nach wie vor eine zentrale Rolle.
Der Workshop „Weltkriege edieren. Geschichtspolitik, Dokumentationspraxis, rechtlich-ethische Standards“, der vom 5. bis 6. Februar auf Initiative des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) am KWI stattfand, beschäftigte sich mit der Bedeutung des medialen Wandels für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Sich rasch weiterentwickelnde technische Möglichkeiten und das Internet bieten wissenschaftlichen Editionen neue Möglichkeiten der Dokumentations-, Darstellungs- und Nutzungsweisen. Traditionelle Printpublikationen sind zwar nach wie vor der Standard in der wissenschaftlichen Community. Sie werden jedoch zunehmend um digitale Angebote ergänzt. So haben die letzten Jahre aufgezeigt, dass immer mehr die Tendenz zu so genannten Hybrid-Editionen vorherrscht, die die Vorteile beider Publikationsformate vereinen wollen. Anhand von wissenschaftlichen Editionen und digitalen Projekten zum Ersten und Zweiten Weltkrieg und anverwandten Themenkomplexen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Potenziale und Herausforderungen der digitalen Präsentationsformen aus editionswissenschaftlicher und geschichtspolitischer Perspektive.

[|profil.vschreiber], 19.02.15

Lesart: Von Debatten und Schubladen - Das Ende der politischen Gewissheit

v.l.n.r. Christian Rabhansl, Götz Aly, Armin Nassehi, Stephan Hebel
© KWI, Foto: Georg Lukas

Werden politische Schubladen der heutigen Gesellschaft noch gerecht? Die Meinung der Gäste der Lesart am 3. Februar spricht eindeutig dagegen. Im ausverkauften Café Central des Essener Grillo-Theaters diskutierten Armin Nassehi, Götz Aly und Stephan Hebel mit Moderator Christian Rabhansl über entstehende politische Unschärfen und so manchen Selbstbetrug der Deutschen. „Wir reden links, aber leben rechts“, befand Soziologe Armin Nassehi. Auch Historiker Götz Aly stellt dies beispielsweise bei vermeintlich aufgeklärten Bildungsbürgern fest. Viele zögen lieber in andere Viertel als ihre Kinder in Schulen vor Ort mit vielen Migranten zu schicken. Eine Sicherheit, auf der guten Seite zu stehen, gebe es nicht, betont Aly, auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. In seiner Essaysammlung „Volk ohne Mitte. Die Deutschen zwischen Freiheitsangst und Kollektivismus“ (S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt 2015) beschreibt er die Entwicklungen und Konstellationen, die die Nazi-Diktatur in Deutschland ermöglichten. In Bewegungen wie PEGIDA sieht Journalist Hebel einen Ausdruck von Verunsicherung, die Verbindung zwischen der Lebenswirklichkeit der Menschen und der Komplexität der Gesellschaft fehle. Nassehi setzt sich in seinem Sachbuch „Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss“ (Murmann Verlag, Hamburg 2015) dafür ein, diese unübersichtlich gewordene Lebenswirklichkeit anzuerkennen, statt weiterhin in vereinfachenden politischen Lagern zu argumentieren. Er plädiert für ein neues mehrdimensionales Denken - jenseits von Schubladen.
Die ganze Diskussion können Sie hier nachhören. Das KWI veranstaltet die Reihe Lesart gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen.

[|profil.vschreiber], 17.02.15

Tagung: „Bildung und Erziehung in Zeiten atomarer Katastrophen“

© kultor / pixelio.de
© kultor / pixelio.de

Die internationale Tagung „Bildung und Erziehung in Zeiten atomarer Katastrophen“ am Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI) widmete sich einem trotz seiner Aktualität bisher in der Erziehungs-wissenschaft vernachlässigten Thema. Mit Bezug auf die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi im März 2011 wurde das Verhältnis von Technologie und Bildung als aktuelle Problemkonstellation aufgenommen, in der sich die Relevanz nicht nur von grundsätzlichen und gesellschafts-kritischen Reflexionen, sondern auch von didaktischen und schulpolitischen Perspektiven zeigt.
Der Frage, wie pädagogische Verantwortung im Hinblick auf atomare Katastrophen zu denken ist, kam dabei eine zentrale Bedeutung zu. Hiermit setzten sich Michio Ogasawara (Hiroshima), Yamana (Kyoto), Anton Hügli (Basel) und Peter Euler (Darmstadt) in ihren Vorträgen auseinander. Schulpädagogische und didaktische Reflexionen boten die Vorträge von Richard Beecroft (Karlsruhe), Jan Masschelein (Leuven), Yasuo Imai (Tokyo), Mihoko Ito (Konan) und Toshiko Ito (Mie), wobei sowohl spezifische Lehrmaterialien (wie jener zur Moralerziehung in Japan) als auch der Eigensinn und die Grenzen der Bildungsinstitution diskutiert wurden. Die Problematik postdemokratischer Effekte wurde von Kenichi Mishima (Tokyo) angesichts der gegenseitigen Abhängigkeit von medialer Berichterstattung, Wissenschaft und Industrie heraus-gearbeitet. Die Frage der öffentlichen Beurteilung von Atomkraft und deren Risiken stellt damit nicht allein eine Schwierigkeit der naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung dar, sondern verweist auf die Verschränkung von bildungstheoretischer Reflexion mit politischen Analysen.
Die Tagung fand in Kooperation mit der Technischen Universität Dortmund unter der Leitung von Lothar Wigger, Barbara Platzer und Carsten Bünger statt.

[|profil.vschreiber], 13.02.15

Vortrag: „Homophobie in Russland“

Peter Schmidt, Wanja Kilber
© KWI, Foto: Georg Lukas

Im vierten Teil der Reihe „Homophobie im globalen Kontext“ stand ein Land im Mittelpunkt, in dem sich zuletzt die Lebensbedingungen Homosexueller massiv verschlechtert haben: Russland. Politikwissenschaftler Peter Schmidt (Universität Gießen) und Aktivist Wanja Kilber präsentierten am 26. Januar im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) zwei unterschiedliche Perspektiven auf die aktuelle Lage und ihre Hintergründe. Zunächst stellte Schmidt die Ergebnisse einer quantitativen Untersuchung von Homophobie in Russland im europäischen Vergleich vor. Hieraus geht hervor, dass die Ablehnung von Homosexualität nicht nur mit hohem Alter, Religiosität und niedriger Bildung korreliert, sondern auch mit der Abwesenheit einer progressiven Gesetzgebung im jeweiligen Land.
Kilber gab danach Einblicke in die Arbeit des von ihm mitgegründeten Vereins „Quarteera für russischsprachige Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle in Deutschland. Neben der Verknüpfung von Kreativität, Kunst und queer Aktivismus ist der Verein seit der neuen Gesetzgebung gegen „homosexuelle Propaganda“ in Russland primär damit befasst, in Deutschland russische Opfer von homophober Gewalt zu unterstützen.
In beiden Vorträgen wurde klargestellt, dass Russland keineswegs „von jeher“ ein homophobes Land war, sondern auch Phasen großer Toleranz kannte, so etwa in der Frühen Neuzeit und unmittelbar nach der Oktoberrevolution. In der anschließenden Diskussion wurden die Ursachen für die aktuelle Welle der Homophobie in Russland erläutert. Beide Referenten betonten, dass Regierung und Orthodoxe Kirche homophobe Ressentiments bewusst instrumentalisieren, verwiesen aber auch auf die Spätfolgen der stalinistischen Repression als möglicherweise tiefer liegende Ursachen.
Moderiert wurde die Veranstaltung von den beiden Initiatoren der Reihe Volker Heins (KWI) und Andreas Langenohl (Universität Gießen).

Susanne Pahl, 09.02.15

KWI-Klassikerworkshop: Kant – Praktische Unvernunft

Immanuel Kant
© Immanuel Kant, Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons

Kaum ein Autor hat unser Verständnis von Ethik und praktischer Vernunft so nachhaltig geprägt wie Immanuel Kant. Ideen wie die Verallgemeinerbarkeit unserer Handlungsprinzipien, die Autonomie oder die Würde der Person finden bei ihm eine tiefgreifende theoretische Begründung. Im Rahmen des KWI-Klassikerworkshops „Kant – Praktische Unvernunft“ am 22. und 23. Januar im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) diskutierten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit den Referenten Jens Timmermann (University of St Andrews) und Martin Sticker (Universität Göttingen) sowie dem Leiter Marcel van Ackeren (Universität Münster) eine Frage, die bisher nur beiläufig in der Kant-Forschung berücksichtigt wurde: Warum setzt sich die praktische Vernunft des Menschen beim Handeln nicht immer durch? Ist unvernünftiges Handeln eine Folge von Unwissen oder von Denkfehlern? Oder kann sich ein Mensch bewusst entscheiden, etwas zu tun, was er für unvernünftig hält? Anhand einschlägiger Texte diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Facetten der Unvernunft und setzten sich auch mit den praktischen Konsequenzen des unvernünftigen Handelns auseinander.
Die KWI-Klassikerworkshops widmen sich Klassikern des Denkens unterschiedlicher Epochen und Kontexte. Sie ermöglichen es fortgeschrittenen Masterstudierenden, Promovierenden und Promovierten aus dem Bereich der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, klassische Positionen des Denkens, exemplarische Texte, wesentliche Grundthesen und wirkungsmächtige Problemstellungen konzentriert und vertieft kennen zu lernen und zu diskutieren.

[|profil.vschreiber], 05.02.15

KWI on Tour: Vortrag: Human-Animal-Studies – Ein neuer ‚Turn‘ in den Kulturwissenschaften?

Friedrich Jaeger
© UDE

Wie die derzeit öffentlich ausgetragenen Kontroversen um Massentierhaltung, Fleischkonsum oder Tierversuche zeigen, geraten bestimmte Praktiken unserer bisherigen Tiernutzung zunehmend unter Legitimationsdruck. Flankiert werden diese Auseinandersetzungen von einer tierethischen bzw. kognitionswissenschaftlichen Forschung, in denen der „Speziesismus“, also die im abendländischen Denken seit jeher verankerte anthropozentrische Unterscheidung zwischen Menschen und Tieren auf den Prüfstand rückt. In Abgrenzung von dieser Tradition werden nun verstärkt Rechte von Tieren reklamiert.
Wie diese Entwicklungen auf kulturwissenschaftlicher Seite von den „Human-Animal-Studies“ aufgegriffen werden, beleuchtete Friedrich Jaeger (Kulturwissenschaftliches Institut Essen) in einem Vortrag am 21. Januar an der Universität Duisburg-Essen. Im Rahmen der Vortragsreihe „Die Kleine Form“ stellte Jaeger die Fragestellungen, Forschungskonzepte und methodischen Zugriffe der neuen Forschungsrichtung vor und diskutierte, inwiefern die Human-Animal-Studies vielleicht sogar eine nachhaltige Wendung, gewissermaßen einen neuen ‚Turn‘ der kulturwissenschaftlichen Forschung darstellen. Der Vortrag ist hier als Video abrufbar.
Im Rahmen des Vortragsformats „Die Kleine Form“ berichten Lehrende und Forschende aus allen Fachbereichen der Universität seit zehn Jahren über ihre Disziplinen und aktuellen Forschungsprojekte. Damit gewährt „Die Kleine Form“ allen Teilnehmenden nicht nur einen willkommenen Blick über den Zaun des jeweils eigenen Faches, sondern ermöglicht auch das interdisziplinäre Gespräch zwischen den Forschenden.

Helena Rose, 02.02.15

Wissenschaftsstandort Essen

Lenkungskreis Wissenschaftsstandort Essen
© Elke Brochhagen, Fotoredaktion der Stadt Essen

Am 20. Januar 2015 konstituierte sich im Rahmen der übergreifenden Initiative Essen.2030 unter Vorsitz des Essener Oberbürgermeisters Reinhard Paß das neue Essener Kooperationsforum „Wissenschaftsstandort Essen". Unter Beteiligung zahlreicher Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft soll das Forum Ideen, Vorhaben und Voraussetzungen für einen besser vernetzten und erfolgreichen Innovations- und Wissenschaftsstandort Essen entwickeln. Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) ist an dieser Initiative beteiligt, es wird auch in die Erstellung des „Aktionsplans Wissenschaft" einbezogen. Dieser Plan soll Handlungsempfehlungen und Maßnahmen zu folgenden Zielen aufzeigen: Talente und Fachkräfte gewinnen und halten, wissenschaftliche Einrichtungen stärken und akquirieren, die Forschung stärken (besonders anwendungsorientierte Forschung), das Know-How der wissenschaftlichen Einrichtungen in wirtschaftlichen Erfolg vor Ort übersetzen, die Wissenschaft in der Gesellschaft verankern, den Wirtschaftsstandort städtebaulich erkennbar profilieren, Essen durch die Wissenschaft internationalisieren sowie das Profil des Wissenschaftsstandorts Essen und der Metropole Ruhr stärken.
Dem Lenkungskreis der Initiative gehört von Seiten des KWI der Institutsdirektor, Prof. Dr. Claus Leggewie, an. In den Geschäftsführenden Vorstand wurde in der ersten Sitzung des Lenkungskreises der Geschäftsführer des Instituts, Dr. Norbert Jegelka, bestellt.

[|profil.vschreiber], 29.01.15

Abschlussworkshop Virtuelles Institut „Transformation – Energiewende NRW“

Teilnehmer des Abschlussworkshops Virtuelles Institut „Transformation - Energiewende NRW“
© KWI, Foto: Steven Engler

Wie gelingt die Energiewende in NRW? Wie können Wirtschaft, Industrie und Bürger die Herausforderungen jenseits der technologischen Fragen meistern? Drei neue Verbundprojekte und ein übergreifendes Begleitprojekt sollen Antworten geben. Das ist das Ergebnis des vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und Wuppertal Institut koordinierten Vorprojekts Virtuelles Institut „Transformation – Energiewende NRW“. Am 20. Januar traf sich das Konsortium im KWI, um im Abschlussworkshop nach einer einjährigen Entwicklungsphase Bilanz zu ziehen und die neuen Projekte vorzustellen. Begleitet wurde das Treffen von Claus Leggewie, Leiter des KWI, sowie Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts. Die Vorstellung des Verbundprojekts „Transformationsprozesse für nachhaltige und wettbewerbsfähige Wirtschafts- und Industriestrukturen in NRW im Kontext der Energiewende“ übernahmen Christian Oberst (RWTH Aachen) und Florian Weiser (EWI Köln). Hans J. Lietzmann (BUW) und Jürgen Schultze (sfs Dortmund) stellten das Projekt „Energiewende.NRW – Bürger gestalten den Umbau des Energiesystems“ vor. Das Projekt „Mentalitäten und Verhaltensmuster im Kontext der Energiewende in NRW“ präsentierte Karin Schürmann (FZ Jülich). Das übergreifende Begleitprojekt, vorgestellt von Manfred Fischedick, wird zukünftig Querschnittsthemen der Verbundprojekte aufgreifen und Forschungsfragen für die Zukunft ausarbeiten.

[|profil.vschreiber], 27.01.15

Neues Projekt am KWI: Globale Wissenskulturen

Historischer Bibliothekssaal
„Historischer Bibliothekssaal“ von OLB (Own Work), Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons


Was ist Wissen? Wie lassen sich die Zirkulationen von Wissen in der Moderne beschreiben? Unter der Leitung von Alexandra Przyrembel und der Mitarbeit von Svenja Lilly Kempf und Niko Pankop hat das Projekt „Globale Wissenskulturen“ am KWI die Arbeit aufgenommen. Im Mittelpunkt des Forschungsschwerpunktes stehen die Zirkulationen von Wissen im globalen Kontext. Wissen wurde und wird immer wieder neu geschaffen, verändert oder auch inszeniert. Das Projekt nimmt die komplizierten und verschlungenen Prozesse der (De-)Kolonisierung von Wissen in den Blick und interessiert sich insbesondere für die gegenständlichen, bildlichen oder auch die ethnographischen vom Kolonialismus geprägten Medienwelten. Die Geschichte dieser ‚verflochtenen‘ Objekte im Beziehungsgeflecht von „Käfern, Märkten und Menschen“ ist ein zentraler Schwerpunkt des Projektbereichs „Globale Wissenskulturen“.

[|profil.vschreiber], 22.01.15

Wissenschaftler diskutieren über die junge Partei AfD

Marcel Lewandowsky, Claus Leggewie, Stefan Thierse, Karl-Rudolf Korte
© NRW School of Governance, Foto: Lisa Debo

Ist die AfD ein neues Korrektiv im deutschen Parteiensystem oder ein Sammelbecken für enttäuschte und politisch heimatlose Wähler? Diese Leitfrage diskutierten Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance, Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und Marcel Lewandowsky, Mitarbeiter des Instituts für Politikwissenschaft der Helmut Schmidt Universität Hamburg, am 13. Januar an der NRW School of Governance. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Stefan Thierse, Mitarbeiter am Lehrstuhl für das politische System Deutschlands und moderne Staatstheorien an der NRW School of Governance.
Korte sieht den Erfolg der AfD vor allem in der Kritik an der Euro-Rettungspolitik begründet. Zudem böten Zeiten einer Großen Koalition, in der die Opposition marginalisiert sei und eine gewisse Debattenunlust um sich greife, ideale Chancen für Newcomer-Parteien. Claus Leggewie hält die Diskussion um den Euro langfristig nicht für ein mobilisierungsfähiges Gewinnerthema. Bereits jetzt gäbe es innerhalb der Partei einen Flügel, der die AfD als politische Kraft rechts von der Union und als Auffangbecken für islam- und fremdenfeindliche Ressentiments ausrichten will. Während Leggewie den Begriff des Rechtspopulismus zur Einordnung der AfD für angemessen hält, betont Marcel Lewandowsky, dass die Programmatik der Partei eine solche Einstufung nicht unbedingt rechtfertige. Zwar bediene sich die AfD etwa mit ihrer Schelte an der politischen Elite populistischer Stilelemente, doch sei es ihr bisher erfolgreich gelungen, eine Stigmatisierung als rechtsextremistisch zu vermeiden. Lewandowsky erkennt in der deutschen Wählerschaft großes Potenzial rechts der Union, das die AfD jedoch aufgrund eines strategischen Dilemmas kaum ausschöpfen kann: „Driften sie zu weit nach rechts, verlieren sie Wähler der Mitte und werden medial stigmatisiert.“

Helena Rose, 19.01.15

Der Literarische Salon: Lesung mit Michael Kleeberg

Navid Kermani, Michael Kleeberg, Claus Leggewie
© KWI, Foto: Georg Lukas

Michael Kleeberg gilt schon jetzt als lebender Klassiker. Der vielfach ausgezeichnete Autor wird nicht selten mit großen Erzählern wie Thomas Mann oder Robert Musil verglichen. Am 14. Januar war Kleeberg zu Gast im Literarischen Salon in der Essener Buchhandlung Proust und sprach mit den beiden Gastgebern Navid Kermani und Claus Leggewie über seinen aktuellen Roman „Vaterjahre“ (DVA, München 2014). Der zweite Teil der als Trilogie angelegten Erzählung über den modernen Jedermann Charly Renn verlässt die Sturm-und-Drang-Zeit des Protagonisten und widmet sich dem scheinbar bedeutungslosen Alltag eines Familienvaters und Geschäftsführers um die vierzig. Für Leggewie ist die Figur Charly eine erfrischende Abwechslung zu Romanhelden aus dem Kulturmilieu. Er sei zwar mitunter ein echter „Kotzbrocken“, gerade hier liege aber auch die Faszination des Buches. In diesem Roman, so Kermani, sei es nicht ein aufregender Plot, der den Leser in seinen Bann zieht, sondern die kunstvolle Inszenierung des Gewöhnlichen. In dieser merke man dem Autor seine große Belesenheit an. Kleeberg selbst verriet dem Publikum, dass er vor allem durch die Lektüre und Übersetzung von Marcel Proust eine Passion für „Tiefe und Genauigkeit“ entwickelt habe.
Der Literarische Salon in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 11. März statt, zu Gast ist die Schweizer Autorin Gertrud Leutenegger.

Susanne Pahl, 15.01.15

Soziologe Ulrich Beck ist verstorben

Ulrich Beck, einer der einflussreichsten zeitgenössischen Soziologen, ist letzten Donnerstag am 1. Januar 2015 im Alter von 70 Jahren verstorben. Der Autor des Buches „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne“ (Frankfurt a.M., Suhrkamp 1986) hat mit seinen Thesen und Begriffen nicht nur bedeutende Impulse für die Sozialwissenschaften gegeben, sondern hat auch große Resonanz in der breiteren Öffentlichkeit gefunden. Beck widmete sich über Jahrzehnte hinweg der Frage, wie moderne Gesellschaften auf den radikalen globalen Wandel und die Risiken der technisch-ökonomischen Fortschrittsleistungen reagieren. Der Soziologe verknüpfte seine Gesellschaftstheorie mit konkreten politischen Entwürfen und Forderungen und setzte sich für eine kosmopolitische Sicht auf die Gesellschaft ein. Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), schätzte Beck als herausragenden Soziologen, „der seine scharfe analytische Gabe mit zupackender Zeitdiagnose und gezielter politischer Intervention verband, wofür er sich bisweilen dem Neid vieler Fachkollegen ausgesetzt sah.“ 1990 weilte Ulrich Beck als Gast des Gründungsvorstands am Kulturwissenschaftlichen Institut, damals noch in Essen-Heisingen. In zahlreichen Gesprächen und Debatten wirkte er daran mit, dem soeben erst eröffneten Institut Profil und wegweisende Orientierungen zu geben. Für Leggewie steht fest: „Er ist viel zu früh von uns gegangen, wir werden ihn sehr vermissen und seinen Kosmopolitanismus pflegen.“

[|profil.vschreiber], 06.01.15

Der Literarische Salon im Frühjahr 2015

Der Literarische Salon 2014

Die Termine für den Literarischen Salon im Frühjahr 2015 stehen fest: Am 14. Januar begrüßen der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), den Berliner Autor Michael Kleeberg in der Buchhandlung Proust in Essen. Seinen Roman „Vaterjahre“ (DVA, München 2014) über das bewusste Verspießern des Jedermanns Karlmann ‚Charly‘ Renn hielten nicht wenige Kritiker für das Buch des Jahres 2014. Wie ein isländischer Vulkan physisch die Welt anhält, aber die herrschende Stille zur metaphysischen Raserei werden lässt, beschreibt der Roman „Panischer Frühling“ (Suhrkamp, Berlin 2014) von Gertrud Leutenegger, der für den Buchpreis 2014 auf der Shortlist stand. Die Schweizer Autorin ist am 11. März zu Gast im Literarischen Salon. Auf sie folgt am 6. Mai mit Szczepan Twardoch ein Star der europäischen Gegenwartsliteratur. Dem Polen gelang 2012 der Durchbruch mit seinem Roman „Morphin“ (Rowohlt, Berlin 2014).
Der Literarische Salon findet auf Initiative des KWI statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Nähere Informationen können Sie dem aktuellen Flyer zur Reihe entnehmen.

Helena Rose, 22.12.14

Vortrag: „God hates Fags“: Homophobie, religiöse Rechte und Popkultur in den USA

Volker Heins, Peter Rehberg
© KWI, Foto: Georg Lukas

Als Ursprungsland der Lesben- und Schwulenbewegung haben die USA nicht nur Modelle der ‚gay identity‘ und ‚gay community‘ hervorgebracht, sondern sind auch auf dem Weg, die Gleichstellung Homosexueller auf bürgerrechtlicher Ebene zu verankern. Beispielsweise ist im Großteil der US-Bundesstaaten die gleichgeschlechtliche Ehe inzwischen rechtlich anerkannt. Dennoch sind Schwule und Lesben in den USA bis heute Diskriminierungen ausgesetzt.
Peter Rehberg, Professor für Germanistik an der University of Texas, untersuchte in seinem Vortrag am 15. Dezember im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) dieses Spannungsverhältnis. Er stellte die These auf, dass Bürgerrechtsbewegungen allein keinen Indikator für die Akzeptanz von Homosexualität bilden. Rehberg erklärte, dass der religiöse rechte Flügel „eine machtvolle Stimme der amerikanischen Gegenwartskultur“ sei, mit der sich eine konservative Normvorstellung von Sexualität manifestiert habe. Diese richte sich gegen die pornografisierte Popkultur und die Allgegenwärtigkeit von Sexualität, aber auch gegen Homosexualität. Mit der Homoehe, so Rehberg, werde Homosexualität verbürgerlicht und ‚normalisiert‘, der eigentliche Kern der Homophobie, die Angst vor einer anderen Sexualität, aber nicht überwunden, da diese unsichtbar gemacht werde. Rehberg illustrierte seine Thesen am Beispiel der US-amerikanischen TV-Serie „True Blood“, in der die Kontroverse um die Rechte sexueller Minderheiten subversiv verhandelt wird.
Die Veranstaltungsreihe „Homophobie im globalen Kontext“, die von Volker Heins (KWI) und Andreas Langenohl (Universität Gießen) konzipiert wurde, wird im nächsten Jahr mit zwei weiteren Terminen fortgesetzt. Am 26. Januar wird es um „Homophobie in Russland und der Ukraine" gehen, am 3. Februar richtet sich der Blick auf „Homophobie und Dschihadismus“.

Susanne Pahl, 18.12.14

NACHDENKEN ÜBER DIE KRISE DES JOURNALISMUS – VORTRAG UND WORKSHOP MIT JEFFREY ALEXANDER (YALE UNIVERSITY)

Jeffrey Alexander
© Käte Hamburger Kolleg, Foto: Georg Lukas

Der Journalismus steckt in der Krise. Qualitätszeitungen kämpfen um ihre Existenz, das Vertrauen des Publikums in die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung sinkt und das große Geld scheint die Medien der freien Meinungsbildung zunehmend zu unterwandern. Mit dieser Ausgangslage beschäftigte sich der Soziologe Jeffrey Alexander (Yale University, USA) im Rahmen der Käte Hamburger Lecture „The Crisis of Journalismus Reconsidered“ am 8. Dezember in Duisburg.
Alexander gab zu, dass wir in einer „Phase großer Unruhe für Journalisten“ leben, konnte aber auch zeigen, dass sich viele Prognosen der Vergangenheit als falsch erwiesen haben. Der utopische Glaube an das Internet und eine „rettende Technokultur“, in der alle Menschen zu Journalisten werden und damit das „Handwerk“ des Journalismus überflüssig werde, sei ebenso unbegründet wie die (vor allem in Europa) grassierende Angst vor dem Zugriff des Marktes auf die Medien. Zum Beispiel sei die Enthüllung von Geheimdienstpraktiken der Massenüberwachung durch Wikileaks erst durch die Kooperation mit Journalisten glaubwürdig und zu einem globalen Thema geworden. Gegen den Zynismus spricht die Hartnäckigkeit, mit der auch heute eine junge Generation von Journalisten und Reportern weltweit die „Ethik“ und das „Handwerk“ dieses urdemokratischen Berufs verteidigen. Seine Thesen erläuterte Alexander kürzlich auch in einem Interview in der der Frankfurter Rundschau.
Die Diskussion wurde am Tag darauf in einem Workshop mit Professorinnen und Professoren der Universität Duisburg-Essen und der Technischen Universität Dortmund sowie mit Journalisten und Studierenden fortgesetzt. Beide Veranstaltungen fanden auf Initiative von Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunkts InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), statt.

[|profil.vschreiber], 15.12.14

KWI on Tour: Tagung: „Innovation – Exnovation. Neu und Alt in der Nachhaltigkeitsdebatte“

NGU-Tagung: „Innovation – Exnovation. Neu und Alt in der Nachhaltigkeitsdebatte“
© Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung, Universität Stuttgart

Auf der 11. Jahrestagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie vom 5. bis 7. November an der Universität Stuttgart ging es um das Thema „Innovation – Exnovation. Neu und Alt in der Nachhaltigkeitsdebatte.“ 35 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler diskutierten, inwiefern sich der umwelt-soziologische Diskurs über Innovationen zur Transformation in Richtung Nachhaltigkeit auch dessen Gegenpart, der sogenannten Exnovation, widmet. Ziel der interdisziplinären Tagung war theoretische Grundlagen zu skizzieren, die dem stark vertretenen Innovationsbegriff in der umwelt-soziologischen Nachhaltigkeitsdebatte zur Seite gestellt werden könnten.
Cordula Kropp, Soziologin und Innovationsforscherin an der Münchner Hochschule für Angewandte Wissenschaften, betonte in ihrer Keynote, dass im Sinne eines sozialwissenschaftlichen Verständnisses transformativen Wandels neben Neuerungsprozessen auch Prozesse realisiert werden müssten, die das ‚nunmehr‘ Alte systemisch ausführen, was bislang allerdings eine „revolutionäre“ Vorstellung wäre. Zentrales Ergebnis der Tagung war unter anderem, dass ein Innovationsbegriff, der auf einen einseitigen Technikfokus setzt, die Eingriffstiefe des notwendigen gesellschaftlichen Wandels verkennt.
Die Tagung wurde von Annika Arnold, Marco Sonnberger (Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung, Universität Stuttgart), Luise Tremel, Gerolf Hanke und Martin David (Norbert Elias Center for Transformation Research & Design, Europa Universität Flensburg) organisiert und von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart e.V. und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) unterstützt.

[|profil.vschreiber], 11.12.14

Islamwissenschaftler zu Gast bei Lesart

v.l.n.r. Peter Lange, Lamya Kaddor, Guido Steinberg, Behnam T. Said
© KWI, Foto: Georg Lukas

Was bewegt junge Menschen aus Deutschland dazu, sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen? Warum sind sie bereit, die Sicherheit Deutschlands zu verlassen, sich den extremsten Formen von Gewalt auszusetzen oder sich sogar als Selbstmordattentäter für den IS zu opfern? Diese Fragen diskutierten die Islamwissenschaftler Lamya Kaddor, Behnam T. Said und Guido Steinberg mit Moderator Peter Lange, Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur, im Rahmen der Reihe „Lesart“ am 25. November im ausverkauften Café Central des Essener Grillo-Theaters. „Es gibt keinen klaren Typus des Dschihadisten“, stellte Said, Autor des kürzlich erschienenen Lageberichts „Islamischer Staat. IS-Milizen, al Qaida und die deutschen Brigaden“ (C.H. Beck, München 2014), gleich zu Beginn der Diskussion fest. Dennoch ließen sich einige Muster bei den ca. 550 jungen Männern, die laut Bundesamt für Verfassungsschutz inzwischen von Deutschland aus in den Irak oder nach Syrien gegangen sind, erkennen. Bei vielen sei zu beobachten, dass sie sich in Deutschland ausgegrenzt, verlassen, haltlos, oft auch diskriminiert fühlten. In diesem Moment der Sinnsuche, so Kaddor, könne die Ideologie des IS Erfüllung und Zugehörigkeit versprechen. Gleichzeitig biete der IS die Möglichkeit, den negativen Erfahrungen mit der westlichen Heimat Ausdruck zu verschaffen, indem man aktiv gegen die gesamte westliche Welt protestiere, ergänzte Said. In diesem Zusammenhang betonte Steinberg, der in „Al-Qaidas deutsche Kämpfer. Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus“ (edition Körber Stiftung, Hamburg 2014) eine politische Analyse der Lage vornimmt, die Bedeutung der Arbeit deutscher Sicherheitsbehörden. Sie müssen in der Früherkennung tätig werden, Präventionsmaßnahmen entwickeln, aber auch auf die Gefahren, die von IS-Rückkehrern ausgingen, reagieren, so der Islamwissenschaftler.
Die ganze Diskussion können Sie hier nachhören.

Helena Rose, 08.12.14

Vortrag und Diskussion: „The Crisis of Journalism Reconsidered“

Vortrag und Diskussion: „The Crisis of Journalism Reconsidered“

Für die meisten Menschen sind die Nachrichten und andere journalistische Erzeugnisse die einzigen Quellen, die ihnen ein Bild vermitteln von der einheimischen und globalen Welt, in der sie leben. Journalisten erzählen uns nicht nur, ‚was los ist‘, sondern auch, was Bürger und Politiker motiviert, so zu handeln, wie sie es tun, welche freundlichen und anrüchigen Beziehungen sie unterhalten und welche Institutionen sie schützen oder gefährden. In jüngerer Zeit mehren sich die Klagen, dass das beispiellose kritische Potenzial des Journalismus durch zwei Trends bedroht wird: die Kommerzialisierung der Medien und die Einebnung der Qualitätspresse durch das Internet und andere neue Technologien.
Auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und im Rahmen einer Käte Hamburger Lecture des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research wird Jeffrey Alexander, Professor für Soziologie an der Yale University (USA), am 8. Dezember in Duisburg zu diesen Themen sprechen. Alexander kritisiert die pessimistische These des Niedergangs des Journalismus und plädiert für eine radikal neue Sichtweise auf dieses Phänomen und seine tatsächlichen und vermeintlichen Bedrohungen.

Helena Rose, 05.12.14

RITA SCHÄFER SPRICHT AM KWI ÜBER HOMOPHOBIE IN UGANDA UND SÜDAFRIKA

Rita Schäfer
© KWI, Foto: Georg Lukas

„Homophobie in Uganda und Südafrika“ war im Rahmen der Vortragsreihe „Homophobie im globalen Kontext“ am 24. November das Thema im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Den Vortrag an diesem Abend hielt die Ethnologin und freiberufliche Wissenschaftlerin Rita Schäfer.
Ein zentrales Problem sei, dass homophobe Gewalt in Südafrika statistisch nicht erfasst werde, stellte Schäfer zu Beginn heraus. Das beginne schon damit, dass sich viele Opfer nicht trauten, die ihnen angetanen Verbrechen anzuzeigen und falls dies geschähe, fänden die Täter oft korrupte Polizisten, denen sie die belastenden Dokumente abkaufen könnten. Seit 2004 gab es nach Angaben von LGBTI-Organisationen in Südafrika mindestens 31 Morde an Lesben. Die Ursachen der Gewalt sieht Schäfer in Hierarchisierungen, patriarchalen Geschlechterordnungen und Diskriminierungen, die letztlich auf kolonialen Strukturen aufbauen und durch das Apartheid-Regime verstärkt wurden.
In Uganda habe sich die Verfolgung von LGBTI-AkitivistInnen verstärkt, obwohl das Anti-Homosexuellen-Gesetz 2014 als nicht gesetzeskonform verworfen wurde. Homophobie sei in diesem Land ein willkommenes Mittel um von Fehltritten eines repressiv-autoritären Regimes abzulenken, so Schäfer. Sie betont, es helfe wenig, sie isoliert zu betrachten; Homophobie sei in Uganda vielmehr Ausdruck einer „Retraditionalisierung“, einer Verstärkung von Nationalstolz, nationaler Ideologie und einem Bewusstsein von Tradition und Kultur, das die traditionellen Autoritäten dazu nutzten die Fremdenfeindlichkeit allgemein im Land anzuheizen. In der anregenden Diskussion nach ihrem Vortrag sprach Rita Schäfer, die auch als Gutachterin für Entwicklungshilfeorganisationen tätig ist, unter anderem Chancen und Probleme der Entwicklungshilfe vor diesem Hintergrund an.
In der nächsten Veranstaltung aus der Reihe geht es um „'God hates Fags': Homophobie, religiöse Rechte und Popkultur in den USA", am
15. Dezember im Gartensaal des KWI.

Helena Rose, 03.12.14

Neuerscheinung: Das konvivialistische Manifest. Für eine neue Kunst des Zusammenlebens

Das konvivialistische Manifest

Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist auch absolut notwendig. Die globalen Probleme des Klimawandels, der Armut, sozialen Ungleichheit oder der Finanzkrise erfordern ein Umdenken und veränderte Formen des Zusammenlebens. Viele Bewegungen, Initiativen und Gruppierungen suchen aktuell schon nach alternativen Wegen. Ihnen allen gemeinsam ist das Streben nach einer neuen Kunst, miteinander zu leben (con-vivere). Vor diesem Hintergrund erschien 2013 das „Manifeste Convivialiste“ – eine „Déclaration d’interdépendance“, das von etwa 40 französischsprachigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern initiiert wurde. Frank Adloff, Professor für Philosophie an der Universität Erlangen und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), haben den Band jetzt unter dem Titel „Das konvivialistische Manifest. Für eine neue Kunst des Zusammenlebens“ (transcript, Bielefeld 2012) auf Deutsch herausgebracht. Damit wird die Diskussion um Konvivialität und Konvivialismus, die 2010 im Anschluss an ein Kolloquium mit Alain Caillé, Marc Humbert, Serge Latouche und Patrick Viveret entfachte, auch in den deutschsprachigen Raum gebracht. Alain Caillé sprach Anfang 2014 im KWI über die Fehlentwicklungen zeitgenössischer Gesellschaften und zeigte, wie Kapitalismuskritik mit der Neudefinition von Reichtum und Wohlstand verbunden werden kann. Weitere Informationen finden Sie hier.

Helena Rose, 01.12.14

Vortrag: Herausforderungen und Perspektiven des urbanen Lebens – Chancen der Quartiersentwicklung im Ruhrgebiet

Flyer des Forums Kreuzeskirche

Städte waren schon immer Orte der Modernisierung und zugleich Wahrer von Tradition. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes zeigt Christa Reicher, Professorin für Städtebau und Bauleitplanung an der Technischen Universität Dortmund, in ihrem Vortrag am 1. Dezember in der Essener Kreuzeskirche, mit welchen Herausforderungen Städte und Quartiere im Ruhrgebiet konfrontiert sind und mit welchen Konzepten man auf diese reagieren kann. Vom demografischen Wandel bis hin zur Digitalisierung und Internationalisierung spannt sich ein weites Feld von Herausforderungen. Daneben spielen heute im Konkurrenzkampf um Einwohner und Kaufkraft die Stadt-Identität und die Lebensqualität eine große Rolle. Mittels neuer Allianzen aus Nachhaltigkeit und Ästhetik, aus Partizipation und Gestaltung lassen sich städtebauliche Visionen für die Quartiere von morgen formulieren.
Der Vortrag ist Teil des Programms zur Wiedereröffnung der Kreuzeskirche und wird gemeinsam vom Forum Kreuzeskirche und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) veranstaltet. Weitere Termine der Veranstaltungsreihe „Stadt – Klang – Raum. Kreuzeskirche“ können Sie dem Programmflyer entnehmen.

Helena Rose, 27.11.14

Thyssen Stiftung fördert „Globale Momente“

Die amerikanische Organisation Near East Relief und armenische Flüchtlinge in den 1920er Jahren / © YMCA-Archives
© YMCA-Archives

Alexandra Przyrembel, Leiterin des Projektbereichs „Globale Wissenskulturen“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), ist von der Fritz Thyssen Stiftung mit einem Reisestipendium für ihr Forschungsprojekt „Globale Momente und die Krise humanitärer Hilfe: Weltöffentlichkeit, die Massaker an den Armeniern und der ‚Westen‘ (1895-1930)“ ausgezeichnet worden. In den Jahren 1915 und 1916 – also vor nunmehr hundert Jahren – erfolgte die systematische Ermordung der Armenier durch die Regierung des Osmanischen Reichs. Über diese humanitäre Katastrophe, als deren Folge eine Million Menschen ihr Leben verloren, waren die Regierungen des Westens jenseits und diesseits des Atlantiks bestens informiert. Wer aber hatte Teil an diesem Wissen? Und: Aus welchen Gründen führte dieses Wissen über die neuen Formen der Gewalt zu keiner Intervention durch die ‚zivilisierten‘ Nationen? Przyrembel untersucht in Kooperation mit dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research diese und andere Fragen. Das Forschungsprojekt „Globale Momente“ konzentriert sich auf die diplomatischen, humanitären und öffentlichen Reaktionen der Massaker an den Armeniern in Westeuropa und den Vereinigten Staaten.

Helena Rose, 24.11.14

CineScience: Krieg und Film: „Bilder prägen - die Konstruktion des Krieges in Film und Foto“

v.l.n.r. Stefanie Pannier, Jeldrik Pannier, Mathis Danelzik
© KWI, Foto: Armin Flender

Wie prägen Kriegsfotografien unser Bild vom Krieg und welche Bilder vom Krieg prägen Kriegsfotografen? Dem komplexen Wechselverhältnis der Produktion und Rezeption von Bildern sowie den vorgelagerten Sinnbildungen bei Fotografen und Rezipienten gingen die Medienpädagogen Stefanie und Jeldrik Pannier gemeinsam mit Mathis Danelzik, Junior Fellow am Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI), in der CineScience-Veranstaltung „Bilder prägen - die Konstruktion des Krieges in Film und Foto“ am 11.November im Filmstudio Glückauf nach. Am Beispiel der Arbeit des amerikanischen Kriegsfotografen Joshua Fisher im Irakkrieg konnten sie zeigen, dass der Akt der Bildproduktion ein hochgradig selektiver Prozess ist und im Wesentlichen unbewusst bzw. präreflexiv erfolgt. Die Handlungsentscheidungen und -praktiken sind Ausdruck internalisierter Schemata, die Produktion unterliegt damit einem individuellen Dispositionssystem aus Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata. So zeigten sich auf verblüffende Weise nahezu identische Bilder aus dem Film „Der schmale Grat“ und Aufnahmen des Fotografen Joshua Fisher. Diese Beispiele illustrierten, dass inner-psychische Abläufe und visuelle Vorprägungen einen erheblichen Einfluss auf die visuelle Korrespondenz haben.
Die Veranstaltung war die letzte in der diesjährigen CineScience-Reihe zum Thema „Krieg und Film“, die vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts gefördert wurde. Kooperations-partner waren in diesem Jahr das Museum Folkwang und der Kunstring Folkwang. Die Reihe CineScience wird 2015 mit dem Thema „Sex und Film“ fortgesetzt.

Helena Rose, 20.11.14

KLAUS THEWELEIT ERÖFFNET VORTRAGSREIHE ZUM THEMA HOMOPHOBIE

Klaus Theweleit
© KWI, Foto: Georg Lukas

Am 10. November war im überfüllten Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) der Faschismus- und Männlichkeitsforscher Klaus Theweleit zu Gast, um den ersten Vortrag der Reihe „Homophobie im globalen Kontext“ zu halten sowie mit KWI-Direktor Claus Leggewie und dem Publikum zu diskutieren. Der prominente Autor der „Männerphantasien“ (1977/78) sprach auf Einladung von Volker Heins (KWI) und Andreas Langenohl (Uni Gießen), die die Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Global Cooperation Research Centre verantworten.
Wie schon in seinem selbst gewählten Vortragstitel „Homophobie – keine Ahnung, was das ist“ anklingt, hält Theweleit den Begriff der ‚Homophobie‘ für unangemessen, um die Diskriminierung von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten zu beschreiben. Er spricht für einige Gesellschaften von einem regelrechten „Verfolgungsbedarf“, der zur Stabilisierung männerdominierter Strukturen dienen soll. Homo- und Transsexuelle seien dabei beliebige und austauschbare Opferkategorien, obwohl sie in Wirklichkeit niemandem Angst machten. Für die westlichen Länder vertritt Theweleit die optimistische These eines fortschreitenden Zerfalls der patriarchalen Familienstruktur und der Freisetzung der libidinösen Energien. Diesen Fortschritt illustrierte Theweleit mit Beispielen aus der Welt des Fußballs und des Eishockeys. Weniger rosig sehe die Lage in Russland und anderen Teilen der Welt aus, in denen Feindseligkeit gegen Homosexuelle zu einem Erkennungszeichen für die Zugehörigkeit zur Nation und die Überlegenheit dieser Nation gegenüber dem ‚verweichlichten‘ Westen geworden sei.
Theweleits provokative Thesen führten zu einer lebhaften Diskussion mit dem Publikum, die in den nächsten Monaten fortgesetzt wird. Am 24. November wird die Ethnologin Rita Schäfer zum Thema „Homophobie in Uganda und Südafrika“ sprechen, am 15. Dezember berichtet Peter Rehberg (Austin, Texas) über homophobe Haltungen in den USA. Theweleit versprach, spätestens zum Erscheinen seines angekündigten Buches „Das Lachen der Täter: Breivik u.a.“ wieder ans KWI zu kommen.

Helena Rose, 17.11.14

Vortrag: Geisteswissenschaften oder Humanities? Deutsch als Wissenschaftssprache in den Kulturwissenschaften

v.l.n.r. Jürgen Trabant, Gisela Schneider, Louise Röska-Hardy, Winfried Thielmann, Claus Leggewie
© KWI, Foto: Georg Lukas

Was geht der deutschen Wissenschaft verloren, wenn sie Englisch spricht? Darüber diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am 4. November im Rahmen der vom Goethe-Institut, dem Duden, dem Institut für Deutsche Sprache und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verantworteten Initiative „DEUTSCH 3.0" im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Viele Sprachen, so lautete der allgemeine Tenor, seien in Disziplinen wie Philosophie, Soziologie, Politik- oder Sprachwissenschaften unabdingbar. Dass sich die „Humanities“ im Zuge einer falsch verstandenen Internationalisierung auch in Deutschland immer mehr dem Englischen verschreiben, sei ein Fehler. Jürgen Trabant, emeritierter Professor für Romanische Sprachwissenschaft, erörterte in seinem Eröffnungsvortrag, dass die Dominanz eines „globalesischen“ Englisch im Wissenschaftsbetrieb den kulturellen und kognitiven Eigenwert, mit dessen Hilfe jede Einzelsprache allein schon aufgrund unterschiedlicher Begrifflichkeiten und grammatikalischer Strukturen ganz eigene Ansichten über Wirklichkeit offen legen könne, zutiefst beschneide. „Die Vorstellung, es sei egal, in welcher Sprache man Wissenschaft betreibe, ist aus linguistischer Sicht nicht haltbar“, betonte auch Sprachwissenschaftler Winfried Thielmann. Die Konsequenzen für sein eigenes Fachgebiet machte dann auch KWI-Direktor Claus Leggewie deutlich: „Ich glaube, dass die Politikwissenschaft enorm verloren hat, seit sie global zur ‚Political Science’ geworden ist.“ Mehrsprachigkeit bringt mehr Erkenntnis, hieß es einstimmig. Dennoch wurde nicht ignoriert, dass eine Vermittlersprache wie Englisch im globalen Wissensaustausch unumgänglich ist. Dieses Dilemma erfordert weitere Diskussionen. Für Gisela Schneider (DAAD) war klar, dass sich beispielsweise schon bei der Sprachenförderung an Schulen und Hochschulen im In- und Ausland einiges ändern müsste.
Einen ausführlichen Bericht der Podiumsdiskussion können Sie hier nachlesen.

Helena Rose, 13.11.14

Workshop: „Kreative Interventionen für neue Klima-kulturen"

Begrüßung durch Friedrike Behr und Julia Reinermann
© ZLV, Foto: Astrid Menz

Im Rahmen des BMBF-Projektes „Klimainitiative Essen- Handeln in einer neuen Klimakultur“ (KIE) organisierten das Zentrum für Logistik und Verkehr und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 4. und 5. November in der Essener Galerie Karo den Workshop „Kreative Interventionen für neue Klimakulturen.“ In diesem reflektierten Referenten und Teilnehmende die Begriffe ‚Intervention‘ und ‚Kreativität‘ wissenschaftlich und praktisch, um die Potentiale und Herausforderungen für neue Klimakulturen auszuloten. Am 4. November fand eine Stadtführung im Kreativ-Quartier City Nord statt, welche erste Interventionen im öffentlichen Raum präsentierte. Den zweiten Workshop-Tag eröffnete KWI-Direktor Claus Leggewie mit einem Vortrag zum Thema Klimawandel als Kulturwandel, in dem er die Bedeutung der Partizipation hervorhob. Mit Blick auf den Begriff der Urbanität erörterte Jens Gurr (Universität Duisburg-Essen) die Bedeutungen von Kunst für Stadtidentitäten. Sabine Fabo (Fachhochschule Aachen) beschrieb in ihrem Vortrag Interventionsstrategien und deren Einfluss auf das Stadtgefüge. Die Rolle von implizitem Wissen für Transformationsprozesse hob Wolfgang Stark (Universität Duisburg-Essen) hervor. Mit der Präsentation konkreter Forschungsprojekte konnte das Gespräch vertieft werden. Henning Mohr und Friederike Landau (Technische Universität Berlin) diskutierten Beispiele künstlerischer Interventionen und fragten, ob Interventionen ein Wegbereiter für Innovationen seien. Die Relevanz von Vertrauen für Veränderungsprozesse in Nachbarschaften zeichnete Davide Brocchi (Institut Cultura 21 e.V.) anhand seines Interventionsbeispiels „Tag des Guten Lebens“ in Köln nach. Abschließend legte Gregor Betz (Technische Universität Dortmund) den Fokus auf die in Interventionen involvierten Personen und zeichnete eine Typologie von Teilnehmenden an Protestevents.

Helena Rose, 12.11.14

Der Literarische Salon: Lesung mit Felicitas Hoppe

Felicitas Hoppe
© KWI, Foto: Georg Lukas

„Vieles spricht nicht gegen das Schreiben. Es ist eine warme und geschützte Tätigkeit“, schreibt Felicitas Hoppe in ihrem ersten Buch „Picknick der Friseure“
(S. Fischer Verlag, Frankfurt 1996), „selbst bei schlechter Witterung gelingt hin und wieder ein lesbarer Satz.“ Dass ihr gute Sätze nicht nur hin und wieder gelingen, hat die 2012 mit dem Büchner-Preis ausgezeichnete Autorin seit ihrem Debüt immer wieder bewiesen. Am 5. November war Hoppe im Literarischen Salon zu Gast im Essener Grillo-Theater und las aus diesem ersten Buch die Geschichte „Am Saum“. Darin geht es um einen Lehrer, der sich pensionieren lässt, um ein Buch über den Feldhasen zu schreiben. Aus der Sicht seiner Kinder beschreibt sie mit subtilem Witz die darauffolgenden bizarren Wirrungen und abstrusen Entwicklungen. Im anschließenden Gespräch mit den beiden Gastgebern Navid Kermani und Claus Leggewie ging es neben der ureigenen Originalität ihrer Sprache auch um das Verhältnis des Dichters zur Welt. Denn für Hoppe gibt es keine Innenwelt ohne die Außenwelt. Jeder trage einen unendlichen Fundus gesammelter Geschichten anderer in sich. „Wir schöpfen nicht aus uns selbst, wir brauchen das Außen“, so Hoppe.

Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Im Frühjahr 2015 werden Michael Kleeberg, Gertrud Leutenegger und Szczepan Twardoch zu Gast beim Literarischen Salon sein.

Helena Rose, 11.11.14

Ausgezeichnet: Verleihung des Dissertationspreises Kulturwissenschaften 2014

v.l.n.r.: Henning Borggräfe, Thomas Geer, Astrid Utler
© KWI, Foto: Verena Schreiber

Der Dissertationspreis Kulturwissenschaften geht dieses Jahr an zwei Doktoranden der RUB: Henning Borggräfe (Ruhr-Universität Bochum) erhält für seine Arbeit zum Thema Zwangsarbeiterentschädigung den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis, Astrid Utler (Ruhr-Universität Bochum) erhält für ihre Arbeit zum Thema Differenzerfahrung mit Migrationskontexten den mit 1.500 Euro dotierten zweiten Preis. Bei der Preisverleihung am 5. November im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) erläuterten und kommentierten die Preisträger ihre Thesen und Ergebnisse.
In seiner Dissertation „Zwangsarbeiterentschädigung. Vom Streit um „vergessene Opfer“ zur Selbstaussöhnung der Deutschen“ setzt sich Borggräfe intensiv und sorgfältig mit der Frage der Entschädigung der Zwangsarbeiter des NS-Regimes auseinander, die durch die Aufarbeitung der NS-Verbrechen seit den späten 1970er Jahren verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rückte. Auf der Basis erstmals ausgewerteter Archivquellen liefert Borggräfes Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Wiedergutmachung der NS-Zwangsarbeit und zur Gesellschaftsgeschichte der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik. Astrid Utler liefert in ihrer Arbeit „Differenzerfahrung und Umgangsstrategien in Gruppen bestehend aus Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund“ Ergebnisse für aktuelle Probleme einer multikulturellen Gesellschaft und überzeugt auch durch innovatives Vorgehen bei der theoretischen Fundierung. Der „Dissertationspreis Kulturwissenschaften“ wird vom Förderverein des KWI vergeben und von der Stiftung für Kulturwissenschaften unterstützt. Seit 2009 fördert der KWI-Förderverein damit Doktoranden in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften an der Universitätsallianz Ruhr (UAR). Die nächste Ausschreibung für den Dissertationspreis erfolgt Anfang 2015 hier.

[|profil.vschreiber], 06.11.14

Workshop: „Europa anders denken“

© Schmuttel / pixelio
© Schmuttel / pixelio

Unter dem Motto „Europa anders denken“ befassten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen eines interdisziplinären Workshops am 17. und 18. Oktober am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) mit neuen Ansätzen und Perspektiven der Vermessung Europas und der Europäischen Integration. Thematisiert wurden politische, gesellschaftliche, kulturelle aber auch rechtliche und ökonomische Dimensionen der Europaforschung sowie methodische Herangehensweisen an Europa.
Die Europäische Union als rechtlichter Raum wurde von Anna Katharina Mangold (Goethe Universität Frankfurt am Main) und Hauke Brunkhorst (Universität Flensburg) analysiert, die nicht nur auf die Komplexität dieses Raumes hinwiesen, sondern auch dessen Ambivalenzen herausarbeiteten. Kontrovers diskutiert wurden darüber hinaus Europa-Modelle und Interventionen. Besonders die auf Europa und Integration bezogenen Schriften von Jürgen Habermas spielten in den Beiträgen von Volker Heins (KWI), Andreas Hess (University College Dublin) und Andreas Niederberger (Universität Duisburg-Essen) eine Rolle. Unter dem Titel „Europa als kooperative Region?“ diskutierte KWI-Direktor Claus Leggewie das Konzept der „postkonventionellen Regionen“, die er als kooperative Nutzergemeinschaften zur Erhaltung und Pflege regionaler und transregionaler Gemeingüter definierte und als zentrale Akteure der Politikgestaltung im gegenwärtigen und zukünftigen Europa diskutierte. Transnationale Akteure spielten auch im Vortrag von Birgit Schwelling (KWI) eine zentrale Rolle, die Einblicke in ihre aktuellen Forschungen zu den Städtepartnerschaften in Europa gab.
Der Workshop fand auf Initiative des KWI und des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research statt.

[|profil.vschreiber], 03.11.14

Neuerscheinung: Kirchengemeinden im Diffusionsprozess erneuerbarer Energien - Schlüssel zu neuen Milieus?

© Thomas Quartier
© Thomas Quartier

In der Forschung zur Diffusion von Nachhaltigkeitsinnovationen blieb bisher offen, wie sich diese aus der Nische heraus auch in konservativen und traditionellen Milieus verbreiten können. Denn im Allgemeinen wird diesen Milieus, die sich in Deutschland zum größten Teil aus Mitgliedern der katholischen und evangelischen Kirche konstituieren, wenig Offenheit oder gar Skepsis gegenüber Innovationen nachgesagt. Können Kirchengemeinden hier vielleicht die Verbreitung solcher Innovationen in diesen Milieus beeinflussen? Dieser Frage gingen Mitarberiterinnen und Mitarbeiter des früheren KWI-Projektes „Scenarios of Perception and Adaptation” (SPREAD) nach, indem sie nach der Rolle von lokalen Kirchengemeinden im Etablierungs- und Diffusionsprozess von klimaschonenden Innovationen fragten.
In der quantitativen Analyse zeichnet sich ab, dass Kirchen die ‚Tür‘ zwischen innovationsoffenen post-materiellen und innovations-skeptischen, konservativen Milieus öffnen können. Die qualitative Studie – realisiert durch das Projektmodul am KWI – konnte aufgrund von Fallstudien verschiedene Rollen der Ortskirchen identifizieren: sie agieren als aktive „Brückenbauer“ innerhalb der lokalen Gemeinschaft, als Meinungsführer sowie in Anknüpfung an theologische Argumente als „Bewahrer der Schöpfung“. Die Ergebnisse wurden nun in der aktuellen Ausgabe der transdiziplinären Fachzeitschrift GAiA peer-reviewed veröffentlicht. Der Artikel „Kirchengemeinden im Diffusionsprozess erneuerbarer Energien - Schlüssel zu neuen Milieus?“ ist frei abrufbar.

[|profil.vschreiber], 30.10.14

CineScience: Krieg und Film: Ich lach‘ mich tot – Komödie und Krieg

v.l.n.r. Sophia Schönborn, Heinz-B. Heller, Tara Windsor
© KWI, Foto: Armin Flender

Filmkomödien werfen einen besonderen Blick auf die Wirklichkeit in Kriegszeiten: Schon in der Stummfilmzeit wird das Phänomen Krieg dabei der Lächerlichkeit preisgegeben. Der Medienwissenschaftler Heinz-B. Heller (Universität Marburg) stellte im Filmstudio Glückauf in vier Filmzitaten die Möglichkeiten und Grenzen der Komödie heraus, sich in diesem Genre mit Krieg zu beschäftigen und diskutierte darüber mit Sophia Schönborn (KWI), Tara Windsor (KWI) und dem Publikum. Während Charlie Chaplins Stummfilm „Gewehr über“ (1918) noch die Möglichkeit des Einzelnen zeigt, durch Subversion die Kriegsmaschine zu untergraben, verschiebt sich bei „Die Marx Brothers im Krieg“ (1933) die Perspektive hin zur ersten anarchischen Vergesellschaftung dieser Subversion im Krieg. In Stanley Kubricks Kalter-Kriegs-Groteske „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ (1964) wird hingegen deutlich, dass Krieg als vermeintlich geordnete Konfliktaustragung durch technische und menschliche Schwächen ad absurdum geführt wird und dadurch Freund-Feind-Linien verschwimmen. „Three Kings“ (1999) schließlich persifliert die Konsumhaltung von Soldaten, die erst nach dem Ende des Zweiten Golfkrieges zum Einsatz kommen, und zeigt den Krieg als System der Selbstbedienung, in dem Kriegsparteien kaum mehr zu unterscheiden sind.
Die letzte Veranstaltung der Reihe „Krieg und Film“ am 11. November widmet sich dem Thema „Bilder prägen – die Konstruktion des Kriegs in Film und Foto“. CineScience wird vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts gefördert, Kooperationspartner ist in diesem Jahr das Museum Folkwang und der Kunstring Folkwang.

[|profil.vschreiber], 27.10.14

Vortrag: Geisteswissenschaften oder Humanities? Deutsch als Wissenschaftssprache in den Kulturwissenschaften

Deutsch 3.0

Forschungsergebnisse in den Geisteswissenschaften werden zunehmend in englischer Sprache publiziert und wissenschaftliche Tagungen verstärkt auf Englisch abgehalten. Die deutsche Sprache wird in der Wissenschafts-kommunikation zunehmend unbedeutender, die ‚globalesischer‘ Wissenschaftskommunikation dafür immer bedeutender. Doch welche Konsequenz bring das mit sich: Bedeutet dies einen Verlust europäischer Sprachkultur, unterschied-licher Denk-, Text- und Wissenschaftstraditionen und die Herausbildung eines angelsächsischen Monopols in der geisteswissenschaftlichen Theoriebildung? Oder führt die zunehmende Anglifizierung der Geisteswissenschaften vielmehr zu einer gesellschaftlichen Demokratisierung, weil wissenschaftliche Erkenntnisse von breiteren Gesellschaftsschichten rezipiert werden können?
Diese Fragen diskutieren Jürgen Trabant (FU Berlin), Winfried Thielmann (TU Chemnitz), Gisela Schneider (DAAD) und Louise Röska-Hardy (KWI) im Rahmen des Projektes DEUTSCH 3.0 am 4. November im Gespräch mit KWI-Direktor Claus Leggewie. Dabei stehen die Vor- und Nachteile einer verstärkt englischsprachigen Kommunikation in den Geisteswissen-schaften, aber auch die Konsequenzen für die europäische Sprach-förderpolitik und die sprachpolitische Ausgestaltung des universitären Forschungs- und Lehrbetriebs im Fokus.
Das Projekt DEUTSCH 3.0 ist eine Initiative des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Duden, dem Institut für Deutsche Sprache und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

[|profil.vschreiber], 23.10.14

Lesart: Beispiel Mali. Was man für ein verwundetes Land tun kann

v.l.n.r. Charlotte Wiedemann, Henner Papendieck, Claus Leggewie, Tobias Debiel
© KWI, Foto: Georg Lukas

Mali gehörte einst zu den Zentren islamischer Wissenschaft und Kultur. Heute leidet das westafrikanische Land unter Armut und Abhängigkeit, in der jüngeren Vergangenheit wurde es außerdem durch Rebellion und Krieg geschwächt. Zur komplexen Situation in Mali äußerten sich in der Reihe Lesart am 13.10. im Gespräch mit KWI-Direktor Claus Leggewie die Autorin und Journalistin Charlotte Wiedemann, der Ökonom und Entwicklungshelfer Henner Papendieck sowie Tobias Debiel, Direktor des Käte Hamburger Kollegs Duisburg und Spezialist für Fragen humanitärer Intervention.
Thematisiert wurden die Schwierigkeiten einer nachhaltigen Entwicklungshilfe, die Folgen der französischen Intervention vor anderthalb Jahren und der Umgang mit den Tuareg im Norden des Landes. Papendieck erläuterte, wie nach dem Ende des Gaddafi-Regimes in Libyen erfahrene Tuareg-Söldner nach Mali zurückgekehrt waren und moderne Waffen mitbrachten. Der eigentliche Konflikt im Land schwelt seit Jahrzehnten, die Nomaden streiten unter anderem für mehr Autonomie, verfolgen teilweise aber auch schlicht kriminelle Interessen. Charlotte Wiedemann, Autorin des jüngst erschienenen Buchs „Mali oder das Ringen um Würde. Meine Reise in einem verwundeten Land“ (Pantheon Verlag, München 2014), betonte, dass die Tuareg, die für viele Europäer das Bild von Mali prägen, letztlich nur zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Ihre Miliz sei eine „Minderheiten-Miliz mit geschäftlichen Interessen“. Um das Land zu stabilisieren kommt nach Einschätzung von Tobias Debiel nur eine Fortsetzung dezentraler Politik in Frage. Charlotte Wiedemann wünscht sich für Mali außerdem weniger Entwicklungshilfe und mehr internationale Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Die ganze Diskussion können Sie hier nachhören. Das KWI veranstaltet die Reihe Lesart gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen.

Helena Rose, 20.10.14

Neuerscheinung: „Soziologie und Nationalsozialismus. Positionen, Debatten, Perspektiven“

Soziologie und Nationalsozialismus. Positionen, Debatten, Perspektiven

Das Verhältnis von Soziologie und Nationalsozialismus besitzt zwei Dimensionen: Die soziologische Analyse des Nationalsozialismus und die fachhistorische Perspektive. Letztere differenziert sich wiederum in fachliche Aktivitäten zwischen 1933 und 1945 auf der einen und den Umgang deutscher Soziologinnen und Soziologen mit der NS-Verstrickung ihres Faches auf der anderen Seite. Mit der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), dem deutschen soziologischen Fachverband, haben sich in dem von Michaela Christ und Maja Suderland herausgegebenen Band „Soziologie und Nationalsozialismus. Positionen, Debatten, Perspektiven“ (Suhrkamp, Frankfurt 2014), Henning Borggräfe und Sonja Schnitzler auseinandergesetzt. Sie arbeiten die Hintergründe der Stilllegung der DGS nach deren „Selbstgleichschaltung“ heraus und zeigen in einem weiteren Schritt, dass – entgegen der fachöffentlichen Wahrnehmung seit dem Beginn der 1980er Jahre – das Thema NS-Belastung verbandsintern verhältnismäßig rege diskutiert wurde. Dabei wandelten sich im Laufe der Jahre die Vorstellungen dessen, was als belastend galt. Die nun vorliegende Studie geht zurück auf die ersten Ergebnisse des von Hans-Georg Soeffner geleiteten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Soziologie als Organisationsgeschichte – Von den sozialwissenschaftlichen Diskursnetzwerken der Gründerjahre bis 1989“, das seit 2012 am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) angesiedelt ist.

[|profil.vschreiber], 16.10.14

KWI on Tour: „Bild und Klang - Die Kunst der Interpretation“

Bild und Klang: „Die Kunst der Interpretation“

Am 14. Oktober startet zum zwölften Mal die öffentliche Vorlesungsreihe „Bild und Klang“ in der Dortmunder Stadtkirche St. Reinoldi. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dortmund, dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) sowie der Conrad-von-Soest-Gesellschaft finden bis zum Semesterende wöchentlich Vorlesungen in der romanischen Basilika statt. Die Kirche dient dabei nicht nur als Hörsaal, ihr Raum und ihre Kunstwerke rücken immer wieder selbst in den Blick: als Thema der Vorlesung und zuweilen auch als Widerpart für andere, scheinbar nicht in den Raum gehörende Bilder und Klänge. Im Wintersemester 2014/15 steht die Reihe unter dem Motto „Die Kunst der Interpretation“. Jede wissenschaftliche Analyse ist Interpretation, ebenso jede Aufführung von Musikstücken und jede Ausstellung von Kunstwerken. Auch Künstler, Schriftsteller und Komponisten interpretieren: Themen, Aufgaben oder Ereignisse. Den Auftaktvortrag halten Musikwissenschaftler Michael Stegemann und Kunsthistorikerin sowie KWI-Vorstandsmitglied Barbara Welzel. Beide bilden zugleich die Leitung der Vorlesungsreihe. Weitere Informationen zu den einzelnen Terminen können Sie dem Flyer entnehmen.

[|profil.vschreiber], 13.10.14

KWI on Tour: WissensNacht Ruhr – „Abenteuer Klima“

Links: Matthias Scheidig und Sophia Schönborn; Rechts: Britta Acksel und Gunnar Fitzner
© KWI

Bei der WissensNacht Ruhr am 2. Oktober zum Thema „Abenteuer Klima“ präsentierten zahlreiche Einrichtungen ihre wissenschaftliche Arbeit und Forschung auf innovativen Wegen einer breiten Öffentlichkeit. Insgesamt 8.000 Besucher fanden zur WissensNacht, die an 11 Standorten in 6 Städten des Ruhrgebiets stattfand.
Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) trat am Portalort Essen mit zwei unterschiedlichen Formaten auf, einer Grafik-Werkstatt zu den Herausforderungen der lokalen Energiewende und einer dokumentierten Filmvorführung unter dem Motto zukünftiger Lebens- und Ernährungsweisen im Ruhrgebiet. Im Rahmen der Grafik-Werkstatt diskutierten Sophia Schönborn und Lea Schmitt mit Besuchern und Besucherinnen jeder Altersgruppe während der Künstler Matthias Scheidig die gesammelten Ideen in Form eines Bildes umsetzte. Die Bandbreite der Ideen reichte von gängigen Themen wie Mobilität und Erneuerbarer Energie bis hin zum Tierschutz. Beim zweiten Programmpunkt des KWI zeigten Britta Acksel und Gunnar Fitzner am Beispiel von Filmausschnitten der Städte New York City und der Freistadt Christiania kontrastierende Zukunftsvisionen für das Ruhrgebiet auf. In der Diskussion widmete man sich vor allem dem Aspekt des Nahrungsmittelanbaus auf grünen Dächern in der Stadt. Im Zentrum stand dabei stets die Frage was für das Ruhrgebiet wünschenswert und umsetzbar ist.

[|profil.vschreiber], 09.10.14

KWI on Tour: 50. Deutscher Historikertag – Sektion „Herrschaft und ihre Mittlerinstanzen“

50. Deutscher Historikertag

Mit der Sektion „Herrschaft und ihre Mittlerinstanzen. Lokale Administrationen und Akteure in den deutsch besetzten Gebieten des Zweiten Weltkriegs“ war das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 23. September auf dem 50. Deutschen Historikertag in Göttingen vertreten. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden zu der unter Federführung von Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Europa am KWI, und Peter Haslinger, Direktor des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung, stehenden Veranstaltung.
Einführend entwickelte Tönsmeyer einen Besatzungsbegriff, der es ermöglicht, diese als eine spezifische Form von sozialer Praxis zu verstehen und dadurch zu einer differenzierten Beurteilung von Lokalverwaltungen als Mittlerstellung zwischen Besatzern und Besetzten im Europa während des Zweiten Weltkriegs zu gelangen. Mit Beiträgen zu Dänemark, der Ukraine, Griechenland und Belgien stellten dann mit Karl Christian Lammers (Kopenhagen), Tanja Penter (Heidelberg), Hagen Fleischer (Athen) und Dirk Luyten (Brüssel) vier Kooperationspartner der forschungsorientierten Quellenedition einschlägige Fallbeispiele zur Diskussion und zeigten u. a., dass einheimische Akteure gerade im Bereich der Versorgung eine wichtige Rolle spielten. Insgesamt erweisen sich die Handlungsspielräume der diskutierten Mittlerinstanzen als insgesamt zwar schmal, aber als vielschichtiger und dynamischer, als bisher von der Forschung angenommen. Nach einem abschließenden Kommentar von Dieter Pohl (Klagenfurt), der insbesondere die Wichtigkeit der gesamteuropäischen Perspektive der Sektion hervorhob, zeigte die Diskussion, dass die frühere Dichotomie von „Kollaboration“ und „Widerstand“ der unter Besatzungsbedingungen herrschenden Komplexität nicht gerecht werden kann.

Helena Rose, 06.10.14

„DER GRÖSSTE KÜNSTLER IST DIE WIRKLICHKEIT SELBST“ - JOCHEN GERZ AM KWI

Jochen Gerz
© KWI, Foto: Georg Lukas

Am 25. September war der Konzeptkünstler Jochen Gerz am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) zu Gast, um mit Claus Leggewie und dem Publikum über sein aktuelles Bochumer Projekt „Platz des europäischen Versprechens“ zu diskutieren. Gerz, der von Volker Heins in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Global Cooperation Research Centre eingeladen worden war, ist in Deutschland vor allem durch Aufsehen erregende Installationen im öffentlichen Raum bekannt. Dazu gehören etwa das zusammen mit Esther Shalev konzipierte Mahnmal gegen den Faschismus in Hamburg, das Mahnmal gegen Rassismus in Saarbrücken oder der Platz der Grundrechte in Karlsruhe.
Nach einem Vortrag zu seinem Kunstwerk in Bochum diskutierte Gerz mit dem Publikum über die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum: Wie geht der Künstler damit um, dass seine Werke nicht „sicher“ im Museum aufgehoben, sondern eben in der Öffentlichkeit und damit dem Wechselspiel der Tagespolitik ausgesetzt sind? Gerz machte klar, dass er diesen Aspekt sehr ernst nimmt. In Graz beispielsweise ist von der FPÖ gegen den Widerstand aus der Bevölkerung beschlossen worden, die NS-Mahntafeln seines Projekts „63 Jahre danach“ abzumontieren. Gleichwohl sieht der Künstler keine Alternative im Rückzug der Kunst aus der Öffentlichkeit: „Das wäre ja noch schöner, wenn die Kunst nur noch herumdümpeln würde.“ Gerade bei den Erfahrungen mit dem Platz des Europäischen Versprechens in Bochum wurde die Faszination des Künstlers und des Publikums spürbar, die von der Vorstellung ausgeht, tausende Namen Lebender an einem öffentlichen, stark frequentierten Platz festzuhalten. Denn automatisch drängt sich bei dem Gedanken an die „in Stein gemeißelten“ Namen die Projektion in die Zukunft auf. Sie werden auch dann noch dort stehen, wenn diejenigen, die Europa hier ihr geheimes Versprechen gegeben haben, nicht mehr leben. Am Ende blieb die Frage offen, was dann aus Europa geworden sein wird.

[|profil.vschreiber], 02.10.14

KWI on Tour: WissensNacht Ruhr – Abenteuer Klima

WissenschaftsNacht Ruhr

Bei der ersten WissensNacht Ruhr am 2. Oktober verwandelt sich das Ruhrgebiet in ein lebendiges Labor. Zwischen 16 und 24 Uhr wird sich an fünf zentral gelegenen Portalorten in den Innenstädten von Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen alles um den Themenschwerpunkt „Klima“ drehen. Zahlreiche Einrichtungen laden interessierte Besucher und Besucherinnen ein, die Wissenschaftslandschaft Ruhr zu erkunden.
Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) präsentiert sich im Essener Haus der Technik mit zwei Programmpunkten. Ab 19 Uhr lädt die Grafik-Werkstatt „Mosaik Energiewende: Ideen für meinen Stadtteil“ dazu ein, das abstrakte Projekt Energiewende mit Leben zu füllen. Aus den Ideen und Vorstellungen der Besucher und Besucherinnen soll mit der Unterstützung eines Künstlers ein Mosaik-Bild zur Stadt der Zukunft entstehen. Um 19:30 Uhr zeigt das KWI im Rahmen des Programmpunkts „CineScience meets WissensNacht Ruhr: Zukunftsvision – Energie und Stadt“ Filmausschnitte und lädt das Publikum ein, über urbane Energienutzung und klimaschonende Innovationen nachzudenken und zu diskutieren.
Weitere Informationen finden Sie hier.

[|profil.vschreiber], 25.09.14

Der Literarische Salon: Lesung mit Clemens J. Setz

Claus Leggewie (links), Clemens J. Setz (rechts)
© KWI, Foto: Georg Lukas


Geschichten gespickt mit grotesken Ideen und subtilem Horror, voller gewalttätiger Momente und zärtlicher Gesten vereint Clemens J. Setz im Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ (Suhrkamp, Berlin 2011) und wurde dafür 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Der 32-jährige Grazer las die Erzählung „Mütter“ am 17. September beim Literarischen Salon im Essener Grillo-Theater vor. Darin geht es um Männer, die so einsam sind, dass sie sich fürsorgliche, mütterliche Geborgenheit erkaufen - von Frauen, die sich auf dieses Klientel spezialisiert haben: Sie gehen mit den vereinsamten Männern nach Hause und machen dort Ordnung, räumen auf und schauen fern, während sie stetig dahinplätschernd meckern. Über die Auswahl der Themen und die Muster in seinen Erzählungen sprach Claus Leggewie mit dem Autor. Anschließend beeindruckte der Schriftsteller das Publikum mit einer spontanen Obertongesangseinlage und seiner eigenen Interpretation des Songs „The Lion sleeps tonight“.

Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Gast der nächsten Veranstaltung am 5. November ist die Schriftstellerin Felicitas Hoppe.

[|profil.vschreiber], 22.09.14

WBGU Sondergutachten „Klimaschutz als Weltbürgerbewegung“

v.l.n.r. Prof. Sabine Schlacke (WBGU), Prof. Peter Lemke (WBGU), Prof. Hans Joachim Schelllnhuber (WBGU), Staatssekretär Dr. Georg Schütte (BMBF), Dr. Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin, Prof. Dirk Messner (WBGU), Prof. Claus Leggewie (WBGU), Dr. Inge Paulini (WBGU) © WBGU


Die Klimapolitik tritt auf der Stelle, der Klimawandel schreitet ungebremst voran. Doch inmitten dieser Menschheitskrise erstarken Bewegungen in Richtung Nachhaltigkeit, die sich neuerdings überall in der Zivilgesellschaft formieren: Soziale Netzwerke, Städte und Kommunen, Religionsgemeinschaften, Unternehmensallianzen und Staatenclubs erweitern Klimaschutzinitiativen und treiben die politischen Entscheidungsträger zum kraftvollen Handeln jenseits des Tagesgeschäfts an. Diese verantwortungsbewussten Initiativen sind dringend nötig, um die internationale Klimadiplomatie zu ergänzen und wiederzubeleben. Denn aktuelle wissenschaftliche Befunde machen deutlich, dass CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern bis 2070 vollständig heruntergefahren werden müssen.

Diese Ergebnisse zeigt das neue Sondergutachten „Klimaschutz als Weltbürgerbewegung“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), das heute anlässlich des vom UN-Generalsekretär einberufenen Klimagipfels in New York an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Staatssekretär Dr. Georg Schütte (BMBF) übergeben wurde. Darin empfiehlt der WBGU eine Doppelstrategie für die internationale Klimapolitik: Zum einen soll das geplante Pariser Abkommen im kommenden Jahr den weltweiten Ausstieg aus den fossilen CO2-Emissionen festschreiben. Zum anderen sollten zivilgesellschaftliche Initiativen gefördert werden, durch die sich Akteure Verantwortung aneignen und eigenständig Beiträge zu einer klimaverträglichen Lebens- und Wirtschaftsweise leisten.

Zu den neun Mitgliedern des WBGU zählt seit 2008 der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), Claus Leggewie. Er forscht zu Fragen der Demokratie und Bürgerbeteiligung in Bezug auf den Klimawandel. Die Pressemitteilung zum Sondergutachten des WBGU finden Sie hier.

[|profil.vschreiber], 17.09.14

Lesart Spezial: Deutsche Geschichten – 25 Jahre Mauerfall

v.l.n.r. Michael Hofmann, Roland Jahn, Maike Albath, David Wagner© KWI, Foto: Georg Lukas

Am 9. September sprach Moderatorin Maike Albath bei Lesart Spezial im Essener Grillo-theater mit Roland Jahn, dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, dem Schriftsteller David Wagner und dem Soziologen Michael Hofmann über ihre unterschiedlichen Perspektiven auf und Erfahrungen mit dem politischen Regime der ehemaligen DDR.
Im Mittelpunkt standen die beiden jüngst erschienen Bücher von David Wagner und Roland Jahn. In „Drüben und drüben - Zwei deutsche Kindheiten“ (Rowohlt Verlag, Reinbek 2014) berichten David Wagner und Jochen Schmidt darüber, wie unterschiedlich sie in ihrer Kindheit und Jugend das Aufwachsen links und rechts der Grenze erlebten. Interessant ist dabei, wie unterschiedlich bei beiden der Protest gegen die Elterngeneration ausfiel. Michael Hofmann stellt dazu fest, dass diese Proteste in der DDR von oben „gedeckelt“ waren. Die Familien mussten zusammen halten, um nicht mit dem Staat anzuecken.
Für Roland Jahn war diese Konfrontation irgendwann unvermeidlich. In seinem Buch „Wir Angepassten - Überleben in der DDR" (Piper Verlag, München 2014) schildert er anhand seiner eigenen Biographie, welchen Spielraum und welche Verantwortung der Einzelne in einer Diktatur hat. Nach der Biermann-Ausbürgerung wird Jahn wegen kritischer Kommentare von der Uni geworfen, später kommt es zur gewaltsamen Abschiebung in den Westen. Jahn wollte sich seine Heimat aber nicht nehmen lassen und unterstützte als Journalist vom Berliner Westen aus Oppositionelle. Der 9. November 1989 war für ihn ein Glückstag.

Die ganze Diskussion können Sie hier nachhören.
Das KWI veranstaltet die Reihe Lesart Spezial gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen.

Helena Rose, 16.09.14

CineScience: Krieg und Film

CineScience: Krieg und Film

Nicht zuletzt wegen des Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, erfährt das Thema ‚Krieg‘ in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in den Medien. In der Filmgeschichte war Krieg von Anfang an ein zentraler Gegenstand, Kriegsfilme zählen zumeist zu den erfolgreichen Kinoereignissen. Wie das Thema filmisch verarbeitet wird, steht im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe CineScience: Krieg und Film, die nach zwei erfolgreichen Veranstaltungen im Frühjahr ab Oktober fortgeführt wird. An zwei weiteren Abenden greift das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) unterschiedliche Aspekte des Themas auf und beleuchtet diese anhand von Filmausschnitten mit Gästen aus Kunst und Wissenschaft und in der Diskussion mit dem Publikum im Filmstudio Glückauf. Am 21. Oktober geht es unter dem Motto „Ich lach' mich tot - Komödie und Krieg“ um humoristischen und satirischen Umgang mit Krieg im Film. Dies wird unter anderem mit Filmausschnitten aus Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ (1964) illustriert. Am 11. November wird anhand von Ausschnitten aus „The Thin Red Line“ (1998) von Terrence Malick und Christian Freis „War Photographer“ (2001) die Bedeutung und Wirkung der Kriegsfotografie diskutiert.
Die Reihe wird vom Verein zur Förderung des KWI gefördert. Nähere Informationen können Sie dem aktuellen Flyer zur CineScience-Reihe Krieg und Film entnehmen.

[|profil.vschreiber], 08.09.14

Symposium: Die Gabe der Kooperation

Symposium: Die Gabe der Kooperation

Die Einladung zum Essen ist eine verbreitete Form des Geschenks, mit dem man nicht nur etwas gibt, sondern auch etwas investiert und die Beschenkten mehr oder weniger zur Gegengabe verpflich-tet. Zugleich stiftet das gemein-same Essen etwas Drittes, Ge-meinschaft vielleicht, gleichsam als würde man den Anderen mit der einverleibten Speise in sich aufnehmen. Am 23. September widmet sich das Symposium „Die Gabe der Kooperation“ des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) der Frage, welches Potenzial die Gabe des Essens hat, vor allem im Blick auf die globale Kooperation in der Weltgesellschaft. Das Symposium betrachtet die ‚Formate‘ des Essens im politischen, akademischen und geschäftlichen Leben, die versuchen, auf die Kraft der beim gemeinsamen Essen entstehenden Gemeinschaft zurückzugreifen. Dazu gehören etwa Dinner Speech, Brown Bag Lunch und akademisches Symposium. Auch bei der internationalen Lebensmittelhilfe, wenn tausende von Tonnen Lebensmittel in Krisen- und Hungergebiete geschafft und dort verteilt werden, steht die Gabe im Zusammenhang mit Nahrung. Hier wird durch die Gabe des Essens eine höchst ungleiche Beziehung zwischen Empfangenden und Gebenden geschaffen, die strukturelle Ungleichheiten aufrechterhält.
Das Symposium findet im Rahmen der Ruhrtriennale statt. Weitere Informationen können Sie dem Flyer und dem ausführlichen Programm zur Veranstaltung entnehmen.

[|profil.vschreiber], 28.08.14

Der Literarische Salon im Herbst 2014

Der Literarische Salon 2014

Die Termine für den Literarischen Salon im Herbst 2014 stehen fest: Am 17. September empfangen Navid Kermani, Orientalist und Schriftsteller, und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), den jungen Autor Clemens J. Setz, der bereits 2011 mit seinen Erzählungen „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ (Suhrkamp, Berlin 2011) die Feuilletons bewegte und mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Seit seinem bizarren wie gleichsam aufregendem Roman „Indigo“ (Suhrkamp, Berlin 2012) gilt Setz als einer der wichtigsten Vertreter seiner Generation. Nicht weniger renommiert ist Felicitas Hoppe, Gast des Literarischen Salons am 5. November. Die Büchner-Preisträgerin wird unter anderem aus ihrem Roman „Hoppe“ (S. Fischer Verlag, Frankfurt 2012) lesen, mit dem sie die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel raffiniert unterläuft.
Der Literarische Salon findet auf Initiative des KWI statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Nähere Informationen können Sie dem aktuellen Flyer zur Reihe entnehmen.

[|profil.vschreiber], 14.08.14

Neuerscheinung: „Environmental and Climate Change in South and Southeast Asia. How are Local Cultures Coping?“

Environmental and Climate Change in South and Southeast Asia

Wie nehmen lokale und regionale Kulturen Umweltveränderungen und Klimawandel in Vergangenheit und Gegenwart wahr? Wie haben sie sich an veränderte Bedingungen angepasst und wie stellen sie sich nun darauf ein? Diese Fragen stehen im Zentrum des Sammelbandes „Environmental and Climate Change in South and Southeast Asia. How are Local Cultures Coping?” (Brill 2014), der diesen Monat erscheint und den zweiten Band der Publikationsreihe „Climate and Culture” bildet. Am Beispiel lokaler Kulturen Süd- und Südostasiens gehen die Autoren und Autorinnen der Frage nach, wie diese mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen. Der Fokus liegt hierbei auf drei Ländern mit hoher Emissionsrate: Indien, Indonesien und Thailand. Während im dominanten Klimadiskurs meist Sichtweisen westlicher Kulturen repräsentiert werden, nimmt der von Barbara Schuler herausgegebene Band indigene Perspektiven und Praktiken in den Blick und gibt so Einsichten in hinduistische, buddhistische und islamische Umgangsweisen mit Umweltveränderungen. Basierend auf der Auswertung von Quellenmaterial und Feldforschung heben die Beiträge die enge Verbindung von Klimalösungen, Wissensformen und den soziokulturellen sowie politischen Praktiken in Gesellschaften hervor.
Die Publikationsreihe wird von Carmen Meinert, Professorin für Religionen Zentralasiens an der Ruhr-Universität Bochum und Research Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) sowie KWI-Direktor Claus Leggewie herausgegeben. Sie nimmt das Verhältnis von Klima-, Umwelt- und Kulturgeschichte in den verschiedenen Weltregionen in den Blick und rückt damit eine bisher wenig beachtete Facette der Umwelt- und Klimaforschung ins Zentrum.

[|profil.vschreiber], 06.08.14

Scholars in Residence: Ein Abschlussbericht

Omer Aijazi, Martin David
© Omer Aijazi/Martin David

Das seit 2009 gemeinsam vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Goethe-Institut betriebene geistes- und kulturwissenschaftliche Residenzprogramm „Scholars in Residence“ konnte im Frühjahr 2014 erfolgreich abgeschlossen werden. Während seiner insgesamt fünfjährigen Laufzeit hat es den internationalen Austausch von Nachwuchswissen-schaftler/innen im Bereich der Kulturwissenschaften nachhaltig gefördert und wurde mit steigender Tendenz als eine attraktive Chance internationaler Kooperation und Netzwerkbildung genutzt — insbesondere auch von ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Anders als bei herkömmlichen Residenzstipendien handelt es sich im Falle des Scholars in Residence-Programms um ein Tandemprogramm: Zwei Nachwuchswissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern besuchen sich gegenseitig und kooperieren im Rahmen ihrer Forschung miteinander.
Am KWI fand das Programm seinen Abschluss mit dem wissen-schaftlichen Austausch zwischen dem deutschen Kulturwissenschaftler Martin David und seinem kanadisch-pakistanischen Partner Omer Aijazi. Das gemeinsame Arbeitsthema war Katastrophenforschung: Omer Aijazi untersucht soziale Strategien zur Krisenüberwindung nach Überschwemmungskatastrophen in Pakistan, Martin David die Langzeitfolgen der nuklearen Katastrophe Tschernobyl auf den deutschen Ökostrommarkt. Die jeweiligen Gastaufenthalte beider Wissenschaftler in Deutschland bzw. Kanada wurden zur Veranstaltung mehrerer Workshops zum Thema social repair genutzt, aus denen weitere Publikationsprojekte hervorgehen werden.

