KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Vortrag zur Geschichte der Folkwang Universität - Strahlkraft über das Revier hinaus


Andreas Jacob, Rektor der Folkwang Universität der Künste
© KWI
Die Ruhrregion hat sich in den letzten Dekaden zu einer Region der Wissenschaft entwickelt. Die Geschichte der Hochschullandschaft ist jedoch durch zahlreiche historische Diskontinuitäten und institutionelle Umbrüche geprägt. Die Vortragsreihe „Eine Region und ihre Hochschulen: 1655 – 1818 – 2018“, initiiert vom Universitätsarchiv Duisburg-Essen und dem Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung der Universität Duisburg-Essen, nimmt den zweihundertsten Jahrestag der Schließung der Alten Hochschule Duisburg 1818 zum Anlass, den Hochschulstandort Duisburg-Essen in seiner Diversität zu beleuchten.
Andreas Jacob, Rektor der Folkwang Universität der Künste, referierte am 29. November 2018 im Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) über die bewegte Geschichte der renommierten Folkwang Hochschule, die in den Bereichen Tanz, Musik, Theater und Kunst ausbildet. In seinem kurzweiligen Vortrag „Folkwang Universität der Künste: Die Kunsthochschule als Akteur gesellschaftlichen Wandels“, gab Jacob zunächst einen Einblick in die zeithistorische Entwicklung der Institution und kontextualisierte diese mit den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen. So berichtete Jacob u. a. von der Einflussnahme der Nationalsozialisten auf die ästhetische Ausrichtung der Kunsthochschule, die insbesondere die Sektion der Bildenden Künste betraf. Experimentelle und avantgardistische Strömungen wichen völkischen Kunstvorstellungen. Der Ausschluss jüdischer Mitarbeiter*innen bewog den Mitbegründer der Folkwang-Schule Kurt Jooss zur Emigration. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Deutschland zurück und nahm seine Arbeit wieder auf. Neben dieser Periode stellte Jacob fortwährende Diskurse über das Selbstverständnis der Universität der Künste heraus. So blieb beispielsweise das Spannungsverhältnis zwischen einem genuin künstlerisch gedachten Kunstbegriff und einem eher handwerklichen Verständnis der Künste, bedingt durch die Zusammenführung der Folkwang-Schule und der Handwerker-und Kunstgewerbeschule für Gestaltung im Jahr 1928, eine treibende Kraft in der Ausrichtung der Hochschule. Im Jahr 2018 ist die Folkwang Universität der Künste die zweitgrößte Kunsthochschule Deutschlands und eine angesehene Institution weit über die Ruhrregion hinaus.
Johanna Buderath, 11. Jan 2019 14:18