KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

50 Jahre 68 - Historiker Norbert Frei am KWI


Norbert Frei zu Gast am KWI
Foto: KWI / Alexander Muchnik, eventfotograf.in
Norbert Frei, einer der profiliertesten und international bekanntesten deutschen Historiker, war am 13. Dezember Gast am KWI. Er betreute eine Masterclass zum Thema "'68 in der Geschichte. Ereignis, Erforschung, Rezeption" und hielt einen öffentlichen Abendvortrag. Unter dem Titel "50 Jahre "68" – Rückblick auf einen Rückblick" ging er der Frage nach, wie wir heute an "68" erinnern und wie sich unser Blick auf diese Chiffre im Laufe der Zeit verändert hat. In der aktuellen historischen Forschung stehe insbesondere der "weltumspannende Charakter" von "68" im Zentrum. Aber auch bei der Aufarbeitung des Phänomens auf lokaler Ebene, beispielsweise "in der sozialistischen Welt des Nordens" oder der bundesrepublikanischen Provinz, sei noch viel nachzuholen. Zu den Ursachen der 68er-Bewegung glaubt Frei, sie hätten viel mit der unbewältigten NS-Geschichte zu tun, auch wenn diese auf dem Höhepunkt der Bewegung keine große Rolle mehr spielte. Als wichtigste Folgeerscheinung von "68" macht er klar die Frauenbewegung aus.
Dass im Vergleich zu 2008 in diesem Jahr die gesellschaftliche Erinnerung an "68" in kleinerem Rahmen stattfand, sieht Frei zum einen in der Tatsache begründet, dass die "Helden" von "68" älter und vielleicht dadurch ein wenig ruhiger geworden seien, aber auch darin, dass ein 40-jähriger Rückblick auf ein zäsurhaftes Ereignis offensichtlich eine größere Wirkung und Bedeutung habe. Richard von Weizsäcker selbst habe in seiner berühmten Rede zum 8. Mai 1985 auf die Bedeutung der Zahl 40 in Bezug auf "Menschenleben und Völkerschicksale" hingewiesen. Die Veranstaltung wurde moderiert vom Historiker und früheren KWI-Direktor Wilfried Loth.
Johanna Buderath, 18. Mär 2019 13:30