[|profil.vschreiber], 30.07.14

Neuer Jahresbericht erschienen

KWI Bericht 2012/2013

Der neue Jahresbericht des Kulturwissen-schaftlichen Instituts Essen (KWI) über die Jahre 2012/2013 ist erschienen. Der Bericht informiert ausführlich über die Forschung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts in den verschiedenen Forschungsschwerpunkten und zugehörigen Projekten.
Darüber hinaus dokumentiert er die im Institut entstandenen Publikationen, die Veranstaltungen der vergangenen zwei Jahre und den Dialog des Instituts mit Kultur und Öffentlichkeit. Der Jahresbericht kann ab sofort in der Geschäftsstelle in der Goethestraße 31 abgeholt werden und steht hier als PDF zum Download bereit.

[|profil.vschreiber], 23.07.14

Buchvorstellung und Diskussion: Ulrich Herbert „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“

Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert


Deutschland im 20. Jahrhundert — das sind zwei Weltkriege, eine gescheiterte Demokratie, Hitler-Diktatur und Holocaust, ein 40 Jahre lang geteiltes Land. Aber es ist auch Sozialstaat, Wohlstand, Liberalisierung und Globalisierung, eine erfolgreiche Demokratie und die längste Friedensperiode der europäischen Geschichte. Ulrich Herbert, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, analysiert dieses ungeheure Jahrhundert in seinem neuen Werk „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ (C.H.Beck Verlag, München 2014). Der renommierte Historiker stellte am 8. Juli im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) sein Buch im Gespräch mit KWI-Direktor Claus Leggewie vor. In der Diskussion ging es auch um leichte Verschiebungen historischer Zäsuren. So ist für Herbert das Jahr 1942 ein Fixpunkt für die Wahrnehmung des deutschen 20. Jahrhunderts. Im Sommer dieses Jahres begann mit der ‚Aktion Reinhard‘ die systematische Vernichtung der Juden in Polen und somit der von Herbert und vielen anderen als ‚Tiefpunkt‘ deutscher Geschichte beschriebene Holocaust. Für den Autor steht daher die Frage im Mittelpunkt seiner Untersuchung, wie ein Land, das um 1900 zu den aufstrebenden und vielversprechendsten Nationen Europas gehörte und zu Beginn des 21. Jahrhunderts ebenfalls ein erfolgreiches und international anerkanntes Land geworden ist, zu diesem ‚Tiefpunkt‘ in der Mitte dieser Zeitspanne kommen konnte. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Gartensaal im KWI machte die nach wie vor große Bedeutung dieser Frage sichtbar. Herbert distanziert sich damit von der häufig benutzten Formel eines ‚kurzen‘ Jahrhunderts, das von 1914 bis 1989/1991 reiche und weitet den zeitlichen Zugriff auf diese Epoche weiter aus, von der Zeit um 1900 bis in die Gegenwart hinein. Herberts Buch erscheint als Teil einer Reihe von Einzeldarstellungen europäischer Nationen im C.H. Beck Verlag.

[|profil.vschreiber], 15.07.14

KWI-Klassikerworkshop: Kategorienlehre nach Aristoteles

Aristoteles
© Ludovisi Collection, Foto: Jastrow

Kaum eine Schrift des Aristoteles hat den weiteren Verlauf der (antiken) Philosophie durch ihre Terminologie und inhaltliche Ausrichtung so stark geprägt wie die Kategorienschrift. Dennoch wirft sie viele Fragen auf, selbst ihre Rolle im philosophischen Projekt des Aristoteles ist nicht unumstritten. Was genau sind die Kategorien: rein logisch-dialektische Instrumente, die man in unterschiedlichen Kontexten zu argumentativen Zwecken einsetzen kann, oder eher ontologisch grundlegende Begriffe bzw. Grundbestimmungen, anhand deren sich das Seiende lückenlos einteilen lässt bzw. einteilen lassen sollte? Diese und weitere Funktionen der Kategorien diskutierten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit den Referenten Jan Opsomer und Mareike Hauer (beide Universität Leuven, Belgien) unter der Leitung von Marcel van Ackeren (Universität zu Köln) beim KWI-Klassikerworkshop „Aristoteles: Kategorienlehre“ am 3. und 4. Juli im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Im Workshop wurde die Kategorienschrift vorgestellt und in ihrer Bedeutung für das aristotelische Projekt erläutert. Ausgehend davon wurde Plotins Kritik an ihr sowie die späteren Versuche, die Kategorienlehre in die platonische Ontologie zu integrieren, untersucht. Schließlich wurden auch neuere Ansätze zu ihrem Verständnis diskutiert.

Die KWI-Klassikerworkshops widmen sich Klassikern des Denkens unterschiedlicher Epochen und Kontexte. Sie ermöglichen es fortgeschrittenen Masterstudierenden, Promovierenden und Promovierten aus dem Bereich der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, klassische Positionen des Denkens, exemplarische Texte, wesentliche Grundthesen und wirkungsmächtige Problemstellungen konzentriert und vertieft kennen zu lernen und zu diskutieren.

[|profil.vschreiber], 08.07.14

Tagung: „Environmental Change and African Societies – Past, Present, and Future”

Teilnehmerinnen und Teilnehmer (von links nach rechts): Nele Fabian, Irit Eguavoen, Jan Schuster, Munyaradzi Mawere, Ton Dietz, Laura Jeffery (vorne), Rob Byrne, Julia Tischler, Jonas Østergaard-Nielsen, Ben Fanstone, Emmanuel Kreike, Samuel Awuah-Nyamekye (vorne), Victoria Böhnke, Ingo Haltermann, Delali Dovie, James McCann, Steven Engler
© KWI, Foto: Nele Fabian

Wie können afrikanische Gesellschaften den Herausforderungen durch den globalen Klimawandel begegnen? Zur Klärung dieser Frage beleuchteten Afrika-Experten aus Afrika, Europa und den USA am 13. und 14.6. am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) das Verhältnis verschiedener afrikanischer Gesellschaften zu Umweltveränderungen und -krisen sowie zu den damit verbundenen Regulierungsbestrebungen und Diskursen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des interdisziplinären Workshops „Environmental Change and African Societies“ betrachteten aus historischer, gegenwarts- und zukunftsbezogener Perspektive und anhand verschiedener Fallbeispiele aus allen Teilen Afrikas Aspekte der Mensch-Umwelt-Beziehungen. Bezüglich der Eingangsfrage stellten sich Prozesse der Wissensproduktion, -übersetzung und -vermittlung als zentral heraus: Lassen sich Analogien zwischen historischen Umweltdiskursen und heutigen globalen Debatten über Klimawandel und dessen Regulierung finden? Kann gegenwartsbezogene Forschung an historische Arbeiten zum Umgang mit Umweltveränderungen anknüpfen? Und wie wird mit der Notwendigkeit umgegangen, von der lokalen Ebene afrikanischer Gesellschaften Einfluss auf die globale Ebene des Klimaschutzes zu nehmen und den globalen Klimaanpassungsdiskurs mit den Wissens- und Praxisbeständen afrikanischer Kulturen in Einklang zu bringen? Ende 2015 erscheinen die Beiträge der von Julia Tischler (re:work, Humboldt Universität Berlin) und Ingo Haltermann (KWI) geleiteten Tagung in einem Sammelband der der von Carmen Meinert und Claus Leggewie herausgegebenen Buchreihe „Climate and Cultures“ des Brill-Verlags. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Fritz-Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung.

[|profil.vschreiber], 02.07.14

Neuerscheinung: „Potenziale für energieeffizientes Modernisieren in Essen. Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage“

Potenziale für energieeffizientes Modernisieren in Essen. Ergebnisse einer Bevölkerungsumfrage

Wie viele Gebäude in Essen sind bereits nach modernen Standards energetisch saniert? Welches sind die häufigsten Sanierungsmaßnahmen und warum? Welche Bedeutung haben staatliche Fördermaßnahmen? Diese Fragen klärt eine Studie zu den Potenzialen der energieeffizienten Gebäudemodernisierung in Essen im Rahmen des Projekts „Klima-Initiative Essen. Handeln in einer neuen Klimakultur“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Basierend auf einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage von 1.000 Essener Bürgerinnen und Bürgern wird die aktuelle Wohnungssituation in Essen untersucht. Die Studie basiert auf einer milieuspezifischen Analyse der Wohnverhältnisse, wobei sich die befragten Personen sinnvoll in drei Teilgruppen aufteilen lassen: Hauseigentümer, Wohnungseigentümer und Mieter. 62 Prozent aller befragten Hauseigentümer und 49 Prozent aller befragten Wohnungseigentümer leben in einem energetisch modernisierten Gebäude, lautet eines von zehn zentralen Ergebnissen. Neben einer ausführlichen Bestandsaufnahme liefert die Studie auch praxisorientierte Empfehlungen für Beratungsangebote rund um das Thema energetische Gebäudemodernisierung. Dies kann in Zukunft dabei helfen, Beratungsangebote und Informationskampagnen zielgruppengerechter zu gestalten. So scheint es z.B. ratsam, Angebote dezentral(er) zu planen, gerade wenn es darum geht, mieterspezifische Themen zu platzieren. Die Studie steht hier zum Download bereit.

[|profil.vschreiber], 26.06.14

Migration trifft Komik: Kurzfilm und Diskussion im Rahmen des Essener Kulturpfadfestes 2014

Baustein des Essener Kulturpfades

Jedes Jahr im Juni lädt das Essener Kulturpfadfest zu einer Expedition in Sachen Kultur. Seit 2002 finden sich ausgehend vom Pfad der blauen Leuchtsteine zwischen Museum Folkwang und Marktkirche ganz unterschiedliche Kulturstätten und Institutionen mit einem gemeinsamen Angebot der offenen Türen zusammen. Konzeptionell wurde das Kulturpfadfest in diesem Jahr besonders um interkulturelle Angebote bereichert. Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) beteiligte sich am 13. Juni mit einem Angebot zum Thema Migration und Komik in der Essener Lichtburg. In Kooperation mit dem Essener Katakomben-Theater zeigte Halyna Leontiy, Leiterin des Forschungsprojekts „Migration und Komik“ am KWI, einen videographischen Kurzfilm mit Ausschnitten aus den Bühnenprogrammen der deutsch-türkischen Comedy-Kabarettisten Aydin Isik und Fatih Cevikkollu sowie der russlanddeutschen Kabarettistin und Sängerin Katharina Fast. Im Anschluss an die Präsentation wurde die Thematik, Stilistik sowie die Wirkung dieser Komik-Episoden interaktiv mit dem Publikum diskutiert. Von besonderem Interesse waren Fragen nach gesellschaftlichen Selbst- und Fremd-Positionierungen, Identifikationen und Abgrenzungen sowie nach dem Beitrag des Komischen für die Gestaltung der multikulturellen Gesellschaft Deutschlands. Viele Besucher mit und ohne Migrationshintergrund fühlten sich durch die Inhalte des Kabaretts persönlich angesprochen und diskutierten aufgeregt mit den Vertretern der älteren Generation (z.B. deutschen Lehrern), die eine andere Perspektive auf die Thematik „Rassismus, Diskriminierung und Stigmatisierung“ zeigten.

[|profil.vschreiber], 23.06.14

Tagung: „Humanitarianism and Changing Cultures of Cooperation”

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung
© KHK/GCR21, Foto: Georg Lukas

Der Humanitarismus kanalisiert enorme Ressourcen und ist zu einem scheinbar universalen Begründungsmodus für Interventionen in die „inneren Angelegenheiten“ von Staaten geworden. Gleichzeitig ist humanitäres Handeln ein Beispiel für eine Kooperation, die auf einer Kultur der Gabe statt auf reiner Nutzenmaximierung basiert.
Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) unter der Federführung von Claus Leggewie, Volker Heins und Christine Unrau vom 5.-7. Juni 2014 die Konferenz „Humanitarianism and Changing Cultures of Cooperation”.
Motivation und Legitimation humanitären Handelns wurden diskutiert, ebenso wie die Auswirkungen eines sich verändernden globalen Umfeldes. Dabei zeigten etwa HistorikerInnen Prozesse des Wandels im Humanitarismus auf, wie z.B. den Übergang von einem Paradigma der Wohltätigkeit zu einem Paradigma der Wissenschaft am Ende des imperialen Zeitalters. AnthropologInnen und SoziologInnen analysierten die humanitäre Kooperation zwischen westlichen NGOs und lokalen religiösen Autoritäten oder das Engagement islamischer humanitärer Organisationen im subsaharischen Afrika. PolitikwissenschaftlerInnen beleuchteten problematische Entwicklungen wie die zunehmende Militarisierung humanitärer Hilfe.
Diese standen auch im Zentrum der Käte Hamburger Lecture, die von Thomas G. Weiss, City University New York, gehalten wurde. Unter dem Titel „Humanitarianism’s Contested Culture” analysierte Weiss die Prozesse der Militarisierung, Politisierung und Ökonomisierung, die das Narrativ des humanitären Helfers als „Samariter” in Frage stellen. Fritz Breithaupt, Indiana University Bloomington, widmete sich hingegen der Empathie als Grundlage für Humanitarismus und ihren „dunklen Seiten“. Einen Kontrapunkt zur Thematisierung von Dilemmata und Ambivalenzen des Humanitarismus setzte die politische Philosophin Seyla Benhabib, Yale University, in ihrer Vorlesung mit dem Titel „From the Right to Have Rights to the Critique of Humanitarian Reason. Against the Cynical Turn in Human Rights Discourse.”

[|profil.vschreiber], 17.06.14

WBGU Politikpapier „Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken – Ein Beitrag zur SDG-Debatte“

WGBU Politikpapier

Umweltschutz und Armutsbekämpfung sind kein Widerspruch, im Gegenteil: Maßnahmen zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen sind nicht nur Voraussetzung, sondern können auch zum Motor von Wohlstandszuwächsen bei den unteren Einkommensgruppen der Welt werden. Zu diesen Schlüssen kommt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umwelt-veränderungen (WBGU) in dem Politikpapier „Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken – Ein Beitrag zur SDG-Debatte“, das am 4. Juni in Berlin durch die WBGU-Vertreter Peter Lemke, Dirk Messner und Sabine Schlacke an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller übergeben wurde.
Die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) sollen im kommenden Jahr die Millenniumentwicklungsziele der Vereinten Nationen ablösen und prägen somit weltweit die Debatten zur Entwicklungspolitik. Der WBGU empfiehlt, bei dem neuen Zielkatalog Entwicklung und Umweltschutz gemeinsam zu betrachten und insbesondere die globalen Umweltveränderungen einzubeziehen. Dazu enthält das Politikpapier Vorschläge, wie Leitplanken für globale Umweltveränderungen im SDG-Katalog verankert und durch entsprechende Handlungsziele operationalisiert werden sollten. Im September beginnen die zwischenstaatlichen Verhandlungen zu den nachhaltigen Entwicklungszielen, die im Herbst 2015 von der UN-Generalversammlung verabschiedet werden sollen.
Zu den neun Mitgliedern des WBGU zählt der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), Claus Leggewie. Leggewie gehört dem WBGU seit 2008 an und forscht zu Fragen der Demokratie und Bürgerbeteiligung in Bezug auf den Klimawandel.

[|profil.vschreiber], 12.06.14

CineScience: Krieg und Film: Wessen Hunger? Krieg und Helfen

Florian Wüst
© KWI, Foto: Armin Flender

Während Krieg zunächst Tod und Zerstörung bringt, leiden die Menschen darauffolgend immer an Hunger. In einem historischen Dreisprung vom Ende des Zweiten Weltkriegs über die 1970er Jahre bis in die Gegenwart zeigte der Künstler und Filmkurator Florian Wüst am 3. Juni im Filmstudio Glückauf anhand von Ausschnitten aus Dokumentar- und Kurzfilmen, welches Elend der Hunger bedeutet, aber auch wie das System des Helfens eigenen ökonomischen Interessen folgt. Gezeigt wurden Passagen aus Filmen wie „Hunger“ von 1948 oder kontroversen Filmprojekten wie „Episode III – Enjoy Poverty“ des Niederländers Renzo Martens.
Gemeinsam mit dem Publikum diskutierten Florian Wüst und Volker Heins, Leiter des Forschungsbereichs Interkultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), die in den vielschichtigen Filmausschnitten angedeuteten Zusammenhänge zwischen Krieg, Hunger, Industrialisierung und Konsum. Die Veranstaltung war der zweite Abend der Reihe „CineScience“, die unterstützt vom Verein zur Förderung des KWI im Jahr 2014 unterschiedliche Aspekte des Themas „Krieg und Film“ aufgreift. Die nächste Veranstaltung in dieser Reihe findet am 21. Oktober unter dem Titel „Ich lach‘ mich tot – Komödie und Krieg“ statt.

[|profil.vschreiber], 10.06.14

KWI on Tour: „Wir waren heute beim Türken“ - Grenzen und Potentiale des deutsch-türkischen (Comedy-) Kabaretts für die multikulturelle Gesellschaft Deutschlands

Halyna Leontiy, Uri Bülbül
© RAA Verein NRW e.V, Foto: Markus Dercks

Türken, Deutsch-Türken, deutsche Türken, türkische Deutsche oder doch einfach Deutsche? – Welche gesellschaftliche Selbst- und Fremd-Positionierungen lassen sich durch die Videoanalyse der Kabarett-/Comedy-Programme von Künstlern und Künstlerinnen der (post-)migrantischen Generationen herausarbeiten? Welche Art der Abgrenzung und der Identifikation findet auf der Bühne statt? Diesen und weiteren Fragen ging Halyna Leontiy in der Präsentation ihres am Kulturwissenschaft-lichen Institut Essen (KWI) angesiedelten Forschungsprojektes „Migration und Komik“ am 22. Mai im Katakomben-Theater nach. In ihrem Vortrag verglich sie Comedy-Kabarett-Programme von drei deutsch-türkischen Künstlern – Murat Topal aus Berlin sowie Aydin Isik und Fatih Cevikkollu aus Köln – und kam zu dem Schluss, dass sich alle drei Vertreter der 2. Generation türkischer Gastarbeiter im Dilemma der Selbst- und Fremdzuschreibungen befinden. Sie äußern sich kritisch über die Integrationspolitik Deutschlands und sind der Ansicht, dass soziale Probleme in Deutschland kulturalisiert und auf die Herkunft der Betroffenen reduziert werden. In ihren Bühnenprogrammen distanzieren sie sich zunehmend von der Migrations-/ Integrationsthematik und stellen ihr Türkisch-Sein nicht mehr in den Vordergrund. Während sich diese Künstler auf der Bühne mittels Thematisierung eigener Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen um Aufklärung und soziopolitische Kritik bemühen, sind sie als Künstler auf den deutschen Kabarett-/Comedy-Markt angewiesen, der durch deutsches bürgerliches Publikum dominiert wird, das auf der Bühne „einen Türken“ sehen will. Dieses Dilemma und mögliche Auswege aus dieser Sackgasse wurden im Anschluss an die Präsentation mit den Repräsentanten des Katakomben-Theaters, Uri Bülbül und Kazim Çalisgan, sowie mit dem Theater-Publikum diskutiert.

[|profil.vschreiber], 05.06.14

Vortrag: „Der Nationalsozialismus und die deutsche Soziologie“

Henning Borggräfe
© KWI, Foto: Armin Flender

Der Beginn der NS-Herrschaft markierte einen Einschnitt für die deutschen Soziologen und die 1909 gegründete „Deutsche Gesellschaft für Soziologie“ (DGS). Nach 1945 beteuerten ihre Wiedergründer, die Soziologie sei von den Nazis bekämpft und die DGS aufgelöst worden. Mit der in den 1980er Jahren einsetzenden fachhistorischen Aufarbeitung wurde diese Behauptung dagegen als Mythos bezeichnet, der ein jahrzehntelanges Verdrängen der „braunen Schatten“ der Soziologie zur Folge gehabt habe. Henning Borggräfe zeigte am 13. Mai in seinem Vortrag „Der Nationalsozialismus und die deutsche Soziologie“ auf, wie die DGS 1933 auf den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft reagierte und beschrieb die unterschiedlichen Etappen des Umgangs der Fachgesellschaft deutscher Soziologen nach 1945 mit ihrer NS-Vergangenheit. Der Vortrag bildete den Abschluss der Veranstaltungsreihe „Sozialforschung und Politikberatung“ des Vereins zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI).

[|profil.vschreiber], 30.05.14

Der Literarische Salon: Lesung mit Miljenko Jergović

v.l.n.r. Ingrid Dohman, Miljenko Jergović, Anne-Kathrin Godec, Claus Leggewie
© KWI, Foto: Georg Lukas


Als einen Autor, der „in die Weltliteratur eingehen“ werde, stellte Claus Leggewie in seiner Einführung Miljenko Jergović vor. Die Bücher des aus Sarajevo stammenden Autors sind bereits in 15 Sprachen übersetzt worden. Um die Sprachenvielfalt im ehemaligen Jugoslawien ging es auch im Gespräch mit Jergović im Literarischen Salon in der Buchhandlung Proust am 7. Mai. Im Grunde hätten das Kroatische, das Serbische und das Bosnisch-Montenegrinische nur leicht unterschiedliche Melodien, erklärte Jergović, aber die Unterschiede seien betont und künstlich untermauert worden, als seien es vier verschiedene Sprachen. Jergović gilt im ehemaligen Jugoslawien nicht nur als literarische Autorität, sondern auch als eine moralische Instanz. Er spielt gerne mit kleinen Details der Geschichte und deren Folgen - was wäre zum Beispiel, wenn ein Muslim das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand begangen hätte? Tief beeindruckt ist Jergović von der Ausstellung „1914“, die er am Tag nach der Lesung auf Zeche Zollverein besichtigt, und in der der Attentäter Gravilo Princip nicht einmal vorkommt. Seine Eindrücke hält er in dem Essay „Deutschland als Erinnerung und Gewissen eines vereinigten Europas“ fest.

Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Gast der nächsten Veranstaltung am 17. September ist der österreichische Schriftsteller Clemens J. Setz.

Helena Rose, 27.05.14

Lesart Spezial: Europas Einigung und ihr deutsches Herz

© Petra Schmidt / pixelio.de
© Petra Schmidt / pixelio.de

Diese Woche ist es soweit: EU-Bürgerinnen und Bürger wählen zum achten Mal das Europäische Parlament – Doch wie geht es weiter mit Europa? Durch die Schuldenkrise, Ukraine-Krise und allgemeine Europaverdrossenheit scheint der Staatenverbund vor vielen Herausforderungen zu stehen. Am 6. Mai diskutierte Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), die Lage der Euro-päischen Union mit seinen Gästen Angelo Bolaffi, italienischer Politologe und Philosoph, sowie dem Essener Historiker Wilfried Loth.
Im Mittelpunkt standen die beiden jüngst erschienen Sachbücher der Autoren. In Loths neuem Buch „Die Einigung Europas“ (Campus Verlag, Frankfurt 2014) beschreibt der Geschichtswissenschaftler die europäische Entwicklung nach 1945 als ein unvollendetes Erfolgsmodell. Einen der Hauptgründe für Unmut der EU gegenüber sieht Loth in der fehlenden Öffentlichkeit und Transparenz der Debatten. „Europa wird gehasst, weil man Europa nicht versteht“, so Loth. Gewisse Entscheidungsfindungen im Rahmen der Euro-Krise seien für die Menschen nicht nachvollziehbar. Die Europäische Union bezeichnete er als ein nicht abgeschlossenes Projekt, das wahrscheinlich auch nie ganz abgeschlossen sein werde.
Der italienische Politologe Angelo Bolaffi aus Rom beleuchtet in „Deutsches Herz, das Modell Deutschland und die europäische Krise“ (Klett-Cotta, Stuttgart 2014) vor allem die Rolle Deutschlands für Europa. Europaweit sieht er die politische Elite an der Reihe. Sie müsse „zu großen Fragen Position beziehen, Stellung nehmen und sagen: Es geht nicht einfach so. Wir müssen die Reformen anpacken“, so Bolaffi. Brüssel dürfe von Politikern nicht als Vorwand genutzt werden, um sich vor der Verantwortung für die Schwächen der eigenen nationalen Politik zu drücken. Das KWI veranstaltet die Reihe Lesart Spezial gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen.

[|profil.vschreiber], 22.05.14

Buchvorstellung und Diskussion: „Globale Krise: Krieg, Klimawandel und Katastrophen im 17. Jahrhundert“

Geoffrey Parker
© KWI, Foto: Susanne Pahl

Das 17. Jahrhundert war das kälteste Jahrhundert der vergangenen tausend Jahre. Es herrschten unregelmäßige Wetterverhältnisse, lange Winter und kalte, nasse Sommer, die Vegetationszeiten waren unterbrochen und die Ernten fielen schmal aus. Diese klimatischen Bedingungen führten global zu Hunger und Krankheiten, Kriegen und Rebellionen, sodass fast ein Drittel der Weltbevölkerung der Krise zum Opfer fiel. Diese historischen Erfahrungen mit den Risiken und Folgen des Klimawandels sind zentraler Gegenstand des Buches „Global Crisis: War, Climate Change & Catastrophe in the Seventeenth Century" (Yale University Press: New Haven & London 2013) des weltweit renommierten Historikers Geoffrey Parker, der am 5. Mai zu Gast im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) war und sein Buch vorstellte. Parker, Inhaber der Andreas Dorpalen-Professur für europäische Geschichte an der Ohio State University, USA, sprach über die Herausforderungen seines Buchprojekts, an dem er insgesamt sechzehn Jahre lang arbeitete. Er wertete eine Vielzahl von Quellen sowohl europäischer als auch beispielsweise asiatischer Herkunft aus, um so aus erster Hand zu präsentieren, wie die klimatischen Verhältnisse des 17. Jahrhunderts mit politischen, ökonomischen und sozialen Krisen zusammenhängen. Darüber hinaus fragt Parker, welche möglichen Lehren sich aus den historischen Erfahrungen für die Folgen des gegenwärtigen Klimawandels ziehen lassen. Die Buchvorstellung wurde ergänzt durch Kommentare der Historiker Wolfgang Behringer und Bernd Roeck, beide Experten der Geschichte des 17. Jahrhunderts sowie der Klimageschichte. KWI-Direktor Claus Leggewie moderierte die Veranstaltung. Die Buchvorstellung war Teil der Tagung „Climate Change and Global Crisis in the Seventeenth Century“, die am 5. und 6. Mai unter Leitung von KWI-Vorstandsmitglied Franz Mauelshagen und Geoffrey Parker im KWI stattfand.

Helena Rose, 19.05.14

CineScience: Krieg und Film: „Kaiserreich und Großer Krieg. Reflexionen in Film und bildender Kunst“

CineScience: Krieg und Film
© KWI, Foto: Armin Flender

Die in militarisierten Ritualen und Standesdünkel erstarrte Welt des deutschen Kaiserreiches ging im Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs unter. Künstler, die den Krieg zunächst als Befreiung empfunden hatten, verzweifelten rasch angesichts der Schrecken und Brutalität des Krieges. Eingerahmt von zeitgenössischen Plakaten und Gemälden von Otto Dix, diskutierten Mario von Lüttichau, René Grohnert (Museum Folkwang) und Peter Ellenbruch (Universität Duisburg-Essen) anhand von Filmausschnitten aus „Die Börsenkönigin“ (Edmund Edel, 1918), „Westfront 1918“ (G.W. Pabst, 1930) und „Der Untertan“ (Wolfgang Staudte, 1951) über unterschiedliche Weisen, in denen über den Ersten Weltkrieg reflektiert wurde. Die Veranstaltung im Filmstudio Glückauf am 6. Mai war der Auftakt zur diesjährigen CineScience-Reihe mit dem Thema „Krieg und Film“, die zweite Veranstaltung am 3. Juni widmet sich dem Thema „Wessen Hunger? Krieg und Helfen“. CineScience wird vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts gefördert, Kooperationspartner ist in diesem Jahr das Museum Folkwang und der Kunstring Folkwang.

Helena Rose, 15.05.14

Installation „Wandelwerk / Mind Mine“

Wandelwerk
© Mirjam Strunk

Der Wandel reißt Löcher, leert Fabriken, verwildert Flächen und bebaut Brachen. Er präge die Identität des Ruhrgebiets, sagt man. Aber wer oder was prägt das Wesen des Wandels? Die in Bochum lebende Künstlerin Mirjam Strunk hat sich in der Region auf die Suche nach ‚Meistern der Metamorphose‘ gemacht und Menschen der unterschiedlichsten Berufe, Systeme, Kulturen und Generationen nach ihren persönlichen Erfahrungen und professionellen Ansichten zum Thema Wandel, Transformation, Verwandlung, Metamorphose befragt. Unter anderem hat sie hierzu auch Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsschwerpunkts PartizipationsKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), befragt, die dem Thema aus einer wissenschaftlichen Perspektive begegnet. Die Gespräche und Interviews präsentiert Mirjam Strunk seit dem 30. April in der begehbaren Installation „Wandelwerk / Mind Mine“ auf dem Theatervorplatz des Schauspielhauses Bochum. Noch bis zum 5. Juli können Interessierte die kostenfreie Installation besuchen, die im Rahmen des Bochumer Kunstfestivals „Das Detroit Projekt“ stattfindet.

Helena Rose, 12.05.14

KWI-VORSTAND BEGRÜSST NEUES MITGLIED

Prof. Dr. Ute Schneider
© UDE

Die Historikerin Ute Schneider wurde für die kommenden zwei Jahre zur neuen Vertreterin der Universität Duisburg-Essen (UDE) im Vorstand des Kulturwissen-schaftlichen Instituts Essen (KWI) bestellt. Ute Schneider studierte Neuere und Mittelalterliche Geschichte und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. Sie wurde an der Technischen Hochschule Darmstadt promoviert und habilitiert. Seit 2007 ist sie Professorin für Sozial- und Wirtschafts-geschichte an der Universität Duisburg-Essen. Frau Schneider forscht zu den Themenfeldern Sozial-, Geschlechter-, Rechts- und Kulturgeschichte Europas im 19. und 20. Jahrhundert, Kartographie sowie Methodologie der Geschichtswissenschaft. Sie ist außerdem Mitherausgeberin der Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte, der Neuen Politischen Literatur sowie von Geschichte erzählt.
Die Ruhr-Universität Bochum wird von der Philosophin Corinna Mieth im KWI-Vorstand vertreten, die Technische Universität Dortmund durch die Kunsthistorikerin Barbara Welzel. Der Vorstand des Kulturwissen-schaftlichen Instituts entwickelt und beschließt die Grundlinien der Institutsarbeit und entscheidet mit der Mehrheit seiner stimm-berechtigten Mitglieder über Budget, Personal und Forschungs-programm.

Helena Rose, 08.05.14

Vortragsreihe: „Europa, wie weiter?“

Europa, wie weiter?

Die Einigung Europas ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Zu ihr gehörten stets auch Krisen, aus denen das "europäische Projekt" immer wieder gestärkt hervorging. In der gegenwärtigen, seit 2008 andauernden Finanz- und Staatschuldenkrise ist das anders. Nun steht in den Augen vieler das Projekt selbst auf dem Spiel. Die einzelstaatlichen Interessen ergänzen sich nicht mehr, sondern stehen gegeneinander. Die Krise betrifft das Selbstverständnis und die Fundamente Europas. Die Initiative Europäische Horizonte greift dies mit der Vortrags-reihe „Europa, wie weiter?“ auf. In insgesamt acht Vorträgen, die vom 5. bis 15. Mai in Aachen gehalten werden, werden entscheidende Antriebskräfte und Etappen der Geschichte des europäischen Einigungsprojekts rekapituliert. Ein besonderer Akzent liegt auf der Ost-Erweiterung nach dem Ende des Kommunismus. Darüber hinaus beleuchten die Referenten zentrale Aspekte der gegenwärtigen Lage in Europa und liefern Beiträge zur Ursachenforschung und zur Diagnose. Schließlich sucht die Vortragsreihe nach Wegen der Erneuerung und Weiterführung des europäischen Projekts.
Unter dem Leitthema Europäische Horizonte haben sich die Stadt Aachen, das Institut für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen, das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI), die Regionale Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn sowie das EUROPE DIRECT Informationsbüro Aachen zu einer Initiative zusammengeschlossen. In gemeinsamen Veranstaltungen und Veröffentlichungen werden in regelmäßiger Folge zentrale Zukunftsfragen Europas erörtert.

Helena Rose, 30.04.14

Lesart Spezial: Mit einem Attentat die Welt entzünden.Von der bedrückenden Aktualität des Ersten Weltkriegs

v.l. Michael Epkenhans, Peter Lange, Gregor Mayer
© KWI, Foto: Helena Rose

Ende Juni ist es 100 Jahre her, dass in Sarajevo das österreichische Thronfolgerpaar ermordet wurde. Einen Monat später begann der Erste Weltkrieg. Auf dem Buchmarkt macht sich das in Form monumentaler Werke bereits seit längerem bemerkbar. Peter Lange, Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur, sprach bei Lesart Spezial am 8. April im voll besetzten Café Central des Grillo Theaters Essen mit Michael Epkenhans vom Zentrum für Militärgeschichte in Potsdam über „Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs" (C. H. Beck, München 2014) des Freiburger Historikers Jörn Leonhard und mit Gregor Mayer über sein Buch „Verschwörung in Sarajevo. Triumph und Tod des Attentäters Gavrilo Princip" (Residenz Verlag, St. Pölten 2014). Mayer erläuterte die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts bis heute wandelnde Rezeption der Figur Gravilo Princip, der im Jugoslawischen Zerfallskrieg zu einem serbischen Nationalisten gemacht wurde, der er zum Zeitpunkt des Attentats nicht war. „Zu dem Zeitpunkt war er bereits ein jugoslawischer, ein pan-jugoslawischer Nationalist, der ein vereinigtes Jugoslawien haben wollte“, erklärte Mayer. Jüngere Intellektuelle entdecken Gavrilo Princip heute in diesem Licht wieder „[…] als jemand, der die Okkupation, fremde Unterdrückung bekämpft hat“, so Mayer. Epkenhans fand lobende Worte für das Buch Jörn Leonhards, unter anderem aufgrund seiner ausführlichen Darstellung der Auswirkungen des Krieges in die deutsche und alle beteiligten Gesellschaften: „[…] mit einer Genauigkeit, die mir bisher so nicht untergekommen ist.“
Die Aufzeichnung der Veranstaltung wurde im Programm des Deutschlandradios Kultur ausgestrahlt und steht als Podcast zur Verfügung.

Helena Rose, 28.04.14

Bilanztagung des Projekts „SPREAD – Scenarios of Perception and Reaction to Adaptation“

v.l. Inge Paulini, Harald Welzer
© Bernd Sommer

Für einen gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit bedarf es eines tieferen Verständnisses von Etablierungs- und Ausbreitungsprozessen sogenannter Nachhaltigkeitsinnovationen. Dieser Aufgabe stellte sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „SPREAD – Scenarios of Perception and Reaction to Adaptation“, das drei ehemalige deutsche Bürgerinitiativen aus dem Bereich erneuerbarer Energie untersuchte. Am 26. März fand der von Andreas Ernst, Center for Environmental Systems Research (CESR), und Harald Welzer, Mitbegründer und Direktor der gemeinnützigen Stiftung Futurzwei und Direktor des Norbert Elias Center for Transformation Design & Research (NEC) der Universität Flensburg, geleitete Forschungsverbund mit einer Bilanztagung im Projektzentrum Berlin der Stiftung Mercator öffentlich seinen Abschluss. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage nach der Verquickung zwischen Mikro- und Makroebene von Diffusionsprozessen im Bereich der Nachhaltigkeitsinnovationen: Wie wird Nachhaltigkeit mainstream? Diese Frage berührte Aspekte basisdemokratischer Beteiligung und Kommunikation ebenso wie gesellschaftliche Responsivität über Milieugrenzen hinweg. Die vorgestellten Ergebnisse dieser vierjährigen Kooperation zwischen KWI und CESR und ihrer Teilprojekte „Bedingungen erfolgreicher sozio-technischer Wandlungen“ (KWI) und „Quantitative Erhebung und Modellierung“ (CESR) wurden von Cordula Kropp, Reinhard Loske, Wander Jager und Klaus Rennings kommentiert und den insgesamt 40 TagungsteilnehmerInnen aus Wissenschaft und Ministerien interessiert diskutiert.

Helena Rose, 24.04.14

CineScience: Krieg und Film

CineScience: Krieg und Film
© KWI

Nicht zuletzt in Folge der Auslandseinsätze der Bundeswehr steht der „Krieg“ seit einiger Zeit wieder verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit und wird durch das Gedenken an den Ausbruch des Ersten und Zweiten Weltkriegs in diesem Jahr weithin sichtbar sein. In der Filmgeschichte war Krieg von Anfang an ein zentraler Gegenstand, Kriegsfilme zählen zumeist zu den erfolgreichen Kinoereignissen. In der CineScience-Reihe Krieg und Film greift das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) an vier Abenden unterschiedliche Aspekte des Themas auf und beleuchtet diese anhand von Filmausschnitten mit Gästen aus Kunst und Wissenschaft und in der Diskussion mit dem Publikum im Filmstudio Glückauf. Dabei wird es um den Ersten Weltkrieg im Film, das Thema Krieg und Helfen, die Frage der Selektivität und Fiktion in der Kriegsfotografie und das Thema Krieg im humoristischen und satirischen Film gehen. Die Reihe wird vom Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) gefördert. Eröffnet wird die Reihe am 6. Mai mit dem Thema „Kaiserreich und Großer Krieg. Reflexionen in Film und bildender Kunst.“ Nähere Informationen können Sie dem aktuellen Flyer zur CineScience-Reihe Krieg und Film entnehmen.

Helena Rose, 17.04.14

KWI on Tour: „Universität im Spannungsfeld zwischen Wissenschaftsfreiheit, religiöser Vielfalt und medialer Darstellung“

Volker Heins
© Universität Duisburg-Essen

Wie sieht der multikulturelle Campus von morgen aus? Dieser Frage ging Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunkts InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und Professor für Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, im Rahmen eines Kolloquiums nach, das am 24. und 25. März an der Universität Duisburg-Essen stattfand. Die Veranstaltung mit dem Titel „Universität im Spannungsfeld zwischen Wissenschaftsfreiheit, religiöser Vielfalt und medialer Darstellung“ wurde angestoßen durch eine Initiative des Senats und des Rektorats der Universität, die damit auf den sogenannten Essener Posterstreit reagierten. Dieser Streit drehte sich um ein Ereignis im Juni 2013: Eine muslimische Studentin hatte Plakate der Ausstellung „What Comics Can Do“ mit dem Hinweis beschädigt, dass sie ihre religiösen Gefühle verletzt sah. Volker Heins nahm die sich daran entzündende Debatte zum Anlass, am Beispiel angelsächsischer Universitäten die Dimensionen einer „multikulturellen Campus-Ethik“, exemplarische Konfliktfälle sowie neue Konfliktlösungs-verfahren zu erläutern. Dabei ließ er die Frage offen, ob es sich in dem konkreten Fall tatsächlich um einen interkulturellen Konflikt handelte oder nicht vielmehr um ein weiteres Beispiel der zunehmenden Brutalisierung unserer Gesellschaft, die sich auch andernorts in einer wachsenden Gewaltbereitschaft und iher strafrechtlichen Folgenlosigkeit zeigt. Die vom WDR moderierte, gut besuchte Veranstaltung wurde bestritten durch zahlreiche Vorträge von Professorinnen zu Themen wie der Wissenschafts- und Kunstfreiheit, der Dynamik interkultureller Konflikte sowie ihrer massenmedialen Aufheizung. Bereichert wurde das Kolloquium zudem durch viele Beiträge der anwesenden Studierenden sowie durch Interventionen von Vertretern des Rats muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA), der Stiftung Mercator und anderer Gruppen.

Helena Rose, 15.04.14

Symposium: „(K)eine Wissenschaft für sich: Klimaforschung und die politische Herausforderung des Klimawandels“

ReferentInnen des Symposiums
© AWK NRW

Der anthropogene Klimawandel gilt seit zwei Jahrzehnten als die größte ökologische und damit auch politische, gesellschaftliche und ökonomische Herausforderung unserer Zeit. Seine wissenschaftliche Untersuchung ist zugleich eine der größten interdisziplinären Forschungsunternehmungen der letzten 25 Jahre. Nach dem aktuellen Stand der Klimaforschung fragte das Symposium „(K)eine Wissenschaft für sich: Klimaforschung und die politische Herausforderung des Klimawandels“, das am 20. März auf Initiative des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf stattfand. In drei Panels widmeten sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Disziplinen der Diagnose des Klimawandels und diskutierten Maßnahmen, um ihn abzuschwächen („mitigation“) bzw. seine negativen Auswirkungen zu mindern („adaptation“). Franz Mauelshagen, Vorstandsmitglied des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und Leiter des Forschungsprojekts „Climates of Migration“ am KWI, gab im Rahmen des zweiten Panels „Sozial- und Geisteswissenschaften im Klimawandel“ unter dem Titel „Die Zukunft der Klimageschichte“ einen Überblick über die historische Klimaforschung und fragte insbesondere nach dem Wandel unseres Bildes von Klima und Klimawandel. Den Abschluss des Symposiums bildete die Vorführung des Dokumentarfilms „Der Klimawandel. Forschung zwischen Wissenschaft und Politik“ (DOMAR Film GmbH), der ein Panorama der deutschen Wissenschaftslandschaft zum Thema Klimawandel zeichnet. Neben dem Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung GEOMAR, dem Alfred‐Wegener‐Institut, dem Helmholtz‐Zentrum für Polar‐ und Meeresforschung (AWI), dem Biodiversität und
Klima Forschungszentrum (BiK‐F) sowie dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie wird in diesem auch die Arbeit des KWI porträtiert.

Helena Rose, 10.04.14

Neuerscheinung: „Über Pop-Musik“

Über Pop-Musik

Ganze Generationskohorten von Pop-Fans hat er angeregt und aufgestört: Diedrich Diederichsen. Nun ist mit „Über Pop-Musik“ (Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014) das Ergebnis seines lebenslangen Nachdenkens über Pop erschienen. Pop-Musik, sagt Diederichsen, ist gar keine Musik. Musik ist bloß der Hintergrund für die viel tiefer liegenden, viel weiter ausstrahlenden Signale des Pop. Pop ist ein Hybrid aus Vorstellungen, Wünschen, Versprechungen. Er ist ein Feld für Posen und Pakte, für Totems und Tabubrüche. Der Autor bezieht seine Argumente aus Semiotik und Soziologie ebenso wie aus der Geschichte und Gegenwart der Pop-Kultur und aus den angrenzenden Gebieten Jazz, Kino, Oper. Bereits 2009 hat der international bekannte Theoretiker und Kritiker der populären Kultur im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Zukunft der Pop-Musik zwischen Straße, Galerie und Hobbykeller“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) an vier Abenden mit Pop-Musikwissenschaftler Christoph Jacke, Kunsthistoriker und Germanist Florian Cramer und Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Brigitte Weingart sowie einem interessierten Publikum über die künstlerische, ökonomische und gesellschaftliche Lage der Pop-Musik diskutiert. Für diese Möglichkeit dankt Diedrichsen im Nachwort seiner Publikation: „Claus Leggewie und das KWI haben mir die seltene Chance gegeben, meine Thesen schon in einem frühen Stadium mit vier Gesprächspartnern meiner Wahl zu diskutieren.“ Am 2. Oktober wird Diedrich Diedrichsen übrigens wieder zu Gast im KWI sein.

Helena Rose, 07.04.14

Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2014

Förderverein des KWI
© Verein zur Förderung des KWI

Auch in diesem Jahr vergeben der Verein zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und die Stiftung für Kulturwissenschaften den „Dissertationspreis Kulturwissenschaften". Ausgezeichnet werden hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit dem Preis wollen Förderverein und Stiftung die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs unterstützen und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften fördern. Bewerben können sich Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der drei UAMR-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen, deren Promotionsverfahren in den Jahren 2012, 2013 oder bis Ende April 2014 abgeschlossen wurde. Bewerbungsschluss ist der 17. Mai 2014. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier.

Helena Rose, 03.04.14

Volker Heins ist außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der RUB

Volker Heins
© Roberto Schirdewahn, RUB

Am 19. März hat Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum (RUB), den Leiter des Forschungsschwerpunkts InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), Volker Heins, zum außerplanmäßigen Professor für Politikwissenschaft ernannt. Der Rektor folgte damit dem Vorschlag des Rats der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB und einer Berufungskommission. Als neues Mitglied der Fakultät für Sozialwissenschaft wird Volker Heins in Zukunft neben seiner Forschungstätigkeit am KWI und am Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research in Duisburg jedes Semester eine Lehrveranstaltung im Feld der internationalen politischen Theorie und Ideengeschichte an der RUB anbieten und die bestehenden Kooperationen zwischen dem KWI und der RUB ausbauen. Seine vielbeachtete jüngste Veröffentlichung trägt den Titel „Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus“ (Campus Verlag, Frankfurt 2013).

[|profil.mschaeffer], 31.03.14

Workshop: „Perspektive NRW – Zentrale Trends und Herausforderungen für die Energiewende in Nordrhein-Westfalen“

TeilnehmerInnen des Workshops
© KWI, Foto: Steven Engler

Was sind die gesellschaftlich-ökonomischen Implikationen der Energiewende innerhalb der spezifischen Rahmenbedingungen Nordrhein-Westfalens? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Workshops des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie am 18. März in Düsseldorf. In ihren Impulsvorträgen griffen Anja Bierwirth (Wuppertal Institut), Karl-Rudolf Korte (Universität Duisburg-Essen), Marko Kleinbreuer (Region Köln/Bonn e.V.), Kai Mornhinweg (Unternehmer.NRW), Achim Vanselow (Deutscher Gewerkschaftsbund NRW) und Norbert Allnoch (IWR Münster) eben diese Implikationen auf und lieferten reichlich Input für die anschließenden Gruppen-diskussionen in den Themenclustern „Industrielle Infrastrukturen“, „Governance und Partizipation“ sowie „Mentalitäten und Verhaltens-muster“. Als Ergebnis des von Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, geleiteten Workshops lässt sich festhalten, dass von NRW spezifische Fragestellungen mit Blick auf die Energiewende ausgehen. Insbesondere ist der politisch-kulturelle und soziale Kontext NRWs mit Blick auf die bestehenden Handlungskorridore auf Bundes-ebene hervorzuheben. Wichtig für die weitere Erforschung des Themas ist zudem die Feststellung, dass NRW als Untersuchungsgebiet in seine einzelnen Regionen gegliedert werden muss, da es keine NRW-weit erkennbaren Muster gibt. Im Rahmen eines Virtuellen Institutes, das im gemeinsamen Verbundprojekt von KWI und Wuppertal Institut „Transformation – Energiewende NRW“ entwickelt wird, sollen diese nicht-technischen Fragestellungen der Energiewende aufgegriffen und akzentuiert werden.

[|profil.mschaeffer], 27.03.14

Der Literarische Salon: Von Eulenhassern und Hallenhäusern

v.l. Navid Kermani, Jan Wagner, Claus Leggewie
© Stiftung Mercator, Foto: Georg Lukas

Getarnt als Herausgeber stellt Jan Wagner in seinem neuesten Werk drei unbekannte Dichter und ihre Lyrik vor: Den Bauerndichter Anton Brant, der sich in handfester und lautmalerischer Sprache ländlicher Poesie widmet, den über Rom Elegien dichtenden Philip Miller und den verzweifelten Poeten Theodor Vischhaupt, der sein Lebenswerk der einengenden Form des Anagramms verschreibt. Wagner hat sie alle drei frei erfunden und doch zum Leben erweckt. Am 12. März war der Berliner Schriftsteller zu Gast im Literarischen Salon in der Buchhandlung Proust in Essen und sprach mit den beiden Gastgebern Claus Leggewie und Navid Kermani über sein jüngstes Buch „Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ (Hanser Berlin, Berlin 2012). Mit Witz, lyrischer Fingerfertigkeit und Liebe zum Detail erschafft er darin einen dichterischen und biografischen Kosmos, der bis in den in den Fußnoten ausgetragenen wissenschaftlichen Diskurs hineinreicht. Mit dem Kunstgriff der Erfindung und viel Humor holt Wagner fast verloren geglaubte Formen der Poesie auf unterhaltsame Art in die Gegenwart. Für Wagner sind Gedichte „ein Korsett, das zu viel Freiheit führt.“ Sie können auf engstem Raum alles zum Thema haben und es doch schaffen, dass man die Dinge nach dem Lesen nie wieder betrachtet wie zuvor, so Wagner.
Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Gast der nächsten Veranstaltung am 7. Mai ist der bosnische Schriftsteller Miljenko Jergović.

[|profil.mschaeffer], 24.03.14

Workshop: Zwischen Transparenz und Rufmord – Die Folgen der Plagiatsjagd

TeilnehmerInnen des Workshops
© KWI, Foto: Susanne Pahl

Die Erarbeitung der „Essener Thesen“ zum wünschenswerten Umgang mit Plagiarismus zum Wohl Promovierender bildete den Abschluss des Workshops „Zwischen Transparenz und Rufmord – die Folgen der Plagiatsjagd“ am 12. März, welcher mit der nun folgenden Verbreitung der Thesen und der Möglichkeit, die Thesen zu unterschreiben, Wirkung entfalten soll. Der maßgeblich von Promovenden des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) organisierte und von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Workshop behandelte in zwei Panels drängende Praxisfragen im Umgang mit Plagiatsverdachten. Ausgewiesene Expertinnen und Experten, darunter der ehemalige Verfassungsrichter Brun-Otto Bryde, die Medieninformatikerin Debora Weber-Wulff und die Geschäftsführerin der Research School der Ruhr-Universität Bochum Christiane Wüllner diskutierten mit dem Plenum über die Frage, was genau als Plagiat einzuordnen und ob die Selbstregulierung der Universitäten ausreichend sei. Weitere Fragen waren: Ist Plagiatsjägern Anonymität zuzugestehen? Wie ist die mangelhafte Aussagefähigkeit quantitativ arbeitender Plagiatssoftware in der Praxis zu bewerten? Wie können Versuche zum Rufmord mittels Plagiatsverdacht vereitelt werden? Die intensiven Debatten dieser Fragen sowohl aus Perspektive der Institution Universität, der Doktorandinnen und Doktoranden wie auch der freiwilligen Plagiatsaufdecker mündete schließlich in der Aufstellung der „Essener Thesen“. Zu ihrer Verbreitung und Zeichnung rufen die Autorinnen und Autoren die interessierte (wissenschaftliche) Öffentlichkeit auf.

Susanne Pahl, 19.03.14

Online-Ausgabe der „Enzyklopädie der Neuzeit“

Brill Verlag



Seit 2012 liegt die „Enzyklopädie der Neuzeit“ als Gemeinschaftspublikation des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Verlags J.B.Metzler vollständig in 16 Bänden vor. Ab April wird sie zusätzlich auf einer eigens für Nachschlagewerke entwickelten elektronischen Plattform des internationalen Wissenschaftsverlags Brill einzusehen sein. Das 3.500 Schlagwörter und 1.500 Abbildungen umfassende Standardnachschlagewerk zur Politik-, Sozial-, Religions-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (1450-1850) steht dann Universitäten und Bibliotheken kostenlos zur Verfügung und erleichtert so die Arbeit mit der Enzyklopädie in Studium und Forschung. Das bewährte und wissenschaftlich ausgewiesene Team von rund 100 Herausgeberinnen und Herausgebern sowie 1.300 Autorinnen und Autoren wird die elektronische Version der „Enzyklopädie der Neuzeit“ kontinuierlich auf dem aktuellen Stand der Forschung halten. Zugleich entsteht ebenfalls in Zusammenarbeit mit Brill unter dem Titel „Encyclopedia of Early Modern History“ (EEMH) eine englische Übersetzung, die die Inhalte der deutschen Fassung unverändert übernimmt. Die ersten digitalen englischen Artikel werden im Laufe des Jahres 2014 international zugänglich sein, die ersten gedruckten Bände der englischen Übersetzung sollen im Frühjahr 2015 vorliegen. In wenigen Jahren wird das komplette Werk daher zweisprachig sowohl gedruckt wie digital zur Verfügung stehen.

[|profil.mschaeffer], 17.03.14

Vortrag: „Democracy, Race, and Empire in the 21st Century”

Cornel West
© Cornel West

Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind die Themen, die den amerikanischen Intellektuellen Cornel R. West bewegen. Am 18. März hält der Professor für Philosophie und 'Christian Practices' in Dortmund auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Technischen Universität Dortmund einen Vortrag zu diesem Thema. Der afroamerikanische Aktivist und Philosoph, der am Union Theological Seminar in New York lehrt, liebt die Provokation. Er versucht, das Vermächtnis von Martin Luther King Jr. lebendig zu erhalten und Zeugnis für Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit abzulegen. Es ist sein zentrales Anliegen, auch Menschen außerhalb der Universität zu erreichen – nicht zuletzt deshalb ist West häufig Gast in Fernseh- und Radioshows und Autor von inzwischen zwanzig Büchern. Außerdem trat er in „Matrix Reloaded“ und „The Matrix Revolutions“ auf und kommentierte die 2004 erschienene DVD-Ausgabe der Matrix-Trilogie. Weitere Informationen können Sie dem Flyer zur Veranstaltung entnehmen.

Helena Rose, 13.03.14

KWI on Tour: Futurologischer Kongress des Goethe-Instituts Moskau

Publikum des Futurologischen Kongresses
© Gogol-Center, Moskau

Inwiefern ist die Zukunft bereits im Jetzt präsent? Was sagen uns die vielen Protestbewegungen vom ukrainischen Maidan-Platz, über Moskau bis zur US-amerikanischen Wall Street? Wie sieht die Zukunft der Städte aus, mit denen Städteplaner doch eigentlich schon baulich Fakten geschaffen haben? Diese und weitere Fragen diskutierten vom 14. bis 16. Februar Wissenschaftler und Experten aus Deutschland, Russland, Polen, Frankreich und Ungarn auf Einladung des Goethe-Instituts Moskau und dessen Projektpartner letterra.org beim zweiten „Futurologischen Kongress“. Sophia Schönborn, Junior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), brachte hierbei eine soziologische „bottom-up“-Perspektive ein, indem sie in ihrem Vortrag der Frage der „Grass-Roots Innovations for Intergenerational Justice?“ nachging. Die Betonung dieses bürgerschaftlichen Engagements stellt einen Gegenentwurf zu der vieldiskutierten Technikdominanz und -determination der Zukunft dar. Mit einer abschließenden öffentlichen Diskussionsveranstaltung endete der Kongress im Moskauer „Gogol-Center“, der als Dialog über die Zukunft mit Vertreterinnen und Vertretern aus rund zwölf verschiedenen Wissensgebieten eine große Teilnehmerzahl anlockte.

[|profil.mschaeffer], 10.03.14

Workshop: Zwischen Transparenz und Rufmord – Die Folgen der Plagiatsjagd

Dudeneintrag
© KWI, Foto: Susanne Pahl

In der gegenwärtigen Debatte um Plagiate wird selten betont, dass der kleinen Zielgruppe von promovierten Politikern eine große Masse gewissenhaft arbeitender und zunehmend verunsicherter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gegenübersteht. Unter der Überschrift „Rufmord darf sich nicht lohnen“ haben Frederic Hanusch, Junior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), und KWI-Direktor Claus Leggewie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Oktober letzten Jahres nach den Folgen und Nebenwirkungen der Plagiatsjägerei gefragt, wie sie bisher betrieben wurde. Sie stellten heraus, dass die Diskussionen zwar zunächst in einem öffentlichen Raum mit dem legitimen Anspruch auf Aufklärung von Fehlverhalten verlaufen, aber nicht selten zu vorschnellen Verurteilungen und zweifelhaften Bemühungen der Plagiatsjäger führen. Am 12. März veranstaltet das KWI den Workshop „Zwischen Transparenz und Rufmord – Die Folgen der Plagiatsjagd“, in welchem die Auswirkungen der aktuellen Plagiatsdebatte auf den täglichen Wissenschaftsbetrieb im Mittelpunkt stehen. Ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen über den aktuellen Stand der Plagiatsforschung, unterschiedliche Kontrollmechanismen und das dahinter stehende Wissenschaftsverständnis. Darüber hinaus werden "Essener Thesen" formuliert, die praxisnah den wünschens-werten Umgang mit Zitation und Plagiarismus zum Wohle gegenwärtiger und zukünftiger Promovierender adressieren und somit einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion darüber leisten, welche Lehren aus den (tatsächlichen und vermeintlichen) Plagiatsaufdeckungen der vergangenen Jahre zu ziehen sind.

[|profil.mschaeffer], 05.03.14

Neuerscheinung: „Europas Einigung. Eine unvollendete Geschichte“

Europas Einigung (Campus Verlag, Frankfurt/M. – New York 2014)

Im Oktober 2012 wurde die Weltöffentlichkeit mit der Mitteilung überrascht, dass die Europäische Union den Friedensnobelpreis des Jahres 2012 erhält. Mitten in einer akuten Krise des europäischen Integrations-prozesses erinnerte das Nobel-Komitee daran, dass die Geschichte der europäischen Integration trotz aller Krisen letztlich eine Erfolgsgeschichte war. Gleichzeitig appellierte es an die Europäer, diesen Erfolg nicht angesichts der Zumutungen, die sich aus dem Willen zum Festhalten an der Gemeinschaftswährung ergaben, leichtfertig aufzugeben. Im Hinblick auf die aktuelle Euro-Krise und die Zukunft der EU ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass Krisen eine ständige Begleiterscheinung der Entstehung und Entwicklung des europäischen Integrationsprozesses waren. Darüber die Erfolge der Europäischen Union nicht mehr wahrzunehmen wäre jedoch fatal. Wilfried Loth, Historiker an der Universität Duisburg-Essen und Vorstandsmitglied des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) schärft in der ersten Gesamtdarstellung der Geschichte der EU „Europas Einigung. Eine unvollendete Geschichte“ (Campus Verlag, Frankfurt/M. – New York 2014) den Blick für den Prozess der europäischen Einigung mit seinen Krisen und seinen unzweifelhaften Erfolgen. Loths historische Analyse beruht auf der Grundlage interner Quellen der Mitgliedsländer und der Gemeinschaft – von der Lancierung des Europarates und des Schuman-Plans im Kontext der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis hin zur »Euro-Krise« unserer Tage. Der Autor verdeutlicht, welche Antriebskräfte hinter dem europäischen Integrationsprozess stehen und wie dieser Politik und Gesellschaft in Europa nachhaltig verändert hat.
Auf Einladung des Instituts für Europäische Politik in Berlin und des KWI wird Loth sein Buch am 12. März im Europäischen Haus in Berlin vorstellen. Seine Thesen diskutiert er mit Günter Verheugen, EU-Kommissar a. D. und Honorarprofessor an der Europa-Universität Viadrina, und Mathias Jopp, Direktor des Instituts für Europäische Politik.

[|profil.mschaeffer], 27.02.14

Neuerscheinung: „Fragiler Pluralismus.“

Fragiler Pluralismus (Springer VS, Wiesbaden 2014)

Dass kulturelle Differenzen und darauf basierendes, wechselseitiges Nicht-
Verstehen verantwortlich sind für soziale und politische Konflikte, gehört zu den Standardüberzeugungen unserer Welt. Diese beruhen allerdings auf einem Kulturverständnis, das Kulturen als Substanzen missversteht und glaubt, diese Substanzen miteinander vergleichen zu können. Das verdeckt die eigentlichen Ursachen der meisten Kommunikationsprobleme: den Ursprung, die Wirkungsweise und die Labilität von Kommunikationsmaximen und existenziellen Hypothesen. Der von Hans-Georg Soeffner, Vorstandsmitglied des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), und Thea Boldt, Research Fellow am KWI und derzeit Vertretungsprofessorin für das Fachgebiet „Sozialwissenschaftliche Grundlegungen von Fallanalysen“ an der Universität Kassel, herausgegebene Sammelband „Fragiler Pluralismus“ (Springer VS, Wiesbaden 2014) stellt gelebte und bewährte Formen der Koorientierung und Kooperation in pluralistischen Gesellschaften in den Mittelpunkt und fragt nach ihren Regeln und Mustern. Die Beiträgerinnen und Beiträger gehen hierbei davon aus, dass die pluralistische Verfasstheit moderner Gesellschaften die Sozialwissenschaften dazu zwinge, die Substanzillusionen aufzugeben, sich den Grundlagen kommunikativen Handelns zuzuwenden und aus dieser Zuwendung empirisch basierte Konsequenzen zu erarbeiten.
Der Sammelband vereint die im April 2012 auf der Tagung „Interkultur in Theorie und Praxis“ am KWI vorgestellten Studien. Thea Boldts Aufsatz „Auf dem Weg in eine achtsame Gesellschaft“ fasst die Ergebnisse des KWI-Projekts „Kultur der Achtsamkeit“ zusammen, das das Phänomen der Kulturverschränkung am Beispiel der Verbreitung des Buddhismus im Westen untersuchte. Der Band steht auch im Kontext eines neuen Verbundprojekts über „Fragile Kooperationen“ am KWI, das sich derzeit in der Phase der Antragsstellung befindet.

[|profil.mschaeffer], 24.02.14

Lesart Spezial: Transparenztraum und Big Data

v.l. Claus Leggewie, Manfred Schneider, Frank Schirrmacher
© Buchhandlung Proust, Foto: Peter Kolling

Ausspähprogramme wie PRISM und Tempora sind jüngst diskutierte Phänomene eines Zeitalters der Informationsflut. Big Data macht es möglich, Daten in bislang unbekanntem Ausmaß zu erfassen und auszuwerten. Noch ist unklar, wie weit dies unsere Art zu leben beeinflussen wird. Welche Chancen und Risiken diese neuartige Form der Transparenz birgt, diskutierte KWI-Direktor Claus Leggewie mit Frank Schirrmacher und Manfred Schneider bei Lesart Spezial am 28. Januar in der ausverkauften CASA des Essener Grillo-Theaters. „Wir erleben zurzeit den größten Bluff des 21. Jahrhunderts. Big Data ist kein technisches Ereignis, sondern ein Politisches“, sagte Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Beiträger des Sammelbandes „Big Data - Das neue Versprechen der Allwissenheit“ (Suhrkamp, Berlin 2013). Er forderte, sich mit der Frage, wie wir die Technik, die uns zur Verfügung steht, nutzen wollen, anstatt aktuelle Überwachungsskandale als Nebeneffekt des technischen Fortschritts abzutun. Auch Schneider, Literaturwissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum und Autor des Buches „Transparenztraum. Literatur, Politik, Medien und das Unmögliche“ (Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2013), betonte die gesamtgesellschaftliche Dimension des Themas und forderte die Politik auf, es aktiv mitzugestalten und nicht überwiegend den Interessen und Kräften der Wirtschaft und des Marktes zu überlassen. Begrenzungen und Regeln müssten allerdings nicht nur auf nationaler Ebene vereinbart werden, sondern auch auf europäischer Ebene, um weltweit Wirkung zu zeigen, so Schneider.
Die Aufzeichnung der Veranstaltung wurde am 2. Februar im Programm des Deutschlandradios Kultur ausgestrahlt und steht als Podcast zur Verfügung.

[|profil.mschaeffer], 20.02.14

Podiumsdiskussion: „Mythos Energien. Was treibt uns an?“

v.l. Stephan Muschick, Claus Leggewie, Michael Köhler, Ursula Renner, Peter Risthaus
© RWE, Foto: Frank Vinken, Essen

Welche Bedeutung hat der Begriff „Energie“? Ist Energie nur eine technische Ressource oder hat der Begriff mit seiner häufigen Verwendung in der Alltagssprache auch eine kulturelle Dimension? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion am 4. Februar im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Anlässlich des neu erschienenen Sammelbandes „Prometheische Kultur. Wo kommen unsere Energien her?" (Wilhelm Fink, Paderborn 2013) diskutierten die HerausgeberInnen Claus Leggewie (KWI), Ursula Renner (Universität Duisburg-Essen) und Peter Risthaus (Ruhr-Universität Bochum) mit Stephan Muschick (RWE Stiftung) unter der Moderation von Michael Köhler vom Westdeutschen Rundfunk über eine kulturwissenschaftliche Reflexion des Begriffes. Diese setzte beim Mythos des Prometheus, dem göttlichen Vordenker unserer technischen Zivilisation, an. Schon hier werde auf das Aufkommen einer Art technischer Intelligenz verwiesen, die, so die HerausgeberInnen, uns heute in Form von Energie Freiheit gewährt – uns allerdings gleichzeitig von der Natur entzweit. Heute stelle sich daher die Frage, wie wir unsere Energiegewinnung außerhalb von vergangenen Pfadabhängigkeiten neu organisieren könnten. Das Zukunftsprojekt Energiewende etwa könne neue Energien in der Gesellschaft freisetzen; sie müsse also nicht mehr von der Politik „mitgenommen“ werden, sondern umgekehrt könne auch die Gesellschaft der Politik Anregungen für die Umsetzung der Energiewende geben.
Der Sammelband ist das Ergebnis einer im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 veranstalteten internationalen Sommerakademie „Prometheus 2010. Wo kommen unsere Energien her?“. Die Podiumsdiskussion wurde am 9. Februar in der Sendung „WDR 3 Forum“ ausgestrahlt, sie steht als Podcast zur Verfügung.

[|profil.mschaeffer], 17.02.14

Vortrag: Convivialism: Beyond the Ideologies of the Past

Alain Caillé
© KHK/ GCR21

Globale Probleme wie der Klimawandel, Armut, Terrorismus oder Finanzkrisen legen nahe, über veränderte Formen des Zusammenlebens nachzudenken. Viele Bewegungen, Initiativen und Gruppierungen suchen aktuell schon nach alternativen Wegen. Der französische Soziologe Alain Caillé fordert dabei über die Veränderung einzelner Verhaltensmuster hinauszugehen und die Philosophie des Zusammenlebens grundsätzlich zu überdenken. Am 3. Februar erläuterte Caillé im Rahmen seines englischsprachigen Vortrags am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) das Konzept des ‚Konvivialismus‘, das nach Möglichkeiten fragt, wie sich Menschen gegenseitig versorgen und dabei zugleich um die Natur kümmern können, ohne deshalb legitimen Konflikten auszuweichen. Im 2013 erschienenen „konvivialistischen Manifest“ benennt der Gründer der M.A.U.S.S.-Bewegung (Mouvement Anti-Utilitariste dans les Sciences Sociales) zusammen mit zahlreichen anderen Autoren fünf grundsätzliche Fragen des Zusammenlebens: Die moralische Frage: Welche Hoffnungen dürfen die Menschen hegen, und wo liegen die Grenzen der Freiheit? Die politische Frage: Welche Form von Gemeinschaft kann politische Legitimität beanspruchen? Die ökologische Frage: Was dürfen wir der Natur entnehmen, und was müssen wir ihr zurückgeben? Die ökonomische Frage: Welchen Reichtum dürfen wir auf welche Weise produzieren? Sowie die spirituelle oder religiöse Frage nach Sinnhaftigkeit. Vor diesem Hintergrund stellte Caillé heraus, dass die Herausforderung des Zusammenlebens darin bestehe, die Prinzipien der Gemeinschaftlichkeit und Individualisierung gleichermaßen zu berücksichtigen. Dies könne nach Caillé vor allem in einer Gesellschaft gewährleistet werden, die weder über Markt noch Staat, sondern in erster Linie über Bürgerinnen und Bürger selbst definiert ist.
Caillé sprach auf Einladung des Forschungsschwerpunktes „InterKultur“ am KWI sowie des Käte Hamburger Kollegs/ Centre for Global Cooperation Research in Duisburg.

[|profil.mschaeffer], 13.02.14

Buchvorstellung und Diskussion: „Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne“

v.l. Rebekka Habermas, Alexandra Przyrembel, Stefan Berger
© Proust Wörter und Töne, Foto: Peter Kolling

Wenn über die Kolonialisierung der Welt geschrieben wird, steht zumeist im Vordergrund, was die Europäer den Weltregionen an Fortschritt und Zivilisation brachten. Dass aber auch die europäische Wissensgeschichte ohne die Kolonien anders verlaufen wäre, zeichnet erstmals der von den Historikerinnen Rebekka Habermas und Alexandra Przyrembel herausgegebene Sammelband „Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne“ (Vandenhoeck & Ruprecht, 2013) nach. Am 29. Januar stellten die Herausgeberinnen den Band einem zahlreich erschienenen Publikum in der Essener Buchhandlung Proust vor. Unter der Moderation von Stefan Berger, Direktor des Instituts für soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum, diskutierten sie über die Unterschiede zwischen ‚einheimischem‘ und ‚europäischem‘ Wissen, die politischen Dimensionen der Wissensproduktion und die Bedeutung des Wissens für die Ordnung kolonialer Herrschaft. Die Herausgeberinnen berichteten anhand zahlreicher Beispiele wie Missionare, Forschungsreisende, Kolonialbeamte und Kaufleute das Wissen und die Erfahrungen der indigenen Völker gesammelt und nach Europa gebracht haben. Hier zeige sich laut Habermas und Przyrembel, dass die Ausbildung von Wissensfeldern wie Zoologie, Botanik oder Ethnologie im 19. Jahrhundert eng mit der Kolonialgeschichte verbunden gewesen sei und insbesondere durch die transnationalen Netzwerke der Forschenden vorangetrieben wurde. Habermas und Przyrembel plädierten abschließend für eine Weiterführung des Themas in die Zeit der Dekolonisation, was den Blick auf die Wissensgeschichte nochmals erweitern würde.

[|profil.mschaeffer], 10.02.14

KWI-Klassikerworkshop: Warum moralisch sein? Frage und Antwort bei Platon

Platon: Phaidon+Politeia. Griechische Philosophie Bd. 4/ Sämtliche Werke 3. Hg. v. Grassi, Hess, Otto, Plamböck, übers. v. F. Schleiermacher (Rowohlt, Reinbek 1968)

Die Forderung, moralisch zu sein, begegnet uns häufig im Alltag. Aber warum müssen wir eigentlich moralisch sein? Sind wir nur deshalb moralisch, weil wir von einer Antwort auf die Frage überzeugt sind? Gibt es ohne eine zwingende Antwort überhaupt eine Ethik? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des KWI-Klassikerwork-shops „Warum moralisch sein? Frage und Antwort bei Platon“, der vom 23. bis 24. Januar im Kulturwissenschaft-lichen Institut Essen (KWI) stattfand. Ausgehend von aktuellen Überlegun-gen, ob wir einem Amoralisten gute Gründe entgegen halten können und ob die Moral zusammenbricht, wenn er diese nicht akzeptiert, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der Leitung von Marcel van Ackeren, Professor für Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die erste ausführliche Thematisierung des Problems in Platons Hauptwerk, der Politeia. Platon argumentiert, dass das tugendhafte Handeln auch dasjenige Handeln ist, das glücklich macht, was aber nicht heißt, dass wir nur moralisch sind, um glücklich zu werden. Platon gibt damit auch eine Antwort auf aktuelle Fragestellungen, aber seine Antwort verlangt sehr viel von den Akteuren.
Die Klassikerworkshops des KWI ermöglichen es fortgeschrittenen Masterstudierenden, Promovierenden und Promovierten aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften Klassiker des Denkens unterschiedlicher Epochen und wirkungsmächtige Problemstellungen vertieft kennen zu lernen und zu diskutieren. Auch die Entstehungsbedingungen klassischer Positionen werden analysiert, Wirkungen und aktuelle Bedeutung in den Blick genommen. Die Veranstaltungen sind interdisziplinär ausgerichtet, werden jeweils von einer Expertin oder einem Experten auf dem Gebiet geleitet und wenden sich insbesondere an den beschriebenen Personenkreis in den Universitäten der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen.

[|profil.mschaeffer], 06.02.14

Neuerscheinung: Wandel (v)erkennen. Shifting Baselines und die Wahrnehmung umweltrelevanter Veränderungen aus wissenssoziologischer Sicht

„Wandel (v)erkennen“ (Springer VS, Wiesbaden 2013)

Um angemessene Antworten auf die Problematik von Klimawandel und Artenschwund zu finden, ist eine gesellschaftliche Wahrnehmung von langfristigen Veränderungen in Natur und Gesellschaft unabdingbar. In seinem Buch „Wandel (v)erkennen. Shifting Baselines und die Wahrnehmung umweltrelevanter Veränderungen aus wissenssoziologischer Sicht“ (Springer VS, Wiesbaden 2013) untersucht Dietmar Rost, Research Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), die Formen, Grenzen und Konsequenzen der individuellen und kollektiven Wahrnehmung von Wandel. Der Umweltsoziologe eröffnet unter Berücksichtigung theoretischer Perspektiven der Erinnerungs-, Generationen- und Zeitforschung und des Konzepts der Shifting Baselines ein Verständnis der (Nicht-)Wahrnehmung vergangener wie zukünftiger Veränderungs-prozesse. Anhand qualitativer Interviews blickt Rost auf die Wahrnehmung von Wandlungsprozessen unterschiedlicher Dynamik – von langsamem über rapiden bis hin zu katastrophischem Wandel – und diskutiert schließlich die Frage der Varianz und der historischen Veränderung von Wandel.
Das Buch ist eine Synthesestudie zu den beiden im Forschungsschwerpunkt KlimaKultur des KWI durchgeführten Forschungsprojekten „Katastrophenerinnerung“ und „Shifting Baselines“, die Dietmar Rost bis zu ihrem Abschluss Ende 2013 koordinierte. Leiter der Projekte war Harald Welzer, ehemals KWI-Senior Fellow und seit 2012 Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg sowie Direktor der Berliner Stiftung Futur Zwei.

[|profil.mschaeffer], 03.02.14

Partizipation im Konflikt – die Energiewende als Chance und Herausforderung für dialogorientierte Beteiligung

Diskussion der Workshop-TeilnehmerInnen im World Café
© KWI, Foto: Georg Lukas

Wie können die zunehmend geäußerten Bedürfnisse von Bürgerinnen und Bürgern, bei der Ausrichtung der Energiewende mitzugestalten, befriedigt werden? Wie lässt sich die Forderung betroffener Bürgerinnen und Bürger einlösen, an der Planung neuer Stromtrassen, Speicher und Erzeugungsanlagen beteiligt zu werden? Und wie können sich Betroffene über die formalisierten und eingeschränkten Möglichkeiten der offiziellen Planungsverfahren hinaus einbringen? Verfahren der dialogorientierten Bürgerbeteiligung scheinen geeignet, diesen geänderten gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Doch können ihre Potentiale auch in konfliktreichen Situationen entfaltet werden, in denen komplexe Abwägungen getroffen werden müssen und bei denen der Handlungsspielraum eingeschränkt ist?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Workshops „Partizipation im Konflikt – die Energiewende als Chance und Herausforderung für dialogorientierte Beteiligung“ am 15. Januar, zu dem das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Forschungsprojekt „Demoenergie“ – eine Kollaboration zwischen dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam – in das KWI eingeladen hatte. Hochrangige Gäste aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – darunter Wolfram König (Bundesamt für Strahlenschutz) und Christiane Grefe (Die ZEIT) – diskutierten vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen über das Potenzial dialogorientierter Bürgerbeteiligung und die Herausforderungen, die Konflikte und eingeschränkte Handlungsspielräume für Beteiligungsverfahren darstellen.

[|profil.mschaeffer], 30.01.14

Neuerscheinung: Ambivalente Gefühle. Sexualität und Antisemitismus während des Nationalsozialismus

Geschichte und Gesellschaft (39. Jahrgang 2013 / Heft 4)

In der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Nationalsozialismus spielen Emotionen als analytische Kategorie bisher nur eine randständige Rolle. Dabei sind Gefühle in Erfahrungsberichten von Tätern, Mitläufern und Überlebenden des Holocaust allgegenwärtig. Die Beschreibung von Angst, Verunsicherung, Wut und Beschämung bildet hier einen häufigen Topos. In ihrem Artikel „Ambivalente Gefühle. Sexualität und Antisemitismus während des Nationalsozialismus“, erschienen in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft „Geschichte und Gesellschaft“ (39. Jahrgang 2013 / Heft 4), leistet Alexandra Przyrembel eine emotionsgeschichtliche Analyse der NS-Judenverfolgung und insbesondere der Praktiken der Beschämung von Juden. Die Historikerin, sie ist Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und derzeit Gastprofessorin für Globalgeschichte an der Freien Universität Berlin, zeigt, dass die seit Jahrzehnten zirkulierenden Feindgefühle gegenüber Juden den Rahmen jener Praktiken der Beschämung bildeten, über die der Antisemitismus zur Zeit des Nationalsozialismus seine Wirkung entfaltete. Am Beispiel des „Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ vom September 1935, das sexuelle Beziehungen zwischen jüdischen und „deutschblütigen“ Personen unter Strafe stellte, um die sogenannte „Rassenschande“ zu verhindern, stellt Przyrembel heraus, wie Sexualität, Emotionen und Antisemitismus in Zusammenhang treten.
Damit erweitert sie dominierende Perspektiven der NS-Forschung, in denen die Judenverfolgung als politisch oder durch Profitstreben motiviert interpretiert wird. Przyrembel argumentiert mit einem spezifischen emotionalen Regime, welches das Primat des Ideologischen, das lange Zeit in der NS-Forschung vorherrschte, korrigiert und die Rolle der Emotionen hervorhebt.

[|profil.mschaeffer], 27.01.14

Der Literarische Salon mit Shahriar Mandanipur

v.l.n.r. Ingrid Domann, Navid Kermani, Shahriar Mandanipur
© KWI, Foto: Georg Lukas

Eine Liebesgeschichte, die es laut iranischem Gesetz nicht geben dürfte, die ein Autor erst recht nicht erzählen dürfte – Shahriar Mandanipur hat es getan. Am 15. Januar war der vielfach ausgezeichnete iranische Schriftsteller und diesjährige Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg zu Gast im Literarischen Salon in der Buchhandlung Proust in Essen. Mit Gastgeber Navid Kermani - der zweite Gastgeber, KWI-Direktor Claus Leggewie, musste leider kurzfristig absagen – sprach Mandanipur über den inneren Antrieb eines Schriftstellers, weiterzuschreiben, auch wenn die Werke in seiner Heimat nicht erscheinen dürfen. Im Rahmen der Lesung stellte Schauspielerin Ingrid Domann unter anderem einen Auszug aus seinem ins Deutsche übersetzten Roman „Eine iranische Liebesgeschichte zensieren“ (Unionsverlag, Zürich 2010) vor. Das Buch thematisiert die im Iran unausweichliche Zensur, indem es diese geschickt in das Geschehen einbaut: Während der Autor die Liebesbeziehung zwischen Sara und Dara erzählen will, wacht ein Zensor über die Geschichte des jungen Paares und die entstehenden Zeilen. Mit der gewitzten Darstellung und der Vorwegnahme der Kontrolle kritisiert das Buch diese nicht nur, sondern es wirkt subversiver – die Zensur macht sich selbst lächerlich. So kann der Roman als Werk über die Rolle der Literatur und gesellschaftliche Umstände gelesen werden, aber auch als ein Beispiel, wie sich Literatur von gesellschaftlichen Zwängen befreien kann. „Ich sehe Literatur als Waffe gegen ein dunkles Regime“, so der Autor im Gespräch mit Navid Kermani.
Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Gast der nächsten Veranstaltung am 12. März ist der Berliner Schriftsteller und Lyriker Jan Wagner.

[|profil.mschaeffer], 23.01.14

Wie viel Vertrauen braucht die Demokratie?

Patrizia Nanz bei der Podiumsdiskussion „Wie viel Vertrauen braucht die Demokratie?“ der Nemetschek-Stiftung
© Nemetschek-Stiftung, Foto: Julia Krüger

Seit der Finanzkrise ist das Vertrauen der Deutschen nicht nur in das Wirtschaftssystem, sondern auch in politische Institutionen wie Bundestag und Regierung enorm gesunken. Die Bindekraft von Groß-organisationen wie Parteien, Gewerkschaften und Kirchen nimmt kontinuierlich ab, neue Formen politischen und sozialen Engagements wie Bürgerinitiativen nehmen hingegen zu. In ihrem Beitrag „Wie viel Vertrauen braucht die Demokratie?“, der im November 2013 als Teilergebnis einer gleichnamigen Podiumsdiskussion der Nemetschek-Stiftung auf deren Webseite veröffentlicht wurde, beschreibt Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsschwerpunkts PartizipationsKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), die Bedeutung des Vertrauens für die heutige Demokratie. Demokratie sei ohne Vertrauen nicht handlungsfähig, da in diesem System bestimmte politische Entscheidungen Repräsentanten anvertraut werden müssten. Gleichzeitig könne Demokratie aber auch nicht auf blindes Vertrauen in Politiker setzen, so die Mitbegründerin der Wiki-Plattform für Bürgerbeteiligungsverfahren „participedia“. Nanz plädiert daher für Formen dialogorientierter Bürgerbeteiligung, die Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Milieus zu Wort kommen lassen, nicht nur „gebildete Berufsbürger“. Das erfordere das Vertrauen der Regierung in die Bürgerschaft, Politikerinnen und Politiker dürften nicht davor zurückschrecken, Entscheidungsmacht mit Bürgerinnen und Bürgern zu teilen. Denn nur so könnten Menschen, die sich sozial abgehängt fühlen und ein generelles Misstrauen gegenüber politischen Institutionen hegen, überhaupt erst in die Lage versetzt werden, sich kompetent beteiligen zu können. Hierin läge der Politikwissenschaftlerin zufolge die Chance, Vertrauen in das gesellschaftliche Miteinander zu fördern und damit die Voraussetzung für Demokratie zu stärken, die die Demokratie selbst nicht erschaffen oder rechtstaatlich erzwingen kann: den Zusammenhalt der Gesellschaft.

[|profil.mschaeffer], 20.01.14

KWI on Tour: Vortrag: „Why Multiculturalism is Not Dead“

Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Themen, die mit dem Stichwort „Multikulturalismus“ verknüpft sind, etwa der Streit um den Bau von Moscheen, die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts oder das jüdische und muslimische Beschneidungsritual, rufen in Deutschland und den Nachbarländern weiterhin erregte gesellschaftliche Debatten hervor. In einer öffentlichen Vorlesung unter dem Titel "Why Multiculturalism is Not Dead" im Rahmen der (englischsprachigen) Ringvorlesung "Ethics - Economics, Law & Politics" an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat Volker Heins, Autor des Buches „Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus“ (Campus Verlag, Frankfurt am Main 2013), am 8. Januar den Hintergrund einiger dieser Debatten ausgeleuchtet und bewertet. Klaus Steigleder, Professor für angewandte Ethik an der RUB, moderierte die Vorlesung und die anschließende Diskussion mit dem Publikum.
Volker Heins ist Leiter des Forschungsbereichs InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und wird im Laufe des Wintersemesters 2013/14 als außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft in die sozialwissenschaftliche Fakultät der RUB aufgenommen. Die Ringvorlesung findet auf Initiative der Leitung des Masterstudiengangs "Ethics - Economics, Law and Politics" (EELP) der RUB statt. Der interdisziplinäre und forschungsnahe Masterstudiengang umfasst vier thematische Felder: Globalisierung und Gerechtigkeit, Markt und Moral, Verwaltung und Verantwortung sowie Wohlfahrt und Würde. Diese werden sowohl aus der Perspektive der Philosophie bzw. der normativen Ethik als auch aus der Perspektive der deskriptiven, sozialwissenschaftlichen Disziplinen Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft betrachtet.

[|profil.mschaeffer], 16.01.14

Neuerscheinung: „The Economics of Urban Diversity. Ruhr Area and Istanbul”

The Economics of Urban Diversity. Ruhr Area and Istanbul

Im Herbst 2013 ist der Tagungsband „The Economics of Urban Diversity. Ruhr Area and Istanbul“ (Palgrave Macmillan, New York 2013) der Arbeitsgruppe „Wirtschaft“ aus der ersten Runde der Global Young Faculty erschienen. Der von Darja Reuschke, Monika Salzbrunn und Korinna Schönhärl herausgegebene Band untersucht und vergleicht das ökonomische Potential ethnischer und religiöser Minderheiten in den beiden Metropolregionen, die 2010 den Titel der „Kulturhauptstadt Europas“ trugen. In einem interdisziplinären Ansatz kommen Methoden der Soziologie und Anthropologie, der Geographie, Stadtplanung und der Geschichtswissenschaft zum Einsatz. So wird beleuchtet, welche Rahmenbedingungen, Institutionen und Maßnahmen in Vergangenheit und Gegenwart die ökonomische Integration von Minderheiten förderten und fördern. Welche Faktoren erwiesen und erweisen sich demgegenüber für die ökonomische Nutzung von Diversität eher als hinderlich? Können aus der osmanischen Erfahrung Anregungen für die mitteleuropäische Gegenwart gewonnen werden? Wo liegen Sinn und Grenzen solcher Vergleiche quer durch Raum und Zeit? Die Fallbeispiele reichen von den armenischen und griechischen Einwohnern Istanbuls bis zur Gentrifizierung des Istanbuler Stadtzentrums in der Gegenwart, von den polnischen Zuwanderern ins Ruhrgebiet des 19. Jahrhunderts bis zur Migrantenökonomie des Reviers in unseren Tagen.
Die Global Young Faculty ist eine Initiative der Stiftung Mercator, die bis Ende des Jahres 2010 vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) koordiniert wurde. In dieser Phase war sie ein Beitrag dieser beiden Institutionen, der Universitätsallianz Metropole Ruhr und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, unterstützt vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 2011 koordiniert das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) die Global Young Faculty.

