KWI- Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Cine Science extra: Der Dokumentarfilm „Newcomers“


Egemen Özbek, André Grahle, Ma'an Mouslli, Sara Höweler, Corinna Mieth, Volker Heins (v.l.n.r.)
© KWI, Foto: Schuchrat Kurbanov

Einen beeindruckenden und tief bewegenden Film sahen die Gäste im Filmstudio Glückauf am vergangenen Dienstagabend (10. Juli 2018) und nutzten im Anschluss gerne die Gelegenheit mit dem Regisseur Ma’an Mouslli, Sara Höweler, der Produzentin des Films, sowie dem ebenfalls an der Produktion beteiligten Philosophen André Grahle von der LMU München ins Gespräch zu kommen.
Aus 400 Stunden filmischem Interviewmaterial hat Ma’an Mouslli einen einstündigen Film kondensiert, in dem Menschen unterschiedlichen Alters, sexueller Orientierung und mit Fluchterfahrungen aus verschiedensten Ländern und Zeiten ihre Geschichte erzählen. Dabei geht es nicht nur um Erfahrungen während der Flucht oder solchen, die dazu führten. Die Interviewten erzählen von ihrer Kindheit, ihren Eltern, der ersten Liebe oder ihrer Schulzeit.
Von den 80 Menschen, mit denen er für den Film gesprochen habe, berichtete der aus Syrien stammende Mouslli, sei keiner je gebeten worden, seine Geschichte zu erzählen. Vielfach geschehe dies aus Angst, erlebtes Leid zu vergrößern. Dennoch sei der erste Schritt, wenn man auf Menschen zugehe, zumal wenn man erwarte, dass sie sich integrierten, sie zu fragen, wo sie herkämen und was sie dort erlebt hätten, so der Regisseur. Die Herkunftsländer und die dortige politische Situation spielen im Film eine untergeordnete Rolle. Vielmehr hat Newcomers eine zutiefst menschliche und aufrüttelnde Botschaft: dass Menschen überall auf der Welt und zu unterschiedlichen Zeiten, die ihre Heimat verlassen mussten, ähnliche traumatische Erfahrungen machen. Ob auf der Flucht vor den Russen am Ende des Zweiten Weltkriegs, aus der Ehemaligen DDR in Siebzigern oder heute aus Syrien, Afghanistan oder Palästina. Es sollte selbstverständlich sein, sie bei uns als neue Mitglieder unserer Gesellschaft („newcomers“) willkommen zu heißen, ihre Schicksale können und dürfen uns nicht gleichgültig sein.
Die Veranstaltung war eine Kooperation der Academy in Exile, dem Verein EXIL Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge e.V., der Ruhr Uni Bochum, dem Filmstudio Glückauf und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI).
Helena Rose, 15. Nov 2018 11:28