[|profil.mschaeffer], 13.01.14

Neuerscheinung: „Provokation über Kreuz – Positionen zur Blasphemiedebatte“

Provokation über Kreuz – Positionen zur Blasphemiedebatte

Lange hat ein Redebeitrag zur Religion nicht mehr so hohe Wellen geschlagen wie der Vortrag, den der Schriftsteller Martin Mosebach zum Thema „Wagnis Blasphemie“ im Rahmen des Workshops „Free Speech. Redefreiheit in einer multikulturellen Welt" des Käte Hamburger Kollegs „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ (KHK) im Juni 2012 am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) gehalten hat. Bereits dort erntete er einige Kritik, aber auch Zustimmung. Eine Dokumentation der Debatte um Meinungsfreiheit und Blasphemie, die nach der Veröffentlichung von Mosebachs Vortrag in der Frankfurter Rundschau in vielen überregionalen Zeitungen fortgeführt wurde, liefert jetzt der Band „Provokation über Kreuz – Positionen zur Blasphemiedebatte“ (Global Dialogues 1, Duisburg 2013). Der von Claus Leggewie, Co-Direktor des KHK und KWI-Direktor, und Marcel Siepmann, Historiker und KWI-Junior Fellow, herausgegebene Band zeichnet in acht Beiträgen das Spektrum der interdisziplinär und öffentlich geführten Diskussion exemplarisch nach.
Die Publikation ist der erste Band der Reihe „Global Dialogues“ des Käte Hamburger Kollegs. Die an ein breites Fachpublikum gerichteten „Global Dialogues“ bilden den intellektuellen und interdisziplinären Austausch im Kontext des Kollegs und seiner Veranstaltungen ab.

[|profil.mschaeffer], 09.01.14

Chancen für die Energiewende – Verbreitungspotenziale von Bürgerstrom: Ergebnisse einer agentenbasierten Modellierung

CESR

Welche sozialen Milieus sind offen für Innovationen wie Ökostrom? Welche Entscheidungen gehen der Übernahme solcher klimaschonenden Innovationen voraus? Und wie kann man diese Entwicklungen modellhaft simulieren? Einen Antwortversuch unternahmen am 5. Dezember 2013 Psychologin Angelika Gellrich und Mathematiker und Modellierer Ramón Briegel des Centers for Environmental Systems Research (CESR) an der Universität Kassel im Rahmen der Abendveranstaltung „Chancen für die Energiewende – Verbreitungspotenziale von Bürgerstrom: Ergebnisse einer agentenbasierten Modellierung“ im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Sie stellten dabei Teilergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts „SPREAD“ des KWI und CESR vor, das die Ausbreitungsmechanismen sozio-technischer Innovationen untersucht.
Die Ergebnisse der breit angelegten Umfrage machten deutlich, dass vor allem das Milieu der sogenannten Postmateriellen bewusster entscheidet und damit offener für klimaschonende Innovationen wie etwa Bürgersolaranlagen ist. Diese lokal begrenzten Innovationsimpulse wurden mithilfe des im Projektkontext entwickelten agentenbasierten Modells (ABM) bisher in einer Region Baden-Württembergs simuliert. Unter Berücksichtigung der Entscheidungstiefe, der Kommunikationsintensität der sozialen Netzwerke und von Medienereignissen soll es bald auch bundesweite Simulationen geben. Die Ergebnisse, kombiniert mit einer am KWI durchgeführten qualitativen Analyse, werden Ende März im Abschlussworkshop des von Andreas Ernst, Geschäftsführender Direktor des CESR, und Harald Welzer, ehemals Leiter des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am KWI und aktuell Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg, geleiteten Projekts vorgestellt.

[|profil.mschaeffer], 06.01.14

Neuerscheinung: „Erster Weltkrieg und Dschihad. Die Deutschen und die Revolutionierung des Orients“

Erster Weltkrieg und Dschihad

Die Völker der islamischen Welt zum Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft zu bewegen – das war Teil der Kriegsstrategie, die die politische und militärische Führung des Deutschen Reiches in der Julikrise 1914 entwickelte. Sie stützte sich dabei auf die Kenntnisse der Entwicklungen im Osmanischen Reich, die der Kölner Bankierssohn und Orientexperte Max Freiherr von Oppenheim erworben hatte. Wie deutsche Militärs, Diplomaten und in den Kriegsdienst versetzte Zivilisten versuchten, diese Strategie auf dem orientalischen Kriegsschauplatz umzusetzen, beleuchtet der aktuell erschienene Sammelband „Erster Weltkrieg und Dschihad. Die Deutschen und die Revolutionierung des Orients“ (De Gruyter / Oldenbourg Wissenschaftsverlag, Dezember 2013). Das von den Essener Historikern Wilfried Loth, Vorstandsmitglied des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), und Marc Hanisch herausgegebene Werk stellt dieses historische Kapitel zum ersten Mal auf breiter Quellengrundlage dar. Die insgesamt neun Beiträge handeln von wechselnden militärischen und politischen Erfolgen in Ägypten, Palästina, im Libanon, in Mesopotamien, Persien, im Kaukasus und am Arabischen Golf, aber auch von internen Rivalitäten und Auseinandersetzungen mit den habsburgischen und osmanischen Verbündeten. In der Summe wird eine Bewegung deutlich, die tatsächlich mehr auf die Unabhängigkeit der islamischen Völker zielte, als auf einen Ausbau der deutschen Weltmachtstellung.

[|profil.mschaeffer], 30.12.13

Neue Formen der demokratischen Teilhabe – Am Beispiel der Zukunftsräte

Transit. Europäische Revue (Heft 44 / Herbst 2013)

Die repräsentative Demokratie steckt in einer Krise: die Zahl der Wählerinnen und Wähler schwindet, die Parteien verzeichnen immer weniger Mitglieder und den Bürgerinnen und Bürgern fällt das Vertrauen in ihre politischen Repräsentanten zunehmend schwer. Dass dieser Zustand noch kein Ende der Demokratie bedeutet, erörtern KWI-Direktor Claus Leggewie und Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsschwerpunktes PartizipationsKultur am KWI, in ihrem Artikel „Neue Formen der demokratischen Teilhabe – Am Beispiel der Zukunftsräte“, der im aktuellen Heft der Zeitschrift „Transit. Europäische Revue“ (Heft 44 / Herbst 2013) erschienen ist. Leggewie und Nanz nehmen die Krise der traditionellen Formen der Partizipation zum Anlass, über eine stärker partizipatorisch ausgerichtete Form von Demokratie nachzudenken, in der Bürgerbeteiligung ein selbstverständlicher Teil ist. Die Autoren geben hierzu nicht nur eine allgemeine Übersicht über die verschiedenen Formen von Bürgerbeteiligung und ihre Entwicklung sowie über die Herausforderungen, die sich bei ihrer Umsetzung stellen, sondern stellen mit dem Zukunftsrat auch ein konkretes Konzept vor. Leggewie und Nanz legen dar, dass örtliche Zukunftsräte, die vor allem in dialogischen Prozessen operieren, zur Grundlage für politische Identität werden könnten, da sie regionalen Zusammenhalt signalisieren und die Auswirkungen langfristiger infrastruktureller Projekte, wie beispielsweise der Energiewende, auf lokaler Ebene verdeutlichen. Diese und andere Formen der institutionalisierten Bürgerbeteiligung seien der erste Schritt auf dem Weg in eine partizipatorisch ausgerichtete Demokratie, so die Autoren, die sich durch ein übergreifendes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein auszeichne, das in der repräsentativen Demokratie abhandengekommen sei.

[|profil.mschaeffer], 23.12.13

Eine lebenswerte Zukunft für Alle? - Solidarität und Nachhaltigkeit

v.l.n.r.: Andreas Lienkamp, Christine Bauhardt, Axel Jürgens
© KWI, Foto: Sophia Schönborn

Für wen und wo treten Ungerechtigkeiten durch den Klimawandel zutage? Wie begründen wir Solidarität mit kommenden Generationen? Diesen Fragen näherten sich Christiane Bauhardt, Professorin im Forschungsschwerpunkt Gender und Globalisierung an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, und Andreas Lienkamp, Professor für Christliche Sozialwissenschaften und Sozialethik am Institut für Katholische Theologie der Universität Osnabrück, bei einer Podiumsdiskussion am 4. Dezember im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Aus Sicht der Genderforschung und Umweltethik gaben sie Einblicke, in welchem Verhältnis Gerechtigkeitsdimensionen zueinander stehen und welche Lücken und Machtverhältnisse sich in der bisherigen Nachhaltigkeitsdebatte finden lassen. Unter der Moderation von Axel Jürgens (Agenda Forum Essen e.V.) diskutierte auch das Publikum angeregt über Begriffe wie Nachhaltigkeit, Geschlechterverhältnisse in der Entwicklungspolitik und das Für und Wider der Solidarität. Die Abendveranstaltung unter dem Titel „Eine lebenswerte Zukunft für Alle? - Solidarität und Nachhaltigkeit“ fand im Rahmen des Graduiertenkollegs „Herausforderungen der Demokratie durch den Klimawandel“ statt, mit der Förderung der Hans-Böckler-Stiftung.

[|profil.mschaeffer], 19.12.13

Scholars in Residence: Workshop zu kulturellen Aspekten der Katastrophenbewältigung

Hintere Reihe (v.l.n.r.): Daniel Starke, Steven Engler, Eleonora Rohland, Franz Mauelshagen; Vordere Reihe (v.l.n.r.): Anne Siebert, Omer Aijazi, Robert Lindner, Martin David
© KWI, Foto: Birthe Dobertin

In den letzten Jahren erreichten unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen Fortschritte in der Erforschung der globalen Bedeutung von Naturkatastrophen. Die Berücksichtigung kultureller Katastrophenbewältigungs- und Vermeidungsmuster auf der lokalen Gemeinschafts- sowie auf der administrativen Ebene, die die Phasen nach den katastrophalen Ereignissen prägen, fanden hingegen bisher wenig Eingang in die Debatte. Diesen Fragen widmete sich daher der englischsprachige Workshop “The Post-Disaster Space: Recovery, Recuperation, and Adaptation. Research Experiences from the Global North and South” am 2. Dezember im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Die Keynote “Disasters and Modernity” des Historikers und Koordinators des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am KWI, Dr. Franz Mauelshagen, führte in den generellen Diskurs der Katastrophenforschung ein und plädierte für eine Integration naturwissenschaftlicher Elemente in die historische Katastrophenforschung. Omer Aijazi, Teilnehmer des vom KWI in Kooperation mit dem Goethe-Institut durchgeführten Austauschprogramms Scholars in Residence, führte in seine Forschung zum Thema “Religion as Counter-Narrative in Post-Flood Pakistan” ein. Beiträge von Daniel Starke von der Universität Duisburg-Essen, Anne Siebert und Steven Engler, beide vom Institute for Development Research and Development Policy an der Ruhr-Universität Bochum, sowie von Eleonora Rohland, Robert Lindner und Martin David vom KWI ergänzten das Programm und führten anschließend zu einer regen Diskussion über unterschiedliche Ansätze und Paradigmen in der Desasterforschung.
Das Residenzprogramm „Scholars in Residence“ des KWI und des Goethe-Instituts bietet jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den internationalen Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften die Möglichkeit, intensive Kontakte zu anderen Forschern zu knüpfen, gemeinsam Projekte durchzuführen sowie langfristige bilaterale Kooperationen zu entwickeln.

[|profil.mschaeffer], 16.12.13

Der wissenschaftliche Beirat des KWI hat sich neu formiert

v.l.n.r.: Barbara Welzel, Klaus-Peter Busse, Norbert Frei, Wilhelm Krull, Patrizia Nanz, Franz Mauelshagen, Olaf Schwencke, Claus Leggewie, Peter Strohschneider,  Rudolf Behrens, Norbert Jegelka, Tatjana Tönsmeyer, Wilfried Loth
© KWI, Foto: Georg Lukas

Am 9. Dezember tagte der Wissenschaftliche Beirat des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) im KWI und wählte Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, zu seinem Vorsitzenden und Prof Dr. Rudolf Behrens, Romanist an der Ruhr-Universität Bochum, zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der Beirat dankte seinen ausgeschiedenen Mitgliedern Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und Prof. Dr. James Conand, Humanwissenschaftler an der University of Chicago, für ihre Arbeit und ihr Engagement und begrüßte Dr. Wilhelm Krull sowie Prof. Dr. Leo Lucassen, Sozialhistoriker an der Universität Leiden, als neue Mitglieder. Der Wissenschaftliche Beirat des KWI berät den Vorstand in allen wissenschaftlichen Angelegenheiten, seine Mitglieder werden auf Vorschlag der Rektorate der drei Trägeruniversitäten des KWI und des KWI-Vorstands bestellt.
Zu den Mitgliedern des zwölfköpfigen Gremiums gehören ferner Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Katajun Amirpur (Universität Hamburg), Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Hartmut Böhme (Humboldt-Universität zu Berlin), Kunstdidaktiker Prof. Dr. Klaus-Peter Busse (Technische Universität Dortmund), Historiker Prof. Dr. Norbert Frei (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Jürgen Kaube (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), Prof. Dr. Olaf Schwencke (Vorsitzender der Deutschen Vereinigung der Europäischen Kulturstiftung für kulturelle Zusammenarbeit in Europa), Soziologin Prof. Dr. Karen A. Shire (Universität Duisburg-Essen) sowie Germanist Prof. Dr. Peter Strohschneider (Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft).
Im Rahmen der Beiratssitzung stellten unter anderen die KWI-Vorstandsmitglieder Dr. Franz Mauelshagen, Koordinator des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur, Prof. Dr. Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsschwerpunkts PartizipationsKultur und Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Europa, den Beiratsmitgliedern die neuesten Forschungsthemen und -projekte des KWI vor.

[|profil.mschaeffer], 12.12.13

Joanna Bator zu Gast im Literarischen Salon

v.l.n.r.: Navid Kermani, Esther Kinsky, Joanna Bator, Claus Leggewie
© Stiftung Mercator, Foto: Georg Lukas

Eine weibliche Odyssee durch das 20. Jahrhundert, ein Kosmos unzähliger Einzelgeschichten auf mehreren Kontinenten, Heimatsuche und Fernweh – das alles beschreibt Joanna Bator in ihrem neuen Buch „Wolkenfern“ (Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2013). Am 27. November war die polnische Schriftstellerin, die selbst viel gereist ist und lange Zeit im Ausland lebte, mit der Übersetzerin ihrer Bücher Esther Kinsky zu Gast im Literarischen Salon im Essener Grillo-Theater und sprach mit den beiden Gastgebern Claus Leggewie und Navid Kermani unter anderem über ihren jüngsten Roman. Dieser kann als ein Plädoyer für den Aufbruch, das Reisen und das Sich-Losreißen vom vermeintlich vorbestimmten Schicksal gelesen werden: Nach einem Verkehrsunfall erwacht die Protagonistin Dominika in einer Münchner Spezialklinik aus dem Koma, umsorgt von ihrer Mutter und Grazynka, einer alten Familienfreundin. Anstatt in ihre Heimat Polen zurückzukehren, bricht Dominika ins Ungewisse auf. Es entfaltet sich ein Kaleidoskop von Emotionen, Wünschen und Träumen, mythisierter Geschichte und Geschichten. Bator verknüpft diese Ebenen in einer mitreißenden Sprache und balanciert die Tragik der Geschehnisse mit Humor.
Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Gast der nächsten Veranstaltung am 15. Januar ist der iranische Schriftsteller Shariar Mandanipur.

[|profil.mschaeffer], 10.12.13

„Fortschritt gestalten“: Öffentlicher Dialog über gesellschaftlichen Wandel und Fortschritt

v.l.n.r. Prof. Dr. Uta Hohn, Dr. Stefan Gärtner, Prof. Dr. Claus Leggewie
© Rainer Hotz

Wie wollen wir zukünftig leben? Was bedeutet Fortschritt? Diese Fragen haben Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft im Rahmen des Kongresses „Fortschritt gestalten“ am 2. Dezember auf Einladung des nordrhein-westfälischen Wissenschafts- und Wirtschaftsministeriums in Düsseldorf diskutiert. In vier Workshops befasste sich der Kongress mit der Zukunft von Wirtschaft und Arbeit, des urbanen Lebens, der Energieversorgung und des Dialogs zwischen Unternehmen und Gesellschaft. Claus Leggewie, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umwelt-veränderungen (WBGU) und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), leitete den Workshop „Die Zukunft des urbanen Lebens“, in dem die Herausforderungen des Städtebaus, der nachhaltigen Energieversorgung, der umweltverträglichen Mobilität und Logistik sowie der multikulturellen und transgenerationellen Gemeinschaft im Mittelpunkt standen. Im Hinblick auf die großen Agglomerationen an Rhein und Ruhr, die als eine „Megastadt“ betrachtet werden können, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem Beispiele der Quartiersentwicklung und der sozialen Infrastruktur in NRW, die als Lösungsansätze für urbane Probleme weltweit von Interesse sein können.
Der Kongress war der Auftakt eines offenen Dialogprozesses, der im Rahmen der Forschungsstrategie Fortschritt NRW in den kommenden Jahren fortgesetzt werden soll. Unter Berücksichtigung der aktuellen Forschung und der Stärkung von Bürgerbeteiligung, soll er dazu beitragen, praxistaugliche Antworten auf drängende Zukunftsfragen und gesellschaftliche Herausforderungen zu geben.

[|profil.mschaeffer], 06.12.13

Enzyklopädie der Neuzeit: Bald auch auf Englisch und digital verfügbar

Titelblatt der „Encyclopaedia“ (1630) J. H. Alstedts
Titelblatt der „Encyclopaedia“ (1630) J. H. Alstedts

Seit 2012 liegt die „Enzyklopädie der Neuzeit“ als Gemeinschaftspublikation des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Verlags J.B.Metzler vollständig in 16 Bänden vor. Im kommenden Jahr wird die Enzyklopädie nun auch international zugänglich gemacht: In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Verlag Brill entsteht unter dem Titel „Encyclopedia of Early Modern History“ (EEMM) eine englische Übersetzung, die die Inhalte der deutschen Fassung unverändert übernimmt. Der erste englischsprachige Band erscheint bereits 2014, gefolgt von je zwei Bänden pro Jahr. Die deutsche Buchversion der „Enzyklopädie der Neuzeit“ wird zudem ab 2014 um eine digitale Fassung erweitert, so dass Universitäten und Bibliotheken sie kostenlos zur Verfügung stellen können. Die Arbeit mit der Enzyklopädie in Studium und Forschung wird so erheblich erleichtert. Mit dem Abschluss der englischen Übersetzung wird das komplette Werk in wenigen Jahren zweisprachig sowohl gedruckt wie digital zur Verfügung stehen. Das bewährte und wissenschaftlich ausgewiesene Team von rund 100 Herausgeberinnen und Herausgebern sowie 1.300 Autorinnen und Autoren wird die elektronische Version der „Enzyklopädie der Neuzeit“ kontinuierlich aktualisieren und ergänzen, so dass sie stets auf dem aktuellen Stand der Forschung bleiben wird. In der Person Friedrich Jaegers als geschäftsführendem Herausgeber wird das KWI auch in Zukunft die Gesamtherausgeberschaft des Unternehmens ausüben.

[|profil.mschaeffer], 04.12.13

Lesart Spezial: Schrei vor Glück oder: Können Konsumenten Bürger sein?

v.l. Birger Priddat, Claus Leggewie, Jörn Lamla
© KWI, Foto: Birthe Dobertin

Liegt die Macht im Einkaufswagen? Wie weit der Einfluss des Verbrauchers an der Kasse geht und welche Verantwortung Bürgerinnen und Bürger in der Rolle als Konsumenten für die Demokratie tragen, diskutierten Soziologe Jörn Lamla und Wirtschaftswissenschaftler Birger Priddat am 26.November bei Lesart Spezial im Essener Grillo-Theater. Unter der Moderation von Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), stellte Priddat das Buch "Schrei vor Glück-Zalando oder Shoppen gehen war gestern" (Orell Füssli Verlag, Zürich, 2013) des Wirtschaftsjournalisten Hagen Seidel über das Berliner Online-Mode-Unternehmen Zalando vor. Das Buch gebe Einblick in die Dimensionen des schnellen Kaufs im Internet und des damit einhergehenden Wandels der Konsumkultur, so Priddat. Der Verbraucher habe plötzlich die Möglichkeit, sein Kaufverhalten zu optimieren und seine Konsumentscheidung vom niedrigsten Preis lenken zu lassen. Durch den entstehenden Anspruch, alles möglichst günstig und sofort zu konsumieren, gerieten moralische Faktoren, wie die Größe des ökologischen Fußabdrucks, jedoch (noch) in den Hintergrund.
Jörn Lamla, Autor des jüngst erschienenen Buches "Verbraucherdemokratie. Politische Soziologie der Konsumgesellschaft" (Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013), unterscheidet empirisch zwischen drei Gruppen von Käufertypen: Neben einer von außen geleiteten und einer taktischen Käufergruppe sieht er durchaus eine von inneren, moralischen Werten geleitete Gruppe von Konsumenten, die andere „mitziehen“ könnte. Die Konsumgesellschaft sei an dem Punkt, sich selbst zu problematisieren, so Lamla. Priddat ist auch überzeugt, gesellschaftlicher Wandel sei möglich und führt Beispiele wie die sich innerhalb der letzten Jahrzehnte stark verändernde öffentliche Rauchkultur an. Die Veranstaltung wurde am 1.12. bei Lesart Spezial im Deutschlandradio Kultur gesendet und kann dort nachgehört werden. Lesart Spezial ist eine Veranstaltungsreihe des KWI in Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust, dem Schauspiel Essen und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung als Medienpartner.

[|profil.mschaeffer], 02.12.13

CineScience Film und Gewalt: Gewalt der Bilder – gewalttätige Bilder?

Flyer_CineScience_Film und Gewalt
© KWI

„Es ist wie bei einer Achterbahn, wir versuchen auszureizen, wie weit wir gehen können – was wir uns trauen“, so der Sozial- und Kulturwissenschaftler Christoph Spehr zu der in der Reihe Cine Science – Film und Gewalt gestellten Frage, warum die Menschen immer brutalere Bilder im Kino zu sehen bekommen. Nach Ausschnitten aus den Filmen „A Clockwork Orange“, „Marathon Man“ und „Hostel“ diskutierten Christoph Spehr und Historiker und KWI-Junior Fellow Marcel Siepmann am 19. November mit dem Publikum im Essener Filmkunsttheater Eulenspiegel nicht nur darüber, worin der Reiz von Filmen dieser Art bestehen könnte. Auch das „Hineinholen“ bestimmter ausgeblendeter Themen, von den gesellschaftlichen Peripherien in deren Zentrum, könne als Begründung dafür gelten, warum zum Beispiel Folter als Gegenstand von Filmen für Menschen interessant werden kann. Die Bilder, vor allem aber die Vorstellungen, die in unseren Köpfen von Abu Ghraib oder dem Gefangenenlager auf Guantanamo Bay entstehen, spiegeln sich in der Drastik der vor allem in „Hostel“ gezeigten Gewalt, so eine der diskutierten Thesen. Gleichzeitig rückt auch der Mensch als konsumierbares Objekt in den Fokus von Filmen wie „Hostel“, in dem das Foltern zur Befriedigung der eigenen Lust in drastischen Bildern thematisiert wird.
Die vom Verein zur Förderung des KWI unterstützte Reihe „Film und Gewalt“ im Rahmen des KWI-Projekts CineScience versuchte in diesem Jahr, Gewalt als einen elementaren Bestandteil filmischer Kunst und Darstellung erklär- und verstehbar zu machen. Im nächsten Jahr widmet sich CineScience, das seit 2011 in Kooperation mit dem Filmstudio Glückauf durchgeführt wird, dem Thema „Krieg und Film“, nähere Informationen zu den einzelnen Abenden werden rechtzeitig bekannt gegeben.

[|profil.mschaeffer], 28.11.13

Verdrängter Konflikt in der Westsahara: Menschenrechtsaktivistin Aminatou Haidar bekommt Solidaritätspreis

Aminatou Haidar
© Frank Thomas Koch

Die Westsahara ist eine der unbekanntesten Konfliktregionen der Welt. Seit dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft 1975 ist das Gebiet und vor allem seine indigene Bevölkerung, die Sahraui, Spielball von Machtansprüchen verschiedener Seiten. Zum einen will Marokko seinen vorkolonialen Besitz des Gebiets wiederherstellen und hat den größten Teil der Westsahara ohne völkerrechtliche Grundlage annektiert. Zum anderen sollen die willkürlichen Grenzen der Kolonialzeit beibehalten werden.
Aminatou Haidar, Präsidentin der Menschenrechtsorganisation CODESA aus der Westsahara, kämpft seit Ende der 1980er Jahre für die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ihres Volkes. Am 28. Oktober erhielt sie im Bremer Rathaus für ihren Einsatz zur friedlichen Lösung des Westsahara-Konfliktes den 13. Bremer Solidaritätspreis. In seiner Laudatio verwies Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und Autor des Buches „Zukunft im Süden“, auf die komplexe, aussichtslos erscheinende Lage der Westsahara und auf die Rolle Europas in diesem, so Leggewie, „postkolonialen Kolonialismus“. Leggewie plädierte für die politisch-kulturelle Autonomie der Sahraui als Vorstufe der von Haidar bestrebten Unabhängigkeit der Demokratisch Arabischen Rebublik Sahara. Außerdem forderte er eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika: „Der Westsahara im Besonderen und der Maghreb-Region im Allgemeinen müssen von Europa aus Perspektiven geboten werden, die […] nachhaltige Entwicklung auf moderner, industrieller Basis in Aussicht stellen.“ Ein Ausgangspunkt dafür könne die Förderung der in diesen Breitengraden überreich vorhandenen, bisher aber kaum genutzten Erneuerbaren Energien sein, empfahl Leggewie.
Die Laudatio ist in der Frankfurter Rundschau (30.10.2013) in gekürzter Fassung unter dem Titel „Das maghrebinische Dilemma“ erschienen.

[|profil.mschaeffer], 26.11.13

„Plädoyer für eine neue Geschichtsphilosophie“: Vortrag anlässlich der Neuauflage von Jörn Rüsens „Historik“

Jörn Rüsen
© KWI, Foto: Georg Lukas

„Eine materielle Geschichtsphilosophie brauchen wir unter anderem, weil wir im Zeitalter der Globalisierung über transkulturelle universelle Dimensionen der Zeiterfahrung nachdenken müssen, und weil wir wissen müssen, wer wir als Menschen sind.“ So fasste der Historiker Jörn Rüsen seinen Vortrag zusammen, den er am 4. November anlässlich der Neuauflage seiner „Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft"“ (Böhlau Verlag, 2013) im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) hielt. Im Rahmen seines Plädoyers für eine neue Geschichtsphilosophie zeichnete er ihre Vorgeschichte nach, legte dar, worum es in der Geschichtsphilosophie geht und gab einen Ausblick auf seinen neuen Ansatz. Vor genau dreißig Jahren erschien der erste Band von Rüsens „Historik“, zwei weitere Bände folgten in den Jahren 1986 und 1989, in denen er die Grundlagen, den Status und die Funktion des historischen Denkens untersuchte. Das Buch wurde zu einem Standardwerk, das maßgeblich dazu beitrug, der deutschen Geschichtswissenschaft ein wissenschaftstheoretisches Fundament zu geben. In der im Böhlau Verlag erschienenen Neuauflage entwickelt der Historiker neue Perspektiven des Denkens über Geschichte vor dem Hintergrund der kulturellen Herausforderungen der Globalisierung. Jörn Rüsen ist emeritierter Professor für Allgemeine Geschichte und Geschichtskultur an der Universität Witten/Herdecke und war von 1997 bis 2007 Präsident des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Den öffentlichen Abendvortrag als Podcast und Bilder finden Sie in der Tagungsdokumentation zur Veranstaltung.

[|profil.mschaeffer], 22.11.13

KWI on Tour: Jerusalem - Konflikte und Konfliktbilder: Volker Heins zu Gast bei PACT Zollverein

Volker Heins
© PACT Zollverein

Wie kann man sinnvoll über Jerusalem jenseits der Klischees von der Heiligen Stadt und dem Dauerkonflikt im Nahen Osten sprechen? Dieser Frage stellte sich Volker Heins, Senior Fellow des KWI und Leiter des Forschungsschwerpunktes InterKultur, am 9. November im Rahmen der Deutschlandpremiere von „Jerusalem [Holocene #1.2]“, einer Mischung aus dokumentarischer Performance und Videoinstallation des belgischen Künstlerkollektivs BERLIN. Vor der Aufführung des Stücks auf der Bühne von PACT Zollverein entwickelte Volker Heins das Bild Jerusalems als einer „Anti-Stadt”, die alles andere als urban und offen ist und gleichwohl faszinieren kann. Alles an dieser Stadt, die heute 800.000 Einwohner zählt, ist umstritten, ihr Name (Yerushalayim/Al Quds), die Frage, ob es überhaupt eine Stadt im modernen Sinne ist und schließlich, wie viele es von ihr gibt: eine, zwei oder vielleicht noch mehr. Konsens besteht nur darin, dass Jerusalem zum Gegenstand eines unteilbaren Konflikts geworden ist. Anhand einer Karte der israelischen NGO Ir Amim (Stadt der Völker), zeigte der Soziologe und Politikwissenschaftler, der selbst in Jerusalem gelebt hat, die unterschiedlichen, mehr oder minder sichtbaren Grenzen, die Jerusalem durchziehen und umgeben. In einer betont unpolemischen Analyse, die ihren Ausgang nahm von den territorialen Gewinnen Israels nach dem siegreichen Sechstagekrieg von 1967, wurde dem zahlreich erschienenen Publikum verdeutlicht, welche teilweise paradoxen Folgen die Annexion und künstliche Ausdehnung Ost-Jerusalems hat. Zugleich ging Volker Heins der Frage nach, was die unterschiedlichen Grenzen für die jüdischen und arabischen Bewohner der Stadt bedeuten, die durch sie getrennt oder auch miteinander verbunden werden.

[|profil.mschaeffer], 20.11.13

CineScience Film und Gewalt: Gewalt der Bilder – gewalttätige Bilder?

CineScience Film und Gewalt
© KWI

Im Film „Marathon Man“ (1976) wird Dustin Hoffman alias „Babe“ von einem ehemaligen Naziarzt an einen Zahnarztstuhl gefesselt und ohne Betäubung mit dem Bohrer malträtiert. Ein Bild dazu gibt es nicht, nur die Schmerzensschreie von „Babe“ lassen diese Szene zu einer vieldiskutierten Schlüsselstelle in der Filmgeschichte werden. Aktuellere Filme wie „Saw“ (2004) oder „Hostel“ (2006) verzichteten nicht mehr auf die explizite Darstellung des eigentlichen Gewaltaktes und setzten damit als Blockbuster mit Millionenpublikum neue Maßstäbe dafür, was im Kino gezeigt werden kann und was nicht. Warum verschieben sich diese Grenzen und was bewegt die Zuschauer dazu, sich derart gewalttätige Filme anzuschauen? Darüber diskutieren am 19. November im Essener Filmkunsttheater Eulenspiegel Historiker und KWI-Junior-Fellow Marcel Siepmann und Kultur- und Sozialwissenschaftler Christoph Spehr anhand verschiedener Filmausschnitte aus „A Clockwork Orange“ (1971), „Marathon Man“ und „Hostel“ mit dem Publikum. Die Veranstaltung bildet den Abschluss der vierteiligen CineScience-Reihe zum Thema Film und Gewalt, die nach dem gewaltverherrlichenden Potential von Filmen fragte, Quentin Tarantinos oeuvre beleuchtete und Kriegsbilder in "Deutschen Wochenschauen" untersuchte. Die vom KWI und dem Filmstudio Glückauf veranstaltete Reihe CineScience wird vom Verein zur Förderung des KWI gefördert.
Hinweis zur Altersbegrenzung: Die Ausschnitte aus den oben genannten Filmen sind für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet.

[|profil.mschaeffer], 18.11.13

Forschungsfeld „Internationale Geschichte“: Bilanz über bisherige Forschung und Methoden

Internationale Geschichte. Themen – Ergebnisse – Aussichten

„Internationale Geschichte“ hat sich im Zuge der Globalisierung zu einem lebhaften Feld der Geschichtswissenschaft entwickelt. Transnationale Geschichte, Globalgeschichte, Migrationsgeschichte, Europäische Integrationsgeschichte, Umweltgeschichte und andere mehr bieten neuartige Zugänge zur Vergangenheit, die den oft nationalgeschichtlich verengten Fokus der Geschichtswissenschaft erweitern. Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) hat diese Entwicklung begleitet und gefördert, beginnend mit einem Tagungsband über „Internationale Geschichte. Themen – Ergebnisse – Aussichten“ (Oldenbourg), herausgegeben von Wilfried Loth, Geschichtsprofessor an der Universität Duisburg-Essen und KWI-Vorstandsmitglied, und dem Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel. Der Band erschien 2000 in der Publikationsreihe „Studien zur internationalen Geschichte“ (DeGruyter Oldenbourg).
Am 18. November 2013 treffen sich alte und neue Herausgeber der Publikationsreihe – neben Loth und Osterhammel gehören unter anderen Julia Angster, Eckart Conze, Jost Dülffer und Johannes Paulmann dazu – im KWI zu einer Bilanz der bisherigen Forschungen und zur Entwicklung weiterer Perspektiven der internationalen Geschichte. Wie tragfähig sind die methodischen Konzepte, die bislang vorgestellt wurden? Wie kann es gelingen, die unterschiedlichen Dimensionen internationaler Geschichte zu kohärenten Deutungen zusammenzufügen? Die Antworten, zu denen der Workshop findet, sollen in die weitere Gestaltung der „Studien zur internationalen Geschichte“ einfließen.
Mit dem Workshop ist ein Wechsel in der Herausgeberschaft der Buchreihe verbunden: Wilfried Loth scheidet nach 18 Jahren als Hauptherausgeber aus, arbeitet aber weiterhin im Kollegium der Herausgeber mit. Neuer Hauptherausgeber wird Eckart Conze, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg und Direktor des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse in Marburg.

[|profil.mschaeffer], 15.11.13

KWI on Tour: Claus Leggewie diskutiert beim NRW-Wirtschaftskongress 2013 in der Philharmonie Essen

Dialog schafft Zukunft

Bürgerbeteiligung ist mehr als ein Konfliktdialog bei umstrittenen Planungsvorhaben. Ob Open Innovation, das Modell lokaler Allianzen oder strategisches Großprojektemanagement in Europa – die Ideen und Ansätze der Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung sind vielfältig. Wie aber lässt sich der Wunsch nach Investitionen in Industrie und Infrastruktur mit dem Wunsch nach hoher Lebensqualität vor Ort in Einklang bringen? Diese Frage thematisiert der vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen initiierte Wirtschaftskongress 2013, der unter dem Motto „Wirtschaften in NRW – Beteiligung weiter denken“ am 14. November in der Philharmonie Essen stattfindet. KWI-Direktor Claus Leggewie ist Diskutant bei der Podiumsdebatte „Industrieland NRW – Fortschritt ja, Großprojekte nein?“, die von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin moderiert wird. Mehr Informationen zu Programm und Inhalt finden Sie im Flyer des Kongresses. Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist erforderlich.

[|profil.gzecic], 13.11.13

Buchvorstellung und Diskussion: „Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus“

© KWI, Foto: Björn Liedgens
© KWI, Foto: Björn Liedgens

Der Bau von Moscheen, das Tragen von Kopftüchern in Schulen, das jüdische und muslimische Beschneidungsritual – diese Themen rufen in Deutschland weiterhin erregte gesellschaftliche Debatten hervor. In seinem neuen Buch „Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus“ (Campus Verlag , Frankfurt am Main 2013) vertritt Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunktes InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), die These, dass der Streit um den Multikulturalismus grundlegende Fragen von Identität, Differenz und Solidarität berührt, die weder im Nationalstaat noch im vereinten Europa gelöst worden sind. Am 29. Oktober stellte der Sozialwissenschaftler das Buch im KWI vor und diskutierte mit Gästen und dem Publikum.
Darja Klingenberg begrüßte die Wiederbelebung des Multikulturalismus-Begriffes als politisches Ideal und als Chance, in Deutschland einen toleranteren und unaufgeregteren Umgang mit kultureller Vielfalt zu erreichen. Die Migrationsforscherin forderte einen offenen Umgang mit Konflikten und verwies auf die Gefahr eines Diskurses innerhalb der Mehrheitsgesellschaft, der soziale und ökonomische Ungleichheiten verschweige. KWI-Direktor Claus Leggewie knüpfte an den problematischen Begriff der Mehrheitsgesellschaft an und betonte, dass ein liberaler Multikulturalismus vom Individuum ausgehen und kulturelle Fragen und Streitigkeiten von Fall zu Fall auf der Basis des geltenden Rechts lösen müsse – nicht im Sinne einer selbst ernannten und nicht klar definierbaren „Mehrheitsgesellschaft“. Leggewie verwies zudem auf darauf, dass der Staat in den letzten Jahrzenten bei der institutionellen Integration und in der Gesetzgebung deutliche Fortschritte gemacht habe, während auf der Ebene der Lebenswelt weiterhin eine hochgradige Unsicherheit im Umgang mit Differenz spürbar sei. Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik verwies in diesem Kontext darauf, dass es in der Regel drei bis fünf Generationen brauche, bis man sich an Einwanderung und eine kulturell und religiös gemischte Gesellschaft gewöhnt habe. Brumlik schlug ein Forschungsprojekt vor, dass die Perspektiven dreier Generationen aus Familien mit Migrationshintergrund, und damit den Blick der Subjekte selbst, auf ihre „Heimat“ und das, was sie zur Gesellschaft beigetragen haben bzw. daraus aufgenommen haben, untersucht.
Das Medienecho zur Veranstaltung, Fotos sowie ein Podcast der Buchvorstellung durch Volker Heins stehen in einer Tagungsdokumentation zur Verfügung.

[|profil.mschaeffer], 11.11.13

„Vom Nutzen und Nachteil europäischer Geschichtsbilder“

Cover: „Aus Politik und Zeitgeschichte“
© bpb

Welche Geschichten erzählt man sich von Europa? Welche europäischen Geschichtsbilder sind darüber hinaus denkbar und welche Funktion können sie erfüllen? Mit diesen Fragen setzt sich der Historiker und KWI-Junior Fellow Marcel Siepmann in seinem Artikel „Vom Nutzen und Nachteil europäischer Geschichtsbilder“, erschienen in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ 42–43/2013) der Bundeszentrale für politische Bildung, auseinander. Darin setzt er sich mit der Wandelbarkeit europäischer Geschichtsbilder auseinander, die er am Beispiel eines Geschichtsbildes Europas als einer Geschichte eines sozialen Gesellschaftmodells offenlegt. So untersucht Siepmann den Umgang mit sozialen Modellen und Ideen in Europa und stellt fest, dass Europa auf seine Krisen, beispielsweise die Umbruchsphase zur Zeit der Industriellen Revolution, immer wieder mit dem Versuch reagiert habe, eine sozialere Zukunft zu gestalten. Dies dürfe jedoch nicht als lineare Fortschrittsentwicklung gesehen werden, sondern als andauernder und offener Prozess. Siepmann zeigt, dass es eine Vielfalt von Geschichtsbildern Europas gibt, die sich immer im Spannungsfeld von Geschehenem und Erinnertem befinden und überdies ständig neu ausgehandelt werden. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich auch ‚Nutzen‘ und ‚Nachteile‘ solcher Bilder, da sie sowohl eine Hilfe darstellen, sich über elementare Sinnfragen der Gegenwart auseinanderzusetzen, gleichzeitig immer auch zu künstlichen Konstruktionen von Vergangenem einladen. Siepmanns Beitrag ist damit auch eine Stellungnahme zu der komplexen Debatte über die Unterschiede von ‚Geschichte‘ und ‚Erinnerung‘.

[|profil.mschaeffer], 06.11.13

Auftakt des Verbund-Forschungsprojekts „Kommunale Energiewende Ruhr“

Alternative Energien im Ruhrgebiet
© Stiftung Mercator, Foto: Brigitte Kraemer

Die Kommunen im Ruhrgebiet stehen vor einer gewaltigen Aufgabe: In einem industriell geprägten und von einem mehrdimensionalen Strukturwandel betroffenen Gebiet müssen sie ihren Beitrag zu ambitionierten Energie- und Klimaschutzzielen auf Bundes- und Landesebene leisten. Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) macht es sich zur Aufgabe, dies gemeinsam mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (WI), der TU Dortmund und weiteren Partnern, gefördert durch die Stiftung Mercator, mit dem Forschungsprojekt „Rahmenprogramm zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen des Ruhrgebiets“ auf kommunaler Ebene wissenschaftlich zu begleiten. Untersucht werden die strukturellen, politisch-kulturellen und institutionellen Bedingungen, die den Klimaschutz und die Energiewende auf kommunaler und regionaler Ebene beeinflussen.
Am 18. Oktober fand die offizielle Auftaktveranstaltung statt, die mit einer Keynote von Manfred Fischedick, Vizepräsident des WI, und einer Podiumsdiskussion der Projektpartner eröffnet wurde. Darin wurde betont, dass die Energiewende angesichts der besonderen Herausforderungen für die Metropole Ruhr nur durch die Umsetzung innovativer Ideen auf lokaler Ebene gelingen kann. Vor diesem Hintergrund machte das Forschungskonsortium eine offene Ausschreibung bekannt: Gesucht und gefördert werden Projekte, die einen innovativen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen des Ruhrgebiets leisten. Das KWI beschäftigt sich im Rahmen des Verbundprojekts mit Akteuren im Ruhrgebiet, die sich bereits für einen Wandel hin zu Nachhaltigkeit in ihrer Umgebung einsetzen. Darüber hinaus erprobt es ein neuartiges Beteiligungsformat, das es BürgerInnen erlaubt, ein zukunftsorientiertes Thema wie die Energiewende aus einer Generationen übergreifenden Perspektive heraus zu diskutieren und mitzugestalten.
Ausführliche Informationen zum Rahmenprogramm, der Ausschreibung und den Teilprojekten finden Sie auf der Verbundhomepage des Forschungsprojekts.

[|profil.gzecic], 04.11.13

Die neuen „Scholars in Residence“ stehen fest

Scholars in Residence 2013/2014
© Rita Canto Vergara

Das internationale wissenschaftliche Austauschprogramm „Scholars in Residence“ startet in diesem Jahr in die fünfte Runde: Vier deutsche NachwuchsforscherInnen, darunter KWI-Fellow Martin David, bilden im Rahmen des Programms Tandems mit vier jungen WissenschaftlerInnen aus Großbritannien, Indien, Kanada und Spanien. In mehrwöchigen gegenseitigen Gastaufenthalten knüpfen sie intensive Kontakte zu anderen Forschern, führen gemeinsame Projekte durch und entwickeln langfristige bilaterale Kooperationen. Im Scholars-Jahr 2013/2014 stehen die Themen „Erinnerungskultur“, „Kultur und Klima“ sowie „Kultur und Ökonomie“ im Zentrum der Forschungsprojekte.
Das Residenzprogramm ist eine Kooperation zwischen dem Goethe-Institut und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), die seit 2009 besteht. Weitere Informationen zum Programm und zu den TeilnehmerInnen und Themen 2013/2014 finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 31.10.13

Kick-Off-Meeting des Forschungsprojektes EnerTransRuhr

Berlin, Innenhof Hotel New Berlin
© Günter Rupprich: „zugewachsen1“, Quelle: www.piqs.de (some rights reserved)

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt „EnerTransRuhr“ entwickelt vor dem Hintergrund der Energiewende im Ruhrgebiet Beiträge für zukünftige Transformationsprozesse, indem Theorie und Praxis-Elemente verbunden werden. Wer sind die Akteure? Welche Innovationen treiben sie für einen sozialen Wandel in Richtung nachhaltige Gesellschaft in ihrem Stadtteil oder Quartier voran? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des ersten gemeinsamen Kick-Off-Meetings der am Forschungsprojekt beteiligten Projektpartner Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie und Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), das am 14. Oktober in Wuppertal stattfand.
Im Projekt werden Strategien der Energiewende am Beispiel der energetischen Gebäudesanierung im Ruhrgebiet – insbesondere in den Städten Bottrop sowie Dortmund und Oberhausen – untersucht, akteurs- bzw. agenten-basiert modelliert und erarbeitet. Durch das KWI-Teilprojekt EnerTransRuhr - Energiewende integrativ. Kulturelle Kartierung werden vor allem sozio-kulturelle Faktoren auf Mikro- und Meso-Ebene ein Bestandteil dieses transdisziplinären Forschungsvorhabens sein. Hier stehen Agenten des Wandels, deren soziale und kulturelle Realität(en) und Zukunftsvorstellungen innerhalb und außerhalb ihrer so genannten „Nischen“ im Fokus. Am KWI selbst werden mit ethnographischen Methoden die verschiedenen Lebenswelten engagierter Akteure, die sich für Transformationsprozesse einsetzen, ausfindig gemacht und analysiert.

[|profil.gzecic], 29.10.13

Der Streit um Carbon Capture and Storage (CCS) im Film „Energieland“

Wie wird in Deutschland über Wege und Technologien gestritten, die eine klimaschonende Energieversorgung ermöglichen sollen? Einige anschauliche Aufschlüsse hierzu boten Ausschnitte aus dem Film „Energieland" und das Gespräch mit der Dokumentarfilmerin und Kulturanthropologin Johanna Ickert am 14. Oktober im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Ickerts Film zeigt Akteure und Stationen des Konflikts um ein vom Energieunternehmen Vattenfall in Brandenburg geplantes und schließlich nicht zuletzt aufgrund des Widerstands der Bevölkerung an den potentiellen Speicherorten gescheitertes Carbon Capture and Storage (CCS)-Projekt. Ziel des CCS-Projekts war die Erprobung und Demonstration der Abscheidung von CO2 aus Braunkohlekraftwerksemissionen und dessen unterirdische Speicherung. Sowohl gegen die lokalen Risiken dieser Speicherung als auch die mit den CCS-Plänen verbundene Verlängerung der Braunkohleverstromung in Brandenburg entwickelte sich reger Bürgerprotest. Auf diesen reagierte Vattenfall mit vergeblichen Bemühungen, durch intensivere Informationsarbeit, Akzeptanz für sein Vorhaben zu schaffen. Die Landespolitik suchte währenddessen Wege, das CCS-Projekt wegen seiner Bedeutung für die regionale Wirtschaft und die Entwicklung globaler Klimaschutzstrategien zu unterstützen, ohne dabei die Widerstände gänzlich zu übergehen.
Das von Dietmar Rost, KWI-Research Fellow im Projekt „Demoenergie“, moderierte Gespräch mit der Regisseurin führte zunächst zu den komplizierten Bedingungen des Filmprojekts, das aus einer Kooperation mit dem Unternehmen Vattenfall hervorging, in der sie sich jedoch die Unabhängigkeit ihrer Arbeit garantieren ließ. Unter diesen Produktionsbedingungen gelang Johanna Ickert eine faire Darstellung der Konfliktparteien, in der ihre eigene kritische Position gegenüber Vattenfalls CCS-Projekt zugleich sehr deutlich wird.
Neben dem Bürgerprotest und dem Unternehmen Vattenfall, die im Fokus dieser Dokumentation stehen, griff das unter reger Beteiligung verlaufende Publikumsgespräch auch einige weitere im Film ebenfalls angesprochene Aspekte auf, die für die Diskussion um das Für und Wider einer Entwicklung von Varianten der CCS-Technologie relevant sind. Unter anderem betraf dies die regionalen, nationalen und globalen Zusammenhänge wie auch die Rolle von Wissenschaft und Experten in diesem Konflikt. Die weiterhin bestehende Ungewissheit, ob und wie CCS in Deutschland weiter erforscht bzw. angewandt werden wird und wie lange noch Braunkohle hier verstromt werden soll, lenkte die Diskussion schließlich zu Fragen und Überlegungen, die an die Feststellung eines Mangels an breiter gesellschaftlicher Debatte über die Umsetzung einer klimaschonenden und nachhaltigen Energieversorgung anschließen.

[|profil.mschaeffer], 25.10.13

Lesart Spezial: „Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ – Vom leisen Sterben der sozialen Marktwirtschaft“

© Andreas Hermsdorf  / pixelio.de
© Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Dass die Reichen ihren Status vor allem einem System der ungleichmäßigen Verteilung zu verdanken haben, erkannte schon Bert Brecht als er 1934 dichtete: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah'n sich an. Und der Arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ Wie es um die soziale Marktwirtschaft bestellt ist und welche Auswirkungen diese Ungleichheit auf die demokratische Gesellschaft hat, diskutierten Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel und Soziologe Michael Hartmann am 8. Oktober bei Lesart Spezial vor rund siebzig Zuschauerinnen und Zuschauern im Essener Grillo-Theater. Unter der Moderation von Peter Lange, Chefredakteur des Deutschlandradio Kultur, stellten die beiden Gäste den Sachcomic „Economix. Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht)“ (Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2013) von Michael Goodwin und Chrystia Freelands Buch „Die Superreichen. Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite“ (Westend Verlag, Frankfurt am Main 2013) vor. Diese Bücher leisteten, so Hickel und Hartmann, einen Beitrag zur ökonomischen Aufklärung, da sie das übliche „Herrschaftswissen“ hinterfragen und bestehende Strukturen nicht als gegeben hinnehmen. „Economix“ erklärt mit plastischer Darstellung, was wir über Ökonomie wissen müssen, um im Dschungel hochtrabender Begriffe und Theorien den Durchblick zu behalten und komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge, so Hickel, „wirklich“ zu verstehen. Chrystia Freeland hingegen liefert in „Die Superreichen“ Einblicke in die Welt der Globalmilliardäre und zeigt laut Hartmann, „dass ein System, welches nur noch darauf bedacht ist, den Reichtum bei den Reichen zu bewahren, schöpferische Kraft einbüßt und somit die Mobilität der Gesellschaft verloren geht“. Hickel und Hartmann sehen die Darstellung und Analyse der ökonomischen Zusammenhänge in den beiden Werken als Anstoß und Forderung einer informierten Diskussion kapitalistischer Strukturen und ihrer Alternativen.
Die Veranstaltung wurde am 20.10. bei Lesart Spezial im Deutschlandradio Kultur gesendet und kann dort nachgehört werden. Lesart Spezial ist eine Veranstaltungsreihe des KWI in Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust, dem Schauspiel Essen und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung als Medienpartner.

[|profil.mschaeffer], 23.10.13

„Zukunftsorte Europas: Der Mittelmeeraum“: Rémi Brague und Claus Leggewie in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

v.l.n.r. Rémi Brague, Ilyas Saliba, Claus Leggewie
© Susanne Hauer, BBAW

Der Mittelmeerraum war und ist für viele Menschen nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern seit Jahrhunderten eine Quelle intellektueller, kultureller und wissenschaftlicher Inspiration. Aktuell ist die Wahrnehmung des Mittelmeerraums vor allem mit Stichworten wie Krise, Konflikt und Protestbewegungen verbunden. Doch ist nicht vielleicht die „Krise des Südens“ auch ein Ausgangspunkt für neue Impulse in der Region und für die Europäische Union? Diese Frage stand am 24. September in der öffentlichen Abendveranstaltung „Zukunftsorte Europas: Der Mittelmeerraum" im Rahmen des Jahresthemas 2013|14 „Zukunftsort: EUROPA“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zur Diskussion. Zu Gast waren der französische Philosoph Rémi Brague, Universität Paris 1 und Ludwigs-Maximilians-Universität München, und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Brague zeigte mit seiner ideengeschichtlichen Perspektive auf, wie das Mittelmeer seit Jahrzehnten Träumen verschiedenster Färbung Vorschub leistet, wobei die Mythisierung der Vergangenheit eine rosafarbige Zukunft des Dialogs der Kulturen plausibel machen soll. Ein Blick auf die wirkliche Geschichte dieses Raumes zwinge aber zu einer nüchterneren Sicht unserer vergangenen, heutigen und möglichen Lage, denn laut Brague seien alle multikulturellen Experimente im Mittelmeerraum letztlich gescheitert. Claus Leggewie, Autor des Buches „Zukunft im Süden“ (2012), widersprach dieser Diagnose nicht, sondern führte Bragues Ansatz mit konkreten Vorschlägen einer neuen „Süd-Politik" fort. Leggewie skizzierte ein neues Europa der Regionen als Alternative zu Zentralismus und Postdemokratie und bezog damit auch den Norden Europas ein, von dem er eine „respektvolle Begegnung mit den Kulturen des Südens“ verlangte.
Ein Videomitschnitt der Diskussion steht auf dem Wissenschaftsportal L.I.S.A. der Gerda-Henkel-Stiftung zur Verfügung. Die Diskussion wurde zudem in der Sendereihe „Perspektiven" am 17.10.2013 im RBB Kulturradio ausgestrahlt.

[|profil.mschaeffer], 21.10.13

Neuerscheinung: Humanities in the Societal Challenges - 12 Compelling Cases for Policymakers

Humanities in the Societal Challenges

Die komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind, können nicht allein durch physikalische, ökologische und biologische Zusammenhänge erklärt werden – auch der Mensch spielt eine zentrale Rolle. Den Faktor Mensch zu verstehen, erfordert eine Erforschung der historischen, kulturellen und kommunikativen Prozesse, in die menschliches Leben eingebettet ist. Die Broschüre „Humanities in the Societal Challenges - 12 Compelling Cases for Policymakers“, die im September 2013 auf Science Europe veröffentlicht wurde, versammelt zwölf Fallstudien, die die Bedeutung geisteswissenschaftlicher Forschung für Themenbereiche wie Umwelt und Klimawandel illustrieren.
Eines der in der Broschüre vorgestellten Projekte ist das KWI-Projekt „Climates of Migration – Klimawandel und Umweltmigration in historischer Perspektive“. Im Mittelpunkt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts, das von KWI-Fellow Franz Mauelshagen und dem Rachel Carson Center München geleitet wird, steht der wissenschaftliche Zusammenhang von Klima und Migration. Daran angelehnt hat das Projekt-Team eine chronologische Datenbank über Umweltmigration in den letzten 500 Jahren erstellt und unter anderem herausgefunden, dass sowohl klimatische als auch soziokulturelle Faktoren Migrationsbewegungen beeinflussen. Der interdisziplinäre Blick auf das Phänomen der klimabedingten Migration verspricht aufschlussreiche Einblicke in die vergangenen, heutigen und zukünftigen Strukturen und Muster der Migration und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Grundlagen für die Bildung von Szenarien im Bereich der Klimafolgenforschung und bei der Umweltmigration.
Die Broschüre wurde im Rahmen der diesjährigen EU Presidency Conference Horizons for Social Sciences and Humanities in Vilnius, Litauen, Ende September der Öffentlichkeit vorgestellt.

[|profil.gzecic], 17.10.13

Dialogorientierte Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur Umsetzung von Energiewendeprojekten

Foto: Peter Freitag
© pixelio.de, Foto: Peter Freitag

Der zentralistisch angelegte und sich stetig verzögernde Netzausbau, die Reformbedürftigkeit des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) und der Anstieg des Strompreises zeugen vom Fehlen eines wirksamen politischen Handlungsrahmens zur Umsetzung der Energiewende. In einem Interview unter dem Titel „Demokratische Energie – geht das?“ (SWR2, 25.09.2013) geht Jan-Hendrik Kamlage, Research Fellow im Forschungsbereich PartizipationsKultur am KWI, auf die Schwierigkeiten bei der Koordinierung der Energiewende ein.
Den Aus- und Umbau des Stromnetzes bezeichnet Kamlage als „Flaschenhals“ der Energiewende. Der Netzausbau bestimmt das Tempo der Transformation: Überall dort, wo die konkrete Übernahme von Lasten durch Hinnahme von Stromleitungen und -Masten gefragt ist, gibt es gesellschaftliche Gruppen und Kräfte, die diese Entscheidungen – oft begründet, zuweilen auch unbegründet – in Zweifel ziehen und aktiv bekämpfen. So nehmen lokale Bürgerproteste und Mobilisierung gegen Stromtrassen und Energieinfrastrukturmaßnahmen in den letzten Jahren an Anzahl und Intensität immer mehr zu. Einzelne Beobachter befürchten gar einen „NIMBY“-Krieg (NIMBY ist das englische Akronym für Not In My Back Yard), der die deutsche Gesellschaft erfassen könnte.
Dieser Problematik kann mit Verfahren der dialogorientierten Bürgerbeteiligung begegnet werden, die in dem Ruf stehen, unmittelbare politische Mitwirkung zu erlauben, legitime Entscheidungen auf fachlich hohem Niveau zu ermöglichen, Vertrauen zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerschaft (wieder) aufzubauen und die Energien und Interessen der Konfliktparteien und Akteure in konstruktive Bahnen zu lenken. Am Beispiel der Wirkungen des „Tunneldialogs“ in Schwäbisch Gmünd zeigt Kamlage in einem Beitrag bei pnd-online (Ausgabe 2_3/2013) exemplarisch, wie dialogorientierte Verfahren langanhaltende lokale Konflikte zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung konstruktiv lösen können.

[|profil.mschaeffer], 15.10.13

Die unsichtbaren Hände – Globale Kooperation im 21. Jahrhundert: KHK-Symposium im Rahmen der Ruhrtriennale

v.l.n.r. Theo Röhle, Birger P. Priddat, Claudia Liebrand, Claus Leggewie, Christoph Lattemann
© KHK/GCR21, Foto: Georg Lukas

Mit der Metapher der unsichtbaren Hand griff der Ökonom Adam Smith schon im 18. Jahrhundert Prozesse der Selbstregulierung und Automatisierung auf, die er in wirtschaftlichen Zusammenhängen zu erkennen glaubte. Dass diese Kraft auch jenseits des Marktes von Bedeutung ist, stand beim Symposium „Global Cooperation in the 21st Century – Die unsichtbaren Hände“ des Käte Hamburger Kollegs/Centre for Global Cooperation Research, das am 29. August im Rahmen der Ruhrtriennale im Duisburger Landschaftspark stattfand, zur Diskussion. Unter der Leitung von Claus Leggewie, Co-Direktor des Kollegs und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), analysierten Referenten aus den Bereichen Biologie, Ökonomie, Politikwissenschaft und Psychologie automatische, unbewusste und ungewollte Kooperationen, wie sie sich in global agierenden Kommunikationsnetzen hinter dem Rücken von Akteuren ereignen. Das Filmkonzert „Massive Attack V Adam Curtis“, das im Anschluss an das Symposium Premiere im Landschaftspark feierte, verdichtete künstlerisch die im Symposium gestellte Frage nach Autonomie und Automatisierung der Weltgesellschaft. Ein Artikel von Claus Leggewie über das Konzert erschien am 2. September in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Alles läuft nach Plan – aber dies ist kein Rockkonzert“.
Das Symposium war Bestandteil der KHK-Master Class 2013, deren Arbeit darin bestand, ein besseres Verständnis für die Komplexität und Größenordnung von Prozessen und deren Bedeutung für die Herausforderungen globaler Zusammenarbeit zu entwickeln.
Die Kooperation des Käte Hamburger Kollegs mit der Ruhrtriennale begann im vergangenen Jahr mit dem Workshop „Künstlerische Praxis und Improvisation“. Angelehnt an den mit dem KWI eng verbundenen Forschungsbereich Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation wurden hier Modelle künstlerischer Interaktion im Hinblick auf verschiedene Handlungsfelder des Politischen untersucht.

[|profil.gzecic], 11.10.13

Neu: „Aktuelle Publikationen der KWI-Fellows"

© Mariocopa / Pixelio
© Mariocopa / Pixelio

Ab sofort ist eine aktuelle Auswahl der von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) veröffentlichten Artikel und Monografien unter der Rubrik „Aktuelle Publikationen der KWI-Fellows“ auf der Homepage des KWI zu finden. Die interessierten Leserinnen und Leser können hier auf einen Blick vier aktuelle Titel aus den Forschungsbereichen Europa, InterKultur, KlimaKultur, PartizipationsKultur sowie aus weiteren Forschungsprojekten des KWI einsehen. Je nach Verfügbarkeit werden die Hinweise auf die Titel mit weiterführenden Links auf Open Access-Publikationen versehen, um die Inhalte leichter zugänglich zu machen. Weitere Publikationen, die am KWI entstanden oder unter Mitwirkung seiner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erschienen sind, finden Sie weiterhin bei den Publikationen 2013 oder auch im Publikationsarchiv des KWI.

[|profil.mschaeffer], 09.10.13

GCR/KHK: Forschungsbereich 2 „Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation”

Alexandra Przyrembel und Volker Heins (Foto: Friedhelm Krischer)

Alexandra Przyrembel, Leiterin des Forschungsbereichs 2 „Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation” am Centre for Global Cooperation Research / Käte Hamburger Kolleg (GCR/KHK) in Duisburg und Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), geht zum 1. Oktober für ein Jahr als Gastprofessorin an die Freie Universität Berlin. Frau Przyrembel vertritt dort Sebastian Conrad im Arbeitsbereich „Global History“ des Friedrich-Meinecke-Instituts (FMI). Am Käte Hamburger Kolleg wird sie von Volker Heins vertreten, Leiter des Forschungsbereichs InterKultur am KWI. Herr Heins wird sich insbesondere den Themen „Humanitarismus“ und „Sozialphilosophie der Gabe“ widmen. Während seiner Tätigkeit in Duisburg bleibt er weiterhin zuständig für den Bereich InterKultur am KWI.

[|profil.mschaeffer], 07.10.13

WBGU-Gutachten „Welt im Wandel – Menschheitserbe Meer“

WBGU-Hauptgutachten 2013

Vergangene Woche wurde der erste Teilbericht des Fünften Sachstandsberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Stockholm vorgestellt. Im ersten von insgesamt vier Teilberichten, die bis Oktober 2014 veröffentlicht werden, geht es um die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, beispiels-weise um die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf die Ozeane. So ist es laut Bericht sehr wahrscheinlich, dass Ozeanerwärmung und -versauerung maßgeblich durch anthropogenen CO₂-Ausstoß bedingt sind und der Mensch somit Verantwortung für die Erhaltung der Lebenswelt der Ozeane trägt.
Diesem Thema widmete auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) sein Hauptgutachten „Welt im Wandel – Menschheitserbe Meer", das im Juni der Bundesregierung übergeben wurde und nun auch als Buch erschienen ist. Darin fordert der WBGU einen völkerrechtlichen Status für die Meere, um sie als gemeinsames Erbe der Menschheit zu schützen und ihre nachhaltige Nutzung zu sichern. Als Schlussstein eines sorgfältigen und schrittweisen Umbaus der internationalen Meerespolitik wird die Gründung einer Weltmeeresorganisation und entsprechender regionaler Institutionen für nachhaltiges Meeres-Management empfohlen. In Bezug auf die deutsche Meeresforschung drängt der WBGU zudem auf eine Förderpolitik, die die Gesellschaftswissenschaften stärker integriert und enger mit den Naturwissenschaften verzahnt.
Zu den neun Mitgliedern des WBGU zählt der Politikwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), Claus Leggewie. Leggewie gehört dem WBGU seit 2008 an und forscht zu Fragen der Demokratie und Bürgerbeteiligung in Bezug auf den Klimawandel.

[|profil.mschaeffer], 02.10.13

CineScience Film und Gewalt: Filmgewalt und reale Gewalt – machen Filme Täter?

Videoausschnitt der Tat an der Columbine High School 1999
Quelle: Jefferson County Sheriff’s Office

Verursachen Filme und andere Unterhaltungsmedien Gewalt? Diese Frage diskutierten Medienwissenschaftler Christian Stewen von der Ruhr-Universität Bochum und Sebastian Wessels, Soziologe und Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), im Rahmen der CineScience-Veranstaltung am 17. September mit dem Publikum im Essener Filmstudio Glückauf. Anhand von dokumentarischen Aufnahmen über die Tat an der Columbine High School 1999 und Ausschnitten aus „Natural Born Killers“ – dem Film Oliver Stones von 1994, auf den sich die beiden Columbine-Täter mit dem Codenamen „NBK“ für ihren Angriff bezogen – gingen die Beiträge der Referenten und die Diskussion den möglichen Zusammenhängen zwischen Mediengewalt und realer Gewalt nach.
Die Annahme, dass insbesondere extreme und schwer erklärliche Gewalttaten in irgendeiner Form Nachahmungen von Mediengewalt seien, ist in der öffentlichen Diskussion dieser Taten ständig präsent. Ein näherer Blick auf die Umstände und Vorgeschichte extremer Gewalt-taten zeigt, dass die Benennung von Medieninhalten als „Ursachen“ der Taten eine grobe Vereinfachung ist. Gleichwohl bieten Medieninhalte den Rezipienten Sinnangebote, die auch zur Artikulation und Bestätigung von Hass und Menschenfeindlichkeit genutzt werden können, wenn sie sie auch nicht „verursachen“. Das bedeutet eine Verantwortung auf Seiten der Künstler und Medienschaffenden, sich dieses Potentials ihrer Werke bewusst zu sein. Eine wirksame, und nicht selbst wieder gewaltsame, Prävention kann aber nur in einer Kultur der Achtsamkeit bestehen, in der beispielsweise die Entstehung des Hasses der „School Shooter“ vermieden würde, zumindest aber die zahlreichen und deutlichen Alarmsignale, die gewöhnlich im Vorfeld der Taten von ihnen ausgehen, nicht übergangen würden. Den Fokus nach begangenen Gewalttaten allein auf die Medien zu richten und ihnen mit Zensur und Verboten zu drohen, würde nicht nur die Kunst- und Informationsfreiheit gefährden, sondern auch das Ziel verfehlen, extreme Gewalttaten zu vermeiden. Einer der bekanntesten Serien-mörder der USA, Charles Manson, glaubte seine Philosophie eines kommenden Bürgerkriegs im „Weißen Album“ der Beatles wieder-zufinden. Letztlich ist es daher unvorhersehbar, aus welchen Kulturprodukten jemand gewaltsame Konsequenzen ziehen wird.
Die nächste Veranstaltung in der Reihe CineScience Film und Gewalt, gefördert durch den Förderverein des KWI, findet am 19. November statt unter dem Titel „Gewalt der Bilder - gewalttätige Bilder?“.

[|profil.mschaeffer], 30.09.13

Neuerscheinung: „Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne“

© Vandenhoeck & Ruprecht

Wenn über die Kolonialisierung der Welt geschrieben wird, steht zumeist im Vordergrund, was die Europäer den Weltregionen an Fortschritt und Zivilisation brachten. Tatsächlich wäre aber auch die europäische Wissensgeschichte ohne die Kolonien anders verlaufen. In ihrem Band „Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne“, der jüngst im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschien, versammeln die Herausgeberinnen Rebekka Habermas, Professorin für Mittlere und Neuere Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen, und PD Dr. Alexandra Przyrembel, KWI-Senior Fellow und Leiterin des Forschungsbereichs 2 „Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation“ am Käte Hamburger Kolleg „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“, Beispiele des Wissenstransfers von den Kolonien nach Europa. Denn ein Heer von Missionaren, Forschungsreisenden, Kolonialbeamten und Kaufleuten hat das Wissen und die Erfahrungen der indigenen Völker gesammelt und nach Europa gebracht. Nicht nur die Entwicklung der Zoologie, Botanik oder Ethnologie war aufs engste mit der Kolonialgeschichte verwoben, auch die erfolgreiche Bekämpfung von damals noch in Europa auftretenden Krankheiten wie Cholera und Malaria wäre ohne das Wissen aus den Kolonien kaum möglich gewesen. Entlang faszinierender Einzelschicksale und durch Einblicke in neue Dokumente aus der Kolonialgeschichte zeigen die Beiträger dieses Bandes, wie ein erstaunlich reiches Wissen nach Europa gelangte und den Fortschritt des 19. Jahrhunderts entscheidend beeinflusste.
Am 29. Januar stellen Rebekka Habermas und Alexandra Przyrembel den neuen Band in der Essener Buchhandlung Proust vor.

[|profil.mschaeffer], 26.09.13

Neues Forschungsprojekt: "New Regional Formations: Rapid Environmental Change and Migration in Coastal Regions of Ghana and Indonesia"

Foto: M. Lukas
Angelnde Kinder in der Großstadt Semarang in Zentraljava, Foto: M. Lukas

Küstenregionen spielen eine wichtige Rolle in zwei zentralen Prozessen, die heutige Gesellschaften zutiefst prägen und beunruhigen: Umweltwandel und Migration. Sie sind sowohl Ursprung als auch Zielregion von Migrationsbewegungen und fungieren zudem häufig als Eintrittspforten in größere Migrationsnetzwerke. Zugleich werden Küstenregionen rund um den Globus kontinuierlich durch klimatische und andere Einflüsse transformiert. Wie reagieren die betroffenen Menschen auf diese Veränderungen? Diese Reaktionen und ihr Einfluss auf die Transformation von Regionen und ganzen Gesellschaften stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts, das am KWI im Verbund mit anderen Einrichtungen bearbeitet wird: „New Regional Formations: Rapid Environmental Change and Migration in Coastal Regions of Ghana and Indonesia“. Das Projekt unter der Gesamtleitung von Michael Flitner von der Universität Bremen wird von der VolkswagenStiftung für drei Jahre im Rahmen der Initiative „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft“ gefördert.
Im Einzelnen untersucht das Projekt die Region Semarang in Zentraljava (Indonesien), die von Landsenkung und wiederkehrenden Hochwassern bedroht ist, sowie den Distrikt Keta (Ghana), in dem eine besonders intensive Erosion entlang der Küste stattfindet. In beiden Regionen ist dramatischer Umweltwandel nicht Zukunftsmusik, sondern konkrete Erfahrung. Die Hypothese lautet, dass die Strategien zur Anpassung an diesen Wandel eingebettet sind in „regionale Formationen“ und zugleich zu deren Transformation beitragen. Am KWI koordiniert Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunktes InterKultur, die Forschung zum Teilprojekt „Risikokulturen“, in dem es um kulturelle Bedeutungspraktiken von Migranten und Migrationsbetroffenen geht sowie um deren spezifische Rolle bei der Entstehung von neuen regionalen Formationen. Gefragt wird insbesondere nach den kulturellen Unterschieden innerhalb und zwischen den ausgewählten Küstenregionen hinsichtlich der Reaktionen auf raschen Umweltwandel sowie nach der Wandelbarkeit gesellschaftlicher Kulturen im Verlauf von Migrationsprozessen.

[|profil.mschaeffer], 23.09.13

Aris Fioretos zu Gast im Literarischen Salon

v. l. n. r. Navid Kermani, Aris Fioretos, Claus Leggewie
© Stiftung Mercator, Foto: Georg Lukas

Ein Roman über den eigenen Vater, rückwärts erzählt – vom Tod zurück in die Zeit, als der Vater noch kein Vater war: „Die halbe Sonne“ (Hanser Verlag, 2013) ist das neue Buch des schwedischen Schriftstellers mit österreichisch-griechischen Wurzeln Aris Fioretos. Am 11. September war der vielfach ausgezeichnete Autor zu Gast im Literarischen Salon im Essener Grillo-Theater und sprach mit den beiden Gastgebern Claus Leggewie und Navid Kermani über seinen Roman, der als eine Antwort auf die Unbegreiflichkeit des Todes des eigenen Vaters gelesen werden kann. Aris Fioretos überträgt den Schock in eine literarische Form, die versucht, Ordnung zu schaffen: In der Listung von Erzählstücken und Thesen über den griechischen Vater rekonstruiert er ihn und seine geheimnisvolle Herkunft. Der Autor und habilitierte Literaturwissenschaftler schafft es ohne Pathos und mit bewusster „emotionaler Abrüstung“, wie er dem Publikum des Literarischen Salons erklärte, eine liebevolle Hommage an den Vater zu richten, die zugleich die grundsätzliche Situation emigrierter Väter ergründet. Fioretos‘ lakonische Art balanciert das emotionale Gewicht des Themas nicht nur im Roman, sondern auch während des Gesprächs im Grillo-Theater. Über sein literarisches Schaffen sagte er, er arbeite nach dem Motto einer schwedischen Köchin: „Man nehme, was man hat.“
Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Gast des nächsten Literarischen Salons am 27. November ist die polnische Schriftstellerin Joanna Bator.

[|profil.mschaeffer], 19.09.13

Neuerscheinung: „Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus“

© Campus Verlag

Der Bau von Moscheen, das Tragen von Kopftüchern in Schulen, das jüdische und muslimische Beschneidungsritual – in den Debatten, die erregt über diese Praktiken geführt werden, erscheinen "fremde" Kulturen und Religionen oft als bedrohend, ja skandalös. Dieser Haltung steht das politische Konzept des Multikulturalismus gegenüber, das für Schutz und Anerkennung kultureller Unterschiede durch Staat und Gesellschaft eintritt. In der politischen Theorie wie in der breiten Öffentlichkeit löst dieser Ansatz heute jedoch vielfach Unbehagen aus. Nach den Ursachen dieses Unbehagens fragt Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunktes InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), in seinem neuen Buch „Der Skandal der Vielfalt. Geschichte und Konzepte des Multikulturalismus", das am 2. Oktober im Campus Verlag erscheint.
In seinem Überblick über die internationale Multikulturalismusdebatte zeichnet der Sozialwissenschaftler, der viele Jahre in den USA, Israel, Indien und vor allem Kanada gelebt hat, die Fortschritte und Rückschläge bei der Auseinandersetzung nach, die in den letzten Jahrzehnten über kulturelle Vielfalt geführt wurde. Seine These lautet, dass der Streit um den Multikulturalismus – um religiöse Symbole, Sprachkompetenz von Migranten, Import internationaler Konflikte, Chancen auf dem Arbeitsmarkt – grundlegende Fragen von Identität, Differenz und Solidarität berührt, die weder im Nationalstaat noch im vereinten Europa gelöst worden sind. Am 29. Oktober stellt der Autor das Buch im KWI vor und diskutiert seine Thesen mit Claus Leggewie, Micha Brumlik und Darja Klingenberg.

[|profil.mschaeffer], 17.09.13

Die europäische Idee nicht aufgeben und die EU verändern: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Gespräch mit Claus Leggewie

Martin Schulz (re.) im Gespräch mit Claus Leggewie
© KWI, Foto: Ian Siepmann

Europa steht in der Kritik, „und das zu Recht, weil das politische System der EU demokratieunverträglich ist“, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) am 30. August vor rund 400 Zuschauerinnen und Zuschauern im RWE-Pavillon der Philharmonie Essen mit KWI-Direktor Claus Leggewie über Europas Wege aus der Krise diskutierte. Schulz sprach über europäische Volksaufstände und über die Möglichkeiten einer parlamentarischen Demokratisierung von unten. Er plädierte vehement für ein gemeinschaftsorientiertes, demokratisches Europa und forderte den Umbau der Europäischen Kommission zu einer Regierung. „Die Regierungschefs sind ausschließlich durch ihre nationalen Regierungen legitimiert, jedoch nicht von allen Bürgern der EU, das muss sich ändern“, so Schulz. „Die europäische Idee ist das Größte, was Europa in den letzten Jahrhunderten erarbeitet hat. Eine Idee scheitert jedoch, wenn sich die Menschen von ihr abwenden.“
Anlass für die Diskussion war die im März im Rowohlt-Verlag erschienene Streitschrift des Politikers „Der gefesselte Riese. Europas letzte Chance". In seinem Buch zeichnet er in einer ausführlichen Roadmap einen sozialdemokratischen Gegenentwurf zur aktuellen europäischen Krisenpolitik und erklärt, was sich ändern muss, damit die EU und ihre Bürger im 21. Jahrhundert eine ökonomische und politische Zukunft haben, die nicht auf Kosten der Demokratie geht. Bilder und ein Podcast der Diskussion „Europa im 21. Jahrhundert“ stehen zum Nachhören und Ansehen zur Verfügung.

[|profil.gzecic], 13.09.13

Neue Mobilität für die Stadt der Zukunft: Präsentation und Podiumsgespräch

Eine Vision des Stadtraums für 2030 von Alexander Schmidt (ISS)
Eine Vision des Stadtraums für 2030 von Alexander Schmidt (ISS)

Wie können nachhaltige Verkehrskonzepte in der Metropole Ruhr entwickelt und verwirklicht werden, damit der Verbrauch fossiler Kraftstoffe und damit verbunden die Emission von Treibhausgasen entscheidend reduziert werden, ohne den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürgern entgegen zu wirken? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer am 5. September von der Stiftung Mercator veranstalteten Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Kai Rüsberg (WDR) diskutierten Alexander Schmidt (Institut für Stadtplanung und Städtebau, ISS), Jörg Schönharting (Transportation Research & Consulting GmbH, TRC) und Gunnar Fitzner (Kulturwissenschaftliches Institut Essen, KWI) mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Essen, der Stadt Bochum, des Regionalverbandes Ruhr und der Via Verkehrsgesellschaft über das Verhältnis von Stadt, Mobilität und Lebensstilen. Die Podiumsgäste waren sich darin einig, dass neue und integrierte Mobilitätsformen sowie die Rückgewinnung von Stadträumen dazu beitragen können, Verkehr und Stadtgestaltung nachhaltig zu beeinflussen. So würde die Kombination verschiedener nachhaltiger Verkehrsmittel eine staufreie Mobilität bieten, fossile Kraftstoffe reduzieren und die Lebensqualität in der Stadt erhöhen.
Anlass für die Veranstaltung war die Präsentation der Ergebnisse des Projektes "Neue Mobilität für die Stadt der Zukunft", gefördert von der Stiftung Mercator. Darin wurden für die Stadt Essen, stellvertretend für die Metropole Ruhr, für vier ausgewählte Stadträume (Altenessen, Rüttenscheid, Viehofer Platz und Werden) Szenarien entwickelt, die zu neuen Stadtqualitäten und Mobilitätsgewohnheiten führen können. Die Grundlage hierfür bildete eine vom KWI durchgeführte repräsentative Umfrage, in der Menschen mit unterschiedlichem Mobilitätsverhalten befragt wurden, welche zukünftigen alternativen Fortbewegungsmittel für sie vorstellbar wären. Dieser reichhaltige Fundus an Daten erlaubte es, ein differenziertes Bild für einzelne Stadtteile und für die jeweiligen Lebensstile der Essener Bürgerinnen und Bürger zu zeichnen. Die Ergebnisse wurden anschließend mit verschiedenen Verkehrssimulationen verknüpft, um konkrete Maßnahmen für einzelne Stadtteile zu erstellen. Weitere Ergebnisse können Sie im ausführlichen Projektbericht nachlesen.

[|profil.mschaeffer], 11.09.13

LesartSpezial: Vor der Bundestagswahl – Welche Wahl haben wir? Mit Jakob Augstein und Hannah Beitzer

© Buchhandlung Proust
Seit Monaten verschwindet die Essener Buchhandlung Proust, Mitveranstalter von LesartSpezial, hinter einer großen Baustelle mit Absperrungen, Lärm und Staub. Eine schwierige Lage, die Kreativität und Durchhaltewillen erfordert. Bald feiert die Buchhandlung mit benachbarten Geschäften und Kunden ein „Achtung Baustelle: Ende in Sicht“-Fest. © Buchhandlung Proust

Am 22. September findet die Bundestagswahl statt. Heute Abend widmet sich LesartSpezial dem Thema auf besondere Weise: Es wird nicht um Personen und über Koalitionen gestritten. KWI-Direktor Claus Leggewie diskutiert mit zwei Gästen, die behaupten, dass Politik anders funktioniert als es das normale Geschäft einer Bundestagswahl vorgaukelt: Jakob Augstein, Jahrgang 1967, Verleger der Wochenzeitung Der Freitag, stellt in seinem neuen Buch „Sabotage.Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen, (Carl Hanser Verlag, 2013) die Systemfrage und meint, es sei zu wenig, bei der Wahl die Stimme abzugeben und danach zu schweigen. Für ihn heißt die Alternative Demokratie oder Kapitalismus. Hannah Beitzer, Jahrgang 1982, freie Journalistin, stellt in „Wir wollen nicht unsere Eltern wählen. Warum Politik heute anders funktioniert“, (Rowohlt Verlag, 2013) die Generationenfrage und fordert: Wir wollen nicht unsere Eltern wählen. Und sie räumt auf mit dem Mythos der unpolitischen 30jährigen.
Das KWI veranstaltet LesartSpezial in Kooperation mit der Buchhandlung Proust, deren Baustellenbanner auf der Kettwiger Straße jüngst vom „Buchmarkt“ zum Plakat des Monats gewählt worden ist. Weiterer Kooperationspartner ist Deutschlandradio Kultur, das Lesart Spezial als Teil der wöchentlichen Sendereihe Lesart ausstrahlt, Medienpartner ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.
Die Veranstaltung ist leider ausverkauft!

[|profil.mschaeffer], 10.09.13

Von Repräsentation zu Partizipation: Wege der Bürgerbeteiligung in die Demokratie

Eurozine

Die repräsentative Demokratie steckt in einer Krise: die Zahl der Wählerinnen und Wähler schwindet, die Parteien verzeichnen immer wenige Mitglieder und den Bürgerinnen und Bürgern fällt das Vertrauen in ihre politischen Repräsentanten zunehmend schwer. Dass dieser Zustand noch kein Ende der Demokratie bedeutet, erörtern KWI-Direktor Claus Leggewie und Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsschwerpunktes PartizipationsKultur am KWI, in ihrem Artikel "The Future Council. New Forms of Democratic Participation", der am 20. August bei Eurozine erschien. Leggewie und Nanz nehmen die Krise der traditionellen Formen der Partizipation zum Anlass, über eine stärker partizipatorisch ausgerichtete Form von Demokratie nachzudenken, in der Bürgerbeteiligung ein selbstverständlicher Teil ist. Die Autoren geben hierzu nicht nur eine allgemeine Übersicht über die verschiedenen Formen von Bürgerbeteiligung und ihre Entwicklung sowie über die Herausforderungen, die sich bei ihrer Umsetzung stellen, sondern stellen mit der Zukunftskammer auch ein konkretes Konzept vor. Leggewie und Nanz legen dar, dass örtliche Zukunftskammern, die vor allem in dialogischen Prozessen operieren, zur Grundlage für politische Identität werden könnten, da sie regionalen Zusammenhalt signalisieren und die Auswirkungen langfristiger infrastruktureller Projekte, wie beispielsweise der Energiewende, auf lokaler Ebene verdeutlichen. Diese und andere Formen der institutionalisierten Bürgerbeteiligung seien der erste Schritt auf dem Weg in eine partizipatorisch ausgerichtete Demokratie, die sich durch ein übergreifendes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein auszeichne, das in der repräsentativen Demokratie abhandengekommen sei. Der Artikel erscheint im Herbst auch in deutscher Sprache im 44. Heft der Zeitschrift „Transit. Europäische Revue".

[|profil.mschaeffer], 09.09.13

CineScience on Tour: Alles, was Recht ist. Kriminalität und Strafverfolgung als Wertediskurs in US-TV-Serien

Sebastian Wessels
© European Forum Alpbach, Foto: Petrit Rrahmani

Erzählungen von Gerechtigkeit, Wahrheit und Legitimität standen im Mittelpunkt der CineScience-Veranstaltung auf dem Europäischen Forum Alpbach am 26. August, das in diesem Jahr unter dem Titel „Erfahrungen und Werte“ stand. Sebastian Wessels, Soziologe und Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), diskutierte im Rahmen der Alpbacher Rechtsgespräche mit dem Publikum die Verwirklichung sozialer Werte durch Polizeiarbeit, Strafverfolgung und Rechtsprechung, wie sie in Krimi- und Anwaltsserien dargestellt wird: Während Rechtssysteme Entscheidungen hervorbringen, die durch Verfahren legitimiert sind, beziehen Film- oder Serienhelden Legitimität unmittelbar aus dem Gerechtigkeitsempfinden des Publikums. Sie können dies, weil sowohl die entscheidenden Fakten als auch die Moral des jeweiligen Falles klar und eindeutig sind. Diese Klarheit ermöglicht eine wirkungsvolle Erzählung – lässt aber gleichzeitig ein differenziertes Rechtssystem als überflüssig, wenn nicht gar als störend bei der Wahrheitsfindung und Durchsetzung von Gerechtigkeit erscheinen. Beispiele aus „NYPD Blue“, „C.S.I.“ und „Boston Legal“ veranschaulichten die Spannung zwischen Gerechtigkeitsgefühl und Legitimität und boten Anregungen, die Grenzen der Vereinbarkeit rechtsstaatlicher Praxis mit den Anforderungen dramatischer Erzählungen auszuloten.
In der Reihe CineScience diskutieren Forschende des KWI seit 2011 anhand von Filmausschnitten soziale Phänomene und werfen einen wissenschaftlichen Blick auf alltägliche und weniger alltägliche Aspekte menschlichen Zusammenlebens. CineScience findet in Kooperation mit dem Essener Filmstudio Glückauf statt, in unregelmäßigen Abständen ist CineScience „on tour“. In Essen läuft derzeit die vierteilige Reihe CineScience Film und Gewalt, gefördert vom Verein zur Förderung des KWI, bei der es am 17. September um die Frage "Filmgewalt und reale Gewalt – machen Filme Täter?" geht.

[|profil.mschaeffer], 05.09.13

Neuerscheinung: „Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft“

Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft

Im Jahre 1983 publizierte der Geschichtstheoretiker und ehemalige KWI-Präsident Jörn Rüsen den ersten Band seiner „Historik“, dem in den Jahren 1986 und 1989 zwei weitere Bände folgten. Im Oktober dieses Jahres, genau dreißig Jahre später, erscheint nun im Böhlau-Verlag eine grundlegend überarbeitete und ergänzte Version seines Standardwerks „Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft".
Jörn Rüsen stellte sich mit seinem Werk bewusst in die von Johann Gustav Droysen begründete Tradition der Historik als einer „Wissenschaftslehre der Geschichte“, die sich nicht allein den theoretischen Grundlagen und methodischen Prinzipien der Geschichtswissenschaft, sondern auch den Darstellungsformen sowie den lebenspraktischen Kontexten und Bildungsfunktionen des historischen Denkens widmet. Zentraler Gesichtspunkt der Theorie ist der ‚Sinn‘ dessen, was als Geschichte erkannt wird, und damit verbunden der Sinn des historischen Denkens im Allgemeinen und in seiner Form einer modernen Kulturwissenschaft im Besonderen. Rüsens anthropologisch fundierte Darstellung der Geschichtswissenschaft nimmt eine Mittelstellung zwischen modernem Wissenschaftlichkeitsanspruch und postmodernem Konstruktivismus ein.
Das Werk „Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft“ stellt Rüsen im Rahmen eines öffentlichen Vortrags unter dem Titel „Plädoyer für eine neue Geschichtsphilosophie“ am 4. November im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) vor.

[|profil.mschaeffer], 02.09.13

Europa im 21. Jahrhundert: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz spricht mit Claus Leggewie über Wege aus der EU-Krise in der Philharmonie Essen

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz
© Strauch, http://www.foto-studio-strauch.de

Welches Europa wollen wir? Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, will ein starkes demokratisches Europa, er fordert vehement einen politischen Umbau der EU. In seiner Streitschrift „Der gefesselte Riese. Europas letzte Chance“ (Rowohlt 2013) zeichnet er in einer ausführlichen Roadmap einen sozialdemokratischen Gegenentwurf zur aktuellen europäischen Krisenpolitik und erklärt, was sich ändern muss, damit die EU und ihre Bürger nicht zum ökonomischen und politischen Spielball anderer Weltregionen wie China, Indien oder den USA werden. Am Freitag, den 30. August (17.30 Uhr), spricht Schulz in der Philharmonie Essen auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) mit KWI-Direktor Claus Leggewie über die Thesen seiner Streitschrift und diskutiert sie im Anschluss mit dem Publikum.
Die Veranstaltung ist ausgebucht, eine Anmeldung ist leider nicht mehr möglich.

[|profil.gzecic], 28.08.13

„Global Cooperation in the 21st Century: Die unsichtbaren Hände“ – Symposium im Rahmen der Ruhrtriennale

Claus Leggewie
© Centre for Global Cooperation Research, Foto: Georg Lukas

Zusammenarbeit gilt als rationale und intendierte Strategie – die Kooperationspartner teilen bestimmte Interessen und einigen sich auf den besten Weg, diese zu verwirklichen. Wie aber laufen automatisierte Abläufe ab? Eingebettet in das internationale Kunstfestival Ruhrtriennale widmet sich das Symposium „Global Cooperation in the 21st Century“ des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research (KHK/GCR21) am 29. August der Kraft der ‚unsichtbaren Hände‘. Unter der Leitung von Claus Leggewie, Co-Direktor des Kollegs und KWI-Direktor, analysieren Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen automatische, unbewusste und ungewollte Kooperationen, wie sie sich in global agierenden Kommunikationsnetzen hinter dem Rücken von Akteuren ereignen.
Die Kooperation des Käte Hamburger Kollegs mit der Ruhrtriennale begann im vergangenen Jahr mit dem Workshop „Künstlerische Praxis und Improvisation“. Angelehnt an den mit dem KWI eng verbundenen Forschungsbereich Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation wurden hier Modelle und Erfahrungen künstlerischer Interaktion im Hinblick auf verschiedene Handlungsfelder des Politischen untersucht. Das Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research ist ein interdisziplinäres Zentrum für globale Kooperationsforschung der Universität Duisburg-Essen. Beteiligte Institute des Kollegs sind das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen, das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) und das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.
Das Symposium findet in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord statt. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 26.08.13

Das KWI wünscht einen schönen Sommer!

KWI-AusflugI
© KWI, Foto: Armin Flender

Mit einer Fahrradtour vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) zum Essener Baldeneysee, entlang der Ruhr bis Mülheim und für die Sportlichsten unter den Radlern auch wieder zurück zum Institut haben rund 30 Mitglieder des KWI die Sommerpause eingeläutet. Sommerpause: Das bedeutet für das KWI eine kurze veranstaltungsfreie Zeit, bis bei einem interdisziplinären Symposium im Rahmen der Ruhrtriennale (29.8.) auf originelle Weise über die Möglichkeiten globaler Kooperation im 21. Jahrhundert nachgedacht wird und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz mit KWI-Direktor Claus Leggewie in der Philharmonie Essen über die Zukunft Europas spricht (30.8.). Eine Atempause also auch für die Profilierung der Forschungsschwerpunkte am KWI und für das Nachdenken über neue Themen und Initiativen in der zweiten Jahreshälfte. Das KWI-Team freut sich, Sie ab Ende August wieder bei Veranstaltungen begrüßen zu dürfen! Unter anderem auch zu einer Ausgabe von „Lesart Spezial“ (10.9.) anlässlich der Bundestagswahl. Alle Termine des KWI finden Sie im Veranstaltungskalender.

[|profil.gzecic], 08.08.13

Neuerscheinung: „Nature, Environment and Culture in East Asia. The Challenge of Climate Change”

„Nature, Environment and Culture in East Asia. The Challenge of Climate Change“

Ostasien ist auf dem Vormarsch. Während die Euro-Zone schwächelt, verfügen Länder wie Japan, Südkorea und China über ein blühendes Wirtschaftswachstum. Auch in der ökologischen und klimatischen Krise spielt Ostasien eine bedeutende Rolle bei der Aushandlung von Lösungen. Daher ist es wesentlich, Ostasiens kulturelle Unterschiede beim Angehen und Lösen ökologischer Herausforderungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verstehen.
Der im Juli erschienene Sammelband „Nature, Environment and Culture in East Asia. The Challenge of Climate Change”, herausgegeben von Carmen Meinert, Research Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), untersucht, wie kulturelle Muster und Konzepte ein spezifisches Verständnis von Natur geformt haben und mit welchen Strategien sich lokale und regionale Kulturen an ökologische und klimatische Veränderungen angepasst haben bzw. anpassen. Außerdem beleuchtet das in englischer Sprache im Brill-Verlag veröffentlichte Buch, wie verschiedene Institutionen ihre Ideen und Programme in der zukünftigen Umwelt- und Klimapolitik sowohl auf nationaler Ebene als auch in internationalen Verhandlungen einbringen könnten.
Das Buch ist die erste von insgesamt neun Veröffentlichungen in der neuen Publikationsreihe „Climate and Culture“ des KWI.

[|profil.gzecic], 05.08.13

Mehr Demokratie durch Bürgerbeteiligung?

www.participedia.net



© www.participedia.net

Seit geraumer Zeit spricht sich eine überaus große Mehrheit der Bundesbürger für mehr Bürgerbeteiligung aus, und zwar sowohl für direkt-demokratische Abstimmungen wie Bürgerbegehren und Volksentscheide als auch für informelle, dialogorientierte Verfahren der Mitgestaltung wie beispielsweise Runde Tische, Stadtversammlungen und Konsensuskonferenzen. Welche Vor- und Nachteile beide Formen von Bürgerbeteiligung haben und wie sie sich verknüpfen lassen, hat Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsschwerpunkts PartizipationsKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), in einem Vortrag während der 2. Demokratiekonferenz der Landesregierung Baden-Württemberg und des schweizerischen Regierungsrat des Kantons Aargau am 20. Juni in Stuttgart erörtert. Dieser Vortrag ist nun als Video abrufbar.
Unter dem Titel „Gegenseitige Blicke über die Grenze. Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie in Deutschland und der Schweiz“ diskutierten in Stuttgart Akteure aus den Bereichen Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Patrizia Nanz, die die globale Wiki-Plattform „participedia“ zur Sammlung von Daten rund um Verfahren und Methoden der Bürgerbeteiligung mitbegründet und kürzlich die Vielfalt dieser Bewegungen weltweit bei der „Frontiers of Democracy“-Konferenz an der Tufts University in Boston vorgestellt hat, zeigte in ihrem Vortrag, dass die Einführung von Bürgerbeteiligungsverfahren im bestmöglichen Falle zu einer (Wieder-)Annährung zwischen Gesellschaft und politischen Akteuren und damit zu ausgewogenen Beschlussfassungen in beiderseitigem Interesse führt. Bürgerbeteiligung bedeute demnach keine Schwächung, sondern eine Transformation der repräsentativen Demokratie, so Nanz.

[|profil.mschaeffer], 05.08.13

Migration und Komik: Präsentation und Diskussion im Rahmen des Kulturpfadfests 2013

Migration und Komik: Kurzfilm und Diskussion im KWI
© Mustafa Sentürk

Welche Rolle spielen Humor und Satire in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland? Welche Potentiale haben Kabarett und Comedy für die Selbstdarstellung von Zugewanderten für die Verarbeitung ihrer Migrationsgeschichte sowie für ihre deutsche Zugehörigkeit? Welche Art der Abgrenzung bzw. der Identifikation findet auf der Bühne statt? Wie sieht die Interaktion mit dem Publikum aus? Und, wann bleibt die Komik aus? Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen zeigte das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) in Kooperation mit dem Essener Katakomben-Theater am 28. Juni im Rahmen des Kulturpfadfests im 20-Minuten-Takt einen videographischen Kurzfilm. Der Film beinhaltete drei Ausschnitte aus den Bühnenprogrammen deutsch-türkischer KünstlerInnen wie Fatih Çevikkollu, Murat Topal sowie des Ensembles „Trockenblumen“ von Lilay Huser und Marcia Golgowsky aus dem Wupper-Theater. Im Anschluss an die Präsentationen diskutierte Halyna Leontiy, Leiterin des DFG-Forschungsprojekts Migration und Komik am KWI, die gezeigten Komik-Episoden mit dem Publikum. Im Fokus der Debatte standen die Inhalte der Stücke und vor allem ihre performative Realisierung.
Thematischer Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung war das KWI-Forschungsprojekt „Migration und Komik. Soziale Funktionen und konversationelle Potentiale von Komik und Satire in den interethnischen Beziehungen Deutschlands“. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt untersucht am Beispiel der Spätaussiedler sowie der Deutsch-Türken Selbstpräsentationen und interkulturelle Beziehungen von Zugewanderten und ihren Nachfolgegenerationen. Das Projekt ist Teil der Arbeitsgruppe „Hermeneutische Wissenssoziologie – Theorie, Methodologie, Methoden“, die seit 2009 einen Forschungsschwerpunkt am KWI bildet.
Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung mit Bildern, Informationen zu deutsch-türkischen KünstlerInnen sowie dem Video „Migration und Komik“ finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 02.08.13

Podiumsgespräch: „Geschichte – Identität – Zukunft. Europäische Erinnerungspolitik im Zeichen der Krise“

v.l. Stefan Berger, Klaus Hänsch, Bernd Faulenbach, Mirjana Stancic, Marcel Siepmann
© Institut für Deutschlandforschung, RUB

Gibt es so etwas wie eine europäische Identität, was bedeutet dies in Zeiten der Krise und wie sollte ein „Haus der Europäischen Geschichte“ in Brüssel mit den Schwierigkeiten einer gemeinsamen europäischen Erinnerung umgehen? Diese Fragen standen im Zentrum eines Podiumsgesprächs am 13. Juli während des internationalen Workshops “Das „Haus der Europäischen Geschichte“ in Brüssel und die Zukunft Europas“ an der Ruhr-Universität Bochum, veranstaltet von dem Projekt „Meine Geschichte für Europa“. Unter der Moderation von Bernd Faulenbach (Institut für Deutschlandforschung, RUB) diskutierten Marcel Siepmann (Kulturwissenschaftliches Institut Essen), Stefan Berger (Haus der Geschichte des Ruhrgebiets, RUB), Mirjana Stancic (Institut für Deutschlandforschung, RUB) und Klaus Hänsch (Präsident des Europäischen Parlaments a.D.) über die Schwierigkeiten einer gemeinsamen europäischen Erinnerung: Das Hauptproblem ergebe sich aus der Schwierigkeit, einerseits die verschiedenen europäischen (Geschichts-)Erzählungen zuzulassen und gleichzeitig das gemeinsame an und in Europa zu beschreiben. Die Gefahr bestehe darin, so die einhellige Meinung des Podiums, dass, ähnlich wie in den Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts, eine europäische Geschichtspolitik dazu verleite, eine gemeinsame Identität zu konstruieren statt sie durch gemeinsame Erfahrungen wachsen zu lassen.
Anlass für die Debatte war das sich im Bau befindende „Haus der Europäischen Geschichte“, einem großen europäischen Museumsprojekt, dass Ende 2015 in Brüssel eröffnet werden soll und bisher wenig in der europäischen Öffentlichkeit diskutiert wurde. Im Rahmen des Workshops stellte Constanze Itzel vom „Haus der Europäischen Geschichte“ das Konzept des Museums vor und diskutierte die Fragen der aus acht südeuropäischen Ländern angereisten junge Europäer, die sich für zwei Wochen an der Ruhr-Universität Bochum über ihre Erfahrungen in einem Europa der Krise austauschen. Sie tun dies auf Einladung des Projekts „Meine Geschichte für Europa“ des Instituts für Deutschlandforschung an der Ruhr-Universität Bochum, gefördert von der Stiftung Mercator.

[|profil.gzecic], 01.08.13

Neuerscheinung: „Is Europe Listening to Us?“

„Is Europe Listening to Us? Successes and Failures of EU Citizen Consultations“

Wie kann die Europäische Union mit den Menschen in Kontakt treten, die sie zu repräsentieren sucht? Welche Initiativen und Maßnahmen ergreift die EU, um sich mit ihren Bürgern zu verbinden? In welchem Ausmaß können diese Aktivitäten als richtungsweisend für ein demokratischeres und stärker partizipativ ausgerichtetes Europa angesehen werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der neu erschienene Sammelband "Is Europe Listening to Us? Successes and Failures of EU Citizen Consultations" (Ashgate, 2013), herausgegeben von Patrizia Nanz, Leiterin des Forschungsbereichs PartizipationsKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), und Raphaël Kies, Politikwissenschaftler an der Universität Luxemburg. In dem Band erforschen sechzehn internationale Expertinnen und Experten für europäische Integration und innovative demokratische Praxis die Gedanken und Meinungen europäischer Bürger über die EU und gehen den Versuchen der europäischen Regierungseliten nach, mit der Öffentlichkeit in Beziehung zu treten. In kritischen Analysen und Vergleichen untersuchen die Beiträge die Strategien und Begründungen für einige der größten Bürgerbeteiligungsprojekte der EU-Institutionen und werten diese in Hinblick auf ihr demokratisierendes Potential aus. Damit leistet das bei Editions Larcier auch auf Französisch erschienene Werk einen Beitrag zur Diskussion um die politische Legitimität der europäischen Entscheidungsprozesse, wie der Soziologe Yves Sintomer von der Université Paris 8 in Reaktion auf das Buch feststellt: „Europe is at the crossroad: either it develops citizen participation in order to increase its political legitimacy, or its existence will be threatened. This book helps us to better understand how the first path could be made credible.” Der Sammelband ist als E-Book erhältlich.

[|profil.mschaeffer], 30.07.13

CineScience Film und Gewalt: Kriegsbilder in „Deutschen Wochenschauen"

Propagandakompanie bei Frontaufnahmen 1944
© Götz Hirt-Reger

„Wie ein Pfadfinderausflug mit Brotzeit“, beschrieb ein Kinobesucher überrascht seinen Eindruck, den ihm eine Deutsche Wochenschau vom Russlandfeldzug vermittelt hatte. Im Rahmen der Reihe CineScience „Film und Gewalt“ führten die Historikerin Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer (KWI) und der Filmpublizist Dr. Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms Stuttgart) am 23. Juli Wochenschauen und Auszüge aus dem Film „Die Feuertaufe“ im Filmstudio Glückauf vor und analysierten und diskutierten sie gemeinsam mit dem Publikum. So erklärte Hoffmann an verschiedenen Beispielen die Lässigkeit der Soldaten während des donnernden Schlachtenlärms (das meist stumm aufgenommene Bildmaterial wurde erst in Berlin vertont). Die Referenten verdeutlichten, dass die Wochenschauen einem festen Inszenierungsmuster folgten und nicht der Realität des Krieges: Überfrachtet mit lautem Kampfgetöse bleiben sie konkreten Informationen meist schuldig. Das Format wurde produziert, um der deutschen Öffentlichkeit Siegesgewissheit zu vermitteln und die Angehörigen der Soldaten daheim zu beruhigen. Darum werden neben Bildern eines ästhetisierten Krieges auch fröhliche Brotzeiten ins Bild gesetzt. Direkte Kampfhandlungen oder gar Tote sind seltene Sujets. Ist der Feind überhaupt einmal zu sehen, begibt er sich meist freiwillig in Gefangenschaft, die Deutschen führten so scheinbar einen sauberen Krieg, während ihre Gegner Zivilisten ermordeten. Hinweise auf den Holocaust finden sich zudem sehr selten. In der historischen Kontextualisierung erinnerte Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des Forschungsschwerpunktes Europa am KWI, an die nicht dargestellten deutschen Kriegsverbrechen und wies auf die Langzeitwirkung der Propaganda hin. Moderne Dokumentationen bedienen sich häufig zur Bebilderung aus dem Fundus der Wochenschauen. Dadurch erhält inszeniertes Propagandamaterial einen dokumentarischen Anstrich und prägt auf diese Weise nicht selten unreflektiert unser kollektives visuelles Gedächtnis des Zweiten Weltkriegs. Solange dies so bleibt, ist historisches Wissen nur schwer mit den (schwarz-weißen) Bildern in den Köpfen in Einklang zu bringen.
Die nächste Veranstaltung in der Reihe CineScience „Film und Gewalt“ findet am 17. September zum Thema „Filmgewalt und reale Gewalt – machen Filme Täter?“ statt. CineScience ist eine Kooperationsveranstaltung des KWI und des Filmstudio Glückauf, gefördert durch den Verein zur Förderung des KWI.

[|profil.gzecic], 26.07.13

KWI kooperiert mit neuem Graduiertenkolleg „Vorsorge, Voraussicht und Vorhersage“ der UDE

Universität Duisburg-Essen

„Eine vorausgewusste Zukunft ist ein Widersinn“, so urteilte Jacob Burckhardt in seinen „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“. In Philosophie und Soziologie wird diese Zukunftsungewissheit als Kontingenz bezeichnet. Mit der Frage, wie Menschen von der Antike bis zur Gegenwart in verschiedenen Kulturen Zukunftsungewissheit durch Handeln bewältigt haben, beschäftigt sich ein neues Graduiertenkolleg an der Universität Duisburg-Essen (UDE), Sprecher des Kollegs ist Prof. Dr. Stefan Brakensiek. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 2,75 Millionen Euro geförderte geschichtswissenschaftliche Projekt mit dem Titel „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage. Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“ startet am 1. Oktober 2013. Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) unterhält seit langem enge institutionelle und persönliche Kontakte zum Historischen Institut der UDE und fungiert im Rahmen des Graduiertenkollegs als Kooperationspartner für die Weiterentwicklung gemeinsamer Forschungsfragen und für öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen. Das Graduiertenkolleg hinterfragt die weit verbreitete Vorstellung, dass sich erst nach 1750 ein Konzept von Zukunft als ein offener und gestaltbarer Prozess herausgebildet habe. Die Menschen der Vormoderne und im außereuropäischen Raum hätten sich gegenüber den zu erwartenden Ereignissen und Entwicklungen vermutlich eher passiv verhalten. Der Ansatz des Kollegs unterscheidet sich dabei von früheren Analysen des Problems der Zukunftsungewissheit. Im Zentrum des Interesses stehen nicht die Zukunftsvorstellungen, sondern der Mensch und sein gegenwärtiges Verhalten in Bezug auf seine unsichere Zukunft.

[|profil.mschaeffer], 24.07.13

"DEMOENERGIE" - Die Transformation des Energiesystems als Treiber demokratischer Innovationen

Fotos: Peter Hürlimann
Fotos: Peter Hürlimann

Der Ausstieg aus der Kernenergie und der gleichzeitige Ausbau der Erneuerbaren Energien erfordern sowohl den Um- und Ausbau der Stromtrassen unter enormen Zeitdruck, wie auch den flächendeckenden Ausbau und die Koordinierung von Wind- und Solarparks, Pumpspeicherwerken und Geothermie. Diese Veränderungen der Energieinfrastruktur und die damit verbundenen weitreichenden Eingriffe in die Natur sowie die Lebenswelten erfordern ein hohes Maß an Verständnis und Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft. Deshalb ist es notwendig, Bürger dialogorientiert in diese Prozesse einzubeziehen.
Unter welchen Bedingungen Bürgerbeteiligung funktioniert und wie genau damit die Energiewende unterstützt werden kann, sind nur einige der Fragen, mit denen sich das in Zusammenarbeit mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam durchgeführte Forschungsprojekt „DEMOENERGIE – Die Transformation des Energiesystems als Treiber demokratischer Innovationen“ beschäftigt. Untersuchungsgegenstand des von Claus Leggewie, Patrizia Nanz und Klaus Töpfer geleiteten Projekts sind die Zusammenhänge zwischen der Transformation des Energiesystems und demokratischen Innovationen. Ob und inwieweit dieser Zusammenhang besteht , wird mit der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre empirisch untersucht. Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens werden in die Arbeit der Plattform Energiewende des IASS Potsdam integriert und bereichern auf diese Weise die gesellschaftliche Debatte. „DEMOENERGIE“ ist ein Projekt des neu eingerichteten Forschungsschwerpunkts PartizipationsKultur.

[|profil.mschaeffer], 23.07.13

Wie sieht Mobilität in 20 Jahren aus? Öffentlicher Dialog des KWI über Städte der Zukunft

Mobilität im Ruhrgebiet: Brainstorming-Skizze von Matthias Scheidig
© Matthias Scheidig

Im Mittelpunkt der Veranstaltung „Mobilität von Morgen – Bilder die (uns) bewegen“ standen die Vorstellungen, Hoffnungen und Visionen der Bürgerinnen und Bürger zur Mobilität in 20 Jahren. In einem öffentlichen Dialog bot das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 13. Juli in der Essener Innenstadt die Möglichkeit, sich über Bilder der Mobilität auszutauschen und neue Bilder zu entwickeln. Nach einem Impulsvortrag von Prof. Dr.-Ing. Michael Wegener (Spiekermann & Wegener, Stadt- und Regionalforschung) und per Video eingespielten Statements von Essener Bürgern über die Mobilität im Ruhrgebiet diskutierten die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen über ihre Visionen der Städte der Zukunft. Parallel dazu brachten Künstler diese Visionen zu Papier. So gelang dem Künstler Matthias Scheidig in seiner Brainstorming-Skizze eine verdichtete Abbildung einiger Hauptaspekte der erarbeiteten Visionen: Ein Stadtzentrum bzw. Stadtteilzentrum kommt hier weitestgehend ohne motorisierten Individualverkehr aus. Autos werden außerhalb des Zentrums geparkt, die Wege im Zentrum zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt. In kleinen, elektrisch betriebenen Mobilen können Menschen ihre Einkäufe innerhalb der Stadt transportieren. Die Versorgung mit allen notwendigen Gütern ist in dem jeweiligen Zentrum möglich. Außerhalb des Zentrums ist die Produktion angesiedelt, die mit der Eisenbahn angebunden ist.
Die leitende Frage der KWI-Organisatoren (Björn Ahaus, Friederike Behr und Sebastian Wessels) für die Veranstaltung und dieses besondere Format zielte auf die Relevanz von Zielvorstellungen für die Möglichkeit der Veränderung. Das Bild eines verkehrsarmen Zentrums mit kleinräumlichen Strukturen überzeugte viele. Michael Wegener verwies nachdrücklich auf das hohe Potential des Ruhrgebiets mit seinen zahlreichen regionalen Zentren, eine solche Vision langfristig umzusetzen. Besonders positiv wurde von allen Beteiligten der direkte, ergebnisorientierte Dialog zwischen „Experten“ und interessierten Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen.
Die Veranstaltung wurde von der Klima-Initiative Essen. Handeln in einer neuen Klimakultur des KWI organsiert und fand im Rahmen des „Aktionstages Klimaschutz 2013: Essen ist KLIMA-Mobil der Stadt Essen“ statt.

[|profil.gzecic], 19.07.13

Übersetzungspreis für das Buch „Wunderkammer auf Papier" von Franz Mauelshagen

Wunderkammer auf Papier

Im Rahmen des Programms „Geisteswissenschaften International – Preis zur Förderung der Übersetzung geistes-wissenschaftlicher Literatur“ ist das Buch „Wunderkammer auf Papier. Die "Wickiana" zwischen Reformation und Volksglaube“ von Franz Mauelshagen, Research Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), ausgezeichnet worden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Fritz Thyssen Stiftung, die VG WORT und das Auswärtige Amt prämierten in diesem Frühjahr insgesamt 16 „herausragende geistes- und sozialwissenschaftliche Werke“.
Mit „Geisteswissenschaften International“ möchten die genannten Institutionen zu einer weltweiten Verbreitung der geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnisse aus Deutschland beitragen und zugleich Deutsch als Wissenschaftssprache und Sprache der Erstveröffentlichung geisteswissenschaftlicher Werke erhalten und fördern. „Wunderkammer auf Papier“ erschien 2011 in der Reihe „Frühneuzeit-Forschungen“ des Bibliotheca Academica Verlages. In einer soeben in der Zeitschrift Renaissance Quarterly (Nr. 2/2013) gedruckten Besprechung schreibt Bruce Gordon von der Yale University: „This extraordinarily rich and beautifully produced book is a major contribution to the current debate on the nature of early modern religion. […] As a matter of urgency it should be translated into English“. Nach der Auszeichnung im Rahmen des Übersetzungspreises wird „Wunderkammer auf Papier“ nun 2014 in der Reihe „St. Andrews Studies in Reformation History“ des Verlags Ashgate in englischer Übersetzung erscheinen.

[|profil.mschaeffer], 16.07.13

„Space for Transformations“: Konferenz im Rahmen von Scholars in Residence

2.v.r.: Volker Heins (KWI), Leiter des Forschungsbereichs InterKultur
© Goethe-Institut, Foto: Kilian Schütz

Seit dem Arabischen Frühling befinden sich insbesondere die Gesellschaften in Ägypten und Tunesien in einem Transformationsprozess, der nicht nur den staatlichen Sektor, sondern auch den kulturgesellschaftlichen Bereich betrifft. Auf der interdisziplinären Konferenz des Goethe-Instituts Space for Transformations am 27. und 28. Juni 2013 in Berlin diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts Scholars in Residence zusammen mit Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern aus Europa, Nordafrika und den USA über die aktuellen Diskurse in Nordafrika. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Auseinandersetzung mit Demokratisierungsprozessen und Menschenrechtsdiskursen, religiösen Identitäten sowie die Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements für den Arabischen Frühling. Im Rahmen des Panels „Shaping the Future“ diskutierte Volker Heins, Leiter des Forschungsbereichs InterKultur am KWI, über die Frage, welche Utopien in Bezug auf die „Humanities“ und ihre Bedeutung für die Begleitung der Transformationsprozesse in der arabischen Welt formuliert und welche Rolle dabei Institutionen und Projekte zur Förderung des euro-arabischen Dialoges eingenommen werden könnten.
Die Konferenz war Teil des Projekts Scholars in Residence im Rahmen der Deutsch-Ägyptischen und Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft 2012/2013 und wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt, gefördert durch Sondermittel des Auswärtigen Amtes.

[|profil.gzecic], 12.07.13

Elisabeth Becker ist Visiting Fellow des Forschungsschwerpunkts InterKultur am KWI

rechts im Bild: Elisabeth Becker
© KWI, Foto: Björn Liedgens

Die Soziologin Elisabeth Becker ist für ein Jahr Visiting Fellow des Forschungsschwerpunkts InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Im Rahmen ihres Fellowships wird Frau Becker mit Volker Heins, Leiter des Forschungsschwerpunkts InterKultur, in einem komparatistisch angelegten Projekt zusammenarbeiten, das die Beschneidungsdebatten in den USA und Deutschland untersucht. Darüber hinaus wird Frau Becker zu ihrem Promotionsvorhaben recherchieren, das als ethnographische Studie zu Konflikten um Moscheen in Deutschland und Spanien angelegt ist. Ihre Forschungstätigkeit wird durch Stipendien des DAAD, der Yale University und durch ein Fox Fellowship unterstützt.
Elisabeth Becker promoviert am Institut für Soziologie der Yale University, ihr Forschungsinteresse gilt den Themenfeldern Religion, Immigration und Kultur. Frau Becker schloss ihr Soziologiestudium an der Cornell University mit einem Bachelor of Arts ab und erhielt ihren Master of Arts von der Oxford University.

[|profil.mschaeffer], 10.07.13

Fachgespräch: „Umweltpolitik als Gesellschaftspolitik?“

Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin
© Freie Universität Berlin

Wie hängen soziale und ökologische Fragen zusammen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Umweltpolitik? Diese Frage stand im Zentrum eines Fachgesprächs zum Abschluss des Forschungsprojekts „Gesellschaftlicher Wohlstand, ökologische Gerechtigkeit und Transformation zur Nachhaltigkeit“ am 19. Juni im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. An dem vom Umweltbundesamt geförderten Projekt waren neben dem KWI, das Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU), die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), das Institut für Ethik der Universität Utrecht und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) beteiligt.
Beim Fachgespräch „Umweltpolitik als Gesellschaftspolitik?“ diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wohlfahrtverbänden, Behörden und den Medien über die Weiterentwicklung von Umweltpolitik in Richtung einer Gesellschaftspolitik. Neben theoretischen Überlegungen zum Verhältnis von Demokratie, Menschenrechten und Nachhaltigkeit, ging es in der Debatte auch um die praktischen Konsequenzen, die aus dem Projekt gezogen werden können. Hauptpunkt der Diskussion war, dass eine umfassende Umweltpolitik als Sozialpolitik auch intra- und intergenerationale Verantwortung beinhalten solle. Gerade die zukünftigen Folgen für die eigenen Kinder und nächsten Generationen könnten die Konsequenzen von heutigem Umwelthandeln veranschaulichen und konkreter erlebbar machen. Dabei hängen Fragen heutiger Verteilungsgerechtigkeit innerhalb Generationen unmittelbar mit Generationengerechtigkeit und Zukunftskonzeptionen zusammen.

[|profil.mschaeffer], 09.07.13

Scholars in Residence: Neuer Blog "Shaping the Humanities"

Wandmalerei in der Sheikh Rihan Straße in Kairo
© und Foto: Mosa’ab Elshamy Noshi

Angesichts des arabischen Frühlings im nordafrikanisch-arabischen Raum stellen sich auch den Kulturwissenschaften neue Fragen. Die Auseinandersetzung mit Themen wie „Digitale Medien“, „Kultur und Öffentlicher Raum“ sowie „Kultur und Konflikt“ spielen aktuell in Ägypten, Marokko und Tunesien eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs. Über diese Themen, die auch in Zukunft vor allem im Hinblick auf Prozesse individueller und kollektiver Identitätskonstruktion in den Geistes- Kultur- und Sozialwissenschaften relevant sein werden, schreiben seit Anfang Juni Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Scholars in Residence"-Programms im Rahmen der Deutsch-Ägyptischen und Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft 2012/2013 in dem Blog „Shaping the Humanities“.
Das "Scholars in Residence"-Programm soll den interkulturellen Dialog im Wissenschaftsbereich fördern und die Wissenschaftsbeziehung zwischen Deutschland und der arabischen Welt stärken. Das Projekt des Goethe Instituts wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Zentrum für Mittelmeerstudien an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt, gefördert durch Sondermittel des Auswärtigen Amtes. Acht Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus Ägypten, Deutschland, Marokko und Tunesien setzen sich während des Austauschprojektes unter anderem mit den genannten Themenkomplexen interdisziplinär auseinander. Sie arbeiten in Tandems zusammen, bestehend aus einem deutschen Wissenschaftler und einem Wissenschaftler aus Nordafrika.

[|profil.mschaeffer], 05.07.13

Wie kann unsere Wirtschaft intelligent wachsen und reicht die Zeit noch dafür aus? Diskussion mit Ralf Fücks

Ralf Fücks
© KWI, Foto: Marek Eggemann

Der Kapitalismus müsse so gestaltet werden, dass ökonomische Wertschöpfung vom Verbrauch natürlicher Ressourcen entkoppelt wird und somit nachhaltiges Wachstum sichergestellt werden könne. Aktuelle Debatten um Suffizienz und Wachstumsrücknahme müssten dagegen eher als Ausdruck einer Sehnsucht nach einem romantisierten „Steady state“-Niveau angesehen werden, denn als ernsthafte Alternative, sagte Ralf Fücks, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, am 10. Juni im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Diese die traditionelle Wachstumslogik mit nachhaltiger Entwicklung verbindende These bildet den argumentativen Kern des neuen Buches „Intelligent wachsen – Die grüne Revolution“ (Hanser Verlag, 2013) des ehemaligen Bundesvorsitzenden der Grünen, das er mit WissenschaftlerInnen und ExpertInnen im KWI kontrovers diskutierte.
Fücks sieht vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise, den auf Wachstum ausgerichteten globalen Trends und einem beschleunigten Innovationsdruck keine realistische Basis für einen auf generellem Konsumverzicht aufbauenden zukünftigen Entwicklungspfad. Nicht ob die Weltwirtschaft wachse, sondern wie, sei die zentrale Frage. Daher müsse die hohe Innovationskraft des Kapitalismus durch Kooperation der gesellschaftlichen Akteure wie auch durch staatliche Rahmensetzung in nachhaltige Bahnen gelenkt werden, so Fücks. Konkreten Handlungsbedarf sieht er in den Feldern Energieeffizienzverbesserung, Ausbau erneuerbarer Energien und Übergang zu geschlossenen Wertstoffketten. Die auf die Buchpräsentation folgende Diskussion machte deutlich, dass in Fücks‘ Entwurf auch Suffizienzaspekte ihren Platz haben und kein Widerspruch zwischen einer gewissen Selbstbegrenzung und Wachstum besteht. Ferner wurde der kritische Aspekt des auch in Fücks’ Konzept unauflösbaren Problems des Zeitdrucks hinsichtlich einer klimaschonenden Transformation angesprochen sowie das Thema der Teilhabe und Einbeziehung der Bürgerinnen.

[|profil.mschaeffer], 03.07.13

Thomas Pogge spricht über den “Health Impact Fund“

Professor Thomas Pogge
© GIGA Hamburg

Gerechtigkeit, Armut und Gesundheit sind zentrale Themen der Arbeit Thomas Pogges, Leitner Professor für Philosophie und internationale Angelegenheiten an der University of Yale und dort auch Direktor des Global Justice Program. Pogge verbindet seine philosophische Analyse und Argumentation mit praktischen Reformvor-schlägen, die zu mehr Gerechtigkeit führen würden. Am 2. Juli stellt Pogge auf Einladung des Lehrstuhls für Praktische Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) bei einem Workshop im KWI einen seiner wichtigsten Reformvorschläge zur Diskussion, den „Health Impact Fund“ (HIF): Ziel der HIF-Initiative ist die Etablierung eines neuartigen Anreizsystems zur Erforschung und Entwicklung von Medikamenten, das weltweit zu einer besseren Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten führen soll.
Am 1. Juli um 18 Uhr stellt Thomas Pogge seine Vision eines "Health Impact Fund“ in einem öffentlichen Vortrag in Saal 1 des Veranstaltungszentrums der Ruhr-Universität Bochum vor.

[|profil.mschaeffer], 01.07.13

KWI-Vorstand begrüßt neues Mitglied

Prof. Dr. Barbara Welzel

Die Kunsthistorikerin Barbara Welzel wurde für die kommenden zwei Jahre zur neuen Vertreterin der Technischen Universität Dortmund im Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) bestellt. Barbara Welzel studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Musikwissenschaft in Bochum und Berlin. Seit 2001 hat sie den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dortmund inne, seit April 2011 ist sie zudem Prorektorin Diversitätsmanagement. Frau Welzel forscht zu den Themenfeldern deutsche und niederländische Kunstgeschichte des 15. bis 17. Jahrhunderts, Sammlungsgeschichte, Hofkultur, spätmittelalterliche Stadtkultur, Kunstgeschichte und kulturelles Gedächtnis, Kunstgeschichte und Bildungsfragen.
Die Ruhr-Universität Bochum wird von der Philosophin Corinna Mieth im KWI-Vorstand vertreten, die Universität Duisburg-Essen durch den Historiker Wilfried Loth. Der Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts entwickelt und beschließt die Grundlinien der Institutsarbeit und entscheidet mit der Mehrheit seiner stimmberechtigten Mitglieder über Budget, Personal und Forschungsprogramm.

[|profil.mschaeffer], 28.06.13

Migration trifft Komik: Kurzfilm und Diskussion im Rahmen des Essener Kulturpfadfestes 2013

Baustein des Essener Kulturpfades

Welche Rolle spielen Humor und Satire in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland? Welche Potentiale haben Kabarett und Comedy für die Selbstdarstellung von Zugewanderten, für die Verarbeitung ihrer Migrationsgeschichte und für ihre deutsche Zugehörigkeit? Welche Art der Abgrenzung bzw. der Identifikation findet auf der Bühne statt? Wie vollzieht sich die Interaktion mit dem Publikum und wann bleibt die Komik aus? Zu diesen Fragen zeigt das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 28. Juni in Kooperation mit dem Essener Katakomben-Theater in einem videographischen Kurzfilm Ausschnitte aus den Bühnenprogrammen deutsch-türkischer Künstlerinnen und Künstler wie Fatih Cevikkollu, Murat Topal sowie den „Trockenblumen“ (mit Lilay Huser & Marcia Golgowsky, Wupper-Theater). Im Anschluss an die im Rahmen des Kulturpfadfestes Essen veranstaltete Präsentation ist das Publikum eingeladen, die Thematik und die Wirkung der Komik-Episoden mit Wissenschaftlerinnen des KWI zu diskutieren. Die Veranstaltung findet von 17 Uhr bis 18.30 Uhr im KWI statt.
Veranstalter und thematischer Ausgangspunkt der Präsentation ist das KWI-Forschungsprojekt Migration und Komik. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt untersucht am Beispiel der Spätaussiedler und Deutsch-Türken Selbstpräsentationen und interkulturelle Beziehungen von Zugewanderten und ihren Nachfolgegenerationen.

[|profil.mschaeffer], 26.06.13

KWI ist neuer Partner im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator

Das ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am Hackeschen Markt
© Stiftung Mercator, Foto: David Ausserhofer

„Wir freuen uns, das KWI als langjährigen und wichtigen Partner der Stiftung Mercator in unserem Haus in Berlin willkommen zu heißen. Dieser Einzug bedeutet für die Zusammenarbeit aller Partner im PZB eine große Bereicherung in Form neuer Impulse und frischer Ideen“, so Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, zur Eröffnung des KWI-Büros. Claus Leggewie, Direktor des KWI: „Die Kultur und die Haltung des PZB, dieses Brainpools, passen zum KWI. Ich habe das Haus schon bei verschiedenen Veranstaltungen kennengelernt und freue mich, dass wir nun ein Teil davon sind und eine Außenstelle in Berlin haben.“
Damit findet sich das KWI unter anderem neben dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und der European Climate Foundation (ECF) als dreizehnte Organisation unter dem Dach des Hauses am Hackeschen Markt in Berlin ein. Die Stiftung Mercator hat im Juni 2011 ihr ProjektZentrum Berlin (PZB) am Hackeschen Markt im ehemaligen Gebäude des Aufbau-Verlags eröffnet. Dort arbeiten auf fünf Etagen rund 100 Mitarbeiter in ab jetzt dreizehn verschiedenen Organisationen.

[|profil.mschaeffer], 25.06.13

„Streitraum“: Postdemokratie – jenseits der Nationalstaaten?

Claus Leggewie im Gespräch mit Carolin Emcke über seine Vision von Europa rund ums Mittelmeer
© Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Zur Debatte um die Postdemokratie gehört auch die Frage der Utopielosigkeit. Die politischen Debatten um Europa beschränken sich derzeit vielfach auf Krisenbewältigung, Sparreformen und das Verhindern des Zusammenbruchs Europas. Aber es dringen kaum mehr europäische Erzählungen in die Öffentlichkeit, die einen neuen Horizont aufzeigen und ein positives Bild davon zeichnen, wie wir in Europa jenseits der alten nationalstaatlichen Konzepte und Haushalte leben wollen. Dagegen setzt KWI-Direktor Claus Leggewie mit seinem neuen Buch „Zukunft im Süden“ (edition Körber-Stiftung) eine Vision von Europa rund ums Mittelmeer. Eine Gegend, die der Politik-wissenschaftler als Region für ein neues staatliches Modell anbieten will. Über die Potenziale des Mittelmeerraums, über Postdemokratie und über Europa als eine konkrete Utopie sprach Claus Leggewie am 21. April im Rahmen der Gesprächsreihe „Streitraum“ mit der Journalistin Carolin Emcke. Die Veranstaltung Postdemokratie - jenseits der Nationalstaaten? ist nun auch als Video verfügbar.
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) veranstaltet seit 2007 in Kooperation mit der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin die Gesprächsreihe „Streitraum“. Zu den monatlich stattfindenden Veranstaltungen werden internationale Gäste aus Politik, Kultur, Sozial- und Geisteswissenschaften sowie Experten aus den Bereichen Medien, Technik und Naturwissenschaft eingeladen, um über aktuelle gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Themen zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe wird von der Journalistin und Autorin Carolin Emcke moderiert.

[|profil.gzecic], 21.06.13

Klimaagentur Essen eröffnet: Information und Beratung für Verbraucher, Vereine und Unternehmen

Eröffnung der Klimaagentur Essen in der Kopstadt-Passage
© Stadtbildstelle Essen, Foto: Elke Brochhagen

Bei der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle der Klimaagentur Essen am 27. Mai waren sich alle Anwesenden einig: Essen hat im Klimaschutz Beachtliches geleistet, es ist aber noch viel zu tun. „Von unserem Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 gegenüber dem Stand von 1990 um 40% zu senken, haben wir bereits eine Absenkung von 23% erreicht. Das ist ein Erfolg, die verbleibenden 17% werden aber ungleich schwieriger zu erreichen sein“, sagte Umweltdezernentin Simone Raskob. „Die Stadt Essen und ihre Konzerntöchter können dieses Ziel im Alleingang nicht erreichen. Dazu braucht es das Engagement der gesamten Stadtgesellschaft.“ Die am Kopstadtplatz angesiedelte Klimaagentur ist Teil des Projektverbunds Klima-Initiative Essen, das im Rahmen des Wettbewerbs „Energieeffiziente Stadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für sechs Jahre gefördert wird. Projektpartner ist auch das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI), das innerhalb des Projektverbunds die Themenbereiche kulturelle Aspekte des Klimawandels und Bürgerbeteiligung erforscht.
Die Essener Klimaagentur berät zu Fragen des Energiesparens und umweltfreundlicher Mobilität. „Im Gegensatz zu ähnlichen Einrichtungen in anderen Städten ist die Essener Klimaagentur nicht nur ein Informations- und Beratungszentrum, sondern auch die zentrale Ansprechpartnerin für Initiativen, Vereine und Verbände“, erklärte Kai Lipsius, Leiter der Stabsstelle Klimaschutz des Essener Umweltamtes, die Besonderheit der neuen Einrichtung. Die Klimaagentur sei ein wichtiger Baustein für den Essener Klimaschutz. „Es geht um die Summe vieler, auch kleiner Schritte auf dem Weg hin zu einer neuen Klimakultur im Alltag“, so Lipsius. Weitere Informationen zur Klimaagentur sind unter www.klimawerkstadtessen.de nachzulesen.

[|profil.mschaeffer], 19.06.13

Zukunft im Süden?

v.l. Fathallah Sijilmassi, Erkan Arıkan, Claus Leggewie
© Körber-Stiftung

Urlaubsregion und historischer Mythos: Gerade für Nordeuropäer war der Mittelmeerraum lange Zeit ein Sehnsuchtsort. Mit der EU-Krise wurde zunehmend die Frage diskutiert, wie Nord- bzw. Südeuropäer „ticken“. In den nordafrikanischen Ländern verliert der Arabische Frühling inzwischen an Strahlkraft und die Instabilität in den Transformations-Staaten wird in Europa zunehmend als Bedrohung empfunden. Doch für den Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie birgt der Mittelmeerraum nach wie vor große Chancen. Mit dem Generalsekretär der Union für das Mittelmeer, Fathallah Sijilmassi, diskutierte er am 21. Mai im KörberForum über die weitere Zukunft im Süden. Die von dem Journalisten Erkan Arikan moderierte Veranstaltung fand in Kooperation mit der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft (DAFG) statt.
Für Leggewie steckt in der Mittelmeerregion ein großes Potential, was er auch in seinem in der edition Körber-Stiftung erschienenen Buch „Zukunft im Süden“ zum Ausdruck bringt. Anstatt verächtlich im Zusammenhang mit den Transformations-Staaten sogar von „pigs“ zu reden, sollten Entwicklungsprogramme für die Region entworfen werden, die Kooperationen auf dem Energiesektor, die Förderung eines sanften Tourismus und die wirtschaftliche Nutzung des Meeres beinhalten. So wie die USA nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Marschallplan in ein instabiles Deutschland investiert hätten, plädiert Leggewie, habe man jetzt die Pflicht, etwas zu tun – vor allem gegenüber einer jungen Generation, die für Arbeit und Würde auf die Straße gegangen sei. Je länger gewartet werde, desto stärker machten sich islamistische Einflüsse breit und gerieten demokratische Entwicklungen noch stärker in Gefahr. Von der Veranstaltung stehen ein Audio-Mitschnitt und ein Video der Körber-Stiftung zur Verfügung.

[|profil.mschaeffer], 17.06.13

F. C. Delius zu Gast im Literarischen Salon

v. l. n. r. Navid Kermani, F. C. Delius, Claus Leggewie
© Stiftung Mercator, Foto: Georg Lukas

Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius ist seit fast fünf Jahrzehnten Akteur und Beobachter des deutschen Geisteslebens. Seine Erzählungen und Romane machen ihn zu einem der bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart, für seine Bücher hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Preise erhalten, darunter 2011 den Büchner-Preis, die wichtigste literarische Auszeichnung Deutschlands. Der „Award for Opening Minds“ wurde von Studenten der Universität Florida sogar eigens für ihn erfunden. Am 22. Mai war der Schriftsteller zu Gast im Literarischen Salon und sprach vor ausverkauftem Haus im Grillo Theater mit den beiden Gastgebern Claus Leggewie und Navid Kermani unter anderem über sein Buch „Als die Bücher noch geholfen haben“ (Rowohlt Berlin, 2012). In seinem aktuellen Erinnerungsband liefert Delius bestechende Deutungen der tiefen politischen Spaltungen von den Sechzigern bis zur Wendezeit, zeichnet Porträts von Weggefährten und Autoren nach und spricht über das Glück der Literatur. Mitgebracht hatte Delius außerdem Musik, die ihn bewegt: italienische Schnulzen.
Der Literarische Salon findet in Essen auf Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt, unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Zu Gast beim nächsten Literarischen Salon am 11. September ist der schwedische Schriftsteller Aris Fioretos.

[|profil.gzecic], 14.06.13

Ehrendoktor für KWI-Vorstandsmitglied Wilfried Loth

Prof. Dr. Wilfried Loth

Der Dekan der Fakultät für Europastudien an der rumänischen Babeş-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca, Prof. Dr. Nicolae Păun, würdigte Prof. Dr. Wilfried Loth am 4. Juni als „eine außerordentliche Persönlichkeit, deren Analysen im Bereich der Geschichte, der Politikwissenschaft, der internationalen Beziehungen und der Geopolitik das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Europas bereichern“. Die Universität hat Loth, der an der Universität Duisburg-Essen (UDE) Neuere und Neueste Geschichte lehrt und die UDE im Vorstand des KWI vertritt, für seine wissenschaftlichen Verdienste einen Ehrendoktortitel verliehen. Die Universität Cluj-Napoca (Klausenburg) in Siebenbürgen ist heute die größte Universität in Rumänien. Bei der Integration des Landes in die Europäische Union spielt sie eine wichtige Rolle.
Wilfried Loth war von 1993 bis 1997 Präsident des KWI und leitete bis ins Jahr 2000 eine interdisziplinäre Forschungsgruppe zur europäischen Integration, die in hohem Maße Forscherinnen und Forscher aus Europa, Nordamerika und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) einzubinden wusste. Loth ist Leiter des Forschungs-Netzwerks EU-Geschichte, dem herausragende Vertreter der Integrations-Historiographie der verschiedenen Mitgliedsländer der Europäischen Union angehören, die ihrerseits die geschichtswissenschaftliche EU-Forschung in den jeweiligen Ländern fördern und koordinieren.

[|profil.mschaeffer], 12.06.13

Ausgezeichnet: Verleihung des Dissertationspreises Kulturwissenschaften 2013

v.l.n.r. Dr. des. Sarah Weber, Dr. Nina Preyer, Dr. Thomas Geer
© KWI, Foto: Marek Eggemann

„Die prämierten Arbeiten sind originell, relevant und aktuell“, so begründete KWI-Direktor Claus Leggewie die Auswahl der Jury bei der Verleihung des Dissertationspreises Kulturwissenschaften 2013 am 10. Juni im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Mit dem vom Förderverein des KWI und der Stiftung für Kulturwissenschaften ausgelobten Preis werden herausragende Arbeiten in den Geistes-,
Sozial- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet, die an einer der drei Universitäten der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) eingereicht wurden. Den mit 3000 Euro dotierten Preis für die erstplatzierte Arbeit erhielt Sarah Weber von der Ruhr-Universität Bochum. In ihrer Doktorarbeit „Malta und die Boatpeople: Eine Ethnologie der interkulturellen Begegnung“ legt Weber anhand intensiver Feldstudien dar, wie die Abwehrhaltung der maltesischen Bevölkerung gegen die afrikanischen Migranten abgebaut werden kann. Bei der Analyse der interkulturellen Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen besteche vor allem die Differenziertheit der Betrachtung, so Leggewie, die nie den bei interkulturellen Themen gängigen Extremen von Überhöhung oder negativer Bewertung verfalle.
Der mit 1500 Euro dotierte zweite Preis ging an Nina Preyer von der Universität Duisburg-Essen für ihre literaturwissenschaftliche Dissertation „Severo Sarduys Zeichenkosmos. Theorie und Praxis einer Romanpoetik des neobarroco cubano“. Preyer bringt in ihrer Arbeit in Anlehnung an den kubanischen Autor Severo Sarduy die Forschungsperspektiven der deutschen Hispanistik mit der exilkubanischen Literatur und den Denkweisen der französischen Poststrukturalisten interdisziplinär in Verbindung. Dabei zeigt sie, dass der häufig als bloßes „Etikett“ gebrauchte Begriff des 'neobarroco' für eine bestimmte Art von Romanen steht und diese wiederum von den Essays des kubanischen Autors Sarduy maßgeblich beeinflusst sind.
Die Ausschreibung des Dissertationspreises Kulturwissenschaften 2014 erfolgt Anfang des nächsten Jahres.

[|profil.mschaeffer], 10.06.13

Auftakt der Reihe CineScience „Film und Gewalt“ mit Filmen von Quentin Tarantino

v.r.n.l. Armin Flender, Susanne Kaul und Jean-Pierre Palmier
Foto: Benjamin Knoll (www.trailer-ruhr.de)

Die Gewalt in den Filmen Quentin Tarantinos polarisierte die Zuschauer schon immer, dies war auch nicht anders bei der Auftaktveranstaltung der diesjährigen Reihe CineScience „Film und Gewalt“ am 21. Mai im Filmstudio Glückauf. Moderiert von Armin Flender, Mitarbeiter des KWI, erläuterten die beiden Literaturwissenschaftler Susanne Kaul und Jean-Pierre Palmier von der Universität Bielefeld anhand einschlägiger Filmsequenzen, wie Tarantino das Thema Gewalt in seinen Filmen von „Reservoir Dogs“ bis zu „Inglourious Basterds“ inszeniert. In der mit rund 200 Personen sehr gut besuchten Veranstaltung entspann sich eine kontroverse Diskussion mit dem Publikum über die Gewaltdarstellung in Tarantinos Filmen. Während die einen die filmästhetische Dimension, das Konstruktive und die Irritation von Seh- und Hörgewohnheiten in diesen Szenen hervorhoben, fragten die anderen nach der moralischen Rechtfertigung der mitunter spektakulären Gewaltorgien.
Die nächste Veranstaltung in der Reihe CineScience „Film und Gewalt“ findet am 23. Juni zum Thema „Kriegsbilder in Deutschen Wochenschauen“ unter der Leitung von Tatjana Tönsmeyer statt. CineScience ist eine Kooperationsveranstaltung des KWI und des Filmstudio Glückauf, gefördert durch den Verein zur Förderung des KWI.

[|profil.mschaeffer], 07.06.13

KWI on Tour: Colonialism and Climate History

Georgetown University, Washington DC

Klimageschichte und Kolonialgeschichte sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden: Wer beispielsweise im frühen 18. Jahrhundert in eine Kolonie auswanderte, um dort zu siedeln und Landwirtschaft zu betreiben, war meist mit unbekannten klimatischen Verhältnissen, mit ungewohnter Flora und Fauna konfrontiert. Vor allem in tropischen Gebieten argumentierten europäische Siedler und ihre Regierungen mit dem Klima und der angeblichen Angepasstheit von Afrikanern an extreme Hitze zugunsten der Sklaverei. Über die Zusammenhänge von Klima und kolonialer (Zwangs-)Migration wird am KWI seit gut zwei Jahren im Rahmen des Projekts „Climates of Migration“ geforscht, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Am 6. und 7. Juni richtet das Projekt zusammen mit dem Mortara Center for International Studies an der Georgetown-Universität in Washington die Tagung „Colonialism and Climate History“ aus. Die Tagung wird aus Mitteln des Projekts „Climates of Migration“, des Mortara Center for International Studies und des Deutschen Historischen Instituts (DHI) in Washington finanziert.

[|profil.mschaeffer], 06.06.13

WBGU übergibt Bundesregierung neues Gutachten „Welt im Wandel – Menschheitserbe Meer“

WBGU-Mitglieder übergeben Regierungsvertretern neues Gutachten
© WBGU

Die Meere sind gemeinsames Erbe der Menschheit und sollten langfristig einen entsprechenden völkerrechtlichen Status erhalten. Dadurch würden sie besser geschützt und ihre nachhaltige Nutzung würde gesichert, so der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem neuen Hauptgutachten „Welt im Wandel – Menschheitserbe Meer“, das heute der Bundesregierung übergeben wird. Voraussetzung hierfür wäre ein Konsens zum Umgang mit den Meeren, der über einen breiten gesellschaftlichen Dialog zu erreichen ist: ein Gesellschaftsvertrag für die Meere. Als Schlussstein eines sorgfältigen und schrittweisen Umbaus der internationalen Meerespolitik empfiehlt der WBGU die Gründung einer Weltmeeresorganisation (World Oceans Organisation) und entsprechender regionaler Institutionen für nachhaltiges Meeres-Management. In Bezug auf die deutsche Meeresforschung verlangt der WBGU zudem eine Förderpolitik, die die Gesellschaftswissenschaften stärker integriert und enger mit den Naturwissenschaften verzahnt.
Der WBGU hält in Berlin seine konstituierende Sitzung ab, zu seinen neun Mitgliedern zählt der Politikwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), Claus Leggewie. Er hat in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift mare auf Grundlage des neuen WBGU-Gutachtens einen Essay publiziert. Leggewie gehört dem WBGU seit 2008 an und forscht zu Fragen der Demokratie und Bürgerbeteiligung in Bezug auf den Klimawandel.

[|profil.mschaeffer], 05.06.13

4. Käte Hamburger Lecture mit Jan Aart Scholte: World Financial Crisis and Civil Society: Implications for Global Democracy

© KHK/GCR
© KHK/GCR

Die aktuellen Vorgänge auf den Finanzmärkten werfen grundlegende Fragen über soziale Ungleichheit, ökologische Integrität und zurückgehende Demokratie auf. Bei derart wichtigen Problemen könnte man eine umfangreiche und andauernde Mobilisierung der Zivilgesellschaft erwarten. Das Engagement der Zivilgesellschaft zum Thema Finanzmärkte und ihrer Regulation ist aber nicht sehr stark ausgeprägt und ohne nennenswerte Auswirkungen. Woran liegt das und was kann dagegen unternommen werden? Am 5. Juni wird Prof. Jan Aart Scholte, bis vor kurzem Senior Fellow am Käte Hamburger Kolleg und Professor für Politik und internationale Studien an der University of Warwick, in der vierten Käte Hamburger Lecture Antworten auf diese Fragen suchen. In seinem Vortrag unter dem Titel „World Financial Crisis and Civil Society: Implications for Global Democracy” wird er die Akteure in den Blick nehmen, die Leistungsfähigkeit und Praktiken gesellschaftlicher Gruppen, relevanter Regierungsagenturen und Finanzhäuser. Scholte wird zudem die Bedeutung tiefliegender struktureller Umstände herausarbeiten, die den zivilgesellschaftlichen Einfluss auf Reform und Transformation der gegenwärtigen Finanzmärkte einschränken. Zu den strukturellen Faktoren gehören eingebettete soziale Hierarchien (in Staaten, Klassen, etc.), die Schlüsselrolle des Finanzkapitals bei heutigen Akkumulationsprozessen sowie die Verankerung vorherrschender, neoliberaler Politikdiskurse. Zivilgesellschaftliche Bewegungen, die diese Verhältnisse in den Finanzmärkten angehen, könnten einen großen Beitrag bei der Wiederbelebung der Demokratie auf nationaler und globaler Ebene leisten. Die Lecture findet ab 18.15 Uhr in englischer Sprache im Grand City Hotel Duisburger Hof (Neckarstraße 2, 47051 Duisburg) statt.

[|profil.mschaeffer], 03.06.13

Borbecker Gymnasiastinnen diskutieren mit Claus Leggewie über den Klimawandel

Klimabotschafterinnen des Städtischen Mädchengymnasiums Borbeck mit Claus Leggewie
© Borbecker Kurier, Foto: Winkler

Der Klimawandel betrifft nicht allein die Menschen in Bangladesh oder Pakistan. „Wir sind längst mittendrin, im Klimawandel. Müssen uns vorbereiten auf Naturphänomene, die kommen werden und die sich nicht mehr ändern lassen“, sagte Claus Leggewie, Direktor des KWI und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), am 13. Mai bei der „Borbecker Maienmahlzeit“. Jeder müsse sich seiner Verantwortung stellen, sein Verhalten in den Bereichen Mobilität, Ernährung oder Heizen reflektieren, forderte Leggewie die rund 140 Gäste auf. Der Politikwissenschaftler beleuchtete auf Einladung des Bürger- und Verkehrsverein Borbeck das Thema Klimawandel und betonte, dass die Bürgergesellschaft dabei ebenso gefordert sei wie Wirtschaft und Politik. Als Beispiel für das Engagement junger Menschen stellten die Klimabotschafterinnen des Städtischen Mädchengymnasiums Borbeck das weltweite Projekt „Youthinkgreen - Jugend denkt.um.welt“ vor, an dem die Borbecker Schülerinnen gemeinsam mit 200 weiteren Jugendlichen arbeiten. Engagiert stiegen die Mädchen im Anschluss in die Diskussion mit Claus Leggewie ein. Zu den früheren Gästen der fast seit drei Jahrzehnten veranstalteten „Borbecker Maienmahlzeit“ gehören Johannes Rau, Rita Süßmuth, Werner Müller, Steffi Jones und Nikolaus Schneider. (Quelle: Borbecker Kurier)

[|profil.mschaeffer], 31.05.13

KHK Workshop: Beispiele gelingender Kooperation (2)

TeilnehmerInnen des Workshops Beispiele gelingender Kooperation (2)
© KHK/GCR, Foto: Tina Berntsen

Die jüngste Bilanz von Kooperationen innerhalb der internationalen Gemeinschaft ist eher schwach: Die internationalen Klimaverhandlungen sind festgefahren und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen tut sich angesichts politischer Gräben schwer mit gemeinsamen Entscheidungen. Wie steht es aber um Beispiele gelungener Kooperation? Dieser Frage widmete sich der am 13. und 14. Mai vom Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research in Duisburg veranstaltete Workshop unter der Leitung von Prof. Christoph Bieber, Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg Essen, und Prof. Claus Leggewie, KWI-Direktor und Co-Direktor des KHK. An den Workshop "Beispiele gelingender Kooperation (1) - Künstlerische Praxis und Improvisation" im August 2012 anknüpfend und auf eine von Dr. Andrea Licata, einem ehemaligen Associate Researcher des KHK, durchgeführte Umfrage unter 100 mit internationaler Kooperation beschäftigter Personen aufbauend, konzentrierte sich der zweite Workshop auf die neuen Medien. So stellte der amerikanische Kommunikations-wissenschaftler Joseph Reagle Wikipedia als ein prominentes und innovatives Beispiel erfolgreicher Kooperation vor. Darauf folgte eine Diskussion über die Frage nach einer möglichen Übertragbarkeit des Fallbeispiels mit Hilfe von Wiki-Software auf andere Bereiche internationaler Kooperation. Im Fokus des Workshops stand zudem das häufig als Voraussetzung für erfolgreiche Kooperation angesehene Konzept der Transparenz. Dieses wurde in Vorträgen anhand der Beispiele Wikileaks und Facebook adressiert.

[|profil.mschaeffer], 28.05.13

Internationaler Workshop: The Future of Religious Pluralism in Europe

Internationaler Workshop „The Future of Religious Pluralism in Europe” im KWI
© KWI, Foto: Björn Liedgens

Konflikte um Moscheebauten, Kopftücher, Blasphemie, das Schächten von Tieren oder die rituelle Beschneidung von Jungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder sowohl Muslime als auch Juden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt und zahlreichen Angriffen ausgesetzt. Wie reagieren unsere Gesellschaften auf die Heraus-forderungen wachsender kultureller Vielfalt? Wie verhalten sich verschiedene Minderheiten zueinander? Wie steht es um die Zukunft des religiösen und ethnischen Pluralismus in Europa? Diese und andere Fragen wurden unter reger Beteiligung der TeilnehmerInnen auf dem prominent besetzten, englischsprachigen Workshop „The Future of Religious Pluralism in Europe“ diskutiert, den das KWI in Zusammen-arbeit mit dem Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa (EZIRE) am 17. und 18. Mai 2013 veranstaltete. Volker Heins, Leiter des KWI-Forschungsbereichs InterKultur, wies in seiner Einführung auf die Wiederkehr „religiöser“ Konflikte in Europa hin, die durch eine altbekannte Feindseligkeit der Mehrheitsgesellschaft vor allem gegen Juden und Muslimen angeheizt würden. Bekim Agai (Bonn und Frankfurt) und Gerdien Jonker (Erlangen) diskutierten die vergessene und verdrängte Rolle von Muslimen einschließlich muslimischer Konvertiten in der europäischen Kulturgeschichte. Frank Peter (Bern), Brian Klug (Oxford) und Yasemin Shooman (Akademie des Jüdischen Museums Berlin) stellten unterschiedliche Konzepte vor, wie die Feindschaft gegenüber Muslimen und Juden aufgefasst werden kann und welche Beziehungen zwischen diesen beiden Formen eines gruppenbezogenen Affekts bestehen. Tariq Modood (Bristol), Riva Kastoryano (Paris) und Yolande Jansen (Amsterdam) rundeten den ersten Tag ab, indem sie Begriffe wie „Assimilation“ und „Säkularismus“ in ihrem Verhältnis zum Multikulturalismus diskutierten. Die Beiträge am Samstag widmeten sich vor allem unterschiedlichen Aspekten der neueren jüdischen Erfahrung in Deutschland und Europa. So schilderte Michal Bodemann (Toronto) das Phänomen des „virtual Judaism“ und das neue judeophile Milieu in Berlin, während das Papier von Esra Özyürek (San Diego) kontroverse Feldstudien zur Holocausterziehung für Muslime präsentierte. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten intensiv diskutierte Beiträge von Cilly Kugelmann (Jüdisches Museum Berlin) und Sergey Lagodinsky (Heinrich Böll Stiftung) zu Perspektiven jüdisch-muslimischer Kooperation und zur Zukunft der multikulturellen Demokratie in Europa.
Weitere Informationen zum Workshop sowie eine Auswahl an Bildern finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 24.05.13

KWI-Vorstand begrüßt zwei neue Mitglieder

v.l. Tatjana Tönsmeyer, Patrizia Nanz
© KWI, Fotos: Die Hoffotografen, Georg Lukas

Neu im Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) sind seit Mai die Leiterin des im April eingerichteten Forschungsschwerpunktes PartizipationsKultur, Professor Dr. Patrizia Nanz, und die Leiterin des Forschungsschwerpunktes Europa, Professor Dr. Tatjana Tönsmeyer. Frau Nanz ist Professorin für Politische Theorie an der Universität Bremen und forscht unter anderem zu Demokratietheorien, demokratischen Innovationen, Zivilgesellschaft und transnationalem Regieren. Frau Tönsmeyer ist Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal, ihr Forschungsfokus liegt auf der integrierten europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. „Wir freuen uns sehr, zwei herausragende Forscherinnen wie Frau Nanz und Frau Tönsmeyer als neue Mitglieder in den Vorstand des KWI aufnehmen zu können“, sagt KWI-Direktor Claus Leggewie.
Der Vorstand des KWI entwickelt und beschließt die Leitlinien der Institutsarbeit und entscheidet beispielsweise über die Jahresplanung und das Arbeitsprogramm. Neben dem Direktor und Geschäftsführer, gehören dem Vorstand je eine Hochschullehrerin oder ein Hochschullehrer der drei Trägeruniversitäten der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) sowie leitende Wissenschaftler des KWI an.

[|profil.mschaeffer], 22.05.13

Filmvorführung und Diskussion: Gewalt in den Filmen von Quentin Tarantino

CineScience Film und Gewalt
© KWI

Gewalt auf komische und unterhaltsame Weise darzustellen ist ein Markenzeichen der Filme von Quentin Tarantino. Darüber ist viel diskutiert worden und manche Kritiker werfen Tarantino sogar Gewaltverherrlichung vor. Heute zeigen die Literaturwissenschaftler Susanne Kaul und Jean-Pierre Palmier von der Universität Bielefeld in der Reihe CineScience Film und Gewalt ab 20 Uhr im Essener Filmstudio Glückauf, mit welchen filmischen Mitteln die Gewalt dargestellt wird, und reflektieren den Gewaltdiskurs anhand von Tarantinos Gesamtwerk. Das Publikum ist eingeladen, sich an der Diskussion – während der unter anderen Filmszenen aus „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, „Kill Bill: Vol.1/2“ und „Inglourious Basterds“ gezeigt werden – zu beteiligen. Die vier Abende zum Thema Film und Gewalt umfassende Ausgabe der Veranstaltungsreihe CineScience, die das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) und das Filmstudio Glückauf seit 2011 gemeinsam ausrichten, wird durch den Verein zur Förderung des KWI gefördert.

[|profil.mschaeffer], 21.05.13

Tagung: „Politische und gesellschaftliche Herausforderungen durch den Klimawandel“

TeilnehmerInnen der Tagung \
© KWI / Foto: Georg Lukas

„Kann Demokratie Klimawandel?“ Unter diesem Motto trafen sich zum Diskurs am 6. und 7. Mai NachwuchsforscherInnen auf der Tagung „Politische und gesellschaftliche Herausforderungen durch den Klimawandel“, die von dem durch die Hans Böckler Stiftung geförderten KWI-Graduiertenkolleg „Herausforderung der Demokratie durch Klimawandel“ organsiert wurde. Einer der Höhepunkte der Tagung war die öffentliche Podiumsdiskussion am 6. Mai zum Thema „Ende der globalen Klimadiplomatie – Beginn der lokalen Umsetzung: Eine Chance für mehr Demokratie?“. Im Rahmen der gut besuchten Diskussionsveranstaltung debattierte KWI-Direktor und WBGU-Mitglied Claus Leggewie mit Prof. Dr. Miranda Schreurs (Freie Universität Berlin), Dr. Niklas Höhne (Ecofys) und Holger Robrecht (ICLEI Europe) über die Frage, ob es angesichts der stockenden Fortschritte der internationalen Klimaverhandlungen nicht an der Zeit sei, auf alternative Umsetzungsformen auszuweichen. Erörtert wurde hier unter anderem die Option von themenspezifischen Partnerschaften auf der Ebene von Staaten oder Regionen zu klimapolitischen Schwerpunktthemen, welche als „Flaggschiff“ voranschreiten und so mittel- und langfristig politische und technische Innovationen erzeugen und Spillover-Effekte nach sich ziehen könnten. Die DiskutantInnen kamen letztlich zu dem Schluss, dass lokale und regionale Initiativen ein zentrales Element der Klimapolitik darstellten, es zur Einhaltung der 2-Grad-Leitplanke allerdings eines neuen internationalen Rahmenvertrags bedürfe.
Das Graduiertenkolleg „Herausforderungen der Demokratie durch Klimawandel“ des KWI und der Hans Böckler Stiftung setzt sich wissenschaftlich mit der Frage auseinander, wie klimaverträglich demokratische Entscheidungsprozesse sind und wie demokratieverträglich die Bewältigung des Klimawandels ist. Inhaltlich werden sowohl die Bedingungen klimarelevanten Handelns auf individueller Ebene als auch die Bestimmung und der Zusammenhang zwischen Legitimation und Performanz in Politikprozessen thematisiert
Weitere Tagungsergebnisse finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 17.05.13

Patrizia Nanz leitet neuen Forschungsschwerpunkt PartizipationsKultur

Prof. Dr. Patrizia Nanz
Foto: Georg Lukas

Seit April leitet Patrizia Nanz, Professorin für Politische Theorie an der Universität Bremen, den neuen Forschungsschwerpunkt PartizipationsKultur am KWI. Der transdisziplinäre Forschungs-schwerpunkt ist das erste größere wissenschaftliche Kompetenz-zentrum zum Thema Bürgerbeteiligung in Deutschland und trägt den wachsenden Verantwortungsforderungen an die Bürger Rechnung. Diese wollen sich mehr denn je über Wahlen hinaus politisch engagieren und bei Planungen im öffentlichen Bereich mitreden: Sei es beim Bau von Bahnhöfen und Flughäfen, der Stadtteilplanung oder dem Netzausbau für die Energiewende.
Seit den 1990er Jahren haben sich weltweit eine Vielzahl dialogorientierter Verfahren verbreitet: Bürgerhaushalte, Konsensuskonferenzen, Town Hall Meetings, Bürgerräte und Planungszellen. Der Forschungsschwerpunkt PartizipationsKultur untersucht unter welchen Bedingungen offene Austausch- und Mitwirkungsprozesse gelingen. Dabei stehen unter anderem die Fragen im Mittelpunkt, welchen demokratischen Maßstäben diese Prozesse genügen müssen, damit Einzel- zu Gemeinwohlinteressen werden und gesamtgesellschaftliche Verantwortung von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Bürgerschaft übernommen werden kann. Was stärkt eine Haltung des Miteinanders aller involvierten Akteure – und was nicht? Wo finden sich gesellschaftliche Ressourcen an Gemeinsinn und „pro-partizipativem“ Verhalten? Wie kann sich dialogorientierte Bürgerbeteiligung wirksam in unser demokratisches System einfügen – sei es auf der lokalen, regionalen, bundespolitischen oder europäischen Ebene?
Patrizia Nanz forscht zu Demokratietheorien, demokratischen Innovationen, Zivilgesellschaft, transnationalem Regieren und dem politischen Projekt Europa. Sie war Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (2005 bis 2006), Gastwissenschaftlerin am Massachusetts Institute of Technology (2003) und Postdoctoral Fellow am Centre for the Study of Democracy, Westminster University, London (2002). Nanz hat unter anderem gemeinsam mit Miriam Fritsche das „Handbuch Bürgerbeteiligung Verfahren und Akteure, Chancen und Grenzen“ (bpb, Schriftenreihe Bd. 1200, März 2012) publiziert.

[|profil.mschaeffer], 14.05.13

KWI-Direktor Claus Leggewie erneut in WBGU berufen

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU)
© WBGU

Claus Leggewie ist zum zweiten Mal in Folge in den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) berufen worden. Das Bundes-kabinett hat am 8. Mai auf Vorschlag von Bundesumweltminister Peter Altmaier und Forschungsministerin Johanna Wanka die Berufung der aktuellen Beiratsmitglieder beschlossen. Leggewie ist seit 2008 WBGU-Mitglied und berät die Bundesregierung zu Fragen globaler Umwelt- und Entwicklungsprobleme. Der WBGU wurde 1992 im Vorfeld der UN-Konferenz in Rio („Erdgipfel von Rio“) als unabhängiges und wissenschaftliches Beratergremium der Bundesregierung eingerichtet. Das Gremium hat die Aufgabe, globale Umwelt- und Entwicklungs-probleme zu analysieren und zur Lösung dieser Probleme Handlungs- und Forschungsempfehlungen zu erarbeiten. Der WBGU entwickelte unter anderem das 2-Grad-Ziel für die Begrenzung der globalen Erwärmung und arbeitet an Lösungen für ein globales Emissionshandelssystem. In seinem Hauptgutachten 2011 „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ stellte er Möglichkeiten für eine Wende zur Nachhaltigkeit auf und präsentiere konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung des erforderlichen Umbaus hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft. Die Mitglieder der 6. Berufungsperiode finden Sie hier

[|profil.gzecic], 10.05.13

Neuerscheinung: Multikulturelles Deutschland im Sprachvergleich

Multikulturelles Deutschland im Sprachvergleich

Der Band „Multikulturelles Deutschland im Sprachvergleich“ (LITVerlag, 2013) gibt LehrerInnen für Deutsch als Fremdsprache, Studierenden, PädagogInnen und ErzieherInnen praktische Hinweise, wie sie mehrsprachigen SchülerInnen unter Berücksichtigung ihrer Erstsprachen das Erlernen der deutschen Sprache erleichtern können. Die Lehrkräfte werden für die Besonderheiten ihrer Muttersprache beziehungsweise des Deutschen sensibilisiert; sie können auf die Schwierigkeiten der Lernenden präziser eingehen, wenn sie deren sprachlichen Hintergrund kennen. Die SchülerInnen wiederum können durch die Bewusstmachung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Sprachen die grammatischen Regeln besser verstehen. Der von Halyna Leontiy, Research Fellow am KWI, herausgegebene Band ist das erste praktische Handbuch, das zunächst 15 in Deutschland gesprochene Sprachen kontrastiv vergleicht und für alle Leser-, Lehr- und Lerntypen didaktisch aufbereitet. Im Mittelpunkt stehen die Grammatik, Sprachgeschichte und soziolinguistische Situation dieser Sprachen.

[|profil.mschaeffer], 07.05.13

Buchvorstellung und Diskussion: „Das zionistische Israel“

v.l.n.r. Claus Leggewie, Tamar Amar-Dahl, Uri Kaufmann
© Buchhandlung Proust / Foto: Peter Kolling

Der Nahe Osten ist seit der Gründung des Staates Israel 1948 in Konflikte verwickelt und das Palästinaproblem erscheint auf absehbare Zeit unlösbar. Am 22. April stellte die israelische Zeithistorikerin Tamar Amar-Dahl in der Essener Buchhandlung Proust ihr aktuelles Buch „Das zionistische Israel. Jüdischer Nationalismus und die Geschichte des Nahostkonflikts“ (Schöningh-Verlag 2012), in dem sie die Bedeutung des Zionismus als Gründungsmythos und Staatsdoktrin des Landes offenlegt, vor. Im Gespräch mit KWI-Direktor Claus Leggewie und dem Historiker Uri Kaufmann diskutierte sie konträr über die Ursachen der israelischen Dauerkrise, über die politische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Israels sowie über die globalen Folgen dieses Dauerkonflikts. Die Palästinenser-Frage, so die Autorin, „ist bis heute eines der Grundprobleme des Staates Israel und hängt stark mit der Staatsräson der zionistischen Parteien zusammen, links wie rechts“. Amar-Dahl kritisierte, dass die Sicherheitspolitik des Landes ausschließlich aus militärischer Perspektive betrachtet und gestaltet wird: „Das Militär bestimmte die Grenzen des Staatsgebiets (die Eroberungskriege von 1948, 1956 und 1967) und ist auch für deren Erhalt und die Besiedlung zuständig“. Die damit einhergehende Entpolitisierung des Konflikts führe zur Entpolitisierung des Friedens, sagte die Historikerin.
Die Buchpräsentation war eine Veranstaltung der Buchhandlung Proust in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen.

[|profil.gzecic], 03.05.13

Das Mittelmeer: Wiege und Zukunft Europas

Claus Leggewie
© Stiftung Mercator / Foto: Simon Bierwald

Am 24. April fand die 7. Mercator EssensZeit unter dem Titel „Das Mittelmeer: Wiege und Zukunft Europas“ statt. Im Rahmen der Veranstaltung stellte Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissen-schaftlichen Instituts Essen (KWI), Hauptthesen aus seinem im September 2012 veröffentlichtem Buch „Zukunft im Süden – Wie die Mittelmeerunion Europa wiederbeleben kann“ (edition Körber-Stiftung) vor. Die Veranstaltung und die anschließende Diskussion wurden von Korbinian Frenzel, Moderator und Redakteur beim Deutschlandradio, moderiert. Zu Beginn der Veranstaltung stellte Leggewie die zentralen Thesen aus seinem Buch heraus, in dessen Zentrum die Forderung zur Schaffung eines euro-mediterranen Regionenverbundes steht. Er schilderte einen Entwurf bei dem er Europa als ein inklusives, kulturelles Projekt mit offenen Grenzen zwischen Nord- und Südeuropa sieht. Der Blick in den Süden solle sich aus europäischer Sicht von den Krisen und Problemen, wie Staatsschulden und hoher Arbeitslosigkeit, lösen, um die Chancen für eine gemeinsame Zukunft in der Region zu erkennen. Das Mittelmeer sei die Wiege und Zukunft Europas, so Leggewie. Das Potenzial dieser Regionen müsse erkannt und gefördert werden. So forderte Leggewie beispielsweise im Bereich der Energiepolitik, die beträchtlichen Ressourcen des Mittelmeerraumes, wie Wind, Wasser und Sonne mit dem europäischen technischen Know-How bestmöglich zu erschließen und zu nutzen. Weiteres Potenzial für eine europäische Förderung des Mittelmeerraumes sieht er im Ausbau der transnationalen Klimapolitik, insbesondere im Meeresschutz und in der Agrar- und Fischereipolitik.
Claus Leggewie ist seit 2008 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) und berät die Bundesregierung zu Fragen globaler Umwelt- und Entwicklungsprobleme.

[|profil.gzecic], 02.05.13

Energiewende und Atommüll: „Schafft die Politik die Wende?“

taz.lab 2013 v.l.n.r. Claus Leggewie, Rebecca Harms, Malte Kreutzfeldt, Peter Altmaier
© KWI / Foto: Gordana Zečić

Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird gebremst – vom Umwelt-minister, der höhere Strompreise fürchtet, und von Bürgern, die gegen neue Leitungen oder Windräder kämpfen. Die Einigung auf ein neues Endlagergesetz stockt, weil Teile der Grünen Gorleben ausschließen wollen und die Zivilgesellschaft sich ausgeschlossen fühlt. Ist die Politik überhaupt in der Lage, langfristige Probleme im Konsens zu lösen? Darüber diskutierten am 20. April im Berliner Haus der Kulturen der Welt KWI-Direktor Claus Leggewie, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und die Grünen-Politikerin Rebecca Harms.
Für die Endlagersuche soll eine Kommission aus Politikern, Wissen-schaftlern, Vertretern von Gewerkschaften, Kirchen und der Wirtschaft bis 2015 unter anderem die Anforderungen an ein Endlager erarbeiten. Der Kommission, so Leggewie, „fehle der Unterbau, der Anknüpfungspunkt an die Bürgergesellschaft. Wir brauchen nicht nur einen Konsens zwischen Bund und Ländern und den Parteien, wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens“. Vor diesem Hintergrund warnte der Politikwissenschaftler davor, die Bürgergesellschaft in diesem Verfahren an den Rand zu drängen. Auch beim Thema Energiewende kritisierte Claus Leggewie, der seit 2008 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umwelt-veränderungen (WBGU) ist, dass die Möglichkeiten der Partizipation der Bürger nicht genutzt werden. „In Deutschland machen wir die Energiewende ingenieursartig: ein Möglichst dickes Projekt mit möglichst dicken Stromtrassen“, so kann die Energiewende nicht funktionieren“. Als ein mögliches Partizipationsmodell schlug er das Konzept von Zukunftsräten vor, in denen Bürger gemeinsam erarbeiten, was in ihrer Region für die Energiewende getan werden muss.
Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen des taz.lab. 2013 unter dem Motto „Erfindet. So kann es nicht weitergehen“ statt. Einen Kommentar Claus Leggewies zum Thema Energiewende finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 25.04.13

Podiumsdiskussion: Ende der globalen Klimadiplomatie – Beginn der lokalen Umsetzung: Eine Chance für mehr Demokratie?

Ende der globalen Klimadiplomatie
© shutterstock.com / Foto: Pablo Scapinachis

Spätestens mit der Verlängerung des vielfach kritisierten Kyoto-Protokolls auf der Klimakonferenz in Doha ist deutlich geworden, dass die internationale Klimadiplomatie seit einigen Jahren nicht die erhofften Fortschritte erbringt. Zugleich entstehen lokal und regional Klimaprojekte wie die Klimainitiative Essen, in denen bewusst mehr Demokratie gewagt wird. Bei einem globalen Allmendegut wie dem Klima stellt sich dennoch die Frage, wo die Grenzen lokaler Umsetzungsmöglichkeiten liegen. Haben die Staats- und Regierungschefs angesichts scheinbar drängenderer Probleme den Stillstand in der internationalen Klimapolitik akzeptiert und nehmen sie Benachteiligungen zukünftiger Generationen wissend in Kauf? Ist die „Mittlerdemokratie“ durch NGOs am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt? Wo liegen die Grenzen lokaler Umsetzungsmöglichkeiten und werden die BürgerInnen westlicher Industrienationen mit Verhaltenserwartungen überfrachtet? Über diese Fragen diskutieren am 6. Mai ausgewiesene WissenschaftlerInnen und ExpertInnen auf Einladung des Graduiertenkollegs „Herausforderung der Demokratie durch Klimawandel“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und der Hans-Böckler-Stiftung im KWI. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), wird die öffentliche Podiumsdiskussion moderieren. Um Anmeldung wird gebeten bis zum 29. April. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 24.04.13

Symposium „Urban Transformations in the USA“

TeilnehmerInnen der Tagung Urban Transformations in the USA
© Julia Sattler

In ihrem gemeinsamen Forschungsprojekt „Spaces – Communities – Representations: Urban Transformations in the USA“ befassen sich die AmerikanistInnen und Nordamerika-HistorikerInnen der drei UAMR-Uni-versitäten mit den verschiedenen Darstellungen städtischen Wandels in den USA. Die erste öffentliche Tagung zum Projekt, welches seit 2012 im Rahmen des MERCUR-Programms von der Stiftung Mercator gefördert wird, fand am 19. und 20. April 2013 unter dem Titel „Urban Transformations in the United States“ im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) statt. Neben den Beiträgen in- und ausländischer ExpertInnen lag ein Schwerpunkt des Symposiums auf den Präsentationen der Promovierenden im Projekt, die ihre aktuelle Arbeit ausgiebig mit den auswärtigen SpezialistInnen diskutierten. An zwei Tagen wurden unterschiedliche Dimensionen US-amerikanischer Städte beleuchtet: Dabei ging es unter anderem um literarische, kulturelle und historische Konstruktionen amerikanischer Städte, um das Leben deutscher MigrantInnen in den USA sowie um afro-amerikanische Diskurse zum Thema „Stadt“ in Architektur und Medien. Thematisiert wurden auch die Rolle künstlerischer Interventionen in der Stadt-landschaft, der Einfluss sichtbarer und unsichtbarer Grenzen innerhalb städtischer Strukturen sowie der Einfluss literarischer Darstellungen von Städten vor dem Hintergrund ihrer Wahrnehmung und Gestaltung.

[|profil.gzecic], 23.04.13

Stadt als Gemeingut? KWI-Direktor Claus Leggewie beim 8. BDA-Symposium in Würzburg

Wohnbauprojekt Wagnis in München-Riem
© bogevischs buero/room4b, München.

Vor dem Hintergrund rasant steigender Energiepreise wird die energetische Sanierung des Gebäudebestandes zu einer elementaren Notwendigkeit. Wie können heterogene Eigentümerstrukturen in quartiersübergreifende Sanierungskonzepte eingebunden werden? Und welche Rolle können Wohnungsbaugenossenschaften wie auch Stadtwerke für die energetische Modernisierung des Gebäudebestandes übernehmen? Unter dem Motto „Stadt umbauen - Vielfalt gestalten" lud der Bund Deutscher Architekten (BDA) am 10. April zum 8. Symposium nach Würzburg ein. Vertreter von Städten und Wohnungsgenossen-schaften sowie Politiker, Architekten, Stadtplaner und Wissenschaftler diskutierten hier unter anderem Strategien für eine verbesserte Energieeffizienz im städtischen Kontext. Als Experte zu Gast war auch KWI-Direktor Claus Leggewie. In seinem Vortrag „Stadt als Gemeingut?“ analysierte der Politikwissenschaftler die energetische Sanierung im Kontext der Stadt- und Quartiersentwicklung aus kultureller Perspektive und sprach über den Wandel der mentalen Infrastruktur sowie über konkrete Partizipationsmöglichkeiten der Bürgergesellschaft, die die Energiewende erfolgreich machen können. „Stadt als Gemeingut“, so Leggewie, „ist das Gegenteil der aktuellen Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlicher Räume.“ Das 8. BDA-Symposium wurde im Rahmen der KfW-Programme zur energetischen Stadtsanierung vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördert.

[|profil.gzecic], 19.04.13

Veränderungen in der arabischen Welt: Revolution oder Rebellion?

v.l.n.r. Mihran Dabag, Udo Steinbach, Claus Leggewie, Christoph Zöpel, Bassam Tibi, Christoph Schumann
© Museum Folkwang, 2013

Kann man die Ereignisse in den Staaten Nordafrikas und im Nahen Osten tatsächlich als einen arabischen Frühling bezeichnen? Vollzieht sich dort eine Revolution, und beschreiben die politikwissenschaftlichen Begriffe Autoritarismus und Demokratisierung die Lage zutreffend? Über diese Fragen diskutierten Wissenschaftler und Experten im Museum Folkwang am 9. April in den Räumen der Ausstellung „Kairo. Offene Stadt – Neue Bilder einer andauernden Revolution“. „In Anlehnung an den Titel der Ausstellung, der auf den Film Roberto Rossellinis „Roma città aperta“ von 1945 Bezug nimmt und der von Rom nach dem Sieg über die faschistische Diktatur und dem verlorenen Krieg handelt, sollten wir die heutige Lage in Ägypten und den anderen arabischen Ländern offen betrachten“, sagte KWI-Direktor Claus Leggewie. Sicherlich gebe es weitgehend zutreffende Erklärungsmuster, wie das der Transitions-forschung, und Parallelen zu europäischen Revolutionen, wie der von 1848, so Leggewie. Dennoch helfen sie nicht, die neue Lage zu beschreiben, die trotz des Sturzes Mubaraks und der Machtübernahme durch die Muslimbrüder bei weitem noch nicht abgeschlossen sei. Auch wenn die Menschen nicht unbedingt eine liberale Demokratie nach westlichem Muster im Blick haben, so steht das alte System dennoch massiv unter Druck.
Das Fachgespräch war Teil der Reihe „Wissenschaft im Fokus“ des Wissenschaftsforums Ruhr. Die Veranstaltung wurde vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung in Bochum und dem Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI) inhaltlich initiiert und gemeinsam mit dem Museum Folkwang sowie in Kooperation mit dem Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität-Bochum durchgeführt.

[|profil.mschaeffer], 16.04.13

„Elections, Violence, and International Criminal Justice: The Case of Kenya“ – Erster Käte Hamburger Dialog in Bonn

Elections, Violence, and International Criminal Justice: The Case of Kenya
© KHK / GCR 21

Im April dieses Jahres wurde Uhuru Kenyatta in Nairobi offiziell als Präsident Kenias in sein Amt eingeführt. Er ist nach Omar al-Bashir der zweite amtierende Präsident Afrikas, der sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) verantworten muss. Dem 51- Jährigen werden von der Anklagebehörde des Haager Gerichtshofs Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Kenyatta wird beschuldigt, für die blutigen Ausschreitungen und Gewalttaten in Folge der Wahlen 2007 mitverantwortlich zu sein. Der Erste Käte Hamburger Dialog „Elections, Violence and International Criminal Justice: The Case of Kenya“, der am 15. April im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn stattfindet, bringt deutsche und internationale Experten zusammen. Im Rahmen des Dialogs werden Entwicklung und Ergebnis der kenianischen Wahlen 2013 als ein Beispiel von Möglichkeiten und Grenzen von Demokratieförderung und Gewaltprävention durch die internationale Gemeinschaft diskutiert. Der Dialog wird sich insbesondere auf die Beziehung und den möglichen Kompromiss zwischen innerer Stabilität, Wahlen und internationaler Gerechtigkeit konzentrieren.
Der Dialog ist eine öffentliche Veranstaltung des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research und findet in englischer Sprache statt. Beteiligte Institute des Kollegs sind das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE), das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen (UDE) und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI).

[|profil.gzecic], 12.04.13

Neues Forschungsprojekt: Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Erlaubnis zur Wiedergründung der DGS am 22.8.1946 durch die Militärregierung, Regierungsbezirk Köln
Erlaubnis zur Wiedergründung der DGS am 22.8.1946 durch die Militärregierung, Regierungsbezirk Köln; © Digitales Archiv der DGS, Sozialwissenschaftliches Archiv Konstanz

Eine systematische Erforschung der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) gibt es nicht, durch die Digitalisierung ihres Aktenbestandes und die zunehmende Erschließung des Briefverkehrs etwa von Simmel, Weber und Tönnies hat sich zudem eine völlig neue Datenlage ergeben. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für drei Jahre geförderte KWI-Projekt „Die Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Soziologie als Organisationsgeschichte – Von den sozialwissenschaftlichen Diskursnetzwerken der Gründerjahre bis 1989“ widmet sich dieser Forschungslücke, indem es einen neuen Zugriff durch die Verbindung aus organisationssoziologischen, netzwerkanalytischen, wissenssoziologischen und historisch-epistemologischen Mitteln erprobt. Unter der Leitung von Hans-Georg Soeffner und Uwe Dörk sowie in Kooperation mit Forscherinnen und Forschern in Konstanz und Bielefeld wird dabei zwischen Netzwerk und Organisation unterschieden, um Kontinuität wie Diskontinuität bis zur Deutschen Wiedervereinigung 1989 zu beobachten: die Formierung der DGS bis zu ihrer Gründung im Jahr 1909, ihre Zerfalls- und Rekonstitutionsprozesse im Ersten Weltkrieg und zwischen 1933 und 1946.

[|profil.mschaeffer], 10.04.13

(De-)Stabilisierung einer Region?: Fachgespräch im Museum Folkwang

Demonstranten während einer Rede auf dem Tahrir-Platz, Kairo
© Mosa’ab Elshamy

Der arabische Frühling hat in den Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens große Veränderungen gebracht, die sich teils unter extremer Gewalt vollzogen haben. Was bedeuten die Umbrüche für die Lebenswelten ethnischer und religiöser Minderheiten der von jahrhundertelanger Vielfalt geprägten südlichen und östlichen Mittelmeerregion? Was lässt sich über Handlungsspielräume und Zukunftsprognosen der verschiedenen betroffenen Gruppen sagen? Und wie werden diese Prozesse im „Westen“ betrachtet? Über diese Fragen sprechen am 9.April im Museum Folkwang namhafte Wissenschaftler und Experten, darunter der Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie. Das Fachgespräch findet begleitend zur Ausstellung „Kairo. Offene Stadt – Neue Bilder einer andauernden Revolution“ und im Rahmen der Reihe „Wissenschaft im Fokus“ des Wissenschaftsforums Ruhr statt. Das Fachgespräch wurde vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung in Bochum und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) inhaltlich initiiert und wird gemeinsam mit dem Museum Folkwang sowie in Kooperation mit dem Zentrum für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität-Bochum durchgeführt. Vor dem Gespräch erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Museum Folkwang eine Führung durch die Fotoausstellung „Kairo. Offene Stadt – Neue Bilder einer andauernden Revolution“. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten bis zum 8. April 2013. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 05.04.13

Philosophen diskutieren über Folter und gezieltes Töten

Masterstudiengang Ethics: Economics, Law and Politics

Kann man das Foltern Verdächtiger in Extremsituationen legitimieren, um die Leben vieler Unschuldiger zu retten? Handelt es sich beim gezielten Töten von Terroristen um eine erweiterte Form der Selbstverteidigung? Diese und weitere Fragen standen im Fokus des Workshops „Morality and Law: Can Torture and Targeted Killing be Legitimated?“ am 8. und 9. März, welcher vom Masterstudiengang Ethics: Economics, Law and Politics (EELP) der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) durchgeführt wurde. Gemeinsam mit Bob Brecher (University of Brighton), Ariel Colonomos (CNRS, Paris) und Anna Goppel (Universität Zürich) entspannen sich zwei Tage lebhafter Diskussionen, in denen es um die Nützlichkeit von Gedankenexperimenten, die Rolle von Normen und um die Reichweite der Selbstverteidigung ging. Während sich bald ein Konsens gegen das Foltern an sich unter den Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern zeigte, bestand starker Diskussionsbedarf über die Feinheiten, der von Bob Brecher gerne aufgenommen wurde. Im zweiten Teil ging es um Präventivkriege und das gezielte Töten von Terroristen. Ariel Colonomos stellte Überlegungen zur Lehre vom Gerechten Krieg an und präsentierte dazu Zahlen über das gezielte Töten von Terroristen in Israel. Eine Praxis, die er als gerechtfertigt, wenn auch als schlechte Grundlage für eine Norm verteidigte. Anna Goppel beleuchtete die Praxis des gezielten Tötens am zweiten Tag ausführlich und widersprach Colonomos, indem sie das Vorgehen in den meisten Fällen als unzulässig erkannte. Der Masterstudiengang EELP wird von der Philosophin Corinna Mieth geleitet, die Mitglied im Vorstand des KWI ist.

[|profil.mschaeffer], 02.04.13

KWI-Vorstandsmitglied Hans-Georg Soeffner hält Festvortrag zur Begrüßung des neuen DFG-Präsidenten

Professor Hans-Georg Soeffner
© DFG, Foto: Eric Lichtenscheidt

Vom "Paradigma des symbolischen Aktionismus" über den "Powerpointismus" bis hin zur "Allgemeinen Sitzungsbetriebslehre": KWI-Vorstandsmitglied Professor Hans-Georg Soeffner begeisterte beim gemeinsamen Empfang der DFG und der Stadt Bonn am 21. März zur Begrüßung des DFG-Präsidenten Peter Strohschneider in der Bonner Stadtgesellschaft mit einem geistesfunkelnden Festvortrag über allerlei Blüten des modernen Wissenschaftsbetriebs. Der Soziologe ist dem seit 1. Januar amtierenden DFG-Präsidenten seit langem freundschaftlich verbunden. Mehr als 150 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Kultur und Stadtleben erlebten einen geistreich-vergnüglichen Empfang in der Godesberger Redoute. Dem Festvortrag gingen Grußworte der DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek, des Rektors der Bonner Universität Professor Jürgen Fohrmann und des Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch voraus. Abschließend richtete Professor Peter Strohschneider, der Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des KWI ist, das Wort an die Gäste.

[|profil.mschaeffer], 28.03.13

Lesart Spezial: Machtspiele der Politik – Das Beispiel CDU

v.l. Stefanie Waske, Korbinian Frenzel, Stephan Hebel
© KWI, Foto: Sandra Kozok

Das Regieren ist in der CDU besonders verwurzelt, keine andere Partei war in der Bundesrepublik länger an der Macht. Um Macht und Moral in der nationalen Politik am Beispiel der größten Partei Deutschlands ging es am 19. März in der Reihe Lesart Spezial im Essener Grillo-Theater. Korbinian Frenzel, Redakteur des Deutschlandradio Kultur, sprach mit den politischen Autoren Stephan Hebel und Stefanie Waske über ihre aktuellen Bücher zum Thema. In „Nach Lektüre vernichten!“ (Carl Hanser Verlag, München 2013) berichtet Waske über den geheimen Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg. Bei der Recherche für ihre Dissertation war die Politikwissenschaftlerin auf Dokumente von Abgeordneten der CDU gestoßen, in denen von einem „kleinen Dienst“ die Rede war. Damit deckte sie einen politischen Skandal auf, der manche Protagonisten der bundesdeutschen Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lässt. Mit seinem Buch „Mutter Blamage. Warum die Nation Angela Merkel und ihre Politik nicht braucht“ (Westend Verlag, Frankfurt 2013) setzt Hebel der weithin positiven Wahrnehmung der Bundeskanzlerin bewusst einen Zweifel entgegen. Hebel, freier Autor und Journalist, wirft Merkel vor, dass sie einer Agenda folge, die neoliberal, marktliberal und wirtschaftshörig wäre. Unter ihrer Regierung sei das Land ungerechter geworden.
Lesart Spezial ist eine Veranstaltungsreihe des KWI in Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung als Medienpartner. Die ausgestrahlten Lesart Spezial-Sendungen können bei Deutschlandradio Kultur nachgehört werden.

[|profil.mschaeffer], 26.03.13

Vortrag: Gewaltkarrieren junger Frauen – Abschluss der Vortragsreihe „Sozialforschung und Politikberatung“

v. l. n. r. Aladin El-Mafaalani, Claudia Equit
© KWI, Foto: Armin Flender

Wie geraten junge Mädchen und Frauen in Gewaltkarrieren und weshalb begehen sie wiederholt Gewalttaten, die mit Bewährungs- oder Gefängnisstrafen geahndet werden? Inwieweit können Institutionen wie Schule und Jugendhilfe auf diese Entwicklung positiv Einfluss nehmen? Über diese Fragen sprach die Dortmunder Erziehungs-wissenschaftlerin Claudia Equit in einem Vortrag am 18. März im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Ihr Vortrag bildete den Abschluss der Veranstaltungsreihe „Sozialforschung und Politikberatung“ des Vereins zur Förderung des KWI.
Ausgehend von dem Thema ihrer Dissertation diskutierte sie insbesondere die situativen Aspekte von gewaltbereiten jungen Mädchen und Frauen und ging auf Möglichkeiten des Ausstiegs und Maßnahmen der Gewaltprävention ein. „Aus dem Kampf um Anerkennung resultiert häufig die Gewaltbereitschaft“, sagte Equit und machte darauf aufmerksam, dass viele der gewaltaktiven jungen Mädchen und Frauen selbst Erfahrungen als Opfer gemacht haben. In ihrer Dissertation hat die Erziehungswissenschaftlerin die Lebenswege gewaltaktiver junger Mädchen und Frauen im Alter von 13 bis 21 Jahren analysiert und die Genese ihres Gewalthandelns unter Rekurs auf Theorien der Anerkennung untersucht. Für ihre Forschungsarbeit „Gewaltkarrieren von Mädchen. Der ‚Kampf um Anerkennung‘ in biografischen Lebensverläufen“ wurde Equit mit dem „Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2012“ ausgezeichnet. Ziel des vom Förderverein des KWI und der Stiftung für Kulturwissenschaften jährlich ausgelobten Preises ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften zu fördern und die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs zu unterstützen.

[|profil.gzecic], 22.03.13

Politische Bildung in Europa: Ergebnisse der NECE-Konferenz „Participation Now!“ liegen vor

NECE (© bpb)

Unter dem Titel „Participation Now! Citizenship Education and Democracy in Times of Change“ diskutierten Akteure der politischen Bildung in Europa vom 21. bis 24. November 2012 bei einer internationalen Konferenz im spanischen Córdoba, organisiert von „Networking European Citizenship Education" (NECE), einer Initiative der Bundezentrale für politische Bildung. Die Ergebnisse aus den zahlreichen Vorträgen, Gesprächen und Workshops der NECE-Konferenz stehen jetzt im Internet zur Verfügung. Im Zentrum der Diskussionen standen aktuelle Fragen zu Demokratie und Partizipation vor dem Hintergrund weltweiter Veränderungsprozesse. KWI-Direktor Claus Leggewie hielt zur Eröffnung der Konferenz vor rund 250 internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Keynote über „The Crisis of the European Project and the Transformation in North Africa: Perspectives for Democracy and Citizenship Education". Die NECE-Konferenz bietet eine Plattform für den Austausch zwischen Multiplikatoren der politischen Bildung und Vertretern der europäischen und arabischen Zivilgesellschaften. Die nächste NECE Konferenz findet vom 14. bis 16. November im niederländischen Den Haag statt.

[|profil.mschaeffer], 19.03.13

Rumäniens magischer Realismus: Autor Mircea Cărtărescu zu Gast im Literarischen Salon

Mircea Cărtărescu
© Stiftung Mercator, Foto: Georg Lukas

Seine Bücher sind Landkarten seines Gehirns, er schreibt mit seinen Erinnerungen, seinen Träumen und Fantasien. Am 6. März war der Schriftsteller Mircea Cărtărescu zu Gast im Literarischen Salon und sprach in der Essener Buchhandlung Proust mit Navid Kermani über sein Opus magnum „Orbitor“ (Zsolnay Verlag). 15 Jahre lang schrieb Cărtărescu an seiner Romantrilogie, die in den Hinterhöfen der rumänischen Hauptstadt Bukarest in den 1960er und 1970er Jahren spielt, ein halluzinatorisches Werk von ungeheuerlicher Sprachkraft. Der metamorphoische Roman ist eine ins Existenzielle, ins Genealogische und Sozialgeschichtliche ausgreifende Chronik, im Mittelpunkt steht der Kampf des Menschen um sich selbst. 2007 erschien in Deutschland Cărtărescus Buch „Die Wissenden“ als erster Teil der „Orbitor“-Trilogie. 2011 ist mit „Der Körper“ der zweite Teil auf Deutsch erschienen.
Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Zu Gast beim nächsten Literarischen Salon am 22. Mai ist der politische Schriftsteller F.C. Delius, der 2011 mit dem Georg-Büchner-Preis, der angesehensten Literaturauszeichnung des Landes, ausgezeichnet wurde.

[|profil.gzecic], 15.03.13

„Medáille Charlemagne pour les Médias Européens“ für Ash

Timothy Garton Ash am 11. Juni 2012 in Essen
© CGR/KHK, Foto: Georg Lukas

Der britische Historiker und Schriftsteller Timothy Garton Ash wird mit der 13. „Médaille Charlemagne pour les Médias Européens“ ausgezeichnet. Sie wird seit 2000 im Vorfeld der Karlspreis-Feierlichkeiten an europäische Persönlichkeiten verliehen, die sich auf dem Gebiet der Medien in besonderer Weise um die europäische Einigung und um die Herausbildung einer europäischen Identität verdient gemacht haben. Der selbsternannte leidenschaftliche Europäer setzte sich stets für die europäische Integration, insbesondere auch mit Blick auf die jüngere Generation, ein. Vor fast einem Jahr hielt Ash auf Einladung des Käte Hamburger Kollegs „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ die erste Käte Hamburger Lecture am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Ash sprach über ein für ihn ebenfalls zentrales Thema: die Meinungsfreiheit. Mit seiner auf einem Forschungsprojekt der Universität Oxford basierenden Website „Free Speech Debate“ bietet Ash eine globale Plattform, auf der in 13 Sprachen über zehn Prinzipienentwürfe zur weltweiten freien Meinungsäußerung diskutiert werden kann. Die Preisverleihung findet am 2. Mai in Aachen statt.

[|profil.mschaeffer], 13.03.13

KWI on Tour: Leggewie stellt „Zukunft im Süden“ auf der lit.COLOGNE vor

Internationales Literaturfest lit.COLOGNE

Im Gespräch mit ARD-Korrespondent Arnd Henz stellt Claus Leggewie, Politikwissenschaftler und KWI-Direktor, beim 13. Internationalen Literaturfest lit.COLOGNE sein jüngstes Buch „Zukunft im Süden – Wie die Mittelmeerunion Europa wiederbeleben kann“ (edition Körber-Stiftung, Hamburg 2012) in der Stadtbibliothek Köln vor. Darin erklärt Leggewie, wie eine Mittelmeerunion Europa trotz der Krisen im Süden wiederbeleben und Alternativen für Energieversorgung und Finanzmärkte entwickeln kann. Als Tor nach Afrika und in den Orient kann die Mittelmeerregion in aller Bescheidenheit ein demokratisches Modell sein für die Staaten der arabischen Welt, die zwischen laizistischen und islamischen Regierungen entscheiden müssen. In „Zukunft im Süden“ plädiert Leggewie für eine neue Vision von Europa rund ums Mittelmeer und führt dabei in die Ursprünge der europäischen Zivilisation zurück.

[|profil.mschaeffer], 11.03.13

Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2013

Förderverein des KWI
© Förderverein KWI

Auch in diesem Jahr vergeben der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und die Stiftung für Kulturwissenschaften den "Dissertationspreis Kulturwissenschaften". Ausgezeichnet werden hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit dem Preis wollen Förderverein und Stiftung die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs unterstützen und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften fördern. Bewerben können sich Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der drei UAMR-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen, deren Promotionsverfahren in den Jahren 2011, 2012 oder bis Ende März 2013 abgeschlossen wurde. Bewerbungsschluss ist der 19. April 2013. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 07.03.13

WBGU-Gutachten als Comic: Die Große Transformation - Klima: Kriegen wir die Kurve?

Die große Transformation – Klima: Kriegen wir die Kurve?
© Jacoby & Stuart

Batman, Spiderman und Mickey Mouse. Aber ein Gutachten von Regierungsberatern als Comic? Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat dieses Experiment erstmals gewagt und sein Gutachten „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ als Comic unter dem Titel „Die Große Transformation – Klima: Kriegen wir die Kurve?“(Jacoby & Stuart, Berlin 2013) aufbereitet. Am 1. März wurde der 140 Seiten starke Band im Deutschen Theater, Berlin, der Öffentlichkeit vorgestellt. In neun Episoden thematisieren die unabhängigen Wissenschaftler als Comic-Helden, unter ihnen Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie, die Große Transformation zur klimaverträglichen, nachhaltigen Gesellschaft und erklären die Grundlagen des Klimawandels, seine Folgen sowie mögliche Gegenmaßnahmen. Die Expertenrunde fordert unter anderem einen neuen "Gesellschaftsvertrag", also einen Konsens über Auswege aus der Klimakrise, die weiterhin "ein gutes Leben" erlauben, wie es Claus Leggewie formuliert.
Das Buch ist Teil eines vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) geförderten Kommunikationsprojektes zur Bewertung alternativer Wissenstransferansätze für komplexe Zukunftsthemen. Zuvor hat der WBGU dieses Gutachten in englischer Sprache bereits als video-basierte Lehrveranstaltung aufgezeichnet, die an Hochschulen eingesetzt werden kann. Die Aufklärungsarbeit des WBGU stärkt die Kooperation von Geo- und Klimawissenschaft, Wirtschaft und Technik, Politik und Alltagskultur mit dem Ziel die unumgängliche große Transformation zu erreichen.

[|profil.mschaeffer], 04.03.13

Der französische Schriftsteller und Diplomat Stéphane Hessel ist tot

Stéphane Hessel in der Essener Lichtburg
© Lichtburg Essen

Stéphane Hessel, Autor der Streitschrift „Empört Euch!“ („Indignez-vous!“), ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Alter von 95 Jahren gestorben. Der 1917 in Berlin geborene Autor und französische Diplomat wurde mit seiner 2010 veröffentlichten Streitschrift „Empört Euch!“ weltweit bekannt, in der der einstige Widerstandskämpfer und KZ-Überlebende die kapitalistische Finanzwirtschaft kritisiert und zum Protest aufgerufen hatte. Der schmale Band trug mit zur Entstehung der Protestbewegungen gegen die Auswüchse des Finanzkapitalismus und die Sparpolitik in New York, London, Madrid und vielen anderen Städten bei, es wurden 4,5 Millionen Exemplare der Schrift verkauft.
Die Nachricht von Stéphane Hessels Tod ist im KWI mit großer Trauer aufgenommen worden, wir denken vor allem auch an die eindrucksvollen Stunden mit ihm im Februar 2012 in Essen zurück. Damals war Hessel einer Einladung nach Essen gefolgt und hat bei einem vom Deutsch-Französischen Zentrum Essen, dem KWI, der Buchhandlung Proust und der Lichtburg gemeinsam veranstalteten Abend über die Themen erzählt, für die er sich sein Leben lang einsetzte: die Einhaltung der Menschrechte, die Rechte von Einwanderern und Flüchtlingen, die Zähmung der kapitalistischen Finanzwirtschaft, den Schutz der Umwelt und die Bewahrung der Demokratie. Im Gespräch mit Hessel führte KWI-Direktor Claus Leggewie zudem durch die verschiedenen Stationen von Hessels ungewöhnlichem Lebensweg als Résistance-Mitglied, Überlebender von Buchenwald, Mitautor der Menscherechts-Charta der UN und als Diplomat.

[|profil.mschaeffer], 28.02.13

Von Aristoteles und Beuys bis Vico und Weber: Vorstellung der „Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften“

v.l. Johanna Hoppen, Marcel Siepmann, Anne Lang, Claus Leggewie
© KWI, Foto: Georg Lukas

Zu den von den Fellows, MitarbeiterInnen und Gästen des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) ausgewählten „Schlüsselwerken der Kulturwissenschaften“ (transcript, Bielefeld 2012) gehören Klassiker wie Hegels „Phänomenologie des Geistes“ und Benjamins „Passagen-Werk“, aber auch Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, der den Science Fiction-Film revolutionierte und als Kunstform etabliert hat. „Die Beiträge, die nach ihrer transdisziplinären Relevanz und in Anlehnung an die Themen- und Projektschwerpunkte des KWI wie Erinnerung, Klimakultur und Verantwortung ausgewählt wurden, sollen Studierenden, NachwuchswissenschaftlerInnen, etablierten Forschenden und interessierten LeserInnen Hilfestellung und Reflexionsbasis sein“, erklärten die HerausgeberInnen die Intention des Bandes bei der Buchvorstellung am 29. Januar im KWI. Anne Lang, wissenschaftliche Mitarbeiterin am KWI, hob drei Merkmale des ausdrücklich nicht als Kanon angelegten Nachschlagewerks hervor: die essayistische Form der Beiträge, die kurz AutorIn und Werk vorstellen und seine Bedeutung für die Kulturwissenschaften analysieren; die Auswahl der Beiträge, die manchen „Klassiker“ bewusst ausklammert und neuere Werke einbezieht, die nach Auffassung der HerausgeberInnen für aktuelle Denkströmungen in den Kulturwissenschaften stehen und schließlich die Entstehung des Buches, dessen Beiträge einem intergenerationellen Austausch jüngerer und fortgeschrittener WissenschaftlerInnen des KWI und seiner Gäste entspringen. KWI-Direktor Claus Leggewie verwies darauf, dass der geographische Fokus des Buches im Wesentlichen auf Europa und den USA liege und die Kulturwissenschaften, wie es Navid Kermani im Nachwort fordert, immer noch vorwiegend Europa- und Nordamerikawissenschaften seien, und sich deshalb um einen globaleren Fokus bemühen müssten.
Eine Besprechung der „Schlüsselwerke“ wurde im Deutschlandfunk (31.01.2013) ausgestrahlt.

[|profil.mschaeffer], 26.02.13

Auftakt der Vortragsreihe "Sozialforschung und Politikberatung": Entfremdung vom Herkunftsmilieu - Ein deutsch-türkischer Vergleich von Aufstiegsbiografien

v.l.n.r. Herbert Prokasky, Claudia Equit, Aladin El-Mafaalani
© KWI, Foto: Susanne Pahl

Kommt es in Biografien von BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus automatisch zu einer Entfremdung von der Herkunft? Welche Rolle spielen die politischen und sozialen Strukturen Deutschlands beim Thema Bildungsaufstieg? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich Aladin El-Mafaalani, Professor an der Fachhochschule Münster, im Rahmen seines Vortrags am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) am 18. Februar beschäftigt. Der Vortrag bildete den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Sozialforschung und Politikberatung“ des Vereins zur Förderung des KWI. Aladin El-Mafaalani, der für sein Forschungsprojekt rund einhundert Interviews geführt hat, referierte über Regelmäßigkeiten in Aufstiegsbiografien. So entfremdeten sich erfolgreiche BildungsaufsteigerInnen in Deutschland von ihrem Herkunftsmilieu, würden ihren Habitus transformieren und sich gegebenen Strukturen anpassen. Nach Meinung des Sozialwissenschaftlers ist es auffallend, dass institutionelle Einrichtungen wie Schule und Universität von den BildungsaufsteigerInnen selten als förderliche Wegweiser empfunden würden. Vielmehr entstehe der Bildungsaufstieg durch einen eigenen Antrieb zur Veränderung, welche erst die Benachteiligungen aufhebe. Die politische Forderung nach Gleichbehandlung allein könne daher keinen Bildungserfolg für alle Schichten garantieren. Stattdessen müssten Ungleichheiten gesellschaftlich akzeptiert und anerkannt werden, forderte El-Mafaalani.
Für seine an der Ruhr-Universität Bochum verfasste Dissertation „BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus. Habitustransformation und soziale Mobilität bei Einheimischen und Türkeistämmigen“ erhielt Aladin El-Mafaalani den „Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2012“. Ziel des vom Förderverein des KWI und der Stiftung für Kulturwissenschaften jährlich ausgelobten Preises ist es, den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften zu fördern und die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs zu unterstützen.

[|profil.mschaeffer], 22.02.13

Ausschreibung: Scholars in Residence 2013/2014

Goethe-Institut

Das Goethe-Institut und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) schreiben zum fünften Mal das wissenschaftliche Residenzprogramm „Scholars in Residence“ für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchs-wissenschaftler aus den internationalen Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften aus. Die Schwerpunktthemen lauten in diesem Jahr Kultur und Klima, Kultur und Ökonomie sowie Kultur und Konflikt. Das Programm bietet jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, intensive Kontakte zu anderen Forschern zu knüpfen, gemeinsame Projekte durchzuführen sowie langfristige bilaterale Kooperationen zu entwickeln. Mehrwöchige gegenseitige Gast-aufenthalte unterstützen den internationalen Wissenschaftsaustausch. Das Residenzprogramm soll ferner den inner- und interdisziplinären Dialog zwischen Exponenten der „öffentlichen Wissenschaft“ fördern, die ein breiteres Publikum anspricht. KWI und Goethe-Institut versprechen sich von dieser dialektischen Perspektive einen Zugewinn an Aktivität im Kulturprojekt- und Forschungsbereich. Interessierte können sich bis zum 8. April für das Residenzprogramm bewerben, weitere Informationen zur Ausschreibung erhalten Sie hier.

[|profil.mschaeffer], 19.02.13

KWI on Tour – Tagung: „Das Vorrücken des Staats in die Fläche im langen 19. Jahrhundert“

Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung
© Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung

Die Entstehung des modernen Staates ist in Europa im späten 18. und 19. Jahrhundert eng mit der Ausweitung der zentralen Staatsgewalt auf die lokale Ebene des Staatsgebietes verknüpft. Diese erfolgte nicht zuletzt durch den Aufbau von Bürokratien und durch die Ausweitung der Staatstätigkeit. Am 21. und 22. Februar veranstalten der Verband der Osteuropahistorikerinnen und –historiker (VOH), das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) eine Tagung zum Thema „Das Vorrücken des Staats in die Fläche im langen 19. Jahrhundert“. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des Forschungsschwerpunktes Europa am KWI, und Jörg Ganzenmüller von der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen der Tagung die Prozesse des Staatsausbaus als Aushandlungsprozess zwischen Agenten der Zentralgewalt und der lokalen Gesellschaften, speziell der ökonomisch Mächtigen sowie sozial Einflussreichen unter ihnen. Die Vergleichsbeispiele stammen aus England, Frankreich, Spanien, verschiedenen deutschen Territorien, der Habsburgermonarchie, Russland und dem Osmanischen Reich. Die zweitägige Tagung findet im Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg statt. Weitere Informationen zum Tagungsprogramm finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 14.02.13

Von Umwegen und komischen Vögeln: Autor Gerbrand Bakker zu Gast im Literarischen Salon

Gerbrand Bakker
© Stiftung Mercator, Foto: Georg Lukas

Als Erzähler des bäuerlichen Milieus, der Landschaft und der Tiere sorgt Gerbrand Bakker mit seinen Romanen europaweit für Furore. In seinen Geschichten geht es um Sterblichkeit und das Sterben, das er lakonisch und mit scharfem Wortwitz aus der Verdrängung heraushebt. Am 23. Januar war der niederländische Blogger und Autor zu Gast bei Navid Kermani und Claus Leggewie im Literarischen Salon und sprach im Essener Grillo-Theater vor ausverkauftem Haus über die Suhrkamp-Krise, seine Arbeit als Schriftsteller, über die Schattenseiten des Lebens und über die Vergangenheit, die nicht vergeht. Bakker las unter anderem auch aus seinem aktuellen Buch „Der Umweg“ (2012). Darin erzählt er die Geschichte um die Anglistik-Dozentin Agnes, die sich ohne das Wissen ihres Ehemannes auf einen Bauernhof in Wales zurückzieht, um dort ausgerechnet über die misslungenen Gedichte der US-amerikanischen Dichterin Emily Dickinsons zu promovieren. Mitgebracht hatte Bakker außerdem Musik die ihn bewegt: zu hören waren ein Stück der britischen Combo „Sugarbabes“ sowie der zweite Teil aus der „Sinfonie Nr. 3“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt.
Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Zu Gast beim nächsten Literarischen Salon am 6. März ist der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu. Der Literarische Salon mit Cărtărescu findet außerplanmäßig in der Essener Buchhandlung Proust statt.

[|profil.gzecic], 08.02.13

Neville Alexander: Leben und Werk für ein anti-rassistisches Südafrika

Neville Alexander
© Herman Agenbag

Neville Alexander, südafrikanischer Anti-Apartheidkämpfer und ehemaliger Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), starb am 27. August 2012 im Alter von 75 Jahren in Kapstadt. In einem jüngst erschienenen Nachruf „Sehnsucht nach Azania“ im „Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft“ würdigt der Politikwissenschaftler Roland Czada das Leben und Werk des Gelehrten und Schriftstellers. Neville Alexander, ein enger Weggefährte Nelson Mandelas, setzte sich seit den 1950er Jahren gegen die Rassentrennung ein und wurde wegen seines Engagements im Widerstand gegen das Apartheidregime von 1964 bis 1974 auf der Gefängnisinsel Robben Island inhaftiert. Kurz vor seinem Tod übernahm der studierte Germanist 2011 die Gastprofessur „Frieden und globale Gerechtigkeit“ an der Universität Osnabrück.
Für seine wissenschaftliche Tätigkeit am KWI waren die „Krupp-Vorlesungen zu Politik und Geschichte“ von zentraler Bedeutung. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe befasste sich Neville Alexander in den Jahren 1999-2000 mit dem Weg seines Landes von der Überwindung der Apartheid bis zur immer noch fragilen Situation der Gegenwart, informierte aus unmittelbarer Anschauung über den schwierigen Prozess der Demokratisierung und fragte stets auch nach der Bedeutung dieses Wandels für den Westen und die Weltpolitik. Alle „Krupp-Vorlesungen“, darunter auch der Vortrag Alexanders „Südafrika. Der Weg von der Apartheid zur Demokratie“, sind in einer eigenen Reihe im Verlag C.H. Beck erschienen. Zu den Vorlesungen hat das KWI bedeutende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, darunter Ralf Dahrendorf und Jutta Limbach, eingeladen, um in öffentlichen Vorträgen einen Überblick über zentrale Themen ihres Lebenswerks zu geben.
Die Nachricht vom Tod Neville Alexanders hat uns tief getroffen. Das KWI trauert um einen warmherzigen Menschen, bedeutenden Gelehrten und um einen von uns allen sehr geschätzten Freund.

[|profil.gzecic], 05.02.13

Modern Islam and the modern West

Abdolkarim Soroush
© KWI, Foto: Georg Lukas

„Love is a product of knowledge, not ignorance“, so lautete der Leitsatz, unter dem Abdolkarim Soroush am 29. Januar am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) sein Verständnis eines Austauschs zwischen dem Islam und der westlichen Welt skizzierte. Soroush, der zu den bekanntesten Philosophen der iranischen Welt zählt, sprach bei seinem Besuch über moderne Interpretationen des Islams und des säkularen Westens. Er betrachtet die Menschheit als von einem Rahmen ständig sich wandelnder Selbst- und Fremdbeobachtungen und -deutungen umgeben. Zur Veranschaulichung der westlichen und islamischen Beziehungen, beschreibt Soroush den Westen aus Perspektive des Islams als bipolares Konstrukt. „The mother West has both an ugly and a pretty child“: So blicke der Westen neben seinen kulturellen, technologischen und wissenschaftlichen Errungenschaften, auch auf eine Geschichte der Inquisition, der Kolonialisierung und des Faschismus zurück. Die islamische Welt stehe nun vor der Aufgabe, eine eigene Art von Modernität zu entwickeln. Dabei sieht Soroush die übermäßige Essentialisierung des Islams und des Westens als Gefahr für den kulturellen und politischen Austausch. Vielmehr wünscht er sich eine Annäherung der beiden Kulturen, die auf Verständnis und Kooperation basieren solle.
Der Vortrag und die anschließende Diskussion wurden von Alexandra Przyrembel, Senior Fellow am KWI und Leiterin des Forschungsbereichs 2 „Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation“ am Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research, moderiert.

[|profil.mschaeffer], 01.02.13

Lesart Spezial: „Entfesselte Finanzmärkte – und wie man sie wieder einbettet“

v.l. Georg Schuermann, Klaus Kraemer, Claus Leggewie
© Buchhandlung Proust, Foto: Peter Kolling

„Ein Umdenken in Bezug auf die Finanzmärkte erreichen wir nur, wenn wir uns von dem weit verbreiteten Bild des rationalen und effizienten Marktes verabschieden und erkennen, dass er ähnlichen Mechanismen und Strukturen unterliegt, wie die Gesamtgesellschaft“, sagte der Soziologe Klaus Kraemer bei Lesart Spezial am 22. Januar im Essener Grillo-Theater. „Das würde den Blick dafür öffnen, dass die durch die Finanzmärkte maßgeblich herbeigeführten aktuellen Krisen moderner Gesellschaften nicht allein durch Ökonomie erklärbar und bei der Lösungssuche gesellschaftliche, politische und kulturelle Aspekte wichtig sind.“ Die Frage, wie Banken und Börsen als soziale Institutionen funktionieren und wie man ein den Menschen und Unternehmen dienendes Finanzsystem schaffen kann, diskutierte KWI-Direktor Claus Leggewie vor rund 110 Zuschauern auch mit Georg Schuermann, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung der Triodos Bank. Schuermann erzählte am Beispiel der Triodos Bank, wie nachhaltiges Investieren mit gesellschaftlicher Rendite einhergehen kann, beispielsweise durch die Finanzierung von Schulen, Altenheimen oder regenerativen Energien. „Es ist nichts Verwerfliches, Aktien zu kaufen und einem Unternehmen, dass mit Menschen und Ressourcen verantwortlich umgeht, längerfristig Eigenkapital zur Verfügung zu stellen – es sind die Kurzfristigkeit der Investitionen und die maximale Gewinnerwartung vieler Investoren, die zu den Exzessen im Finanzsystem geführt haben“, so Schuermann. Diskutanten und Publikum waren sich darüber einig, dass es keine einfache Lösung der Problematik gibt. Als wichtige Ansatzpunkte wurde mehr Transparenz von Finanzprodukten genannt und professionelles Wissen über das globale Finanzwesen auf allen Ebenen angemahnt: In der Politik, der eine Kontrollfunktion zukommt, im Bildungswesen, aber auch unter den Bürgern und Verbrauchern, die durch ihr Verhalten Einfluss nehmen können. Eine wichtige Forderung waren weiterhin globale Einrichtungen, die helfen, den Finanzmarkt zu regulieren und Hochrisikogeschäfte zu sanktionieren.
Lesart Spezial ist eine Veranstaltungsreihe des KWI in Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung als Medienpartner. Die ausgestrahlten Lesart Spezial-Sendungen können bei Deutschlandradio Kultur nachgehört werden.

[|profil.mschaeffer], 30.01.13

KWI on Tour: „Geteilte Erinnerung. Zur Kollektiven Identität des europäischen Demos“ – Hörsaal City mit Claus Leggewie

© Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Am 6. Februar ist KWI-Direktor Claus Leggewie zu Gast im „Haus der Geschichte des Ruhrgebiets“ und spricht im Rahmen der Vortragsreihe Hörsaal City über das Thema „Geteilte Erinnerung. Zur Kollektiven Identität des europäischen Demos“. Manche Zeitgenossen behaupten, ein europäisches Volk könnte es niemals geben. Politikwissenschaftler Claus Leggewie hält dagegen und analysiert die „geteilten Erinnerungen“ als mindestens ebenso wichtige Voraussetzungen europäischer „Wir-Identität“ wie Binnenmarkt, Euro-Währung und Freizügigkeit von Kapital und Arbeit. Dass der europäische Kontinent seine kollektive Identität der Bearbeitung von gemeinsamen Erinnerungskonflikten verdankt, wird Leggewie in seinem Vortrag an Beispielen aus dem deutsch-französischen und deutsch-polnischen Verhältnis sowie aus den euro-mediterranen Beziehungen erläutern.
„Hörsaal City“ ist die zentrale Vorlesungsreihe der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im „Haus der Geschichte des Ruhrgebiets“ unter der Schirmherrschaft des Rektorats. Das Projekt will eine Brücke in die Stadt schlagen und den Bürgern Bochums und der Ruhrregion aktuelle Themen und Forschungsergebnisse verständlich präsentieren und zur Diskussion stellen. „Wie wir uns erinnern ... – Vom Gedächtnis zur Gedenkkultur“ ist das Thema der Vortragsreihe „Hörsaal City“ im Wintersemester 2012 /2013.

[|profil.gzecic], 28.01.13

KWI on Tour: „Democracy, Visibilty and Resistance“ - 3. Käte Hamburger Lecture mit David Chandler

Bild Chandler
© KHK / GCR 21, Foto: Kissel Kobe

Während umstrittene Fragen von Politik, Macht und Widerstand ehemals in der kritischen Auseinandersetzung in Volksparteien, Gewerkschaften und Verbänden jederzeit öffentlich sichtbar waren, scheint heutzutage die kritische Aushandlung in öffentlichen Diskursen weitaus weniger bedeutsam zu sein. Was im Parlament oder auf staatlicher Ebene passiert, ist – zumindest nach Ansicht vieler politischer Beobachter – weniger wichtig als die Politik im „alltäglichen Leben“, die sich in unseren privaten Entscheidungen und Beschlüssen jenseits der Öffentlichkeit abspielt. Inwieweit hat sich die politische Macht vom Staat zur Gesellschaft verschoben? Über diese und weitere Fragen spricht David Chandler, Senior Fellow am Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research und Professor für Internationale Beziehungen, im Rahmen der 3. Käte Hamburger Lecture am 6. Februar im Duisburger Gerhard-Mercator-Haus. In seinem Vortrag befasst er sich mit dem Niedergang der Öffentlichkeit als dem ehemaligen Zentrum politischen Lebens in unseren modernen Demokratien. Volker Heins, Leiter des Forschungsbereichs InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), und Kai Koddenbrock, Fellow am Global Public Policy Institute (GPPI), werden den Vortrag Chandlers kommentieren. Im Anschluss an den Vortrag folgt eine Podiumsdiskussion, das Publikum ist herzlich dazu eingeladen, daran teilzunehmen.
Die Lecture ist eine öffentliche Veranstaltung des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research und findet in englischer Sprache statt. Beteiligte Institute des Duisburger Käte Hamburger Kollegs (KHK) sind das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI). Weitere Informationen zur 3. Käte Hamburger Lecture „Democracy, Visibilty and Resistance“ finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 25.01.13

Das KWI in 2012/2013

Das KWI in der Goethestraße in Essen
© Brigitte Krämer

Das vergangene Jahr war für das KWI erneut ein vielseitiges, wissenschaftlich spannendes und bewegtes Jahr: Über 60 Veranstaltungen und rund 20 Publikationen haben wir in 2012 gemeinsam mit vielen Partnern regional und national verwirklichen können. Ein ganz besonderes Highlight für uns war die Auszeichnung als Ort des Fortschritts durch die NRW-Wissenschaftsministerin. Während sich die Veranstaltungsreihe CineScience im Wissenschaftsjahr 2012 ganz der Nachhaltigkeitsforschung widmete, feierte die Reihe Lesart Spezial im Dezember ihren fünften Geburtstag. Mit der Veröffentlichung des letzten Bandes der Enzyklopädie der Neuzeit wurde ein neues Standardwerk der Geschichtswissenschaft erfolgreich abgeschlossen. In dem aktuell erschienenen Nachschlagewerk Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KWI wichtige Werke der Kulturwissenschaften in einem Band versammelt. Einer der Höhepunkte in 2012 war auch die Eröffnung des zehnten Käte Hamburger Kollegs „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ (KHK) in Duisburg, das mit seinem Forschungsbereich 2 Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation wissenschaftlich mit dem KWI verbunden ist. In Anlehnung an diesen Forschungsbereich begrüßte das KWI im Sommer den renommierten Historiker Timothy Garton Ash zur 1. Käte Hamburger Lecture, im Rahmen der Ruhrtriennale 2012 führte es gemeinsam mit dem KHK den Workshop Beispiele gelingender Kooperation (1) – Künstlerische Praxis und Improvisation durch.
Im Jahr 2013 werden der neu ins Leben gerufene Forschungsschwerpunkt Europa unter der Leitung der Historikerin Tatjana Tönsmeyer und der Schwerpunkt InterKultur, geleitet von dem Politologen Volker Heins, weitere Akzente setzen. Mit bereits eingeworbenen Drittmitteln und dem Beginn spannender Forschungsprojekte im Bereich Bürgerbeteiligung wird es uns zudem möglich sein, in den nächsten Jahren mit rund einem Dutzend Forscherinnen und Forscher am KWI den Schwerpunkt „Verantwortung“ und „Partizipation“ auszubauen. Gemeinsam mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und weiteren Partnern aus der Region wird das Institut zudem die Umsetzung der Energiewende in den Ruhrgebiets-Kommunen erforschen und begleiten.
Mehr über unsere Aktivitäten im Jahr 2013 erfahren Sie im Laufe des Jahres an dieser Stelle!

[|profil.gzecic], 24.01.13

Neuerscheinung: „Multikulturalität in Europa“

Multikulturalität in Europa
© transcript-Verlag

Die „multikulturelle Gesellschaft“ führt regelmäßig zu heftigen Reaktionen in der öffentlichen Diskussion. Für die einen ist sie Ausdruck einer Vision des bereichernden Zusammenlebens verschiedener Kulturen, für die anderen das Symbol einer Gesellschaft ohne nationale Identität. Ein konfliktfreies multikulturelles Miteinander voller Harmonie scheint illusorisch. Realistisch ist jedoch der Anspruch, Chancen und Güter nicht nach ethnischen Kriterien zu verteilen. Eine gerechte Welt kann nur über Solidarität unter Gleichwertigen gestaltet werden – ohne Anschauung der ethnischen Zugehörigkeit. Der aktuell im transcript-Verlag in der Buchreihe Europäische Horizonte erschienene Band „Multikulturalität in Europa. Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft“ geht der Frage nach, wie dies gelingen kann.
Die Initiative „Europäische Horizonte“ ist eine gemeinschaftliche Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), verschiedener öffentlichkeitswirksamer Institutionen der Stadt Aachen sowie der EU-Vertretung in Bonn. Angeregt durch ihren Themenschwerpunkt, wurde beim transcript-Verlag im Jahr 2011 eine gleichnamige Publikationsreihe ins Leben gerufen, die unter anderen von KWI-Direktor Claus Leggewie und Friedrich Jaeger herausgegeben wird. An der Neuerscheinung „Multikulturalität in Europa“ ist Claus Leggewie zudem mit dem Beitrag „Multikulti 2012. Aktualität und Veraltung eines Begriffs“ beteiligt.

[|profil.gzecic], 18.01.13

Axel Honneth spricht in Bochum über das Recht der Freiheit

Axel Honneth
© Suhrkamp Verlag, Foto: Armin Pongs

Mit dem Sozialphilosophen Axel Honneth spricht am 24. Januar einer der wichtigsten lebenden Vertreter der Frankfurter Schule an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Der Vortrag "Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse. Skizze eines Programms" findet auf Initiative von Corinna Mieth, Professorin für Philosophie an der RUB und Vorstandsmitglied des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) statt und wird vom Institut für Philosophie in Zusammenarbeit mit dem KWI veranstaltet. Im Mittelpunkt des Vortrags steht ein Programm, das auch zentral für Honneths aktuelles Buch „Das Recht der Freiheit – Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit“ ist: Die Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse neu begründen. Honneth gewinnt die heute maßgeblichen Kriterien sozialer Gerechtigkeit aus jenen normativen Ansprüchen, die sich innerhalb der westlichen, liberaldemokratischen Gesellschaften herausgebildet haben. Zusammen machen sie das aus, was Honneth „demokratische Sittlichkeit“ nennt: Ein System nicht nur rechtlich verankerter, sondern auch institutionell eingespielter Handlungsnormen, die moralische Legitimität besitzen. Zur Begründung dieser Theorie zeigt Honneth auf, dass alle wesentlichen Handlungssphären westlicher Gesellschaften ein Merkmal teilen: Sie haben den Anspruch, einen jeweils besonderen Aspekt von individueller Freiheit zu verwirklichen. Axel Honneths Buch bildet auch die Diskussionsgrundlage für den Workshop „Das Recht der Freiheit“, der am 25. Januar in der RUB stattfindet. Kommentiert wird die Veranstaltung von Volker Heins, Leiter des Forschungsbereichs Interkultur am KWI, sowie von Daniela Zumpf vom Institut für Philosophie.

[|profil.mschaeffer], 15.01.13

Neuerscheinung: „Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften“

Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften
© transcript-Verlag

Was ist eigentlich der Kern der „Kulturwissenschaften“? Das aktuell im Bielefelder transcript-Verlag erschienene Nachschlagwerk „Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften“ (2012) unternimmt zum ersten Mal den Versuch, Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften in einem Band in verständlicher Sprache zu versammeln. Am 29. Januar stellen die HerausgeberInnen Claus Leggewie, Dariuš Zifonun, Anne Lang, Marcel Siepmann und Johanna Hoppen das neue Sammelwerk der Öffentlichkeit vor. Die Buchpräsentation findet um 19.00 Uhr im Kulturwissen-schaftlichen Institut Essen (KWI) statt. Die Publikation versteht Kulturwissenschaften als „fächerübergreifende Orientierung“ (Bachmann-Medick 2007) und spiegelt in weiten Teilen die inter- und transdisziplinäre Forschungs-arbeit und Diskussion am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) wider. Wichtiger Ausgangspunkt für den Band waren die kollegialen Diskussionen innerhalb des KWI und seinen vier Forschungsbereichen über Inhalte kulturwissenschaftlicher Forschung. In dem Band stellen über 100 Aufsätze die jeweiligen Werke vor und zeigen ihre Relevanz für die Kulturwissenschaften auf.
Im Rahmen der öffentlichen Buchpräsentation am 29. Januar wird der Sozial- und Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum) in einem kurzen Impulsvortrag zu aktuellen Tendenzen in den Kulturwissenschaften referieren und daran anlehnend das Gesamtkonzept der Publikation kommentieren. Im Anschluss wird er gemeinsam mit den fünf HerausgeberInnen und dem Publikum den Band diskutieren.

[|profil.gzecic], 08.01.13

Abschlussveranstaltung – CineScience im Wissenschaftsjahr 2012: „Ein Neandertaler im Jahr 102012? Handeln unter Unsicherheit“

CineScience - Zukunftsprojekt Erde
© Kulturwissenschaftluches Institut Essen (KWI)

Was bedeutet es, wenn Atommüll für mindestens 100.000 Jahre sicher gelagert werden muss, wir heute aber kaum verstehen, wie der Neandertaler vor 30.000 Jahren gehandelt hat? Wer übernimmt die Verantwortung für soziale, politische und umweltschädliche Folgen? Welche Verantwortung trägt die Gesellschaft und welche die Wissenschaft? Die Erfolge der Wissenschaft für den technischen Fortschritt und den Aufbau von Wohlstand sind unbestritten. Im Dienste des Fortschritts galt Wissenschaft lange als zweckfreie und wertneutrale Tätigkeit, die als „reine“ Forschung weder die Konsequenzen ihrer Forschung tragen noch Verantwortung für soziale, politische und umweltschädliche Folgen übernehmen musste. Bei der Abschlussveranstaltung der CineScience-Reihe im Wissenschaftsjahr 2012 am 18. Dezember im Essener Filmstudio Glückauf diskutierten die Politikwissenschaftlerinnen Anne Kroh und Sophia Schönborn sowie der Historiker Armin Flender über Forschungsergebnisse und technogische Errungenschaften, die in ihren ethischen Folgen heute nicht absehbar sind und daher Unsicherheiten für das heutige menschliche Handeln mit sich bringen. Neben Filmausschnitten aus der Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“, einem Imagefilm von Monsanto sowie der Dokumentation „Leben außer Kontrolle“ über das Thema Gentechnik wurde insbesondere der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Into Eternity“ (2009) besprochen, der diese Unsicherheiten am Beispiel des weltweit ersten Atommüll-Endlagers „Onkalo“ in Finnland verdeutlicht.
„Ein Neandertaler im Jahr 102012? Handeln unter Unsicherheit“ war die Abschlussveranstaltung der Reihe „CineScience Zukunftsprojekt Erde im Wissenschaftsjahr 2012“. Im Rahmen dieser Reihe widmete das KWI in Kooperation mit dem Filmstudio Glückauf insgesamt sieben Abende verschiedenen Aspekten der sozialwissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung (u.a. Klimawandel, Konsum, Ernährung, Energie). Anhand von Filmausschnitten setzten sich Forschende des KWI mit den jeweiligen Themen auseinander und debattierten mit dem Publikum sowie Gästen aus der Wissenschaft. „CineScience Zukunftsprojekt Erde“ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

[|profil.gzecic], 03.01.13

Neuerscheinung: „Adelige Moderne“

Buchcover \
© Böhlau Verlag

Das 19. Jahrhundert gilt als bürgerliches Jahrhundert. In ihrer jüngsten Studie zeigt Tatjana Tönsmeyer, Leiterin des neu eingerichteten Forschungsschwerpunktes „Europa“ am KWI, jedoch, dass die Geschichte des europäischen Adels dieser Zeit nicht als Untergangsgeschichte zu lesen ist. Vielmehr vermochten sich gerade großgrundbesitzende hochadelige Gruppen erfolgreich zu behaupten. In ihrer jüngst im Böhlau-Verlag erschienen Habilitation „Adelige Moderne. Großgrundbesitz und ländliche Gesellschaft in England und Böhmen (1848-1918)“ beleuchtet Tönsmeyer diese Prozesse einer Stabilisierung auf dem Lande. Sie analysiert, aufgrund welcher Eigenlogiken, Sinnstiftungen und Praktiken Magnaten ein Obenbleiben in den Interaktionen mit nichtadeligen Gruppen auszuhandeln vermochten. Sichtbar werden dabei spezifische Mischungsverhältnisse aus Traditionalität und Modernität und somit ländlich geprägte Räume, die integraler Bestandteil von Gesellschaften auf dem Weg in die Moderne waren.
Tatjana Tönsmeyer ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal und stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Osteuropahistorikerinnen und Historiker (VOH).

[|profil.mschaeffer], 28.12.12

„Lesart Spezial“ feiert 5-jährigen Geburtstag mit Heiner Goebbels und Holger Noltze

Lesart Spezial
© KWI, Foto: Sandra Kozok

Zum 5-jährigen Geburtstag der Reihe „Lesart Spezial“ begrüßte Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), am 11. Dezember Heiner Goebbels und Holger Noltze im Café Central des Essener Grillo Theaters. In der Jubiläumsausgabe „Kulturland Deutschland. Eine Ermunterung“ diskutierte Leggewie mit seinen Gästen und dem Publikum über die Zukunft der deutschen Kulturlandschaft und den Ästhetikbegriff der Gegenwart. Heiner Goebbels, Intendant der Ruhrtriennale und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft, sprach über das Buch „Ästhetik der Abwesenheit. Texte zum Theater” (Verlag Theater der Zeit, Berlin 2012), das anlässlich seines 60. Geburtstages die wichtigsten Texte zum Theater und ein vollständiges Werkverzeichnis in einem Band zusammenfasst. Im Dialog bekräftigte Goebbels die Bedeutung der menschlichen Imagination als Grundlage seiner Idee vom Theater. Der Kulturjournalist und Professor für Musik und Medien Holger Noltze wandte sich mit seinem Buch „Musikland Deutschland. Eine Verteidigung“ (Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2012) gegen den Tabula Rasa-Gedanken und forderte mehr gesellschaftliche Wertschätzung für den kulturellen Reichtum in Deutschland.
Die Reihe „Lesart Spezial“ wurde 2007 auf Initiative von Claus Leggewie ins Leben gerufen und blickt inzwischen auf 30 Veranstaltungen, 58 Gesprächsgäste, 60 Buchvorstellungen und Buchtipps sowie ein Gesamtpublikum von mehr als 2500 Zuschauern zurück. „Lesart Spezial“ wird vom KWI in Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust sowie unter Beteiligung der WAZ als Medienpartner veranstaltet.

[|profil.gzecic], 21.12.12

Tatjana Tönsmeyer erhält Herder Chair

Prof. Dr. Tatjana Tönsmeyer

Das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung hat Tatjana Tönsmeyer auf drei Jahre einen Herder Chair verliehen, der der Vernetzung des Instituts mit externen Experten dient. Die Historikerin ist seit Oktober Leiterin des neu eingerichteten Forschungsschwerpunktes „Europa“ am KWI und Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal.
Leitend für den neuen Forschungsschwerpunkt „Europa“ ist ein Verständnis der europäischen Geschichte als integrierter Geschichte des westlichen und östlichen Europa in seinen transatlantischen Beziehungen. „Dieser in der deutschen Forschungslandschaft bislang wenig verbreitete Ansatz erlaubt uns, einen weithin noch vorhandenen Ost-West-Gegensatz zu überwinden und dafür den Blick stärker auf Gemeinsamkeiten und spezifische Entwicklungsvariationen zu richten, die bis in die Gegenwart hineinreichen und diese vielfach nach wie vor prägen“, erklärt Tönsmeyer. Der Ansatz wird unter anderem auf die Erfahrungsgeschichte des Zweiten Weltkrieges, speziell die Alltags- und Besatzungsgeschichte, und auf die Wege europäischer Gesellschaften in die Moderne angewendet. So werden beispielsweise in einem von der Leibnitz-Gemeinschaft geförderten europaweiten Editions- und Forschungsprojekt die vielfältigen und komplexen Situationen untersucht, die das Alltagsleben in den von der Wehrmacht besetzten Staaten Europas prägten. Das Projekt nimmt damit ein für die europäische Erinnerungs- und Geschichtspolitik nach wie vor zentrales Themenfeld in den Blick, das länderübergreifend bisher so nicht dokumentiert und in Forschungsstudien nur sehr asymmetrisch für die einzelnen Länder erschlossen ist.

[|profil.mschaeffer], 17.12.12

Tagung: „Das Ende der Freiheit? Eine Debatte über den Liberalismus in Zeiten der Finanz- und Klimakrise“

Ludger Heidbrink
© KWI, Foto: Johannes Reidel

Kann der Liberalismus auf die gegenwärtigen globalen Herausforderungen angemessen reagieren und zur gesellschaftlichen Transformation in Richtung auf eine nachhaltig organisierte Gesellschaft beitragen? Diese Frage stand im Zentrum der Tagung „Das Ende der Freiheit? Eine Debatte über den Liberalismus in Zeiten der Finanz- und Klimakrise“, die am 10. Dezember am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) stattfand. Politikwissenschaftler, Philosophen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler und Publizisten diskutierten hier im Rahmen von drei Panels über den Liberalismus der Gegenwart und vor allem der Zukunft. Anlass für die Veranstaltung war der Abschied von Ludger Heidbrink, der nach acht Jahren als Leiter des Forschungsbereichs „Verantwortungskultur“ am KWI nun einem Ruf an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel folgt. KWI-Direktor Claus Leggewie würdigte in seiner Begrüßungs- und Dankesrede Ludger Heidbrinks langjährigen und folgenreichen Beitrag zum Programm des Instituts, seine Erfolge bei der Einwerbung von Drittmitteln und seine produktive Mitwirkung in Projekten und im Vorstand des Instituts. Der Philosoph Ludger Heidbrink beschäftigte sich am KWI vor allem mit Fragen der Wirtschafts- und Unternehmensethik, nachhaltigem Konsum und den moralischen Grundlagen der Marktwirtschaft. Er war am KWI Direktor des Center for Responsibility Research (CRR), das sich aus einer interdisziplinären Perspektive mit Fragen der Verantwortung in der gegenwärtigen Gesellschaft befasst.

[|profil.gzecic], 13.12.12

Publikation „NRW und Polen im Dialog“

Abschlussdokumentation
© KWI, Foto: Georg Lukas

Die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte stand lange Zeit im Fokus der deutsch-polnischen Beziehungen. Die gegenwärtigen Herausforderungen, mit denen beide Länder in einem zusammenwachsenden Europa konfrontiert sind, ähneln sich jedoch und bieten die Gelegenheit, neue Themen in den binationalen Dialog aufzunehmen. Die wissenschaftliche Begleitreihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“ zum Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) hat sich dieser Neuvermessung der Beziehungen zwischen Polen und Deutschland und insbesondere zwischen Polen und Nordrhein-Westfalen angenommen. Die Reihe hat junge Nachwuchskräfte aus NRW und Polen zur Diskussion über gegenwärtig für beide Länder relevante Themen, wie Arbeitnehmerfreizügigkeit, Energie- und Klimapolitik und religiöse Vielfalt, zusammengeführt. In Zusammenarbeit mit Experten aus Wissenschaft und Praxis haben sie gemeinsame und unterschiedliche Herangehensweisen diskutiert. Herausgekommen sind sowohl konkrete Anregungen, wie entsprechenden Themen im bilateralen Verhältnis zukünftig begegnet werden kann als auch persönliche Gedanken zu einem Umgang damit. Die Publikation bietet sowohl für Entscheidungsträger als auch für Wissenschaftler und Interessierte aus beiden Ländern aufschlussreiche Einblicke in aktuelle Entwicklungen der deutsch- bzw. NRW-polnischen Beziehungen.
Die Publikation „NRW und Polen im Dialog“ / „NRW i Polska w dialogu“ steht ab sofort online zur Verfügung und kann darüber hinaus kostenlos über die Pressestelle des KWI angefordert werden. Die Veranstaltung „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“ fand im Auftrag der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen statt.

[|profil.gzecic], 10.12.12

Neuerscheinung: WerkstattGeschichte "sichtbar/verborgen-Diskurse über `Rasse` in der Moderne"

WerkstattGeschichte
© Klartext-Verlag

Die 59. Ausgabe der WerkstattGeschichte „sichtbar/verborgen“ widmet sich Diskursen, Definitionsfragen und Ideologien über „Rassen“ in der Moderne. Das Themenheft vertieft die Frage nach jenem Austauschprozess „sichtbarer“ und „verborgener“ Kriterien, der im 20. Jahrhundert in spezifischen zeitlichen und kulturellen Kontexten, darunter im Deutschen Kaiserreich, im (post-)kolonialen Afrika und in den amerikanischen Südstaaten, zu einer (Neu-)Bestimmung rassisch begründeter Differenz führte und in manchen Fällen Akte physischer Gewalt legitimierte. Die Beiträge des Themenheftes zeigen, dass die Kategorie „Rasse“ auf einem komplizierten Prozess von Zuschreibungen beruht. Sie thematisieren das breite Spektrum potentiell möglicher Erscheinungsformen der Vorstellungen von „Rasse“. Die neue Ausgabe der WerkstattGeschichte „sichtbar/verborgen“, herausgegeben vom Verein für kritische Geschichtsschreibung e.V., ist im Klartext Verlag erschienen. Mitherausgeberin des Thementeils der aktuellen Ausgabe ist Alexandra Pzyrembel. Die Historikerin ist Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und Leiterin des am KWI thematisch angesiedelten Forschungsbereichs „Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation” am Centre for Global Cooperation Research / Käte Hamburger Kolleg.

[|profil.gzecic], 06.12.12

„Beyond 2015: Getting Serious about Global Justice - 2. Käte Hamburger Lecture“

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Am 6. Dezember 2012 laden das Käte Hamburger Kolleg (KHK) zusammen mit der Stiftung für Entwicklung und Frieden (SEF) zur zweiten Käte Hamburger Lecture mit Prof. Thomas Pogge ein. Der renommierte Akademiker ist einer der aktivsten Analysten der gegenwärtigen Herausforderungen für globale Gerechtigkeit. Pogge, Leitender Professor für Philosophie und Internationale Beziehungen an der Yale University, plädiert dafür, den Ansatz der Millenium Development Goals (MDG) nach 2015 durch konkrete institutionelle Reformen zu ersetzen, die auch wohlhabendere Staaten in die Verantwortung nehmen. Die beiden Wissenschaftler Jan Aart Scholte (KHK-Senior Fellow und Professor für Politik an der University of Warwick) und Tania Rödiger-Vorwerk (Direktorin des Post-2015 Sherpa-Programms des BMZ) werden den Vortrag kommentieren. Moderiert wird die Lecture von Thomas Spitzley, Professor für Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Im Anschluss wird die Lecture, die im Grand City Hotel Duisburger Hof in englischer Sprache stattfindet, für eine Diskussion geöffnet.
Beteiligte Institute des Duisburger Käte Hamburger Kollegs (KHK) sind das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI).
Weitere Informationen zur 2. Käte Hamburger Lecture: „Beyond 2015: Getting Serious about Global Justice“ finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 05.12.12

Daniel Cohn-Bendit, Claus Leggewie und Guy Verhofstadt diskutieren: „Europa in neuer Verfassung“

Diskussion
© KWI, Foto: Georg Lukas

„If we want to save the EU, we need to create a political union!“, bekräftigte der belgische Politiker Guy Verhofstadt am 27. November beim Podiumsgespräch im Festsaal der Philharmonie Essen seine Bestrebungen zur Reformierung der Europäischen Union. Zusammen mit KWI-Direktor Claus Leggewie und Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit diskutierte Verhofstadt vor dem Hintergrund der Europa-Krise über Verfassungs- und Demokratiefragen. Rund 230 Zuschauerinnen und Zuschauer erschienen zu der Veranstaltung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), der edition Körber Stiftung und der Europäischen Horizonte. Im Rahmen der zweistündigen Debatte brachte sich das Publikum durch Fragen in die Diskussion ein. Verhofstadt, der 2002 als belgischer Premierminister den Euro selbst mit auf den Weg brachte, illustrierte gemeinsam mit Cohn-Bendit Wege aus der politischen und ökonomischen Krise. Nach Cohn-Bendits Aussage könne die kommende Europawahl als Chance begriffen werden, Europa zu einer neuen Verfassung zu führen. Er forderte ein reformiertes Wahlsystem, bei dem nicht nur für nationale Parteien, sondern auch für einen Präsidentschaftskandidaten der Kommission gestimmt werden könne. Ob diese Form des transnationalen Wahlkampfs bis 2014 durchsetzbar ist, hält Cohn-Bendit allerdings für fraglich. Mit seinen Lösungsvorschlägen zur europäischen Finanzkrise und den Anregungen zur Bürgerbeteiligung forderte der Politiker die Europapolitik schließlich zum Handeln auf: „Wir treffen im Moment zu spät und zu wenige Entscheidungen!“ Claus Leggewie, Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhofstadt haben an diesem Abend ein Beispiel dafür gegeben, wie diese Entscheidungen in Zukunft aussehen könnten.
Anlass für die Podiumsdiskussion war das Erscheinen zweier Bücher: „Für Europa! Ein Manifest“ (Hanser Verlag, München 2012) von Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhofstadt und „Zukunft im Süden. Wie die Mittelmeerunion Europa wiederbeleben kann“ (edition Körber-Stiftung, Hamburg 2012) von Claus Leggewie.
Die Podiumsdiskussion „Europa in neuer Verfassung“ in Bildern und als Podcast finden Sie hier

[|profil.mschaeffer], 02.12.12

Podiumsdiskussion: CineScience im Wissenschaftsjahr 2012: Apocalypse Tomorrow? Die ökologische Krise im Film

v.l.n.r. Claus Leggewie, Peter Unfried, Hilde. W. Hoffmann, Jürgen Kropp, Ismeni Walter, Sebastian Wessels
© KWI, Foto: Georg Lukas

Das Wissen über den Klimawandel und seine Folgen ist heute in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft weit verbreitet und dennoch haben Menschen ihr Verhalten bisher noch nicht nachhaltig verändert. Diese Problematik stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion des KWI am 26. November im Essener Filmstudio Glückauf. Auf die Frage, wie das Medium Film zu einer erfolgreichen Veränderungskommunikation beitragen und Menschen zum Handeln anregen könne, antwortete die Filmemacherin Ismeni Walter, dass sie in ihren Filmen dem Publikum ein möglichst differenziertes Bild der Problematik aufzeige, damit die Menschen selbst eine Handlungsentscheidung treffen können. Dass Filme nicht belehren sollten und Menschen eher durch im Film vorgelebtes Handeln zu einer Änderung ihres Verhaltens motiviert würden, war auch die Überzeugung der Bochumer Medienwissenschaftlerin Hilde W. Hoffmann. Sie forderte zudem, dass der Film nicht nur als Mittel der politischen Bildung eingesetzt werden dürfe, sondern - wie in den 1960er Jahren - seine politische Wirkungskraft nutzen sollte. Am Beispiel des Kurzfilms „Earthbook“ der Climate Media Factory, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen, zeigte der Projektleiter und Klimaforscher Jürgen Kropp, wie „Edutainment“ eine wichtige Rolle bei der Veränderungskommunikation spielen kann: Angelehnt an das Format von „Facebook“ spreche der Film insbesondere jüngere Menschen an, indem er auf den „Coolness-Faktor“ setzt. Kropp betonte auch die Herausforderung, dass die unterschiedlichen gesellschaftlichen und generationellen Gruppen nur über sehr verschiedene Narrative erreicht werden können. Klassische Dokumentationen zu den verschiedenen ökologischen Problemen gibt es seiner Meinung nach genug, es fehle an neuartigen Formaten, die die Menschen direkt ansprächen. Zudem müssten insbesondere auf der internationalen Ebene immer auch die regionalen und strukturellen Begebenheiten berücksichtig werden. Peter Unfried, taz-Chefreporter und Autor des Buches „Öko: Al Gore, der neue Kühlschrank und ich“ (Dumont Buchverlag), erzählte, wie ihn Al Gores Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit" (2006) zum Umdenken und Handeln veranlasst habe. Der einzige Weg zu einem veränderten Handeln führe über die Entscheidung des Einzelnen, unabhängig von den deutschen und weltweiten Schwierigkeiten, eine Lösung für die Klimaproblematik zu erreichen.
KWI-Direktor Claus Leggewie und KWI-Fellow Sebastian Wessels moderierten die Diskussion, in die das Publikum einbezogen und Filmausschnitte aus „The Day After Tomorrow“ (2004) und „Eine unbequeme Wahrheit“ (2006) gezeigt wurden. Im Wissenschaftsjahr 2012 widmet das KWI in Kooperation mit dem Filmstudio Glückauf sechs Abende in der Reihe CineScience verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeitsforschung. CineScience Zukunftsprojekt Erde wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die sechste und letzte Veranstaltung findet am 18. Dezember unter dem Titel „Ein Neandertaler im Jahr 102012? Handeln unter Unsicherheit“ statt.

[|profil.mschaeffer], 29.11.12

NECE-Konferenz: Networking European Citizenship Education

Netzwerken bei der NECE-Konferenz 2010 in Triest
© bpb, Foto: Tommaso Lizzul

Vom 21. bis 24. November haben über 250 Experten von beiden Seiten des Mittelmeers im spanischen Córdoba auf der Konferenz „Networking European Citizenship Education“ (NECE) der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) über die Europakrise und die aktuellen Entwicklungen in der arabischen Welt diskutiert. Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaft und Direktor des KWI, hielt eine Keynote zum Thema „The crisis of the European project and the transformation in North Africa: Perspectives for democracy and citizenship education“. Im Fokus der jährlich stattfindenden Konferenz steht das europäische Netzwerken im Bereich politische und bürgerschaftliche Bildung. In diesem Jahr befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Thema „Citizenship Education and Democracy in Times of Change“. Ziel der Konferenz war es, Wissenschaftlern, Akteuren der politischen und kulturellen Bildung sowie staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen aus Europa und den arabischen Ländern eine Plattform für den gemeinsamen Dialog zu bieten. Im Zentrum der Diskussionen standen die Themen Partizipation, die Beziehungen zwischen Bürgern und politischen Institutionen und unterschiedliche Demokratiekonzepte. Wichtige Fragestellungen hierbei waren: Was können wir voneinander lernen? Welche Narrative und Bilder bestimmen die gemeinsame Wahrnehmung? Wie können Staatsbürgerschaft und Bildung in Menschenrechtsfragen zu mehr Partizipation und Wandel beitragen?

[|profil.mschaeffer], 27.11.12

„Europa in neuer Verfassung“: Daniel Cohn-Bendit, Claus Leggewie & Guy Verhofstadt zu Gast in der Philharmonie

Europa
© farblos / pixelio.de

Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI), die edition Körber-Stiftung und die Europäischen Horizonte laden am Dienstag, den 27. November 2012 zu einem Podiumsgespräch im Festsaal der Philharmonie Essen ein. Daniel Cohn-Bendit, Claus Leggewie und Guy Verhofstadt diskutieren vor dem Hintergrund der Europa-Krise über eine grundlegende Reform der Europäischen Union, in der Supranationalität, demokratische Bürgerbeteiligung, föderative Elemente und subregionale Zusammen-schlüsse, wie die Mittelmeerunion, eine wesentliche Rolle spielen. In ihrer Diskussion über Verfassungs- und Demokratiefragen bis hin zur Frage, was „mehr Europa“ schließlich für die Kernregion an Ruhr und Rhein bedeutet, beziehen die Europaexperten auch das Publikum ein. Stefan Kornelius, Leiter des Ressorts Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung, führt durch den Abend.
Anlass der Podiumsveranstaltung sind gleich zwei im Herbst erschienene Bücher: „Zukunft im Süden. Wie die Mittelmeerunion Europa wiederbeleben kann“ von Claus Leggewie und „Für Europa! Ein Manifest“ von Daniel Cohn-Bendit und Guy Verhofstadt.
Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 23.11.12

Apocalypse Tomorrow? Die ökologische Krise im Film

CineScience - Zukunftsprojekt Erde
© Kulturwissenschaftluches Institut Essen (KWI)

Die Apokalypse als größte denkbare Katastrophe bietet nicht nur Stoff für spektakuläre Spielfilme. Auch Politiker, Wissenschaftler, Aktivisten und andere greifen auf Untergangsszenarien zurück, um ihrem jeweiligen Anliegen Nachdruck zu verleihen. Welche Möglichkeiten hat aber der Film, Wissen zu vermitteln und zum Handeln anzuregen? Über diese und weitere Fragen diskutieren am 26. November im Essener Filmstudio Glückauf die Filmemacherin Ismeni Walter, der Journalist Peter Unfried, die Medienwissenschaftlerin Hilde W. Hoffmann und der Klimaforscher Jürgen P. Kropp. KWI-Direktor Claus Leggewie und Sebastian Wessels (KWI) führen durch den Abend. Die Reihe „CineScience – Zukunftsprojekt Erde" des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Filmstudio Glückauf wird im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Drastische Darstellungen ökologischer Krisen und Katastrophen in Spiel- und Dokumentarfilmen wie „The Day After Tomorrow“ (2004) und „Eine unbequeme Wahrheit“ (2006) können Problembewusstsein herstellen und zum Handeln anregen. Im ungünstigeren Fall aber rufen sie Abwehr und Fatalismus hervor oder werden vom Publikum nicht ernst genommen. Was bedeutet das für den Einsatz moderner Medien in der ökologischen Krise? Wie viel Zuspitzung verträgt Wissenschaft? Tragen Kino und Fernsehen nicht gerade dazu bei, die Zuschauer in ihrer Rolle als passive Konsumenten zu bestätigen, indem sie eine Teilnahme an ihrem Diskurs ausschließen?
Die Veranstaltung am 26. November zieht ein Resümee der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Reihe „CineScience - Zukunftsprojekt Erde“, in der Forschende des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) an sechs Abenden im Wissenschaftsjahr 2012 unterschiedliche Aspekte von Nachhaltigkeit und Zukunft anhand von Filmausschnitten mit dem Kinopublikum diskutiert haben.

[|profil.gzecic], 22.11.12

„Scholars in Residence“: Neues Programm fördert die deutsch-arabischen Wissenschaftsbeziehungen

Sheikh Rihan mural
© Mosa’ab Elshamy Noshi

Ausgehend von den Transformationsprozessen in der Region Nordafrika hat das Goethe-Institut im Rahmen der Deutsch-Ägyptischen und Deutsch-Tunesischen Transformationspartnerschaft 2012/2013 ein weiteres „Scholars in Residence“-Programm gestartet, das den interkulturellen Dialog im Wissenschaftsbereich fördern und die Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der arabischen Welt stärken soll. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Zentrum für Mittelmeerstudien an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt, gefördert durch Sondermittel des Auswärtigen Amtes.
Angesichts des arabischen Frühlings im nordafrikanisch-arabischen Raum stellen sich auch den Kulturwissenschaften neue Fragen. Die Auseinandersetzung mit Themen wie „Digitale Medien“, „Kultur und Öffentlicher Raum“ sowie „Kultur und Konflikt“ spielen aktuell in Ägypten, Marokko und Tunesien eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs und sind vor allem im Hinblick auf Prozesse individueller und kollektiver Identitäts-konstruktion relevant. Acht Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus Ägypten, Deutschland, Marokko und Tunesien werden sich während des Austauschprojektes in Tandems unter anderem mit diesen Themenkomplexen interdisziplinär auseinandersetzen. Das Goethe-Institut und das KWI kooperieren seit 2009 bei der Durchführung des Residenzprogramms „Scholars in Residence“, an dem bislang 38 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Süd- und Nordamerika, Asien und Afrika teilgenommen haben.

[|profil.mschaeffer], 20.11.12

WBGU-Gutachten „Große Transformation“ jetzt als Online-Lehrveranstaltung – WBGU-Mitglied Claus Leggewie beteiligt

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
© WBGU

Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ ist aktuell als Online-Lehrangebot in englischer Sprache erschienen. Die Mitglieder des WBGU und weitere Mitarbeiter präsentieren darin die Inhalte des Gutachtens und Fragen der wissenschaftlichen Politikberatung in elf Lerneinheiten. An dem Projekt beteiligt ist der Politikwissenschaftler Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und Co-Direktor des Käte Hamburger-Kollegs „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ an der Universität Duisburg-Essen. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht unter anderem der Bereich KlimaKultur und damit verbunden die Frage nach den kulturellen Voraussetzungen der Anpassung moderner Gesellschaften an die Auswirkungen des Klimawandels. Leggewie ist seit 2008 WBGU-Mitglied.
Die videobasierte Lehrveranstaltung „World in Transition“ zielt darauf ab, die Notwendigkeit einer post-fossilen Wirtschaftsweise und zugleich die Machbarkeit der Transformation zur Nachhaltigkeit aufzuzeigen. Die Veranstaltung veranschaulicht Möglichkeiten der Förderung und Beschleunigung des Wandels, erklärt passende ökonomische und politische Instrumente und stellt die Rolle der Regierung, der Bevölkerung und der privaten Wirtschaft dar. Das kostenlose Angebot richtet sich an Studierende aller Studiengänge und kann von Hochschulen im Bereich Studium Generale, offenes Studium oder Wahlpflichtbereich integriert werden. Die Vortragsreihe „World in Transition“ des WBGU entstand in Kooperation mit der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit, ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt der Universität Bremen. Die videobasierte Lehrveranstaltung ist auch ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde.

[|profil.gzecic], 16.11.12

Neuerscheinung: Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik

Soziologie im Nationalsozialismus

Elisabeth Pfeil trieb als verantwortliche Schriftleiterin des „Archiv für Bevölkerungs-wissenschaft und Bevölkerungs-politik“ im Kontext der NS-Bevölkerungspolitik und in fachlicher Abgrenzung zur Rassenbiologie die Professionalisierung bevölkerungs-soziologischer Ansätze voran. Dass sie in der westdeutschen Nachkriegssoziologie reüssieren konnte, beruht auf ihren im Nationalsozialismus erworbenen Kompetenzen im Rahmen einer sich noch ausdifferenzierenden Disziplin. In ihrer Dissertation „Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik. Elisabeth Pfeil und das ‚Archiv für Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik‘“, neu erschienen bei Springer VS, untersucht Sonja Schnitzler wissenschafts-historiographisch und wissenschaftssoziologisch die Modernisierung des soziologischen Bevölkerungsbegriffs über seine Empirisierung.
Sonja Schnitzler ist Leiterin der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), die am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) angesiedelt ist. Ihre Dissertation entstand bei Prof. Dr. Carsten Klingemann im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms „Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts 'Bevölkerung' vor, im und nach dem 'Dritten Reich'“ an der Universität Osnabrück.

[|profil.mschaeffer], 14.11.12

RUB-Professorin Corinna Mieth neues Mitglied im KWI-Vorstand

Prof. Dr. Corinna Mieth
© Ruhr Universität Bochum, Foto: Alexander Meyer-Schlichtmann

Die Philosophin Corinna Mieth ist neu in den Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) aufgenommen worden, der jeweils eine Vertreterin oder einen Vertreter der drei UAMR-Universitäten zu seinen Mitgliedern zählt. Corinna Mieth vertritt die
Ruhr-Universität Bochum (RUB), an der sie als Professorin für Praktische Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Politischen Philosophie und der Rechtsphilosophie forscht und lehrt. Im Fokus ihrer Arbeit stehen unter anderen die Themen globale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Dilemmafälle in der Rechtsphilosophie sowie die Bereiche Ethik und Ästhetik. Corinna Mieth studierte in Tübingen Philosophie und Neuere deutsche Literatur, schloss dort ihre Promotion ab und habilitierte an der Universität Bonn über „Positive Pflichten. Über das Verhältnis von Hilfe und Gerechtigkeit in Bezug auf das Weltarmutsproblem“ (De Gruyter, Berlin 2012).

[|profil.gzecic], 12.11.12

Wuppertal Institut und KWI erforschen Umsetzung der Energiewende im Ruhrgebiet

Alternative Energien im Ruhrgebiet
© Stiftung Mercator, Fotos: Brigitte Kraemer

Die Bewerbung des Ruhrgebiets als Grüne Hauptstadt Europas zeigt: Das Ruhrgebiet versteht die Energiewende mehr und mehr als Chance. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) erforschen, gefördert durch die Stiftung Mercator, gemeinsam mit weiteren Partnern aus der Region erstmalig systematisch, welche konkreten Barrieren und Zielkonflikte die Umsetzung der Energiewende in den Ruhrgebiets-Kommunen bislang erschweren und welche Lösungsansätze hierfür gefunden werden können. Dabei will das Verbundprojekt „Rahmenprogramm zur Umsetzung der Energiewende in den Kommunen des Ruhrgebiets“ den zahlreichen lokalen und regionalen Initiativen des Ruhrgebiets keine weitere Initiative hinzufügen, sondern vielmehr bestehende Erfahrungen systematisch auswerten, kommunenübergreifende Lernprozesse ermöglichen und das Wissen über Handlungsoptionen für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende in den Kommunen durch gezielte Forschungsvorhaben ergänzen. Die Stiftung Mercator stellt dafür knapp 3,5 Millionen Euro bis zum Jahr 2016 zur Verfügung.
KWI-Direktor Prof. Dr. Claus Leggewie freut sich auf das neue Verbundprojekt und sagt über die Motivation des KWI, sich an dem Projekt zu beteiligen: „Wir denken in der KlimaKultur global und genau deswegen müssen wir lokal forschen und Handlungsoptionen deutlich machen. Zu oft wird die Energiewende als ein Vorhaben verstanden, das vom Staat in Kooperation mit großen Unternehmen durchgeführt wird. Dabei kommt es entschieden auf die Mobilisierung und Beteiligung der Konsumenten und der breiten Bürgerschaft an. Die Umsetzung dieses Transformationsprozesses ist eines der interessantesten Gebiete für die sozialwissenschaftliche Forschung, die ihre Erkenntnisse nutzbringend in ein politisches Reformvorhaben einbringen kann.“

[|profil.mschaeffer], 06.11.12

CineScience Zukunftsprojekt Erde: „Die Revolution von nebenan – Energiewende selbst gemacht“

Leuchtkasten
© Peter Bast / pixelio.de

Was unterscheidet eigentlich Erfinder wir Thomas A. Edison von den Schönauer „Stromrebellen“ aus dem Schwarzwald? Mit welcher Art von Erfindungen haben wir es bei der dezentralen Energiewende zu tun? Jens Kroh, Sophia Schönborn und Björn Ahaus vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) gingen diesen Fragen im Rahmen der Reihe CineScience Zukunftsprojekt Erde im Wissenschaftsjahr 2012 nach und debattierten am 23. Oktober unter dem Titel „Die Revolution von nebenan - Energiewende selbstgemacht“ mit einem diskussionsfreudigen Publikum im Essener Filmstudio Glückauf, einem Kino, das geschichtlich mit der Kohle-Ära des Ruhrgebiets eng verbunden ist. Anhand von Ausschnitten aus den Filmen „Der große Edison“ (USA, 1940) und „Das Schönauer Gefühl“ (D, 2008) wurden Fragen rund um eine nachhaltiger gestaltete Zukunft erörtert und unter anderem die Schlussfolgerung gezogen, dass Innovationen, die mit der fossilen Energie brechen und – wie bei den Elektrizitätswerken Schönau – die Verbreitung von Ökostrom und Erneuerbaren Energien forcieren, Gemeinsamkeiten mit den rein technischen Erfindungen, wie der Glühbirne von Edison oder dem Automobil von Benz aufweisen. Die Erfinder von sozialen und technischen Innovationen müssen ein hohes Risiko auf sich nehmen und sich, gerade im Energiebereich, gegen starke Monopolisten durchsetzten. Im Gegensatz zu Tüftlern wie Edison, können bei den „Revolutionen von Nebenan“ aber alle mitmachen, ohne selbst technisches KnowHow einbringen zu müssen. Darin, so das Resümee des Abends, liege auch eine große Chance für die Energiewende.
Zu Gast bei der nächsten Veranstaltung am 26. November sind Hilde W. Hoffmann (Ruhr-Universität Bochum), Jürgen P. Kropp (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung), Peter Unfried (die tageszeitung) und Ismeni Walter (Westdeutscher Rundfunk) und sprechen im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema „Apocalypse Tomorrow? Die ökologische Krise im Film“. Moderiert wird der Abend von dem Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie und Sebastian Wessels (KWI).

[|profil.gzecic], 02.11.12

Globale Kooperationsforschung: Käte Hamburger Kolleg feiert Auftakt in Duisburg

v.l. Navid Kermani, Claus Leggewie, Abdolkarim Soroush
© KHK / GCR 21, Foto: Georg Lukas

„Trotz zahlreicher Krisen und gewalttätiger Konflikte weltweit, ist das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert der Kooperation“, bekräftigte der Ex-Botschafter und Präsident der Europa-Universität Viadrina Gunter Pleuger anlässlich der feierlichen Auftaktveranstaltung des zehnten Käte Hamburger Kollegs „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ im Beisein von rund 150 Gästen aus Wissenschaft und Politik. Nicht einmal die mächtigen Vereinigten Staaten könnten heute noch Probleme alleine lösen und seien auf globale Kooperationen angewiesen, so Pleuger. Mit den Schwierigkeiten und Chancen globaler Kooperation in einer kulturell ausdifferenzierten Weltgesellschaft befasst sich der neu eingerichtete internationale Forschungsverbund, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einem Fördervolumen von 13 Millionen Euro für eine Laufzeit von sechs Jahren finanziert wird.
Als Beispiel dafür, was passiert, wenn die globale Gesellschaft Ihrer Verantwortung zur Kooperation nicht nachkommt, nannte der Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani die aktuelle Lage in Syrien. Dort verfolgten Staaten wie Russland, Iran oder China eigene Interessen und verschärften den syrischen Konflikt durch die Unterstützung bestimmter gesellschaftlicher Fraktionen im Lande. Moderiert von KWI-Direktor und Co-Direktor des KHK Claus Leggewie, diskutierte Kermani mit dem iranischen Philosoph Abdolkarim Soroush zum Thema der globalen Zivilgesellschaft auf einem vom Forschungsbereich 2 „Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation“ initiierten Podium. Der mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) eng verbundene Forschungsbereich 2 geht der Frage nach, inwieweit kulturelle und religiöse Differenzierungen globale Kooperation erleichtern oder behindern können. Im Gespräch gab Abdolkarim Soroush eine erste Antwort, indem er die Rolle von Religion als wichtigen transnationalen Anknüpfungspunkt für globale Kooperationen betonte. „Spiritualität hat eine gemeinsame Sprache und Werte, die über die Religionen hinweg genutzt werden können“, sagte Soroush. Insofern werde Religion als Faktor für globale Kooperationen unterschätzt.
Beteiligte Institute des Duisburger Käte Hamburger Kollegs sind das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Universität Duisburg-Essen, das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI).

[|profil.mschaeffer], 31.10.12

Lesart Spezial: „Das Streben nach Glück! Anspruch und Wirklichkeit - Amerika vor der Wahl"

v.l.n.r.Hans-Christian Oeser, Peter Lange, Constanze Stelzenmüller
© KWI, Foto: Leana Hagemann

Am 6. November wird der 45. US-Präsident gewählt. Die Debatte um die Präsidentschaftswahl, das Kopf-an-Kopf Rennen zwischen dem Republikaner Mitt Romney und Präsident Barack Obama und weitere Aspekte der politischen und gesellschaftlichen Umstände Amerikas waren Diskussionsthema der Lesart Spezial am 23. Oktober im Essener Grillo Theater. Hans-Christian Oeser stellte das von ihm ins Deutsche übersetzte Werk „Mark Twain: Meine geheime Autobiografie“ (Berliner Aufbau-Verlag, 2012) vor. Selbst 100 Jahre nach dem Tod des amerikanischen Schriftstellers und Kosmopoliten bietet die Autobiografie eine scharfzüngige Kritik der eigenen politischen Kultur. Es verbindet Tradition mit Moderne und schafft auf humorvolle Weise den Bezug zum zeitgenössischen Geschehen. Constanze Stelzenmüller, Senior Transatlantic Fellow beim German Marshall Fund of the United States, präsentierte David Remnick’s neuestes Buch „Die Brücke: Barack Obama und die Vollendung der schwarzen Bürgerrechtsbewegung“ (Bloomsbury Verlag, 2012). Das Buch, so Stelzenmüller, beschreibe eindrücklich, wie Obama die „Brücke zwischen Schwarz und Weiß in Amerika“ geschlagen habe. Ausgehend davon, dass “multiraciality“ in Amerika nach wie vor ein sozialpolitisch komplexes Thema und auch „die Schere zwischen Arm und Reich Tradition ist“, plädierte Stelzenmüller dafür, eine amerikanische Verfassung anzustreben, die Glück, und nicht das Streben danach, garantiere. Das Thema der Lesart Spezial beschäftigte nicht nur die Experten auf dem Podium, auch das Publikum beteiligte sich lebhaft an der Diskussion. Auf die Frage eines Zuschauers, wer die Wahl gewinnen würde, waren sich Hans-Christian Oeser und Constanze Stelzenmüller einig: Die US-Expertin titulierte Romney als „white rich man“, dem das politische Gespür fehle und schlug sich somit auf die Seite Obamas und seines Konzeptes des „nation building.“ Auch Oeser betonte, Mark Twain würde als „self-made man“ für Obama stimmen. Ob die beiden Gäste Recht behalten, wird sich am 6. November zeigen.

[|profil.mschaeffer], 29.10.12

Wilfried Loth wird Präsident des Deutsch-französischen Historikerkomitees

Prof. Dr. Wilfried Loth

Das Deutsch-französische Historikerkomitee (DFHK) hat in Berlin den Historiker Wilfried Loth zu seinem Präsidenten gewählt. Loth tritt das Amt für die Wahlperiode 2013/2014 an, aktueller Präsident des Komitees ist der Franzose Jean-François Eck. Das DFHK ist eine Vereinigung deutscher und französischer Historiker sowie Wissenschaftler benachbarter Fachrichtungen, die mit geschichtswissenschaftlichen Methoden arbeiten. Es vereinigt rund 190 Fachwissenschaftler beider Nationen, die sich mit der Geschichte des Nachbarlandes und der deutsch-französischen Beziehungen befassen. Mit ihrer Arbeit tragen sie zu einer besseren Kenntnis des Nachbarn und zur Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Geschichtsbildes bei. Wilfried Loth ist Mitglied im Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Darüber hinaus koordiniert er das Forschungsnetzwerk EU-Geschichte. Dem Netzwerk gehören herausragende Vertreter der Integrations-Historiographie der verschiedenen Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU) an, die ihrerseits die geschichtswissenschaftliche EU-Forschung in den jeweiligen Ländern fördern und koordinieren.

[|profil.gzecic], 26.10.12

Neuerscheinung: „Zukunft im Süden“

Zukunft im Süden

Der Staatsbankrott von EU-Staaten, die Machtübernahme von Islamisten im Nahen Osten und der Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer stellen die Europäische Union (EU) vor große Herausforderungen. Doch Angst, so der Politikwissenschaftler und KWI-Direktor Claus Leggewie in der Financial Times Deutschland, „ist ein bekanntlich schlechter Ratgeber. Hilfreicher wäre eine sachliche Bestandsaufnahme der Lage im Mittelmeerraum, die – wie jede Krise – stets auch Innovationschancen in sich birgt.“ „Unser Meer ist nicht die Nord- oder Ostsee", sagt Leggewie, sondern „das Mittelmeer: Wiege unserer Kultur, unserer Vorstellungen von Politik und Staatlichkeit". Zugleich war und ist das Mittelmeer auch das Tor nach Afrika und in den Orient – zu Ländern, in denen die Europäische Union eine große Anziehungskraft besitzt. Denn bei allen Klagen über Wirtschaftskrise, Bürokratismus und Orientierungslosigkeit ist die EU ein Erfolgsmodell, das ihren Mitgliedern seit über sechzig Jahren Frieden und Wohlstand sichert. In der aktuell im Verlag der edition Körber-Stiftung erschienenen Publikation „Zukunft im Süden. Wie die Mittelmeerunion Europa wiederbeleben kann“ plädiert Claus Leggewie für eine neue Vision von Europa rund um das Mittelmeer und zeigt das Potenzial der Union auf, Alternativen für Energieversorgung und Finanzmärkte zu entwickeln, sich als Friedensstifterin in Nahost zu etablieren und ein demokratisches Modell für die Staaten anzubieten, die sich nach der arabischen Revolution zwischen laizistischen und islamistischen Regierungen entscheiden müssen. Das Buch führt auf 272 Seiten in die Ursprünge der europäischen Zivilisation im Mittelmeerraum zurück, analysiert verpasste Chancen der Mittelmeerunion, sucht aktuelle Schauplätze im Süden Europas auf und formuliert eine konkrete Utopie europäischer Friedens- und Entwicklungspolitik an den Grenzen „unseres Meeres“. Die Publikation ist auch im Ausland auf großes Interesse gestoßen und wird von dem Autor Claus Leggewie am 23. Oktober in Athen der griechischen Öffentlichkeit vorgestellt.

[|profil.gzecic], 23.10.12

Neuerscheinung: Hermeneutik und die Grenzen der Sprache. Hermeneutik, Sprachphilosophie, Anthropologie

Hermeneutik und die Grenzen der Sprache

Zu den zentralen Ideen von Hans Georg Gadamers hermeneutischer Philosophie gehört die Betonung der unhintergehbaren Sprachlichkeit des verstehenden Weltbezugs. Wie lässt sich aber die Frage nach den Grenzen der Sprache verstehen, wenn man den Universalitätsanspruch der Gadamerschen Hermeneutik und ihre sprachphilosophische Pointe ernst nimmt? Die Beiträge in dem von KWI-Senior Fellow Louise Röska-Hardy, Ulrich Arnswald und Jens Kertscher herausgegebenen und im Manutius Verlag erschienenen Band nehmen diese Herausforderung durch Gadamers hermeneutischen Universalismus an, indem sie dadurch aufgeworfene Fragen – die Grenzen der Sprache als Grenzen des Sinns, Grenzen der Sprache als Grenzen der Ausdrückbarkeit und des Verstehens sowie das Verhältnis von sprachlichem zu außersprachlichem Weltbezug - beleuchten. Ausdrücklich kommen dabei nicht nur hermeneutische oder der Hermeneutik Gadamers nahestehende Positionen zu Wort, sie werden auch mit unterschiedlichen Ansätzen konfrontiert, um die kritische Auseinandersetzung mit Gadamers Sprachverständnis in Gang zu halten.

[|profil.mschaeffer], 19.10.12

KWI on Tour: „Ressource Religion: Akteure und Netzwerke in globaler Perspektive“

William Booth preaching at a London tent meeting
Quelle: salvationarmy.org

Die Frage nach der Bedeutung von Religion in der Moderne ist nicht erst seit den aktuellen Debatten über rituelle Beschneidungen oder die Transparenz des Vatikans von gesellschaftlicher, politischer und kultureller Brisanz. So widmete sich die von KWI-Senior Fellow Alexandra Przyrembel geleitete Sektion auf dem 49. Deutschen Historikertag in Mainz der Frage, wie und innerhalb welcher Netzwerke Religion als Ressource gesellschaftlicher Transformationsprozesse in der Moderne zu verstehen ist. Auf der Grundlage von Fallstudien zum Empire, dem Deutschen Kaiserreich, Indien und Afrika beleuchteten die Referentinnen und Referenten die Verflechtungen des Religiösen mit den Feldern politischer und kultureller Macht in der Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie erörterten in ihren Vorträgen die Bedeutung, die Missionsgesellschaften, global agierende protestantische Organisationen wie der Christliche Verein Junger Männer oder auch die religiös und säkular argumentierende Anti-Alkoholbewegung in Deutschland, Westafrika oder auch Britisch Indien für die Herausbildung moderner Regime hatten. Mit ihrem Wunsch nach einer grundlegenden moralischen Verbesserung, die sie in vielen Teilen dieser Welt zu installieren planten und mitunter auch durchsetzten, vor allem aber mit ihrer Polemik gegen den Alkohol oder auch gegen den Islam trugen christliche Akteure maßgeblich zum Ausbruch der kulturellen und religiösen Konflikte des beginnenden 20. Jahrhunderts bei.
Die Vorträge der Sektion „Ressource Religion: Akteure und Netzwerke in globaler Perspektive“ hielten Prof. Dr. Rebekka Habermas von der Georg-August-Universität Göttingen, Prof. Dr. Harald Fischer-Tiné und Francesco Spöring von der ETH Zürich und PD Dr. Alexandra Przyrembel, KWI und Käte Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research. Prof. Dr. Thomas Mergel von der Humboldt-Universität zu Berlin kommentierte. Erwähnung fand die Sektion im Bericht der Süddeutschen Zeitung (1.10.2012) über den 49. Deutschen Historikertag.

[|profil.mschaeffer], 17.10.12

KWI on Tour: Die „Enzyklopädie der Neuzeit“ auf dem Historikertag in Mainz

Die Enzyklopädie der Neuzeit
© Verlag J.B. Metzler

Von Abendland bis Zyklizität: Die Enzyklopädie der Neuzeit gehört zu den größten Publikationsunternehmen der historischen Neuzeitforschung der vergangenen Jahrzehnte. In über 3300 alphabetisch angeordneten Artikeln erschließt sie die europäische Geschichte zwischen 1450 und 1850 im interdisziplinären Zugriff und unter Berücksichtigung ihrer globalen Kontexte. An der Realisierung waren insgesamt 100 Herausgeberinnen und Herausgeber sowie über 1.300 Autorinnen und Autoren beteiligt. Mit dem kürzlich erschienenen Registerband ist sie nun abgeschlossen. Anlässlich seiner Fertigstellung wurde das Werk am 26. September beim 49. Historikertag in Mainz im Rahmen der von KWI-Senior Fellow Friedrich Jaeger, Diethelm Klippel und Werner Plumpe geleiteten Sektion „Enzyklopädie der Neuzeit“ einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt. Im Mittelpunkt der auf dem Podium und mit dem Publikum geführten Diskussionen standen Fragen nach den konzeptionellen Grundlagen der Enzyklopädie, den in ihr praktizierten Verfahren der interdisziplinären Kooperation, nach dem Zusammenhang von europäischer und globaler Geschichte sowie nach den praktischen Nutzungsmöglichkeiten des Werkes in Forschung und Lehre.
Die „Enzyklopädie der Neuzeit“ ist als Gemeinschaftsunternehmen des Stuttgarter Verlages J.B.Metzler und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) seit 2005 in insgesamt 16 Bänden erschienen. Der 49. Deutsche Historikertag, einer der größten geisteswissenschaftlichen Kongresse in Europa, tagte vom 25. bis 28. September 2012 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

[|profil.gzecic], 16.10.12

"Die Gesellschaft im Anthropozän"

v. l. n. r. Bernd Sommer, Franz Mauelshagen
© Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)

Leben wir in einem neuen Erdzeitalter, in dem Menschen auf nicht gekannte Weise das Erdsystem verändern? Und wie reagieren Gesellschaften auf die daraus entstehenden Herausforderungen wie den Klimawandel oder den Verlust der Biodiversität? Diese und andere Fragen wurden auf der 9. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern übergreifender Disziplinen im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) am 17. und 18. September diskutiert. Die Forscherinnen und Forscher debattierten mit KWI-Research Fellow Franz Mauelshagen und Fritz Reusswig (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung) über den Beitrag der Sozialwissenschaften zur Erdsystemforschung und den Wandel des Klimadiskurses. Die Vorträge der Referentinnen und Referenten beleuchteten dabei aus verschiedenen Blickwinkeln die kulturellen und gesellschaftlichen Implikationen dieser neuen Epoche. In den verschiedenen Panels wurden zahlreiche Themen besprochen, darunter die Rolle der Medien bei der Entwicklung eines Nachhaltigkeitsbewusstseins, der Einfluss flexibler und prekärer Arbeit auf Umweltverhalten und die Rolle von christlichen Ortskirchen bei der Verbreitung von Umweltinnovationen. In einer Abschlussdiskussion wurde neben inhaltlichen Kohärenzen auch die Zukunft und Weiterführung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU) diskutiert. Eine ausführliche Dokumentation der Tagung finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 12.10.12

Neuerscheinung: „Rousseaus Ursprungserzählungen“

Buchcover_Rousseaus Ursprungserzählungen
©Verlag Wilhelm Fink

Mehr als jeder andere Philosoph und Schriftsteller hat Jean-Jacques Rousseau eine besondere Form des Diskurses immer wieder benutzt und eindeutig geprägt: die Ursprungserzählung. Sie ist Dreh- und Angelpunkt einer neuartigen Philosophie der Geschichte, die sich nach Rousseau zum beispielgebenden Modell menschlicher Welterkenntnis entwickelte. Der neu im Verlag Wilhelm Fink erschienene Band „Rousseaus Ursprungserzählungen“, herausgegeben von Pascal Delhom von der Universität Flensburg und KWI Senior Fellow Alfred Hirsch, beleuchtet Rousseaus vielfältige Anwendung der Ursprungserzählung: um die jetzige Welt zu verstehen und zu erklären, um die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung der Gesellschaft zu kritisieren, um sein Leben zu rechtfertigen und um theoretische Stellungnahmen, etwa über die Entwicklung der Sprache oder der Musik, zu untermauern.
Gewiss ist Rousseau nicht der Erfinder der Gattung und er verweist selber auf die großen Ursprungserzählungen, die seine Zeit prägten, vom Buch Genesis bis hin zu den Darstellungen eines Naturzustandes und seiner Entwicklung bei Hobbes, Locke und Montesquieu, von den großen historischen Erzählungen Plutarchs oder Plinius‘ bis hin zu den wissenschaftlichen Theorien Buffons. Aber mit seinen Erzählungen erfindet Rousseau die Gattung neu, indem er ihr eine besondere Form und Funktion verleiht. Am 26. Oktober stellen die Herausgeber den Band im Institut français Mainz vor. Die Buchvorstellung, bei der Alfred Hirsch zudem seinen jüngst erschienenen Band „Rousseaus Traum vom ewigen Frieden“ (Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2012) präsentiert, findet um 19.30 Uhr statt.

[|profil.mschaeffer], 10.10.12

KWI on Tour: „Zukunftskongress Logistik"

Claus Leggewie
© Fraunhofer IML

„Prinzip Verantwortung“: Machen die Mitmach-Konsumenten die Logistik-Welt besser? Die produzierende Wirtschaft folgt inzwischen der Logistik, nicht länger umgekehrt. Damit steigt die Verantwortung der Logistik weiter. Im Mittelpunkt des „Zukunftskongresses Logistik – 30. Dortmunder Gespräche“ am 11. und 12. September standen neben Zukunftstreibern und technologischem Fortschritt auch neue Kooperationsformen sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit. In den Dortmunder Westfalenhallen diskutierten über 500 Teilnehmer und zahlreiche Aussteller konkrete Lösungsansätze sowie die Zukunftsthemen der Logistik, auf der Tagesordnung standen kontroverse Keynotes und hochkarätige Expertengespräche. So zeigte unter anderem das Plenum Zukunftstreiber „Mensch“, was die Logistik von den neuen Konsumenten lernen kann. Hier gingen Referenten wie Zalando-Geschäftsführer David I. Schröder, oder Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), den Auswirkungen von Web 2.0 und wachsender Bürgerbeteiligung auf den Grund. In seinem Vortrag „Vom wirklichen Einkaufen zum elektronischen Shopping““ sprach der Politikwissenschaftler im Kern über das Paradox „grüner Logistik“ und kritisierte, dass diese ihren Auftrag vor allem in Prozessoptimierungen innerhalb der Logistikketten setzt. Das, so Leggewie, „ greift zu kurz, weil es dem Konsumenten die Verantwortung abnimmt und ihm damit das Ziel Nachhaltigkeit per Mausklick zum äußerlichen Objekt macht. Überleben wird die Logistik genau wie die Autobranche, die Stahlindustrie oder die Energieunternehmen nur, wenn sie mit Weniger! Geld zu verdienen in der Lage ist.“ Zusätzlich bot die, mit 16 Ausstellern ausgebuchte, kongressbegleitende Ausstellung Gelegenheit sich aktiv zu beteiligen, zu debattieren und sich neue Technologien auch live anzusehen.

[|profil.gzecic], 05.10.12

Scholars in Residence: Das Ruhrgebiet im Dialog mit Detroit

v.l.n.r. Julia Sattler, Meagan Elliott
© KWI/Foto: Friedrich Jaeger

Widersprechen postindustrielle Städte und Regionen etablierten Definitionen von Stadt und Region? Im Rahmen des internationalen wissenschaftlichen Austauschprogramms Scholars in Residence diskutierten am 24. September die Soziologin Meagan Elliott (University of Michigan) und die Kulturwissenschaftlerin Julia Sattler (Technische Universität Dortmund) über De-Industrialisierung und Strukturwandel im Ruhrgebiet und in der Stadt Detroit. Unter dem Titel Reading Ruhr Detroit referierten die Wissenschaftlerinnen im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) sowohl über die Herausforderungen mit denen sich beide Regionen derzeit konfrontiert sehen als auch zur Narration von Strukturwandlungsprozessen. Ein besonderer Fokus der Vorträge und der Diskussion lag auf dem Umgang mit Leerständen und „shrinkage“ sowie auf der medialen Darstellung der Stadt Detroit und des Ruhrgebiets. Im Mittelpunkt des Vortrages stand insbesondere die Frage, ob sich das Detroiter Genre „Ruin Porn“ – die teilweise schonungslose fotografische Darstellung der verfallenden architektonischen Substanz des Industriezeitalters – auf das Ruhrgebiet übertragen lässt, und ob die offene Zur-Schau-Stellung von verlassenen, oft heruntergekommenen Orten produktiv oder destruktiv für das Image der beiden Regionen ist. Das Residenzprogramm „Scholars in Residence“ ist eine Kooperation zwischen dem Goethe-Institut und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Weitere Informationen zu den Teilnehmern 2012/2013 finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 02.10.12

Postkarnevalistischer Irrsinn und ukrainische Musik

v.l.n.r. Navid Kermani, Juri Andruchowytsch, Claus Leggewie, Marjana Sadowska
© Stiftung Mercator/Foto: Uta Wagner

Er zählt zu den bekanntesten Schriftstellern der Ukraine und gilt zugleich als einer der schärfsten Kritiker ihrer inneren Zustände: Am 19. September war der Dichter und Essayist Juri Andruchowytsch zu Gast bei Navid Kermani und Claus Leggewie im Literarischen Salon Essen. Der 1960 in Iwano-Frankiwsk geborene Ukrainer sprach und las aus seinem Roman „Perversion“, in dem er die russische Tradition des Absurden mit dem Post- oder Postpostmodernen verknüpft. Im Mittelpunkt des Romans steht ein ukrainischer Dichter und Undergroundstar, der auf verschlungenen Pfaden nach Venedig kommt, um an dem von einem greisen Adligen initiierten Kongress teilzunehmen. Mitgebracht hatte Andruchowytsch außerdem surreale, traumschwere Prosa des 1942 von NS-Besatzern ermordeten Malers und Schriftstellers Bruno Schulz. Ein Novum für den Salon war die Performance der Musikerin und Schauspielerin Marjana Sadowska, die mit ihrem Harmonium den Abend mit traditionellen Liedern und Texten aus der Ukraine begleitete. Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Zu Gast beim nächsten Literarischen Salon am 28. November ist der iranische Schriftsteller Shahriar Mandanipur.

[|profil.gzecic], 28.09.12

CineScience: Das Fremde am Alien

Außerirdische sind faszinierend - aber warum eigentlich? Dieser Frage gingen Armin Flender und Sebastian Wessels vom KWI und ein engagiert mitdiskutierendes Publikum in einer Veranstaltung über "Das Fremde am Alien" im Rahmen der Reihe CineScience am 18. September im Essener Filmstudio Glückauf nach. Das Hauptinteresse lag auf der Rolle und Funktion von Außerirdischen als Spielarten des Fremden in klassischen Science-Fiction-Filmen.
Infolge einer US-amerikanischen UFO-Hysterie, die in den späten 1940er Jahren ausbrach, sahen die 1950er einen Boom von Science-Fiction-Filmen, die noch fest im Kalten Krieg verwurzelt waren, dabei aber einige bleibende Leitmotive des Genres etablierten. Hier war das Alien der sowjetische Eroberer, der kommunistische Spion oder auch ein Warner vor der atomaren Bedrohung. Während sich die meisten Außerirdischen-Erzählungen wie diese als Auseinandersetzung mit interkulturellen Konflikten und Begegnungen lesen lassen, gibt es aber auch immer wieder Versuche, sich vom Vertrauten zu lösen. So entwarf Ridley Scott sein "Alien" (1979) als verkörperte Antikultur, und Stanley Kubrick gelang mit "2001" (1968) die vielleicht weitestmögliche Annäherung an das mit menschlichen Kategorien nicht mehr fassbare Fremde. Welche Gestalten die Aliens aber auch annehmen - immer geht es bei den Begegnungen mit ihnen vor allem um Herkunft, Zukunft, Schicksal und Wesen des Menschen.
Die nächste CineScience-Veranstaltung „Die Revolution von nebenan - Energiewende selbstgemacht“ steht im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2012 - Zukunftsprojekt Erde und findet am 23. Oktober im Filmstudio Glückauf statt.

[|profil.mschaeffer], 27.09.12

Lesart Spezial: Occupy everything - können soziale Protestbewegungen die Initiative zurückgewinnen?

v.l.n.r. Wolfgang Kraushaar, Claus Leggewie, Friedrich von Borries
(c) KWI

Vom Phänomen „Occupy Wall Street“ über den Arabischen Frühling bis hin zur Anti-Atomkraftbewegung und Stuttgart 21: Eine neue Art von Protest geht seit der ersten Demonstration an der New Yorker Börse vor rund einem Jahr um die Welt. Zum Thema „Occupy everything - können soziale Protestbewegungen die Initiative zurückgewinnen?” diskutierte Claus Leggewie, KWI-Direktor, im Rahmen der Veranstaltungsreihe Lesart Spezial am 18. September mit dem Politikwissenschaftler und Autor des Buches „Der Aufruhr der Ausgebildeten: Vom Arabischen Frühling zur Occupy-Bewegung“ (Hamburger Edition 2012) Wolfgang Kraushaar. Zweiter Gast des Abends war der Architekt und Kurator Friedrich von Borries, der sein „Glossar der Interventionen“ (Merve Verlag, Berlin 2012) vorstellte. Die Experten betrachteten und analysierten gemeinsam mit dem interessierten Publikum Interventionen in urbanen Räumen in Form verschiedener aktueller Protestformen aus der ganzen Welt. Doch wie erfolgreich sind diese Protestwellen wirklich? Sind die aktuellen Aktionsformen verschlissen und zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, wie Claus Leggewie die Frage des Abends kurz und knapp formulierte? Wolfgang Kraushaar, der für sein Buch Schauplätze aktueller Protestbewegungen besucht, Akteure unter die Lupe genommen und Vorgänge innerhalb der Gruppierungen analysiert hat, zieht nach einem Jahr eine ernüchternde Bilanz: „Ich kann den zündenden Funken nicht erkennen. In meinen Augen ist die Occupy-Bewegung wie ein Ballon in sich zusammengestürzt und bleibt stark hinter den Erwartungen zurück.“ Der Politologe kritisiert fehlende konkrete Ziele, eine mangelnde politische Motivation der Aktivisten. Friedrich von Borries hingegen sieht die Lage trotz bisher ausbleibender Erfolge optimistischer: Die Protestbewegungen seien ein Ausdruck von Unbehagen, auf den der Kapitalismus früher oder später reagieren müsse. Das KWI veranstaltet die Reihe Lesart Spezial gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen.

[|profil.mschaeffer], 25.09.12

Neuerscheinung: "Dimensionen internationaler Geschichte"

Dimensionen internationaler Geschichte
(c) Oldenbourg Verlag

Internationale Geschichte hat sich im Zuge der Globalisierung zu einem lebhaften Feld der Geschichtswissenschaft entwickelt. Der aktuell im Münchener Oldenbourg Verlag erschienene Band „Dimensionen internationaler Geschichte“, herausgegeben von Jost Dülffer und Wilfried Loth, stellt die internationale Geschichte in ihrer Vieldimensionalität dar. Namhafte Vertreterinnen und Vertreter dieses Forschungsfeldes zeigen, wie sich die Phänomene internationaler Geschichte in den letzten zwei Jahrhunderten gewandelt haben und wie über sie geschrieben werden kann. Die Essays behandeln Kriege und Instrumente zur Friedenssicherung, staatliche und gesellschaftliche Akteure, globale und transnationale Entwicklungen und schließlich die Versuche, das Gesamtbild der internationalen Staaten- und Gesellschaftswelt ordnend zu erklären. Auf 432 Seiten bieten die Essays eine Bilanz der Forschungen der letzten Jahre und regen mit begrifflichen und methodischen Präzisierungen zu ihrer Weiterentwicklung an. Am 26. September stellen die beiden Herausgeber den Band „Dimensionen internationaler Geschichte“ im Rahmen des 49. Deutschen Historikertages in Mainz der Öffentlichkeit vor. Die Buchvorstellung findet um 13.00 Uhr am Stand des Oldenbourg-Verlages statt. Jost Dülffer ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Internationale Geschichte/Historische Friedens- und Konfliktforschung an der Universität zu Köln. Wilfried Loth ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen (UDE) und Mitglied im Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI).

[|profil.gzecic], 21.09.12

Neuerscheinung: „Religions and World Peace“

Religions and World Peace
(c) Nomos Verlag

Wie verhalten sich Religionen und religionsbasierte Akteure in Gewaltkonflikten und Friedensprozessen? Die großen Religionen mit ihrem Anspruch auf Universalität und ihrer geografischen Verbreitung gehören zu den wichtigen Wirkmächten der Globalisierung. In ihrer institutionalisierten Form wirken sie auf die nationale Außenpolitik ein und zeigen sich als global handelnde Akteure der internationalen Politik. In dem Forschungsprojekt „Religion in der Internationalen Politik” ist der Politikwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) Claus Leggewie dem komplexen Zusammenhang von Religion und Politik auf internationaler Ebene auf den Grund gegangen. Zum Abschluss seiner Forschung präsentiert er seine Ergebnisse unter anderem mit einem Beitrag zum Thema „Politics and Religious Diversity“ in der aktuell im Nomos-Verlag erschienen und von Roland Czada, Dr. Thomas Held und Markus Weingardt herausgegebenen Publikation „Religions and World Peace. Religious Capacities for Conflict Resolution and Peacebuilding”. Ausgehend von der Ambivalenz von Religion – als Zündstoff für Konfrontation und zugleich als Träger einer Friedensbotschaft – setzen sich neben Claus Leggewie weitere renommierte Autoren, darunter Hans Küng, David Little, Jeffrey Haynes, und Ben Mollov, mit der Frage auseinander, welche friedenstiftende Rolle Glaube und Religion übernehmen können und in konkreten Friedensprozessen bereits übernommen haben und wie sich Religionen und religionsbasierte Akteure in Gewaltkonflikten und Friedensprozessen verhalten.

[|profil.gzecic], 20.09.12

Für ein anderes Europa der Regionen

Die aktuelle Kolumne


Bei der unumgänglichen Reform der Europäischen Union fehlen Claus Leggewie, KWI-Direktor und Co-Direktor des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research, zwei große Bausteine: transformative Politik und demokratische Legitimität. In der jüngsten Ausgabe der aktuellen Kolumne des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) schreibt er: "Jedes Durchstarten zu einer europäischen Wirtschafts- und Finanzregierung erfordert unabdingbar die Zustimmung und Kontrolle durch einen europäischen Demos. Das heißt, die Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise und die Rettung des Euro bedarf des Mitwissens und der Mitwirkung des Parlaments." In „Die aktuelle Kolumne“ veröffentlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter die drei Direktoren des Käte Hamburger Kollegs / Centre for Global Cooperation Research Tobias Debiel, Dirk Messner und Claus Leggewie, Beiträge zum Thema transnationaler Kooperationen.

[|profil.mschaeffer], 18.09.12

Workshop: „Beispiele gelingender Kooperation (1) – Künstlerische Praxis und Improvisation“

Claus Leggewie, 21. August 2012, Jahrhunderthalle Bochum, „Europeras 1&2“
© Centre for Global Cooperation Research / Georg Lucas

Was können politische Akteure in Puncto Kooperation von Akteuren aus künstlerischen Bereichen lernen? Können Beispiele gelingender Kooperation aus der Kunst und der kulturellen Praxis auch zur Verbesserung der Mechanismen globaler politischer Kooperation angewendet werden? In dem vom Käte Hamburger Kolleg „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ (GCR21) und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) ausgerichteten Workshop „Beispiele gelingender Kooperation (1) – Künstlerische Praxis und Improvisation“ wurden im Rahmen von und in Zusammenarbeit mit dem internationalen Kunstfestival Ruhrtriennale 2012 verschiedene künstlerische Darstellungen auf ihre Kooperationsgehalte hin betrachtet und analysiert. Dieser innovative Versuch, der in Form einer Summer School ablief, zielte darauf ab, Formen des Kooperierens und des Improvisierens in künstlerischen Zusammenhängen auf verschiedene mögliche Szenarien und Felder wissenschaftlichen Forschens zu übertragen. Vor diesem Hintergrund besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops vom 21. bis zum 25. August verschiedene Veranstaltungen der Triennale von Oper über Tanz bis zur Performance. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Frage, inwieweit die künstlerische Kooperation auf die Ebene anderer sozialer Handlungsfelder wie der globalen Kooperation übertragen werden kann.
Der Workshop fand in interdisziplinärer Kooperation statt, dem Leitungsteam gehörten die Geistes- und Sozialwissenschaftler Claus Leggewie, Alexandra Przyrembel und Jörg Bergmann sowie die Theaterwissenschaftlerin Sibylle Peters an. Ein weiterer Workshop über Beispiele gelingender Kooperation im Rahmen der Ruhrtriennale wird im kommenden Jahr folgen. Eine ausführliche Dokumentation des aktuellen Workshops finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 13.09.12

Scholars in Residence: Amerikanische Gastwissenschaftlerin Meagan Elliott in Essen

Meagan Elliott
© Meagan Elliott

Wie gehen das Ruhrgebiet und die Stadt Detroit mit De-Industrialisierung und Strukturwandel um? Im Rahmen des internationalen wissenschaftlichen Austauschprogramms „Scholars in Residence“ ist am 24. September die US-amerikanische Gastwissenschaftlerin Meagan Elliott zu Gast im KWI und referiert gemeinsam mit ihrer deutschen Austauschpartnerin Dr. Julia Sattler zum Thema „Reading Ruhr/Detroit: Das Ruhrgebiet im Dialog mit Detroit” über den Wandel der Regionen im Zuge der De-Industrialisierung. Anhand ausgewählter Beispiele und mit Hilfe von Fotografien werden die Wissenschaftlerinnen unter anderem die Partizipationsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger beider Regionen beleuchten. Der Vortrag ist öffentlich und findet im Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) in englischer Sprache statt.
Das Residenzprogramm „Scholars in Residence“ ist eine Kooperation zwischen dem Goethe-Institut und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und soll den Ausbau internationaler wissenschaftlicher Kontakte unterstützen und den inner- und interdisziplinären Dialog zwischen Exponenten der „öffentlichen Wissenschaft“ fördern, die ein breites Publikum anspricht.
Weitere Informationen zu dem Programm finden Sie hier.

[|profil.gzecic], 10.09.12

Jahrestagung 2012: Klimaschutz | Stadt | Energieeffizienz

Jahrestagung 2012: Klimaschutz Stadt Energieeffizienz
(c) Daniel Bläser

Dass der kommunale Klimaschutz für viele Akteure eine wichtige Rolle spielt, zeigte die positive Resonanz auf die Jahrestagung „Klimaschutz/Stadt/Energieeffizienz“ am 30. August in der Essener Philharmonie: Rund 200 Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen debattierten im Rahmen von Vorträgen, Expertengesprächen und Workshops darüber, wie die Energiewende, die Klimaschutzziele und ihre Teilhabe daran in der Stadt, der Region Ruhr und anderswo erreicht werden können.
Die Projektleiter der Klima-Initiative Essen, Kai Lipsius und Prof. Dr. Alexander Schmidt, machten in ihrer Präsentation die Komplexität der Aktivitäten zum Kommunalen Klimaschutz deutlich und zeigten die in Essen beschrittenen Wege auf. Diese konzentrieren sich auf die Bildung von Netzwerken, Beteiligung und Entwicklung neuer Dienstleistungen in den verschiedenen Handlungsfeldern und sollen eine neue Klimakultur befördern. Die konkrete Umsetzung einer neuen Klimakultur wurde vor dem Hintergrund unterschiedlicher Lösungsansätze in der Diskussionsrunde „Handeln in einer neuen Klimakultur“ von Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß, Burkhard Drescher (Geschäftsführer InnovationCity Management), Ingo Alphéus (Vorsitzender der Geschäftsführung der RWE Effizienz GmbH) und Dr. Lars Grotewold (Leiter des Themenclusters Klimawandel Stiftung Mercator) diskutiert. Prof. Dr. Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), zeichnete in seinem Impulsvortrag „ConsumerCitizens? Zehn Thesen zur Umsetzung der Energiewende“ kritische Punkte nach, die sich unter anderem auf die glaubwürdige Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger auf allen Ebenen als auch auf den intensiven Austausch und die notwendige Kooperation der Ruhrgebiets-Kommunen bezogen. „Das Kirchturmdenken“, so Leggewie, „ist eines der größten Hindernisse im Hinblick auf Zukunftsthemen wie die Klima-Expo und die Nachhaltigkeitstransformation, die auch große wirtschaftliche Chancen für das Ruhrgebiet darstellt“.
Im Open Space-Format tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über selbst vorgeschlagene Themen aus und entdeckten neue Impulse für ihre Arbeit. Die Themen reichten von der CO2-Speicherung in alten Bergwerken, über Klimaschutz-Kommunikation, die Rolle der Medien und die Energiewende bis hin zur Aktivierung schwieriger Zielgruppen für den kommunalen Klimaschutz. Die Jahrestagung des BMBF-Wettbewerbes „Energieeffiziente Stadt“ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

[|profil.gzecic], 06.09.12

Polen-NRW-Jahr offiziell beendet

Deutsche und polnische Projektteilnehmer zu Gast bei der offiziellen Abschlussveranstaltung des PL-NRW-Jahres in der Abtei Brauweiler in Pulheim bei Köln
(c) Annina Lottermann/KWI

Teilnehmer der KWI-Reihe machen sich für eine Fortsetzung des zukunftsweisenden Dialogs stark: Am 31. August 2012 hat die NRW-Landesregierung mit einem feierlichen Abschluss und einer Preisverleihung in der Abtei Brauweiler in Pulheim bei Köln das Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 offiziell beendet. Die Abschlussveranstaltung, symbolträchtig auf den Jahrestag des Danziger Abkommens, das der Gründung der polnischen Gewerkschaft „Solidarność“ 1980 den Weg bereitete und einen Tag vor den Gedenktag des deutschen Überfalls auf Polen 1939 gelegt, stand ganz im Zeichen der deutsch-polnischen Beziehungen. Neben der Verleihung des nordrhein-westfälischen „Richeza-Preises“ durch die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und den polnischen Senatspräsidenten Bogdan Borusewicz an das Deutsch-Polnische Jugendwerk bot eine Podiumsdiskussion einen Rückblick auf das Veranstaltungsjahr. Dort berichteten NRW-Europa-Ministerin Angelica Schwall-Düren, ein Vertreter der Offenen Jazz Haus Schule Köln, ein Vertreter des Berufskollegs Essen-Ost und eine Teilnehmerin der KWI-Reihe von ihren Erfahrungen im Polen-NRW-Jahr. Die Kölner Hochschulabsolventin und gebürtige Polin Marta Mundus betonte die Wichtigkeit der Diskussion auch gegenwärtig für beide Länder relevanter Themen, wie es der Fokus der KWI-Veranstaltungen war, und wünschte sich für die Zukunft die Gelegenheit weiterer Zusammentreffen, um den begonnenen Austauschprozess fortsetzen zu können. Die Ergebnisse der Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“, in der die jungen Veranstaltungsteilnehmer Anregungen für eine zukünftige Gestaltung deutsch- bzw. nordrhein-westfälisch-polnischer Beziehungen formulierten, werden Anfang Dezember in einer ausführlichen Dokumentation veröffentlicht. Die Dokumentation wird über das KWI erhältlich sein.

[|profil.gzecic], 04.09.12

Kunst trifft Wissenschaft: Intendant Heiner Goebbels zu Gast im KWI

Gespräch mit Heiner Goebbels zu Europeras
(c) Georg Lukas

Der Bedarf an grenzüberschreitender und globaler Kooperation wächst beständig. Der jüngste Klimagipfel in Rio oder auch der Millenniums-Gipfel 2010 haben jedoch gezeigt, dass das Durchsetzen erfolgreicher internationaler Kooperationen zu den schwierigsten Aufgaben der Politik gehört. Was können politische Akteure in Puncto Kooperation von solchen aus künstlerischen Bereichen lernen? Können überhaupt gute Kooperations-Beispiele aus der Kunst und der kulturellen Praxis zur Verbesserung der Mechanismen auf globale politische Kooperationen übertragen werden? Über diese Fragen diskutierten Heiner Goebbels (Intendant der Ruhrtriennale) sowie die Politikwissenschaftler Claus Leggewie (Direktor des KWI und des Käte Hamburger Kollegs, KHK) und Dirk Messner (Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und des KHK) am 23. August im Rahmen des Workshops „Beispiele gelingender Kooperation” im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Ausgehend von John Cage´s „Europeras“, einer Serie von fünf Opern, veranschaulichte Heiner Goebbels, wie Kooperation innerhalb einer Theatergruppe auch ohne Machtspiele, Eitelkeiten und Autonomiebestrebungen eines Regisseurs und der beteiligten Akteure gelingen kann. Kooperation auf einer äußerst komplexen künstlerischen Ebene gelingt nur dann, so Goebbels, wenn jeder Akteur – ob Sänger, Regisseur, Choreograph, Kostüm- oder Bühnenbildner – dem jeweils anderen seinen Raum gibt und Platz macht für Koexistenzen […]. Der Wille des Regisseurs kommt in Europeras nicht zum Tragen […] ein autoritärer Regiestil ist out“.
Der Workshop „Beispiele gelingender Kooperation“ ist ein Projekt des Käte Hamburger Kollegs „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Das Kolleg untersucht am Beispiel des internationalen Kunstfestivals Ruhrtriennale vom 21. bis zum 25. August 2012 die Grundlagen interkulturellen Verstehens und Miss-Verstehens in der künstlerischen Sphäre. Praktiken der Improvisation, spartenübergreifende Kollaboration und Partizipation werden im Dialog von Kunst, Wissenschaft und Experten reflektiert und auf ihre mögliche Fruchtbarkeit für nicht-künstlerische Kooperationen befragt. Ein weiterer Workshop über Beispiele gelingender Kooperation wird im kommenden Jahr folgen. Eine Dokumentation des aktuellen Workshops finden Sie in Kürze hier.

[|profil.gzecic], 23.08.12

Navid Kermani erhält den Heinrich-von-Kleist-Preis

Navid Kermani
© KWI

Navid Kermani, Schriftsteller, Orientalist und Senior Fellow am KWI, wird mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis ausgezeichnet. Er erhält den mit 20.000 Euro dotierten Preis am 18. November in Berlin. Die Laudatio hält Bundestagspräsident Norbert Lammert. Das teilte der Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft am Montag in Köln mit. Der Preis wird an risikofreudige Schriftsteller verliehen, die wie Kleist als Vordenker gelten können. Mit dem 1985 wiederbelebten Preis – eingerichtet wurde er 1912 anlässlich des 101. Todestages des Dichters – wurden unter anderen Herta Müller, Ferdinand von Schirach und Daniel Kehlmann gewürdigt.
Kermani ist für sein literarisches und essayistisches Werk mehrfach ausgezeichnet worden, darunter mit dem Hannah-Arendt-Preis. Er setzt sich in seinen Werken mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Gesellschaft auseinander. 1967 in Siegen geboren, studierte Kermani Orientalistik, Theaterwissenschaft und Philosophie in Deutschland und Ägypten. Kermani ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

[|profil.mschaeffer], 21.08.12

Neuerscheinung: Nach dem Verfassungsschutz

Nach dem Verfassungsschutz
© Archiv der Jugendkulturen 2012

Drei Rücktritte von Verfassungsschutzpräsidenten in den letzten Wochen und jede NSU-Ausschusssitzung fördert neue Skandale zu Tage: Der Verfassungsschutz steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. In ihrer neuen Publikation „Nach dem Verfassungsschutz. Plädoyer für eine neue Sicherheitsarchitektur der Berliner Republik“ plädieren Claus Leggewie, Politikwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, und Horst Meier, freier Publizist und Rechtstheoretiker, für die Abschaffung der Verfassungsschutzämter und eine neue Sicherheitsarchitektur. „Der deutsche Verfassungsschutz“, so Leggewie im Berliner Tagesspiegel, „ist unhaltbar geworden. Die Terrorserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) hat ihn derart bis auf die Knochen blamiert, dass selbst konservative Hardliner in den Untersuchungsausschüssen vor Zorn geschäumt haben. Es wäre also an der Zeit, dass ein Mohr, der seine Schuldigkeit nicht getan hat, endlich gehen darf.“ Auf 212 Seiten analysieren die beiden Autoren den Verfassungsschutz als Fehlkonstruktion aus dem Kalten Krieg und geben Antworten zu einem ständigen Skandalträger, der Millionen verschlingt. Die aktuelle Publikation ist in diesem Monat im Verlag des Archiv der Jugendkulturen erschienen und wurde Anfang August in der Urania Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen der Buchvorstellung diskutierten Claus Leggewie und Horst Meier mit Ernst Uhrlau, dem ehemaligen Hamburger Verfassungsschützer und späteren Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt.
Besprechungen und Informationen zum Buch sind unter anderem bei WDR 3, Vorwärts und blick nach rechts zu finden.

[|profil.gzecic], 13.08.12

Das KWI verabschiedet sich sportlich in die Sommerpause

Das KWI verabschiedet sich sportlich in die Sommerpause
© Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Dr. Armin Flender/ Sophia Schönborn

Ein Pokal, zwei Platten und ein Sturz – mit einer Fahrrad-Exkursion entlang der internationalen Ausstellung EMSCHERKUNST und einer erfolgreichen Teilnahme beim Drachenbootrennen auf dem Essener Baldeneysee verabschiedet sich das Kollegium des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) in die kreative Sommerpause. Mit einem professionellen Guide an ihrer Seite entdeckten rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KWI Anfang Juli per Rad die Emscher-Insel im nördlichen Ruhrgebiet. Die Tour führte unter anderem an der Slinky Springs to Fame-Brücke und dem Carbon Obelisk vorbei und endete am Gelsenkirchener Monument for a Forgotten Future, einem detailgetreuen Nachbau eines Felsens aus dem Yoshua-Tree-Nationalpark. Sportlich ging es auch Ende Juni auf dem Essener Baldeneysee zu: Bereits zum vierten Mal in Folge hat das KWI-Team „Geistesblitze“ am traditionellen Drachenbootrennen teilgenommen und Platz 1 im B-Finale des Rhein-Ruhr-Sport Cups belegt.
In der Sommerpause wird das KWI in einen dynamischen Schaffungsprozess gehen und sich Zeit nehmen für die Profilierung seiner Forschungsschwerpunkte und für das Nachdenken über neue Themen und Initiativen. Nach der Sommerpause stehen wieder zahlreiche wissenschaftliche Tagungen, Workshops, Lesungen und weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Informationen zu unseren Terminen finden Sie hier.
Das KWI wünscht allen einen kreativen Sommer 2012 und meldet sich mit einem Bericht von der Ruhrtriennale im August zurück!

[|profil.gzecic], 13.07.12

Klima und Kultur in Nordamerika

TeilnehemerInnen der Tagung \
(c) Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI) / Nele Fabian

Auf der Ebene der kulturellen Repräsentation und Bearbeitung des Klimawandels zeichnet sich Nordamerika durch ein besonders breites Spektrum aus. Während in Europa sogenannte Klimaskeptiker weitgehend marginalisiert sind und kaum Einfluss auf die etablierte Politik haben, ist in den USA eine zunehmende Polarisierung in Umwelt- und Klimafragen entlang der (partei-)politischen Präferenzen festzustellen. Wieso vollzieht sich die Abkehr von fossilen Energieträgern gerade in den USA und Kanada vergleichsweise langsam, obgleich in einigen Regionen die menschenverursachte Erderwärmung bereits heute schwerwiegende Folgen zeitigt? Wie ist es möglich, dass in den USA international führende Forschungseinrichtungen zur Erklärung und Vermeidung des Klimawandels beheimatet sind und gleichzeitig religiöse Erklärungen der Erderwärmung in der Öffentlichkeit Gehör finden? Diese und weitere Fragen diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA und Deutschland am 28. und 29. Juni am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Im Rahmen der zweitägigen Tagung „Cultural Dimensions of Climate Change and the Environment in North America" formulierte der Soziologe Roland Benedikter (Stanford University) die These, dass es sich bei „Amerika“ um eine wirkungsmächtige Idee handele, welche radikal auf der Verwirklichung individueller Freiheiten und dem Streben nach Glück fuße und damit tendenziell unvereinbar mit dem Nachhaltigkeitsprinzip sei. Angela Mertig von der Middle Tennessee State University gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die historischen Wurzeln und verschiedenen Strömungen der stark diversifizierten US-amerikanischen Umweltbewegung, und der Umwelt- und Medienwissenschaftler Maxwell Boykoff (University of Colorado-Boulder) arbeitete heraus, wie die spezifischen Interaktionen zwischen Wissenschaften, Medien und Politik zu einer verzerrten und irreführenden Berichterstattung zum Thema „Klimawandel“ führen. Zum Abschluss der Tagung präsentierte Jonas Meckling von der John F. Kennedy School of Government an der Harvard University drei mögliche Szenarien für die US-Klimapolitik in den kommenden Jahren.
Die Beiträge der Tagung erscheinen 2013 in der Reihe „Climate and Cultures“ des Brill-Verlags. Die Abstracts der Vorträge sind hier einzusehen. Die Tagung wurde von der Fritz-Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung unterstützt.

[|profil.gzecic], 06.07.12

Lesung: Rousseaus Traum vom Ewigen Frieden

v.l.n.r. Alfred Hirsch, Marcel Siepmann
(c) Peter Kolling, Buchhandlung Proust

Auch nach dreihundert Jahren entdecken Autoren, die über Rousseau schreiben, etwas Neues an ihm: So auch der Philosoph Alfred Hirsch, der gemeinsam mit Marcel Siepmann am 25. Juni sein im Wilhelm Fink Verlag erschienenes Buch „Rousseaus Traum vom Ewigen Frieden“ in der Buchhandlung Proust in Essen vorstellte. Im Rahmen der Lesung rückte Hirsch sowohl Rousseaus Friedensbegriff in den Mittelpunkt als auch die besondere Bedeutung des Traumes, wie ihn Rousseau in seinen Schriften entwickelt. Für den Autor gilt Rousseau als einer der aktuellsten klassischen Schriftsteller und Denker, da er den gegenwärtigen Herausforderungen einer multikulturellen Globalisierung, im Vergleich zur reinen Lehre der Rationalität, ein anderes geistiges Instrumentarium empfiehlt. Dem Gespräch zwischen Hirsch und dem Historiker und KWI-Fellow Siepmann folgte eine engagierte Debatte mit den Gästen der Buchhandlung, die sich vor allem an dem Rousseauschen Transparenzbegriff entlud. Rousseau war ein Anhänger der Idee, dass eine sich selbst vollständig öffnende Gesellschaft konsequenterweise eine friedliche sei. Die Erfahrungen des totalitären 20. Jahrhunderts, aber auch aktuelle Debatten zum Socialweb oder Wikileaks haben dieses Vertrauen offenbar schwer erschüttert. Alfred Hirsch ist Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und war zwischen 2004 und 2007 Koordinator der Forschungsgruppe "Kulturen der Verantwortung".

[|profil.gzecic], 04.07.12

Essen wir unsere Erde auf?

Essen wir unsere Erde auf?
© Oliver Weber/pixelio

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet auf dem Müll – das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht. Gleichzeitig verschlingt die Landwirtschaft riesige Mengen an Energie, Wasser und Landflächen und ist damit für mehr als ein Drittel der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Im Rahmen der letzten CineScience-Veranstaltung der Reihe „Zukunftsprojekt Erde“ diskutierten Gunnar Fitzner und Johannes Reidel vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) am 19. Juni im Filmstudio Glückauf mit dem Publikum über die Bedeutung der globalen Lebensmittelproduktion und das ambivalente Verhältnis zwischen Natur und Kultur. Anhand der metaphorischen Fragestellung „Essen wir unsere Erde auf?“ zeichnete der Abend vor allem die Einflüsse und Folgen unserer Ernährungsgewohnheiten nach und fragte nach den Folgerungen für unseren Alltag. Als Beispiel für die filmische Inszenierung dieser Zusammenhänge diente Valentin Thurns „Taste the Waste“ (2011). In der Diskussion ging es vorrangig um die Potentiale, eine nachhaltige Gesellschaft zu realisieren. Dabei kam die Frage auf, inwieweit unsere moderne Demokratie sowie aktuelle soziale Bewegungen diesen globalen Trends langfristig entgegen wirken können. Dass unsere Ernährungsweise stets auch Ausdruck unseres sozioökologischen Bewusstseins und unserer moralischen Identität ist, war das Fazit des Abends.
Die Veranstaltungsreihe CineScience Zukunftsprojekt Erde im Wissenschaftsjahr 2012 des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Filmstudio Glückauf wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

[|profil.gzecic], 02.07.12

„Kölner Kulturpreis“ – Navid Kermani mit Ehrenpreis ausgezeichnet

Navid Kermani
© Villa Massimo

Navid Kermani, Schriftsteller, Orientalist und Senior Fellow am KWI, erhielt am 20. Juni den Ehrenpreis des „Kölner Kulturpreises“. Mit der Auszeichnung wurden sein Dialog der Kulturen und seine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Religion gewürdigt. „Ohne sein besonderes Engagement bei der Konzeption und Realisation der Akademie der Künste der Welt wäre die Entstehung dieses für Köln so wichtigen Projekts nicht denkbar gewesen“, urteilte die Jury des „Kölner Kulturkreises“. Der Preis wird vom Kölner Kulturrat an Personen oder Einrichtungen vergeben, die sich im besonderen Maße um die Kölner Kultur verdient gemacht haben. Der Kölner Kulturrat e.V. vereinigt die Fördervereine und Institutionen des Kölner Kulturlebens. Als Interessenvertretung und Sprachrohr unterstützt er interdisziplinär das kulturelle Geschehen der Stadt durch persönliches Engagement, fachlichen Rat und finanzielle Zuwendungen.
Seit Oktober 2009 ist Navid Kermani Senior Fellow am KWI. Zusammen mit dem KWI-Direktor Claus Leggewie ist er Gastgeber des Literarischen Salons im Essener Grillo-Theater.

[|profil.gzecic], 29.06.12

Vortrag: Multikulturalismus als Menschenrecht

Volker Heins / Foto © Paul Walther

Die Idee des Multikulturalismus entstand aus der Krise seiner Vorgänger, insbesondere dem Scheitern der Assimilationspolitik. Und sie entstand außerhalb Europas und am Rande der westlichen Welt, nämlich in Kanada. Nun wird seit einigen Jahren der Multikulturalismus seinerseits für tot erklärt, ohne dass deutlich wird, was an seine Stelle treten soll. Die Rückkehr zur Assimilation von Zuwanderern an eine Leitkultur? Ein kulturell blindes Staatsbürgerideal? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich Volker Heins, Leiter des Forschungsbereichs „InterKultur“ am KWI, am 27. Juni in seinem öffentlichen Vortrag „Multikulturalismus als Menschenrecht. Anmerkungen zur Debatte in Kanada“. Der Politikwissenschaftler und Soziologe Volker Heins ist seit April dieses Jahres Leiter des Forschungsbereichs „InterKultur“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Er ist außerdem Faculty Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University sowie assoziiertes Mitglied des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, wo er lange Zeit als Wissenschaftler tätig war. Zuletzt war Volker Heins für mehrere Jahre Lecturer für Politische Theorie an der McGill University in Montreal.

[|profil.gzecic], 27.06.12

Zukunftsweisende Vorschläge für deutsch-polnische Zusammenarbeit veröffentlicht

TeilnehmerInnen der Abschlussveranstaltung
© Björn Liedgens/KWI

Zum Abschluss der wissenschaftlichen Begleitreihe des Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahres 2011/2012 präsentierten rund 30 Schüler, Studenten und Nachwuchswissenschaftler aus NRW und Polen konkrete Vorschläge für eine zukunftsweisende Gestaltung nordrhein-westfälisch- bzw. deutsch-polnischer Beziehungen. Ihre Anregungen, hervorgegangen aus insgesamt vier intensiven Diskussionsrunden während der letzten 15 Monate, machten deutlich: Jenseits historischer und bilateraler Themen werden in Zukunft auch die Bereiche Arbeitnehmerfreizügigkeit, Klima- und Energiepolitik und religiöse Vielfalt Anknüpfungspunkte für zahlreiche Kooperationen zwischen beiden Ländern bieten, aber auch für neuen Konfliktstoff sorgen. Mit Herbert Jakoby (Staatskanzlei des Landes NRW), Jolanta Róża Kozłowska (Generalkonsulat der Republik Polen in Köln), Walter Leitermann (RGRE/Deutsche Sektion), Peter Oliver Loew (Deutsches Polen-Institut) und Christian Schröter (Deutsch-Polnische Gesellschaft) trafen die jungen Nachwuchskräfte auf interessierte Diskussionspartner und potentielle Adressaten aus verschiedenen deutsch-polnischen politischen und zivilgesellschaftlichen Zusammenhängen. Das Ergebniskommuniqué der Teilnehmerinnen und Teilnehmer steht zum Download zur Verfügung. Die wissenschaftliche Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“ ist eine Veranstaltung des KWI im Auftrag der NRW Europaministerin Angelica Schwall-Düren.

[|profil.mschaeffer], 25.06.12

Kulturpfadfest 2012 im KWI: "Realitäten - von jeder ein bisschen"

Ausschnitt Realitäten - von jeder ein bisschen
© Martin David/KWI

Mit dem Klimawandel geht ein Wahrnehmungsproblem einher: Obwohl medial sehr präsent, sind seine Folgen für die Menschen schwer begreifbar. Vor rund 50 Besucherinnen und Besuchern präsentierte das KWI im Rahmen des Kulturpfadfestes am 15. Juni Ausschnitte aus der sich noch in der Produktion befindenden Dokumentation „Realitäten – von jeder ein bisschen“, die sich jener Problematik in Form einer Filmcollage bildhaft anzunähern versucht. Die Dokumentationsarbeit „Realitäten – von jeder ein bisschen“ stellt die Alltagsbilder deutscher Großstädter den Aussagen bolivianischer Kleinbauern gegenüber, die in ihrer naturbezogenen Lebensweise die starken Auswirkungen des Klimawandels hautnah erleben. Zwischen den Filmvorführungen gaben die KWI-Fellows Martin David und Ingo Haltermann in Vorträgen und Diskussionen inhaltliche Einblicke in das Filmprojekt und stellten den KWI-Forschungsbereich KlimaKultur mit seinen Projekten Shifting Baselines und Katastrophenerinnerung vor. Uwe Nadler von der ravir Film GmbH vermittelte darüber hinaus wissenswerte technische Details zum Filmprojekt.

[|profil.gzecic], 21.06.12

Sieger des Dissertationspreises Kulturwissenschaften 2012 ausgezeichnet

Preisträger und Laudatoren
© KWI / Vorne (v.l.n.r.): Aladin El-Mafaalani, Claudia Equit (Preisträger). Hinten: Jürgen Straub (Stiftung für Kulturwissenschaften), Thomas Geer (Vorsitzender des Fördervereins des KWI), Norbert Jegelka (Geschäftsführer des KWI), Claus Leggewie (KWI-Direktor)

Am 19. Juni 2012 hat der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) zum vierten Mal den Dissertationspreis Kulturwissenschaften verliehen, der Preis wurde erstmals mit der Unterstützung der Stiftung für Kulturwissenschaften vergeben. Mit dem Preis werden jährlich zwei hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet. Der erste Preis ging in diesem Jahr an Dr. Aladin El-Mafaalani für seine an der Ruhr-Universität Bochum vorgelegte Dissertation „Bildungsaufsteiger/innen aus benachteiligten Milieus. Habitustransformation und soziale Mobilität bei Einheimischen und Türkeistämmigen“. El-Mafaalani konzentriert sich auf Fragen der Bildungsungleichheit und Barrierendurchlässigkeit und nimmt unter Berücksichtigung der Habitustheorie von Pierre Bourdieu geschlechts-, migrations- und schichtenspezifische Besonderheiten sozialer Mobilität in den Blick. Bei der Untersuchung der Aufstiegsbiografien stellte sich heraus, dass gerade auch der Zufall eine wichtige Rolle im Leben der sehr erfolgreichen Bildungsaufsteiger gespielt hat und der Aufstieg nicht durch einen ausgefeilten Plan erreicht wurde. Den zweiten Preis errang Dr. Claudia Equit mit ihrer an der Technischen Universität Dortmund vorgelegten Arbeit „Gewaltkarrieren von Mädchen. Der ‚Kampf um Anerkennung‘ in biografischen Lebensverläufen“. Equit analysiert auf empirischer Grundlage die Lebenswege gewaltaktiver junger Mädchen und Frauen im Alter von 13 bis 21 Jahren und die Genese ihres Gewalthandelns unter Rekurs auf Theorien der Anerkennung. Sie geht auch auf Möglichkeiten des Ausstiegs und Maßnahmen der Gewaltprävention ein. Bei beiden Arbeiten wurde die außerordentlich differenzierte und umsichtige Weise gelobt, mit der die Preisträger komplizierte wissenschaftliche Fragestellungen bearbeitet und dabei theoretische Konzepte und methodische Ansätze überzeugend mit empirischen Analysen und kritisch geprüften Schlussfolgerungen verbunden haben.

[|profil.mschaeffer], 19.06.12

Erste Käte Hamburger-Lecture mit Timothy Garton Ash

Erste Käte Hamburger Lecture am 11.06.2012
© Georg Lukas

Die Frage, ob die Meinungsfreiheit – insbesondere auch im Internet – unantastbar ist oder in bestimmten Fällen eingeschränkt werden sollte, sorgt in unserer multikulturellen Welt stets für Diskussionen. Um einer möglichen Lösung der Problematik näher zu kommen, hat der britische Historiker Timothy Garton Ash mit seiner „Free Speech Debate“-Website eine Plattform geschaffen, auf der in 13 Sprachen über freie Meinungsäußerung diskutiert werden kann. Am 11. Juni präsentierte Ash seine auf der Website zur Diskussion gestellten Prinzipien zur Meinungsfreiheit im Rahmen der ersten Käte Hamburger-Lecture des neu gegründeten Centre for Global Cooperation Research / Käte Hamburger-Kolleg „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“. In seinem Vortrag „Can (and should) there be Global Norms for Freedom of Expression?“ erläuterte Ash seine zehn Prinzipienentwürfe, die mit Meinungsfreiheitsexperten, Anwälten, Politikwissenschaftlern, Theologen, Philosophen, Aktivisten und Journalisten aus aller Welt entwickelt wurden. Ash vertrat die These, dass wir in dieser globalen, vernetzten Welt aufgrund moderner Kommunikationsmittel alle Nachbarn seien, was noch nie da gewesene Möglichkeiten für die freie Meinungsäußerung eröffne. Diese mediale Welt beinhalte jedoch nicht nur Inklusion, sondern auch Exklusion – der Internetzugang als Vorbedingung für die Ausübung des Rechtes auf Redefreiheit. Er verwies auch auf die Macht des Internets: „Wäre Facebook ein Land, wäre es nach der Zahl seiner Nutzer die drittgrößte Macht der Welt. Was Google macht, ist wirkungsvoller als die Taten eines Staates.“ In seinem Schlusswort betonte Ash den universellen Wert der Meinungsfreiheit. Am Beispiel des siebten Prinzips zur Religion machte er allerdings auch die Bedeutung kultureller Unterschiede deutlich. Rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten Ashs Vortrag, auf den Kommentare von Christoph Bieber, Diedrich Diederichsen und Martin Eifert und eine Diskussion mit dem Publikum folgten. Mit den vierteljährlichen Käte Hamburger Lectures sucht der Forschungsverbund den Austausch mit der interessierten Öffentlichkeit. Eine Dokumentation der ersten Lecture sowie des begleitenden Workshops „Redefreiheit in einer multikulturellen Welt. Recht, Internet und das zivile Aushandeln von Meinungsdifferenzen“ finden Sie hier.

[|profil.mschaeffer], 12.06.12

Stadtgezwitscher: Auftakt der Klima-Initiative Essen

Björn Ahaus (KWI), Rolf Schwermer (Solargenossenschaft Essen)
© KWI/Friederike Behr

Im Rahmen der Essener Klimatage hat das Kulturwissenschaftliche Institut Essen Initiativen und Unternehmen dazu eingeladen, ihre Aktivitäten in den Bereichen Mobilität, Erneuerbare Energien und Energie und Gebäude zu präsentieren. Unter dem Titel „Stadtgezwitscher“ präsentierten Initiativen (Transition Town Bewegung, VeloCityRuhr, der Runde Umwelttisch Essen), Unternehmen (nattler Architekten, Solargenossenschaft Essen) und kommunale Projekte (IdEE Altendorf, E-Mobility Zone) ihre Arbeit und warben für Unterstützung. Das originelle Präsentationsformat, 20 Folien á 20 Sekunden, führte zu kurzweiligen Vorträgen. In der familiären Atmosphäre der Ladengemeinschaft des Essener GenerationenKult Hauses knüpften die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Netzwerke, die Initiativen bekamen Zulauf von neuen Mitgliedern. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es für kommunalen Klimaschutz einen Austausch mit allen Interessierten und Aktiven in der Stadtgesellschaft braucht. Die Essener Klimatage waren die Auftaktveranstaltung für das Projekt „Klima-Initiative Essen. Handeln in einer neuen Klimakultur“.

[|profil.mschaeffer], 11.06.12

Neuerscheinung: "Unter Piraten"

Unter Piraten. Erkundungen in einer neuen politischen Arena
© transcript Verlag 2012

Seit die Piraten in das Berliner Abgeordnetenhaus und drei weitere Landesparlamente eingezogen sind, hat sich die Partei zum großen innenpolitischen Gesprächsthema entwickelt. Sind die Piraten nur ein Übergangsphänomen, das von der Schlafmützigkeit des politischen Establishments profitiert, oder gibt es ein Potenzial für nachhaltige Verschiebungen im politischen Koordinatensystem? Bilden ihre politischen Stilmittel wie radikale Transparenz und „liquid democracy“ die Basis für eine neue politische Ära? Der aktuell im Bielefelder transcript Verlag erschienene Band „Unter Piraten: Erkundungen in einer neuen politischen Arena“, herausgegeben von Christoph Bieber (Universität Duisburg-Essen) und Claus Leggewie (Kulturwissenschaftliches Institut Essen), liefert die erste wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme und kulturelle Deutung zum neuen politischen Phänomen „Piratenpartei“.
Am 13. Juni stellen die beiden Herausgeber Bieber und Leggewie die neue Publikation bei einem medienpolitischen Colloquium in der Schwarzkopf-Stiftung in Berlin vor.

[|profil.mschaeffer], 06.06.12

Enzyklopädie der Neuzeit: Von Abendland bis Zyklizität

Die Enzyklopädie der Neuzeit
© Verlag J.B. Metzler


Im Mai 2012 ist der fünfzehnte und letzte Artikelband der Enzyklopädie der Neuzeit erschienen, mit dem eines der ambitioniertesten Publikationsprojekte der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten seinen Abschluss findet. In dem Gemeinschaftsunternehmen des KWI und des Stuttgarter Verlags J.B. Metzler haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 37 Ländern der Welt unter der Leitung des geschäftsführenden Herausgebers Friedrich Jaeger, Senior Fellow am KWI, die Kenntnisse über das Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in 15 reich illustrierten Bänden zusammengeführt.
Die seit 2005 erscheinende Enzyklopädie erschließt im Rahmen von etwa 3.500 alphabetisch geordneten Artikeln – zu Themen wie „Dynastie“, „Globale Interaktion“, „Männlichkeit“, „Naturgeschichte“, „Renaissance“ oder auch „Wirtschaftswachstum“ – die europäische Geschichte und ihre globalen Kontexte zwischen 1450 und 1850 und umfasst damit die Epoche der Frühen Neuzeit und des Zeitalters der bürgerlichen Revolutionen. Sie endet mit dem Beginn der Moderne, die sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat.
Die einzelnen Bände - der zugehörige Registerband erscheint noch im Herbst 2012 - sind im halbjährlichen Rhythmus erschienen. An dem Unternehmen sind ca. 100 international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Herausgeber beteiligt. Darüber hinaus haben rund 1.400 Autorinnen und Autoren Artikel beigetragen. Ende September wird das Werk anlässlich des Deutschen Historikertags in Mainz vorgestellt.

[|profil.mschaeffer], 31.05.12

UAMR feiert ihr fünfjähriges Bestehen

KWI-Bericht 2010/11
© KWI / Kristof Hoppen

Ein Grund zum Feiern: Vor fünf Jahren wurde die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) gegründet, um Forschung und Lehre der drei großen Ruhrgebietsuniversitäten – der Ruhr-Universität Bochum, Universität Duisburg-Essen und der Technischen Universität Dortmund – besser zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Das KWI ist eine der ersten gemeinsamen Einrichtungen der UAMR gewesen und fungiert seit ihrer Gründung 2007 erfolgreich als interuniversitäres kulturwissenschaftliches Forschungskolleg. Das KWI pflegt vielfältige Verbindungen mit Fakultäten und WissenschaftlerInnen der drei Universitäten.
Dass die UAMR ihrem Ziel, die Metropole Ruhr als Wissenschaftsstandort zu stärken und stets attraktiver zu gestalten, einen großen Schritt näher gekommen ist, zeigt der jüngst veröffentlichte Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Das Ruhrgebiet mit seinen drei Universitäten wird dort unter den Top 10 der forschungsstärksten Regionen Deutschlands gelistet. Am heutigen Mittwoch feiert die UAMR im red dot design Museum in Essen ihr fünfjähriges Bestehen, Grußworte sprechen NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und Bundestagspräsident Nobert Lammert (per Videobotschaft), die Festrede hält der ehemalige Leiter des Bundespräsidialamtes und Beiratsvorsitzende der Stiftung Mercator, Rüdiger Frohn.

[|profil.mschaeffer], 29.05.12

Über die Kinderwelten der Erwachsenen

Im Rahmen der letzten CineScience-Veranstaltung diskutierten Saskia Geisler von der Ruhr-Universität Bochum und Sebastian Wessels vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) am 22. Mai im Filmstudio Glückauf mit dem Publikum über die "Kinderwelten der Erwachsenen". Anhand von Ausschnitten aus Kinderfilmen zeichnete der Abend die neuzeitliche Trennung von Kindheit und Erwachsenenwelt nach, die im Mittelalter weitgehend unbekannt war und seit der Renaissance immer wieder zu Kontroversen über Wesen und Bedürfnisse des Kindes führt. Als Beispiel für fiktionale Stoffe, die von Erziehung handeln und selbst erzieherisch wirken wollen, diente Carlo Collodis Klassiker "Pinocchio" - eine Fortsetzungsgeschichte aus dem späten 19. Jahrhundert, die das Erwachsenwerden als Zähmung ursprünglicher Wildheit erscheinen lässt, aber dem Kind immerhin noch diese Wildheit zubilligt, die in Disneys Trickfilm-Umsetzung von 1940 gar nicht erst vorkommt. Dafür sind die erzählerischen Warnungen an das unartige Kind darin umso drastischer, die im Publikum sogar die Frage nach einer Altersbegrenzung des Films aufriefen.
Neuere Stoffe wie "Momo" (1986) und "Findet Nemo" (2003) zeigen deutlich die Veränderung der Wahrnehmung von Kindern. In beiden Fällen sind es eher die Erwachsenen, die von Kindern zu lernen haben, statt umgekehrt, wobei sich moderne Ideale der Liberalität mit den Kindheitsidealen der Romantik verbinden. In vielerlei Hinsicht ließ sich in der Abschlussdiskussion resümieren, dass Kinderliteratur und -filme vor allem Auskunft über die zeitspezifischen Probleme, Bedürfnisse und Werte Erwachsener geben.
CineScience findet auf Initiative des KWI in Zusammenarbeit mit dem Filmstudio Glückauf in Essen statt.

[|profil.mschaeffer], 23.05.12

NRW-Wissenschaftsministerin zeichnet KWI als „Ort des Fortschritts“ aus

v.l.n.r.: Prof. Dr. Ulrich Radtke, NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Prof. Dr. Claus Leggewie
© KWI / Georg Lukas

Im Rahmen der Initiative „Fortschritt NRW“ hat die nordrheinwestfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze das KWI am 21. Mai als „Ort des Fortschritts“ ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung lobte die Ministerin das Institut vor allem für seine besondere Forschungsleistung im Schwerpunkt KlimaKultur. „Mit diesem Forschungsschwerpunkt hat sich das KWI ein neues Feld von enormer gesellschaftlicher Bedeutung erschlossen und schafft es, die Grenzen der Disziplinen zu überwinden“, betonte Ministerin Schulze in ihrer Rede. „Nur im Zusammenspiel der Naturwissenschaften mit den
Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften können Lösungsstrategien entstehen, die den Klimawandel und die damit verbundenen großen gesellschaftlichen Herausforderungen in ihrer Gesamtheit erfassen.“
Ministerin Svenja Schulze hob zudem die herausragende Forschung des Instituts hervor: „Das KWI ist mit seinen Forschungen seit über 20 Jahren ein Pionier auf dem Gebiet inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit." Der Ehrentitel „Ort des Fortschritts“ würdigt die besonderen Beiträge dieser wissenschaftlichen Pioniere zu einem qualitativen und nachhaltigen Fortschritt in Nordrhein-Westfalen. Das KWI ist der mittlerweile zwölfte „Ort des Fortschritts“ in NRW.
„Als Rektor der Universität Duisburg-Essen und als Vertreter der Universitätsallianz Metropole Ruhr gratuliere ich dem KWI ganz herzlich zu dieser Auszeichnung“, sagte Prof. Dr. Ulrich Radtke. „Ich freue mich mit dem Institut auch persönlich über diesen Ehrentitel, weil wir dem Institut eng verbunden sind und durch seine erfolgreiche Arbeit gewinnen. Das KWI ist eine dynamische interdisziplinäre Einrichtung, die immer neue Themen aufgreift und neue Ziele setzt. Das hat sich nicht zuletzt bei der Initiative des Instituts bei der Beantragung und der am Ende erfolgreichen Einwerbung eines Käte Hamburger Kollegs gemeinsam mit Kollegen der Universität Duisburg-Essen und des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) gezeigt.“
„Für das KWI ist der Ehrentitel „Ort des Fortschritts“ eine besondere Auszeichnung, für die wir uns sehr herzlich bedanken“, sagte KWI-Direktor Prof. Dr. Claus Leggewie. „Wir freuen uns, dass damit die Arbeit des Instituts und unsere Kooperation mit den Kolleginnen und Kollegen in der Universitätsallianz Metropole Ruhr gewürdigt werden. Mit unserem Forschungsschwerpunkt KlimaKultur, der sich mit den kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten des Klimawandels und des Klimaschutzes befasst, haben wir viel positive Resonanz erfahren. Das zeigt, wie wichtig dieses Thema jetzt auch für die Kulturwissenschaften geworden ist“, sagte Leggewie.

[|profil.mschaeffer], 21.05.12

Neuerscheinung: Rousseaus Traum vom Ewigen Frieden

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© Wilhelm Fink Verlag 2012

Die Sehnsucht nach immerwährendem Frieden ist so alt wie die Menschheit selbst. Jean-Jacques Rousseau hat in seinem aufklärerischen Denken einen neuen Zugang zum Konzept eines universellen Friedens freigelegt, der auch auf ihn selbst ein neues Licht wirft. Selten wurde der Zusammenhang von kulturell-historischer Entwicklung und politischer Ordnung intellektuell so intensiv durchdrungen wie in Rousseaus Vorstellung des Friedens. Umso erstaunlicher ist es, dass diese Seite des großen Denkers bisher unentdeckt war. In seinem Ende Mai beim Wilhelm Fink Verlag erscheinenden Buch "Rousseaus Traum vom Ewigen Frieden" bringt uns KWI-Senior Fellow Alfred Hirsch Rousseau ein großes Stück näher, indem er anschaulich das Panorama eines Friedensdenkens nachzeichnet, das noch keine Disziplinengrenzen kennt und sich deshalb frei entfalten kann. Rousseaus Vorstellung vom Frieden ist geprägt von einer Skepsis gegenüber den Wissenschaften und dem Medium der Sprache, die auch uns heute aufs Tiefste eingeprägt ist.

[|profil.mschaeffer], 18.05.12

Internationales WBGU-Symposium in Berlin: „Towards Low-Carbon Prosperity”

Bundeskanzlerin Angela Merkel
© Nibaldo Muñoz, Berlin

Welche Schritte unternehmen Staaten weltweit, um ihre Energieversorgung unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen und die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern? Von welchen Erfahrungen lässt sich gegenseitig lernen? Und welche internationalen Partnerschaften sind bei der Transformation der Energiesysteme möglich? Diese Fragen diskutierten hochkarätige Experten aus China, Dänemark, Indien, Japan, Großbritannien, Mexiko, den USA und Deutschland auf Einladung des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU im Rahmen des internationalen Symposiums „Towards Low-Carbon Prosperity: National Strategies and International Partnerships“ am 9. Mai in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Symposium mit ihrer Rede eröffnet hat, betonte, dass „das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, nicht aus den Augen“ verloren werden dürfe. Daher bat sie die in Berlin versammelten Wissenschaftler, darunter Mario J. Molina, der 1995 für seine Forschungen zur Zerstörung der Ozonschicht den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte, „hartnäckig“ zu bleiben und den „Politikern manchmal auch auf den Wecker“ zu fallen: „Wenn Sie gute Argumente haben, dann werden wir darauf hören und werden uns ihnen nicht entziehen können. […] Werben Sie dafür, dass die gesellschaftliche Gemeinschaft derer, die sagen: wir müssen etwas grundlegend ändern, größer wird.“
Lord Nicholas Stern von der London School of Economics and Political Science (LSE), der im sogenannten Stern Report im Jahr 2006 die ökonomischen Folgen des Klimawandels taxiert und damit weltweit Aufmerksamkeit gefunden hatte, empfahl, über Investitionen in den Klimaschutz die Wachstumsschwäche zahlreicher europäischer Staaten zu bekämpfen: „The low-carbon sector is the only credible growth story over the next few decades. It offers the prospect of intense creativity and innovation which can deliver an attractive and prosperous future not just for Europe, but the world as a whole.”
Das KWI erforscht in seinem Schwerpunkt KlimaKultur die kulturellen und gesellschaftlichen Aspekte des Klimawandels und des Klimaschutzes. KWI-Direktor Claus Leggewie ist seit 2008 Mitglied im WBGU.

[|profil.mschaeffer], 15.05.12

Interkultur in Theorie und Praxis

v.l.n.r.: Prof. em. Dr. Hans-Georg Soeffner, Prof. Dr. Helmut Berking, Prof. Dr. Jo Reichertz
© KWI/Kerstin Schneider

Unter der Leitung der KWI-Fellows Hans-Georg Soeffner und Thea Boldt veranstaltete der Arbeitskreis Interkultur am 24. und 25. April die Tagung „Interkultur in Theorie und Praxis“. Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten die Frage, wie soziale Austauschprozesse in pluralistischen multikulturellen Gesellschaften analytisch erfasst und theoretisch neu konzeptualisiert werden können. Die Tagung zielte darauf ab, den Begriff der „Interkultur“ anhand empirischer Fallstudien aus verschiedenen Bereichen der sozialen Wirklichkeit (internationale Fluglinien, afrikanische Megastädte oder islamische Zuwanderung nach Deutschland) theoretisch und praktisch auszuloten, damit er zu einem zentralen Element einer Theorie kultureller Wechselwirkungen in multikulturellen Gesellschaften werden kann. Dabei wurde „Interkultur“ als kulturelle Verschränkung verstanden, die jenseits des Kulturvergleiches untersucht wird und die sozialen Subjekte nicht als Träger räumlich gebundener Kulturmerkmale wahrnimmt, sondern ihre pluralistischen Lebens-, Handlungs- und Sichtweisen berücksichtigt: Lebensformen, die sowohl der Erfahrungsaufschichtung im Kontext der globalen Mobilität als auch dem Austausch von Wissensbeständen im elektronischen Zeitalter Rechnung tragen. In den Vorträgen und anschließenden Diskussionen konnte der Begriff „Interkultur“ in seinen politischen und gesellschaftlichen wie auch in seinen handlungspraktischen Kontexten weiter präzisiert und empirisch verortet werden. Eine Publikation der Ergebnisse der Tagung am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen beim Springer VS-Verlag ist in Planung. Unter dem Titel "Integration ist mehr als Anpassung" hat der Deutschlandfunk einen ausführlichen Bericht zur Tagung gesendet.

[|profil.mschaeffer], 08.05.12

Was die Energiewende für Europa bedeuten kann

Claus Leggewie
© DAAD

Am 20. April hielt KWI-Direktor Claus Leggewie auf Einladung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in St. Petersburg einen Vortrag über „Klimawandel ist Kulturwandel. Was die Energiewende für Europa bedeuten kann“. Leggewie sprach in diesem Rahmen über den Zusammenhang zwischen Energieproduktion und Regimeformen, wobei er sich im Wesentlichen auf die erdölexportierenden Rentiersstaaten im Mittleren Osten konzentrierte. Ihnen wurde durch die arabische Demokratiebewegung die Grundlage entzogen, ohne dass nun schon der Weg offen wäre für eine demokratische Regierung und eine Umstellung auf die Erzeugung und den Export erneuerbarer Energien wie Sonnenstrom. Diese Lösung empfahl Claus Leggewie als Kooperationsbasis für eine erneuerte Mittelmeerunion der EU. Das zahlreich erschienene Publikum diskutierte die Frage des Klimaschutzes engagiert und kontrovers, ebenso die Analogien zwischen den Regimeformen und Monokulturen der Erdölexportländer am Golf mit dem Gasexporteur Russland.

[|profil.mschaeffer], 02.05.12

Lesart Spezial: Der schwierige Umgang mit den Extremen

Uwe Backes_Maike Albath_Wolf Schmidt
© Buchhandlung Proust

Warum wenden sich junge Deutsche den Extremen zu? Welche Gefahr geht von ihnen aus? Wie soll ein demokratischer Staat damit umgehen? Wie kann er präventiv agieren? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des Diskussionsabends Lesart Spezial am 23. April 2012, moderiert von Maike Albath (Deutschlandradio Kultur). Unter dem Titel „Mein Nachbar, der Extremist – Wie begegnen wir Neonazis und Islamisten?“ diskutierten Journalist Wolf Schmidt und Extremismusforscher Uwe Backes anhand zweier Buchneuerscheinungen über aktuelle Fallbeispiele, wie den Gerichtsprozess von Anders Breivik in Norwegen, die Debatte um die kostenlose Koranverteilung der Salafisten und die Mordserie der Zwickauer Terrorzelle. Schmidt stellte sein kürzlich erschienenes Buch „Jung, deutsch, Taliban“ (Ch. Links, Berlin 2012) vor, Uwe Backes die neueste Publikation von Gideon Botsch „Die extreme Rechte in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis heute“ (WBG, Darmstadt 2012). Die beiden Lesart Spezial-Gäste warfen einen differenzierten Blick auf die in sich stark zersplitterte extremistische Szene, ihre Geschichte und die darin abzulesenden Entwicklungen und sprachen sich für mehr Wachsamkeit aus. Sie wiesen darauf hin, das vor allem das Internet eine schnelle Radikalisierung Einzelner innerhalb weniger Wochen begünstige. Ein Patentrezept zur Gegensteuerung gebe es nicht, allerdings sei Bildung der beste Weg um Radikalisierung vorzubeugen, so das Resümee des Abends.
Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) veranstaltet gemeinsam mit dem Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen in regelmäßigen Abständen die Reihe Lesart Spezial, in der Podiumsgäste Sachbuch-Neuerscheinungen zu aktuellen Themen diskutieren.

[|profil.mschaeffer], 30.04.12

Kooperation in der Weltgesellschaft – effektiv und legitim?

Die aktuelle Kolumne

Globale Problemfelder wie der gefährliche Klimawandel oder die Weltfinanzkrise erfordern globale Lösungen. Der Bedarf an grenzüberschreitender und globaler Kooperation wächst beständig. Global regiert wird im Rahmen von Organisationen der UN-Familie oder der G20, in der Welthandelsorganisation oder auf globalen Verhandlungsrunden wie den Weltklimakonferenzen. Wie aber kann Weltregieren ohne Weltregierung effektiver gestaltet werden? Wie können die verschiedenen Akteure so zusammenzuwirken, dass die grenzüberschreitenden Probleme nicht nur angesprochen, sondern auch gelöst werden? Antworten auf diese und andere Fragen zu Möglichkeiten globaler Kooperation geben Dr. Rainer Baumann und Professor Tobias Debiel (INEF) vom Käte Hamburger Kolleg „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ in ihrem Beitrag „Kooperation in der Weltgesellschaft – effektiv und legitim?“. Der Artikel erschien am 23. April 2012 in „Die aktuelle Kolumne“ des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE). In „Die aktuelle Kolumne“ verfassen unter anderem Wissenschaftlerinnen des Käte Hamburger Kollegs regelmäßig Beiträge zu den Chancen globaler Kooperation im 21. Jahrhundert. Professor Claus Leggewie, Co-Direktor des Kollegs und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), schrieb am 12. März dieses Jahres in seiner Kolumne über die „Kulturen der Kooperation“.

[|profil.mschaeffer], 26.04.12

KWI blickt zurück in die urbane Zukunft von 1970

CineScience Zukunftsprojekt Erde

Die Aufschwungseuphorie der Nachkriegszeit kam in den 1970er Jahren ins Stocken: die Ölkrise oder der Bericht des Club of Rome über die Grenzen des Wachstums gaben Anlass, die Zukunft des westlichen Lebensstils skeptisch zu hinterfragen. Im Rahmen der Veranstaltung „Unsere urbane Zukunft von 1970“ der Reihe CineScience Zukunftsprojekt Erde im Wissenschaftsjahr 2012 gingen Armin Flender, Annina Lottermann und Marcel Siepmann vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) am 17. April 2012 der Frage nach, wie das Thema Ökologie nach 1970 gesellschaftspolitische Bedeutung erlangte und im ersten Ökothriller „Soylent Green“ von 1973 eine auf das Massenpublikum zielende Form fand. Anhand von Filmausschnitten wurden die durch Umweltzerstörung, Klimawandel und Bevölkerungswachstum zentralen Aspekte eines dystopischen Zukunftsszenarios im Filmstudio Glückauf vorgestellt, mit dem Publikum diskutiert und auf unsere heutige Zeit bezogen. Aus Sicht des Publikums zeigte der Film Vorstellungen und Szenarien, die trotz der filmischen und dramatischen Zuspitzung auch für unsere heutige Gegenwart noch gültig sind.
Die Reihe CineScience Zukunftsprojekt Erde wird im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBF) gefördert. Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 19. Juni 2012 unter dem Titel „Essen wir unsere Erde auf“? wieder im Filmstudio Glückauf statt.

[|profil.gzecic], 24.04.12

Volker Heins neuer Leiter des Forschungsbereichs „InterKultur“ am KWI

Volker Heins neuer Leiter „InterKultur“

Der Politikwissenschaftler und Soziologe Volker Heins ist seit April 2012 Leiter des Forschungsbereichs InterKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Heins ist außerdem Faculty Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University sowie assoziiertes Mitglied des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, wo er lange Zeit als Wissenschaftler tätig war. Zuletzt war Volker Heins für mehrere Jahre Lecturer für Politische Theorie an der McGill University in Montreal.
Der Forschungsbereich InterKultur befasst sich mit der Frage, wie moderne Gesellschaften mit der Wirklichkeit der kulturellen Vielfalt umgehen und diese gestalten. Der normative Fluchtpunkt der Projekte liegt in der Analyse der Bedingungen und Chancen eines weltweiten Humanismus, der alle Menschen in ihrer Verschiedenheit akzeptiert. Die Projekte des Forschungsbereichs InterKultur werden bisher gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Stiftung Mercator und die Hans-Böckler-Stiftung.

[|profil.gzecic], 19.04.12

3. Spiekerooger Klimagespräche

3. Spiekerooger Klimagespräche

"Wir müssen endlich handeln, damit die Welt Ziele hat": Unter diesem Motto fanden vom 17. bis zum 19. November vergangenen Jahres die 3. Spiekerooger Klimagespräche statt. Thematischer Dreh- und Angelpunkt der Tagung war die Frage nach einem angemessenen Umgang zur Bewältigung des Klimawandels. Vor diesem Hintergrund erarbeiteten unter der Leitung von drei Wissenschaftlern, darunter Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Direktor des Center for Responsibility Research (CRR) am KWI, rund 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus den Bereichen Wissenschaft, Beratung, Design, Publizistik sowie aus verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen und Initiativen Leitfragen, Thesen und Lösungsansätze. Die Arbeitsergebnisse der dreitägigen Veranstaltung sind in einem ausführlichen Tagungsbericht dokumentiert, der im März 2012 unter dem Titel "3. Spiekerooger Klimagespräche 2011" im Deutschen Buchverlag Oldenburg erschienen ist. Die vierte Ausgabe der Spiekerooger Klimagespräche findet vom 22. bis zum 24. November 2012 wieder in der Kogge auf Spiekeroog statt.

[|profil.mschaeffer], 13.04.12

FES-Studie: Verbrauchte Zukunft

Verbrauchte Zukunft. Mentale und soziale Voraussetzungen verantwortungsvollen Konsums
© Friedrich-Ebert-Stiftung

Verantwortungsvoller und ethischer Konsum ist heute in aller Munde. Die Politik hat die Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher für eine nachhaltige Wirtschaft entdeckt, die Zahl der Konsumentinnen und Konsumenten, denen ein gesunder und nachhaltiger Lebensstil wichtig ist (sog. „LOHAS“ – Lifestyles of Health and Sustainability), scheint allerorten zu steigen. Die immer deutlicher absehbare Dramatik des Klimawandels bei Fortsetzung des bisherigen Lebens und Konsumstils moderner Gesellschaften führt dazu, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher zur Vermeidung ökologischer und sozialer Katastrophen entscheidende Beiträge leisten müssen. Doch was sind die Voraussetzungen dafür, dass Konsumentinnen und Konsumenten eine solche Verantwortung überhaupt übernehmen können? Dieser Frage geht die Studie „Verbrauchte Zukunft. Mentale und soziale Voraussetzungen verantwortungsvollen Konsums“ nach, die im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) von den Sozialwissenschaftlern Michael Fischer und Bernd Sommer, Fellow am KWI, erstellt wurde. Neben der Auseinandersetzung mit den materiellen und sozialen Voraussetzungen verantwortungsvollen Konsums, untersucht die Studie auch die psychischen und sozialen Funktionen des Konsums, an die es ebenfalls anzusetzen gilt, um wirksame Änderungen des Konsumentenverhaltens in Richtung Nachhaltigkeit zu befördern. Das Projekt entstand ursprünglich aus einer Anfrage für einen Beitrag zum Sammelband „Konsumentenverantwortung“, der unter der Regie des Forschungsbereichs „Verantwortungskultur“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) erstellt wurde. Die vorliegende Studie ist eine überarbeitete und erweiterte Version des ursprünglichen Buchbeitrags.

[|profil.mschaeffer], 10.04.12

Kommunaler Klimaschutz: Nutzen und Nachteil der Bürgerbeteiligung

Vom Nutzen und Nachteil der Bürgerbeteiligung für den kommunalen Klimaschutz
© Klima-Initiative Essen

Unter dem Titel „Vom Nutzen und Nachteil der Bürgerbeteiligung für den kommunalen Klimaschutz“ hat das Center for Responsibility Research (CRR) am 28. März 2012 im Rahmen des Projekts „Klima-Initiative Essen. Handeln in einer neuen Klimakultur“ eine interdisziplinäre Tagung mit TeilnehmerInnen aus Wissenschaft und Praxis veranstaltet. Von demokratischen Innovationen bis hin zu Bürgerunternehmen diskutierten die TeilnehmerInnen ein breites Spektrum sowohl politisch institutionalisierter als auch selbst organisierter Beteiligungsformen. Am Ende der Tagung kristallisierte sich ein interessantes Spannungsfeld heraus: Einerseits existiert eine große Bereitschaft der BürgerInnen, an politischen Prozessen teilzunehmen, andererseits herrscht noch Ungewissheit darüber, inwieweit Politik und Verwaltung die Bürgerbeteiligung für alle gewinnbringend einbinden können. Vor allem im Bereich des kommunalen Klimaschutzes fehlt es an praktischen Erfahrungen, so das Resümee der Tagung. Die TeilnehmerInnen waren sich einig darüber, dass es einer entsprechenden Anerkennungskultur bedarf und auch die Bedeutung materieller Anreize nicht vernachlässigt werden sollte.

[|profil.mschaeffer], 05.04.12

Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2012

Förderverein des KWI

Der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und die Stiftung für Kulturwissenschaften vergeben den Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2012 für hervorragende Dissertationen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit dem Preis wollen Förderverein und Stiftung die interuniversitäre Arbeit des Forschungskollegs unterstützen und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften fördern. So sind Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der drei UAMR-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen aufgerufen, ihre in den Jahren 2010 oder 2011 eingereichte Dissertation einzusenden. Bewerbungsschluss ist der
20. April 2012. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier.

[|profil.mschaeffer], 03.04.12

„Wir brauchen eine nachhaltige Nachhaltigkeit“

EffizienzCluster LogistikRuhr im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen
© EffizienzCluster Management GmbH

Nachhaltigkeit muss sein. Aber Nachhaltigkeit muss sich auch lohnen: Auf Einladung des EffizienzCluster LogistikRuhr diskutierten am 21. März 2012 im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) vor 70 Teilnehmern Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft die Frage nach den Grundmotiven nachhaltigen Handelns sowie der aktiven Ausgestaltung von Corporate Social Responsibility (CSR). Professor Dr. Ludger Heidbrink, Direktor des Center for Responsibility Research (CRR) am KWI, forderte im Rahmen der Veranstaltung eine „nachhaltige Nachhaltigkeit, bei der ein grundlegender Mentalitäts- und Strukturwandel für die Minimierung der Treibhausgase sorgt und einen gesellschaftlichen Transformationsprozess in Gang setzt“. Für die Logistik ist Nachhaltigkeit überlebenswichtig – verursacht sie doch weltweit 14 Prozent aller Treibhausgase. Klaus-Dieter Ruske, Partner und Global Leader bei Pricewaterhouse Coopers, wies darauf hin, dass Nachhaltigkeit zwar bei Unternehmen eine sehr wichtige Rolle spiele, aber gerade die Logistikbranche einem enormen Kostendruck unterliege. Nachhaltigkeit ist heute in der Mitte der Gesellschaft, bei Unternehmen und Konsumenten, angekommen. Da wo aber zurzeit noch auf Freiwilligkeit und Sinneswandel gesetzt wird, prognostizieren die Experten eine Zunahme an gesetzlichen Regelungen und Verpflichtungen: „Die Bundesregierung setzt derzeit auf das freiwillige Engagement der Unternehmen. Allerdings wird die Nachhaltigkeit künftig sicher ein Teil der Compliance und damit durch konkrete Regeln verbindlicher werden“, prognostizierte Dr. Torsten Christen, Referat CSR – Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die Fachveranstaltung des EffizienzCluster LogistikRuhr fand unter dem Titel „Nachhaltiges Supply Chain Management aktiv gestalten. Eine Frage der Ethik oder eine Frage des Erfolgs?“ statt.

[|profil.gzecic], 30.03.12

Neue Besinnung auf das Menschsein des Menschen

(c) transcript Verlag

Die voranschreitende Globalisierung erfordert neue kulturelle Orientierungen. Unterschiedliche Traditionen und Lebensformen ringen weltweit um Anerkennung und müssen sich den Erfordernissen einer universellen Geltung von Normen und Werten stellen. Dazu bedarf es einer neuen Besinnung auf das Menschsein des Menschen: Professor Dr. em. Jörn Rüsen, Senior Fellow am KWI, ist Mitherausgeber zweier international und interdisziplinär ausgerichteter Schriftenreihen, die den Menschen in seiner anthropologischen Universalität, aber auch in seiner Verschiedenheit und Wandelbarkeit beleuchten: Im Rahmen der im transcript Verlag erscheinenden Reihe „Der Mensch im Netz der Kulturen – Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ erscheint im Mai 2012 die neueste Publikation mit dem Titel „Shaping a Humane World. Civilizations, Axial Times, Modernities, Humanisms”, die sich aus verschiedenen kulturellen Blickwinkeln mit Themen wie Zivilisation, Humanismus und Modernität befasst. Die zweite Schriftenreihe „Reflections on (In)Humanity“ beschäftigt sich mit der Entwicklung und Formulierung eines modernen, den heutigen Gegebenheiten angemessenen Konzepts von Humanität. Dort sind seit Jahresbeginn bei V&Runipress die zwei Publikationen „The Concept of Humanity in an Age of Globalization“ und „Humanism and Muslim Culture. Historical Heritage and Contemporary Challenges” erschienen.

[|profil.mschaeffer], 27.03.12

Philhellenismus als Beitrag zum Europadiskurs

Philhellenismus. Eine Frühform Europäischer Integration.

Angesichts des EU-Erweiterungsprozesses, aber auch der Globalisierung sind das Modell Europa sowie seine Identitäts- und Gemeinschaftsbildung gegenwärtig Gegenstand intensiv geführter Debatten. In den Mittelpunkt des Europadiskurses rücken immer mehr Fragen um die Voraussetzungen europäischer Integration. Einen Beitrag dazu leistet die Erforschung des Europäischen Philhellenismus, der als Ausdrucksform zivilgesellschaftlicher Mobilisierung, und frühliberaler, nationaler Freiheitsbestrebungen, aber auch als Kooperationsprojekt mit internationalem Charakter, und staatspolitisches Modernisierungsprogramm eine Frühform Europäischer Integration darstellt. Auf der Grundlage der Aufarbeitung von Bilddokumenten und Solidaritätsdiskursen der in Vereinen organisierten philhellenischen Bewegung werden eine kunst- und kulturgeschichtliche Rekonstruktion der philhellenischen Bildproduktion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt und Identitäts- und Wertvorstellungen des Europäischen, aber auch Feindbild- und Abgrenzungsprojektionen herausgearbeitet. Das Werk ist im Februar 2012 über den Verlag Königshausen & Neumann erschienen. Der Autor Konstadinos Maras hat Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Neue Deutsche Literatur und Kunstgeschichte studiert und in Philosophie und Kunstgeschichte promoviert. Gegenwärtig ist er Research Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI).

[|profil.mschaeffer], 19.03.12

Plädoyer für eine Klimageschichte

Beitrag in Zeithistorische Forschungen Heft 1, 2012 von F. Mauelshagen

Der Begriff des Anthropozäns ist nunmehr ca. zehn Jahre alt und geht zurück auf den Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen. Der Begriff soll eine geologische Epoche umschreiben, die mit der Industrialisierung in England und im übrigen Europa begonnen habe. Es zeigt, mit welcher Ernsthaftigkeit der Klimawandel wahrgenommen wird. Dennoch kann es nicht nur Bestandteil der Gegenmaßnahmen sein, sich mit akuten Problemen auseinander zu setzen. Es ist gleichermaßen erforderlich ein "Verständnis von sozio-kulturellem Wandel" dafür zu entwickeln, welchen Einfluss der Mensch auf die klimatologische Entwicklung der Erde in den letzten Jahrhunderten hatte. "Wir brauchen heute eine Klimageschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, eine Klimageschichte des Anthropozäns, die aufzeigen kann, wie 'der Mensch' zur geologischen Kraft geworden ist. Natürlich ist dieses Plädoyer nur sinnvoll, wenn man davon ausgeht, dass [...] noch nicht alles gesagt ist" schreibt Franz Mauelshagen, Senior Fellow am KWI im Forschungsschwerpunkt KlimaKultur, in seinem Debattenbeitrag „Anthropozän“ - Plädoyer für eine Klimageschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Daher plädiert er für eine wissenschaftliche Vernetzung zwischen Erdwissenschaftlern, wie z.B. Paläoklimatologen, und Historikern, die den Menschen nicht nur als Spezies sehen, sondern mit Recht darauf pochen, "dass die Dynamiken, die hinter der Genese des „Anthropozän“ stehen, spezifisch gesellschaftlicher Natur sind." Ziel dieser wissenschaftlichen Fusion soll es sein, Narrative herauszukristallisieren, die den Parallelen zwischen Mensch und Erdgeschichte gerecht werden. Erschienen ist Franz Mauelshagens Beitrag in Zeithistorische Forschung (Heft 1, 2012), sowohl online als auch in der Printausgabe.

[|profil.mschaeffer], 15.03.12

Kulturen der Kooperation

Die aktuelle Kolumne vom 12.3.2012
© Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Als Co-Direktor des jüngst gestarteten internationalen Käte Hamburger Kollegs (KHK) „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ hat Professor Claus Leggewie am 12. März den Auftakt gemacht und in „Die aktuelle Kolumne" des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) über unterschiedliche Kulturen der Kooperation geschrieben. Auf Leggewies Beitrag werden Kolumnen von Tobias Debiel und Dirk Messner, ebenfalls Leiter des KHK, folgen.
Die Welt steht am Anfang des 21. Jahrhunderts vor einer Art von Kooperationsparadox. Kooperationen gehen nach landläufiger Meinung individuelle und kollektive Akteure ein, die gemeinsame Ziele verfolgen. Die multipolare Welt ist sich über generelle Ziele wie Wirtschafts-wachstum und Freihandel, Begrenzung des Klimawandels und des Artensterbens, Reform der Finanzmärkte und Beseitigung der Armut im Kern einig. Zeitdiagnostiker wie Francis Fukuyama haben deswegen die Rhetorik des Philosophen Hegel vom „Ende der Geschichte“ wieder-belebt.

[|profil.mschaeffer], 13.03.12

CineScience Zukunftsprojekt Erde

CineScience im Wissenschaftsjahr 2012
© KWI

Seit Juni 2011 veranstaltet das KWI in Kooperation mit dem Essener Filmstudio Glückauf die monatliche Reihe CineScience. Hier diskutieren Forschende des KWI anhand von Filmausschnitten jeden Genres soziale Phänomene und werfen einen wissenschaftlichen Blick auf alltägliche und weniger alltägliche Aspekte menschlichen Zusammenlebens. Immer geht es darum, zu verstehen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Im Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde widmen KWI und Glückauf sechs Abende verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeitsforschung, unter anderem Klimawandel, Energie, Konsum und Nahrung. Die neue Reihe CineScience Zukunftsprojekt Erde wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Der nächste Beitrag zum "Zukunftsprojekt Erde" befasst sich am 17. April mit unserer urbanen Zukunft von 1970. Zuerst aber wird am 20. März mit der Frage, wo Natur endet und Gesellschaft beginnt, die reguläre CineScience-Reihe fortgesetzt.

[|profil.mschaeffer], 06.03.12

„Lebensqualität selbst schaffen!“

Prof. Christa Reicher
Stadtplanerin Prof. Christa Reicher von der TU Dortmund führte in die Tagung ein.
© ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung

Als die Tagung „Lebensqualität im Ruhrgebiet“ am Mittwoch Abend in der Philharmonie Essen zu Ende ging, waren sich alle Beteiligten trotz kontroverser Debatten darüber einig, dass das Ruhrgebiet viel an Lebensqualität zu bieten habe. KWI-Direktor Claus Leggewie erinnerte sich an seine akademische Zeit in New York, verglich sie mit der Arbeit im Ruhrgebiet und sagte, dass das Ruhrgebiet in typischen Städterankings zwar nicht gut davon komme, dass die Städterankings jedoch nicht in der Lage seien, die speziellen Vorzüge des Ruhrgebiets abzubilden. Der Essener Bildungswissenschaftler Klaus Klemm beschrieb, dass das Ruhrgebiet in puncto Bildung in den oberen Qualifikationsbereichen längst auf Bundeslandniveau sei, in den vorlaufenden Bildungsbereichen jedoch viel zu wenig für den Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen tue. Zu viel erzwungene Teilzeitbeschäftigung und die Benachteiligung junger Frauen kennzeichnen unter anderem die wesentlichen Probleme in der regionalen Arbeitswelt, so Monika Goldmann, stellvertretende Direktorin der Sozialforschungsstelle Dortmund. Unternehmen und Gewerkschaften könnten hier durch ihr Engagement verbesserte Bedingungen schaffen. Der Landschaftsarchitekt Martin Prominski aus Hannover erstaunte die rund 100 Tagungsteilnehmer, als er sagte, bei internationalen wissenschaftlichen Besuchern stehe das Ruhrgebiet sehr hoch im Kurs, seine Projekte zur Umgestaltung der Landschaft seien international bedeutend. Zum Abschluss betonte Claus Leggewie, Lebensqualität sei nicht nur Angelegenheit des Sozialstaates, sie entspringe auch aus der Selbsttätigkeit und dem Mitwirken der Bürger und Bewohner der Region. Die Tagung wurde vom KWI in Kooperation mit dem ILS–Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH und der Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) durchgeführt. Der Abschlussdiskussion waren Vorträge und Diskussionen in den vier Sektionen „Klima/Umwelt“, „Arbeit“, „Landschaft“ und „Kultur“ vorausgegangen. Eine Dokumentation der Tagung wird zeitnah auf der KWI-Homepage zu finden sein.

[|profil.mschaeffer], 02.03.12

Freiwilliger Religionsunterricht ohne Zensuren gewünscht

Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren im Gespräch mit Teilnehmern der Veranstaltungsreihe
© KWI/Foto: Georg Lukas

Die dritte Teilveranstaltung der wissenschaftlichen Begleitreihe zum Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Religion und Staat im deutsch-polnischen Ländervergleich. Hierbei diskutierten rund 30 Schüler, Studenten und Nachwuchswissenschaftler aus NRW und Polen zusammen mit Experten über Säkularisierungsprozesse, religiöse Vielfalt und konfessionellen Religionsunterricht. Robert Żurek (Polnische Akademie der Wissenschaften) und Markus Hero (Ruhr-Universität Bochum) unterstützten die Debatten mit einem historischen Überblick zur Bedeutung und Entwicklung der katholischen Kirche in Polen und einer Darstellung der religiösen Vielfalt in NRW mit besonderer Berücksichtigung muslimischer Institutionen. Angelica Schwall-Düren (Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW) erweiterte in einem Vortrag die Thematik um eine europäische Gesamtsicht und erörterte im Gespräch mit den jungen Teilnehmern auch die Relevanz von Grundwerten. Die lebhafte Diskussion der jungen Menschen fokussierte sich schnell auf die Art und Weise des Religionsunterrichts in Schulen: Ein Großteil sowohl der nordrhein-westfälischen als auch der polnischen Teilnehmer der Veranstaltungsreihe plädierte für einen freiwilligen neutralen Religionsunterricht ohne Zensuren. Ein detaillierter Bericht zur Teilveranstaltung wird in Kürze auf der KWI-Website veröffentlicht. Die wissenschaftliche Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“ ist eine Veranstaltung des KWI im Auftrag der NRW Ministerin Angelica Schwall-Düren.

[|profil.mschaeffer], 29.02.12

13,2 Mio Euro des BMBF für das Käte Hamburger Kolleg

v.l.n.r. Thomas Rachel, Benno Lensdorf, Tobias Debiel, Ulrich Radtke
© Presstelle UDE

Für das Käte Hamburger Kolleg „Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel, Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke und Prof. Dr. Tobias Debiel von der Universität Duisburg-Essen einen Förderbescheid über mehr als 13,2 Mio. Euro überreicht. Weitere Leiter des internationalen Kollegs sind Prof. Dr. Claus Leggewie (Kulturwissenschaftliches Institut Essen, KWI) und Prof. Dr. Dirk Messner (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, DIE). Der Antrag des Kollegs konnte sich aus einem Pool von über 20 Bewerbern durchsetzen, und die Kollegiaten werden in Kürze ihre Räumlichkeiten im Duisburger Innenhafen beziehen. Angewendet auf exemplarische Problemfelder (z.B. Klimawandel, Weltfinanzkrise staatliche Souveränität und Intervention) werden Wissenschaftler und international renommierte Fellows aus den Sozial-, Natur- und Kulturwissenschaften sowie der Politik- und Beratungspraxis Schwierigkeiten und Chancen globaler Kooperation und die normativen Grundlagen einer kulturell ausdifferenzierten Weltgesellschaft analysieren.
Die Namensgeberin der Kollegs, Käte Hamburger (1896-1992), war Philologin, Philosophin und Literaturtheoretikerin. In der Zeit des Nationalsozialismus flüchtete sie ins schwedische Exil und kehrte 1956 nach Deutschland zurück. Als erste Frau wurde sie ein Jahr später in der deutschen Literaturwissenschaft habilitiert.
Weitere Informationen über das Käte Hamburger Kolleg finden Sie auf der Homepage des Kollegs.

[|profil.mschaeffer], 28.02.12

Monokulti ist tot

Claus Leggewie, Armin Laschet
© Thomas Urban/Stiftung Mercator

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat die multikulturelle Gesellschaft 2010 in einer Debatte um die deutsche Leitkultur für gescheitert erklärt. KWI-Direktor Claus Leggewie hält dagegen, dass "Multikulti" sich unlängst durchgesetzt hat. 1990 importierte er das strittige Schlagwort aus der US-amerikanischen Jazz-Szene und nutzte es 1993 in seinem vielbeachteten Buch "Multikulti – Spielregeln für die Vielvölkerrepublik" für eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Realität in Deutschland. Anlässlich des Erscheinens der bearbeiteten Neuauflage des Buches hat die Stiftung Mercator am 16. Februar zu einer Podiumsdiskussion in Berlin eingeladen. Auf dem Podium saß außer Leggewie der ehemalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet, moderiert wurde die Diskussion von Gunilla Fincke, Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Die Neuauflage, die im Blumenkamp Verlag erschienen ist, wurde durch Beiträge von Laschet und Susanne Stemmler vom Haus der Kulturen der Welt ergänzt. Nach Ansicht Leggewies haben nur die Gesellschaften eine Zukunft, die es verstehen, mit ihren verschiedenen Ethnien und Kulturen umzugehen. In der Neuauflage zeigt er, wie realistisch die damals geforderte Einwanderungs- und Integrationspolitik war – und wie tot Monokulti inzwischen ist.

[|profil.mschaeffer], 24.02.12

Empörung und Zuversicht: Stéphane Hessel in der Essener Lichtburg

Stéphane Hessel
© Lichtburg Essen

Das vielleicht herausragendste Merkmal von Stéphane Hessel ist seine Zuversicht. 1917 in Berlin geboren, hat sich Hessel während seines Lebens und in seinen Büchern für vieles eingesetzt: die Einhaltung der Menschrechte, die Rechte von Flüchtlingen, die Zähmung des Kapitalismus, den Schutz der Umwelt und die Bewahrung der Demokratie. "Es ist nicht leicht und häufig empört man sich, ohne dass sich danach etwas verändert", erzählt er rückblickend, "auf diese Herausforderung muss jeder seine eigene Antwort finden". Hessel selbst wurde nie müde, sich zu empören, was für ihn bedeutet, seine Ziele und die Hoffnung nicht aufzugeben und gewaltfrei dafür zu kämpfen. Auch von Rückschlägen geprägten Verhandlungen wie dem Kampf gegen den Klimawandel begegnet Hessel mit seinem Traum, den die 1200 Zuschauer in der Essener Lichtburg mit Applaus aufnahmen: "Wir haben die Möglichkeiten unseres Menschseins noch nicht ausgenutzt. Im Gemüt des Menschen gibt es die Lust, tolerant und respektvoll zu leben. Diese Lust auf Brüderlichkeit könnte man durch eine interessantere Erziehung der kleinen Kinder wecken, anstatt sie Konkurrenz zu lehren." Für Hessel ist es keine Utopie daran zu glauben, dass die Menschen lernen, in Brüderlichkeit zusammenzuleben und so den Artikel 1 der UN Menschrechts-Charta umzusetzen.
Im Gespräch mit Hessel führte KWI-Direktor Claus Leggewie durch die verschiedenen Stationen eines ungewöhnlichen Lebensweges als Résistance-Mitglied, Überlebender von Buchenwald, Mitautor der Menscherechts-Charta der UN und als Diplomat. Gegenstand des Gesprächs waren auch die Bücher Hessels, darunter seine Autobiographie "Tanz mit dem Jahrhundert" (Arche Verlag, 2002), sein neues Buch "Wege der Hoffnung" (Ullstein, Februar 2012) und die international viel beachtete Streitschrift "Empört Euch" (Ullstein, 2011). Zum Abschluss des vom Deutsch-Französischen Zentrum Essen, dem KWI, der Buchhandlung Proust und der Lichtburg veranstalteten Abends stellte Hessel mit Blick auf Leggewies jüngstes Buch “Mut statt Wut. Aufbruch in eine neue Demokratie” (Körber-Stiftung, 2011) fest, dass sie beide die Zuversicht bei der Verfolgung ihrer Ziele teilen.

[|profil.mschaeffer], 21.02.12

Die Dynamik des Tötens

Die Dynamik des Tötens. Die Ermordung der Juden in Berditschew.

Das ukrainische Berditschew (Berdychiv) war bis zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 ein legendäres Zentrum jüdischen Lebens mit rund 25000 jüdischen Einwohnern. Vier Monate später waren mindestens 18000 der Juden tot – erschossen von deutschen SS-Männern und Polizisten. Die bei den Fischer Verlagen herausgebrachte Dissertation "Die Dynamik des Tötens"
von Michaela Christ zeichnet detaillert den Prozess der Gewalt nach, seinen Beginn, den Ablauf und seine Folgen. Michaela Christ studierte Soziologie, Politik und Pädagogik in Göttingen. Am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen forscht sie über massenhafte Gewalt im 20. Jahrhundert und ist dort seit 2010 Research Fellow am Center for Interdisciplinary Memory Research und Stipendiatin der Fritz Thyssen Stiftung im Forschungsprojekt Referenzrahmen von Kriegsverbrechen.

[|profil.mschaeffer], 16.02.12

Führungskräftebefragung 2012

Führungskräftebefragung 2012 - in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen

Belastbare und glaubwürdige Wertesysteme leisten nach Einschätzung von Führungskräften in Deutschland einen bedeutenden Beitrag zum dauerhaften Unternehmenserfolg und verbessern die Voraussetzungen von Unternehmen, mit wirtschaftlicher Unsicherheit und großen makroökonomischen Verwerfungen umzugehen. Gleichzeitig erwartet eine klare Mehrheit der Führungskräfte, dass der Stellenwert von Werten in den Unternehmen in den kommenden Jahren noch weiter steigen wird. Dies sind zentrale Ergebnisse der Führungskräftebefragung 2012 der „Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung“, die in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen, dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Steinbeis Transferzentrum ISL durchgeführt wurde. Die Wertekommission, zu deren Vorstand KWI-Fellow Professor Dr. Ludger Heidbrink zählt, führt seit 2007 regelmäßig Befragungen unter Führungskräften durch, mit dem Ziel, das Denken und Handeln der Entscheider in der Wirtschaft zum Thema Werte transparent zu machen. An den Befgragungen nehmen jeweils mehrere Hundert Führungskräfte aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen teil.

[|profil.mschaeffer], 14.02.12

Neues Forschungsprojekt zum Verkehr in der Stadt der Zukunft

Verkehr in der Stadt der Zukunft
© Pixelio.de/Frank Koch

Wie kommt man in der Stadt der Zukunft von A nach B? Mit dem Elektrofahrrad? Mit der S-Bahn? Zu Fuß? Ein neues Forschungsprojekt der Universität Duisburg-Essen (UDE), das von der Stiftung Mercator gefördert wird, will alternative Wege zu einer nachhaltigen Mobilität im Ballungsraum Ruhr aufzeigen und eine zukunftsorientierte Stadtentwicklungs- und Mobilitätspolitik ermöglichen. Die UDE-Wissenschaftler rund um Projektleiter Professor Dr.-Ing. J. Alexander Schmidt wollen gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und der Transportation Research and Consulting GmbH (TRC) untersuchen, wie der Verkehr in der Stadt der Zukunft alternativ aussehen könnte. „Dazu wird eine repräsentative Untersuchung durch das KWI durchgeführt“, sagt Projekt-Mitarbeiterin Dipl.-Ing. Hanna Wehmeyer vom Institut für Stadtplanung und Städtebau (ISS). Menschen verschiedener sozialer Milieus werden u.a. danach gefragt, ob sie überhaupt ein Elektroauto fahren würden. „Damit wird das Projekt um eine sozialstrukturelle Komponente ergänzt“, so Wehmeyer. „Wir wollen überprüfen, wie es um die Bereitschaft bestellt ist, sich auf alternative Fortbewegungsmöglichkeiten einzulassen.“

[|profil.mschaeffer], 10.02.12

Ian Kershaw zu Gast am KWI

Ian Kershaw
© Buchhandlung Proust

Warum sind die Deutschen in den Jahren 1944/45 dem NS-Regime trotz Millionen von Toten bis zum Ende treu geblieben? Diese eingangs von KWI-Direktor Claus Leggewie aufgeworfene Frage bildete den Leitfaden einer von der Buchhandlung Proust und dem KWI ausgerichteten Veranstaltung, in deren Rahmen der vielfach ausgezeichnete britische Historiker Ian Kershaw sein neues Buch "Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45" (DVA, München 2011) vorstellte.
In seinem Vortrag skizzierte Kershaw ein komplexes Netz von Voraussetzungen, die diesen historisch vorbildlosen Kampf bis zum Untergang möglich gemacht hätten. Zu ihnen gehörten ein nach innen gerichtetes Terrorregime, das bis in die letzten Stunden vor der Kapitulation wirksam blieb; die Außenbedrohung durch einen Feind, von dem aufgrund vorher begangener deutscher Gräuel keine Gnade erwartet wurde; die Nibelungentreue eines Offizierscorps und eines effizienten Verwaltungsapparats; sowie ein NS-Regime, das am Ende v.a. durch die Figuren Himmler, Goebbels, Bormann und dem für Rüstungsangelegenheiten zuständigen Speer zusammengehalten wurde. Doch trotz der Bedeutung dieser Faktoren sei – so Kershaw – das Durchhalten der deutschen Bevölkerung bis zum Ende ohne den "Faktor Hitler" nicht denkbar gewesen, dessen Herrschaft in ihrer letzten Phase einer "charismatischen Herrschaft ohne Charisma" gleichkam.
Christian Gudehus (CMR), der durch den Abend führte, erkannte in der Anpassungsbereitschaft der Deutschen eine Eigenschaft, die bis in die 1950er Jahre hinein reichte. "Eine verkorkste Auffassung von Pflicht", so Kershaw, der den zahlreichen Gästen des KWI lange Rede und Antwort stand und zahlreiche Signierwünsche erfüllte.

[|profil.mschaeffer], 06.02.12

Wissenschaftler und Künstler diskutieren aktuelle Veränderungen der politischen und ökonomischen Kultur

Sabine Maria Schmidt, Kuratorin der Ausstellung „Communitas“ im Museum Folkwang
© KWI

Auf zwei Tagungen hat das KWI seine Kooperationen mit künstlerischen Initiativen fortgesetzt und zugleich einen Beitrag zu aktuellen Streitfragen geleistet. „Communitas“, gemeinsam mit dem Museum Folkwang und Sabine Maria Schmidt, griff die titelgebende Ausstellung des holländischen Installationskünstlers Aernout Mik auf. Renommierte Sozialforscher und –forscherinnen verbanden diese künstlerische Intervention mit der kulturwissenschaftlichen Analyse von Victor Turner bis Jean-Luc Nancy, um Struktur und Stellenwert von sozialen Gemeinschaften im 21. Jahrhundert auszuloten, darunter in den sozialen Medien. Unter den Stichworten „Commune“ und „Communismus“ wurden auch aktuelle politische Gemeinschaften und Bewegungen behandelt. Mit der Tagung „Changing Money“ in Kooperation mit Sibylle Peters (Hamburg) sowie Künstlern und Forscherinnen des Forschungstheaters (FUNDUS THEATER Hamburg) und der geheimagentur (derzeit am Theater Oberhausen) wurden Alternativwährungen anhand aktueller Projekte wie der Hamburger Kinderbank, der Banco Palmas in Brasilien und der Schwarzbank betrachtet, die am Theater Oberhausen im Frühjahr 2012 ihre Türen öffnen wird. David Boyle (UK) hielt die Keynote Speech. Beide Tagungen analysierten wichtige Veränderungen der politischen und ökonomischen Kultur, die Projekte am KWI in Zukunft genauer untersuchen werden.

[|profil.mschaeffer], 01.02.12

Der Literarische Salon mit Antje Rávic Strubel

Claus Leggewie im Gespräch mit Antje Rávic Strubel
© Stiftung Mercator / Foto: Uta Wagner

"Ich hatte das Schreiben an 'Sturz der Tage in die Nacht' genau so begonnen, wie die Reise für Erik, den Protagonisten, durch Schweden begonnen hatte: Ohne ein konkretes Ziel. Lediglich die Figuren habe ich in mir gehört, gesehen" erzählt die Autorin Antje Rávic Strubel über ihren letzten Roman. Antje Strubel, deren Zweitname Rávic ein künstlerischer Beiname ist, lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Potsdam. Nach dem Abitur machte sie in Berlin eine Ausbildung zur Buchhändlerin, bevor sie an der Universität Potsdam und der New York University Literaturwissenschaften, Amerikanistik und Psychologie studierte und 2001 ihr Studium abschloß. New York wurde dann auch zum Schauplatz ihres ersten Romans "Offene Blende". Die vielfach ausgezeichnete Literaturpreis- und Stipendiatsträgerin war am 25. Januar zu Gast im Literarischen Salon in Essen, einer Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen.

[|profil.mschaeffer], 27.01.12

Navid Kermani hält Eröffnungsvortrag der Lessingtage in Hamburg

Navid Kermani, Senior Fellow am KWI
(c) KWI

Navid Kermani hat die Hamburger Lessingtage mit seinem Vortrag Vergesst Deutschland. Eine patriotische Rede eröffnet. In seiner Rede am 22. Januar bezieht sich Kermani auf die Morde der rechtsradikalen Organisation "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Er entdeckt hierbei Parallelen zu Lessings Trauerspiel Philotas, in dem sich der Protagonist für sein Vaterland opfert, in dem festen Glauben, dass dies das Richtige, das Einzige sei. Auch die Protagonisten der NSU, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, haben geglaubt im Recht zu handeln, weil der Radikalismus, so Kermani, durch gewichtige Akteure in Deutschland wieder in die bürgerliche Mitte getragen worden sei.
Seit 2009 ist der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) gefördert durch die Stiftung Mercator. Das Fellowship war auf zwei Jahre angelegt und wurde nun um ein weiteres Jahr verlängert.

[|profil.mschaeffer], 25.01.12

Die stille Integration

Die stille Integration. Identitätskonstruktionen von polnischen Migranten in Deutschland

Etwa zwei Millionen Menschen polnischer Herkunft leben in Deutschland. Dennoch sind polnische Migranten in der Integrationsdebatte selten ein Thema. Die Integration dieser zweitgrößten Migrantengruppe verläuft fernab der deutschen Öffentlichkeit, weil sich die polnischen Migranten und ihre zivilgesellschaftlichen Vertreter in Deutschland selten zur deutschen Einwanderungs- und Integrationspolitik äußern. Thea D. Boldt geht in ihrer qualitativen Studie "Die stille Integration. Identitätskonstruktionen von polnischen Migranten in Deutschland", erschienen beim Campus Verlag, auf die biographischen Erfahrungen von Menschen ein, die in den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren aus Polen nach Deutschland migrierten und sich selbst als polnisch definieren, obwohl die meisten von ihnen eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Sie betrachtet ihre Identitätskonstruktionen und zeigt, welche Bedeutung die bereits seit dem Ende des 19. Jahrhundert andauernden Migrationsströme aus Polen nach Deutschland und die komplexe deutsch-polnische Vergangenheit für die Gegenwart dieser Menschen haben. Mit ihrem Buch eröffnet sie eine neue Perspektive auf die multiethnische Zusammensetzung der deutschen Gesellschaft und leistet damit einen Beitrag zur öffentlichen Debatte über die multikulturelle Identität Deutschlands.

[|profil.mschaeffer], 20.01.12

Wer bestimmt in Chinas Dörfern?

Straßenbau in chinesischen Dörfern
(c) privat

Am Dienstag hielt Anja Senz, die geschäftsführende Direktorin des Konfuzius Instituts an der Universität Duisburg-Essen, im KWI einen Vortrag zum Thema „Lokale Entscheidungsstrukturen und institutioneller Wandel in der VR China“. Dabei ging es um die Rekonstruktion von Entscheidungen, die man in einem dörflichen Kontext zum Thema Straßenbau getroffen hat. China hat im vergangenen Jahrzehnt durchschnittlich 3% seines BIP investiert, um sein Straßennetz auszubauen, was die Bevölkerung gerade in den ländlichen Regionen als wesentlichen Beitrag zur Armutsbekämpfung betrachtet. Jedoch ist bislang nur wenig darüber bekannt, wie Dörfer ihre Selbstverwaltung im Alltag organisieren und wie sie relevante Entscheidungen treffen. Hier setzt die Untersuchung von Anja Senz an, deren zentrale Frage es ist, inwieweit Entscheidungen durch Individuen und die jeweilige Sachlage geprägt oder aber durch ein pauschales Verfahren geregelt sind. Anhand der sechs analysierten Fallbeispiele zeigte sich, dass eine Vielzahl von Akteuren an den jeweiligen dörflichen Entscheidungen beteiligt war, darunter neben den Mitgliedern des direkt von der Bevölkerung gewählten Dorfkomitees auch der Parteisekretär und das in jedem chinesischen Dorf existierende Parteigremium (Parteizelle).

[|profil.mschaeffer], 20.01.12

Das KWI 2011

Das KWI in der Goethestraße in Essen
© Brigitte Krämer

2011 war ein bewegtes Jahr für das Kulturwissenschaftliche Institut Essen: Rund 70 Veranstaltungen hat es in diesem Jahr gemeinsam mit vielen Partnern im Ruhrgebiet und anderswo durchgeführt. Im Januar ging es bei einer großen Tagung in Berlin um den aktuellen Stand der Holocaust-Forschung und im Februar diskutierten wir in Essen über die digitale Kommunikation – und die Frage, wie diese das Selbstverständnis der Intellektuellen einerseits und die Wissenschaftskommunikation andererseits verändert. Der Frühsommer stand ganz im Zeichen unseres Forschungsschwerpunktes Interkultur: Mit Pro Interkultur stellte sich der Bereich der Öffentlichkeit vor und bei der internationalen Tagung Islamic Newthinking sprachen Theologen und Wissenschaftler aus 9 Ländern über die Reformfähigkeit des Islam. Gleich mit zwei Tagungen in München und Paris beschäftigte sich die KlimaKultur im Sommer mit den historischen Dimensionen des Klimawandels. Das Thema Verantwortungskultur geleitete uns durch das ganze Jahr, Höhepunkte waren zwei Tagungen über die Frage, welche Verantwortung für eine nachhaltige Gesellschaft kleine und mittelständische Unternehmen und die Konsumenten selbst tragen. Daneben haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KWI gut 20 Monografien und Sammelbände veröffentlicht. Große öffentliche Aufmerksamkeit fanden hier insbesondere die Publikationen, die im Forschungsschwerpunkt Erinnerungskultur aus dem Projekt Referenzrahmen des Krieges entstanden sind, allen voran das Buch von Sönke Neitzel und Harald Welzer Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Auch 2012 beginnt gleich mit prominenten Gästen: Im Januar und Februar kommen Ian Kershaw und Stéphane Hessel nach Essen. Bei zwei Tagungen geht es außerdem um sehr aktuelle Themen: Um die Gemeinschaft und um den Finanzmarkt. Ein ganz besonderes Highlight 2012 ist das Erscheinen des letzten Bandes der Enzyklopädie der Neuzeit – das historische Lexikon widmet sich in 15 Bänden der europäischen Geschichte zwischen 1450 und 1850 unter Berücksichtigung ihrer globalen Kontexte und umfasst damit die Epoche der Frühen Neuzeit und des Zeitalters der bürgerlichen Revolutionen. Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen wird sich 2012 außerdem thematisch neu ausrichten, mehr dazu erfahren Sie im Laufe des kommenden Jahres.

[|profil.vnoll], 21.12.11

Buddhistische Kunst aus der Mongolei

Buddha in der Jurte
© Hirmer Verlag 2011

Infolge der rasanten Verbreitung des Kommunismus auf dem eurasischen Kontinent
erfuhr der Buddhismus in der Mongolei, die tragende Säule der mongolischen Kultur, Ende der 1930iger Jahre eine beinahe vollständige Zerstörung. Diese von Carmen Meinert herausgegebenen Bände Buddha in der Jurte in einer deutsch-mongolischen und einer englisch-russischen Ausgabe (Buddha in the Yurt) zeigen eine repräsentative Auswahl aus einer Privatsammlung mongolisch-buddhistischer Kunst. Die Sammlung, eine der größten Europas, ermöglicht einen Blick auf die Vielfalt der mongolisch-buddhistischen Bilderwelt besonders zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert, also noch vor seiner Zerstörung Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie vereint unter anderem Rollbilder (Thangka), Figuren, Miniaturen (Tsaklis), Votivtafelchen (Tshatshas), tragbare Schreine (Gungervaas), Amulette (Gaus) und Ritualgegenstande. Die Prachtbände machen die Sammlung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Die Bildbeschreibungen erklären die buddhistische Ikonographie und ermöglichen dem Leser, sich die Symbolwelt der tantrisch-buddhistischen Tradition grundlegend zu erschließen. Eine Einleitung von Carmen Meinert, Research Fellow am KWI, führt in die Entwicklung des Buddhismus in der Mongolei ein. Im Anhang befindet sich ein Glossar mit 450 Einträgen mit Begrifflichkeiten in vier Sprachen (Mongolisch, Sanskrit, Chinesisch, Tibetisch).

[|profil.vnoll], 15.12.11

Eröffnung des ie3 an der TU Dortmund

An der Eröffnung des ie3 nahmen über 120 Wissenschaftler und Gäste teil.
© TU Dortmund

Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus? Wann ersetzen wir fossile Brennstoffe durch umweltfreundliche Energieträger und nachhaltige wirkende Technologien, die sicher und bezahlbar sind? Diese Fragen stehen im Zentrum der Arbeit des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft, kurz ie3, das am 7. Dezember an der TU Dortmund eröffnet wurde. Mehr als 120 Wissenschaftler und Gäste aus Industrie und Politik nahmen am feierlichen Gründungskolloquium teil, darunter auch Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, dem Forschungskolleg der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen. Claus Leggewie leitet am KWI den transdisziplinären Forschungsschwerpunkt KlimaKultur. Dieser ist einer der ersten größeren kulturwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte zum Thema Klimawandel, er beschreitet neue Wege bei der Analyse tiefgreifender kultureller und sozialer Veränderungsprozesse. Bei der Eröffnung des ie3 betonte Claus Leggewie die kulturellen Dimensionen und die Bedeutung eines solchen Instituts. Es wurde deutlich, dass für die Lösung der Frage nach der zukünftigen Energiegewinnung und –nutzung technische und soziologische Kompetenz gleichermaßen nötig sind. Das neu gegründete Institut soll die Forschung zur umweltfreundlichen und wirtschaftlich wie technisch machbaren Energieversorgung stärken. Die Leitung übernehmen Johanna Myrzik, RE-Stiftungsprofessorin für Energieeffizienz, und Christian Rehtanz, Inhaber des Lehrstuhls für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der TU Dortmund.

[|profil.k.hoppen], 09.12.11

Die Rolle des Konsumenten in der Wirtschaftsethik

Die Rolle des Konsumenten in der Wirtschaftsethik
© pixelio.de/ Foto: Holger Gräbner

Durch eine bewusste Entscheidung für sozial und ökologisch verträgliche Produkte können Konsumenten einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Das ist eine der Übereinkünfte der Tagung „Die Rolle des Konsumenten in der Wirtschaftsethik“, die am 29. und 30. November im KWI stattfand. Die Tagung begann mit der Buchpräsentation des kürzlich erschienenen Sammelbandes pdf icon„Die Verantwortung des Konsumenten. Zum Verhältnis von Markt, Moral und Konsum“ durch die Herausgeber Ludger Heidbrink, Imke Schmidt und Björn Ahaus und einer Paneldiskussion zum Thema. Im Mittelpunkt stand die Debatte, wie man nachhaltige Konsummuster fördert: Neben Verbraucherbildung und -rechten wurde auch die Möglichkeit diskutiert, geschickte Anreize für einen nachhaltigen Konsum zu setzen. Man war sich einig, dass nur ein Zusammenspiel der einzelnen Konsumenten, Unternehmen und der Politik eine nachhaltige Entwicklung fördern könne. Der anschließende Abendvortrag von Josef Wieland (Hochschule Konstanz) zum Verhältnis von Konsumenten- und Unternehmensethik eröffnete die internationale Tagung, an der Wissenschaftler aus den USA, Australien und Europa zusammenkamen, um die Rolle des Konsumenten aus der Sicht der Wirtschafts- und Unternehmensethik zu diskutieren. Durch lebhafte Kontroversen wurde deutlich, dass eine Ethik des Konsums sehr unterschiedliche Facetten vom ehrlichen Einkauf bis hin zum umfassend nachhaltigen Lebensstil aufweist. Einstimmig war man dabei der Meinung, dass Konsumenten über ihr Kaufverhalten durchaus großen Einfluss auf die Strategien von Unternehmen haben. Welchen moralischen Status sie dabei neben den Unternehmen jedoch genau einnehmen und in welchem Verhältnis ihre Verantwortung zu der von Unternehmen steht, muss sowohl in theoretischer als auch in empirischer Hinsicht noch weiter geklärt werden.

[|profil.k.hoppen], 06.12.11

„Was uns bleibt, sind die Bücher“

Michael Krüger am 23.11. in Essen
© Stiftung Mercator / Foto: Uta Wagner

„Wenn ich heute um mich sehe, sehe ich nichts Festes mehr“, so der Autor und Verleger Michael Krüger am Mittwochabend in Essen. „Auch die Institutionen, die einen vor einiger Zeit noch entlasteten und schützten, werden flüssig. Es mag erstaunen, dass jemand meiner Profession das heute noch so sieht, aber was uns bleibt, sind die Bücher. Die Festigkeit der Bücher, der Stimme und der Worte.“ Michael Krüger, 1943 in Wittgendorf geboren, wuchs in Berlin auf, arbeitete als Lektor und ist seit Mitte der achtziger Jahre Leiter des Hanser Verlags in München. Für seine literarischen Texte, die im Suhrkamp Verlag erscheinen, ist er vielfach ausgezeichnet worden, so zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis 2010, dem höchstdotierten deutschen Literaturpreis. Am 23. November war er zu Gast im Literarischen Salon in Essen, einer Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen.

[|profil.vnoll], 28.11.11

3. Spiekerooger Klimagespräche

Die Spiekerooger Klimagespräche finden einmal jährlich auf der Insel statt.
© pixelio.de / Foto: Andreas Dengs

Zentrales Gesprächsthema bei den 3. Spiekerooger Klimagesprächen war die Vernetzung der Akteure, die sich für eine nachhaltigere Gesellschaft engagieren. Rund 30 Referenten aus Wissenschaft, Beratung, Design, Publizistik und verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen trafen sich zu diesem Zweck vom 17. November bis 19. November auf der Nordseeinsel. Als Ziele hielten die Beteiligten fest: Bürgerinnen und Bürger müssen kommunal stärker an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, Ziele müssen konkreter formuliert werden statt nur allgemeine Werte auszugeben und unternehmerische Strategien müssen sich an Lebensstilen und Praktiken orientieren statt an Produkten. Die Thesen und praktischen Vorschläge, die auf der Tagung erarbeitet wurden, werden demnächst in einer Publikation zusammengefasst und sind online bereits jetzt zu finden unter www.spiekerooger-klimagespraeche.de.

[|profil.vnoll], 25.11.11

Lesart Spezial mit Gudrun Krämer und Stefan Weidner: „Der arabische Herbst"

Lesart Spezial mit Gudrun Krämer und Stefan Weidner
© Buchhandlung Proust

Das erste Halbjahr 2011 hat große politische Veränderungen für weite Teile der arabischen Welt mit sich gebracht. Nachdem die Demokratiebewegung weltweit hoffnungsvoll als arabischer Frühling bezeichnet wurde, stellt sich nun die Frage: Wie wird der arabische Herbst? Wird sich ein säkularer, demokratischer Staat etablieren? Und welche Voraussetzungen haben die einzelnen Länder? Zu diesen Fragen hatte das KWI am 14. November gemeinsam mit Deutschlandradio Kultur und der Buchhandlung Proust die Islamwissenschaftler Gudrun Krämer und Stefan Weidner eingeladen. Gudrun Krämer stellte ihr Buch „Demokratie im Islam” vor, Stefan Weidner präsentierte den Band mit Zeitungskolumnen von Alaa al-Aswani „Im Land Ägypten“. Über die aktuelle Situation in den arabischen Ländern betonte Gudrun Krämer: „Sehr viele der Leute, die betroffen sind - und zwar nicht nur Intellektuelle - wissen, was Politökonomie ist, auch ohne das Wort zu kennen. Sie wissen, dass sie in einem korrupten, klientelistischen System keinen Arbeitsplatz und keine vernünftige Stelle und keine lebenswerten Bedingungen bekommen, dass sie also das politische System angehen müssen, um auch ökonomisch voranzukommen.“ Die Gäste waren sich einig, dass dies zwar keine leichte Aufgabe sei – es aber dennoch Anlass zur Hoffnung bedeute, dass dieses Bewusstsein so breit in der Bevölkerung der arabischen Länder verankert sei. Die vollständige Sendung können Sie hier anhören.

[|profil.vnoll], 23.11.11

Die Matrix der menschlichen Entwicklung

„Die Matrix der Menschlichen Entwicklung“ erschien bei de Gruyter
© de Gruyter 2011

Forschungen zur Entwicklung des Menschen erleben gegenwärtig unter dem Einfluss neuer methodischer Möglichkeiten in den beteiligten Disziplinen eine spektakuläre Neuorientierung. Interaktion, Sprache und Kultur zählen nunmehr zu den Schlüsselbegriffen der Theoriebildung. Neue Fragen stellen sich: Was genau bewirkt Interaktion? Wie sind Entwicklung und Erwerb in diesem Rahmen zu rekonstruieren? Worin besteht das besondere Potential der Sprache? Wie spielen evolutionsbiologische, entwicklungstheoretische, kulturvergleichende, linguistische und interaktionstheoretische Erkenntnisse zusammen? An den Schnittstellen zwischen Anlage, Umwelt und sozialer Erfahrung in der Entwicklung werden in diesem Buch die Prozesse und Ressourcen der sozialen Matrix empirisch rekonstruiert. Die Beiträge erörtern die evolutionären Entstehungsbedingungen von Schlüsselfähigkeiten wie kulturelles Lernen, vorsprachliche Verständigung, Sprache und ihren Erwerb, „Theory of Mind“, autobiographisches Gedächtnis sowie den Zugang zu Kulturtechniken wie Schreiben. Sie eröffnen neue Perspektiven auf Sprache und Verständigung, ihr anthropologisches und kulturelles Fundament sowie auf die Rolle von Sprache und Kultur in der Genese des Menschen. „Die Matrix der menschlichen Entwicklung“ erschien im Rahmen der interdisziplinären Forschungsgruppe „Was ist der Mensch? Kultur, Sprache, Natur“ der TU Dortmund und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.

[|profil.vnoll], 18.11.11

Erzählte Zukunft. Zur inter- und intragenerationellen Aushandlung von Erwartungen.

Erzählte Zukunft
© Wallstein Verlag 2011

Zukunft begegnet uns täglich in vielen Facetten: Ob die unmittelbar bevorstehende Begegnung mit anderen Menschen, die erhoffte Entwicklung der eigenen Kinder, langfristige Lebensziele oder, in einem globaleren Sinne, die Antizipation von sozialem, politischem und wirtschaftlichem Wandel. Die Fähigkeit, Zukunft zu imaginieren und zu erzählen, hängt dabei wesentlich von der aktuellen Lebenssituation ab und wird von zahlreichen Faktoren wie Alter, Milieu oder kulturelle Prägung beeinflusst. Die Autorinnen und Autoren von „Erzählte Zukunft“ untersuchen in ihren jüngeren qualitativen Studien aus der Biographie-, Tradierungs- und Gedächtnisforschung, inwiefern sich Zukunftserwartungen aus der Erinnerung der Vergangenheit und Deutung der Gegenwart speisen, und stoßen dabei auch auf Wechselwirkungen: Die Zukunftsprojektionen haben ihrerseits Einfluss auf die Interpretation der Gegenwart und den Rekurs auf spezifische Erinnerungsbestände. Der Band wurde herausgegeben von Jens Kroh und Sophie Neuenkirch im Rahmen des Projektes von „Comparative Family History“.

[|profil.v.noll], 15.11.11

Nachhaltigkeit in urbanen Ballungsräumen: Bogotá und Essen im Dialog

Bogotá gehört zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Südamerikas
© shutterstock.com / Foto: rafcha

Klimawandel, Ressourcenverbrauch und auch die aktuellen Wall-Street-Proteste gegen das zunehmende Gefälle zwischen Arm und Reich zeigen, dass Öko- und Sozialsysteme an ihre Grenzen stoßen. Der Begriff der „nachhaltigen Entwicklung“, also einer sozial und ökologisch langfristig verträglichen Lebensweise, ist daher in aller Munde und prägt die politischen Debatten. Schnell gerät dabei der einzelne Bürger aus dem Blick, dessen Partizipation und Bereitschaft zur Veränderung alltäglicher Gewohnheiten und Handlungspraktiken es jedoch bedarf, wenn politische Maßnahmen oder auch technologische Innovationen fruchtbar sein sollen. Um „Nachhaltigkeit in urbanen Ballungsräumen“ geht es am 15. November im KWI: Carolina Castro Osorio, aktuell „Scholars-in-Residence“, spricht über diese Fragen am Beispiel der Stadt und Region Bogotá. KWI-Fellow Björn Ahaus refereriert über die Spezifika der Stadt Essen und der Ruhrregion anhand des Projekts „Klima-Initiative Essen. Vom Wissen zum Handeln in einer neuen Klimakultur“. Der Vergleich der urbanen Ballungsräume Bogotá und Essen bzw. Ruhrgebiet bietet die besondere Möglichkeit, gesellschaftliche Dynamiken, Konflikte und auch kulturelle Innovationen in globaler Perspektive zu erfassen und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung aus der Sicht der Bürger zweier Kontinente zu diskutieren.

[|profil.vnoll], 09.11.11

Tagung: Die Rolle des Konsumenten in der Wirtschaftsethik

Wer im Supermarkt vor dem Regal steht, entscheidet selbst, was er kauft - wie viel Macht und wie viel Verantwortung hat der Konsument?
© pixelio/ Foto: Gabi Schoenemann

Wer im Supermarkt vor dem Regal steht, entscheidet selbst, was er kauft: Bohnen aus Ägypten oder Bio-Gemüse aus dem Umland? Den billigsten Kaffee oder doch das Fairtrade-Produkt? Können Verbraucher verhindern, dass Bauern in Afrika ausgebeutet, Tiere in Masthaltung gequält oder Waren zu Lasten des Klimas vom anderen Ende der Welt importiert werden? Konsumenten üben einen maßgeblichen Einfluss auf marktwirtschaftliche Prozesse aus, in der Wirtschaftsethik-Forschung wurden sie bisher jedoch nur wenig beachtet. Auf der Tagung „Die Rolle des Konsumenten in der Wirtschaftsethik“ nehmen deshalb am 29. und 30. November Experten das Verhältnis von Konsumenten- und Unternehmensverantwortung genauer in den Blick. Eröffnet wird die Tagung mit einer Buchvorstellung von „Die Verantwortung des Konsumenten. Zum Verhältnis von Markt, Moral und Konsum“ (Oktober 2011, Campus Verlag) und einem öffentlichen Abendvortrag von Josef Wieland von der Hochschule Konstanz.

[|profil.vnoll], 28.10.11

Vortrag: Unternehmenskultur, Werte und gesellschaftliche Verantwortung

CRR

In Zeiten, in denen der Ruf nach einer Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen lauter wird, gewinnen auch die Kultur eines Unternehmens und die in ihm gelebten Werte an Relevanz. Dass eine integre Unternehmenskultur nicht nur in Zeiten der Krise stabilisierend wirkt, sondern gewissermaßen die Grundlage für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung ist, zeigte die Organisationspsychologin Sonja Sackmann am 25. Oktober in ihrem Vortrag „Unternehmenskultur, Werte und gesellschaftliche Verantwortung“.
Die Referentin unterstrich dabei, dass die Führungskräfte eines Unternehmens die tragenden Säulen einer langfristig gelebten Unternehmenskultur sind. Besonders in der heutigen Zeit, in der Vorstellungen, Wünsche und Rollenverständnisse der Mitarbeiter sehr vielfältig sein können, sollte die von der Führungsetage getragene Unternehmenskultur Identität im Unternehmen stiften. Ausgesprochen plastische Beispiele aus der langjährigen und vielfältigen Erfahrung von Frau Sackmann aus Wissenschaft und Praxis verdeutlichten, dass und wie Unternehmenskultur gelebt und gestaltet werden kann. Denn aufgrund von Fluktuationen und Präferenzverschiebungen von Mitarbeitern oder auch aufgrund von sich verändernden Umweltbedingungen müssten die der Unternehmenskultur zugrunde liegenden Werte und Normen in einem dauerhaft geführten Diskurs bestätigt, angepasst oder auch revidiert werden. Dies gelte vor allem angesichts der Herausforderungen, die ein strategisches CSR-Management darstelle. Denn nur ein CSR-Managment, das auf einem gemeinsamen Werteverständnis von Mitarbeitern und Umfeld aufbaue, könne langfristig der Gesellschaft und dem Unternehmen gleichermaßen dienen.

[|profil.vnoll], 25.10.11

„Kultur, Kooperation, Kreativität: Über Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation“.

Warum ist globale Kooperation so relevant - und gleichzeitig so schwierig?
© aboutpixel.de / Foto: chhmz

Die historische Erfahrung zeigt, dass Kulturen – trotz ihrer notorisch offenen Grenzen – auf Selbsterhaltung drängen und vor allem solche Einflüsse akzeptieren, die der eigenen Stärkung dienen. Ob und wie diese Tatsache die Möglichkeiten globaler Kooperation einschränkt, wird ab Februar 2012 ein Cluster des „Käte Hamburger Kollegs: Politische Kulturen der Weltgesellschaft“ untersuchen. Am 11. Oktober fand im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) der zweite vorbereitende Workshop für das neue Kolleg statt: Unter dem Titel „Kultur, Kooperation, Kreativität: Über Globale Kulturkonflikte und transkulturelle Kooperation“ tauschten sich Experten über Konzepte von Inter- bzw. Multikulturalität in kultursoziologischer Perspektive aus. Sie diskutierten über „teilbare“ und „unteilbare“ Konflikte und betrachteten kosmopolitische, ethnozentrische, religiöse und ethnische Narrative lokaler Traditionsbestände. Unter den Teilnehmenden waren Frank Adloff (Erlangen), Richard Bettmann (KWI), Navid Kermani (KWI), Ronald Kurt (Bochum), Helma Lutz (Frankfurt/Main), Carmen Meinert (KWI), Sighard Neckel (Frankfurt/Main), Jo Reichertz (Universität Duisburg-Essen), Erhard Schüttpelz (Siegen), Hans-Georg Soeffner (KWI), Dietmar J. Wetzel (Bern) und Darius Zifonun (Berlin). Eingeladen hatte Claus Leggewie, der Direktor des KWI, gemeinsam mit Tobias Debiel vom Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) und Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Im Interview beantworten zwei der Gäste die Frage, ob kulturelle Differenz globale Kooperation erschwert und welche Rolle Macht dabei spielt:



Informationen über den ersten Workshop, der unter dem Titel „Is the world the limit?“ im DIE stattfand, finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 19.10.11

Jean-Jacques Rousseau – Die Ursprungserzählungen

Portrait of Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) von Maurice Quentin de La Tour

Der zweisprachigen deutsch-französischen Tagung „Jean-Jacques Rousseau – Die Ursprungserzählungen“, die vom 6. bis 8. Oktober im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen stattfand, lag ein Thema zugrunde, das für eine Vielzahl von Disziplinen Anknüpfungspunkte bietet. Unter den Teilnehmern waren Soziologen, Pädagogen, Literaturwissenschaftler, Philosophen, Romanisten und Politikwissenschaftler. Trotz unterschiedlichster disziplinärer Vorgaben und Ansätze gab es einen breiten Konsens darüber, dass die Rolle des „Ursprungs“ im Denken Rousseaus bisher kaum die ihr eigentlich gebührende Aufmerksamkeit erhalten hat. Dabei spielt die Frage nach der Geschichte und ihrer Bedeutung für das Wissen über den Menschen und die Gesellschaft eine besondere Rolle: Es wurde in einigen Vorträgen deutlich, dass Rousseau dem Gang der Geschichte, und damit vor allem auch dem Ursprung als Anfang und immer wieder sich ereignenden Wendepunkt in der Geschichte, eine hohe Plausibilität zuweist. Sicher ist Rousseau in dieser Hinsicht ganz „Kind“ seiner Zeit, in der die aufklärerische Vorstellung von einem stetigen Fortschritt in der Geschichte nachdrücklich unterstreicht, dass historischen Phänomenen ein beachtliches Erklärungspotential zukommt. Die Vortragenden Blaise Bachofen (Paris), Manfred Schneider (Bochum) und Luc Vincenti (Montpellier) hoben hervor, dass Vernunft, Wissen und Freiheit als wichtige Elemente des historischen Fortschritts auch bei Rousseau betrachtet werden. Zugleich aber – dies wurde in den Ausführungen von Gabrielle Radica (Amiens), Jacques Berchtold (Paris) sowie Alfred Hirsch (Essen) deutlich – wendet sich das Denken des Ursprungs bei Rousseau auch ganz offensichtlich provokativ gegen die zeitgenössische Vorstellung eines historischen Fortschritts. In weiteren Vorträgen (Karlfriedrich Herb, Regensburg und Anne Chamayou, Perpignan) wurde freigelegt, dass für Rousseau das Denken des Ursprungs und der Geschichte anschaulich machen, wie es zu dem gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft hat kommen können. In anderen Vorträgen wie etwa von Georg Eckert (Wuppertal) oder Michaela Rehm (Bielefeld) wurde hervorgehoben, dass Rousseau das Denken des Ursprungs und der Geschichte vor allem dazu nutzt, eine moralische Kritik der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen seiner Zeit – und vielleicht der heraufziehenden Moderne insgesamt – zu formulieren. Gemäß Rousseau wird der Ursprung – und mit ihm nahezu synonym gebraucht: die Natur – zu einem Optimalzustand, an dem sich jede menschliche und gesellschaftliche Realität zu messen hat.

[|profil.k.hoppen], 12.10.11

Mut statt Wut. Aufbruch in eine neue Demokratie

„Mut statt Wut“, erschienen bei der Körber Stiftung
© Körber Stiftung

Die jüngsten Aufstände in der arabischen Welt zeigen erneut: Die Demokratie hat nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Und doch macht sich in den westlichen Ländern seit etlichen Jahren Politikverdrossenheit breit. Selbst in freiheitlichen Gesellschaften stellt man einen rasanten Verlust des Vertrauens vor allem in die Parteiendemokratie fest. Wie passen diese Entwicklungen zusammen? Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), analysiert in dieser Streitschrift die Beziehung zwischen der Zivilgesellschaft und den klassischen politischen Institutionen. Ausgehend vom Phänomen des „Wutbürgertums“ und einer sich verändernden Engagement- und Protestkultur in Europa zeigt er, wie sich die Vorstellungen von Politik und Demokratie gewandelt haben. Wie werden aus Wutbürgern Mutbürger? Welche Formen politischen Engagements sind zukunftsfähig? Wie können junge Menschen mobilisiert werden und Selbstwirksamkeit erfahren? Claus Leggewie wird sein Buch am 13. Oktober auf der Buchmesse in Frankfurt vorstellen, seit dem 5. Oktober bloggt er außerdem zum Thema auf www.mutstattwut.de.

[|profil.vnoll], 06.10.11

Die Verantwortung des Konsumenten. Über das Verhältnis von Markt, Moral und Konsum

„Die Verantwortung des Konsumenten“, erschienen im Campus Verlag
© Campus Verlag

In der jüngsten Zeit hat sich das Verhalten von Konsumenten stark verändert: Immer mehr Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte, die Einhaltung von Sozialstandards und faire Handelsbeziehungen. „Verantwortung“ ist zu einem wichtigen Faktor des Konsums geworden. Doch worin genau besteht die Verantwortung des Konsumenten, welche Bedeutung hat sie für die Entwicklung der Marktwirtschaft und der Konsumgesellschaft? Das Buch „Die Verantwortung des Konsumenten“, das am 4. Oktober im Campus Verlag erschien, wirft einen aktuellen Blick auf die Grenzen des Wachstums und entwickelt Vorschläge für die nachhaltige Gestaltung der Zukunft. Herausgegeben wird es von Ludger Heidbrink, dem Direktor des Centers for Responsibility Research (CRR) am KWI sowie Imke Schmidt und Björn Ahaus. Am 29. November wird das Buch in Essen im Rahmen der Tagung „Consumer Ethics and Business Ethics“ vorgestellt. Entstanden ist die Publikation im Rahmen des Projekts „Konsumentenverantwortung - Neue Macht und Moral des Verbrauchers“.

[|profil.vnoll], 04.10.11

Konferenz zur gesellschaftlichen Verantwortung: CSR-Impulse und Strategien für erfolgreiche Unternehmen in NRW

An der Tagung in Mühlheim nahmen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen aus NRW teil.
© Dialog Verantwortung

Für die meisten großen Firmen ist Corporate Social Responsibility seit Jahren ein wichtiges Thema – aber wie können besonders kleine und mittelständische Unternehmen eine nachhaltige Führungsstrategie entwickeln? Welche Konzepte lassen sich in welchem Betrieb umsetzen? Und kommt man gemeinsam mit wissenschaftlicher Unterstützung und zivilgesellschaftlichen Initiativen möglicherweise zu besseren Ergebnissen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Kongresses „CSR-Impulse und Strategien für erfolgreiche Unternehmen in NRW“, den das Kulturwissenschaftliche Institut Essen gemeinsam mit dem Labor für Organisationsentwicklung an der Universität Duisburg-Essen und dem Wirtschaftsministerium NRW in Mülheim initiiert hat. Dort tauschten sich am 8. September kleine, mittelständische und große Unternehmen, Vertreter von Hochschulen, Regierung sowie der Bürgergesellschaft gemeinsam über die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft in NRW aus. Über 200 interessierte Teilnehmer kamen im Aquatorium in Mülheim zusammen, um neben Vorträgen über erfolgreiche Unternehmensbeispiele an Workshops zu den Themen Demographischer Wandel, Integration, Klimaschutz/Ressourceneffizienz sowie Bildung und Innovation teilzunehmen. Ziel war es, eine gemeinsame Plattform zu etablieren, die dazu beiträgt, das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen zu fördern, den Austausch von Praxisbeispielen und Wissen zu verbessern und die CSR-Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen stärker zu vernetzen.

[|profil.vnoll], 28.09.11

Literarischer Salon: Mathias Énard zu Gast in Essen

Literarischer Salon: Mathias Énard
© Stiftung Mercator / Foto: Uta Wagner

Wie schafft es ein Autor, einen derart dichten und allumfassenden Roman wie „Zone“ zu schreiben? Diese Frage beschäftigte die Gastgeber Navid Kermani und Claus Leggewie, als sie am 21. September den französischen Autor Mathias Énard im „Literarischen Salon“ in Essen begrüßten. Das Mittelmeer-Epos „Zone“ beschreibt die Zugfahrt eines ehemaligen französischen Geheimagenten von Mailand nach Rom. Die Reise ist von Assoziationen und Erinnerungen an antike Schlachten, Gewalt, Verbrechen und Kriege durchsetzt. Der Text bezieht unzählige historische und literarische Quellen ein - und ist inspiriert von Homers Ilias, Joyces Ulysses oder dem titelgebenden Gedicht von Guillaume Apollinaire. Énard berichtete von seinen umfassenden Recherchearbeiten für „Zone“: von Gesprächen mit Zeitzeugen, unveröffentlichten Memoiren eines umstrittenen Balkan-Kriegsberichterstatters oder seinen eigenen Erfahrungen in der arabischen Welt. So ging es auch um die politische Zukunft in Tunesien, Ägypten, Libyen und Algerien, die Énard verhalten pessimistisch beurteilte. Außerdem brachte der Autor ausgewählte Musikstücke mit, die zum Thema des Abends passten. Der Literarische Salon in Essen ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 23. November mit den Schriftsteller und Verleger Michael Krüger statt.

[|profil.vnoll], 23.09.11

Lesart Spezial mit Frank-Walter Steinmeier: „Soziale Demokratie heute. Tony Judts Traktat über unsere Unzufriedenheit“

Lesart Spezial mit Frank-Walter Steinmeier
© KWI

Am 16. September war Frank-Walter Steinmeier, Bundesaußenminister a.D. und Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast bei Lesart Spezial. Mit Claus Leggewie, dem Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), sprach er darüber, wie man die Gerechtigkeit in einem krisengeschüttelten Europa schützen kann. Sie diskutierten über Tony Judts „Dem Land geht es schlecht: Ein Traktat über unsere Unzufriedenheit“ (Hanser Verlag, München 2011) und über „Die empathische Zivilisation. Wege zu einem globalen Bewusstsein“ (Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2009) des Soziologen Jeremy Rifkin. „Demokratie hat auf Dauer keine Chance ohne soziale Balance“, sagte Steinmeier. Es habe sich insbesondere durch die Finanzkrise gezeigt, dass die Politik ihre Verantwortung wieder stärker wahrnehmen müsse. Er betonte weiter, dass ein regulierender Staat sehr wohl positiv Einfluss nehmen könne: Die Energiepolitik sei ein treffendes Beispiel dafür, dass auch durch staatliche Förderungen und Subventionen Wirtschaftszweige wie Solarenergie oder Biomasse-Nutzung angeschoben werden könnten, die allein durch den freien Markt sich nicht erfolgreich hätten entwickeln können. Dazu passe auch eine Energiepartnerschaft im Mittelmeerraum und mit den neuen Demokratien im Nahen Osten. Die Veranstaltung wird gemeinsam vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), Deutschlandradio Kultur, der Buchhandlung Proust und dem Schauspiel Essen ausgerichtet. Ein Teil der Veranstaltung wurde am Sonntag, 18. September 2011 von 12.30 Uhr bis 13.00 Uhr im Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt und kann hier angehört werden.

[|profil.vnoll], 21.09.11

Neuerscheinung: „Der Führer war wieder viel zu human, viel zu gefühlvoll“. Der Zweite Weltkrieg aus der Sicht deutscher und italienischer Soldaten.

„Der Führer war wieder viel zu human, viel zu gefühlvoll“, erschienen im Fischer Verlag
© Fischer Verlag

Wie sprachen deutsche und italienische Soldaten über den Krieg, das Töten, die Gefangenschaft, die Kriegsverbrechen, ihre Gegner, ihre Verbündeten, ihre Nation und Führung? Was ließ die Wehrmachtsoldaten im Gegensatz zu den Angehörigen der italienischen Streitkräfte selbst in fast aussichtslosen Situationen noch weiterkämpfen? Ein internationales Team ging im Rahmen der Forschungsprojekte „Referenzrahmen des Krieges“, die „Dynamik des Tötens“ und „Kriegswahrnehmung und Kollektivbiographie“ diesen Fragen nach. Die Grundlage bildeten mehr als 150.000 Seiten Abhörprotokolle, welche britische und amerikanische Nachrichtendienste während des Zweiten Weltkrieges erstellt haben. „Der Führer war wieder viel zu human, viel zu gefühlvoll“ erschien gerade im Fischer Verlag, herausgegeben von Harald Welzer, Sönke Neitzel und Christian Gudehus. Die Historiker, Soziologen und Sozialpsychologen geben einen vertieften Einblick in das facettenreiche Aktenkonvolut und analysieren in vergleichender Perspektive auch die Wahrnehmung inhaftierter Soldaten aus Japan und Österreich. Nach Sönke Neitzels und Harald Welzers viel beachtetem Buch „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen. Töten und Sterben“ (2011) bieten die Ergebnisse dieser Studien eine weiterführende Sicht auf die Mentalitätsgeschichte der Armeen der Achsenmächte und der alliierten Geheimdienste. Am Dienstag, den 27. September 2011 stellen die Fritz-Thyssen-Stiftung und die Gerda-Henkel-Stiftung das Buch in Köln vor.

[|profil.vnoll], 15.09.11

Das KWI im Sommer

Das KWI-Team beim Drachenboot-Rennen 2011
© KWI

Auch in diesem Jahr hat das KWI-Team „Geistesblitze“ sich wieder am Essener Drachenboot-Rennen auf dem Baldeneysee beteiligt: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler paddelten auf den 2. Platz im B-Finale des Valonti Cups. So startete das KWI aktiv in einen Sommer, in dem dieses Mal von Pause keine Rede sein kann: Am 5. und 6. August fand der Auftakt zum neuen Forschungsprojekt „Climates of Migration“ in München statt. Auf der Tagung, die das KWI gemeinsam mit dem Rachel Carson Center ausrichtete, sprachen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 21 Ländern über historische und aktuelle Beispiele klimabedingter Migration – dabei ging es unter anderem um aktuelle Umsiedlungsbemühungen von Küstendörfern in Alaska oder die chinesische Einwanderungswelle nach Australien im 19. Jahrhundert. Am 23. August organisieren wir den dritten Abend der neuen Veranstaltungsreihe CineScience im Filmstudio Glückauf – hier stehen die psychologischen Manipulationen des bekannten und umstrittenen Zauberkünstlers Derren Brown im Fokus. Und schon Anfang September geht es weiter: Mit einer Tagung zur Historischen Klimatologie am Deutschen Historischen Institut Paris (5. bis 6. September 2011). In Essen wird es schließlich am 8. September um Corporate Social Responsibility gehen – Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft in NRW tauschen sich über nachhaltige Unternehmensführung aus. Weitere Termine finden Sie wie immer unter: www.kulturwissenschaften.de/home/veranstaltungen.html.

[|profil.vnoll], 12.08.11

Gastwissenschaftler in Essen: Die neuen „Scholars in Residence“ stehen fest

v.l.n.r.: Obere Reihe: Purba Banerjee, Susanne Beer, Kosal Path, Ronald Kurt. Untere Reihe: Ryoko Yamamoto, Giovanna d'Amico,  Carolina Castro, Imke Schmidt
© KWI / Fotos: privat

Das internationale wissenschaftliche Austauschprogramm „Scholars in Residence“ geht in die dritte Runde: Ab Oktober 2011 kommen insgesamt fünf ausländische Gastwissenschaftler zu einem Forschungsaufenthalt nach Essen, darunter eine Umweltingenieurin aus Tokio, ein Genozidforscher aus Los Angeles und eine Konfliktforscherin aus Neu-Delhi. Gemeinsam mit ihren deutschen Austauschpartnern entwickeln sie neue Forschungsprojekte und vernetzen sich interdisziplinär mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Region. Das Residenzprogramm ist eine Kooperation zwischen dem Goethe-Institut und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Die Gastaufenthalte dauern jeweils sechs bis acht Wochen, im Anschluss an den Besuch in Essen folgt die Rückbegegnung im Ausland. Weitere Informationen finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 04.08.11

Was tun, wenn alles falsch ist?

Was tun, wenn alles falsch ist?
© shutterstock.com / Foto: Leenvdb

Es gibt im Alltag immer wieder Situationen, in denen sich keine richtige Entscheidung fällen lässt, weil die vorhandenen Entscheidungsalternativen sich gegenseitig ausschließen. Am 15. Juli fand im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) gemeinsam mit dem Institut für Philosophie der Universität Potsdam die Tagung „Was tun, wenn alles falsch ist? Moralische Dilemmata in der Ethik“ statt. Die Teilnehmer, die aus den Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen sowie Amsterdam, Köln und Potsdam stammten, setzten sich mit der Frage auseinander, wie sich trotz bestehender Dilemmata begründete Handlungsentscheidungen finden lassen. Neben der genaueren Bestimmung von Dilemmata wurden mögliche Lösungswege diskutiert, die beim Umgang mit schwerwiegenden Konflikten, etwa bei der medizinischen Versorgung suizidgefährdeter Patienten oder der genetischen Diagnostik von Erbkrankheiten, helfen können. Dabei wurde deutlich, dass es kein Patentrezept gibt, sondern der Umgang mit Dilemmata unter anderem davon abhängt, wie viel Wissen und Informationen zur Verfügung stehen und auf welche Normen und Werte bei der Entscheidungsfindung zurückgegriffen wird. Einigkeit bestand darin, dass das Problem moralischer Dilemmata nicht nur für die philosophische Ethik relevant ist, sondern in pluralistischen Gesellschaften eine zunehmende alltagspraktische Bedeutung gewinnt, die professionelle Diagnose- und Beratungskonzepte erforderlich macht. Den ausführlichen Tagungsbericht finden Sie hier als pdf iconpdf.

[|profil.vnoll], 25.07.11

Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2011 verliehen

v.l.n.r.: Claus Leggewie (Direktor des KWI), Raphael van Riel (2. Preis), Anja-Désirée Senz (1. Preis), Herbert Prokasky (Förderverein des KWI)
© KWI

Am 6. Juli 2011 hat der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) zum dritten Mal den Dissertationspreis Kulturwissenschaften verliehen. Mit der Preisvergabe werden jährlich zwei hervorragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet. In diesem Jahr wurde Anja-Désirée Senz von der Universität Duisburg-Essen für ihre Dissertation „Wer bestimmt in Chinas Dörfern? Lokale Entscheidungsstrukturen und institutioneller Wandel in der VR China“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Anhand von sechs lokalen Fallbeispielen zeigt diese Untersuchung auf, wie lokale Entscheidungen – etwa zu Infrastruktur oder dem Bildungswesen – in chinesischen Dörfern getroffen werden und welche Rolle dabei Institutionen spielen. Das empirische Datenmaterial basiert auf einer mehrmonatigen Feldstudie, die die Wissenschaftlerin in drei chinesischen Provinzen erhoben hat. Der zweite Preis ging an Raphael van Riel von der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeit trägt den Titel „The concept of reduction – an identity-based approach“. Darin beschäftigt sich van Riel mit der wissenschaftstheoretischen Debatte über das Konzept der Reduktion. Er entwickelt hierbei einen eigenen Begründungsansatz, der das Denken über die Einheit der Welt und die Pluralität der spezialisierten Einzelwissenschaften verbindet.

[|profil.vnoll], 19.07.11

Tagung „Islamic Newthinking – in Honor of Nasr Abu Zayd”

v.l.n.r: Vordere Reihe sitzend: Osman Tastan, Asma Barlas, Sadik al-Azm, Almut Sh. Bruckstein Çoruh, Amina Wadud, Ebtehal Younes, Katajun Amirpur, Abdulkader Tayob. Hintere Reihe stehend: Ali Mabrouk, Abdolkarim Soroush, Taylor Holland, Farid Esack, Mohammad Mojtahed Shabestari, Stefan Wild, Navid Kermani, Claus Leggewie
© KWI/ Foto: Georg Lukas

„Nicht nur der Westen will wissen, ob die islamischen Gesellschaften sich dem säkularen Leben öffnen können. Auch viele Muslime stellen diese Frage” (Berliner Zeitung). Und auch innerhalb der islamischen Welt gibt es Theologen, die sich ihrer intellektuellen Pflicht als Vordenker eines „Islamic Newthinking“ bewusst sind und das Bestreben nach einer zeitgemäßen Auslegung des Islam verfolgen. Vom 26. bis 28. Juni fand im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) die internationale Tagung „Islamic Newthinking – in Honor of Nasr Abu Zayd“ statt. Erstmals kamen führende Gelehrte aus aller Welt zu einer rein innerislamischen Debatte zusammen. Anlass war das Gedenken an den am 5. Juli 2010 verstorbenen Wissenschaftler Nasr Hamid Abu Zayd – einer der führenden muslimischen Denker unserer Zeit. Zum Auftakt sprach sich der iranische Theologe Mohammad Mojtahed Shabestari in seinem Vortrag „Nasr Abu Zayds Vermächtnis: Perspektiven des Islamic Newthinking“ für eine neue Hermeneutik des Korans aus. Wie unterschiedlich und zugleich vielversprechend die Perspektiven einer „neuen islamischen Denkweise“ sind, zeigte sich anhand der kontroversen Roundtable-Diskussionen an den beiden darauffolgenden Veranstaltungstagen. Ausgehend von Inputreferaten diskutierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – unter ihnen auch Ebtehal Younes, die Frau des verstorbenen Nasr Abu Zayd - etwa über Feminismus im Islam, über Demokratie und über eine Kritik des religiösen Diskurses. Gastgeber der Tagung, die in Kooperation mit der Universität Zürich stattfand, waren Katajun Amirpur (Universität Zürich) und Claus Leggewie (KWI). Audio-Podcasts aller Beiträge und Diskussionen sowie das Abschluss-Statement und einen ausführlichen Tagungsbericht finden Sie hier .

[|profil.vnoll], 13.07.11

NRW-Klimaschutzminister Johannes Remmel eröffnet Graduiertenkolleg

NRW-Minister Johannes Remmel (Mitte) gemeinsam mit der Leitung und den Mitgliedern des Graduiertenkollegs Herausforderung der Demokratie durch Klimawandel
© KWI/ Foto: Georg Lukas

Stehen persönliche Eigeninteressen des Einzelnen einer nachhaltig orientierten Klimapolitik entgegen? Wie kann die Bevölkerung über Klimaschutzmaßnahmen mitbestimmen – und braucht es vielleicht sogar neue Partizipationsmöglichkeiten im politischen Prozess? Über diese Fragen diskutierten am 6. Juli im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel, Stefan Taschner von Bürgerbegehren Klimaschutz e.V. und Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Johannes Remmel machte deutlich, dass eine nachhaltige Klimapolitik nur umgesetzt werden könne, wenn man sich auf ein klares, gemeinsames Ziel einige, die Bürger an diesen Prozessen teilhaben lasse und wenn die einzelnen Klimaschutzinitiativen eine gezielte politische Interessensvertretung aufbauen. Oliver Geden zeigte sich skeptisch, ob erweiterte Partizipationsmöglichkeiten zwingend politische Klimaschutzbemühungen befördern. So gäbe auf der regulatorischen Ebene, beispielsweise bei der Festlegung von Effizienzstandards, noch erhebliche Spielräume für die politischen Entscheidungsträger, die keine Beteiligung der Bevölkerung verlangten. Unabhängig davon sei die Erweiterung der Partizipation aber ein Ziel, das es zu verfolgen lohne, um die Demokratie neu zu beleben. Stefan Taschner stellte heraus, dass die Bürger nicht erst beteiligt werden dürfen, wenn die Projektplanungen bereits begonnen haben. Die Podiumsdiskussion „Partizipation als Garant für eine erfolgreiche Klimapolitik und Energiewende?“ fand anlässlich der Eröffnung des Graduiertenkollegs „Herausforderung der Demokratie durch den Klimawandel“ statt. Es ist Kolleg des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und der Hans Böckler Stiftung und beschäftigt sich in den kommenden zwei Jahren mit dem Spannungsfeld zwischen Klimapolitik und demokratischer Beteiligung. Das Promotionskolleg schließt mittels empirischer Fallstudien und vergleichender Analysen an die aktuelle theoretische und empirische Demokratieforschung an. Es nimmt mit der Legitimität und Performanz nationaler und supranationaler Klimapolitik ein noch wenig beleuchtetes Problemfeld in den Blick. Die Forschungsvorhaben eruieren Lösungsvorschläge, um Herausforderungen des Klimawandels für die Demokratie sowie durch die Demokratie zu bewältigen.

[|profil.vnoll], 08.07.11

Wirtschaftsethik zwischen den Kulturen

Wie in den Führungsetagen großer Unternehmen über Wirtschaftsethik nachgedacht wird, unterscheidet sich von Land zu Land mitunter erheblich.
© 2010 aboutpixel / Foto: stormpic

Die Globalisierung ökonomischer Prozesse wirft in wachsendem Maß die Frage auf, wie in unterschiedlichen Ländern und Kulturen mit wirtschaftsethischen Regeln und Leitlinien umgegangen wird. Am 21. Juni fand im Kulturwissenschaftliche Institut Essen gemeinsam mit dem Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen die internationale Tagung „Business Ethics in between Cultures. Principles, Values, and Norms in Intercultural Economic Processes” statt. Die Teilnehmer aus den USA, Vietnam und der Schweiz sprachen über den Einfluss der islamischen und asiatischen Kultur auf die Marktwirtschaft, den Umgang mit geistigem Eigentum und Sozialstandards in China. Auch über die so genannte „ISO 26000-Guideline“ und den Global Compact der UN wurde gesprochen, die Unternehmen dazu verpflichten, Regeln der gesellschaftlichen Verantwortung und die Menschenrechte einzuhalten. Auf der Tagung wurde deutlich, dass es trotz kultureller Differenzen zwar eine zunehmende Akzeptanz von sozialen und ökologischen Grundregeln in der Wirtschaft gibt, in der Umsetzung jedoch noch ländertypische und regionale Unterschiede bestehen. Eine Herausforderung der Zukunft besteht darin, privatwirtschaftliche Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen stärker in politische Abstimmungsprozesse einzubinden, um kulturspezifische Umsetzungshindernisse abzubauen und die Chancen nachhaltiger Kooperationen zu erhöhen.

[|profil.vnoll], 30.06.11

„Der letzte Welzer“ im Grillo-Theater

Die drei Neuerscheinungen von Harald Welzer
© Fischer-Verlag. Rechts: Verlag JRP/Ringier

Am 21. Juni stellte Harald Welzer im Café Central des Grillo-Theaters Essen drei seiner kürzlich veröffentlichten Bücher vor. Seine zusammen mit Sönke Neitzel verfasste Studie „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“, den Sammelband „Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung“, den er gemeinsam mit Klaus Wiegandt herausgegeben hat, und schließlich den Kunstband „New Pott. Neue Heimat im Revier“; herausgegeben in Zusammenarbeit mit Mischa Kuball. Harald Welzer, der in diesem Jahr das Ruhrgebiet in Richtung Berlin verlassen wird, bot seinen Zuhörern an diesem Abend eine vielfältige Mischung an Mentalitätsgeschichte, Klimaverantwortung und Revierkultur. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer von RUHR.2010, Oliver Scheytt, diskutierte er auch über die Vorzüge seiner zehnjährigen Tätigkeit am KWI: die schöpferische Atmosphäre und der Teamgeist an diesem Forschungsinstitut habe ihm eine Produktivität ermöglicht, die andernorts nicht möglich gewesen wäre. Besonders hob er die interdisziplinäre Ausrichtung des Instituts und das im Vergleich zu anderen akademischen Institutionen sehr niedrige Durchschnittsalter des Kollegiums hervor. „Das waren sehr erfolgreiche und spannende zehn Jahre“, sagte Welzer, „die es an keiner anderen Institution so gegeben hätte.“ Seine laufenden Projekte wird er natürlich noch bis zum Abschluss weiter betreuen und deshalb auch in Zukunft immer mal wieder am KWI sein. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Buchhandlung Proust in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Schauspiel Essen.

[|profil.vnoll], 22.06.11

Climate Change in India and Southeast Asia

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung Climate Change in India and Southeast Asia
© KWI/ Foto: Georg Lukas

Haben Indien, Thailand und Indonesien – Länder mit hohen Emissionsraten – das Potential für einen grundsätzlichen klimaverträglichen Umschwung? Welche Modelle und Strategien stehen diesen asiatischen Kulturen zur Verfügung? Über diese und andere Fragen referierten Süd- und Südostasien-Experten aus England, Indien und Deutschland. Auf dem zweitägigen interdisziplinären Symposium „Climate Change in India and Southeast Asia: How are Local Cultures Coping?“ wurden kultur- und religionswissenschaftliche, sozial-politische und naturwissenschaftliche Perspektiven diskutiert. Besonderes Augenmerk galt den Akteuren, die für eine Integrierung und Implementierung naturwissenschaftlichen Wissens auf gesellschaftlicher Ebene unabdingbar sind. Unter den Wissenschaftlern bestand breiter Konsens darin, dass sowohl „top-down“- als auch „bottom-up“-Ansätze nötig sind, um mit dem Stress- und Unsicherheitsfaktor Klimawandel in Asien umzugehen. Lösungsansätze wurden sowohl aus umweltgeschichtlicher als auch kultureller Perspektive entwickelt. Den Religionen Buddhismus (Thailand), Hinduismus (Indien) und Islam (Indonesien) wurden Potentiale im Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels zugesprochen. Wie eine umwelt- und klimaverträgliche Umorientierung im indonesischen Kontext durch die „ulama“ (islamische Gelehrte) in religiösen Internaten praktisch funktioniert, wurde eindrücklich dargestellt. Andere Beiträge zeigten, in welchem Dilemma die Megastädte stecken, aber auch, dass ein Umschwung machbar scheint – etwa in dem man sich an einigen Projekten orientiert, die die großen Ballungszentren als Experimentierfelder nutzen. Die Diskussionen, die die Vorträge begleiteten, befassten sich mit dem Wissen an sich (lokales Wissen und umstrittenes Wissen über Umweltzusammenhänge), aber auch mit Identitätsfragen. Das Symposium fand am 17. und 18. Juni im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) statt. Es wurde von Barbara Schuler (Universität Hamburg) wissenschaftlich geleitet und von Carmen Meinert (KWI) organisiert.

[|profil.vnoll], 21.06.11

CineScience: Das Milgram-Experiment

Versuchsaufbau des Milgram-Experiments: V = Versuchsleiter, L = Lehrer, S = Schüler.
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Am 21. Juni startet die neue Veranstaltungsreihe „CineScience“ vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Filmstudio Glückauf. Forschende des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen diskutieren anhand von Filmen jeden Genres soziale Phänomene und werfen einen wissenschaftlichen Blick auf alltägliche und weniger alltägliche Aspekte menschlichen Zusammenlebens. Immer geht es darum, zu verstehen, warum Menschen so handeln, wie sie eben handeln. Der erste Abend der Reihe widmet sich den Experimenten des Sozialpsychologen Stanley Milgram, der in den frühen 1960er Jahren mit einer Reihe berühmt-berüchtigter Experimente zeigte, dass jeder zweite normale Erwachsene bereit ist, einer unschuldigen Versuchsperson unter der Aufsicht eines Wissenschaftlers extrem schmerzhafte und vielleicht tödliche Stromstöße zuzufügen. Die Sozialwissenschaftler Christian Gudehus und Sebastian Wessels vom KWI zeigen und kommentieren Milgrams Dokumentarfilm „Obedience“ sowie Sequenzen aus weiteren filmischen Aufbereitungen des Versuchs. Sie diskutieren die sozialpsychologischen Hintergründe ebenso wie die offensichtliche Faszination, die das Experiment immer wieder zu einem Bezugspunkt in Wissenschaft, Kunst und Populärkultur macht.

[|profil.vnoll], 17.06.11

Wie erinnert eine Gesellschaft sich an Katastrophen?

Wie sich eine Gesellschaft an ein schweres Erdbeben erinnert, ist von vielen Faktoren abhängig.
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Wie Gesellschaften sich an Katastrophen erinnern und welche emotionale Nachhaltigkeit zerstörerische Geschehnisse entfalten, hängt nicht allein von der Höhe der Opferzahlen oder dem Ausmaß entstandener Schäden ab. Die Interpretation katastrophaler Ereignisse ist davon bestimmt, in welchem Referenzrahmen sie gedeutet werden und ob sie den bestehenden Erwartungen entsprechen. So fällt die Wahrnehmung von Erdbeben in einem Land, in dem sie regelmäßig auftreten, anders aus, als dort, wo sie eine Ausnahme darstellen, auf die man mental nicht vorbereitet ist. Wie Katastrophen erinnert werden und welche historischen Lernerfahrungen sie erzeugen können, hängt somit nicht nur von ihrer kulturellen Eindringungstiefe ab, sondern auch von der Frage, ob sie beeinflussbar erscheinen oder nicht. Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt „Katastrophenerinnerung“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Am 15. findet zu diesem Thema der Vortrag von Martin Voss „Aus Desastern und Katastrophen lernen“ statt. Am 16. Juni referiert Daniel Levy über „Memories of Catastrophes: The Mediat(iza)tion of the Future”.

[|profil.vnoll], 09.06.11

Arbeitnehmerfreizügigkeit muss noch weiter ausgestaltet werden

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der wissenschaftlichen Begleitveranstaltung
© KWI / Foto: Georg Lukas

Rund 30 Schüler, Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus NRW und Polen diskutierten im Rahmen der ersten Teilveranstaltung der wissenschaftlichen Begleitveranstaltungsreihe zum Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) mit Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis zum Thema Arbeitnehmerfreizügigkeit. Wojciech Łukowski (Universität Warschau), Mathias Wagner (Universität Bielefeld), Katrin Lechler (n-ost) und Michał Sutowski (Krytyka Polityczna) informierten in Kurzreferaten über zahlenmäßige Entwicklungen, messbare Auswirkungen und Trends in der medialen Berichterstattung über Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland und Polen vor und nach dem 1. Mai 2011. An diesem Tag haben Arbeitnehmer aus acht mittel- und osteuropäischen EU-Staaten freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erhalten. Die jungen Teilnehmer der Veranstaltung setzten sich mit diesen Aspekten im Plenum und in Kleingruppen vertiefend auseinander und zogen eine erste Bilanz: Arbeitnehmerfreizügigkeit ist kein Schreckgespenst und bietet Chancen für die beruflichen Perspektiven junger Menschen in Europa; sie muss aber in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel was die wechselseitige und gleichwertige Anerkennung von Schul- und Studienabschlüssen angeht, noch weiter ausgestaltet werden. Ein detaillierter Bericht zur Veranstaltung wird in Kürze auf der KWI-Website veröffentlicht. Die wissenschaftliche Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“ ist eine Veranstaltung des KWI im Auftrag der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen.

[|profil.vnoll], 08.06.11

Podiumsdiskussion Klimawandel - Herausforderung für Wissenschaft und Forschung in NRW?

Die Podiumsteilnehmer, v.l.n.r.: Prof. Dr. Claus Leggewie, Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz, Prof. Dr.-Ing. Eckhard Weidner, Prof. Dr. Daniel Barben, Ministerin Svenja Schulze, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge
© MIWF-NRW / Foto: Gerhard P. Müller

Der Klimawandel wird auch Nordrhein-Westfalen betreffen und sich auf Natur, Gesellschaft und Wirtschaft unseres Bundeslandes auswirken. Bereits jetzt sehen wir unser Verständnis von Fortschritt und Wachstum in Frage gestellt. Wie werden wir die Veränderungen und Umbrüche bewältigen, die auf uns zu kommen? Mit diesem Thema beschäftigten sich Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus NRW im Austausch mit Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen am Montag, den 30. Mai 2011, bei der Podiumsdiskussion „Klimawandel – Herausforderung für Wissenschaft und Forschung in NRW?“ am KWI in Essen. Es stand die Frage im Mittelpunkt, wie Wissenschaft und Forschung sich selbst im Angesicht der neuen Herausforderungen verändern und orientieren. Ministerin Svenja Schulze betonte in ihrer Rede die herausragende wirtschaftliche und auch wissenschaftliche Positionierung Nordrhein-Westfalens und führte aus: „Es ist nicht mehr zeitgemäß, den Industrie-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen vorrangig unter dem Aspekt ökonomischer Wachstumsorientierung zu entwickeln, vielmehr gilt es, auch ökologische, soziale und kulturelle Aspekte einzubeziehen.“ Claus Leggewie, Direktor des KWI, fügte hinzu: „Wenn Herausforderungen und Probleme beim Übergang zur klimaverträglichen Gesellschaft nicht rein technische oder rein gesellschaftliche sind, muss die Forschung zur Unterstützung der Transformation dem sozio-technischen ,Misch-Charakter‘ von Transformationen durch fächerübergreifende Arbeit in der Grundlagenforschung wie in der angewandten Forschung Rechnung tragen.“ Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 01.06.11

Tagung „Wirtschaftsethik zwischen den Kulturen“

Auf welchen religiös, politisch und kulturell geprägten Normen basiert das Selbstverständnis wirtschaftlicher Akteure?
© aboutpixel.de / Foto: lzbpk

Sowohl wirtschaftsethische Grundsatzdebatten als auch Maßnahmen der Corporate Social Responsibility (CSR) in der unternehmerischen Praxis haben in den letzten Jahren weltweit an Bedeutung gewonnen. Dies ist insbesondere der Einsicht geschuldet, dass ohne die gesellschaftliche Verantwortung der Marktakteure globale Problemlagen wie der Klimawandel, das Armutsgefälle zwischen Industrie- und Entwicklungsländern oder Finanz- und Wirtschaftskrisen nicht in den Griff bekommen werden können. Werte und Normen treten aus diesem Grund als wichtige Faktoren globalen wirtschaftlichen Handelns neben ökonomische Nutzenkalküle und Effizienzkriterien. Im Fokus der Tagung „Wirtschaftsethik zwischen den Kulturen. Leitbilder, Werte und Normen in interkulturellen Wirtschaftsprozessen“ am 21. Juni 2011 steht die Frage, inwieweit universelle Leitbilder des globalen Wirtschaftens begründbar sind und in der Praxis befolgt werden. Auf welchen religiös, politisch und kulturell geprägten Normen basiert das Selbstverständnis wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Akteure? Gibt es eine gemeinsame Wertebasis, die in globale Leitbilder einfließt? Inwieweit werden diese Leitbilder kulturell unterschiedlich aufgefasst und umgesetzt? Weitere Informationen zu der Tagung finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 27.05.11

Neuerscheinungen zu Interkultur

KWI-Intervention „Hochqualifizierte Zuwanderer mit Bezug zum Ruhrgebiet“
© KWI

Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen beschäftigt sich in mehreren Publikationen mit der Interkultur: In ihrem Aufsatz „Was heißt Interkulturalität?“ plädieren Claus Leggewie und Dariuš Zifonun für eine pragmatische Perspektive, die konzeptionell auf die „Fragmentierung und Konnektivität moderner Individuen wie moderner Gesellschaften“ reagiert. Sie „attestiert, daß Integration fraglich und erklärungsbedürftig ist, und gibt Antworten darauf, wie die Entstehung von Einheit und Zonen der Konkordanz dennoch möglich ist.“ Der Aufsatz erschien in dem Sammelband „Pragmatismus als Kulturpolitik“ (Gröschner/Sandbothe, 2011). In der Studie „Hochqualifizierte Zuwanderer mit Bezug zum Ruhrgebiet“ befragte Ulrike Ofner, unter der Leitung von Claus Leggewie und Anja Weiß (Universität Duisburg-Essen), zwanzig hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten, warum sie ins Ruhrgebiet kommen, warum sie bleiben oder wieder abwandern. Im Fokus stehen die Erfahrungen, die sie auf dem hiesigen Arbeitsmarkt machen. Die Studie wurde vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen gemeinsam mit der RUHR.2010 GmbH durchgeführt; die Ergebnisse wurden Ende 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. Marie Mualem Sultan, wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem transdisziplinären BMBF-Forschungsprojekt Climates of Migration am KWI, fragt in „Migration, Vielfalt und Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk“: „Erfüllen ARD und ZDF ihren verfassungsrechtlichen Auftrag zur Gleichberechtigung und Gleichachtung ethnisch-kultureller Vielfalt?“ Die Autorin diskutiert die öffentlich-rechtliche „diversity-correctness“ exemplarisch für drei Analysefelder: 1. Das medial vermittelte Bild von MigrantInnen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, 2. Die Personalpolitik von ARD und ZDF und 3. die Repräsentanz von MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund in den Aufsichtsgremien. Außerdem neu erschienen: Der Aufsatz „Kultur“ von Claus Leggewie und Dariuš Zifonun im Sammelband „Globalisierung“ (Niederberger/Schink, 2011). Die vollständigen Literaturangaben finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 20.05.11

Tag für die Interkultur am KWI

Das Abschluss-Panel (v.l.n.r.: Claus Leggewie, Mark Terkessidis, Asli Sevindim, Hans-Georg Soeffner) zusammen mit Veranstaltungsleiter Ronald Kurt
© KWI / Foto: Georg Lukas

In den aktuellen Debatten um Migration und Integration geht es meist um politische Rahmenbedingungen wie Bildungsreformen, Arbeitsmarktpolitik oder Einwanderungsgesetze. Aber wie gehen wir im Alltag mit kulturellen Differenzen um? Sind nicht die tatsächlichen Akteure der interkulturellen Kommunikation viel weiter als die Debatten es uns glauben lassen? Das fragte das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) am 9. Mai 2011 Wissenschaftler, Künstler und Journalisten. Vorgestellt wurden außerdem die Forschungsprojekte: „Aktives Altern – Migration – Biographie“, „Fremde Eigenheiten und eigene Fremdheiten. Interkulturelle Verständigung und transkulturelle Identitätsarbeit in globalisierten Arbeitskontexten“, „Identities and Modernities in Europe“, „Interkulturelles Verstehen in Schulen des Ruhrgebiets“ und „Migration und Komik. Inklusions- und Exklusionsprozesse durch Komik und Satire in Spätaussiedlermilieus“. Auf dem Abschluss-Panel diskutierten Mark Terkessidis (Migrationsforscher und Journalist), Aslı Sevindim (Autorin und Journalistin) und Hans-Georg Soeffner (KWI), moderiert von KWI-Direktor Claus Leggewie, über die Zukunft der multikulturellen Gesellschaft. Eine Fotogalerie der Veranstaltung „Pro Interkultur“, die von Film, Theater und Musik umrahmt wurde, finden Sie im Netz.

[|profil.vnoll], 13.05.11

Lesart Spezial: „Afrika zwischen Aufbruchsstimmung und Ausverkauf“

v.l.n.r.: Dominic Johnson, Prof. Dr. Claus Leggewie, Prof. Dr. Andreas Eckert
© Buchhandlung Proust

Unser Bild von Afrika als ewiges „Opfer der Verhältnisse“ entspreche nicht mehr der Realität: Mit dieser Feststellung eröffnete Dominic Johnson den Abend zum Thema „Afrika zwischen Aufbruchsstimmung und Ausverkauf“. Im Gespräch mit dem Afrikawissenschaftler Andreas Eckert zeichnete der Journalist und Autor ein verhalten optimistisches Bild von der Zukunft des Kontinents. Andreas Eckert gab bei allem Grund zur Hoffnung zu bedenken, dass weiterhin viele der gut ausgebildeten Afrikaner sich gezwungen sehen, ins Ausland zu gehen, wo sich ihnen bessere Chancen bieten. Auch ausländische - vor allem wirtschaftliche - Interessen machten dem Kontinent weiterhin zu schaffen. Letztlich sei es ihm das Wichtigste, betonte Johnson, dem afrikanischen Kontinent nicht länger eine Sonderrolle zuzuschreiben: Im Guten wie im Schlechten müsse man afrikanische Länder ebenso betrachten wie auch allen anderen Staaten der Welt. In der Reihe „Lesart Spezial“ präsentieren und diskutieren renommierte Autoren und Kritiker vor Publikum aktuelle Sachbuch-Neuerscheinungen. In der aktuellen Sendung ging es um Dominic Johnsons „Afrika vor dem großen Sprung“ und Helmut L. Müllers „Afrika. Der geplünderte Kontinent“. Sie wurde moderiert von Claus Leggewie und kann am Sonntag, den 8. Mai 2011 von 12.30 Uhr bis 13.00 Uhr im Deutschlandradio Kultur oder im Netz angehört werden.

[|profil.vnoll], 05.05.11

Buchpräsentation „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“

v.l.n.r.: Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Harald Welzer, Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner, Prof. Dr. Sönke Neitzel und Prof. Dr. Jörg Baberwoski
© KWI / Foto: Udo Geisler

Am 26. April diskutierten die Autoren Harald Welzer und Sönke Neitzel im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) über ihr neues Buch „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ mit Jörg Baberowski und Herfried Münkler von der Humboldt-Universität zu Berlin. Moderiert wurde der Abend von Hans-Georg Soeffner, Vorstandmitglied des KWI. Das Buch, das - wie der „Spiegel“ schrieb - auf einem „Sensationsfund“ basiert, vermittelt eine faszinierende und erschreckende Innenansicht des Zweiten Weltkriegs: Dafür haben Harald Welzer und Sönke Neitzel in den vergangenen Jahren rund 150.000 Seiten Abhörprotokolle von deutschen Kriegsgefangenen ausgewertet. „Dieses Buch ist ein Ereignis“, so Herfried Münkler. Erst bei der Lektüre sei ihm klargeworden, dass es ein völlig neues Licht auf die Debatte werfe, die in den Neunzigerjahren nach der Wehrmachtsausstellung entbrannt sei. Der Quellenfund werde noch viele Wissenschaftler mit weiteren Studien beschäftigen. Jörg Baberowksi betonte in seinem Vortrag, das Buch sei ein äußerst wichtiger Meilenstein zur Erkenntnis, dass man über den Krieg kein fundiertes Wissen erlangen könne, wenn man ihn rein moralisch betrachte. In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um die Frage, inwieweit das Quellenmaterial mit anderen schriftlichen Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg, wie Feldpostbriefen und Tagebüchern, vergleichbar sei. Das Forschungsprojekt „Referenzrahmen des Krieges“, in dessen Rahmen die Publikation entstand, wird gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung und die Fritz Thyssen Stiftung. „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ ist am 12. April 2011 im S. Fischer Verlag erschienen und belegt auf der Sachbuchbestsellerliste des „Spiegel“ diese Woche Platz vier.

[|profil.vnoll], 02.05.11

Neue Mitglieder im KWI-Vorstand

Die neuen Mitglieder im KWI-Vorstand: Prof. Dr. Grünzweig (links) und Dr. Mauelshagen
© Jürgen Huhn / privat

Der Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts hat neue Mitglieder: Der Amerikanist Walter Grünzweig wurde für die kommenden zwei Jahre zum neuen Vertreter der TU Dortmund im Vorstand des Instituts ernannt. Er folgt Logi Gunnarsson, der einen Ruf an die Universität Potsdam angenommen hat. Neu in den Vorstand des Instituts kooptiert wurde Franz Mauelshagen, seit 2008 Research Fellow im KWI-Schwerpunkt KlimaKultur, seit 2010 am KWI Leiter des BMBF-Projekts „Climates of Migration“. Die Ruhr-Universität Bochum wird weiterhin von Volkhard Krech im Vorstand vertreten, die Universität Duisburg-Essen durch Wilfried Loth. Der Vorstand des Kulturwissenschaftlichen Instituts entwickelt die Grundlinien der Institutsarbeit und entscheidet über Budget, Personal und Programm. Die Mitgliedschaft im Vorstand ist zeitlich befristet.

[|profil.vnoll], 28.04.11

Tagung: Pro Interkultur

Wie kann die Zukunft der mulitkulturellen Gesellschaft aussehen?
© shutterstock.com / Foto: Michael D Brown

In den aktuellen Debatten um Migration und Integration geht es meist um politische Rahmenbedingungen wie Bildungsreformen, Arbeitsmarktpolitik oder Einwanderungsgesetze. Aber wie gehen wir im Alltag mit kulturellen Differenzen um? Sind nicht die tatsächlichen Akteure der interkulturellen Kommunikation viel weiter als die Debatten es uns glauben lassen? Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) hat in mehreren Forschungsprojekten den Fokus auf die Personen gelegt, die es am besten wissen müssten: etwa Schülerinnen und Schüler multikultureller Klassen im Ruhrgebiet oder Flugbegleiter, die in internationalen Teams zusammenarbeiten. Ausgangspunkt für die Forschungsprojekte ist die Frage, wie kulturelle Verschiedenheit konstruiert, bewältigt und gestaltet wird. Am 9. Mai 2011 findet im KWI und im Filmstudio Glückauf in Essen ein Tag für Interkultur statt, an dem sich Wissenschaftler, Künstler und Journalisten mit diesen Fragestellungen und der Zukunft der multikulturellen Gesellschaft auseinandersetzen. Weitere Informationen und Anmeldemodalitäten finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 21.04.11

Vortrag: Gewalteskalationen, die nicht zu Bürgerkriegen führen. Erklärungsversuche am Beispiel von Peru und Bolivien

Warum bricht in einigen Ländern ein Bürgerkrieg aus und in anderen nicht?
© aboutpixel.de / Foto: Jonas Schilke

Mit der Frage, wie Bürgerkriege entstehen, beschäftigt sich die Kriegsursachenforschung schon seit Jahren. Ebenso wichtig, wenn auch schwieriger zu fassen, ist die Frage, warum in manchen Ländern trotz massiver gewalttätiger Ausschreitungen und denkbar schlechter Voraussetzungen keine Bürgerkriege entstehen. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die Situation nicht eskaliert und die Gewalt nicht in jahrzehntelange kriegerische Auseinandersetzungen mündet? Am 19. April sprach der Politikwissenschaftler Witold Mucha im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) über mögliche „Friedensursachen“: Er vergleicht zwei strukturell ähnliche Fälle – Peru und Bolivien – und versucht, die Faktoren zu identifizieren, die im Falle Boliviens zur Deeskalation und Stabilisierung beigetragen haben. Während Peru einen zwölfjährigen Bürgerkrieg durchlebte, in dem mindestens 30.000 Todesopfer zu beklagen waren, ist im bolivianischen Nachbarland ein Konflikt einer solchen Tragweite und Intensität bis heute ausgeblieben. Und das, obwohl es insbesondere in der letzten Dekade immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen kam. Wie die Rebellenorganisation „Leuchtender Pfad“ den Staat Peru an den Rand des Zusammenbruchs bringen und aus welchen Gründen sich in Bolivien eine solche radikale Bewegung nicht etablieren konnte – auch darum ging es in dem Vortrag.

[|profil.vnoll], 15.04.11

Neuerscheinung „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“

„Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ erscheint am 12. April 2011
© S. Fischer Verlag

Am 12. April erschien „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ von Harald Welzer (KWI) und Sönke Neitzel im S. Fischer Verlag. Dieses Buch legt auf der Basis von 150.000 Seiten Abhörprotokollen erstmals eine überzeugende Mentalitätsgeschichte des Krieges vor. In von Briten und Amerikanern eigens eingerichteten Lagern wurden deutsche Kriegsgefangene aller Ränge und Waffengattungen zwischen 1940 und 1945 heimlich abgehört. Sie sprachen über militärische Geheimnisse, über ihre Sicht auf die Gegner, auf die eigene Führung und auf die Judenvernichtung. Das Buch zeigt die Kriegswahrnehmung von Soldaten in historischer Echtzeit und vermittelt eine faszinierende und erschreckende Innenansicht des Zweiten Weltkriegs durch jene Soldaten, die große Teile Europas verwüsteten. Zudem wird im Vergleich zu anderen Kriegen herausgearbeitet, was am Fühlen und Handeln der deutschen Soldaten spezifisch für den Nationalsozialismus war und was nicht. Hier finden Sie weitere Informationen sowie einen Überblick über das Medienecho.

[|profil.vnoll], 08.04.11

Klimaverträgliches Wirtschaften und nachhaltige Entwicklung: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation

Hans Joachim Schellnhuber und Dirk Messner übergeben das WBGU-Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ an Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bundesumweltminister Norbert Röttgen
© BMU / Foto: Ute Grabowksy

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), übergab am 7. April sein neues Hauptgutachten „Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“, an Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Der WBGU begründet in diesem Bericht die dringende Notwendigkeit einer post-fossilnuklearen Wirtschaftsweise, zeigt zugleich die Machbarkeit der Wende zur Nachhaltigkeit auf und präsentiert zehn konkrete Maßnahmenbündel zur Beschleunigung des erforderlichen Umbaus. Damit die Transformation tatsächlich gelingen kann, muss ein Gesellschaftsvertrag zur Innovation durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats geschlossen werden. Nur mit einem tiefen gemeinsamen Verständnis von klimaverträglicher Wertschöpfung und nachhaltiger Entwicklung lässt sich die globale Krise der Moderne überwinden. Mit dem Gutachten zeigt der WBGU Perspektiven für die Zukunft nachhaltigen Wirtschaftens auf, die nach dem atomaren Desaster von Fukushima erst Recht auf der Agenda der nationalen und internationalen Politik stehen müssen. Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), ist seit 2008 Mitglied im WBGU. mehr...

[|profil.vnoll], 07.04.11

Polen und NRW im Dialog: Wissenschaftliche Veranstaltungsreihe zum Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr 2011/2012 gestartet

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der wissenschaftlichen Begleitveranstaltung, hier mit dem Direktor des KWI Prof. Dr. Claus Leggewie, der NRW-Europaministerin Dr. Angelica Schwall-Düren und dem polnischen Publizisten Adam Krzeminski (erste Reihe: v.l.n.r.)
© KWI / Foto: Georg Lukas

Am 24. März 2011 hat die NRW-Landesregierung das „Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahr“ offiziell eröffnet. Am gleichen Tag startete die wissenschaftliche Begleitveranstaltung am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI): Rund dreißig Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, Studierende und Schülerinnen und Schüler aus Polen und Nordrhein-Westfalen kommen in den nächsten Monaten insgesamt vier Mal zur Diskussion zusammen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten der deutsch-polnischen Beziehungen entwickeln sie Vorschläge, wie eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und insbesondere Nordrhein-Westfalen und Polen in einem vereinten Europa künftig gestaltet werden kann. Sie beschäftigen sich mit den Themen Arbeitnehmerfreizügigkeit, Energie und kulturelle Vielfalt. Am Ende sollen ihre Vorschläge Politikern aus beiden Ländern vorgelegt werden. Am 24. März fand das erste gemeinsame Treffen statt. Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW, Angelica Schwall-Düren, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Hans-Jürgen Bömelburg (Universität Gießen), Marzenna Guz-Vetter (Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland), Herbert Jakoby (Staatskanzlei des Landes NRW) und Adam Krzeminski (Journalist und Publizist) stellten sich den Fragen der jungen Menschen: Kann die polnische Sprache im deutschen Schulsystem stärker verankert werden? Werden hochqualifizierte junge Polinnen und Polen nach dem vollständigen Eintritt der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland gleichberechtigt Arbeit finden? Warum wird in Deutschland und Polen unterschiedlich über Atomkraft diskutiert? So lauteten nur einige der Fragen, die zeigten, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur den deutsch-polnischen Dialog wichtig finden, sondern auch hohe Erwartungen an die Politik haben. Die Ergebnisse der Treffen werden auf der KWI-Website veröffentlicht. Die wissenschaftliche Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten: NRW und Polen im Dialog“ ist eine Veranstaltung des KWI in Kooperation mit der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien.

[|profil.vnoll], 25.03.11

Literarischer Salon: Brigitte Kronauer zu Gast in Essen

Kronauer im Café Central
© Stiftung Mercator / Foto: Simon Bierwald

„Dunkel erinnere ich mich an eine gewisse Frau John, dunkel, wie sie selbst ja auch war. Eigentlich keine gewisse, sondern eine sehr ungewisse Frau. Das lief aber auf dasselbe hinaus.“ So beginnt Brigitte Kronauers Erzählzyklus „Die Kleider der Frauen“, aus dem sie am 23. März im Café Central des Grillo-Theaters las. Die erste Geschichte des Zyklus’, die zugleich die erste der Lesung war, heißt „Frau John kommt!“ und ist eine Momentaufnahme im Leben eines jungen Mädchens, das versucht, die Zeichen der Erwachsenenwelt um sich herum zu deuten. Danach las Kronauer aus der vorletzten Episode „Krähen“, in der die Welt aus Sicht einer Neunzigjährigen geschildert wird. Mit den Gastgebern des Abends Navid Kermani und Claus Leggewie sprach die Autorin anschließend über das Episodenhafte von Erinnerungen und das menschliche Bedürfnis, sich das eigene Leben stets als kohärente, sinnvolle Abfolge von Ereignissen vorzustellen. Zum Abschluss hatte die gebürtige Essenerin einen Text des 2009 verstorbenen polnischen Philosophen Leszek Kołakowski mitgebracht: Seine Ausführungen über die Unvereinbarkeit von Pragmatismus und Mystik und über die Indifferenz der Natur gegenüber dem Menschen hatten sie Anfang der Siebzigerjahre stark beeindruckt. Der Literarische Salon in Essen ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 18. Mai mit Alison Louise Kennedy statt.

[|profil.vnoll], 24.03.11

Vortrag: „Die Rolle der Gewalt in der Erlebniswelt Rechtsextremismus”

In der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ ist Gewalt allgegenwärtig
© www.shutterstock.com / bg_knight

Rechtsextremisten sprechen seit Jahren vor allem junge Menschen mit einer breiten Palette von Aktivitäten und Medien an, die sie für die rechtsextremistische Szene ködern soll. In diesem Zuge ist eine „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ entstanden, in der Lebensgefühl, Freizeitaktivitäten und menschenverachtende Botschaften verschmelzen. Rockmusik diverser Stile, aufwändig gestaltete Websites und Jugendzeitschriften in modernen Designs stehen als Träger rechtsextremistischer Inhalte im Mittelpunkt. In dieser Erlebniswelt sind nicht nur Feindbilder und Gewalt allgegenwärtig, sondern auch Botschaften, die „Kameradschaft“ und Zusammenhalt in unsicheren Zeiten versprechen. Am 22. März spricht der Politikwissenschaftler und Verfassungsschützer Thomas Grumke im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) über die gewaltaffine rechtsextremistische Erlebniswelt, die er anhand zahlreicher Audio- und Videobeispiele analysiert.

[|profil.vnoll], 18.03.11

Interkulturelle Kommunikation: Wie indische und deutsche Flugbegleiter zusammenarbeiten

Jedes Flugzeug ist in feste Sektionen aufgeteilt, für die die einzelnen Mitarbeiter zuständig sind. Dennoch betreuen indische Flugbegleiter ihre Landsleute meist selbst - egal wo diese sitzen.
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Globalisierte Arbeitsplätze gibt es viele, in der Luftfahrt sind die Teams sogar seit zwanzig Jahren international besetzt. Was aber passiert mit der Identität der Mitarbeiter, wenn sie über lange Zeit mit Kollegen einer anderen Kultur zusammenarbeiten und beide Seiten sich ständig aneinander anpassen müssen? Dies untersucht ein dreijähriges Projekt der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI). Es analysiert die Interaktion zwischen indischen und deutschen Mitarbeitern einer großen deutschen Fluggesellschaft, um herauszufinden, wie sich ihre transkulturelle Kommunikations- und Identitätsarbeit genau gestaltet: Wie finden die Flugbegleiter bei Missverständnissen zu einem gemeinsamen Miteinander, mit dem beide Seiten zurechtkommen? Bei der wissenssoziologischen Untersuchung werden qualitative Experteninterviews mit dem Management, narrative Interviews mit indischen und deutschen Flugbegleitern sowie teilnehmende Beobachtungen kombiniert. Die ersten Interviews wurden gerade in Delhi geführt und werden nun ausgewertet. Gefördert wird das Projekt „Fremde Eigenheiten und eigene Fremdheiten. Interkulturelle Verständigung und transkulturelle Identitätsarbeit in globalisierten Arbeitskontexten“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

[|profil.vnoll], 10.03.11

Neuerscheinung: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt

Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt
© C.H. Beck

Was hält Europa zusammen? Der reichste Binnenmarkt der Welt, eine starke Währung oder eine gemeinsame Geschichte? Diesen Fragen widmet sich der Politikwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI), Claus Leggewie, in seinem neuen Buch „Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt“. Gemeinsam mit Anne Lang, wissenschaftliche Mitarbeitern am KWI, besucht er Erinnerungsorte an der europäischen Peripherie, die Debatten über historische Ereignisse auslösen. Darunter ist etwa das sowjetische „Aljoscha“-Denkmal in Tallinn, dessen Demontage vor einigen Jahren zu heftigen Konflikten zwischen Estland und Russland führte. Aber auch das belgische Kolonialmuseum in Tervuren gehört dazu oder der Paragraph 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der besonders in der Debatte um den Völkermord an den Armeniern immer wieder für Zündstoff sorgt. Die Autoren widerlegen die gängige Befürchtung, die Erinnerung an historische Katastrophen teile und entzweie Europa: Vielmehr könne eine politische Identität Europas nur im diskursiv und zivil ausgetragenen Konflikt um die – im wahrsten Sinne des Wortes – geteilte Erinnerung entstehen.

[|profil.ksieweke], 02.03.11

Illusion und Wirklichkeit der Autonomie

Können wir auch gegen Widerstände nach unserer eigenen Überzeugung handeln?
© shutterstock.com / Foto: weknow

In den 1950er und 60er Jahren führten die Experimente der Sozialpsychologen Solomon Asch und Stanley Milgram der Öffentlichkeit plakativ die Neigung von Menschen zu Konformität und Gehorsam vor Augen. Die Bereitschaft ihrer Versuchspersonen, sich einer eindeutig irrigen Gruppenmeinung anzuschließen oder auf Geheiß des Versuchsleiters einem Menschen vermeintlich tödliche Stromstöße zuzufügen, war umso erschütternder, da die Experimente nicht zuletzt auf die Verbrechen der Nazi-Zeit Bezug nahmen. Nun schien es bestätigt: Autorität und Gruppenzwang können normale Menschen überraschend umstandslos zu Handlungen veranlassen, die ihnen selbst noch kurz zuvor unvorstellbar schienen - Mord eingeschlossen. Ist also Autonomie im Sinne der Fähigkeit, auch gegenüber Zwängen und Widerständen nach eigener Überzeugung zu handeln, nur eine Illusion? Dieser Frage widmet sich Sebastian Wessels auf Grundlage der Befunde des Forschungsprojekts „Autonomie - Handlungsspielräume des Selbst“ am 1. März um 18.30 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI). Er ist Junior Fellow am Center for Interdisciplinary Memory Research (CMR) am KWI. Der Vortrag ist öffentlich und eine Veranstaltung des Vereins zur Förderung des KWI.

[|profil.vnoll], 24.02.11

Der Wasserwerfer und ich

Polizei und Demonstranten auf Konfrontationskurs
© Fionn Große / pixelio.de

Bilder der Gewalt haben bekanntlich einen hohen medialen Aufmerksamkeitswert. Anhand des Geschehens um Stuttgart 21 lässt sich modellhaft zeigen, wie solche Bilder entstehen und wie sie funktionieren. Der Künstler und Autor Harry Walter, derzeit Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Architektur und Kunst an der ETH Zürich, hält zu diesem Thema am Freitag, den 25. Februar 2011 um 18:00 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen den Vortrag „Der Wasserwerfer und ich“. Seine Erläuterungen sollen aber nicht aus einer distanzierten Perspektive geschehen, sondern in Form einer „Beschreibung von innen heraus“. Insofern das Gerangel zwischen Demonstranten und Polizisten auch ein Theater der sinnlichen Gewissheiten ist, können blaue Flecken erste Bilder sein. Mit dem „Schwarzen Donnerstag“, dem Tag des Wasserwerfereinatzes im Stuttgarter Schlossgarten, ist ein lokaler Opfermythos geboren worden, dessen Spuren ins Vorgeschichtliche weisen. Der Autor erlaubt sich, seine biografische Verwurzelung in dieser aktuellen Kampfzone zu nutzen, um hinter den offiziellen Bildern der Gewalt andere freizulegen, die deren Voraussetzung sein könnten, auch wenn sie noch so privat oder historisch entrückt erscheinen.

[|profil.ksieweke], 21.02.11

Wie man Akteure dazu bringt, das zu tun, was sie eigentlich tun sollten

Eine Elefantenmutter stupst ihr Kleines an, damit es vorwärts geht - darf der Staat das auch mit seinen Bürgern?
© shutterstock.com / Foto: Four Oaks

Die Ideen eines „libertären Paternalismus“, der die Bürger dazu bringt, sich so zu verhalten, wie es für sie und das Gemeinwohl am besten ist, stehen gegenwärtig hoch im Kurs. Cass R. Sunstein und Richard H. Thaler, die mit ihrem Buch „Nudge“ – zu Deutsch „Stubser“ - einen internationalen Bestseller zum Thema vorgelegt haben, beraten inzwischen auch Staats- und Regierungschefs wie Barack Obama und David Cameron. Unter der Fragestellung „Wie man Akteure dazu bringt, das zu tun, was sie eigentlich tun sollten?“ diskutierten auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) am 8. Februar 2011 Wissenschaftler verschiedener Disziplinen über die Chancen und Risiken dieser Idee, bei der Menschen durch intelligente Anreize dazu angeregt werden das „Richtige“ zu tun. Das Eröffnungsreferat hielt Helmut Jungermann, Professor für Psychologie an der TU Berlin und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Verbraucher- und Ernährungspolitik. Er betonte, dass es zwei Arten von „Nudges“ gebe: Instrumente der rationalen Selbstbindung – wie der Abschluss eines Sparvertrags – würden bewusst vom Individuum eingegangen. Andere „Nudges“ blieben für den Bürger oder Konsumenten eher verborgen, und hätten dadurch einen manipulativen Charakter. Es müsse einerseits zwischen der Erfüllung individueller Wünsche („Wollen“) und der Erreichung gesellschaftlicher Ziele („Sollen“) unterschieden werden und andererseits zwischen Anstößen, die vom Staat oder von privatwirtschaftlichen Unternehmen ausgehen. Dem Politikwissenschaftler Gary S. Schaal von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg zufolge müssen die Ideen des „libertären Paternalismus“ zudem in ihrem kulturellen Kontext betrachtet werden: Während in einer „libertären“ Gesellschaft wie den USA das „Nudging“ als Eingriff in private Handlungsbereiche wahrgenommen werde, könnte sich für Deutschland durch moderate staatliche Einflussnahmen eine Zunahme von Freiräumen ergeben. Angesichts der Tatsache, dass Bürger längst – etwa durch die Anordnung von Produkten im Supermarkt – in ihrer Wahl beeinflusst werden, bestand Einigkeit darin, dass eine transparente, gemeinwohlorientierte Ausgestaltung von Anreizstrukturen durch den Staat grundsätzlich zu befürworten sei. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage diskutiert, an welchen Kriterien sich die staatlichen Anreize letztlich orientieren sollten: Hier wurde besonders die Wichtigkeit öffentlicher, partizipativer Meinungsbildungsprozesse durch die Bürger selbst betont.

[|profil.vnoll], 18.02.11

„Die Geisteswissenschaften müssen das Internet erobern — und zwar möglichst bald.“

Einer der Blogger auf der Tagung am 14./15. Februar im KWI: Twitter #moep.
© KWI / Foto: Georg Lukas

Am 14. und 15. Februar wurde im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen über „Öffentlichkeit, Medien und Politik - Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“ diskutiert. Am ersten Tag der Tagung, die gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Institut Paris veranstaltet wurde, ging es speziell um das Verhältnis zwischen Intellektuellen und dem Web 2.0. Christoph Bieber vom Zentrum für Medien und Interaktivität stellte in seinem Abendvortrag die Hypothese auf, dass sich der Intellektuelle vom Schriftgelehrten über den „Performer“ hin zum Programmierer à la Julian Assange entwickelt habe. Das führte zu der Frage, inwieweit Theorien und Konzepte sich im digitalen Zeitalter von der technischen Infrastruktur überhaupt noch trennen lassen. Uneinigkeit bestand unter anderem darin, ob es im Netz die klassischen „Gatekeeper“ noch gibt oder geben muss. Der zweite Tagungstag widmete sich vorwiegend der Beziehung von Wissenschaft und digitalen Medien. Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass der Wissenschaftsbetrieb sich zwangsläufig wird öffnen müssen und dass die Chancen, die in diesem Transformationsprozess liegen, die Risiken bei Weitem überwiegen. Es gelte nicht nur, der Öffentlichkeit Zugang zu Daten und Forschungsergebnissen zu ermöglichen — es sei auch von entscheidender Bedeutung, ein Gegengewicht etwa zu pseudowissenschaftlichen Beiträgen im Netz zu schaffen. Manfred Thaller von der Universität Köln schloss die letzte Diskussion mit dem Statement: „Die Geisteswissenschaften müssen das Internet erobern — und zwar möglichst bald.“ Das vollständige Tagungsprogramm finden Sie hier, eine Dokumentation der Tagung erscheint auch auf www.facebook.de/kwi.essen.

[|profil.vnoll], 15.02.11

„Scholar in Residence“ am KWI: Przemyslaw Lukasik

Gastwissenschaftler Przemyslaw Lukasik
© privat

Przemysław Łukasik ist neuer „Scholar in Residence“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Der Doktorand des Amerikanischen Instituts der Jagiellonian Universität in Krakau/Polen forscht über die deutsch-amerikanischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg, Antiamerikanismus und Theorien und Methoden der Geschichtspolitik. Während seines vierwöchigen Gastaufenthaltes in Essen arbeitet er im Forschungsbereich Kultur und Konflikt mit seinem Tandem-Partner Maik Arnold von der Ruhr-Universität Bochum zusammen. Łukasik hat Geschichte, Politikwissenschaft und „International Relations“ mit Schwerpunkt Amerikanistik studiert. Am 10. Februar 2011 fand ein erster gemeinsamer Workshop im KWI statt, der sich unter dem Titel „Identität, Migration und internationale Beziehungen“ den Diagnosen, Symptomen und Zukunftsaussichten in Europa und den USA widmete. Gastwissenschaftler Łukasik und sein Tandempartner Maik Arnold hielten einen Vortrag über die deutsch-amerikanische „Hassliebe“ unter dem Titel „From Love to Hate: A Story of Germania and Sam – Annotations to the History of American-German Relations“, in dem sie die ersten Ergebnisse ihrer akademischen Zusammenarbeit vorstellten. Das „Scholars-in-Residence-Programm“ ist eine Kooperation zwischen dem KWI und dem Goethe-Institut.

[|profil.vnoll], 10.02.11

Lesart Spezial: "Die Hungrigen und die Satten"

v.l.n.r.: Prof. Dr. Ludger Heidbrink (KWI); Meike Albath (Deutschlandradio) und Karen Duve (Autorin: Anständig Essen)
© Buchhandlung proust

Am 1. Februar war Karen Duve zu Gast in Essen. In der „Lesart Spezial“ sprach sie über ihr Buch „Anständig essen. Ein Selbstversuch“ (Galiani Verlag, Berlin 2011). Ludger Heidbrink (KWI) stellte das Buch „Mordshunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder?“ (Westend Verlag, Frankfurt a. Main 2010) von Jean Feyder vor. Im Gespräch mit Meike Albath (Deutschlandradio Kultur) diskutierten sie gemeinsam über Ernährung in der globalisierten Welt und über die Verantwortung des Konsumenten. Am Sonntag, 6. Februar von 12.30 Uhr bis 13.00 Uhr ist das Gespräch auf Deutschlandradio Kultur zu hören. Das KWI veranstaltet „Lesart Spezial“ in Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur, dem Schauspiel Essen und der Buchhandlung Proust, Medienpartner ist die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ).

[|profil.vnoll], 04.02.11

Bundesminister des Innern Thomas de Maizière würdigt Holocaust-Forschung

Der Bundesminister des Innern Dr. Thomas de Maizière bei der Holocaust-Konferenz am 27. Januar in Berlin
© BMI / Hans-Joachim M. Rickel

Am 27. Januar eröffnete der Bundesminister des Innern die 3. Internationale Konferenz zur Holocaustforschung in Berlin: „Worte allein reichen nicht aus, um das unermessliche Leid der Opfer zu beschreiben. Worte allein reichen nicht aus, um den Schmerz der Hinterbliebenen zu beschreiben. Der Holocaust ist nach wie vor schwer in Worte zu fassen.” Eine umfassende wissenschaftliche Holocaust-Forschung sei daher von zentraler Bedeutung. Höhepunkt des Konferenzauftakts war der Vortrag des Autors und Wissenschaftlers Ladislaus Löb, der den Holocaust dank des Einsatzes von Rezső Kasztner überlebte. Kasztner verhandelte mit der SS und es gelang ihm, mehr als 1700 ungarische Juden aus dem Konzentrationslager freizukaufen. Trotz dieser Rettung galt Kasztner in Israel vielen als Kollaborateur — 1957 fiel er einem Attentat zum Opfer. Ladislaus Löb bemüht sich in seinem Buch „Geschäfte mit dem Teufel. Die Geschichte des Judenretters Rezső Kasztner” um eine Rekonstruktion der Rettungsgeschichte, die für Löb zugleich ein Stück eigener Biografie darstellt. Die Konferenz ist eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Die vollständige Rede des Bundesinnenministers finden Sie im Netz. Sehen Sie hier Ladislaus Löb im Interview.


Ladislaus Löb über Rezsö Kasztner
from kooperative-berlin on Vimeo.




Weitere Interviews und Beiträge unter: www.konferenz-holocaustforschung.de.

[|profil.vnoll], 27.01.11

Claus Leggewie beim Jahresempfang des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft

Prof. Dr. Claus Leggewie (li.) und Dr. Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft (re.) beim Empfang vom Bundespräsidenten Christian Wulff, dem Schirmherrn des Stifterverbandes.
© David Ausserhofer/Stifterverband

In Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff und vom Präsidenten des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft Arend Oetker sprach der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) Claus Leggewie am 19. Januar beim Jahresempfang des Stifterverbands über die Zukunft der Demokratie: „Die allmähliche Entgrenzung der Nationalstaaten, der kulturelle und religiöse Pluralismus und ein spürbares Abstumpfen herkömmlicher demokratischer Beteiligungsinstrumente stellen liberale Demokratien vor große Probleme. Der einzig gangbare Weg scheint jener der demokratischen Erneuerung zu sein, hin zu einer sozialen Demokratie, einer multikulturellen Demokratie, einer Beteiligungsdemokratie. Um sie zu erlangen, brauchen wir einen gestaltenden und nicht mehr nur länger moderierenden Staat.“

[|profil.vnoll], 26.01.11

Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2011

Der Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2011 wird für hervorragende Dissertationen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften vergeben.
© Klicker / pixelio.de

Der Förderverein des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen vergibt den Dissertationspreis Kulturwissenschaften 2011 für hervorragende Dissertationen in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Mit dem Preis will der Förderverein die interuniversitäre Arbeit des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen unterstützten und den wissenschaftlichen Nachwuchs in den Kulturwissenschaften fördern. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der drei UAMR-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen sind aufgerufen, ihre in den Jahren 2009 oder 2010 eingereichte Dissertation einzusenden. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2010. Weitere Informationen finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 21.01.11

Corporate Social Responsibility (CSR) in Logistik-Netzwerken

Die ökologischste logistische Leistung ist die, die nicht ausgeführt wird: Wie können Logistik-Unternehmen dennoch auf Nachhaltigkeit setzen?
© aboutpixel.de / chhmz

Click and Buy, 24-Stunden-Lieferung, Kiwis in jedem Supermarkt: Einkaufen wird immer einfacher, schneller, individueller. Prognosen für Deutschland gehen davon aus, dass das Güterverkehrsaufkommen bis 2020 um durchschnittlich über 30 Prozent zunehmen wird. Eine Schlüsselrolle kommt in diesem Prozess den Logistik-Unternehmen zu, die sich zwischen wirtschaftlichem Wachstum, sozialer Verantwortung und ökologischer Verträglichkeit positionieren müssen. In dem Forschungsprojekt „CoReLo – CSR-Management in Logistiknetzwerken“
analysieren Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam betriebliche Nachhaltigkeitskonzepte und ihre Umsetzung in Unternehmen der Logistikbranche. „CoReLo“ wird vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen geleitet und ist Teil des EffizienzClusters LogstikRuhr. Am 18. Januar begann die erste empirische Untersuchungsphase des auf drei Jahre angelegten Projekts.

[|profil.vnoll], 18.01.11

Kinderbuchautor Paul Maar im Literarischen Salon

Paul Maar im Gespräch mit Navid Kermani
© Stiftung Mercator / Foto: Simon Bierwald

Am 12. Januar war der Kinderbuchautor Paul Maar zu Gast bei Navid Kermani und Claus Leggewie im Literarischen Salon Essen. Maar las aus seiner "Geschichte vom Jungen, der keine Geschichten erzählen konnte" aus "Mehr Affen als Giraffen". Er erzählte auch von seinen Besuchen in der Türkei, bei denen er Nasreddin Hodscha für sich entdeckt hat: Die Geschichten des orientalischen Till Eulenspiegels hat er nicht nur gesammelt, sondern später auch selbst neue geschrieben und in die heutige Zeit versetzt. Mitgebracht hatte er außerdem Texte von Wilhelm Hauff, Robert Walser und Franz Kafka, die ihm besonders am Herzen liegen. Der Literarische Salon in Essen ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 23. März 2011 mit Brigitte Kronauer statt.

[|profil.vnoll], 17.01.11

Tagung „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“

Die Tagung „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“ findet am 14. und 15. Februar in Essen statt.
aboutpixel.de © Hans-Jürgen Pfaff

Intellektuelle Debatten spielen sich schon lange nicht mehr nur im Feuilleton der großen Zeitungen ab. Und die Klagen mehren sich: über die tägliche Informationsflut und über das undifferenzierte Stimmengewirr im Web 2.0. Aber was genau passiert, wenn plötzlich alle mitreden? Hat sich die Rolle des Intellektuellen damit überholt? Ist die „reine“ Wissenschaft die letzte Bastion, in der das geistige Eigentum noch hochgehalten wird oder ist das in Zeiten von Open Access ein Trugschluss? Wie verändern digitale Medien das wissenschaftliche Arbeiten – wird es einfacher, egalitärer, besser? Mit diesen und anderen Themen beschäftigen sich Wissenschaftler und Medienvertreter am 14. und 15. Februar 2011 in Essen bei der internationalen Tagung „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und des Deutschen Historischen Instituts Paris. Weitere Informationen und das Tagungsprogramm finden Sie hier.

[|profil.vnoll], 10.01.11

Helfer, Retter und Netzwerker des Widerstands: 3. Internationale Konferenz zur Holocaustforschung am 27. und 28. Januar in Berlin

Die neuesten Erkenntnisse der Holocaustforschung werden am 27./28.1. in Berlin vorgestellt
© Shutterstock.com / AJP

Mit den Ursachen, Ereignissen, Opfern und Täterinnen und Tätern des Nationalsozialismus hat sich die Forschung intensiv auseinandergesetzt. Vergleichsweise wenig wissen wir über diejenigen, die sich dem Nationalsozialismus entgegengestellt haben. Diese Helfer und Retter kamen aus den unterschiedlichsten Schichten, traten in ganz unterschiedlicher Gestalt und mit unterschiedlichsten Motiven auf. Warum und wie jemand Helfer, Retter oder Netzwerker des Widerstands im Nationalsozialismus wurde und welche Schlüsse wir daraus für Gegenwart und Zukunft ziehen können: Das sind die Themen der 3. Internationalen Konferenz zur Holocaustforschung vom 27. bis 28. Januar 2011 in Berlin. Auf der Konferenz werden die neuesten Erkenntnisse der Helferforschung zu prosozialem Verhalten unter totalitären Bedingungen aus interdisziplinärer Perspektive vorgestellt. Zur Konferenz laden die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Kulturwissenschaftliche Institut Essen und die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand ein. Den Eröffnungsvortrag hält der Bundesminister des Innern Thomas de Maizière. Das Anmeldeformular und weitere Informationen finden Sie im Netz.

[|profil.vnoll], 22.12.10

Nachhaltige Grundsicherung und Klimawandel

Wie kann man Armut lindern und trotzdem ökologische Nachhaltigkeit fördern
© aboutpixel.de / Kurt Bouda

Wie kann man weltweit Armut vermindern und gleichzeitig eine ökologisch nachhaltige Entwicklung fördern? Diese Frage stand im Zentrum der Tagung „Nachhaltige Grundsicherung. Armut lindern – natürliche Lebensgrundlagen erhalten“, die Anfang Dezember in der Lutherstadt Wittenberg von der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt durchgeführt wurde. Experten aus Wissenschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen tauschten sich über die Ergebnisse unterschiedlicher Arbeitsgruppen aus, die sich seit Ende 2009 im Rahmen von fünf Kolloquien mit diesem Thema beschäftigten. Neben grundsätzlichen Überlegungen zu Zielen und Kriterien wurde insbesondere über Finanzierungsmöglichkeiten und die menschlichen Aspekte einer nachhaltigen Grundsicherung diskutiert. Vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) nahmen Maike Böcker und Karin Schürmann teil, die in ihrem Vortrag ausloteten, inwieweit eine nachhaltige Grundsicherung ein Mittel sein kann, um den Herausforderungen des globalen Klimawandels zu begegnen und um eine Anpassung an seine Folgen zu unterstützen.

[|profil.vnoll], 21.12.10

Erinnerung und Zukunft: Veranstaltungsreihe „Perspektiven der Erinnerungsforschung“ gestartet

Erinnerungskultur
© KWI

Die Vorstellung, die wir von unserer Zukunft entwickeln, hängt eng damit zusammen, wie wir unsere Erinnerung konstruieren. Dies war die Ausgangsannahme für die interdisziplinäre Konferenz „Erinnerung und Zukunft“, die am 7. und 8. Dezember am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) stattfand. Es war die erste Veranstaltung in der Reihe „Perspektiven der Erinnerungsforschung“. Die Referentinnen und Referenten sprachen unter anderem darüber, wie wir auf neuronaler Ebene Vergangenheit und Zukunft konstruieren, gaben einen Einblick in die Geschichte der Zukunftsforschung seit den 1960er Jahren und stellten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Kognitionsphilosophie vor. Im Vordergrund der intensiven Diskussionen standen vor allem die Rolle von individuellen und kollektiven Erfahrungen für prospektive Annahmen und tatsächliches Handeln sowie die Beziehungen von Erinnerung und Zukunft innerhalb wissenschaftlicher Begrifflichkeiten. Als Ziel für die künftige Arbeit wurde unter anderem eine stärkere Verknüpfung der Erinnerungsforschung mit der sozialwissenschaftlichen Erforschung von Handlungen angeregt. Neben Harald Welzer und Christian Gudehus vom KWI nahmen unter anderen an der Konferenz teil Jenny Anderson (Institute for Future Studies Stockholm), Sarah Gensburger (ISI Paris), Amadeo Osti Guerrazzi (DHI Rom), Sabine Moller (Humboldt-Universität zu Berlin), Monika Palmberger (Max Planck Institut Göttingen), Martina Piefke (Universität Bielefeld) und Markus Werning (Ruhr Universität Bochum). Die vom Center for Interdiciplinary Memory Research am KWI in Zusammenarbeit mit der Humboldt Universität zu Berlin und dem Institut des Sciences social du politique (ISI) der Université de Paris-Ouest/ENS veranstaltete Reihe wird am 24. März 2011 in Paris fortgesetzt.

[|profil.vnoll], 15.12.10

Spaziergang, Sozialdisziplinierung, Staublunge: 12. Band der Enzyklopädie der Neuzeit erschienen

Enzyklopädie der Neuzeit Bd. 12
© J.B. Metzler

Band 12 der Enzyklopädie der Neuzeit ist erschienen. Die Enzyklopädie erschließt mit ihren Artikeln zentrale Aspekte der neuzeitlichen Geschichte, jeder Band enthält rund 200 Beiträge aus allen Disziplinen der historischen Forschung – von der politischen Geschichte über die Geschichte der Wirtschaft und der Musik bis hin zur Religions-, Kultur- und Umweltgeschichte. Der aktuelle Band behandelt die Sozialdisziplinierung, die Anfänge des Sozialismus, die Entwicklung der europäischen Sprachen, schließlich die neuzeitliche Stadtentwicklung. Auch wer immer schon einmal etwas über die Geschichte des Spaziergangs, der Sparsamkeit, der frühneuzeitlichen Solarenergie, der Staublunge oder des Streichquartetts wissen wollte, wird auf seine Kosten kommen. Mit dem Erscheinen des aktuellen Bandes der Enzyklopädie der Neuzeit nähert sich das von Friedrich Jaeger geschäftsführend herausgegebene Gemeinschaftsunternehmen des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen und des Verlags J.B. Metzler allmählich der Zielgeraden. Als lexikalisches Nachschlagewerk erschließt die seit 2005 erscheinende Enzyklopädie im Rahmen von insgesamt 16 Bänden und etwa 4.000 alphabetisch geordneten Artikeln die europäische Geschichte und ihre globalen Kontexte zwischen 1450 und 1850 und umfasst damit die Epoche der Frühen Neuzeit und des Zeitalters der bürgerlichen Revolutionen. Sie endet mit dem Beginn der Moderne, die sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat. Die einzelnen Bände erscheinen im halbjährlichen Rhythmus; mit dem Erscheinen des Registerbandes wird das Publikationsprojekt im Jahre 2012 abgeschlossen sein.

[|profil.vnoll], 14.12.10

„Grünere Städte – Eine Bürgervision“

Grünere Städte?
Foto: aboutpixel.de © cw-design

Am Freitag, den 10. Dezember, geht die 16. Auflage der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún zu Ende. Anders als letztes Jahr in Kopenhagen waren dieses Mal die Erwartungen schon im Vorfeld gering. Die Probleme jedoch bleiben. Eines davon ist die zunehmende Verstädterung und ihre Folgen für das Klima, die am Anfang des 21. Jahrhunderts in vielen Teilen des Planeten eine Tatsache sind. In den wenigsten Fällen ist das rapide Stadtwachstum von Stadtplanung und Bürgerbeteiligung gekennzeichnet. Die Sicht der verantwortlichen Politiker ist meist auf kurzfristige Wahlerfolge ausgerichtet, langfristig wirksame Projekte kommen meist nicht einmal zustande. Staatliche Regelungsversuche, zu denen auch die Weltklimakonferenz gehört, sind selten erfolgreich. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Städte zu Agenturen des Wandels für den Klimaschutz werden können. Dies wurde auf dem internationalen ausgerichteten Symposium „Civic Vision for greener Cities“ diskutiert, das vom Goethe-Institut Mexiko zusammen mit der Architekturfakultät der Nationaluniversität UNAM ausgerichtet wurde. Die Teilnehmer besprachen Möglichkeiten und Chancen der Bürgerbeteiligung in verschiedenen Ländern wie Kanada, Mexiko und Deutschland. Mit dabei waren auch Björn Ahaus und Gitte Cullmann vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Björn Ahaus stellte die „Klima-Initiative Essen“, ein demnächst anlaufendes Verbundprojekt der Stadt Essen, Essener Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und dem KWI vor. Die Ergebnisse der Konferenz dokumentierte Gitte Cullmann in einem Blog auf der Seite des Goethe-Instituts.

[|profil.vnoll], 10.12.10

Helden erforschen

Wie wird man zum Helden?
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Wie wird man zum Helden? Mit dieser Frage beschäftigte sich im November ein Workshop des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Sechs junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten ihre aktuellen Forschungsprojekte rund um moderne Helden vor. Sie diskutierten über die Relevanz des Heldentums, das öffentlich wieder zunehmende Aufmerksamkeit erfährt. Florian Schnürer berichtete über die „Ritter der Lüfte“ des Ersten Weltkrieges: Figuren wie der „rote Baron“ wurden in Deutschland und Frankreich zum Ansporn der Truppe, aber auch zur Verharmlosung des technisierten Massensterbens im Bild des ritterlichen Fliegerduells genutzt. Im Gegensatz dazu wurden die alliierten Flieger während des Zweiten Weltkrieges diffamiert, denen die zivilen Luftschützer heroisch gegenübergestellt wurden. Dieses Wechselspiel von Helden- und Feindkonstruktion beschrieb Georg Hoffmann in seinem Beitrag über Fliegermorde in Österreich. Dass Helden nicht immer nur staatlicher Propaganda entspringen, sondern auch von oppositionellen Bewegungen zu einem machtvollen Symbol aufgebaut werden können, zeigte der Vortrag von Sabine Stach: Die Kulturwissenschaftlerin untersuchte dissidente Märtyrer, wie den Studenten Jan Palach, der sich 1969 als Protest gegen die Zensurpolitik nach dem Prager Frühling auf dem Wenzelsplatz verbrannt hatte. Weitere Vorträge beschäftigten sich mit ambivalenten Heldenfiguren im politischen Drama, mit sozialistischen und autobiografischen Heldenerzählungen etwa in einem norddeutschen Seekabelwerk. Ingesamt stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung fest, dass sich Heldenbilder im 20. Jahrhundert stärker „veralltäglicht“ und ausdifferenziert haben. Zugleich wurde deutlich, dass sowohl die Heldentaten selbst als auch ihre Rezeption noch unzureichend erforscht sind. Eines stand für alle Diskutanten fest: Um zum Helden zu werden braucht es andere, die einen dazu machen.

[|profil.vnoll], 07.12.10

„Im Gespräch“ mit Christian Gudehus: Der lange Schatten der NS-Vergangenheit in Familien

Fotogeschichten aus alten Zeiten © Heinz Hasselberg
© aboutpixel.de / Heinz Hasselberg

„Die Enthüllungen über die Verstrickungen des Auswärtigen Amtes in der NS-Zeit haben einmal mehr den BIick auf die deutsche Vergangenheit geworfen. Was schlummert noch in den Archiven? Wie lang sind die Schatten der Kriegszeit und des Nationalsozialismus, nicht nur in den Institutionen, sondern auch in den Familien?“ Das fragte Deutschlandradio Kultur in der Sendung „Im Gespräch“, in der auch Christian Gudehus, Erinnerungsforscher am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, zu Gast war. Lesen Sie auf der Seite von Deutschlandradio Kultur einen Ausschnitt oder hören Sie die vollständige Sendung.

[|profil.vnoll], 02.12.10

Neuerscheinung: Kultur im Konflikt. Claus Leggewie revisited

Kultur im Konflikt versammelt Schlüsseltexte des KWI-Direktors Claus Leggewie aus den Themenbereichen Demokratiekulturen, Multikultur, Erinnerungskultur, Generationenkonflikte und Wissenschaftskulturen
© transcript

Claus Leggewie, Politik- und Sozialwissenschaftler und Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, hat zahlreiche politische und wissenschaftliche Debatten in der Bundesrepublik und Europa angestoßen oder maßgeblich beeinflusst. Nicht selten bewies er dabei ein hervorragendes Gespür für zentrale Themen unserer Zeit, etwa mit seinen Überlegungen zur multikulturellen Gesellschaft, dem Blick auf Generations- und Medienumbrüche sowie den Klimawandel. Leggewies Texte haben regelmäßig die Grenzen zwischen den Disziplinen überschritten und oft für ein breites Echo auch jenseits akademischer Fachgrenzen gesorgt. „Kultur im Konflikt“ (transcript, Bielefeld 2010) versammelt nun erstmals Schlüsseltexte von Claus Leggewie aus fünf Themenkreisen: Demokratiekulturen, Multikultur, Erinnerungskulturen, Generationenkonflikte und Wissenschaftskulturen.
In diesem Buch werden Originaltexte Leggewies von namhaften Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Disziplinen kommentiert und in aktuelle Zusammenhänge eingeordnet.

[|profil.vnoll], 26.11.10

Die Zukunft der Familie

Welche Gestalt wird die Familie in Zukunft haben und wie sehen die Zukunftsentwürfe von Familien aus? Diese Fragen wurden auf der Konferenz „Imagine That! The Future of the American Family“ in Atlanta diskutiert
© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Welche Gestalt wird die Familie in Zukunft haben und wie sehen die Zukunftsentwürfe von Familien aus? Diese beiden Fragen standen im Mittelpunkt der internationalen Konferenz „Imagine That! The Future of the American Family“, die Mitte November an der Emory University in Atlanta stattfand und bei der das Center for Interdisciplinary Memory Research des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen als Mitveranstalter auftrat. Harald Welzer definierte in seiner Einführung die Familie als System, das per se Zukunft generiert. Die weiteren Vorträge und Diskussionen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kreisten vor allem um die Konsequenzen des anhaltenden technologischen Wandels auf die Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und die Entwicklung von Kindern. Lesley Anne Bleakney, Sophie Neuenkirch und Jens Kroh, die in ihrer qualitativen Vergleichsstudie „The Comparative Family History Project“ Familiengespräche über die jüngste Wirtschaftskrise auswerteten, stellten ihre Ergebnisse vor: Drei-Generationen-Familien in Deutschland, Luxemburg und den USA sprechen etwa gleich häufig über die Wirtschaftskrise und bringen ähnliche Themen damit in Verbindung. So ging es in den Familiengesprächen etwa oft um Bildung als wichtiger Faktor gegen sozialen Abstieg. US-amerikanische Familien hoben sich von luxemburgischen und deutschen Familien hingegen besonders dadurch ab, dass sie der Enkelgeneration ausnahmslos ein positives Zukunftsbild zu vermitteln suchten, indem sie die Risiken der Krise kommunikativ minimierten.

[|profil.vnoll], 22.11.10

Literarischer Salon: Esterházy zu Gast in Essen

Esterházy im Gespräch mit Navid Kermani und Claus Leggewie
© Stiftung Mercator / Foto: Simon Bierwald

Am 17. November war der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy zu Gast bei Navid Kermani und Claus Leggewie. Im Café Central des Grillo-Theaters sprach er über Väter, literarische Schnipsel und den jungen Schriftsteller Esterházy im Ungarn der Siebzigerjahre. 1950 in Budapest geboren, schrieb Esterházy 2000 mit „Harmonia Caelestis“ einen Roman, in dem sich Moderne und Barock zu einem unvergleichlichen Familienepos verbinden, der zugleich eine Geschichte Europas ist. Nach Erscheinen des Romans musste Esterházy feststellen, dass sein Vater mit dem kommunistischen ungarischen Geheimdienst zusammengearbeitet hatte. Diese Geschichte verarbeitete er auch in seinem Roman „Verbesserte Ausgabe“ von 2003. Sehr persönlich berichtete er im Grillo-Theater von dem Moment, als er zum ersten Mal die Handschrift seines Vaters in den Berichten der Geheimdienstakten erkannte. Neben der Lesung aus seinen Texten hatte er auch Musik mitgebracht, die ihm besonders am Herzen liegt, unter anderem auch Janis Joplins „Mercedes Benz“. Der Literarische Salon in Essen ist eine Initiative des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und wird unterstützt von der Stiftung Mercator und dem Schauspiel Essen. Der nächste Literarische Salon findet am 12. Januar 2011 mit Paul Maar statt.

[|profil.vnoll], 18.11.10

AKKU-Nachwuchspreis für „Sharing the Risk. Fire, Climate and Disaster, Swiss Re 1863-1906”

Mit dem AKKU-Nachwuchspreis für ihre herausragende Magisterarbeit ausgezeichnet: Eleonora Rohland
© KWI

Eleonora Rohland, Doktorandin am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, hat den Nachwuchspreis des Arbeitskreises für kritische Unternehmens- und Industriegeschichte (AKKU) erhalten. Der AKKU-Preis wird alle zwei Jahre an eine Abschlussarbeit (Dissertation oder Magisterarbeit) vergeben. Eleonora Rohland wurde ausgezeichnet für ihre Magisterarbeit, die 2009 bei Prof. Dr. Christian Pfister an der Universität Bern eingereicht wurde und sich im Grenzbereich zwischen Versicherungs- und Klimageschichte bewegt. Im Januar 2011 erscheint sie unter dem Titel „Sharing the Risk. Fire, Climate and Disaster, Swiss Re 1863-1906“ beim englischen Verlag Crucible Books (Carnegie Publishing). Stellvertretend für die Jury resümierte Boris Gehlen in seiner Laudatio: „Eleonora Rohland entwirft ein klares Forschungsdesign, erzielt beachtenswerte empirische sowie analytische Ergebnisse und beschreibt nebenbei frühe Globalisierungsgeschichte. Die Arbeit stellt ohne Wenn und Aber eine herausragende Leistung dar. Sie ist methodisch innovativ, interdisziplinär und mit klarer Problemorientierung, zudem theoretisch beachtlich fundiert – und entspricht damit allen Kriterien, die an den AKKU-Nachwuchspreis angelegt werden.“ Die Preisverleihung fand am 12. November 2010 im Stadt- und Industriemuseum in Rüsselsheim statt.

[|profil.usommerfeld], 17.11.10

Bildungsabschluss allein genügt nicht - Studie untersucht hochqualifizierte Einwanderung im Ruhrgebiet

Oft erschweren langwierige bürokratische Verfahren die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse.
© Peter Kirchhoff / pixelio.de

Ob hochqualifizierte Einwanderer eine Anstellung im Ruhrgebiet finden, hängt nicht allein von ihrem Bildungsabschluss ab: Neben bürokratischen Hürden erschweren auch Vorbehalte gegenüber ausländischen Akademikern den Erfolg. Einwanderer, die ihre „bikulturellen“ Kompetenzen für ihre Tätigkeit nutzen können, haben es dabei auf dem Arbeitsmarkt wesentlich leichter. Dies geht aus der Studie „Hochqualifizierte Zuwanderer mit Bezug zum Ruhrgebiet“ hervor, die das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) gemeinsam mit der RUHR.2010 GmbH durchgeführt hat. Die Verfasserin der Studie, Ulrike Ofner, befragte hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten, warum sie ins Ruhrgebiet kommen, warum sie bleiben oder wieder abwandern. Im Fokus stehen die Erfahrungen, die sie auf dem hiesigen Arbeitsmarkt machen. Überraschend gut schnitt das sozio-kulturelle Klima des Ruhrgebiets ab, zu dem sich keiner der Befragten negativ äußerte. Am 15. November wurde die Studie im KWI vorgestellt.

[|profil.vnoll], 12.11.10

2. Spiekerooger Klimagespräche: Glück in Zeiten des Klimawandels

Die 2. Spiekerooger Klimagespräche fanden vom 4. bis 6. November statt
© pixelio.de / Raphael Rohe

Ab einem bestimmten Wohlstandsniveau, das belegen verschiedene Untersuchungen, trägt ein weiteres Wirtschaftswachstum nicht zu mehr Glück in der Bevölkerung bei. Die moderne Vorstellung von Glück basiert jedoch in der westlichen Welt weiterhin auf Gewinnmaximierung, Wachstum und übersteigertem Wettbewerb, was auch den Leistungsdruck auf den Einzelnen erhöht und den so genannten Zivilisationskrankheiten wie Depressionen Vorschub leistet. Gleichzeitig bedroht der globale Klimawandel auch westliche Wohlstandsgesellschaften in immer stärkerem Maße. Beide Umstände hängen zusammen und erfordern neue Konzepte von Politik, gesellschaftlichen Institutionen und der Wissenschaft. Bei den 2. Spiekerooger Klimagesprächen definierten in der vergangenen Woche rund 30 Vertreterinnen und Vertreter der Sozial-, Kultur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften die wichtigsten Handlungsfelder an der Schnittstelle zwischen persönlicher Glückswahrnehmung und Klimawandel. Reinhard Pfriem von der Universität Oldenburg, neben Ludger Heidbrink vom KWI einer der Mitorganisatoren, fasst zusammen: „Es gibt viele Studien, die belegen, dass die Basis für größeres persönliches Glück bessere soziale Beziehungen sind, weniger Mobilität, selbstbestimmtere Arbeitsformen und mehr Selbstversorgung. Praktisch umsetzen lässt sich dies etwa durch die Entwicklung neuer Wohnformen, Aktivitäten von städtischem Gärtnern und Eigenversorgung oder eine neue Wertschätzung von Lebensmitteln. Die Teilnehmer der Klimagespräche waren sich einig, dass das Ziel sein muss, eine solidarische Ökonomie voranzutreiben, um auch zwischen Unternehmen und Verbrauchern neue Formen der Zusammenarbeit entwickeln zu können.“ Die 3. Spiekerooger Klimagespräche werden vom 17. bis 19. November 2011 stattfinden.

[|profil.vnoll], 10.11.10

Ash: „Wir brauchen einen liberalen Multikulturalismus“

Der britische Historiker und Intellektuelle Timothy Garton Ash zu Gast im KWI
© WAZ FotoPool / Kokoska

Auch Großbritannien gehöre zu Europa, auch wenn seine Landsleute das manchmal anders sehen würden, sagte Timothy Garton Ash am Mittwochabend im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Im Gespräch mit Claus Leggewie stellte der britische Historiker und Intellektuelle sein neues Buch „Jahrhundertwende. Weltpolitische Betrachtungen“ vor. Er führte aus, dass wir in einer „zunehmend post-westlichen Welt“ leben, in der es nicht mehr selbstverständlich sei, dass alle Macht und aller Reichtum im Westen angesiedelt seien. Die häufigste Reaktion darauf sei in Europa das Bestreben, das Erreichte gegen die vermeintlich „Anderen“ zu verteidigen, wie die populistischen Bewegungen zeigten. Dies liegt laut Ash auch daran, dass hier drei wesentliche Fehler begangen worden sind: Erstens hat es zu lange Immigration ohne Integration gegeben, zweitens verfügen viele Migranten der zweiten oder dritten Generation nicht über ausreichende sprachliche Kenntnisse. Der dritte Fehler werde momentan begangen, indem von einem zuvor oft oberflächlichen Multikulturalismus auf „Monokulti“ umgeschwenkt werde. Auch wenn der Begriff des Multikulturalismus inzwischen ideologisch aufgeladen sei, müsse es darum gehen, einen neuen und zwar liberalen Multikulturalismus zu schaffen, dessen Basis die individuelle Freiheit ist. Letztlich müsse man sich vor allem über gewisse „liberal essentials“ verständigen, also über Werte, die nicht verhandelbar sind wie Menschenrechte, Redefreiheit, Gleichberechtigung. Neben der Erweiterung der Freiheit in Europa sei die Entwicklung einer europäischen Außenpolitik das wichtigste Anliegen. Dabei gehe es nicht um die Schaffung einer neuen Weltmacht, sondern darum, dass Europa wirklich zusammenwachsen müsse, um seine eigenen Interessen gegen China, Russland oder die USA behaupten zu können. Insbesondere in Bezug auf die größte aktuelle Herausforderung, den globalen Klimawandel, sei dies eine unbedingte Notwendigkeit.

[|profil.vnoll], 05.11.10

Erste Kooperation des KWI mit den Essener Filmkunsttheatern – Sondervorstellung "Jud Süss"

PD Dr. Alexandra Przyrembel, Dr. Christian Gudehus, Armin Nolzen (v.l.n.r.)
© KWI

Am 25. Oktober zeigte das Filmstudio Glückauf den 1940 uraufgeführten NS-Propagandafilm „Jud Süss“. Bei der vom KWI organisierten wissenschaftlichen Rahmung diskutierten unter der Leitung von Dr. Christian Gudehus , Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Center for Interdisciplinary Memory Research (CMR) am KWI, die Göttinger Historikerin PD Dr. Alexandra Przyrembel und der Bochumer Historiker Armin Nolzen im Anschluss an die Filmvorführung mit dem Publikum über die zeitgenössische und heutige Wirkung des Films. Ob dieser oder andere so genannte Vorbehaltsfilme tatsächlich nur mit wissenschaftlicher Begleitung gezeigt werden sollten war eine der Fragen, für die sich die ZuschauerInnen im ausverkauften Filmstudio interessierten.
Diese erste Kooperation bildet den Auftakt für weitere gemeinsame Veranstaltungen der Essener Filmkunsttheater mit dem KWI.

[|profil.usommerfeld], 29.10.10

Lesart Spezial: Paranoia - Attentate und unsere Sehnsucht nach Sicherheit

Prof. Dr. Manfred Schneider, Prof. Dr. Claus Leggewie, Dr. Guido Steinberg (v.l.n.r.)
© KWI

Gäste der von Prof. Dr. Claus Leggewie moderierten Lesart Spezial am 25. Oktober waren Prof. Dr. Manfred Schneider vom Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum und Dr. Guido Steinberg, Islamwissenschaftler und Mitarbeiter bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Schneider stellte sein neues Buch „Das Attentat. Kritik der paranoischen Vernunft“ (Matthes & Seitz, Berlin 2010) vor, in dem er anhand einer Vielzahl von Beispielen - beginnend mit Brutus’ Cäsarenmord, über die Ermordung Marats, John F. Kennedys oder John Lennons bis hin zu den heutigen Selbstmordattentätern - die psychologische Struktur des Attentäters analysiert und zeigt, dass sich die Paranoia der Täter in der Paranoia der Interpreten wiederholt und heute im Wahn einer Hochsicherheitsgesellschaft ihr Ziel erreicht. Guido Steinberg präsentierte das Buch „Allahs Missionare – Ein Bericht aus der Schule des Heiligen Krieges“ (Dumont Buchverlag, Köln 2010) des Journalisten Willi Germund, der die Spuren radikaler Muslime in Pakistan, Indien und Afghanistan verfolgt. Lesart Spezial wird am 31. Oktober von 12.30 Uhr bis 13.00 Uhr im Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt.

[|profil.usommerfeld], 28.10.10

Transatlantisches Symposium an der Boston University zur Wahrnehmung des Klimawandels

Dr. Bernd Sommer, Beth Daley, Ann-Kathrin Eckardt und Chris Russil (v.l.n.r.)
© Pardee Center

Inwiefern unterscheidet sich die Wahrnehmung des Klimawandels in den USA und Europa? Welche Rolle spielen die Medien, Filmemacher sowie Kunst- und Kulturschaffende bei der Wahrnehmung eines abstrakten Phänomens wie der Erderwärmung? Dies waren die Fragen, die Journalisten, Akademiker und Künstler im Rahmen eines zweitägigen Symposiums diskutierten, welches das KWI in Kooperation mit dem Goethe Institut Boston und dem Frederick S. Pardee Center for the Study of the Longer-Range Future am 18. und 19. Oktober an der Boston University veranstaltete. Andrew Revkin, Senior Fellow am Pace Academy for Applied Environmental Studies, und Autor des New York Times-Blogs "Dot Earth" betonte, dass Klimaschutzstrategien sich nicht nur an den wissenschaftlichen Fakten, sondern auch der öffentlichen Wahrnehmung orientieren müssen, um erfolgreich zu sein. Igor Vamos (alias Mike Bonanno), Associate Professor am Rensselaer Polytechnic Institute und Mitglied der Yes Men beschrieb, wie sich mittels künstlerischer Interventionen und Zuspitzungen selbstauferlegte kulturelle Barrieren transzendieren lassen. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hob hervor, dass sich Unterschiede in der Wahrnehmung und Bewertung des Klimathemas, weniger in den unterschiedlichen Wissenschaftsgemeinschaften, als in den Medien dies- und jenseits des Atlantiks finden lassen. Die Veranstaltung wurde von Dr. Bernd Sommer, Research Fellow am KWI, kuratiert. Ein Bericht sowie ein Videomitschnitt der Veranstaltung finden Sie auf der Homepage des Pardee Centers.

[|profil.usommerfeld], 27.10.10

Verantwortung in der Region

Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Prof. Dr. Wolfgang Stark, Annabel von Klenck, Reinhild Hugenroth und Peter Kusterer (v.l.n.r.)
© KWI

Wie können regionale Lernallianzen, Partnerschaften und Netzwerke im Rhein-Ruhr-Gebiet gefördert werden? Auf welche Weise kann das Innovationspotential von Corporate-Social-Responsibility-Aktivitäten (CSR) für die Region weiter entwickelt werden? Diese Fragestellungen waren Kernpunkte eines Workshops, der am 19. Oktober vom Center for Responsibility Research (CRR) am KWI zusammen mit dem Labor für Organisationsentwicklung der Universität Duisburg-Essen veranstaltet wurde. Wissenschaftler, Praktiker aus Unternehmen und Non-Profit-Organisationen sowie Vertreter der Politik gaben vor dem Hintergrund des „Netzwerkes Verantwortung Ruhr“ einen Einblick in den Stand der Entwicklung unternehmerischen und zivilgesellschaftlichen Engagements. Dabei wurde deutlich, dass regionale Herausforderungen wie kulturelle Integration und demographischer Wandel durch eine bessere Verantwortungsteilung zwischen Politik, Wirtschaft und Bürgergesellschaft bewältigt werden müssen, wozu sich in NRW schon eine Vielzahl laufender Initiativen und Projekt finden lässt.

[|profil.usommerfeld], 22.10.10

Neuerscheinung: Interkultur - Jugendkultur. Bildung neu verstehen

Interkultur - Jugendkultur

Deutschland ist eine Gesellschaft, in der Menschen unterschied-licher kultureller Herkunft